{"id":116967,"date":"2023-11-02T22:46:14","date_gmt":"2023-11-02T21:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=116967"},"modified":"2023-11-04T22:59:15","modified_gmt":"2023-11-04T21:59:15","slug":"antisemitismusforscher-ley-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/antisemitismusforscher-ley-tot\/","title":{"rendered":"Antisemitismusforscher Ley tot"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Michael Ley ist am 28.10.2023 mit 68 Jahren in Wien aus dem Leben geschieden. Er hatte sich zun\u00e4chst als <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/antisemitismus\/\">Antisemitismus<\/a>-Forscher einen Namen gemacht (1). Dann wandete sich der Wissenschaftler und Autor der Islamkritik zu: Dabei kritisierte er die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/islamisierung\/\">Islamisierung<\/a> bzw. Invasion des Islam nach Westeuropa (2), <!--more-->nicht aber den Islam als die\u00a0 in den Herkunftsl\u00e4ndern der Migranten vorherrschende Religion.<\/p>\n<p>Mit der Verlagerung seines Forschungsschwerpunktes vom Nationalsozialismus zum Islam \u00e4nderte sich sein Status im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/wissenschaftsfreiheit\/\">Wissenschaftsbetrieb<\/a> abrupt und tiefgreifend: er wurde vom gefeierten Experten zum akademischen Outlaw gemacht (3). Die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/political-correctness\/\">Political Correctness<\/a> schlug zu: Talkshow, Verlage und Print-Medien wollten aufgrund der vom Mainstream abweichenden Meinung nichts mehr mit ihm zu tun haben. Michael Ley erging es \u00e4hnlich wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/sieferle\/\">Rolf Peter Sieferle<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/impfkritiker-arvay-suizid\/\">Clemens G. Arvay<\/a> und zuletzt <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/philosophie\/\">Bodo Kaiser<\/a>.<br \/>\nViele Nachrufe stellen den fr\u00fchen Tod von Michael Ley in einen Zusammenhang zu einem Wissenschafts-, Kultur- und Kunstbetrieb, der nur noch auf dem Papier frei ist.<br \/>\n3.11.2023<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Antisemitismusforscher Michael Ley tot&#8220;<br \/>\n==============================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211; (3)<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(1) \u201eNachruf auf Michael Ley (1955 \u2013 2023)<\/strong><br \/>\nSehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen!<br \/>\nHeute m\u00fcssen wir Sie leider mit einer traurigen Nachricht konfrontieren. Am 23. Oktober 2023 ist der Soziologe und Politikwissenschaftler Dr. Michael Ley kurz nach dem Tod seiner Lebenspartnerin freiwillig aus dem Leben geschieden. Der HINTERGRUND-Verlag verliert damit nicht nur einen bedeutsamen Autoren, sondern auch einen guten Freund und lieben Menschen.