{"id":121511,"date":"2024-03-09T21:21:36","date_gmt":"2024-03-09T20:21:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=121511"},"modified":"2024-03-22T20:19:35","modified_gmt":"2024-03-22T19:19:35","slug":"woke-gegen-buerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/woke-gegen-buerger\/","title":{"rendered":"Woke gegen B\u00fcrger"},"content":{"rendered":"<p>Gewisse Spannungen zwischen Stadt und Land gab und gibt es immer, man empfindet sie als belebend. Mit der aus den USA kommenden Ideologie des linken Woke-Seins (woke f\u00fcr erwacht) jedoch versch\u00e4rfen sie sich bis hin zur <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/spaltung\/\">Spaltung<\/a> der Gesellschaft und zum <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturkampf\/\">Kulturkampf<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke\/\">Woken<\/a> gegen die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/buerger\/\">B\u00fcrger<\/a>. <!--more-->Die Deutschen neigen dazu, jede Ideologie besonders intensiv praktizieren zu m\u00fcssen. Deshalb wird hierzulande unter dem Namen &#8220; Kampf gegen rechts&#8220; (2,5 Mrd Euro seit 2021) so vehement gegen Nicht-Woke vorgegangen, also gegen Nicht-Linke, Andersdenkende, Kritiker, Querdenker, AfD, Libert\u00e4re, Bauern, Handwerker, Mittelst\u00e4ndler usw.<\/p>\n<p>&#8222;Woke gegen B\u00fcrger&#8220; ist eine Auseinandersetzung von Ideologie als Ersatz-Religion gegen B\u00fcrgergesellschaft. Eine rationale Diskussion wird von Woken verweigert und umgedeutet zum Disput gegen Ungl\u00e4ubige.<\/p>\n<p>&#8222;Woke gegen B\u00fcrger&#8220; ist ein Anrennen einer zahlenm\u00e4\u00dfigen Minderheit gegen die Mehrheit. Gleichwohl beanspruchen die Woken die Meinungsf\u00fchrerschaft, da sie durch den 1968 angetretenen Marsch durch die Institutionen die Herrschaft \u00fcber die Medien, NGOs, Kirchen, Wissenschaft und Kultur innehaben.<\/p>\n<p>&#8222;Woke gegen B\u00fcrger&#8220; ist ein Kampf der &#8222;Sinnproduzenten&#8220; (Wendt) gegen die Produzenten. Die B\u00fcrger sind f\u00fcr die Erwirtschaftung des Bruttosozialprodukts zust\u00e4ndig, das die Woken dann von oben in Berlin aus umverteilen. Die B\u00fcrger halten die Volkswirtschaft am Laufen, die Woken bewerkstelligen Degrowth bis hin zur Deindustrialisierung. Ein Streik der B\u00fcrger bedeutet Zusammenbruch, ein Streik der Woke hingegen Aufatmen.<\/p>\n<p>&#8222;Woke gegen B\u00fcrger&#8220; polarisiert. Als Hillary Clinton 2016 auf einem LGBTQ-Treffen in New York die Nicht-Woken als &#8222;Basket of Deplorables&#8220; (Haufen von J\u00e4mmerlichen bzw. Verachtenswerten) und damit Verlierer (lost) beschimpfte, f\u00fchlte sich eine gute H\u00e4lfte der US-Amerikaner angesprochen und beleidigt. Seither gilt die linke Einteilung der westlichen Welt in woke (Aufgewachte) und lost (Verlierer). Seither gilt woke als Modewort (&#8222;woke is the new cool&#8220;) wie auch als Schimpfwort (&#8222;get woke, get broke&#8220;).<br \/>\n.<br \/>\nDie begrifflichen Zuordnungen zum Begriffspaar &#8222;Woke &#8211; B\u00fcrger&#8220; sind vielf\u00e4ltig:<br \/>\n<em>Woke:<\/em> Links, Anywheres, bindungslos, ortsungebunden, global, urban, mobil, Kosmopolit, international, progressiv, geschichtsvergessen, kollektiv, solidarisch, untert\u00e4nig, abh\u00e4ngig, verantwortungslos, Zentrum, innen, oben, pseudoreligi\u00f6s, destruktiv, Moral, Elite, moralisch, Wunschdenken, &#8222;erleuchtete Wohlgesinnte&#8220; (Alexander Wendt), woke, Transferempf\u00e4nger.