{"id":11536,"date":"2012-09-25T17:03:45","date_gmt":"2012-09-25T15:03:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=11536"},"modified":"2012-10-04T14:51:24","modified_gmt":"2012-10-04T12:51:24","slug":"hecker-freischar-in-schopfheim-am-tag-der-deutschen-einheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hecker-freischar-in-schopfheim-am-tag-der-deutschen-einheit\/","title":{"rendered":"Hecker-Freischar in Schopfheim am Tag der Deutschen EInheit"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Freunde der\u00a0 historischen Freiheitsbewegung, so kann der &#8222;Tag der\u00a0 Deutschen Einheit&#8220; auch gefeiert werden: Als &#8222;frohes Fest der Demokratie&#8220; mit\u00a0 historischem Schauspiel. &#8222;Freiheit und Einheit&#8220; waren auch zentrale Themen der\u00a0 <a title=\"Heimat\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/\">b\u00fcrgerlichen Revolution <\/a>von 1848. In Schopfheim (Kreis L\u00f6rrach) wird daher am 3.\u00a0Oktober 2012 nachmittags ab 14 Uhr der Zug der <a title=\"Hecker\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/hecker\/\">Hecker<\/a>-Freischar nachgespielt. Eine in\u00a0dieser Form wohl einmalige Gestaltung des Einheits-Feiertages. Anbei dazu ein\u00a0Text und die Anregung, sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen.<!--more-->\u00a0<br \/>\n\u201eDe Hecker chunnt!\u201c\u00a0 &#8211; Badische Revolution zum Mitmachen In Schopfheim (Kreis\u00a0 L\u00f6rrach) wird der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober mit einem\u00a0 Historienschauspiel begangen. Den Tag der\u00a0 deutschen Einheit am 3. Oktober kann man so oder so begehen: Den freien Tag\u00a0 genie\u00dfen oder auch eine Feierstagsrede im Radio anh\u00f6ren. In Schopfheim im\u00a0 Wiesental (Kreis L\u00f6rrach) wird das in diesem Jahr anders sein. \u201eEin frohes Fest\u00a0 der Demokratie\u201c soll es geben, nicht im Saal, sondern\u00a0auf der Stra\u00dfe und mit\u00a0 einem geschichtlichen Thema, das zur Einheitsfeier<br \/>\nbestens passt. B\u00fcrgerinnen\u00a0 und B\u00fcrger ziehen Anz\u00fcge und Kost\u00fcme an, b\u00fcrgerlich-biedermeierlich die einen,\u00a0 b\u00e4uerlich-proletarisch die anderen. Eine Freischar von rund 200 M\u00e4nnern mit\u00a0 Sensen und Dreschflegeln bewaffnet wird am Nachmittag den Schopfheimer\u00a0 Marktplatz erreichen, an ihrer Spitze der Revolution\u00e4r Friedrich Hecker. Es wird\u00a0 zum historisch verb\u00fcrgten Dialog zwischen Friedrich Hecker und dem Schopfheimer\u00a0 Fabrikanten Ernst Friedrich Gottschalk kommen. Danach wird Hecker auf dem\u00a0 Rathausbalkon die deutsche Republik ausrufen.<br \/>\nDer Zug des\u00a0 Volkstribuns, Rechtsanwalts und radikalliberalen Abgeordneten der zweiten\u00a0 badischen Parlamentskammer begann am 13. April 1848 in Konstanz. Hecker wollte\u00a0 eine Massenerhebung ausl\u00f6sen, um \u201eohne einen Schwertstreich und ohne einen\u00a0 Schuss abzugeben\u201c nach Karlsruhe ziehen und den Gro\u00dfherzog<br \/>\nLeopold zum R\u00fccktritt\u00a0 zu zwingen. An die Stelle der Erbmonarchie sollte eine deutsche Republik mit\u00a0 einem frei gew\u00e4hlten Parlament treten, eine demokratische Verfassung sollte\u00a0 Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und den<br \/>\nRechtsstaat garantieren. Doch der\u00a0 Heckerzug des Fr\u00fchjahrs 1848 scheiterte ebenso wie der im Jahr darauf folgende\u00a0 zweite Aufstand und auch die deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter\u00a0 Paulskirche konnte ihre Verfassung im Deutschen Bund gegen den preu\u00dfischen\u00a0 Widerstand nicht durchsetzen. Es dauerte gut 100 Jahre, bevor das Grundgesetz\u00a0 die Ideale von 1848\/49 festschrieb und demokratische deutsche Einheit brachte\u00a0 erst wieder die friedliche Revolution in der DDR 1989\/90.