<br \/>\nMichael Ley war bis 2005 Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts f\u00fcr Politik, Religion und Anthropologie an der Universit\u00e4t Innsbruck, wobei seine Arbeitsschwerpunkte auf dem Gebiet der Holocaust- und Antisemitismusforschung lagen. Aus dieser Zeit stammen folgende Buchver\u00f6ffentlichungen: Genozid und Heilserwartung: zum nationalsozialistischen Mord am europ\u00e4ischen Judentum, 1995; Kleine Geschichte des Antisemitismus, 2003; Holocaust als Menschenopfer: vom Christentum zur politischen Religion des Nationalsozialismus, 2002; Mythos und Moderne: \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Nationalismus und politischen Religionen, 2005; \u201eZum Schutze des deutschen Blutes\u2026\u201c: \u201eRassenschandegesetze\u201c im Nationalsozialismus, 1997; Das Ende des Nationalismus: neue Fremdenfeindlichkeit und neonationalistische Aufbr\u00fcche in Ost- und Westeuropa, 1996; Abschied von Kakanien: Antisemitismus und Nationalismus im Wiener Fin de si\u00e8cle, 2001; Ist jetzt hier die \u201ewahre Heimat\u201c?: ostj\u00fcdische Einwanderung nach Wien, 1993; und Die Zeit heilt keine Wunden: Gespr\u00e4che mit j\u00fcdischen KZ-\u00dcberlebenden, 1995.<br \/>\nDanach wandte sich Michael Ley unter dem Eindruck un\u00fcbersehbar negativer Entwicklungen als scharfsinniger und tiefgr\u00fcndiger Autor dem Thema Islam und damit verbunden der Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Europa zu. \u00c4hnlich wie der HINTERGRUND-Verlag und die Gesellschaft f\u00fcr wissenschaftliche Aufkl\u00e4rung und Menschenrechte (GAM e. V.) erkannte er die grund- und menschenrechtswidrige Konstitution des Islam sowie dessen Gegensatz- und Feindschaftsverh\u00e4ltnis gegen\u00fcber der s\u00e4kularen Moderne und der europ\u00e4ischen Leitkultur der Aufkl\u00e4rung. Gleichzeitig prangerte er zudem immer wieder die selbstzerst\u00f6rerische Dekadenz sowohl der globalkapitalistischen Herrschaftstr\u00e4ger als auch der postmodernen \u201eLinken\u201c an.<br \/>\nIn seinem Buch Die letzten Europ\u00e4er. Das neue Europa, 2017 formulierte Michael Ley folgende Weckrufe:<br \/>\n\u201eDer Islam hat Europa den Krieg erkl\u00e4rt und wird aller Voraussicht nach die europ\u00e4ische Zivilisation in vielen L\u00e4ndern weitgehend vernichten. Mit dieser politischen Religion verbindet sich die Gefahr eines neuen Faschismus in Europa, dessen Existenz im Gegensatz zu den fr\u00fcheren Totalitarismen irreversibel sein wird.\u201c (S. 93).<br \/>\nUnd mit Blick auf Deutschland:<br \/>\n\u201eIn wenigen Jahren droht Deutschland ein Staatszerfall durch die Folgen der islamischen Invasion und Kolonisation, der Verlust des Gewaltmonopols des Staates durch No-Go-Areas und die damit verbundene Ausbreitung eines parallelen islamischen Scharia-Rechtssystems, die Verfestigung eines postmodernen Obrigkeitsstaates und die schleichende Aushebelung des Rechtsstaates, den rapiden Zerfall der Bildungssysteme, der die \u00f6konomische und gesellschaftliche Zukunft bedenklich gef\u00e4hrdet.\u201c (S. 103).<br \/>\nIm HINTERGRUND-Verlag sind von Michael Ley folgende B\u00fccher erschienen:<br \/>\nDer Selbstmord des Abendlandes. Die Islamisierung Europas, 2015<br \/>\nDie letzten Europ\u00e4er. Das neue Europa, 2017<br \/>\n\u201eT\u00f6tet sie, wo ihr sie trefft.\u201c Der islamische Antisemitismus, 2018<br \/>\nAls Herausgeber gemeinsam mit Algis Klimaitis:<br \/>\nRadikalisierung des Islam in Mittel- und Osteuropa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, 2020<br \/>\nKurz vor seinem Tod schickte uns Michael Ley noch ein Buchmanuskript \u201eDer Islam, Europa und die Neue Weltordnung\u201c und bat uns um Herausgabe. Dieser Bitte werden wir im n\u00e4chsten Jahr nachkommen.