<br \/>\n<em>B\u00fcrger:<\/em> Rechts, Somewheres, heimatverbunden, bodenst\u00e4ndig, lokal, l\u00e4ndlich, verwurzelt, Patriot, national, konservativ, traditionsbewu\u00dft, individuell, pers\u00f6nlich, freiheitlich, unabh\u00e4ngig, eigenverantwortlich, Peripherie, drau\u00dfen, unten, religi\u00f6s, konstruktiv, Vernunft, Citoyen, rational, Menschenverstand, &#8222;Basket of deplorables&#8220; (Hillary Clinton), lost, Steuerzahler.<\/p>\n<p>Vier B\u00fccher informieren aus unterschiedlichen Perspektiven \u00fcber den Konflikt zwischen woker Gesellschaft und B\u00fcrgergesellschaft:<br \/>\n(1) Alexander Wendt: Verachtung nach unten &#8211; Wie eine Moralelite die B\u00fcrgergesellschaft bedroht &#8211; und wie wir sie verteidigen k\u00f6nnen. 1\/2024, 372 S., ISBN 978-3-95768-259-8, 26 Euro<br \/>\n(2) Michael Esfeld: Land ohne Mut &#8211; Eine Anleitung f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu Wissenschaft und Rechtsordnung, 2023, 198 S., ISBN 978-3-9822771-6-5, 24 Euro<br \/>\n(3) Susanne Schr\u00f6ter: Der neue Kulturkampf &#8211; Wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht. 2\/2024, Herder Verlag, 272 S., 20 Euro<br \/>\n(4) Peter Hahne: Ist das euer Ernst? Aufstand gegen Idiotie und Ideologie, 3(2024, ISBN 978-3-86995-141-6, 12 Euro<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Zu (1) Alexander Wendt: Verachtung nach unten &#8211; Wie eine Moralelite die B\u00fcrgergesellschaft bedroht &#8211; und wie wir sie verteidigen k\u00f6nnen<br \/>\n<\/strong>In seinem Buch analysiert Wendt, wie eine woke Moralelite die B\u00fcrgergesellschaft als Basis des seit 1949 erprobten demokratischen Rechtsstaats zerst\u00f6rt. Obwohl die B\u00fcrger die Volkswirtschaft aufrechterhalten, werden sie von den Erwachten (woke) als Verlierer (lost) aus dem \u00f6ffentlichen Diskurs verbannt. Dies ist nur m\u00f6glich, weil die B\u00fcrger kaum Widerstand leisten und verzagt sind angesichts der woken Dominanz in Medien, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, NGOs, Wissenschaft, Schulwesen und Kulturbetrieb.<br \/>\nDas Buch beschreibt den Versuch der Woken, \u201edie Bu\u0308rgergesellschaft durch eine neue, von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht und Religion definierte Gesellschaft der St\u00e4mme zu ersetzen, Parlamente durch St\u00e4ndeversammlungen, den westlichen Individualismus durch das Denken im Kollektiv, die Meritokratie durch die Zuteilung von Ressourcen nach Quoten, das Aushandeln von Begriffen mit Rede und Gegenrede durch eine unkritisierbare Orthodoxie und den westlichen Rationalismus durch einen Okkultismus\u201d (Seite 10).<\/p>\n<p>In den Kapiteln 1 bis 6 gibt Alexander Wendt einen breiten und fundierten \u00dcberblick zur gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und den USA als dem Herkunftsland des Wokeismus.<br \/>\nIn Kapitel 7 analysiert er die B\u00fcrger in ihrem &#8222;Kulturkampf&#8220; &#8211; Wendt spricht auch von &#8222;Kulturkrieg&#8220; &#8211; gegen die woken &#8222;Wohlgesinnten&#8220; bzw. &#8222;Sinnproduzenten&#8220;.<br \/>\nIn Kapitel 8 &#8222;Provisorischer Frieden &#8211; ein Entwurf&#8220; wendet sich Wendt der Zukunft zu. &#8222;B\u00fcrger sollten und k\u00f6nnen sich selbst erm\u00e4chtigen&#8220;, also endlich Widerstand leisten. Hierzu formuliert er 12 Regeln, die einige Selbstverst\u00e4ndlichkeiten demokratischen Verhaltens beinhalten. Damit verr\u00e4t er, wie gef\u00e4hrdet die Demokratie derzeit ist.<\/p>\n<p>&#8222;1. In einer offenen Gesellschaft l\u00e4sst sich aus der Hauptfarbe weder eine generelle Privilegierung noch eine generelle Diskriminierung ableiten.