\u00a0<br \/>\nAuf seinem Weg kam\u00a0 Friedrich Hecker mit rund 800 Freisch\u00e4rlern am 18. April 1848 auch durch\u00a0 Schopfheim. Nat\u00fcrlich sind es Laienschauspieler, die den Einzug der Freischar\u00a0 vor 164 Jahren in Schopfheim darstellen werden. &#8222;Wir haben bewusst den 3.\u00a0 Oktober, den Tag der deutschen Einheit ausgesucht, um daran zu erinnern, dass\u00a0 Einheit und Freiheit \u2013 Werte, die heute als Selbstverst\u00e4ndlichkeit angesehen\u00a0 werden \u2013 nicht vom Himmel gefallen sind, sondern erk\u00e4mpft werden mussten\u201c,\u00a0 erkl\u00e4rt Jeannot Wei\u00dfenberger. Der Schopfheimer Stadtrat ist mit einigen anderen,\u00a0 im Vereinsleben aktiven und bekannten Schopfheimern auf die Idee gekommen, den\u00a0 Nationalfeiertag einmal anders zu begehen. \u201eWir haben zudem ein Denkmal von\u00a0 Peter Lenk, das sich mit dem Thema der Badischen Revolution besch\u00e4ftigt, da muss\u00a0 man mehr draus machen als es nur\u00a0anzuschauen\u201c, sagt Wei\u00dfenberger. Und so hat er\u00a0 den F\u00f6rderkreis Fu\u00dfball Schopfheim als Veranstalter gewonnen und \u00f6ffentlich zur\u00a0 Mitwirkung an der<br \/>\nGestaltung des Feiertages mit Historienspiel aufgerufen.\u00a0\u00a0Mit bereits jetzt\u00a0 \u00fcberw\u00e4ltigendem Erfolg: Aus der ganzen Region haben \u201eFreisch\u00e4rler\u201c angek\u00fcndigt,\u00a0 mit blauer Bluse, Heckerhut und (entsch\u00e4rfter) Sense anzur\u00fccken. \u00dcber sechzig\u00a0 S\u00e4nger treffen sich seit Ende August bereits, um die Lieder der 1848er\u00a0 Revolution einzustudieren: \u201eWenn die Leute fragen, lebt der Hecker noch?\u201c oder\u00a0 \u201eS\u2018 ist wieder M\u00e4rz geworden\u201c. Bekannte oder weniger bekannte Freiheitslieder,\u00a0 die der Chor am 3. Oktober auf dem Rathausplatz singen wird. \u201eWir haben Leute\u00a0 zusammengebracht, die sich vorher nicht kannten, die vorher Hecker nicht kannten\u00a0 und die jetzt mit Begeisterung<br \/>\ndabei sind\u201c, freut sich Chorleiter Wei\u00dfenberger.\u00a0 \u201eDas wichtigste an der Sache ist, dass die Leute selber mitmachen.\u201c\u00a0 Laienschauspieler proben die Auff\u00fchrung des historischen Dialogs und f\u00fcr Speis\u2018\u00a0 und Trank sorgen die Mitglieder des F\u00f6rderkreis Fu\u00dfball. Die Revolution wird\u00a0 nat\u00fcrlich nicht ausgerufen, die Veranstalter wollen<br \/>\nden Spagat meistern zwischen\u00a0 Unterhaltung und Geschichtsstunde. Der Schopfheimer B\u00fcrgermeister Christof Nitz\u00a0 begr\u00fc\u00dft die ambitionierte Privatinitiative, die Stadtverwaltung ist den\u00a0 Organisatoren behilflich, wo es geht. &#8222;Dieser<br \/>\nhistorische Br\u00fcckenschlag ist eine\u00a0 tolle Idee\u201c, sagt Nitz, der zwar keine Rolle spielen, aber zum Schluss des\u00a0 historischen Spektakels als heutiger B\u00fcrgermeister auf die B\u00fchne treten wird.\u00a0 Die Veranstaltung in Schopfheim<br \/>\nbeginnt um 14 Uhr, die Innenstadt wird gesperrt\u00a0 sein, damit die Freischar zum Rathaus unter den \u201eRevolutionsbalken\u201c von Peter\u00a0 Lenk ziehen kann.\u00a0\u00a0<br \/>\n\u00a0Heinz\u00a0 Siebold, 24.9.2012<\/p>\n<p>\u201eDe Hecker chunnt!\u201c\u00a0 \u2013 Einzug der 1848er Revolution\u00e4re in Schopfheim, Mittwoch, 3. Oktober, 14 Uhr in\u00a0 Schopfheim, Rathausplatz an der Lenk-Plastik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><strong>Ein fr\u00f6hliches Fest mit ernstem Hintergrund<\/strong><br \/>\nEin geruhsamer Vormittag am Tag der deutschen Einheit. Mit der Feiertagsruhe ist es j\u00e4h vorbei, als Revolution\u00e4re in die Markgrafenstadt einziehen. &#8222;De Hecker chunnt&#8220;, k\u00fcndigen in die Innenstadt rennende Kinder an, und tats\u00e4chlich: Der Freisch\u00e4rler-Trupp, bewaffnet mit Mistgabeln und Drechflegeln, wird