{"id":11514,"date":"2012-09-25T16:37:06","date_gmt":"2012-09-25T14:37:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=11514"},"modified":"2012-09-25T16:37:06","modified_gmt":"2012-09-25T14:37:06","slug":"genmais-studie-uni-caen-gefahr-fuer-monsanto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/genmais-studie-uni-caen-gefahr-fuer-monsanto\/","title":{"rendered":"Genmais-Studie Uni Caen &#8211; Gefahr fuer Monsanto"},"content":{"rendered":"<p>Eine im September 2012 ver\u00f6ffentlichte Studie von Gilles-Eric Seralini, Professor an der Universit\u00e4t Caen sorgt f\u00fcr Aufsehen. S\u00e9ralinis Versuche ergaben, dass Tiere, die eine bestimmte Sorte <a title=\"Mais\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/getreide\/mais\/\">Genmais<\/a> bekamen, fr\u00fcher starben und vermehrt Tumore entwickelten: Weibliche Tiere bekamen vor allem Brustkrebs, m\u00e4nnliche erkrankten an Haut oder Nierenkrebs. Eine solche Studie k\u00f6nnte nicht nur f\u00fcr <a title=\"Gentechnik\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/gentechnik\/\">Monsanto<\/a>, sondern auch f\u00fcr Syngenta, BASF, Bayer, Dow und Dupont-Pioneer und das &#8222;Gesch\u00e4ftsmodell Gift &amp; Gen&#8220; ein Milliardenfiasko bedeuten. Was jetzt anl\u00e4uft, sind nicht die unbedingt notwendigen \u00dcberpr\u00fcfungsstudien und fachwissenschaftlichen Debatten, <!--more-->sondern jetzt geht es der Genlobby erst einmal darum, die kritische Studie anzugreifen. Um es in der Logik von Monsanto auszudr\u00fccken: &#8222;Die Studie und ihre Herausgeber m\u00fcssen wissenschaftlich vernichtet werden.&#8220; Vornehmer ausgedr\u00fcckt nennt man diesen\u00a0GreenwashProzess Krisenkommunikation.<br \/>\nAxel Mayer, BUND-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in Freiburg, 24.9.2012<\/p>\n<p>Als Krisenkommunikation wird die \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Firmen, Verb\u00e4nden und Beh\u00f6rden in Krisen-Situationen verstanden. Die Ver\u00f6ffentlichung von Gilles-Eric Seralini von der Universit\u00e4t Caen ist f\u00fcr Monsanto und die globale Genlobby mehr als eine Krise. Die globale PR-Kampagne gegen die Genmaisstudie und ihren Herausgeber l\u00e4uft an:<\/p>\n<ul>\n<li>Weil Professor Gilles-Eric S\u00e9ralini von der Universit\u00e4t Caen bereits 2007 vor Vergiftungssymptomen durch Genpflanzen warnte, wurde er schon in den ersten Presseartikeln zur Studie dem Lager der Gentechnik-Kritiker zugerechnet. Eine solche vorschnelle Zuordnung w\u00e4re journalistisch akzeptabel, wenn bei all den Jubelstudien zur Gentechnik und den darauf folgenden Medien-Beitr\u00e4gen \u00e4hnlich verfahren w\u00fcrde.<\/li>\n<li>Wenn jetzt, zu Beginn der PR-Kampagne, der Vizepr\u00e4sident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBio), Prof. Diethard Tautz, die Studie seines franz\u00f6sischen Kollegen in allen Medien scharf kritisiert, dann wird die Frage nach seinem erkenntnisleitenden Interesse, seinen bisherigen Auftraggebern und m\u00f6glichen Lobbyverbindungen (auch des Verbandes VBio)\u00a0 nicht \u00f6ffentlich hinterfragt. Der Verband VBio ist in den letzten Jahren \u00f6ffentlich und offensiv f\u00fcr die Anwendung der Gentechnik eingetreten.