{"id":10247,"date":"2012-08-30T13:41:24","date_gmt":"2012-08-30T11:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=10247"},"modified":"2012-09-01T13:52:42","modified_gmt":"2012-09-01T11:52:42","slug":"blhv-kreischef-friedbert-schill-zum-steigenden-getreidepreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/blhv-kreischef-friedbert-schill-zum-steigenden-getreidepreis\/","title":{"rendered":"BLHV-Kreischef Friedbert Schill zum steigenden Getreidepreis"},"content":{"rendered":"<p>BZ: Herr Schill, Sie verarbeiten selbst Mehl zu Brot. Ist damit zu rechnen, dass die Brotpreise steigen?<br \/>\nFriedbert Schill, <a title=\"BLHV\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/blhv\/\">BLHV<\/a>: Was wir f\u00fcr unser Produkt verlangen, ist das Ergebnis einer Kalkulation, die viele Kostenaspekte erfasst und mir und meiner Familie eine angemessene Entlohnung erlaubt. Der Anteil, der beim Brotpreis auf den Rohstoff <a title=\"Getreide\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/getreide\/\">Getreide<\/a> entf\u00e4llt, ist jedoch relativ gering. So ist es auch im Handwerk und in der <a title=\"Ernaehrung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/\">Lebensmittelindustrie<\/a>.<br \/>\nBZ: Die Akteure dieser Branchen k\u00fcndigen aber heftige Preiserh\u00f6hungen an.<br \/>\nSchill: Mit der Getreidepreissteigerung allein l\u00e4sst sich das nicht rechtfertigen. <!--more-->Denn der Mehlpreis spielt keine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr das Endprodukt. Ich denke, der Getreidepreis liefert der Branche einen Grund, die allgemeinen Kostensteigerungen weiterzureichen. Die Energiepreiserh\u00f6hung und Lohnzuw\u00e4chse auf den einzelnen Wertsch\u00f6pfungsstufen wirken sich weit st\u00e4rker aus.<br \/>\nBZ: So oder so: Getreide ist weltweit knapp geworden und das bewirkt f\u00fcr die Landwirte eine kr\u00e4ftige Erl\u00f6ssteigerung. Ist das nicht ein Grund zur Freude?<br \/>\nSchill: Klar, das ist f\u00fcr uns Bauern zun\u00e4chst mal richtig gut. Aber es ist nicht so, dass ein Getreide- oder Maiserzeuger in Deutschland derzeit Wohlstand anh\u00e4ufen kann. Aktuell erl\u00f6st Winterweizen 24 bis 26 Euro je Dezitonne (100 Kilogramm, Anm. der Red.). Das ist immer noch weniger als in den 70er Jahren.<br \/>\nBZ: Aber sind nicht auch die Ertr\u00e4ge gestiegen?<br \/>\nSchill: Sicher, aber auch die allgemeinen Produktionskosten. Der Dieselpreis beispielsweise hat sich seit 1974 fast verdreifacht. Die st\u00e4ndig steigenden Energiepreise haben auch die anderen Betriebsmittel verteuert, vor allem D\u00fcnger. Sie stecken auch in den Investitionskosten f\u00fcr Maschinen und Ger\u00e4te.&gt;BZ: Aber ist es nicht so, dass neuerdings viele Landwirte genau davon profitieren?&gt;Schill: Sicher, viele Kollegen produzieren heute Strom mit Solaranlagen. Und wer Wald besitzt, kann Brennholz oder Hackschnitzel verkaufen. Und auch f\u00fcr Landwirte werden sich Potenziale er\u00f6ffnen dadurch, dass es jetzt leichter wird, Windenergieanlagen zu planen.<br \/>\nBZ: N\u00fctzt den Betrieben die Nachfrage nach Ackerpflanzen f\u00fcr Biogasanlagen?