{"id":11756,"date":"2012-09-27T14:27:11","date_gmt":"2012-09-27T12:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=11756"},"modified":"2012-09-27T14:40:36","modified_gmt":"2012-09-27T12:40:36","slug":"caritas-geringverdiener-gegen-unfaire-lohnpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/caritas-geringverdiener-gegen-unfaire-lohnpolitik\/","title":{"rendered":"Caritas-Geringverdiener gegen unfaire Lohnpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Die Mitarbeiter der <a title=\"Caritas\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirchen\/caritas\/\">Caritas<\/a> in Baden-W\u00fcrttemberg wollen mehr Geld \u2013 doch es geht ihnen auch um Gerechtigkeit. Am heutigen Donnerstag gehen sie in Karlsruhe auf die Stra\u00dfe. Die Arbeitgeberseite will zwar die <a title=\"Lohn\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/lohn\/\">L\u00f6hne<\/a> erh\u00f6hen, aber die Geringverdiener ausnehmen. Bei der Caritas wird damit ein \u00e4hnlicher Konflikt ausgefochten wie bei der Arbeiterwohlfahrt. Die Caritas-Besch\u00e4ftigten demonstrieren in Karlsruhe, weil dort am gleichen Tag die Caritas-Regionalkommission f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg \u00fcber die Forderungen der Mitarbeiterschaft ber\u00e4t. In den Einrichtungen der Caritas arbeiten in ganz Deutschland mehr als 550 000 Menschen, <!--more-->in Baden-W\u00fcrttemberg knapp 60 000. Die Caritas betreibt f\u00fcr die katholische Kirche unter anderem Altenpflegeheime, sozialpsychiatrische Beratungsstellen, M\u00fcttergenesungswerke und andere soziale Einrichtungen.<br \/>\nTarifverhandlungen laufen bei den Kirchen anders als im \u00d6ffentlichen Dienst und in Privatunternehmen. Gewerkschaften sind f\u00fcr die kirchlichen Betriebe tabu. Sie genie\u00dfen Tendenzschutz und sie m\u00fcssen auch keinen Betriebsrat haben. Dennoch sind die Mitarbeitervertretungen, die bei der evangelischen Diakonie und bei der katholischen Caritas jeweils ein wenig anders hei\u00dfen, l\u00e4ngst nicht mehr mit milden Gaben zufriedenzustellen. &#8222;Wir wollen nicht von der Tarifentwicklung im \u00d6ffentlichen Dienst abgekoppelt werden&#8220;, sagt Thomas Schwendele, Sprecher der Mitarbeitervertreter in der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes. Dies ist die parit\u00e4tische Tarifkommission, in der Dienstnehmer und Dienstgeber \u2013 so hei\u00dft das bei der Caritas \u2013 zusammensitzen.<br \/>\nEs gibt sechs regionale und eine Bundeskommission. Letztere gibt nur eine Empfehlung ab, die Umsetzung \u00fcbernehmen dann die Regionalkommissionen. Die Mitarbeitervertretung in der Caritas will nun die von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erreichte Tariferh\u00f6hung im \u00d6ffentlichen Dienst \u00fcbernehmen. Die Regionalkommissionen in Nordrhein-Westfalen und Bayern sind dieser Forderung bereits nachgekommen. Baden-W\u00fcrttemberg soll jetzt folgen, doch hier str\u00e4uben sich die Dienstgeber.