<\/li>\n<li>Zur Krisenkommunikation in der ersten Phase geh\u00f6rt \u00fcblicherweise auch der gezielte Einsatz von Leserbriefschreibern, die Manipulation von Internetforen und Wikipedia-Manipulation. Der Lebenslauf der kritischen WissenschaftlerInnen wird ausgesp\u00e4ht, mit dem Ziel, m\u00f6gliche Angriffsfl\u00e4chen zu finden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Einschub: Die Pusztai-Aff\u00e4re<\/em><br \/>\n<em>1998 machte Dr. \u00c1rp\u00e1d Pusztai Ergebnisse von Untersuchungen im Fernsehen und in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet 1999 \u00f6ffentlich. Die darauf folgende Auseinandersetzung \u00fcber die G\u00fcltigkeit der Forschungsergebnisse und die gut organisierte Kampage gegen ihn wurde als Pusztai-Aff\u00e4re bekannt. <\/em><br \/>\n<em>Die globale Genlobby begann mit erfolgreicher &#8222;Krisenkommunikation&#8220;, mit Verd\u00e4chtigungen, Unterstellungen, Rufmordkampagnen und dem Versuch, die Ergebnisse der Studie zu diskreditieren und den Herausgeber der Studie wissenschaftlich zu vernichten. Als Folge dieser Kampagne wurde Pusztais Arbeitsvertrag nicht mehr verl\u00e4ngert und das Rowett Research Institute schloss ihn von der Mitwirkung an weiteren Untersuchungen aus. Pusztais Untersuchungen hatten Hinweise ergeben, dass der Verzehr von gentechnisch ver\u00e4nderten Kartoffeln Sch\u00e4den am Immunsystem und ver\u00e4ndertes Organwachstum bei Ratten hervorrufen k\u00f6nnte. Eine \u00dcberpr\u00fcfung der Royal Society, sowie die von The Lancet zugewiesenen Pr\u00fcfer gaben an, dass Pusztais Studie methodologisch unbrauchbar sei und keinen solchen Schluss zulasse. Nach diesen gut organisierten Angriffen analysierten 23 unabh\u00e4ngige ForscherInnen aus insgesamt 13 L\u00e4ndern, darunter etliche Universit\u00e4tsprofessoren, wie Prof. Ian Pryme von der Universit\u00e4t Bergen, unabh\u00e4ngig voneinander seinen Versuch. In einem Memorandum forderten daraufhin die beteiligten Wissenschaftler \u00f6ffentlich die Rehabilitierung von Pusztai. Sie best\u00e4tigten, dass die Annahme begr\u00fcndet sei, der Verzehr von gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen k\u00f6nne auch bei S\u00e4ugetieren erhebliche gesundheitliche Auswirkungen nach sich ziehen. Die Pusztai-Aff\u00e4re war in ihrer ganzen B\u00f6sartigkeit ein typisches Beispiel f\u00fcr gut organisierte Krisenkommunikation. Quelle f\u00fcr Textteile: Wikipedia<\/em><\/p>\n<p>Bei Krisenkommunikation m\u00fcssen zwei unterschiedliche Ebenen betrachtet werden:<br \/>\n1. Da ist die notwendige, sachliche Kommunikation, um eine Krise zu \u00fcberwinden, Panik zu vermeiden und Sch\u00e4den und Opfer zu minimieren.<br \/>\n2. Es gibt allerdings auch die propagandistische Ebene der gezielten Verharmlosung und Desinformation, denn nicht nur eine st\u00f6rende wissenschaftliche Studie, der Reaktorunfall, die Umweltkatastrophe, der Klimawandel, das bekannt gewordene Massaker oder der \u00d6lunfall sind das Problem f\u00fcr Umweltzerst\u00f6rer, Diktatoren und Konzerne, sondern eine m\u00f6glicherweise darauf folgende &#8222;schlechte Krisenkommunikation&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt eine &#8222;Kommunikationsindustrie&#8220;, Akzeptanzforschung und eine weltumspannende Manipulations- und Greenwash-Industrie, deren Aufgabe es ist, umweltgef\u00e4hrdende Projekte wie die Laufzeitverl\u00e4ngerung f\u00fcr AKW oder die so genannte &#8222;gr\u00fcne&#8220; Gentechnik &#8222;gr\u00fcnzuwaschen&#8220;, Akzeptanz zu schaffen und gegen Widerst\u00e4nde in der Bev\u00f6lkerung und der Politik durchzusetzen. Umweltzertifikate wie ISO 14001 oder EMAS f\u00fcr Atomkraftwerke sind klassische Beispiele f\u00fcr Greenwash. Diese Manipulationsindustrie hat im Auftrag der \u00d6l-, Kohle-, und Autoindustrie auch jahrelang die Folgen der menschengemachten Klimaver\u00e4nderung herunter gespielt und insbesondere in den USA notwendige Gesetzes\u00e4nderungen verhindert.