\u201c<br \/>\nNichts w\u00fcrdigt Michael Ley besser als eine ausf\u00fchrliche Buchbesprechung. Lesen Sie dazu Michael Mansions Rezension des Buches \u201eDer Selbstmord des Abendlandes. Die Islamisierung Europas\u201c<br \/>\n<a href=\"https:\/\/hintergrund-verlag.de\/rezensionen\/michael-mansion-der-selbstmord-des-abendlandes-die-islamisierung-europas\">https:\/\/hintergrund-verlag.de\/rezensionen\/michael-mansion-der-selbstmord-des-abendlandes-die-islamisierung-europas<\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\n<strong>(2) Nachruf auf den Publizisten Michael Ley (1955\u20132023)<\/strong><br \/>\nDie Nachricht von seinem Tod hat mich sehr betroffen gemacht. Suizid ist eine entsetzliche Art, aus dem Leben zu scheiden.<br \/>\nIch habe Ley pers\u00f6nlich gekannt, ihn aber seit etwa drei Jahren aus den Augen verloren. In den Jahren 2015\u201317 traf ich mich oft mit dem in Konstanz geborenen, austrophilen Wahlwiener und seiner Frau Nora Pohl-Ley, die kurz vor seinem Freitod nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. Einmal sa\u00dfen wir bei einem gem\u00fctlichen Stadtheurigen in Wien beisammen. Mit den G\u00e4sten am Nebentisch ergab sich ein kurzer Small-Talk, und als Ley gefragt wurde, was denn sein Beruf sei, antwortete er mit einer Mischung aus Stolz und Selbstironie: \u201cIch bin ein Ketzer!\u201d<br \/>\nEin Buch haben Ley und ich zusammen verantwortet: Den Sammelband Nationalmasochismus, erschienen 2018, der au\u00dfer unseren eigenen Beitr\u00e4gen Texte von Caroline Sommerfeld, Siegfried Gerlich, Michael Klonovsky, Tilman Nagel, Andreas Unterberger und Michael Mannheimer enthielt. Dieses Symposion \u00fcber den deutschen Selbstha\u00df und seine Ursachen und Folgen war Leys Idee gewesen.<\/p>\n<p>Im Zentrum stand einer von Leys zentralen Gedanken: Da\u00df der heutige \u201cNationalmasochismus\u201d der Deutschen, also ihre lustvolle Selbstabschaffung und Selbsterniedrigung, eine Art psychopathologische Umkehrung der exzessiven nationalistischen \u00dcberh\u00f6hung vergangener Zeiten sei, eine These, die auf \u00e4hnliche Weise bereits Armin Mohler vertreten hatte. Nach diesem Muster deutete Ley in seinem Buch Hitlers Kinder (2018) auch die \u201cGeneration der Achtundsechziger\u201d.<\/p>\n<p>Wie bereits im zweiten Weltkrieg seien es nun erneut die Deutschen, die ihr eigenes Land und Europa in den Abgrund z\u00f6gen, allerdings unter umgedrehten Vorzeichen:<\/p>\n<p>Angela Merkel ist \u2013 nach Adolf Hitler \u2013 die gr\u00f6\u00dfte Rechtsbrecherin der neueren deutschen Geschichte: Als m\u00e4chtigste Politikerin Europas \u00f6ffnete sie alle Tore f\u00fcr die Islamisierung des Kontinents und gef\u00e4hrdet dadurch den Bestand der europ\u00e4ischen Zivilisation. (\u201cDie letzten Europ\u00e4er\u201d, 2017)<\/p>\n<p>Diese \u201cSelbstvernichtung\u201d feiere sich \u201cals zivilisatorische Erl\u00f6sung\u201c, und stelle dabei \u201cdie schlimmsten modernen Totalitarismen in den Schatten\u201d, wie er in dem Essay \u201eDer S\u00fcndenbock \u2013 zur Dialektik politischer Denunziation \u201c (enthalten in dem Sammelband Populismus \u2013 Das unerh\u00f6rte Volk und seine Feinde) schrieb. Dieser scharfe, oft hyperbolische Tonfall war typisch f\u00fcr Ley.