<br \/>\n2. Schuld ist immer individuell und konkret. Niemand muss sich eine Schuld f\u00fcr den Kolonialismus und die Sklaverei einreden lassen, Es gibt keine &#8222;white guilt&#8220;.<br \/>\n3. Niemand kann eine moralischere, h\u00f6herwertigere Sicht der Dinge f\u00fcr sich beanspruchen, weil er einer Minderheit angeh\u00f6rt.<br \/>\n4. Wenn sich jemand durch eine legitime Meinungs\u00e4u\u00dferung &#8222;verletzt&#8220; f\u00fchlt, ist das ein Affekt, aber kein Argument, das jemand k\u00fcmmern m\u00fcsste.<br \/>\n5. Im \u00f6ffentlichen Raum hat niemand Anrecht auf einen &#8222;safe space&#8220;, also einen Schutzraum vor Kritik und \u00fcberhaupt anderen Meinungen.<br \/>\n6. Institutionelle Machtteilung, Rede und Gegenrede geh\u00f6ren zu allen \u00f6ffentlichen Angelegenheiten. Zweifel geh\u00f6rt zur Wissenschaft.<br \/>\n7. Von keinem Mitarbeiter in einem Unternehmen und einer Institution d\u00fcrfen Bekenntnisse verlangt werden, die \u00fcber das hinausgehen, was Verfassung und allgemeine Gesetze vorsehen.<br \/>\n8. Es ist v\u00f6llig legitim, eine pauschale Anklage gegen den Westen als kolonialistisch, rassistische und unterdr\u00fcckerisch ebenso pauschal als anma\u00dfend zur\u00fcckzuweisen.<br \/>\n9. Wer die Existenz eine &#8222;weissen Schuld&#8220; und einer kollektiven westlichen Schuld f\u00fcr die Vergangenheit behauptet, sollte umgehend mit der Frage konfrontiert werden, was ihn dazu legitimiert.<br \/>\n10. Weder der Staat mit seinen Ressourcen noch \u00fcberwiegend staatlich finanzierte Organisationen haben sich am \u00f6ffentlichen Meinungsstreit zu beteiligen.<br \/>\n11. Der Staat und seine Repr\u00e4sentanten befinden sich gegen\u00fcber den B\u00fcrgern in einer dienenden Position. Sie sind den B\u00fcrgern verantwortlich, nicht umgekehrt.<br \/>\n12. Erwachsene sind keine Erziehungsobjekte. Auch die beste Absicht rechtfertigt keinen \u00dcbergriff auf die Souver\u00e4nit\u00e4t des B\u00fcrgers.&#8220; (S. 347\/348)<\/p>\n<p>Migranten sind &#8211; sofern sie sich nicht in Parallel- bzw. Gegengesellschaften absondern &#8211; von Alexander Wendt willkommen: &#8222;B\u00fcrger kann jemand sein, dessen Vorfahren sich \u00fcber ein Dutzend Generationen in diesem Land zur\u00fcckverfolgen lassen, aber auch ein Einwanderer, der in Deutschland zu einer Gesellschaftsordnung geh\u00f6ren m\u00f6chte, die er in seine alten Heimat nicht findet&#8220; (S. 349). Denn &#8222;B\u00fcrger zu sein ist eine geistige Haltung&#8220;.<br \/>\n&#8222;Civis, Citoyen, B\u00fcrger: In diesem Begriff k\u00f6nnen sich alle wiederfinden, die Institutionen und Formen der B\u00fcrgergesellschaft verteidigen, und sich dabei nicht scheuen, ein Risiko einzugehen&#8220; (S. 348). Wieder eine Aufforderung an alle Nichtwoken, sich von ihrer wohlstandsbedingten Bequemlichkeit zu verabschieden und aktiv zu werden.<\/p>\n<p>Alexander Wendt schreibt sachlich fundiert in gew\u00e4hltem Ton \u00fcber den &#8222;Kulturkampf&#8220; der Woken, die er als die Regressiv-Progressiven bezeichnet. Nur einmal platzt ihm f\u00f6rmlich der Kragen und der &#8222;Kulturkampf&#8220; wird zum&#8220; Kulturkrieg&#8220;:<br \/>\n&#8222;Ganze gesellschaftliche Gruppen als Erb\u00e4rmliche, als Abgedriftete, als Unbedeutende zu etikettieren &#8211; das ist Kulturkrieg.<br \/>\nVortr\u00e4ge und Veranstaltungen, die sich im legalen Rahmen bewegen, aus politischen Gr\u00fcnden zu verhindern &#8211; das ist Kulturkrieg.