<br \/>\nNach dem Reaktorunfall, der Chemiekatastrophe oder der \u00d6lpest,\u00a0nach Fukushima, Tschernobyl, Contergan, Bhopal, DDT und Asbest oder der unpassenden Studie&#8230; k\u00fcmmert sich dann ein anderer Zweig der gleichen Greenwashindustrie im Rahmen von &#8222;Krisenkommunikation&#8220; darum, aus der Katastrophe ein &#8222;Ereignis&#8220; zu machen, das Problem herunter zu spielen, Schadensersatzanspr\u00fcche zu minimieren und alle Hinweise auf die zuvor geschaffenen Mythen der absoluten Sicherheit zu &#8222;l\u00f6schen&#8220;. Nicht nur der Reaktorunfall, die Umweltkatastrophe, der Klimawandel oder der \u00d6lunfall sind das Problem f\u00fcr Umweltzerst\u00f6rer und Konzerne, sondern insbesondere auch die m\u00f6glicherweise folgende &#8222;schlechte Krisenkommunikation&#8220; und die sich m\u00f6glicherweise daraus ergebenden Schadensersatzforderungen.<\/p>\n<p>Im Bereich Krisenkommunikation arbeiten die gr\u00f6\u00dften Werbefirmen der Welt. Burson-Marsteller ist Spezialist im so genannten &#8222;Krisenmanagement: &#8222;Nach dem Reaktorst\u00f6rfall von Three Mile Island in den USA im Fr\u00fchjahr 1979 polierte die Agentur das angekratzte Image des Betreibers wieder auf. Dem Chemieriesen Union Carbide standen sie nach der Katastrophe im indischen Bhopal zur Seite, bei der \u00fcber 2000 Menschen ihr Leben verloren.&#8220; schreibt Ulrich M\u00fcller von LobbyControl.<br \/>\n&#8222;Heute hat fast jedes Unternehmen und nat\u00fcrlich auch Gen-Konzerne wie Monsanto einen PR-Plan<br \/>\nf\u00fcr Krisenkommunikation in der Schublade, um eventuelle profitsch\u00e4dliche Probleme zu antizipieren und herunterzuspielen&#8220;, schreiben die Autoren Stauber und Rampton im lesenswerten Buch &#8222;Giftm\u00fcll macht schlank&#8220; und beschreiben dort auch genau, wie solche Pl\u00e4ne aussehen.<\/p>\n<p>Die Umweltbewegung hat es in den vergangenen Jahren leider vers\u00e4umt, sich intensiv genug mit Greenwash, PR und Krisenkommunikation auseinander zu setzen. Dies sollte sich \u00e4ndern.\u00a0Es geht bei diesem Text nicht um den Inhalt der neuen Genstudie, den wir, so wenig wie andere, schnell bewerten k\u00f6nnen. Es geht darum, auf die Kommunikationsstrategien der Konzerne aufmerksam zu machen. Die Kampagne gegen den Wissenschaftler Dr. \u00c1rp\u00e1d Pusztai sandte auch ein Signal an die Wissenschaft: &#8222;Wagt es nicht, gegen unsere \u00f6konomischen Interessen zu forschen&#8220; war die Botschaft. Bei wichtigen Themen wie der Gentechnik brauchen wir tats\u00e4chlich unabh\u00e4ngige Studien und WissenschaftlerInnen, Untersuchungen, die nicht in ihrer Mehrzahl von Gen-Konzernen bezahlt werden und eine Wissenschaft, die im Zeitalter der Gier nicht von Drittmitteln aus der Industrie abh\u00e4ngig gehalten wird. Und wir brauchen nat\u00fcrlich auch den wissenschaftlichen Streit um Erkenntnis. In diesem Streit sollten allerdings die Spie\u00dfe gleich lang sein und dies sind sie bei den gegenw\u00e4rtigen Konflikten um die Gentechnik leider nicht.<br \/>\nAxel Mayer, BUND-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in Freiburg, 24.4.2012<br \/>\n<a href=\"https:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/genmais-krisenkommunikation.html\">https:\/\/vorort.bund.net\/suedlicher-oberrhein\/genmais-krisenkommunikation.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine im September 2012 ver\u00f6ffentlichte Studie von Gilles-Eric Seralini, Professor an der Universit\u00e4t Caen sorgt f\u00fcr Aufsehen. 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