{"id":101005,"date":"2022-05-18T17:43:58","date_gmt":"2022-05-18T15:43:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=101005"},"modified":"2025-04-11T20:27:57","modified_gmt":"2025-04-11T18:27:57","slug":"eigene-interessen-eines-staates","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/eigene-interessen-eines-staates\/","title":{"rendered":"Eigene Interessen eines Staates"},"content":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt der Antrittsrede von Viktor Orban im Budapester Parlament am 16.5.2022 stehen die &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/ungarn\/\">ungarischen Interessen<\/a>&#8222;. Dies gilt f\u00fcr den innenpolitischen wie auch den au\u00dfenpolitischen Teil (Redetext unten) seiner Rede. Entsprechend h\u00e4ufig kommt das Wort &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-ungarn\/\">Ungarn<\/a>&#8220; vor.<br \/>\nF\u00fcr Orban gilt eben &#8211; wie wohl f\u00fcr fast alle souver\u00e4nen Staaten der Welt &#8211; das Diktum von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/schmidt-fischer-genscher-bahr\/\">Egon Bahr<\/a>, dem au\u00dfenpolitischen Berater von Willy Brandt: <em>&#8222;Die eigenen Interessen eines Staates z\u00e4hlen, nicht die Werte. Wenn ein Politiker anf\u00e4ngt, \u00fcber &#8222;Werte&#8220; zu schwadronieren, dann ist es h\u00f6chste Zeit, den Raum zu verlassen&#8220;.<br \/>\n<\/em><br \/>\nVergleicht man die Regierungserkl\u00e4rungen von Viktor Orban und Olaf Scholz, dann dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, unser Bundeskanzler vertritt weniger die &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-interessen\/\">deutschen Interessen<\/a>&#8220; als die &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/us-geopolitik\/\">US-amerikanischen Interessen<\/a>&#8220; &#8211; wie etwa &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/\">Russland schw\u00e4chen<\/a>&#8222;, &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/industriekollaps-ohne-gasimport\/\">nie mehr russisches Gas<\/a>&#8220; oder &#8222;Russland <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/friedens-statt-kriegsrhetorik\/\">ruinieren<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Ein Tip: Lesen Sie den unten dokumentierten Ausschnitt der Rede des ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten und ersetzen sie dabei jeweils das Wort &#8222;Ungarn&#8220; durch das Wort &#8222;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-hoffnung\/\">Deutschland<\/a>&#8222;.<br \/>\n18.5.2022<\/p>\n<p>.<br \/>\n<strong>Antrittsrede von Viktor Orban im Budapester Parlament am 16.5.2022<\/strong><br \/>\n\u201e&#8230; Ich muss hier an erster Stelle \u00fcber die Sicherheit Ungarns reden. Der ukrainisch-russische Krieg h\u00e4lt bereits seit 82 Tagen an. Dieser Krieg h\u00e4tte niemals beginnen d\u00fcrfen. Es gilt die alte Weisheit der R\u00f6mer: Man kann nicht gleichzeitig den Anfang und das Ende der Dinge sehen. Das hei\u00dft, es ist einfach, einen Krieg zu beginnen, aber schwer, ihn zu beenden. Europa hat zur Zeit keinerlei Mittel zur Handhabung dieses Konflikts in seiner Nachbarschaft.<br \/>\nDa die europ\u00e4ischen F\u00fchrer weder die Kraft, noch die Mittel daf\u00fcr besitzen, sind sie nun davon \u00fcberzeugt, dass Russland mit Hilfe der europ\u00e4ischen Sanktionen in die Knie gezwungen werden kann. Das ist auf dem Papier durchaus m\u00f6glich, und viele Papierpolitiker wedeln mit theoretischen Beweisen daf\u00fcr herum. Doch egal, wie sehr ich mich anstrenge, mir f\u00e4llt keine Blockadepolitik ein, die je erfolgreich gewesen w\u00e4re. Wogegen mir F\u00e4lle bekannt sind, in denen deren Erfinder den Schaden davontrugen. Hoffen und beten wir, dass es diesmal anders kommt.<\/p>\n<p>Ungarn wird im Interesse der europ\u00e4ischen Einheit die Sanktionen nicht verhindern, so lange sie nicht die rote Linie des Schutzes der ungarischen Wirtschaft \u00fcberschreiten, das hei\u00dft, so lange sie nicht die Energiesicherheit Ungarns gef\u00e4hrden. Ungarn ist Mitglied der Nato. Wir haben Ungarn 1999 in das westliche Milit\u00e4rb\u00fcndnis gef\u00fchrt. Unsere politische Gemeinschaft, die Regierung und ich selbst, halten es f\u00fcr eine existenzielle Frage, dass Ungarn Nato-Mitglied ist. Das ist der sichere Ausgangspunkt, von dem aus wir die Sicherheitsstrategie Ungarns aufbauen. Die Nato ist ein Verteidigungspakt. Wir d\u00fcrfen der Versuchung nicht nachgeben und vom Territorium der Mitgliedstaaten Angriffsaktionen durchf\u00fchren.