{"id":112944,"date":"2023-06-15T21:26:58","date_gmt":"2023-06-15T19:26:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=112944"},"modified":"2023-06-22T15:35:27","modified_gmt":"2023-06-22T13:35:27","slug":"17-juni-kein-nationalfeiertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/17-juni-kein-nationalfeiertag\/","title":{"rendered":"17. Juni: Kein Nationalfeiertag"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin mit dem <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/17juni1953\/\">17. Juni<\/a> als <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/\">Nationalfeiertag<\/a> aufgewachsen. Der mutige Aufstand vom 17. Juni 1953, als gerade auch junge M\u00e4nner sich den Panzern der russischen Besatzer entgegenstellten, war gerade f\u00fcr die junge Generation Ansporn f\u00fcr das Streben nach Freiheit und Mahnung gegen das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/political-correctness\/konformismus\/\">Mitl\u00e4ufertum<\/a>. Dies z\u00e4hlt heute alles nicht mehr (1).<br \/>\n<!--more-->Im Jahr 2023 wird zum <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nationalfeiertag-17-juni-1953\/\">17. Juni 1953<\/a> geschwiegen bzw. mit Alibi-Veranstaltungen seelenlos abgehakt: In den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/mainstream\/\">Medien<\/a>, in den Schulen, im Parlament (4), im Kulturbetrieb. Die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/werte\/\">Werte<\/a> von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/\">Nation<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/frei\/\">Freiheit<\/a>, f\u00fcr die die mutigen Aufst\u00e4ndler in Berlin, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/dresden\/\">Dresden<\/a>, Leipzig usw. auf die Stra\u00dfe gingen, sollen dem Vergessen anheim fallen.<\/p>\n<p>Nach 37 Jahren wurde der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nationalfeiertag-am-3-10-2019\/\">Nationalfeiertag vom 17. Juni<\/a> abgeschafft bzw. umdatiert. Denn mit dem Einigungsvertrag von 1990 ist der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/tag-der-deutschen-einheit-3-10-2\/\">3. Oktober<\/a> zum neuen Nationalfeiertag bestimmt worden, um als &#8222;Tag der Deutschen Einheit&#8220; an die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Wiedervereinigung<\/a> zu erinnern, die <em>\u201emit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland \u2026 am 3. Oktober 1990 &#8230; vollendet<\/em>\u201c wurde.<\/p>\n<p>Aus welchem Grund sind<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/medien-politik\/\"> Politik und Medien<\/a> nicht willens, diesem &#8222;17 Juni 1953&#8220; den ihm geb\u00fchrenden Platz in der deutschen Geschichte einzur\u00e4umen? Warum wird des 70. Jahrestags des ostdeutschen Volksaufstands genauso wenig bzw. halbherzig gedacht wie des 175. Jahrestags der deutschen Revolution von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/dortu\/\">1848<\/a>? <em><strong>Weil sich die politische Klasse in Berlin nicht wahrhaben will, da\u00df wir eine Nation sind und sein wollen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>So bleibt der 17 . Juni weiter ein Nischenthema. Fragen Sie mal einen Sch\u00fcler, Auszubildenden oder Studenten, was am 17. Juni 1953 geschah &#8211; &#8222;keine Ahnung&#8220;. Der Bundestagsinitiative von 2015 &#8222;f\u00fcr ein Denkmal zur Mahnung und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/erinnerungsorte\/\">Erinnerung<\/a> an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft an einem zentralen Ort in Berlin vorzubereiten und zu begleiten &#8220; wurde nicht nachgekommen. Es gibt weiterhin keinen zentralen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/\">Gedenkort<\/a> f\u00fcr die vielen Opfer des 17. Juni 1953 . Es soll also in Deutschland beim &#8222;vergessenen Aufstand&#8220; (Hubertus Knabe) bleiben (2).<br \/>\n.<br \/>\nEs ist zu bef\u00fcrchten, da\u00df es beim 17. Juni 1953 als dem &#8222;vergessenen Aufstand&#8220; bleiben wird. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/klonovsky\/\">Michael Klonovsky<\/a> f\u00fchrte in seiner <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/17-juni-1953\/\">Rede zum 17. Juni 2023<\/a> folgende Gr\u00fcnde an:<br \/>\na) Das in Politik und Medien aktuell verbreitete Narrativ lautet: Am 17. Juni 1953 wie auch am 9. November 1989 sind die Ostdeutschen nicht f\u00fcr &#8222;ein Volk&#8220; bzw. &#8222;das Volk&#8220; auf die Strasse gegangen, sondern f\u00fcr Weltoffenheit und EU. Die Nation spielte hiebei keine Rolle.<br \/>\nb) &#8222;1953 und 1989 erhoben sich Menschen f\u00fcr ihre Freiheit, f\u00fcr die deutsche Einheit und gegen den <a href=\"http:\/\/sozialismus\">Sozialismus<\/a>&#8222;. Wobei letzteres heute nicht gelten darf.<br \/>\nc) &#8222;Die Wiedergeburt der Deutschen Nation, die sie f\u00fcr tot, zumindest f\u00fcr historish \u00fcberholt hielten, haben die Linken speziell den Ossis nicht verziehen&#8220;.<br \/>\nd) &#8222;Die einzige logische Konsequenz aus dem 17. Juni zu ziehen ist &#8211; Nie wieder Sozialismus!&#8220;<br \/>\n.