<br \/>\nStaatlich finanzierte Meldestellen f\u00fcr strafrechtlich nicht relevante Meinungen einzurichten &#8211; das ist Kulturkrieg.<br \/>\nDer Mehrheitsgesellschaft einzureden, sie sei kollektiv rassistisch und tr\u00fcge eine Erbschuld f\u00fcr die Vergangenheit &#8211; das ist Kulturkrieg.<br \/>\nDruck auf Universit\u00e4ten, Verlage, Medien auszu\u00fcben mit dem Ziel, die Forschung zu g\u00e4ngeln und das Erscheinen bestimmter Texte zu verhindern &#8211; das ist Kulturkrieg.<br \/>\nJeden, der etwas gegen diese Kulturkrieger vorbringt, zum Gesellschaftsfeind, zum Demokratiefeind, zum Faschisten zu stempeln &#8211; das ist Kulturkrieg.&#8220; (S. 370)<\/p>\n<p>Die Woken haben nur ein Ziel, und dieses lautet Macht und Machterhalt: &#8222;Es geht ihnen darum, Tribut einzutreiben. Nicht fu\u0308r die, die sie zu vertreten vorgeben, sondern fu\u0308r sich selbst. Den perfekten Zustand erreicht die Gesellschaft in ihren Augen schon dann, wenn niemand mehr die Legitimit\u00e4t ihrer Machtausu\u0308bung infrage stellt.\u201d Und diese Macht haben die Erleuchteten zumindest in den Bereichen der politischen Parteien, Medien, Hochschulen, Konzernunternehmen und im Kulturbetrieb bereits errungen.<\/p>\n<p>Drei Buchrezensionen zu &#8222;Verachtung nach unten&#8220; sind zu erw\u00e4hnen (mehr lesen siehe <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/verachtung\/\">hier<\/a>):<br \/>\nI. In seiner Rezension meint Matthias Matussek, &#8222;da\u00df dieses Buch zum kultursoziologischen Standardwerk unserer sp\u00e4t- wenn nicht postdemokratischen Epoche avancieren wird.&#8220; <a href=\"https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2024\/wendt-gegen-woke-wohlgesinnt-auf-dem-sonnendeck\/\">https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2024\/wendt-gegen-woke-wohlgesinnt-auf-dem-sonnendeck\/<\/a><br \/>\nII. Die Rezension von Wolfgang R\u00f6hl &#8222;Ist Peak-Woke schon erreicht?&#8220; geht auch auf die Lage in den USA ein. Er f\u00fchrt Michael Shellenberger an, der den &#8222;Peak Woke&#8220; f\u00fcr \u00fcberschritten h\u00e4lt. <a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ist_peak_woke_schon_erreicht\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ist_peak_woke_schon_erreicht<\/a><\/p>\n<p>III. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/klonovsky\/\">Michael Klonovsky<\/a> erweist sich in seiner Rezension als intelligent-pfiffiger und kreativer Literat, der Wendt gerne h\u00f6chstes Lob attestiert: &#8222;Alexander Wendt vereinigt in seinem Opus verschiedene Genres der nichtfiktionalen Wirklichkeitsbeschreibung, es ist eine Cuv\u00e9e aus Essay, Reportage, Fallsammlung, Streitschrift und b\u00fcrgerlichem Manifest. Das Buch schildert einen Kulturkampf, dessen Auswirkungen jeder Bewohner eines westlichen Landes t\u00e4glich versp\u00fcrt, weil er ihn nicht nicht versp\u00fcren kann \u2013 es sei denn, er (m\/w\/d) z\u00f6ge sich in eine Einsiedelei zur\u00fcck und verzichtete auf jeglichen Mediengebrauch.&#8220;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.klonovsky.de\/2024\/03\/12-maerz-2024\/\">https:\/\/www.klonovsky.de\/2024\/03\/12-maerz-2024\/<\/a><br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Zu (2) Michael Esfeld: Land ohne Mut &#8211; Eine Anleitung f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu Wissenschaft und Rechtsordnung<\/strong><br \/>\nIm Gegensatz zum traditionellen Totalitarismus (Kommunismus, Nationalsozialismus) hat der \u201epostmoderne Totalitarismus\u201c der linken Woken kein einzelnes grosses Narrativ: \u201eAn seine Stelle treten kleine Narrative, die jeweils ein austauschbares kollektives Gut postulieren. Das kann Gesundheitsschutz vor der Ausbreitung eines Virus sein, Schutz vor Klimawandel, Schutz angeblich benachteiligter Gruppen usw.