<\/p>\n<p>Die Lohnerh\u00f6hung von 6,3 Prozent, verteilt auf zwei Jahre und mehrere Stufen, soll nur f\u00fcr die h\u00f6heren und mittleren Lohn- und Gehaltsgruppen gelten, nicht aber f\u00fcr die niedrigen. Verzichten sollen &#8222;ausgerechnet die, die sowieso nicht auf der Sonnenseite stehen&#8220;, emp\u00f6rt sich Mitarbeitervertreter Schwendele. Es sei ein eklatanter Widerspruch, sich einerseits f\u00fcr die Armen und Schwachen zu engagieren, aber andererseits zuzulassen, dass die sowieso mit rund 1500 bis maximal 1850 Euro brutto gering verdienenden Pflegehelfer, hauswirtschaftlichen Hilfs- und Reinigungskr\u00e4fte leer ausgehen sollen \u2013 wie bereits in der letzten Runde. &#8222;Wer jetzt andere pflegt, soll selbst im Alter auch die Chance haben, gepflegt zu werden&#8220;, findet Schwendele.<br \/>\n&#8222;Wir stecken in einer Zwickm\u00fchle&#8220;, r\u00e4umt Rainer Brockhoff, Vertreter der Arbeitgeberseite in der Bundes- und der Regionalkommission Baden-W\u00fcrttemberg ein. &#8222;Im Prinzip sind wir uns mit der Mitarbeitervertretung einig&#8220;, sagt Brockhoff, &#8222;wir m\u00fcssen gegen Lohndumping vorgehen.&#8220; Aber die Caritas zahlt seiner Darstellung nach in den unteren Lohngruppen wesentlich mehr als die privaten Konkurrenten. Er beziffert die Differenz auf durchschnittlich 20 Prozent. Man k\u00f6nne diesen Abstand zu Wettbewerbern nicht noch gr\u00f6\u00dfer werden lassen, das gef\u00e4hrde langfristig die Existenz der Einrichtungen. Zudem fehle, was man an Mehrkosten habe, dann f\u00fcr die Entlohnung der Fachkr\u00e4fte, an denen es in der Branche mangele.<br \/>\nBei der SPD-nahen Arbeiterwohlfahrt (AWO) wird gerade ein \u00e4hnlicher Konflikt ausgetragen. Dort laufen die Tarifverhandlungen wie in der freien Wirtschaft. In dieser Woche gingen in N\u00fcrnberg 400 Mitarbeiter auf die Stra\u00dfe, um f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und Geh\u00e4lter f\u00fcr die 14 500 Besch\u00e4ftigten der bayerischen Arbeiterwohlfahrt zu demonstrieren. Die AWO-F\u00fchrung will den Tarifabschluss des \u00d6ffentlichen Dienstes \u2013 also 6,3 Prozent in zwei Jahren \u2013 \u00fcbernehmen. Die Besch\u00e4ftigten im Niedriglohnbereich sollen aber nicht im vollen Umfang an der Erh\u00f6hung beteiligt werden. Die Gewerkschaft Verdi nennt das eine &#8222;geradezu obsz\u00f6ne Strategie, die unteren Entgeltgruppen abzusenken&#8220;. Die Arbeitgeber wollen die Geh\u00e4lter von K\u00fcchenhilfen und anderen Hilfskr\u00e4ften um zwei Prozent erh\u00f6hen; dar\u00fcber hinaus sollen sie vom 1. Juli 2013 an eine Einmalzahlung von 185 Euro erhalten. Der Verhandlungsf\u00fchrer der Arbeitgeber, Gero Kettler, verteidigte die geplanten geringeren Lohnsteigerungen mit den Billigangeboten privater Pflegeheimbetreiber. Diese zahlten Hilfskr\u00e4ften 20 bis 30 Prozent weniger.<br \/>\nBei der Freiburger Arbeiterwohlfahrt gingen vor zwei Wochen Mitarbeiter auf die Stra\u00dfe, um gegen die geplante Ausgliederung von Betriebsteilen und die damit verbundenen Lohneinbu\u00dfen zu demonstrieren.<br \/>\nHeinz Siebold, 27.9.2012<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mitarbeiter der Caritas in Baden-W\u00fcrttemberg wollen mehr Geld \u2013 doch es geht ihnen auch um Gerechtigkeit. Am heutigen Donnerstag gehen sie in Karlsruhe auf die Stra\u00dfe. Die Arbeitgeberseite will zwar die L\u00f6hne erh\u00f6hen, aber die Geringverdiener ausnehmen. 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