<br \/>\nJeder <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/souveraenitaet\/\">souver\u00e4ne<\/a> Staat hat seinen Nationalfeiertag, an dem die B\u00fcrger allj\u00e4hrlich zusammenfinden. Und der weder umdatiert noch umbenannt wird und der schlicht und einfach &#8222;Nationalfeiertag&#8220; hei\u00dft. Hierzulande ist es anders. Da hei\u00dft die Fussball-Nationalmannschaft nur &#8222;Die Mannschaft&#8220; und der &#8222;Nationalfeiertag&#8220; eben &#8222;Tag der Deutschen Einheit&#8220;. Denn <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/nationalstaat\/\">Nation<\/a> darf nicht sein.<br \/>\nGleichwohl: &#8222;Vive la France &#8211; Vive la nation!&#8220; wird der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/france\/\">Franzose<\/a> am 14. Juli sagen. Und die Franz\u00f6sin auch. Und bei den Italienern, Polen und Spaniern entsprechend ebenso.<br \/>\n15.6.2023<br \/>\n.<br \/>\nEnde von Beitrag &#8222;17. Juni: Kein Nationalfeiertag mehr&#8220;<br \/>\n=========================================================<br \/>\nBeginn von Anlagen (1) &#8211; (7)<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(1) 17. Juni \u2013 ein Webfehler deutscher Demokratiebewegung?<\/strong><br \/>\nDie Kriegs- und Nachkriegsgeneration ist mit dem \u201eTag der deutschen Einheit\u201c gro\u00df geworden \u2013 nicht nur als gesetzlicher Feiertag, sondern auch inhaltlich. Der niedergeschlagene Volksaufstand in Ostdeutschland wurde in Westdeutschland postwendend zum Nationalfeiertag proklamiert, zum Dreh- und Angelpunkt demokratischer Werte stilisiert, im \u00f6ffentlichen Erinnern dann zunehmend verw\u00e4ssert und 1990 endg\u00fcltig als Identifikationsereignis deutscher Demokratieentwicklung ersatzlos gestrichen.<br \/>\nDer gleichnamige Ersatz \u201eTag der Deutschen Einheit\u201c am 3. Oktober, jetzt mit gro\u00dfgeschriebenem \u201eD\u201c, ist ein politiktechnisches Datum ohne Bezug zum Volk.<br \/>\nZum Gedenken an \u201e70 Jahre Volksaufstand\u201c in der SBZ (Sowjetisch besetzten Zone) wird am Freitag, 16. Juni 2023, von 17 Uhr bis ca. 18 Uhr zu einem Gedankenaustausch in den Saal des Restaurants\/Pizzeria \u201eLa Corona\u201c, Littenweilerstra\u00dfe in <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/littenweiler\/\">Freiburg-Littenweiler<\/a>, eingeladen. Zeitzeuge der Entwicklung und Autor Paul Busse f\u00fchrt mit einer kurzen R\u00fcckschau zur \u00f6ffentlichen Erinnerungskultur mit dem Volksaufstand und \u00e4hnlichen historischen Ereignissen in das Thema ein. Der Eintritt ist frei auf Spendenbasis.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/17-Juni-1953-PaulBusse231606.pdf\">17-Juni-1953-PaulBusse231606.pdf<\/a><br \/>\n15.6.2023, Paul Busse<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(2) 17. Juni 1953 &#8211; Der gro\u00dfe Aufstand<\/strong><br \/>\nLieblingsbesch\u00e4ftigung deutscher Intellektueller: hochn\u00e4sig ihr eigenes Volk durch den Kakao ziehen mit einem Ausspruch des Bolschewisten Lenin. Dieser mokierte sich 1918 \u00fcber die Revolutionsunlust der Deutschen, sie l\u00f6sten erst brav am Schalter eine Bahnsteigkarte, bevor sie einen Bahnhof st\u00fcrmten. Indes beweisen Deutsche 35 Jahre sp\u00e4ter, am 17. Juni 1953, das Gegenteil. In der gesamten DDR, fl\u00e4chendeckend in \u00fcber 500 St\u00e4dten und Gemeinden, gehen anderthalb Millionen Menschen auf die Stra\u00dfe, st\u00fcrmen Rath\u00e4user und Beh\u00f6rden. Der Historiker Hubertus Knabe w\u00fcrdigt den 17. Juni als \u201eerste Massenerhebung gegen ein totalit\u00e4res Regime in der Geschichte\u201c.<br \/>\nNoch vor den gro\u00dfen Aufst\u00e4nden im russischen Workuta 1953, in Ungarn 1956, der Tschechoslowakei 1968 oder der Solidarno\u015b\u0107 in Polen gingen die Deutschen auf die Barrikaden \u2013 gegen das kommunistische Zwangssystem, f\u00fcr demokratische Wahlen und die Wiedervereinigung Deutschlands.<br \/>\nOhne das Eingreifen der sowjetischen Truppen \u2013 und wohlgemerkt das Stillhalten der Westm\u00e4chte \u2013 h\u00e4tte der 17. Juni das Ende der SED-Herrschaft besiegelt. Erst die Panzer der Roten Armee konnten den Aufstand blutig niederwerfen.<br \/>\nEs gibt einen Grund, weshalb Deutschland sich so stiefm\u00fctterlich seiner positiven Geschichte erinnert.<br \/>\n.<br \/>\nBis 1989 war der 17. Juni das Trauma der SED. Sie verga\u00df nie, sie hatte die Deutschen nicht hinter sich. Nicht auf der Zustimmung des Volkes, sondern auf 500.000 Sowjetsoldaten und einem immer engmaschigeren \u00dcberwachungs- und Unterdr\u00fcckungssystem fu\u00dfte die Macht des \u201eArbeiter- und Bauernstaates\u201c. Als Sowjetru\u00dfland auf den Bankrott zusteuerte, zerfiel auch die Macht der SED. Die friedliche Revolution von 1989 war mit dem 17. Juni verbunden.<br \/>\nWarum ist Deutschland \u2013 in Gestalt seiner politisch tragenden Kr\u00e4fte \u2013 nicht in der Lage, diesem herausragenden Datum der deutschen Geschichte einen herausgehobenen Platz einzur\u00e4umen? Warum gibt es nur wenige, versteckte und stiefm\u00fctterliche Erinnerungsorte an diese deutsche Erhebung? Warum gibt es kein gro\u00dfes deutsches Freiheitsmuseum in Berlin?