<\/p>\n<p>Wenn mich meine Erinnerung nicht t\u00e4uscht, war es im Sommer 2020, als ich zuletzt mit ihm telefonierte. Damals \u00e4u\u00dferte er die Meinung, die \u201cPandemie\u201d, die vor ein paar Monaten ausgerufen worden war, sei eine politische Inszenierung, die einen weiteren totalit\u00e4ren Schub zum Ziel habe.<\/p>\n<p>Der erste E\u2011Mail-Kontakt zwischen ihm und mir fand im Juli 2015 statt, also inmitten der \u201cFl\u00fcchtlingskrise\u201d. Anla\u00df war das Erscheinen seines Buches Der Selbstmord des Abendlandes, das ich f\u00fcr das Oktoberheft der Sezession besprach. Im selben Heft (Nr. 68) war auch Ley selbst mit einem Beitrag vertreten.<\/p>\n<p>Bereits im Juni dieses Jahres hatte er sich in der \u00f6sterreichischen Presse scharf positioniert:<\/p>\n<p>Die Antwort auf den Zivilisationscrash kann deshalb nur in der R\u00fcckbesinnung auf die Grundlagen der europ\u00e4ischen Kulturen liegen: der nationalen, ethnischen, religi\u00f6sen und kulturellen Vielfalt und der europ\u00e4ischen Werte des Humanismus und der Aufkl\u00e4rung. Die Zukunft mag sehr d\u00fcster erscheinen: Europa steht vor der Wahl zwischen einer Reconquista \u2013 einer R\u00fcckeroberung seiner Zivilisation \u2013 und seinem Selbstmord.<\/p>\n<p>Seine Absatzbewegung aus dem Mainstream hatte schon einige Jahre zuvor begonnen. In seinem Buch Die kommende Revolte (2012) schrieb er:<\/p>\n<p>Immer weniger Menschen in Europa f\u00fchlen sich noch der Mehrheitsgesellschaft verpflichtet. Sie leben auf Dauer in Gegenkulturen. Mit einer solchen Entwicklung kann der Gesellschaftsvertrag zwischen den Generationen, den verschiedenen Schichten und Milieus keinen Bestand mehr haben. Solidarit\u00e4t wird zu einem Fremdwort. Die Folgen sind leicht vorhersehbar: steigende Kriminalit\u00e4t, urbaner Zerfall durch Entstehung von Slums, ethnisch-religi\u00f6se Auseinandersetzungen und Bandenkriege, politische Radikalisierung und damit das Ende des politischen und gesellschaftlichen Konsenses. Europa wird dem Verfall preisgegeben. [\u2026] Damit ist das \u201aProjekt der Moderne\u2018 unweigerlich zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p>Leys Hauptsorge galt dabei der \u201cIslamisierung\u201d Europas, die er klar als Komponente eines demographischen Umsturzes, des \u201cgro\u00dfen Austauschs\u201d erkannte. Der Fl\u00fcchtlingsstrom von 2015 erschien ihm als eine umgekehrte \u201cHidschra\u201d, eine \u201cislamische Kolonisierung\u201d durch Einwanderung. In seinem Beitrag f\u00fcr die Sezession schrieb er:<\/p>\n<p>In den meisten Gesellschaften Nord\u2011, Mittel- und S\u00fcdeuropas findet das gigantische Projekt eines postmodernen Neo-Kolonialismus statt: ein unvorstellbarer Bev\u00f6lkerungsaustausch. Durch Masseneinwanderung und dramatische demographische Ver\u00e4nderungen werden die indigenen V\u00f6lker vielfach die bittere Erfahrung machen, die Minderheit im eigenen Land zu sein. (\u2026)<\/p>\n<p>Diese sicherlich gr\u00f6\u00dfte V\u00f6lkerwanderung in der Geschichte wird Europa grundlegend ver\u00e4ndern: Von Migration zu sprechen ist absurd, da es sich in Wahrheit um eine ethnoreligi\u00f6se Invasion, also eine kontinentale Eroberung handelt. Insbesondere der Zerfall der islamischen Zivilisationen in Afrika und im Nahen Osten \u2013 verbunden mit einer immensen Zahl junger Menschen mit prek\u00e4rer Zukunft in ihren Gesellschaften \u2013 f\u00fchrt dazu, da\u00df der alte Kontinent mit meist m\u00e4nnlichen Migranten \u00fcberschwemmt wird.