{"id":113817,"date":"2023-07-19T15:09:05","date_gmt":"2023-07-19T13:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=113817"},"modified":"2023-07-19T15:10:04","modified_gmt":"2023-07-19T13:10:04","slug":"nicht-arbeit-und-schein-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nicht-arbeit-und-schein-arbeit\/","title":{"rendered":"Nicht-Arbeit und Schein-Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/facharbeitermangel-studium\/\">Mangel<\/a> an <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/duale-bildung\/facharbeiter\/\">Fachkr\u00e4ften<\/a> wird immer gr\u00f6\u00dfer: Bei den praktisch-handwerklichen Berufen wie auch den theorielastigen Berufen im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/mint-studienfacher-nehmen-um-22-prozent-zu\/\">MINT-Bereich<\/a> (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Seit Jahren hat sich eine Entwertung des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/duale-bildung\/facharbeiter\/\">Facharbeiters<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/industrie\/produktion\/\">Produktivit\u00e4t<\/a> vollzogen. <!--more-->Die L\u00f6sung des Problems wird im Ausland gesucht, indem man die Zuwanderung von Fachspezialisten aus Osteuropa und \u00dcbersee f\u00f6rdert &#8211; bislang vergebens.<br \/>\nInl\u00e4ndische Ressourcen zu f\u00f6rdern durch Verbesserung des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/duale-bildung\/\">dualen Systems<\/a> von Lehre und Ausbildung sowie des MINT-Bereichs hingegen ist weitgehend <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/tabu\/\">tabu<\/a>. In D verlassen Jahr f\u00fcr Jahr fast 20 % die Schule ohne Abschlu\u00df. Gegen\u00fcber dem Studium gilt die Lehre als zweitrangig.<\/p>\n<p>Fachlichkeit gilt als langweilig und eng und z\u00e4hlt immer weniger. Gerd Held (1) beschreibt dies so: <em>&#8222;Bei Fachkr\u00e4ften \u2013 gelernten oder angelernten Arbeitnehmern \u2013 geht es um die F\u00e4higkeit, sich auf die unvermeidbaren Widrigkeiten der materiellen Produktion \u2013 ihrer Stoffe, Produkte, Maschinen, physisch-geistigen Beanspruchungen \u2013 einzulassen. Dazu geh\u00f6rt, dass man sich im Rahmen einer Arbeitsteilung auf eine Teilfunktion einlassen muss, und dies ausdauernd \u00fcber Jahre und Jahrzehnte.&#8220;<\/em> Diese fachliche F\u00e4higkeit ist bei jungen Menschen entwertet worden, nun fehlt sie millionenfach. Lehrberufe wie Betonbauer, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/\">Landwirt<\/a>, Mechatroniker, Heizungsbauer, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/pflege\/pflegehelfer\/\">Pfleger<\/a>, Installateur, Busfahrer, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/handwerk\/zimmerei\/\">Zimmerer<\/a> und Elektriker gelten als zu normal. Es mu\u00df schon etwas besonderes sein, man macht eher was &#8222;mit Medien&#8220;, Soziales, &#8222;mit Digitalisierung&#8220;, \u00d6kologisches, &#8222;mit Internet&#8220; oder &#8222;auf Nachhaltigkeit&#8220;.