<br \/>\nTrotz der sp\u00e4ten, gerade noch rechtzeitigen Wiedervereinigung 1990 hat die den gesellschaftlichen Diskurs bestimmende politische Klasse sich nicht damit angefreundet, da\u00df wir eine Nation sind und sein wollen. Es soll deshalb auch keine positive und bestimmende Nationalerz\u00e4hlung geben. Deshalb wird nicht nur des 17. Juni, sondern auch des 175. Jahrestages der deutschen Revolution von 1848 halbherzig gedacht. Stattdessen dominiert die Erz\u00e4hlung einer historisch widerlegten Nation, deren Geschichte von vornherein auf einen Irrweg ausgelegt war. In dieser Selbstverleugnung wurzelt die neudeutsche Hybris, alle Welt solle es uns gleichtun und sich von der Nation als Ordnungsprinzip verabschieden.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.6.2023 von Dieter Stein bitte lesen in der JF 25\/33, Seite 1<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>(3) Volksaufstand, fast vergessen!<\/strong><br \/>\n<em>Anl\u00e4sslich des 70ten Jahrestages und der Tatsache, dass der 17. Juni 1953 immer mehr in Vergessenheit ger\u00e4t, obwohl es sich um die gr\u00f6\u00dfte Erhebung im Machtbereich der UdSSR handelte, m\u00f6chte ich hier an das Geschehen und seine Wirkungen, beziehungsweise eher fehlenden Wirkungen auf Deutschland erinnern.<\/em><\/p>\n<p>Aufstand und Niederschlagung<br \/>\nUm den 17. Juni 1953 kam es in \u00fcber 700 St\u00e4dten und Gemeinden der DDR zu Demonstrationen und Streiks. Weit \u00fcber tausend Betriebe wurden spontan und mit \u00fcber einer Million Teilnehmern bestreikt. Die SED-Bezirksleitungen in Halle und Magdeburg und andere \u00f6ffentliche Einrichtungen wurden erst\u00fcrmt, zw\u00f6lf Gef\u00e4ngnisse mit rund 1.400 H\u00e4ftlingen befreit. Ein Schock f\u00fcr die angeblichen Vertreter der Arbeiter und Bauern, dass Wiedervereinigung und freie Wahlen gefordert wurden und wenig Lust auf zentral geplante Normen und Kader bestand!<br \/>\nDer Volksaufstand wurde innerhalb weniger Stunden durch die sowjetische Besatzungsarmee niedergeschlagen und in Blut und Tr\u00e4nen erstickt. Mindestens 125 Menschen wurden erschossen oder hingerichtet, darunter 41 Sowjetsoldaten, die sich weigerten auf Deutsche zu schie\u00dfen. Laut Recherchen des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk wurden rund 25.000 Deutsche aus Ost und West direkt nach dem 17. Juni verhaftet und teils zu hohen Haftstrafen verurteilt.<br \/>\nWas heute kaum noch jemand vor Augen hat: Die sowjetische Besatzungsmacht lie\u00df 18 Verhaftete standrechtlich erschie\u00dfen. Die Zeitzeugen Johannes Rink und Wolfgang Stiehl von der Vereinigung der Opfer des Stalinismus erz\u00e4hlten mir vor etwa zwanzig Jahren pers\u00f6nlich von der Willk\u00fcr, wen die Stalinisten sich dabei griffen und ermordeten.<br \/>\nAm 18. Juni wurden nach kurzer Verhandlung zwei Magdeburger standrechtlich erschossen, der eine war der ihnen pers\u00f6nlich bekannte CDU-Mann Herbert Strauch, der andere Alfred Dartsch. Ernst Jennrich wurde in Magdeburg als dritter zum Tode verurteilt und am 20.3.54 enthauptet. Diese Willk\u00fcr zeigt die Dimension und die maximale H\u00e4rte der Niederschlagung.<\/p>\n<p>Verblassende Details<br \/>\nWenn das Recht auf Versammlungsfreiheit und Demonstrationen als selbstverst\u00e4ndlich betrachtet wird, sollte man sich damit auseinandersetzten, dass in j\u00fcngerer Vergangenheit Menschen eingesperrt wurden, weil sie ihre Meinung verk\u00fcndeten, Flugbl\u00e4tter verteilten oder demonstrierten.<br \/>\nDie Geschundenen von damals sind froh, dass diese Zeit vorbei ist, und gleichzeitig ver\u00e4rgert, dass sie als politische H\u00e4ftlinge, die 15 Jahre und mehr im Knast sa\u00dfen, aus dieser Zeit keine Rentenanspr\u00fcche haben und sich daher jetzt in der sozialen Absicherung ganz unten wiederfinden.<br \/>\nNoch unverst\u00e4ndlicher war f\u00fcr die Herren Rink und Stiehl, dass die ehemaligen T\u00e4ter ihre vollen Zuschl\u00e4ge bei der Rente durchsetzen konnten. Diese Zuschl\u00e4ge waren eigentlich in der DDR f\u00fcr Professoren und verdiente Menschen gedacht, wurden aber allen \u201everdienten Genossen\u201d \u00fcberwiesen.<br \/>\nZur Sprache kam in unserem Austausch auch, dass der 17. Juni ab dem Jahr 1953 in der Bundesrepublik zum Feiertag erkl\u00e4rt wurde, der dann aber v\u00f6llig in Vergessenheit geriet und schlie\u00dflich durch den 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit ersetzt wurde.<br \/>\nInteressant f\u00fcr mich war auch zu erfahren, dass die Stasi die Trennung von Exekutive und Legislative aufgehoben hatte und in einem Abwasch die Ermittlungen durchf\u00fchrte, verurteilte und die Haft \u00fcberwachte.<br \/>\nUm zu verstehen, was mit den tausenden von Gefangenen des 17. Juni passiert war, empfahlen mir die beiden Zeitzeugen den Besuch des Stasigef\u00e4ngnisses f\u00fcr \u201ePolitische\u201c in Hohensch\u00f6nhausen, Berlin, in der nach 1945 eine Anlage gebaut wurde, die un\u00fcberwindbar war, in der die Insassen f\u00fcr 16 Pfennig die Stunde zwangsarbeiten mussten und in der auch Wasser- und Dunkelzellen zu sehen sind. Angeblich gab es zu der Zeit insgesamt 60.000 politische Gefangene!<br \/>\nBem\u00e4ngelt wurde von den beiden Herren, dass die Geschichte der DDR heute v\u00f6llig verkl\u00e4rt wird und auch z. B. in der Schule untergeht. So sieht der Lehrplan nur neun bis zw\u00f6lf Stunden f\u00fcr die Geschichte nach 1945 vor, nach dem Vietnamkrieg bleibt keine Zeit mehr f\u00fcr die 50er Jahre. Sie sprachen Lehrer darauf an und h\u00f6rten: \u201e\u2026 das tut mir leid f\u00fcr Sie\u2026 aber was soll ich machen\u2026 die Sch\u00fcler werden ja sofort fragen: Was haben Sie denn damals gemacht \u2026?