\u201c Das macht dieses totalit\u00e4re System so gef\u00e4hrlich wie eine Hydra: Auf ein nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfes Narrativ folgt rasch ein neues. So wird vielleicht das \u201eGegen rechts\u201e-Narrativ demn\u00e4chst abgel\u00f6st werden durch das \u201eUkrainekrieg\u201c-Narrativ?<br \/>\nIn der Durchsetzung der Corona- und Klima-Narrative erkennt Michael Esfeld in seinem <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/michael-esfeld-land-ohne-mut\/\">Buch &#8222;Land ohne Mut&#8220;<\/a> eine Machtzunahme des Staates, mit der eine Abkehr vom demokratischen zum aristokratischen System bis hin zu Kollektivismus und Totalitarismus verbunden ist. Der Staat garantiert dem B\u00fcrger dessen Grund- bzw. Freiheitsrechte nicht mehr, sondern l\u00e4\u00dft sich diese durch Gehorsam und Wohlverhalten \u201averdienen\u2018.<br \/>\nDie Abwehrrechte gegen den \u00fcbergriffigen Staat (die der B\u00fcrger qua Geburt besitzt) werden zu Anspruchsrechten an den vermeintlich f\u00fcrsorgenden Staat (die er sich nach dem chinesischen Vorbild des sozialen Kreditsystems verdienen mu\u00df) reduziert.<br \/>\n\u201eWenn die Staatsgewalt nicht mehr die Freiheit aller negativ sichert als Schutz vor und Bestrafung von ungewollten Eingriffen in die eigene Lebensf\u00fchrung jeder Person, sondern sich anschickt, Freiheit positiv zu bef\u00f6rdern, dann schr\u00e4nkt sie Abwehrrechte ein, um Anspruchsrechte zu bef\u00f6rdern. Es gilt dann nicht mehr gleiches Recht f\u00fcr alle. Personen haben dann Anspr\u00fcche auf bestimmte F\u00f6rderungen seitens des Staates; die Staatsgewalt holt sich die Mittel, um diese Anspr\u00fcche zu erf\u00fcllen, indem sie diesbez\u00fcglich Abwehrrechte einschr\u00e4nkt.\u201c (Esfeld, S. 156). Damit wird der Rechtsstaat beerdigt, da das Prinzip \u201egleiches Recht f\u00fcr alle\u201c nicht mehr gelten kann.<br \/>\nDurch den politischen Szientismus wird unser \u201eLand ohne Mut\u201c in den postmodernen Totalitarismus hinabgleiten. \u201eEs ist eine Entflechtung der Machtkonzentration bei der Staatsgewalt erforderlich, genau wie zu Beginn der Moderne das Machtkonglomerat von Kirche und Staat zerschlagen wurde und sich dadurch der Rechtsstaat und die freie Wissenschaft entwickelt haben.\u201c Das Jahr 2024 markiert also einen Wendepunkt \u2013 oder auch keinen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/michael-esfeld-land-ohne-mut\/\">Michael Esfeld<\/a> ruft die B\u00fcrger auf, ihrer wohlstandsverw\u00f6hnten Bequemlichkeit zu entsagen und zu eigenem Handeln gegen die woke Moralelite zu finden, die Politik, Medien und NGOs dominiert. Dazu formuliert er am Ende seines Buchs drei Schritte:<br \/>\n\u201e- Urteilskraft st\u00e4rken,<br \/>\n\u2013 Skepsis gegen\u00fcber Machtkonzentration und Aufbau vom Staat unabh\u00e4ngiger sozialer Gemeinschaften,<br \/>\n\u2013 Zivilcourage zeigen mit dem Mut zu freiem \u00f6ffentlichen Gebrauch seines Verstandes.\u201c<br \/>\nMehr <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/sachbuch\/esfeld\/\">hier<\/a>.