{"id":11384,"date":"2012-09-17T17:04:07","date_gmt":"2012-09-17T15:04:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=11384"},"modified":"2012-09-24T17:22:53","modified_gmt":"2012-09-24T15:22:53","slug":"mundartszene-und-literatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/mundartszene-und-literatur\/","title":{"rendered":"Mundartszene und Literatur"},"content":{"rendered":"<p>Kann im Dialekt anspruchsvoll gedichtet werden? Lassen sich die Begriffe &#8222;literarisches Schaffen&#8220; und &#8222;Mundart&#8220; wirklich zur Deckung bringen?\u00a0Diese Fragen, die eine gewisse Minderwertigkeit der <a title=\"Alemannisch\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/alemannisch\/\">Mundart<\/a>\u00a0stillschweigend unterstellen, sind genau so unsinnig, wie die Frage, ob Mundart zur Kommunikation taugt. Mundart ist nat\u00fcrlich eine vollwertige Sprache, die die gleichen M\u00f6glichkeiten in sich birgt, wie die Hochsprache. Schon vor 200 Jahren hat der <a title=\"Dichter\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/\">Dichter<\/a> Johann Peter Hebel, ein Gl\u00fccksfall f\u00fcrs Alemannische, den Beweis daf\u00fcr erbracht. <!--more-->Er sorgte damals daf\u00fcr, dass seine alemannischen Gedichte selbst in angesagtesten literarischen Kreisen Beachtung und Anerkennung fanden. In den vergangenen 50 Jahren waren weit \u00fcber hundert Autorinnen und Autoren im alemannischen Teil Badens aktiv, von Rastatt \u00fcber L\u00f6rrach bis nach Konstanz \u2013 viele von ihnen sind es bis heute. Aber nur wenige finden \u00fcber ihren engeren Kreis hinaus Geh\u00f6r und Anerkennung.<br \/>\nIn den 60er Jahren fand sich ein Kreis zusammen, der versuchte mit solider Dichtkunst das Prestige der Mundart zu f\u00f6rdern. Hubert Baum, Karl Kurrus, Philipp Brucker und Gerhard Jung geh\u00f6rten hier dazu. Damit ihnen das besser gelingt, gr\u00fcndeten sie die Muettersproch-Gsellschaft, die zun\u00e4chst als Sprachrohr der alemannischen Dichter fungierte, sp\u00e4ter den alemannischen Sprachgebrauch im Ganzen f\u00f6rderte. Kurrus, Brucker, Jung und andere erreichten mit zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen ein Publikum weit \u00fcber ihre Herkunftsorte hinaus. Vom Bodensee aus errang Bruno Epple gro\u00dfe Anerkennung, sp\u00e4ter erarbeiteten sich Walter Fr\u00f6hlich aus Singen und Rosemarie Banholzer aus Konstanz mit heiteren Themen eine Fangemeinde. Auch Werner Richter (Grenzach-Wyhlen) und Liesel Meier, das &#8222;Breite-Lieseli&#8220; (Kandern) traten in dieser Zeit aufs \u00f6ffentliche Parkett.<\/p>\n<div>\n<div id=\"zoneAdserverMrec\">\n<p>Schon in den 70er Jahren machte man sich aber Sorgen um den Fortbestand des literarischen Schaffens im Alemannischen. Im Jahr 1974 schrieb die Muettersproch-Gsellschaft deshalb einen Wettbewerb f\u00fcr junge Autorinnen und Autoren aus, aus dem einige Talente hervorgingen, die bis heute aktiv sind und die lange Zeit als Vertreter der &#8222;Jungen Mundart&#8220; gehandelt wurden. Autoren wie Markus Manfred Jung, Johannes Kaiser und der Liedermacher Uli F\u00fchre, alle aus dem Dreil\u00e4ndereck, sowie Wendelinus Wurth aus der Ortenau und der Kabarettist Martin Schley aus Freiburg traten erstmals in Erscheinung. Als Vertreter einer jungen, rebellierenden Generation n\u00e4herten sich diese dem literarischen, mundartlichen Schaffen im experimentellen Umgang mit Form und Thematik. Und sie hatten Erfolg damit: Ihr literarisches K\u00f6nnen wurde mit diversen Preisen belohnt, einige von Jungs und Wurths Gedichten wurden in andere Sprachen \u00fcbersetzt.<br \/>\nDoch inzwischen n\u00e4hern sich die Vertreter der &#8222;Jungen Mundart&#8220; dem Rentenalter. Auch weitere Autoren, wie Inge Tenz, Hanspeter Wieland, Stefan Pflaum und Carola Horstmann, die sich in den vergangenen Jahren mit ausgefeilter und anspruchsvoller Literatur einen Namen machten, sind in diesem Alter. Und wieder ist die Frage: &#8222;Was folgt nach?&#8220;<br \/>\nDurch den Gerhard-Jung-Wettbewerb, der 2003 von der Stadt Zell im Wiesental mit Unterst\u00fctzung der Muettesproch-Gsellschaft ins Leben gerufen wurde, sollten wieder Talente unter 35 aufgesp\u00fcrt werden. Bis vor kurzem ging dieses Konzept auch auf: Nachwuchsautorinnen wie <a title=\"Derndinger\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/derndinger\/\">Ulrike Derndinger <\/a>und Nicole Keilbach-Schmittel konnten gek\u00fcrt werden. Auch Rockbands, wie &#8222;Fisherman\u2019s Fall&#8220; und &#8222;Luddi&#8220; boten eine ganz neue Pr\u00e4sentation des Alemannischen. Doch im diesj\u00e4hrigen Wettbewerb konnte das Niveau der Vorjahre nicht mehr erreicht werden.<\/p>\n<p>Da bleibt der Mundart-Fangemeinde eben nur die Besinnung auf das Hier und Jetzt, das immer noch mit mundart-literarischen Glanzlichtern aufwarten kann und f\u00fcr die eine oder andere \u00dcberraschung sorgt. Denn als Stefan Pflaum j\u00fcngst bei der Preisverleihung bei einem alemannischen Kurzfilm-Wettbewerb in L\u00f6rrach las, wurde er kurzerhand mit seinem Alemannen-Rap zu einer ansonsten hochdeutschen Poetry Slam-Veranstaltung eingeladen. Vielleicht zieht das Alemannische dort Kreise? Man wird sehen.<br \/>\nFriedl Scheer-Nahor, 17.9.2012<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/dialektserie\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/dialektserie<\/a>\u00a0<!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann im Dialekt anspruchsvoll gedichtet werden? 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