<\/p>\n<p>Seit Jahren sinkt der Wert der Facharbeit u.a. auch dadurch, da\u00df staatliche F\u00f6rderungen in erster Linie der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/arbeitsverweigerung\/\">Nicht-Arbeit<\/a> und der Schein-Arbeit gew\u00e4hrt werden. Zun\u00e4chst zur Nicht-Arbeit: Mit der Einf\u00fchrung des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/buergergeld\/\">B\u00fcrgergeldes<\/a> als Ersatz f\u00fcr Hartz IV wird das Lohnabstandsgebot f\u00fcr viele Arbeitnehmer zur leeren Worth\u00fclse. Zwischen Leisten und Nicht-Leisten tut sich im Geldbeutel kaum ein Unterschied auf. &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/arbeiten-lohnt-nicht\/\">Arbeiten lohnt sich f\u00fcr nicht nicht mehr<\/a>&#8220; h\u00f6rt man immer h\u00e4ufiger. Nur noch ein Drittel der deutschen Bev\u00f6lkerung (genauer 33,9 %) erwirtschaftet \u00fcber ihre sozialversicherungspflichtige Arbeit ein Sozialprodukt, aus dem die anderen zwei Drittel Nicht-Arbeitenden dann ihre Transfereinkommen beziehen. Wie lange noch?<\/p>\n<p>Nun zur <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/schein-arbeit\/\">Schein-Arbeit<\/a>:<br \/>\nSeit 2014 machen \u00fcber 50 % einer Sch\u00fclerjahrgangs das Abitur (gegen\u00fcber 20 % in 1960), um dann gro\u00dfenteils zu studieren: Weniger F\u00e4cher im MINT-Bereich (s.o.) als im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/geisteswissenschaften\/\">geisteswissenschaftlichen Bereich<\/a> wie z.B. Soziologie, Philologie, Gender, Anthropologie, Klimapolitik, Kritiker sprechen von Orchideenf\u00e4cher bzw. Geschw\u00e4tzwissenschaften, da das Studium in keinem Verh\u00e4ltnis steht zu Wertsch\u00f6pfung und Produktivit\u00e4t. Da es f\u00fcr die Absolventen des Studiums real nicht gen\u00fcgend Arbeit gibt, m\u00fcssen Staat sowie NGOs die Arbeitspl\u00e4tze k\u00fcnstlich schaffen durch neuartige Projekte und schlicht &#8222;Erfinden von Arbeit&#8220;.<br \/>\nDie Kosten f\u00fcr diese <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/akademikerschwemme\/\">Akademikerschwemme<\/a> sind immens und der volkswirtschaftliche Nutzen gering. Aus diesem Grunde will die britische Regierung ca 30 % der geisteswissenschaftlichen Studieng\u00e4nge abschaffen: \u201eIhr Geld nicht wert\u201c \u2013 Britische Regierung streicht ineffiziente Studieng\u00e4nge&#8220; (2). Gleichzeitig startet die Regierung Sunak eine Kampagne, in der die Schulabg\u00e4ngern die Vorteile eines Studiums im MINT-Bereich oder einer Lehre im Betrieb bzw. eine duale berufsausbildung erkl\u00e4rt werden.<br \/>\n.<br \/>\nDie Klassifizierung in Arbeit, Nicht-Arbeit und Schein-Arbeit mag etwas holzschnitzartig streng sein. Sie m\u00f6chte auch nicht diskriminieren, sondern nur Trends aufzeigen &#8211; und die sind besorgniserregend f\u00fcr die Volkswirtschaft.<br \/>\n19.7.2023<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8220; Arbeit, Nicht-Arbeit, Schein-Arbeit&#8220;<br \/>\n==========================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211; (2)<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(1) Die Entwertung der Fachlichkeit<\/strong><br \/>\nDeutschland hat sich in eine fundamentale Arbeitskrise man\u00f6vriert. Nun r\u00e4cht sich, dass Nicht-Arbeit und Schein-Arbeit hierzulande eine institutionelle Macht geworden sind.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nBei dieser Entwertung der Arbeit geht es nicht nur um das Wegsehen, sondern um ganz handfeste Mechanismen, die dazu f\u00fchren, dass gro\u00dfe Teile der Gesellschaft ein Fachkr\u00e4fte-Dasein \u201enicht n\u00f6tig\u201c haben. Zwei gro\u00dfe Entwertungs-Mechanismen m\u00fcssen hier in den Blick genommen werden. Zum einen gibt es eine Entwertung der Facharbeit gegen\u00fcber der Nicht-Arbeit und zum anderen eine Entwertung der Arbeit gegen\u00fcber der Schein-Arbeit. \u201eGegen\u00fcber\u201c bedeutet: Indem die Nicht-Arbeit und die Schein-Arbeit gef\u00f6rdert werden, sinkt automatisch der Wert der Facharbeit.