<\/p>\n<p>Damit hatten wir eine solide gemeinsame Grundlage. Ich rechne Michael Ley hoch an, da\u00df er als einer der ersten intellektuellen \u201c\u00dcberl\u00e4ufer\u201d aus dem Mainstream Kontakte zur Identit\u00e4ren Bewegung und ihrem Umfeld gekn\u00fcpft hat, namentlich zu Martin Sellner und Alexander Markovics (der damals noch in diesem Rahmen aktiv war), und dies nie verleugnet oder sich \u201cdistanziert\u201d hat, obwohl ihm diese \u201cN\u00e4he zu Rechtsextremen\u201d nat\u00fcrlich immer wieder angekreidet wurde und zu seinem Versto\u00df aus den Salons des erlaubten Denkens beigetragen hat.<br \/>\nFreilich dachte und argumentierte er als eingefleischter Ordoliberaler vor allem \u201cstaatlich\u201d. Der liberale, demokratische Rechtsstaat war f\u00fcr ihn der wesentliche Ordnungsrahmen, der Pluralismus und Freiheit garantiert (im Gegensatz zum totalit\u00e4ren Staat oder zur totalit\u00e4ren Gesellschaft).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Identit\u00e4re Europa vorrangig \u201cethno-kulturell\u201d denken, sprach Ley eher von \u201czivilisatorischen\u201d Grundlagen, die es zu bewahren galt. Was diesen zuwiderlief, interpretierte er als \u201czivilisatorische Regresssion\u201d, Islam, Kommunismus, Nationalsozialismus ebenso wie den \u201cRefugees Welcome\u201d-Wahn des Sommers 2015.<\/p>\n<p>Darum bem\u00fchte er sich mit besonderer Verve um die Argumentation, da\u00df der Islam gem\u00e4\u00df Koran und Sunna eine \u201ctotalit\u00e4re, politische Religion\u201d sei, die \u201callen demokratischen Verfassungen\u201d widerspr\u00e4che, darum nicht von der Religionsfreiheit gedeckt sei und folglich verboten werden m\u00fcsse \u2013 nicht ihre private Aus\u00fcbung, aber ihr Status als Religionsgemeinschaft des \u00f6ffentlichen Rechts. Und dies durchzusetzen w\u00e4re er auch mit voller, \u201cilliberaler\u201d H\u00e4rte bereit gewesen, ganz im Sinn von Karl Poppers Prinzip der Intoleranz gegen\u00fcber den Intoleranten, auf das er sich explizit berief.<\/p>\n<p>In seinem vorletzten Buch, Reconquista: Menschenrecht oder Islam (2020), schrieb er:<br \/>\n&#8222;Meta-politisch muss der Islam als die gr\u00f6\u00dfte Gefahr erkannt werden, die Europa jemals politisch, kulturell, religi\u00f6s und gesellschaftlich bedroht hat. Diese Einsch\u00e4tzung muss zum Grundkonsens aller demokratisch gesinnten Europ\u00e4er werden. \u00dcber alle Fragen zur Zukunft des Kontinents m\u00f6gen die europ\u00e4ischen B\u00fcrger unterschiedliche Vorstellungen haben, nur in der \u201cIslamfrage\u201d kann es keinen Kompromiss geben.