<br \/>\nSchill: Auch das, wobei die energetische Nutzung von Getreide oder Mais in unserer Region untergeordnet ist. Es gibt einfach viele andere M\u00f6glichkeiten mit landwirtschaftlichen Kulturen ein ausreichendes Einkommen zu erzielen, etwa mit Feldgem\u00fcse, Wein oder Obst. Eine gro\u00dfe Bedeutung hat auch die Saatmaisproduktion.<br \/>\nBZ: Die Diskussion, ob es angesichts der Nahrungsmittelknappheit weltweit vertretbar ist, Getreide so zu verwerten, ist entbrannt. Was halten Sie davon, Ackerfr\u00fcchte zu Treibstoff zu verarbeiten oder durch Biogasanlagen zu jagen?<br \/>\nSchill: Landwirte waren auch fr\u00fcher schon Energieproduzenten.<br \/>\nBZ: Wie das?<br \/>\nSchill: Bevor es Schlepper gab, hat jeder Betrieb einen Teil seiner Futter- und Getreideproduktion f\u00fcr die Zugpferde und -ochsen erzeugt. Ein weiteres g\u00e4ngiges Erzeugnis war Mohn\u00f6l f\u00fcr Lampen.<br \/>\nBZ: Dann ist es aus Ihrer Sicht nicht befremdlich, Feldfr\u00fcchte energetisch zu verwerten?<br \/>\nSchill: Nein, aber ich pers\u00f6nlich meine, dass die aktuelle Gesetzgebung zu \u00fcberdenken ist. Bereits vor vier Jahren haben wir bei der Jahresversammlung des Kreisverbands aufgezeigt, dass es nicht wirklich umweltfreundlich ist, so Energie zu erzeugen. Man muss genau hinschauen, wie viel Prim\u00e4renergie in die Produktion und in den Transport gesteckt wird und was am Ende dabei rauskommt. Auch sind die negativen Folgen f\u00fcr die Humusversorgung der B\u00f6den zu ber\u00fccksichtigen. Bei der energetischen Nutzung wird das gesamte organische Material vom Feld ger\u00e4umt, beim Drusch f\u00fcr die Nutzung als Lebensmittel bleibt das Stroh zur\u00fcck.<br \/>\nBZ: Ein Teil Ihrer Berufskollegen sieht das offenbar anders. Sonst w\u00e4ren die Biogasanlagen ja nicht ins Laufen gekommen.<br \/>\nSchill: Der einzelne Landwirt entscheidet danach, was f\u00fcr seinen Betrieb sinnvoll ist, damit er ein \u00f6konomisch nachhaltiges Einkommen erzielen und regelm\u00e4\u00dfig investieren kann. Wenn der gesetzliche Rahmen und das wirtschaftliche Umfeld so gestaltet sind, dass es attraktiv ist, f\u00fcr eine Biogasanlage zu produzieren, oder gar selbst eine zu betreiben, werden Betriebe das auch machen. F\u00fcr mich aber kommt diese Produktion nicht in Frage. Auch deshalb nicht, weil ich unabh\u00e4ngig sein will. Die Energiepolitik ist voller Unw\u00e4gbarkeiten. Wer sagt mir, welche Klientel oder Bev\u00f6lkerungsgruppe die Mandatstr\u00e4ger \u00fcbermorgen befriedigen wollen. Da kommt auf einmal wieder eine Gesetzes\u00e4nderung und schon hat das Einkommenspotenzial seine Grundlage verloren.<br \/>\nBZ: Und was machen Sie mit Ihrer Produktion?<br \/>\nSchill: Wir kultivieren nach den Regeln der organisch-biologischen Wirtschaftsweise Getreide und Soja in einer vielgliedrigen Fruchtfolge. Die Erzeugnisse werden in der Region vermarktet, \u00fcber die Dachswangerm\u00fchle in Umkirch. Soja beispielsweise wird an die Freiburger Firma Taifun geliefert, die Tofuprodukte daraus herstellt.<br \/>\nSilvia Faller, 30.8.2012<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BZ: Herr Schill, Sie verarbeiten selbst Mehl zu Brot. 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