\u201c<\/p>\n<p>Was bleibt?<br \/>\nWie viel mehr Respekt muss man vor diesem Hintergrund vor den Menschen haben, die sich 1989 vorsichtig in Kirchen versammelten und dann, nur mit Kerzen bewaffnet, nach drau\u00dfen trauten, im Wissen, dass die geballte bewaffnete Macht bereitstand und es wieder blutig h\u00e4tte enden k\u00f6nnen?<br \/>\nUnd der Westen? Ist der 17. Juni f\u00fcr die dominierende westdeutsche Linke ein blinder Fleck, was die Machtaus\u00fcbung in der Realit\u00e4t bedeutete? Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universit\u00e4t Berlin wies am 14. Juni 2003 in der \u201eWelt\u201c auf die erstaunlichen Entwicklungen des Westens hin, dass die Autoren der \u201eSinus-Studie\u201d 13 Prozent der wahlberechtigten Westdeutschen als \u201erechtsextrem\u201d einstuften. Rechtsextreme Pluspunkte auf der Skala erhielten zum Beispiel diejenigen, die die Frage verneinten, \u201eMan sollte sich endlich damit abfinden, dass es zwei deutsche Staaten gibt\u201d, und angaben, sie w\u00fcrden auch an einer \u201eKundgebung zum Tag der Deutschen Einheit (17. Juni) an der Grenze zur DDR teilnehmen\u201d.<br \/>\nIm Kern haben einflussreiche Teile des Westens das SED-Narrativ vom \u201efaschistischen Putsch\u201d in Bezug auf den 17. Juni \u00fcbernommen. Ohnehin hat der Zeitgeist Schlagseite und verkennt das Leid der einfachen Menschen, die sich spontan erhoben haben, auch weil eine Wirtschaftsordnung ohne Unternehmer in einer wirtschaftlichen Schieflage und realem Wohlstandsverlust m\u00fcnden muss.<br \/>\n<em><strong>\u00a0.<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Der 17. Juni ist ein bedeutender Tag der deutschen Geschichte und eine fr\u00fche Absage an den real existierenden Sozialismus. Ein Tag von besonderer Bedeutung vor allem f\u00fcr jeden, der sich in der Tradition der Freiheit sieht.<\/strong><\/em> Fragen Sie die Landes- und Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, was diese zum Thema beisteuern, z. B., ob Sie folgende B\u00fccher erhalten k\u00f6nnen:<br \/>\nAnne Haertel: \u201eDie Ereignisse um den 17. Juni 1953 im Bezirk Magdeburg\u201c;<br \/>\nHermann-Josef Rupier: \u201e\u2026und das wichtigste ist doch die Einheit\u201c oder<br \/>\nKonrad Breitenborn: \u201eTage zwischen Hoffnung und Angst\u201c.<br \/>\nJeder Leser ist eingeladen den 17. Juni zu seinem pers\u00f6nlichen Feiertag der Freiheit zu machen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.6.2023 von Christian K\u00f6hler bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.dersandwirt.de\/volksaufstand-fast-vergessen\/\">https:\/\/www.dersandwirt.de\/volksaufstand-fast-vergessen\/<\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(4) Bundestagsdebatte zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953<\/strong><br \/>\nZu Beginn der 110. Sitzung erinnert der Bundestags am Freitag, 16. Juni 2023, an den Volksaufstand in der DDR vor 70 Jahren am 17. Juni 1953; Ab 9 Uhr und dauert eine Stunde.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mIsFslPkZeU\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mIsFslPkZeU<\/a><br \/>\n.<br \/>\nBundestag: Vereinbarte Debatte zum Gedenktag 17. Juni 1953<br \/>\nAus Anlass des nationalen Gedenktages an den Volkaufstand in der DDR 1953 kommt der Bundestag zu einer einst\u00fcndigen Vereinbarten Debatte zusammen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/R9tvUZ3osYg\">https:\/\/youtu.be\/R9tvUZ3osYg<\/a><br \/>\n.<br \/>\nDisput zwischen Kay-Uwe Ziegler mit Wolfgang Kubicki am 15.6.2023:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/philosophia-perennis.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ssstwitter.com_1686984955903.mp4?_=1\">https:\/\/philosophia-perennis.com\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ssstwitter.com_1686984955903.mp4?_=1<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>(5) 17. Juni: Vize-Kanzler Habeck schw\u00e4nzt demonstrativ die Nationalhymne<\/strong><br \/>\n<strong>Wenn Schweigen mehr sagt als viele Worte<\/strong><br \/>\nWer als Vize-Kanzler einer der h\u00f6chsten Repr\u00e4sentanten unseres Landes ist und auf dessen Kosten lebt \u2013 bis hin zum Ministeriums-Photographen, der ihn mit Steuergeldern in Szene setzt \u2013 der sollte in meinen Augen auch Achtung vor dem Land zeigen, von dessen B\u00fcrgern er mit der Regierungsverantwortung betraut wurde.<br \/>\nHabecks demonstratives Schweigen ist geradezu eine Ohrfeige f\u00fcr die B\u00fcrger in diesem Land. Vor allem wegen der Vorgeschichte. Der Minister ist bekannt f\u00fcr Aussagen wie die, dass er \u2013 anders als mit dem Geld der Steuerzahler \u2013 \u201eVaterlandsliebe stets zum Kotzen fand\u201c und mit \u201eDeutschland nichts anzufangen wei\u00df\u201d.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nEine Nutzerin schreibt: \u201eDiese #AmpelDesGrauens unter F\u00fchrung von #Habeck schafft alles, was Deutschland ausgemacht hat, ab. Rollkommando-Habeck hat kein Problem mit Nazi-Sprech, wenn es SEINER Ideologie dient. Das einzige, das er an DE wohl nicht \u201ezum kotzen\u201c findet, ist Leidensf\u00e4higkeit der Deutschen.