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Zu (3) Susanne Schr\u00f6ter: Der neue Kulturkampf &#8211; Wie eine woke Linke Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bedroht<\/strong><br \/>\nDie Ethnologie-Professorin Susanne Schr\u00f6ter leitet seit 2014 das &#8222;Forschungszentrum Globaler Islam&#8220; an der Universit\u00e4t Frankfurt. &#8222;Die Idee f\u00fcr dieses Buch entstand w\u00e4hrend der Rufmordkampagne, der ich seit April 2023 ausgesetzt war&#8220;, schreibt die Autorin auf Seite 249. Und der Herder-Verlag in Freiburg fasst den Buchinhalt so zusammen:<br \/>\n&#8222;Wenn die Moral die Vernunft angreift: Identit\u00e4tspolitik, Cancel Culture und Wokeness \u2013 was an den Universit\u00e4ten seinen Ausgang nahm, beeinflusst mittlerweile nicht nur Medien, Kultureinrichtungen und Bildungsinstitutionen, sondern ist auch in der Politik und Wirtschaft angekommen. Angetreten, um gegen Rassismus und Diskriminierung zu k\u00e4mpfen und sich f\u00fcr Demokratie und Zusammenhalt einzusetzen, bewirkt eine woke Linke das genaue Gegenteil. Mit Sprachregelungen, der Tabuisierung gesellschaftlicher Missst\u00e4nde vor allem im Bereich der Migration oder der Reduzierung der Wissenschaft auf eine Erf\u00fcllungsgehilfin der Politik verhindert sie eine offene demokratische Auseinandersetzung. Susanne Schr\u00f6ter, oft genug selbst Ziel woker Angriffe, analysiert die Ideologie der woken Linken und beschreibt, wie diese versucht, in zentralen Bereichen der Gesellschaft die Deutungshoheit zu erobern.&#8220;<br \/>\nW\u00e4hrend Alexander Wendt den Kulturkampf &#8222;Woke gegen B\u00fcrger&#8220; umfassend und Michael Esfeld mit Schwerpunkt auf den postmodernen Totalitarismus des \u00fcbergriffigen Staates analysieren, setzt Susanne Schr\u00f6ter den Focus auf das Thema <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migration2021\/\">Migration<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/islamkritik\/\">Islam<\/a>. Trotz &#8222;verfestigter islamistischer Parallelgesellschaften war es woken Linken gelungen, das Thema nachhaltig zu tabuisieren&#8220; (S. 246).<\/p>\n<p>Susanne Schr\u00f6ter: &#8222;Der neue Kulturkampf. Podcast &#8211; Fragen an den Autor&#8220;<br \/>\n3.3.2024<br \/>\n<a href=\"https:\/\/sr-mediathek.de\/index.php?seite=7&amp;id=34410&amp;pnr=&amp;tbl=pf\">https:\/\/sr-mediathek.de\/index.php?seite=7&amp;id=34410&amp;pnr=&amp;tbl=pf<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/twitter.com\/susannschroeter\/status\/1764643933248696515\">https:\/\/twitter.com\/susannschroeter\/status\/1764643933248696515<\/a><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/hochschulen-links\/\">Susanne Schr\u00f6ter: Der neue Kulturkampf \u2013 Im woken Gleichschritt<\/a>\u00a0(22.3.2024)<\/li>\n<\/ul>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Zu (4) Peter Hahne: Ist das euer Ernst? Aufstand gegen Idiotie und Ideologie<\/strong><br \/>\n&#8222;Die B\u00fcrger haben kein Vertrauen mehr, weil die Probleme nicht gel\u00f6st, sondern stattdessen die B\u00fcrger geg\u00e4ngelt, bevormundet, \u00fcbergangen, nicht ernst genommen und ignoriert werden.&#8220; Der studierte Theologe Peter Hahne beklagt, da\u00df das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/consent-of-the-governed\/vertrauen\/\">Vertrauen<\/a> der B\u00fcrger in den von woken Moraleliten beherrschten Staat verloren ist. &#8222;Die B\u00fcrger glauben den Institutionen nicht mehr.