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDas Tabu \u2013 \u00dcber das v\u00f6llig unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Wachstum der Schein-Bildung und Schein-Arbeit, das in vielen L\u00e4ndern des Westens zu beobachten ist, herrscht ein merkw\u00fcrdiges Schweigen. Auch jetzt, wo dringend Fachkr\u00e4fte gesucht werden (und junge Leute f\u00fcr Lehrstellen), herrscht in diesem Punkt ein gro\u00dfes Schweigen. Man spricht \u00fcber Ma\u00dfnahmen, die die Berufst\u00e4tigkeit von Frauen ausdehnen sollen; man will \u00e4ltere Arbeitnehmer l\u00e4nger arbeiten lassen und vor allem will man, fast um jeden Preis, Migranten ins Land holen. Aber die Tatsache, dass die Akademikerschwemme dem Land potenzielle Fachkr\u00e4fte entzieht und das inl\u00e4ndische Angebot auf dem Arbeitsm\u00e4rkt dadurch v\u00f6llig kopflastig geworden ist, wird kaum erw\u00e4hnt \u2013 und wenn, dann nur in Nebens\u00e4tzen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDie gute Seite der Arbeitskrise \u2013 Die Arbeitskrise hat die Regierenden im Grunde \u00fcberraschend getroffen. Eine Krise von dieser Seite hatten sie nicht erwartet. Auf sie waren sie nicht vorbereitet. Denn mit dem Wegbleiben der Arbeitskr\u00e4fte ist ein gro\u00dfer und harter Faktor auf den Plan getreten. Die Arbeitskr\u00e4fte lassen sich nicht dadurch herbeischaffen, dass man ein naives \u201eWeg mit!\u201c verk\u00fcndet. Das schafft hier nichts und niemanden herbei. Hier scheitert das Patentrezept der herrschenden Krisenbeschw\u00f6rung. Mit der \u201eKlimakrise\u201c, der \u201eMigrationskrise\u201c oder der \u201eRussland-Krise\u201c hat man sich ja im Grunde ein leichtes Spiel zurechtgelegt. Man gibt vor, diese Krisen \u2013 so gigantisch sie auch gemalt werden \u2013 ganz einfach durch Ausschaltung eines feindlichen Elements l\u00f6sen zu k\u00f6nnen: durch die Ausschaltung der CO2-Emissionen, durch die faktische Abschaffung der Staatsgrenzen oder durch eine Zerschlagung des russischen \u201eImperiums\u201c. Da konnte jeder mitreden, da brauchte man kein Fachwissen, vom Fachk\u00f6nnen ganz zu schweigen. Jeder und jede konnte das \u201eWeg mit!\u201c hersagen und so tun, als spr\u00e4che er oder sie im Namen \u201edes Planeten\u201c, \u201eder Menschheit\u201c, \u201eder Wissenschaft\u201c, \u201eder Kunst\u201c, \u201eder \u00f6ffentlichen Meinung\u201c oder \u00fcberhaupt \u201eder Zukunft\u201c.<br \/>\nDoch in der Arbeitskrise hilft das alles nicht weiter. Diese Rede klingt auf einmal hohl und abgenutzt. Arbeitskr\u00e4fte wird man nur wiedergewinnen, wenn man die Entwertung der Arbeit beendet. Aber das wird nur gelingen, wenn man positiv Produktivit\u00e4t und Wertsch\u00f6pfung rehabilitiert. Wenn \u00fcberhaupt die moderne Zivilisation, die ja weder \u201ereine Natur\u201c noch \u201ereine Menschlichkeit\u201c ist, als Errungenschaft aus eigenem Recht anerkannt wird. Und wenn sich in diesen Wertma\u00dfstab auch \u201eunsere Klimaziele\u201c und die anderen \u201eh\u00f6chste Ziele\u201c einf\u00fcgen m\u00fcssen. Dies Einf\u00fcgen ist etwas ganz Praktisches. Es muss vor allem in der beruflichen Realit\u00e4t der Arbeitswelt stattfinden. Das ist die gute Seite der Arbeitskrise: Sie ist nur l\u00f6sbar, wenn hier eine Wende zum Fachlichen geschieht.