<br \/>\nDie Nato darf nicht von einem Verteidigungspakt in ein angreifendes Kriegsb\u00fcndnis verwandelt werden. Die Nato ist nicht die Entente und darf nicht dazu werden. Die Wichtigkeit unserer Nato-Mitgliedschaft ist noch nie so offenkundig gewesen wie jetzt, w\u00e4hrend des Ukraine-Krieges.<br \/>\nDie Dinge nehmen einen immer schlimmeren Verlauf. Die Russen betrachten den Krieg als eine Aktion, die sie auch ohne den Einsatz von Wehrpflichtigen durchf\u00fchren k\u00f6nnen, das hei\u00dft, sie k\u00f6nnen endlos weitermachen. Auf der anderen Seite haben sich die Amerikaner daf\u00fcr entschieden, mit Hilfe des aus dem 2. Weltkrieg bekannten Leih- und Pachtgesetzes unbegrenzt Kriegsmittel f\u00fcr die Ukraine zu finanzieren. Das ist die denkbar schlimmste Kombination.<br \/>\nDeshalb wird der Krieg in unserer Nachbarschaft f\u00fcr lange Zeit mit unfassbar vielen Waffen weitergehen und eine kontinuierliche Bedrohung f\u00fcr Ungarn bedeuten. Die wichtigste Aufgabe des kommenden Jahrzehnts wird es sein, uns aus diesem Krieg rauszuhalten und Frieden und Sicherheit in Ungarn zu sichern.<\/p>\n<p>Das wird nicht leicht sein, denn wir stehen unter ungeheurem internationalen Druck. Wer Waffen liefert, steht nach meiner Auffassung schon mit einem Fu\u00df im Krieg. Wir aber wollen Frieden. Krieg vernichtet, Frieden baut auf. Deshalb wollen wir eine sofortige Waffenruhe und Friedensverhandlungen, und ich kann Ihnen versichern, dass wir bei unserem Standpunkt bleiben werden. Die Nato ist eine St\u00fctze unserer Sicherheit, aber sie wird nicht an unserer Stelle Ungarn verteidigen. In der Not vielleicht, aber an unserer Stelle gewiss nicht. Sehnsucht nach Frieden und guter Wille allein reichen nicht aus. Wenn die Armeen eines Landes schwach und seine Soldaten kampfunf\u00e4hig sind, wenn ein Volk sich nicht verteidigen will, wird dieses Land als erstes angegriffen. (&#8230;)<\/p>\n<p>In diesem Krieg wurde die Ukraine angegriffen, und Russland ist der Angreifer. Deshalb unterst\u00fctzen wir die Ukraine, deshalb haben wir die gr\u00f6\u00dfte humanit\u00e4re Hilfsaktion in der Geschichte Ungarns gestartet. Gemessen an unserer Gr\u00f6\u00dfe haben wir die meisten Fl\u00fcchtlinge aufgenommen, und wer es brauchte, wurde versorgt. Wir werden die ukrainischen Fl\u00fcchtlinge weiterhin unterst\u00fctzen. Dabei spielt es jetzt keine Rolle, welche Rechtsverletzungen die ungarische Minderheit im Vorkarpatenland erleiden musste. Es spielt ebenso keine Rolle, dass sich der ukrainische Pr\u00e4sident in den ungarischen Wahlkampf auf der Seite unserer Gegner eingemischt hat. Die Ukrainer k\u00f6nnen weiterhin mit Ungarn und der ungarischen Regierung rechnen.<\/p>\n<p>Wegen unseren bestehenden Streitigkeiten mit Br\u00fcssel muss ich an dieser Stelle auf die Europ\u00e4ische Union eingehen. Ich m\u00f6chte in aller Klarheit festhalten, dass Ungarn Mitglied der EU ist, und es in unserem Interesse ist, auch im kommenden Jahrzehnt Mitglied zu bleiben. Es stimmt, dass Br\u00fcssel dabei ist, die Souver\u00e4nit\u00e4t der Mitgliedstaaten, und so auch Ungarns, zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Es stimmt ebenso, dass die EU bestrebt ist, anstelle des Europa der Nationen ein neues europ\u00e4isches Imperium, die Vereinigten Staaten von Europa zu errichten. Und es stimmt auch, dass der kulturelle Abstand, ja fast schon die kulturelle Entfremdung zwischen dem westlichen Teil Europas und Ungarn immer gr\u00f6\u00dfer wird. Das hat damit zu tun, dass wir an den christlichen Fundamenten der europ\u00e4ischen Zivilisation und an den Nationalstaaten glauben, Br\u00fcssel jedoch hat diese Ideen aufgegeben. Uns ist Gottes Segen wichtig. Uns ist wichtig, ein Vaterland zu haben, das wir lieben und auf das wir stolz sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leider