&#8220;<\/p>\n<p>Ich habe diese extreme und einseitige Einsch\u00e4tzung nie geteilt, und den Islam stets als \u201cSekund\u00e4rinfektion\u201d betrachtet. Ich betrachte als Hauptfeind ein System namens \u201cder Westen\u201d, das unserem eigenen Denken entwachsen ist, und als amerikanisch gef\u00fchrter Globalismus und (Post-)Liberalismus die europ\u00e4ischen Nationen von innen aush\u00f6hlt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz gab es Zeiten, in denen mir die Ausbreitung des Islams in Europa \u00e4hnlich gef\u00e4hrlich erschien wie Ley. Um 2015\u201317, als durch die Fl\u00fcchtlingskrise etliche Dinge in Bewegung kamen und neue Allianzen m\u00f6glich wurden, schien eine Allianz aus rechten\/identit\u00e4ren, liberalen und sogar einigen linken Islamkritikern, die die Aussicht auf ein islamisiertes Europa aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden beunruhigend fanden, nicht nur plausibel, sondern auch greifbar.<\/p>\n<p>Diese Hoffnung ist inzwischen wieder verschwunden wie eine Fata Morgana in der W\u00fcste. Allerdings erleben wir gerade im Zuge des j\u00fcngsten Wiederaufflammens des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikts eine Art Renaissance des \u201cCounterdjihad\u201d. Nun h\u00f6rt man aus dem Munde des Establishments Argumente und Parolen \u00e0 la Michael St\u00fcrzenberger, mit Versp\u00e4tung von mehr als einem Jahrzehnt. Gro\u00dfe Hoffnungen, das dem auch Taten folgen werden, die im Interesse des deutschen Volkes sind, hege ich allerdings nicht.<\/p>\n<p>Die demographische Frage hat Ley auch in seinem meiner Meinung nach interessantesten Buch behandelt, Die letzten Europ\u00e4er (2017), \u00fcber dessen Thesen ich in meinem Beitrag \u201cWenn Aeneas vor der Wahl steht\u201d (2019) nachgedacht habe.<\/p>\n<p>F\u00fcr Ley war Westeuropa bereits verloren. \u201cSieh dir doch Frankreich an\u201d, sagte er einmal abwinkend zu mir. \u201cWie soll es denn m\u00f6glich sein, diese Millionen wieder zur\u00fcckzuschicken, wo sie herkommen? Das kann doch nur in einem riesigen Blutbad enden!\u201d<\/p>\n<p>Wenn er noch irgendeine Hoffnung hatte, dann allenfalls, da\u00df der weniger multikulturalisierte, mittlere und \u00f6stliche Teil Europas (in etwa dem Raum der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie entsprechende) Kern einer \u201cneuen europ\u00e4ischen F\u00f6deration\u201d werden k\u00f6nnte, eine Art letztes Refugium oder letzte Bastion des alten Europa.<\/p>\n<p>Aber auch dann st\u00fcnde irgendwann ein Entscheidungskampf bevor, sollte sich das islamisierte Westeuropa zum \u201cDschihad\u201d oder Osteuropa zur \u201cReconquista\u201d nach spanischem Vorbild r\u00fcsten: \u201cDer Krieg zwischen einem re-christianisierten Europa und einem islamisierten, multikulturellen Eurabia wird das europ\u00e4ische Armageddon sein.\u201d<\/p>\n<p>\u201cEurabia\u201d, das war ein Begriff, den Ley von der zionistischen Schriftstellerin Bat Ye\u2019Or (Gis\u00e8le Littmann) \u00fcbernommen hatte (auch \u201cFjordman\u201d Peder Jensen und die \u201cCounterdjihad\u201d-Szene im allgemeinen benutzte ihn gerne). Und nicht nur diesen (\u00fcber den sich immerhin diskutieren l\u00e4\u00dft), sondern leider auch allerlei unhaltbare Vorstellungen, die meiner Ansicht nach seinen Blick auf die Wirklichkeit und manche politische Zusammenh\u00e4nge tr\u00fcbten (und die generell einen gro\u00dfen Schaden in der \u201cIslamkritik\u201d angerichtet haben).