\u201c<br \/>\n\u201eRollkommando\u201c ist eine Anspielung darauf, dass Habeck k\u00fcrzlich angesichts der Polizeieins\u00e4tze bei den Klimaklebern die Polizisten als \u201eRollkommando\u201c bezeichnete \u2013 ein Begriff, mit dem in der Geschichte rechtsextremistische Gruppierungen bezeichnet wurden, die gewaltsam Andersdenkende \u00fcberfielen. Die heutige Polizei sprachlich mit diesen gleichzusetzen, zeugt von erheblichem Fremdeln mit den Ordnungsh\u00fctern.<br \/>\nEs ist eine bizarre Situation, wenn jemand, der so mit seinem Land, dessen Traditionen und Institutionen fremdelt, eine der Spitzenpositionen in dessen Regierung innehat. Das Resultat k\u00f6nnen wir beinahe t\u00e4glich bewundern.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.6.2023 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/reitschuster.de\/post\/vize-kanzler-habeck-schwaenzt-demonstrativ-die-nationalhymne\/\">https:\/\/reitschuster.de\/post\/vize-kanzler-habeck-schwaenzt-demonstrativ-die-nationalhymne\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\nEinige Kommentare:<br \/>\nWarum sollte Habeck auch mitsingen? Er arbeitet meiner Meinung nach f\u00fcr bzw. im Auftrag der Amerikaner an der Deindustriealisierung\/Zerst\u00f6rung Deutschlands. Daf\u00fcr wird er wohl von US-Milliard\u00e4ren auch f\u00fcrstlich entlohnt werden. Um das ohne Gewissensbisse tun zu k\u00f6nnen, muss man unser Land abgrundtief hassen. Und deshalb konnte er auch nie etwas mit Deutschland anfangen. Das hat er ja sogar vor Jahren in einem TV-Interview selbst einger\u00e4umt. Habeck f\u00fchrt einen Krieg gegen Deutschland und seine Einwohner. Konsequent und gnadenlos. Wo &#8222;Klimaschutz&#8220; drauf steht, steckt Ausverkauf, Entrechtung, Verarmung und Umverteilung nach oben drin J.L.<br \/>\n.<br \/>\nNaja &#8211; doll haben alle nicht mitgesungen. Es war eher eine verkrampfte Darstellung &#8211; im Vergleich zu den Amerikanern oder anderen Nationen. Es w\u00e4re vielleicht besser gewesen, wenn viele mit Mundschutz dagestanden h\u00e4tten M.M.<br \/>\n.<br \/>\nAn seinem Gesichtsausdruck konnte man deutlich erkennen, wie sehr er Deutschland verachtet&#8230; Es \u00fcberrascht mich nicht, aber das so deutlich zu sehen macht mich trotzdem fassungslos! D.N.<br \/>\nEnde Kommentare<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>(6) 70 Jahre 17. Juni: Gestohlene Erinnerung<\/strong><br \/>\nDen Deutschen Untertanengeist und mangelnde Freiheitsliebe vorzuwerfen, ist reichlich wohlfeil. Den besten Gegenbeweis liefert der 17. Juni 1953. Setzen wir denen, die an diesem Tag vor 70 Jahren das SED-Regime fast zu st\u00fcrzen vermochten, doch endlich ein w\u00fcrdiges Denkmal!<br \/>\n&#8230;<br \/>\nIm Ausland w\u00e4re das Herunterspielen eines solchen nationalen Ereignisses undenkbar. Unter den deutschen Gedenk- und Feiertagen fristete dieser Tag lange ein Schattendasein, das seiner Bedeutung in keiner Weise gerecht wird; einer Bedeutung, die Hubertus Knabe auf den Punkt bringt (1):<br \/>\n\u201eDabei gab es in der deutschen Geschichte keine andere Revolution, die ein auf Gewalt und Unterdr\u00fcckung beruhendes Herrschaftssystem so schnell, so fl\u00e4chendeckend und so vollst\u00e4ndig aus den Angeln hob.\u201c<br \/>\nDies hat Knabe in seinem sehr lesenswerten Buch \u201e17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand\u201c (von dem gerade eine Neuauflage erschienen ist) dankenswerterweise herausgestellt. Dass n\u00e4mlich den Deutschen gelungen war, wenngleich auch nur f\u00fcr einen Tag oder f\u00fcr wenige Stunden, ein verbrecherisches Regime komplett aus den Angeln zu heben, es in Angst und Schrecken zu versetzen, ist bis heute den wenigsten bekannt. Diese mangelnde Wahrnehmung steht in keinem Verh\u00e4ltnis zum Erfolg der Aufst\u00e4ndischen vor der Niederschlagung durch die sowjetische Besatzungsmacht; dies umso mehr, als es keinen zentralen Anf\u00fchrer und keine zentrale Organisation dieser landesweiten Proteste gab. Der Massenprotest kam gerade am 17. Juni 1953 aus dem Volk heraus. Es waren Menschen wie du und ich, die auf die Stra\u00dfe gingen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nIn der Zeit vom 16. bis 21. Juni erhoben sich insgesamt \u00fcber eine Million Menschen zwischen Ostsee und Erzgebirge, zwischen Elbe und Oder, in allen Landesteilen, in \u00fcber 700 St\u00e4dten und Gemeinden sowie in \u00fcber 1.000 Betrieben und Genossenschaften gegen die von den Sowjets aufoktroyierte kommunistische Gewaltherrschaft und gegen die Teilung Deutschlands (4). Die Deutschen standen dabei f\u00fcr Ziele und Werte ein, die der Westen sich auf seine Fahnen geschrieben hatte. Und sie gaben damit dem ganzen deutschen Volke nichts weniger als ein St\u00fcck seiner W\u00fcrde zur\u00fcck. Wie kann es angehen, dass dies ausgerechnet in ihrem eigenen Land vergessen wird?<br \/>\nZun\u00e4chst hatte man dem Aufstand in der Bundesrepublik nach seiner Niederschlagung durch sowjetische Panzer auch alle Ehre erwiesen und der Toten gedacht, wiewohl der offizielle Westen zum Zeitpunkt des Geschehens eher unsicher bis abweisend auf die Proteste reagiert hatte.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nSetzen wir ihrem Freiheitskampf vom 17. Juni 1953 doch endlich ein w\u00fcrdiges Denkmal, das sie mehr als verdient haben. Wer an dieses herausragende Datum der deutschen Geschichte nicht mehr erinnern will, der sollte sich nicht \u00fcber einen tats\u00e4chlich oder doch eher vermeintlich mangelnden Willen der Deutschen zur Freiheit wundern \u2013 und erst recht nicht dar\u00fcber beklagen. Das eine bedingt vielmehr das andere.