<br \/>\nWahrheit ist Grundvoraussetzung f\u00fcr Vertrauen. Statt Fakten bekommen wir heute &#8222;Haltung&#8220; serviert, statt Information Ideologie, statt Kompetenz Idiotie&#8220; (Seite 9). Deshalb fordert er nach der Beschreibung der tagespolitischen Ereignisse &#8211; von Amadeo Antonio Stiftung \u00fcber Bananenrepublikanische Bellevue-Partei, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/ngo\/correctiv\/\">Correctiv<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gegen-rechts\/\">&#8222;Gegen-rechts&#8220;-Demos<\/a>, Horror-Kanzlerin, Klima-Religion, Linksgrunzende F\u00e4lscher-Sau, Moral-Gr\u00f6\u00dfenwahn, Queerer Gott, Robert-H\u00e4uptling der Indianer, W\u00e4rmepumpe bis Wumms-Sprache &#8211; die B\u00fcrger vehement zum &#8222;Aufstand gegen Idiotie und Ideologie&#8220; auf.<br \/>\n.<\/p>\n<p><em>Ist der Peak Woke erreicht?<\/em><br \/>\nWenn derlei aus den USA berichtet wird, dann wird dieser in Deutschland erst nach einem gro\u00dfen Time-lag nachfolgen. Grund: In den USA sind Hochschulprofessoren mit Zeit-\/Projektvertr\u00e4gen ausgestattet und nur selten verbeamtet. So hat die Suspendierung der woken Harvard-Pr\u00e4sidentin <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/antisemitismus-us-hochschulen\/\">Claudine Gay<\/a> eine Lawine von Entlassungen ausgel\u00f6st. Die deutsche woke Moralelite im Hochschulbereich und NGOs hingegen bezieht feste Bez\u00fcge vom Staat. Von daher gibt es keinen finanziellen Druck, von der moralgeleiteten Woke-Ideologie zu <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen-freiheit\/\">freiheitlich-wissenschaftlicher<\/a> Gesinnung ohne <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/cancelculture\/\">CancelCulture<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/political-correctness\/\">Political Correctness<\/a> zur\u00fcckzufinden.<br \/>\n.<br \/>\n<em>Wie geht es weiter?<\/em><br \/>\nAlexander Wendt pl\u00e4diert daf\u00fcr, &#8222;den Kulturkrieg zwischen B\u00fcrgergesellschaft und ihren Feinden geordnet zu beenden&#8220; (S. 364). So, wie auch der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg wegen Ersch\u00f6pfung der Parteien endete, von denen keine mehr einen Sieg erhoffen durfte. Dabei pl\u00e4diert Wendt f\u00fcr eine \u201eEntgiftung\u201c, warnt vor rechten S\u00e4uberungsphantasien.<br \/>\nDiesem Optimismus von Alexander Wendt w\u00fcrde man nur zu gerne folgen. Aber niemand ist freiwillig bereit, Macht abzugeben &#8211; auch nicht die woke Moralelite.<br \/>\n.<br \/>\n<em>Fazit:<\/em><br \/>\nDie Woken agieren und die B\u00fcrger reagieren nicht einmal, sondern nehmen einfach hin. Davon ausgehend fordern alle vier oben skizzierten Buchautoren, dass sich die B\u00fcrger als &#8222;Verteidiger&#8220; (Wendt) endlich zu aktivem Widerstand aufraffen m\u00fcssen. Denn es gilt viel Wertvolles zu verteidigen: Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/verfassung\/fdgo\/\">FDGO<\/a>) mitsamt dem seit 75 Jahren m\u00fchsam gebildeten kulturellen und sozialen Kapital. Die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/bauern-protest\/\">Bauern<\/a> haben es &#8211; wenn auch zaghaft &#8211; vorgemacht. Ihr Protest mu\u00df sich auf Handwerker, Dienstleister, Pflegepersonal ausweiten, d.h. auf den gesamten b\u00fcrgerlichen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/industrie\/mittelstand\/mittelstand-proteste\/\">Mittelstand<\/a>.<br \/>\n12.3.2024<br \/>\n.<br \/>\nEine Kurzfassung dieses Beitrags finden Sie auf:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ansage.org\/kulturkampf-woke-gegen-buerger\/\">https:\/\/ansage.org\/kulturkampf-woke-gegen-buerger\/\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewisse Spannungen zwischen Stadt und Land gab und gibt es immer, man empfindet sie als belebend. 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