trifft auch zu, dass Br\u00fcssel Tag f\u00fcr Tag seine Macht missbraucht und uns Dinge aufzwingen will, die schlecht und fremd f\u00fcr uns sind. Im Sinne des Prinzips \u201eleben und leben lassen\u201c haben wir der EU Angebote zur Toleranz bei der Migration, der Genderpolitik und zuletzt beim \u00d6lembargo unterbreitet. Unsere Toleranzangebote sind zur\u00fcckgewiesen worden. Wir werden den Schutz der Grenzen trotzdem nicht aufgeben, wir werden den Zaun nicht demontieren, wir werden keine Migranten ins Land lassen. Wir werden unsere Familien besch\u00fctzen, wir werden keine Genderaktivisten in die Schulen lassen. Bei uns ist der Vater ein Mann, die Mutter eine Frau, und unsere Kinder sollen sie in Frieden lassen. Wir werden den Frieden und die Sicherheit Ungarns besch\u00fctzen und werden keine wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen akzeptieren, die die ungarischen Familien ruinieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Wenn es aber so ist, und es ist so, dann kann man fragen, was wir in der Europ\u00e4ischen Union zu suchen haben. Die Antwort darauf ist: Wir suchen unsere Tr\u00e4ume. Die Gemeinschaft der freien und gleichen Nationen. Wir suchen ein Europa, das gottesf\u00fcrchtig ist, das die W\u00fcrde der Menschen bewahrt und die Spitzen von Kultur, Wissenschaft und Intellekt erst\u00fcrmt. Wir sind nicht deshalb Mitglied der Europ\u00e4ischen Union, weil sie ist, wie sie ist, sondern wegen dem, was sie werden k\u00f6nnte. Und so lange wir auch nur die kleinste Chance daf\u00fcr sehen, werden wir daf\u00fcr k\u00e4mpfen, weil dieses Europa die meisten M\u00f6glichkeiten und den breitesten Raum f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges und freies Ungarn bietet. Wenn wir das kommende Jahrzehnt betrachten, dann sehen wir Ungarn in der Europ\u00e4ischen Union im entschiedenen Kampf f\u00fcr seine Rechte und auf der Suche nach Verb\u00fcndeten, um die Union zu erneuern. &#8230;\u201c<br \/>\n&#8230; Komplette \u00dcbersetzung vom 18.5.2022 von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativismus\/\">Krisztina Koenen<\/a> bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/viktor_orban_die_EU_die_nato_und_der_krieg\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/viktor_orban_die_EU_die_nato_und_der_krieg<\/a><\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Rede finden Sie im Original<br \/>\n<a href=\"https:\/\/miniszterelnok.hu\/orban-viktor-beszede-a-miniszterelnoki-eskutetelet-kovetoen-2\/\">https:\/\/miniszterelnok.hu\/orban-viktor-beszede-a-miniszterelnoki-eskutetelet-kovetoen-2\/<\/a><br \/>\nund eine englische Fassung hier<br \/>\n<a href=\"https:\/\/miniszterelnok.hu\/speech-given-by-prime-minister-viktor-orban-after-swearing-his-prime-ministerial-oath\/\">https:\/\/miniszterelnok.hu\/speech-given-by-prime-minister-viktor-orban-after-swearing-his-prime-ministerial-oath\/<\/a><\/p>\n<p>18.5.2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt der Antrittsrede von Viktor Orban im Budapester Parlament am 16.5.2022 stehen die &#8222;ungarischen Interessen&#8222;. Dies gilt f\u00fcr den innenpolitischen wie auch den au\u00dfenpolitischen Teil (Redetext unten) seiner Rede. Entsprechend h\u00e4ufig kommt das Wort &#8222;Ungarn&#8220; vor. F\u00fcr Orban gilt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/eigene-interessen-eines-staates\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,36,53,186,14,13,172],"tags":[633,26,489,682,631,705],"class_list":["post-101005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-branchen","category-engagement","category-fairerhandel","category-finanzsystem","category-global","category-kultur","category-zukunft","tag-demokratie","tag-deutsch","tag-european-union","tag-freiheit","tag-staat","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=101005"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101005\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132692,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101005\/revisions\/132692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=101005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}