<\/p>\n<p>Es gab neben den vielen \u00dcberschneidungen auch etliche Meinungsverschiedenheiten zwischen uns. Ley hatte den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Karriere als Antisemitismusforscher verbracht, und sich dabei auf eine Sichtweise versteift, die im Gefolge von Eric Voegelin den Nationalsozialismus vorrangig als \u201cpolitische Religion\u201d und den \u201cMord am europ\u00e4ischen Judentum\u201d als ein pervers-sakrales \u201cMenschenopfer\u201d deutete. Den \u201cKoran\u201d dieser \u201cReligion\u201d h\u00e4tten dabei weitgehend die delirierenden Schriften eines Lanz von Liebenfels geliefert, wie er mir einmal m\u00fcndlich mitteilte.<\/p>\n<p>Diese Interpretation des NS erschien mir zwar in Teilbereichen schl\u00fcssig, aber im Gro\u00dfen und Ganzen doch etwas zu schematisch und ahistorisch gedacht. Ich hielt mich diesbez\u00fcglich lieber an Ernst Nolte, auch, was dessen Darstellung des \u201cIslamismus\u201d als \u201cdritte radikale Widerstandsbewegung\u201d anging.<\/p>\n<p>Der Islam war f\u00fcr Ley nicht nur eine \u201cpolitische Religion\u201d par excellence (und im Gegensatz zu den sakul\u00e4ren totalit\u00e4ren Ideologien auch eine \u201cechte\u201d Religion), sondern tats\u00e4chlich der \u201cneue Nationalsozialismus\u201d, der \u201cletztliche Vollstrecker der nationalsozialistischen Heilsversprechung\u201d, also der k\u00fcnftige T\u00e4ter eines neuen Holocaust, und folgerichtig betrachtete er Muslime als die \u201cneuen Nazis\u201d (freilich nicht pauschal jeden einzelnen individuellen Muslim). Selbst j\u00fcdischer Herkunft, war er vom Ernst und der Tats\u00e4chlichkeit dieser Bedrohung zutiefst \u00fcberzeugt. Ich denke, da\u00df dies der Hauptgrund war, warum er dem Islam ein derart zentrales, apokalyptisches Gewicht beima\u00df.<br \/>\nAuf der richtigen Spur war er jedoch, die verkappt-religi\u00f6sen \u201cHeilsversprechen\u201d hinter den politischen Paradigmen zu suchen, den herrschenden ebenso wie manchen oppositionellen. Eine weitere Frage w\u00e4re jedoch, ob man der Religion \u00fcberhaupt entgehen kann, selbst, wenn man sich selbst in der Rolle des rein s\u00e4kularen, liberal-demokratischen Aufkl\u00e4rers sieht. Irgendwo gibt es immer ein Hintert\u00fcrchen, in das transzendete oder real-transzendente Vorstellungen und W\u00fcnsche hineinschl\u00fcpfen.<br \/>\nTrotz dieser weltanschaulichen Differenzen verdanke ich Michael Ley geistig und pers\u00f6nlich sehr viel. Mit diesen Zeilen aus Reconquista, die er auf sich selbst gem\u00fcnzt hatte, kann ich eine Menge anfangen:<br \/>\nDer neue europ\u00e4ische Intellektuelle wird eine Mischung aus einem Dissidenten und einem Partisan sein, ein Aktivist und Provokateur gegen den neuen Totalitarismus. Dieser neue Typus wird nicht mehr die Annehmlichkeiten einer universit\u00e4ren Anstellung genie\u00dfen, sondern seinen Lebensunterhalt \u201calternativ\u201d generieren m\u00fcssen. In mancherlei Hinsicht weist er eine Affinit\u00e4t zu den \u201cBerufsrevolution\u00e4ren\u201d der Vergangenheit auf, er wird sich jedoch in einem Punkt fundamental von ihnen unterscheiden: Er verk\u00fcndet keine Welterl\u00f6sung.