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.7.2023 von Gerd Held bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/helds-ausblick\/arbeit-die-entwertung-der-fachlichkeit\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/helds-ausblick\/arbeit-die-entwertung-der-fachlichkeit\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(2) \u201eIhr Geld nicht wert\u201c \u2013 Britische Regierung streicht ineffiziente Studieng\u00e4nge<\/strong><br \/>\nEin Universit\u00e4tsstudium soll nicht nur den Wissensstand der Studenten deutlich erweitern, sondern ihnen auch einen guten Start ins Berufsleben sichern. Doch fast 30 Prozent der Abschl\u00fcsse f\u00fchren in Gro\u00dfbritannien auch 15 Monate nach der Qualifikation weder zu einem gut bezahlten Job, der eine h\u00f6here Qualifizierung voraussetzt, noch zu einem Anschlussstudium, belegen Daten der Aufsichtsbeh\u00f6rde f\u00fcr h\u00f6here Bildung Office for Students (OfS). Und 20 Prozent der Absolventen w\u00fcrden sich heute finanziell besser stellen, wenn sie auf den Besuch einer Universit\u00e4t verzichtet h\u00e4tten, hat die Denkfabrik Institute for Fiscal Studies errechnet.<br \/>\nUniversit\u00e4ten in England, deren Studieng\u00e4nge schwache Aussichten auf dem Arbeitsmarkt bieten oder bei denen \u00fcberproportional viele Studierende aufgeben, bevor sie einen Abschluss erreichen, sollen daher k\u00fcnftig deutlich strengere Regeln unterworfen werden.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nZu den Ma\u00dfnahmen geh\u00f6rt eine Begrenzung der Personen in Studieng\u00e4ngen, in denen die Aussichten auf einen gut bezahlten Job oder eine erfolgreiche Selbst\u00e4ndigkeit gering sind. 2015 hatte die damalige konservative Regierung den gr\u00f6\u00dften Teil der Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Studienanf\u00e4nger in einzelnen Disziplinen aufgegeben. \u201eIn Gro\u00dfbritannien haben wir einige der besten Universit\u00e4ten der Welt und das Studium f\u00fcr einen Hochschulabschluss kann ausgesprochen lohnend sein\u201c, sagte Premierminister Rishi Sunak. \u201eAber zu vielen jungen Menschen werden heute falsche Versprechungen gemacht, auf Kosten der Steuerzahler enden sie in Bildungsg\u00e4ngen von minderwertiger Qualit\u00e4t, der ihnen am Ende nicht einmal eine anst\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung in Aussicht stellt.\u201c<br \/>\nGegen diese \u201eAbzocke\u201c w\u00fcrde seine Regierung daher jetzt vorgehen, k\u00fcndigte Sunak an.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.7.2023 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus246431328\/Bildung-Ihr-Geld-nicht-wert-Britische-Regierung-erstellt-Liste-ineffizienter-Studiengaenge.html\">https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus246431328\/Bildung-Ihr-Geld-nicht-wert-Britische-Regierung-erstellt-Liste-ineffizienter-Studiengaenge.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mangel an Fachkr\u00e4ften wird immer gr\u00f6\u00dfer: Bei den praktisch-handwerklichen Berufen wie auch den theorielastigen Berufen im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). 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