<br \/>\nVerweisen wir also endlich auf jene Vorbilder aus unseren eigenen Reihen, die wir sehr wohl haben. Ehren wir sie und ihre Opfer in angemessener, w\u00fcrdiger Weise \u2013 wenigstens einmal im Jahr, am 17. Juni. Lassen wir, wo immer dies noch m\u00f6glich ist, endlich auch Zeitzeugen selbst sprechen. Wer nicht einmal dies fertigbringt, der kann nicht verlangen, dass die Heutigen in vergleichbaren Situationen gro\u00dfe Opfer zu bringen bereit w\u00e4ren. Denn sie sehen ja, was sie davon h\u00e4tten. F\u00fcr ihren Mut des Aufbegehrens ernteten sie am Ende doch nur eines: Entweder werden ihre Bem\u00fchungen kleingeredet, gar l\u00e4cherlich gemacht, oder sie verfallen der damnatio memoriae. Ein bitteres Fazit zum 70. Jahrestag des 17. Juni.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.6.2023 von Sabine Drewes bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/70_jahre_17_juni_gestohlene_erinnerung\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/70_jahre_17_juni_gestohlene_erinnerung<\/a><\/p>\n<p><em>Sabine Drewes ist im freien Teil des damals noch geteilten Deutschlands aufgewachsen und besch\u00e4ftigt sich seit ihrer Jugend mit diversen Aspekten rund um das Thema Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands.<\/em><\/p>\n<p>Quellen und Empfehlungen zum Weiterlesen:<br \/>\nHubertus Knabe: 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand. Ullstein (Ausgabe 2003)<br \/>\nAndreas H. Apelt, J\u00fcrgen Engert (Hrsg.): Das historische Ged\u00e4chtnis und der 17. Juni 1953. Mitteldeutscher Verlag 2014, Seite 36\/37<br \/>\nIlko-Sascha Kowalczuk: Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Wissenschaft und Erinnerungskultur. PDF-Dokument, 2013,<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>(7) Wolfgang Liebehenschel erlebt den 17.Juni 1953 als Sch\u00fcler <\/strong><br \/>\n<strong>\u201eEs war v\u00f6llig unglaublich!\u201c<\/strong><br \/>\n&#8230;. Liebehenschel: Ich war 17 und der 17. Juni 1953 begann als gew\u00f6hnlicher Schultag. Nat\u00fcrlich aber hatten wir geh\u00f6rt, was tags zuvor in Berlin passiert war: Aus Wut \u00fcber die Erh\u00f6hung ihrer Arbeitsnormen durch die SED waren Bauarbeiter der Ost-Berliner Stalinallee und Hennigsdorfer Stahlbauer spontan in einem Protestmarsch durch die Hauptstadt gezogen. Der Funke sprang \u00fcber, und nun ging es \u00fcberall in der DDR los, auch bei uns in G\u00f6rlitz. Arbeiter str\u00f6mten aus den Betrieben, zogen an unserer Schule vorbei zum Stadtzentrum und riefen: \u201eWeg mit den Normen!\u201c und \u201eDer \u2018Spitzbart\u2019 mu\u00df weg!\u201c Gemeint war SED-Chef Walter Ulbricht, der die Macht im Staat hatte. Das war absolut unglaublich!<\/p>\n<p>Und da haben Sie sich angeschlossen?<br \/>\nLiebehenschel: Nein, denn vor der Schule waren mit Kleinkalibergewehren bewaffnete FDJ-Mitsch\u00fcler postiert. Kaum aber war die Schule aus, hielt uns nichts mehr, und wir haben kr\u00e4ftig mitgemischt.<\/p>\n<p>Was passierte?<br \/>\nLiebehenschel: Erst wollte die Feuerwehr uns von der Stra\u00dfe spritzen, aber keine Chance! Am Postplatz dann wurden H\u00e4ftlinge aus dem Gef\u00e4ngnis geholt.<\/p>\n<p>Sie meinen, nur die Politischen?<br \/>\nLiebehenschel: Alle. \u201eDie Kriminellen\u201c, hie\u00df es, \u201ek\u00f6nnen wir ja sp\u00e4ter wieder einfangen!\u201c<\/p>\n<p>Was war mit den Polizisten und Parteifunktion\u00e4ren?<br \/>\nLiebehenschel: Davongejagt, quer durch die Menge. Dabei setzte es auch manchen Hieb und Tritt, aber keiner wurde ernsthaft mi\u00dfhandelt. Sinnlos zerst\u00f6rt wurde ebenso nichts, au\u00dfer der SED-Propaganda. Am Obermarkt waren wir schlie\u00dflich mindestens 35.000 Menschen, bei damals 100.000 Einwohnern! Der B\u00fcrgermeister wurde ab- und eine demokratische Stadtregierung eingesetzt: G\u00f6rlitz war die einzige Gro\u00dfgemeinde der DDR, die am 17. Juni ein freies, demokratisches System gew\u00e4hlt hat! Inzwischen wurde auch \u201edie deutsche Einheit gefordert\u201c und \u201eWeg mit der Oder-Nei\u00dfe-Grenze!\u201c, die G\u00f6rlitz ja teilte. Und schlie\u00dflich erhob sich die dritte Strophe des Deutschlandliedes \u2013 ein unglaubliches Erlebnis, weil wir uns in diesem Moment alle so verbunden f\u00fchlten. Es war unser \u201eChoral von Leuthen\u201c, und so mancher weinte vor Ergriffenheit. Auch mir kamen fast die Tr\u00e4nen, und in diesem Augenblick dachte ich: \u201eWir haben es geschafft! Ab heute haben wir Demokratie und werden frei sein!\u201c<\/p>\n<p>Bis die Russen kamen.<br \/>\nLiebehenschel: Ja, unsere Freiheit w\u00e4hrte nur einen Nachmittag. Dann, gegen vier Uhr, rollten sie an, Sowjetsoldaten auf LKW, Panzerwagen, schlie\u00dflich dr\u00f6hnend und kettenrasselnd zwei, drei Kampfpanzer. Die Kolosse begannen, sich in die Menge zu schieben \u2013 ganz langsam, das mu\u00df man anerkennen. Auch sah ich einige Soldaten den Helm abnehmen und winken. Die aber, wurde sp\u00e4ter gemunkelt, habe man danach schwer bestraft. Immer mehr dr\u00e4ngten uns die vorsto\u00dfenden Fahrzeuge in die Seitenstra\u00dfen, unterst\u00fctzt vom bedrohlichen Herumschwenken ihrer Gesch\u00fctzt\u00fcrme, was enorm einsch\u00fcchterte. Dann wurde ein Versammlungsverbot bekanntgegeben, und alles begann sich zu zerstreuen. Bis auf eine Ecke des Platzes, wo statt der Sowjets DDR-Volkspolizisten eingesetzt wurden. Die aber machten keinen Eindruck, sondern bekamen von der Masse Pr\u00fcgel angedroht und wurden \u00fcbel beschimpft: Verr\u00e4ter! Schweine! Lumpen! etc., so da\u00df sie nicht wagten, die Waffe zu heben. Da aber alles in Aufl\u00f6sung begriffen war, leerte sich schlie\u00dflich auch diese Ecke.