<br \/>\n&#8230; Alles vom 1.11.2023 von Martin Lichtmesz bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/sezession.de\/68324\/nachruf-auf-michael-ley\">https:\/\/sezession.de\/68324\/nachruf-auf-michael-ley<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(3) Michael Ley (1955\u20132023)<\/strong><br \/>\nAm 23. Oktober ist Dr. Michael Ley im Alter von 68 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. Ley war einer der profundesten Islam-Kenner und -Kritiker des deutschsprachigen Raumes.<br \/>\nMichael Ley w\u00e4re nicht tot, sondern ein angesehener Wissenschaftler und Autor, w\u00e4re \u00d6sterreich ein demokratischer Staat, in dem Meinung, Wissenschaft, Lehre, Kunst und die Menschen tats\u00e4chlich und nicht nur auf dem Papier frei sind. Michael Ley ist tot und \u00d6sterreich, so wie die gesamte EU, l\u00e4ngst keine liberale Demokratie mehr, er ist ein Opfer des politischen Systems, der Machtstrategien des Establishments und des gesellschaftlichen Klimas.<br \/>\nDer Politologe und Soziologe Ley war, solange er sich als Antisemitismusforscher mit dem Nationalsozialismus besch\u00e4ftigte, ein angesehener Wissenschaftler. Damals leitete er das Ludwig-Boltzmann-Institut f\u00fcr Politik, Religion und Anthropologie an der Universit\u00e4t Innsbruck, seine B\u00fccher wurden in den deutschsprachigen Qualit\u00e4tsbl\u00e4ttern wohlwollend besprochen, die auch regelm\u00e4\u00dfig Texte von ihm ver\u00f6ffentlichten. Ley war ein be- und anerkannter Antisemitismusforscher.<br \/>\nDas \u00e4nderte sich, als er seinen Forschungsschwerpunkt vom Nationalsozialismus auf den Islam verlegte. Aus dem renommierten Wissenschaftler wurde ein akademischer Outlaw, mit dem man nichts mehr zu tun haben wollte. Die Buchverlage und Zeitungen druckten seine Texte nicht mehr ab, sie wollten an einem, der sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzte, und das auch noch auf hohem Niveau, nicht anstreifen. Das h\u00e4tte dem in diesem Milieu so wichtigen politisch korrekten Image geschadet. Zudem ist die Besch\u00e4ftigung mit der Vergangenheit, der Kampf gegen l\u00e4ngst verblichene Gegner bequemer und ungef\u00e4hrlicher als die kritische Auseinandersetzung mit den gegenw\u00e4rtigen und realen Feinden von Demokratie und Liberalismus.<br \/>\nDas politmediale Establishment wollte nichts vom islamischen Antisemitismus h\u00f6ren, der sich dank Masseneinwanderung aus dem Islamg\u00fcrtel in Europa ausgebreitet hat und sich dieser Tage in den europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten mit den gro\u00dfen islamistischen Hass-Demos f\u00fcr alle sichtbar eindr\u00fccklich manifestiert hat. Michael Ley und seine Arbeit konnten sie ignorieren, die nunmehrigen Folgen ihrer Multikulti-Politik, die nie etwas anderes war als die gezielte Islamisierung Europas, nun nicht mehr. Sie haben den Antisemitismus ihrer (Gro\u00df-) Elterngenreration \u2013 so wie auch das Zeugen von Nachwuchs \u2013 auf die Migrantenmassen aus dem islamischen Raum ausgelagert.<br \/>\n&#8230; Alles vom 29.10.2023 von Werner Reichel bitte lesen auf <a href=\"https:\/\/frankundfrei.online\/michael-ley-1955-2023\/\">https:\/\/frankundfrei.online\/michael-ley-1955-2023\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Michael Ley ist am 28.10.2023 mit 68 Jahren in Wien aus dem Leben geschieden. Er hatte sich zun\u00e4chst als Antisemitismus-Forscher einen Namen gemacht (1). 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