von Hunderten von Neugierigen empfangen. &#8222;Freiheit&#8220;, schallt es laut durch die Hauptstra\u00dfe, immer wieder &#8222;Freiheit&#8220;, es weht Schwarz-Rot-Gold, und die Aufst\u00e4ndler marschieren zum Podium. Was Schopfheim gestern erlebte, war ein &#8222;St\u00fcck gelebte und erlebte Geschichte&#8220;, wie es B\u00fcrgermeister Nitz am Schluss der Vorstellung nannte, &#8222;ein frohes Fest der Demokratie von B\u00fcrgern f\u00fcr B\u00fcrger&#8220;, so Moderator und Autor Heinz Siebold. &#8222;Vorsicht, es besteht die Gefahr, dass man etwas dazulernt&#8220;, hie\u00df es. Diese Gefahr bestand wirklich: Was dann von allen Darstellern, Chorleiter Jeannot Wei\u00dfenberger und dem F\u00f6rderkreis Fu\u00dfball als Veranstalter geboten wurde, war ein Lehrst\u00fcck auf der Stra\u00dfe par exellence, allen voran Friedrich Hecker (Klaus Streicher) mit seinen meisterlich gesprochenen Reden &#8211; einschlie\u00dflich der auf dem Rathausbalkon. Entsprechenden Jubel gab es vom Volk, als Hecker und seine 1848er-Revolution\u00e4re die Abschaffung der F\u00fcrstenherrschaft verlangten und forderten, die Herrschaft der Republik auf den Schild zu heben. Wohlstand f\u00fcr alle, Meinungs- und Pressefreiheit, die Beseitigung des Missverh\u00e4ltnisses zwischen Kapital und Arbeit, ein rechtsstaatliches System, unabh\u00e4ngige Gerichte, ein Parlament, die Demokratie &#8211; was heute selbstverst\u00e4ndlich erscheint, war es lange nicht. &#8222;Absch\u00fctteln&#8220;, rief Hecker vom Rathausbalkon, solle man die Staatsform, bei der sich ein ganzes Volk dem Willen eines Einzelnen unterwirft. &#8222;Wir sind Kinder des Volkes und k\u00e4mpfen f\u00fcr die Unteren.&#8220; Jubel allenthalben; gab es Reden gegen die Aufst\u00e4ndler, dagegen Buh-Rufe. Die Schopfheimer machten mit, lie\u00dfen sich die Begegnung Heckers mit B\u00fcrgermeister Johann Karl Grether (Gerd Woop) ebenso wenig entgehen wie die freundschaftliche, tr\u00e4nenreiche Umarmung mit dem Fabrikanten Ernst Friedrich Gottschalk (Wolfgang Lenz). Es gab sch\u00f6ne Kost\u00fcme zu sehen, in die so manche Zuschauerinnen und Zuschauer eingekleidet waren, lange R\u00f6cke, blaue Oberteile, Heckerh\u00fcte und Westen. Die Darsteller meisterten allesamt ihren Auftritt bestens. Auch die S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger taten sich hervor, &#8222;Die Gedanken sind frei&#8220; lautete nur eines der zahlreichen Revolutionslieder. Sehr gut kamen auch die im St\u00fcck eingebauten Anspielungen auf die heutige Zeit an: So wunderten sich die Freisch\u00e4rler nat\u00fcrlich, weshalb in Schopfheim schon eine Lenk-Plastik mit den Revolution\u00e4ren stand. &#8222;Es h\u00e4tte doch 150 Jahre sp\u00e4ter auch gereicht.&#8220; Es war ein friedlicher, bestens gelungener Auftritt der Revolution\u00e4re, deren Ziele erst so viel sp\u00e4ter nach ihrem eigentlichen Einzug in Schopfheim am 18. April 1848 Wirklichkeit werden sollten. Es war ein fr\u00f6hliches Fest mit ernstem Hintergrund, und viele sangen: &#8222;Es lebe Hecker, sto\u00dfet an.&#8220;<br \/>\nPetra Martin Schopfheim, Die Oberbadische, 4.10.2012<\/p>\n<p>Bildergalerie von &#8222;De Hecker chunnt&#8220; in Schopfheim am 3.10.2012<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.michael-trefzer.de\/Hecker\/\">https:\/\/www.michael-trefzer.de\/Hecker\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freunde der\u00a0 historischen Freiheitsbewegung, so kann der &#8222;Tag der\u00a0 Deutschen Einheit&#8220; auch gefeiert werden: Als &#8222;frohes Fest der Demokratie&#8220; mit\u00a0 historischem Schauspiel. &#8222;Freiheit und Einheit&#8220; waren auch zentrale Themen der\u00a0 b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848. 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