{"id":114144,"date":"2023-07-30T14:22:33","date_gmt":"2023-07-30T12:22:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=114144"},"modified":"2023-07-30T20:04:55","modified_gmt":"2023-07-30T18:04:55","slug":"martin-walser-mit-96-gestorben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/martin-walser-mit-96-gestorben\/","title":{"rendered":"Martin Walser mit 96 gestorben"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/\">Schriftsteller<\/a> Martin Walser ist am 28.7.2023 mit 96 Jahren in Nu\u00dfdof bei \u00dcberlingen am <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/bodensee\/\">Bodensee<\/a> verstorben, wo er seit dem Jahr 1968 wohnte. Mit &#8222;Blick auf den See&#8220;, wie er sagte. Der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/bodensee\/bodensee-untersee\/\">&#8222;See&#8220;<\/a> gab ihm Ruhe und Gelassenheit, die so oft als Arroganz und Sturheit ausgelegt wurde.<br \/>\n<!--more-->&#8222;Ich glaube, ich k\u00f6nnte nirgends leben, wo ich nicht am Wasser w\u00e4re&#8220;. Er schrieb \u00fcber 50 B\u00fccher (2). Nach <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/viel-kritik-am-israel-gedicht-von-gunter-grass\/\">G\u00fcnther Grass<\/a> und Hans Magnus Enzensberger ist der letzte gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/\">Literat<\/a> der Nachkriegszeit tot. Walser war zu gro\u00df, um f\u00fcr seine Rede <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TYUOjROJJu0&amp;t=63s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TYUOjROJJu0&amp;t=63s<\/a> anl\u00e4\u00dflich der Verleihung des Friedenspeises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1998 ins gesellschaftspolitische Abseits gestellt zu werden. Hier ein Ausschnitt aus der Dankesrede:<br \/>\n<em>\u201eKein ernstzunehmender Mensch leugnet Auschwitz; kein noch zurechnungsf\u00e4higer Mensch deutelt an der Grauenhaftigkeit von Auschwitz herum; wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, da\u00df sich in mir etwas gegen diese Dauerpr\u00e4sentation unserer Schande wehrt. Anstatt dankbar zu sein f\u00fcr die unaufh\u00f6rliche Pr\u00e4sentation unserer Schande, fange ich an wegzuschauen. &#8230;<\/em><br \/>\n<em>Auschwitz eignet sich nicht daf\u00fcr, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einsch\u00fcchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflicht\u00fcbung. Was durch Ritualisierung zustande kommt, ist von der Qualit\u00e4t des Lippengebets \u2026\u201c<br \/>\n<\/em>\u00a0,<br \/>\nAls \u201egeistige Brandstiftung\u201c titulierte der damals zuh\u00f6rende Vorsitzende des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/zentralrat-der-juden-70-jahre\/\">Zentralrats der Juden<\/a>, Ignatz Bubis, diese Rede, in der Walser das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/holocaust-education\/\">Holocaust<\/a>-Denkmal in Berlin als \u201edie Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fu\u00dfballfeldgro\u00dfen Albtraum\u201c sowie als \u201eMonumentalisierung der Schande\u201c bezeichnete.<\/p>\n<p>Was gesch\u00e4he, wenn Martin Walser seine Paulskirchenrede heute, also nach 25 Jahren,<br \/>\nhalten w\u00fcrde? Zu bef\u00fcrchten ist, da\u00df Walser der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke\/\">woken<\/a> <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/nazi\/nazi-keule\/\">Nazi-Keule<\/a> und Cancel Culture nicht verschont bliebe.<\/p>\n<p>Walser hat mit Frau Augstein einen nichtehelichen Sohn Jakob Augstein, der von Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein als sein Erbe anerkannt wurde (3).<\/p>\n<p>Als Greis schrieb Walser einmal: &#8222;Den Tod gibt es f\u00fcr uns nicht. Was uns bevorsteht, ist das Sterben.&#8220; Martin Walser ruhe in Frieden &#8211; an seinem geliebten Bodensee.<\/p>\n<p>Wenn ich zwei W\u00fcnsche frei h\u00e4tte:<br \/>\n1) Martin Walser wird wieder in die lange Liste der Abitur-Themen an den deutschen Gymnasien aufgenommen. Zum Beispiel &#8222;Ein fliehendes Pferd&#8220;.<br \/>\n2) Das breite und reiche literarische Werk von Martin Walser wird posthum niemals in die Kulturkampf-F\u00e4nge der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/cancelculture-literatur\/\">Cancel Culture<\/a> gelangen.<br \/>\n30.7.2023<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;Martin Walser mit 96 gestorben&#8220;<br \/>\n===========================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211; (3)<br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(1) Schriftsteller Martin Walser ist tot<\/strong><br \/>\nBis in die zweite H\u00e4lfte der 70er Jahre pr\u00e4sentierte er sich prim\u00e4r als linker Kritiker der Gesellschaft, war Anfang der 60er Jahre Zuh\u00f6rer beim ersten Auschwitz-Prozess, machte Wahlkampf f\u00fcr Willy Brandt, hatte enge Freunde in der DKP und reiste nach Moskau. Ende der 70er Jahre vollzog er eine Kehrtwende, warb f\u00fcr die deutsche Einheit und befasste sich verst\u00e4rkt mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und den inneren Konflikten ihrer Vertreter. &#8230;<br \/>\nAls eines seiner bedeutendsten Werke gilt der 1998 erschienene, autobiografisch gepr\u00e4gte Roman &#8222;Ein springender Brunnen&#8220;. Darin beschreibt der Schriftsteller vor dem Hintergrund seiner eigenen Familiengeschichte die Lebensumst\u00e4nde zur Zeit des Nationalsozialismus in einer d\u00f6rflich-kleinst\u00e4dtischen Gemeinschaft.