<\/p>\n<p>Dann begann das Strafgericht?<br \/>\nLiebehenschel: Erst noch das: Vor drei Uhr waren wir zur Schule gerannt. Einige Abiturienten trafen auf den Konrektor, und einer klebte ihm spontan eine Ohrfeige, zack. Der floh und schlo\u00df sich ein. Die Jungs machten kehrt und halfen, die Schule von politischer Propaganda zu s\u00e4ubern: Spruchb\u00e4nder, Fahnen, Bilder etc., alles flog durch die Fenster auf den Hof. Sonst wurde allerdings nichts zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Erstaunlich, wenn man bedenkt, was heute bereits an gew\u00f6hnlichen Tagen in manchen Schulen los ist.<br \/>\nLiebehenschel: Unsere Penne zu zerst\u00f6ren ist uns gar nicht in den Sinn gekommen. Stattdessen setzten wir ein Manifest f\u00fcr eine demokratische Schule auf \u2013 doch auch das blieb ein Traum. Der, der den Konrektor geohrfeigt hatte und ein anderer flohen noch am selben Tag nach West-Berlin und kamen nie wieder nach Hause. Einige Sch\u00fcler, die von uns, wir waren etwa hundert, als Sch\u00fclervertreter zum Rathaus delegiert wurden, blieben eine oder mehrere N\u00e4chte in Polizeigewahrsam. Alle wurden aber wieder entlassen, ohne weitere Folgen.<\/p>\n<p>Es gab keine Strafen?<br \/>\nLiebehenschel: Nein, f\u00fcr uns wurde wohl eine Art stille Amnestie erlassen. Ob aus Nachsicht oder um weiteren Unmut zu vermeiden, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p>Wurden in G\u00f6rlitz Aufst\u00e4ndische bestraft?<br \/>\nLiebehenschel: Ja, \u00fcber Tage hinweg wurden viele verfolgt, verhaftet, verh\u00f6rt und eingesperrt. Der Rechtsanwalt, von dem man glaubte, er habe die Zellen der H\u00e4ftlinge aufgeschlossen, bekam f\u00fcnf Jahre, abgesessen drei. Der Radiogesch\u00e4ftsmann, der den \u201eStadtfunk\u201c \u2013 ein System von Lautsprechern, um die ganze Stadt mit SED-Propaganda zu beschallen \u2013 f\u00fcr uns umfunktioniert hatte, wurde zum Tode verurteilt, sp\u00e4ter von den Sowjets zu Lebensl\u00e4nglich begnadigt. Aber es gab auch andere Schicksale. Aus zuverl\u00e4ssiger Quelle wei\u00df ich, da\u00df ein Demonstrant von Polizisten in eine Kiste gesteckt und diese zugenagelt und nach Dresden gebracht wurde. Als man sie dort \u00f6ffnete \u2013 war er tot.<\/p>\n<p>Und Sie?<br \/>\nLiebehenschel: Mich lie\u00dfen sie in Ruhe. Doch fr\u00fch am Morgen des 18. Juni weckte mich ein monotones Klatschger\u00e4usch. Ich sah aus dem Fenster: Panzer mit drohend erhobenen Kanonenrohren walzten durch unsere Wohnstra\u00dfe, so langsam, da\u00df zu h\u00f6ren war, wie sich jedes einzelne Kettenglied klatschend auf dem Pflaster ablegte, um uns einzusch\u00fcchtern. Unser Weg in die Freiheit, Demokratie und in ein gemeinsames Deutschland war begraben unter den Ketten der sowjetischen Panzer.<\/p>\n<p>Nicht auch unter den Stiefeln der Volkspolizei?<br \/>\nLiebehenschel: Nein, die h\u00e4tte uns nicht mehr unter Kontrolle bekommen, und vermutlich w\u00e4re ein Teil \u00fcbergelaufen. Ohne die Rote Armee w\u00e4re der 9. November 1989 bereits der 17. Juni 1953 gewesen.<\/p>\n<p>Was haben Sie aus dem Scheitern geschlossen?<br \/>\nLiebehenschel: Neben der Verfolgung reagierte die SED mit Zugest\u00e4ndnissen, um die Lage zu beruhigen, etwa wurde die Normerh\u00f6hung revidiert, im Schulunterricht weniger ideologisiert. Doch nur ein gutes Jahr sp\u00e4ter war alles wie zuvor. So bin ich 1955 auch nach West-Berlin, wo ich noch ein Jahr zur Schule ging. Und was war das f\u00fcr eine v\u00f6llig andere Erfahrung! Hier konnte man den Lehrern widersprechen, mit ihnen diskutieren, ja sie haben uns sogar dazu ermuntert! Allein im Deutschaufsatz zu schreiben, was man dachte, und nicht was man zu denken hatte, war einfach ein gro\u00dfartiges Gef\u00fchl!<\/p>\n<p>Was sagen Sie Leuten, die die damalige Bundesrepublik und die DDR gleichsetzen?<br \/>\nLiebehenschel: Da\u00df sie nicht wissen, wovon sie reden \u2013 es war so ein Unterschied! Endlich mu\u00dfte man nicht mehr auf der Hut sein, was man sagte und keiner gab einem vor, was man zu denken, wie man die Welt zu sehen hatte. Das war b\u00fcrgerliche Freiheit im wahren Sinne des Wortes! Hier war das Leben tats\u00e4chlich privat, wurde man von der Politik in Ruhe gelassen, mu\u00dfte sich nicht bekennen und f\u00fcr nichts rechtfertigen. Allerdings habe ich auch Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, da\u00df die, die in der DDR blieben, versuchten, sich mit der Situation zu arrangieren und etliche auch der Desinformation der SED auf den Leim gingen. Andererseits habe ich aber auch den Eindruck, da\u00df viele DDR-Deutsche durch die st\u00e4ndige Indoktrination damals gelernt haben, kritischer zu denken \u2013 und sich daher auch heute als die etwas kritischeren B\u00fcrger zeigen.