<br \/>\n&#8230; Alles vom 28.7.2023 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/martin-walser-schriftsteller-gestorben-1.6074852\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/martin-walser-schriftsteller-gestorben-1.6074852<\/a><strong><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n(2) Eine Jahrhundertgestalt<\/strong><br \/>\nDas Impulsive, das St\u00f6rrische und Unvers\u00f6hnliche geh\u00f6rten zu Martin Walser. Er war ein Mann des 20. Jahrhunderts und einer der gr\u00f6\u00dften Schriftsteller seiner Zeit.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDie Konkurrenz, der Literaturbetrieb, die Aufmerksamkeit, der Erfolg. All das war Martin Walser auf eine geradezu selbstverst\u00e4ndliche Weise wichtig und geh\u00f6rte zusammen. &#8222;Im Spiegel auf dem Schlusslichtplatz 10&#8220;, schrieb er im Mai 1976 in sein Tagebuch. Wohlgemerkt: Der Schlusslichtplatz der Bestsellerliste. Martin Walser war nicht nur ein einzigartiger, sondern auch ein ungemein erfolgreicher Schriftsteller: Die Novelle Ein fliehendes Pferd verkaufte sich rund 750.000-mal, und auch Romane wie Brandung oder Die Verteidigung der Kindheit erreichten die 300.000er-Grenze.<br \/>\nUnd doch war ihm, wie vielen seiner Figuren auch, jede Kritik eine Kr\u00e4nkung. Zumal Martin Walser in dem Kritiker Marcel Reich-Ranicki eine m\u00e4chtige wie rhetorisch ebenfalls brillante Gegenfigur hatte. Reich-Ranicki, der immer wieder mehr oder minder camouflierte Auftritte in Walser-B\u00fcchern hatte, so auch in dem untersch\u00e4tzten Kurzroman Ohne einander aus dem Jahr 1993, einem der sprachlich virtuosesten und unterhaltsamsten Romane Walsers \u00fcberhaupt; dieser Reich-Ranicki wurde nicht m\u00fcde zu betonen, Walser sei ein gl\u00e4nzender Essayist, aber &#8222;ums Verrecken kein Erz\u00e4hler&#8220;.<br \/>\n&#8230; Alles vom 29.7.2023 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2023-07\/martin-walser-wuerdigung-tod-schriftsteller-schroeder\">https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2023-07\/martin-walser-wuerdigung-tod-schriftsteller-schroeder<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(3) Augstein und Walser:\u201eDas Leben wortw\u00f6rtlich\u201c<\/strong><br \/>\nDer Journalist Jakob Augstein hat mit seinem leiblichen Vater, dem Schriftsteller Martin Walser, ein Buch gemacht \u2013 \u201eleiblich\u201c muss vorangestellt werden, denn Augstein wuchs Jahrzehnte lang in dem Glauben auf, sein biologischer Vater sei Rudolf Augstein. Die Geschichte ist hinl\u00e4nglich erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Beide V\u00e4ter Jakob Augsteins haben, jeder auf seine Weise, die kulturelle Ausgestaltung der Bundesrepublik Deutschland mitgepr\u00e4gt. Der eine journalistisch als Gr\u00fcnder und Herausgeber des Magazins Der Spiegel, der andere literarisch erst aus der Schriftstellervereinigung Gruppe 47 heraus, sp\u00e4ter mit Bestsellern wie \u201eDas fliehende Pferd.\u201c<br \/>\nHier der Kronprinz des Hamburger Spiegel-Imperiums, dort der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller mit Weltruhm, von dem Jakob Augstein erst 2002 auf Nachfrage erf\u00e4hrt, dass er sein leiblicher Vater ist. Erst sieben Jahre sp\u00e4ter geht er damit an die \u00d6ffentlichkeit. Martin Walser ist da schon \u00fcber achtzig, Augstein jenseits der vierzig. Und die beiden M\u00e4nner werden noch einmal zehn weitere Jahre brauchen, um sich zusammenzusetzen. F\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zwischen Vater und Sohn. F\u00fcr ein gemeinsames Buch. F\u00fcr die Bestsellerlisten. Eben so, wie es Journalist und Schriftsteller gelernt haben.<br \/>\n\u201eDas Leben wortw\u00f6rtlich\u201c hei\u00dft das nun bei Rowohlt erschienene Gespr\u00e4chsbuch. Als Autoren werden Vater und Sohn genannt. Der Buchumschlag extrahiert aus dem Gespr\u00e4ch: \u201eDu bist mein Vater.\u201c und Walser antwortet: \u201eEin Umstand, der mich mit Freude erf\u00fcllt.\u201c Wie werden beide sich begegnen, wie mit einander sprechen? Wie sprechen \u00fcberhaupt ein Vater und sein Sohn miteinander, wenn sie nie in diese Rollen hineinwachsen konnten? Soweit eine Erwartungshaltung der Leser.<br \/>\n&#8230; Alles vom 7.1.2018 von Alexander Wallasch bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/buecher\/augstein-und-walserdas-leben-wortwoertlich\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/buecher\/augstein-und-walserdas-leben-wortwoertlich\/<\/a><br \/>\noder die Buchrezension nun nochmal am 29.7.2023 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.alexander-wallasch.de\/kultur\/zum-tod-von-martin-walser-vater-und-sohn\">https:\/\/www.alexander-wallasch.de\/kultur\/zum-tod-von-martin-walser-vater-und-sohn<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schriftsteller Martin Walser ist am 28.7.2023 mit 96 Jahren in Nu\u00dfdof bei \u00dcberlingen am Bodensee verstorben, wo er seit dem Jahr 1968 wohnte. Mit &#8222;Blick auf den See&#8220;, wie er sagte. 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