<\/p>\n<p>Inwiefern?<br \/>\nLiebehenschel: In der DDR haben wir von Beginn an die Unterwanderung der b\u00fcrgerlichen Welt mit sozialistischen Ideen erlebt, weshalb viele dort f\u00fcr \u00e4hnliche Tendenzen heute ein feineres Gesp\u00fcr haben. Und sie scheinen mir auch mehr Deutsche geblieben zu sein, als wir im Westen \u2013 was nicht hei\u00dft, da\u00df sie westliche Werte ablehnen.<\/p>\n<p>Warum ist der 17. Juni heute im Grunde vergessen?<br \/>\nLiebehenschel: Der Wohlstand, er macht die Leute tr\u00e4ge. Es ist ihnen nicht mehr klar, was es bedeutet, frei zu sein oder seine Freiheit zu verlieren. Und nat\u00fcrlich ist auch eine Ursache, da\u00df Helmut Kohl und der Bundestag den 17. Juni als unseren Nationalfeiertag durch den 3. Oktober ersetzt haben \u2013 mit dem die Menschen weder Freiheit noch Einheit verbinden, sondern &#8230; eigentlich gar nichts.<\/p>\n<p>Ist es nicht seltsam, da\u00df sich junge Deutsche nicht mit dem Freiheitskampf ihrer Vorfahren, sei es der Martin Luthers oder des 17. Junis, identifizieren, obwohl sie ihm ihre Freiheit verdanken?<br \/>\nLiebehenschel: Ja, es gelingt mir nicht einmal, die eigenen Enkel f\u00fcr den 17. Juni 1953 zu begeistern.<\/p>\n<p>Warum nicht\u00df<br \/>\nLiebehenschel: Ich glaube, sie sind zu sehr von Schule, Medien, der Gesellschaft \u00fcberhaupt beeinflu\u00dft, die meist gar nicht wollen, da\u00df wir uns der Glanzpunkte unserer Geschichte noch bewu\u00dft sind. Es ist sehr traurig, da\u00df es kaum Interesse f\u00fcr unsere Geschichte und nationales Leben gibt, wie es in den L\u00e4ndern um uns herum dagegen normal ist.<\/p>\n<p>Was ist zum Beispiel aus dem Singen des Deutschlandliedes geworden?<br \/>\nLiebehenschel: Ich habe nicht den Eindruck, da\u00df das f\u00fcr die meisten heute noch ein Erlebnis ist. Zum einen ebenfalls wegen des Wohlstands, der dazu f\u00fchrt, da\u00df Gemeinschaft eine immer geringere Rolle spielt. Aber auch, weil eben auch das nicht mehr gewollt ist. Schon lange vor der Wiedervereinigung war der 17. Juni im Westen zum Badetag verkommen, wie Christi Himmelfahrt zum \u201eVatertag\u201c. Diese Oberfl\u00e4chlichkeit, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Tiefe der Dinge zu verlieren, sei es in der Religion, der Geschichte, der Kultur, etwa der Baukunst, oder der Politik, k\u00f6nnte noch schlimme Folgen haben.<\/p>\n<p>Inwiefern?<br \/>\nLiebehenschel: Es zeigt sich deutlich, da\u00df das wiederkehrt, wogegen wir uns am 17. Juni erhoben haben: die Ideologisierung der Gesellschaft! Inzwischen ist der Zug, dem Volk vorzuschreiben, was es zu denken hat und den, der nicht mitzieht auszugrenzen, erschreckend weit vorangeschritten.<\/p>\n<p>Wer tr\u00e4gt die Schuld daran?<br \/>\nLiebehenschel: Im Grunde die sogenannten b\u00fcrgerlichen Parteien, zumal die CDU, die nicht mehr aufzeigen, welch ideologische Komponente die Politik hat, die Zug um Zug unsere Gesellschaft umkrempeln soll, und die dieser keinen von der b\u00fcrgerlichen Idee inspirierten Entwurf entgegensetzen!<\/p>\n<p>Was meinen Sie mit \u201eb\u00fcrgerlicher Idee\u201c?<br \/>\nLiebehenschel: Es geht doch nicht um Staus wegen der Klimakleber oder W\u00e4rmepumpen, dahinter steckt viel mehr. N\u00e4mlich die Abkehr vom Prinzip der b\u00fcrgerlichen Freiheit. Die CDU aber tut, als drehe es sich nur um die Sachfrage und setzt der kulturellen Erosion dahinter nichts entgegen. \u2013 Davor kann ich nur warnen! Ich habe erlebt, was es hei\u00dft, wenn b\u00fcrgerliche Politik ihr Fundament, die b\u00fcrgerliche Geisteswelt, verliert: In der Folge verliert auch die Gesellschaft dieses Fundament, n\u00e4mlich Kultur, Freiheit und Prosperit\u00e4t. Das Schlimme ist, da\u00df der \u201egro\u00dfe\u201c Philosoph Karl Marx zwar meinte, die Geschichte entschl\u00fcsselt zu haben, doch noch nicht einmal den Menschen verstanden hat. Dergestalt n\u00e4mlich, da\u00df eine Art \u201ekleiner Kapitalismus\u201c dem Menschen von Natur aus eigen und die Grundlage jeder b\u00fcrgerlichen Freiheit ist, da er den B\u00fcrger vor Abh\u00e4ngigkeit bewahrt. Um diese Art zu denken zu bewahren bedarf es aber der Pflege b\u00fcrgerlicher Kultur, die der N\u00e4hrboden echter b\u00fcrgerlicher Politik ist, die wiederum daf\u00fcr sorgt, da\u00df diese Dinge erhalten bleiben. Dieser Kreislauf ist aber durch Unerfahrenheit und Versagen der \u201eb\u00fcrgerlichen\u201c Parteien unterbrochen. Wird er nicht erhalten oder wieder in Gang gesetzt, dann, das garantiere ich, wird unsere Demokratie, da ihr die freien B\u00fcrger fehlen, untergehen \u2013 und von einem System politischer Bevormundung, also etwas wie die DDR, ersetzt.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.6.2023 bitte lesen in der JF 25\/33, Seite 3<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Wolfgang Liebehenschel, der ehemalige Berliner Baudirektor wurde 1935 in G\u00f6rlitz geboren und floh 1955 nach West-Berlin, wo er Architektur studierte. Er ist Mitglied der \u201eLutheriden-Vereinigung\u201c, dem 1926 gegr\u00fcndeten Verein der anerkannten \u201eNachkommen und Stammverwandten\u201c des Reformators. 1999 ver\u00f6ffentlichte er \u00fcber dessen Frau das B\u00e4ndchen: \u201eDer langsame Aufgang des Morgensterns von Wittenberg. 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