{"id":100569,"date":"2022-04-30T09:30:27","date_gmt":"2022-04-30T07:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=100569"},"modified":"2022-05-13T09:45:38","modified_gmt":"2022-05-13T07:45:38","slug":"usa-europa-russland-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/usa-europa-russland-china\/","title":{"rendered":"USA &#8211; Europa &#8211; Russland &#8211; China"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Amerika treibt Europa in einen Atomkrieg&#8220; titelt Oskar Lafontaine seinen Beitrag in der Z\u00fcricher Weltwoche (s.u.). Dass sich aus dem v\u00f6lkerrechtswidrigen Einmarsch russischer Truppen in die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukraine-russland\/\">Ukraine<\/a> ein Krieg zwischen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/\">Russland<\/a> und den <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/biden\/\">USA<\/a> entwickelt &#8211; diese Bef\u00fcrchtung greift immer mehr. <!--more--><\/p>\n<p>(1) In seinem Buch &#8222;Die einzige Weltmacht&#8220; von 1997 beschrieb Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater des US-Pr\u00e4sidenten Jimmy Carter, da\u00df es die Hegemonie der USA erfordert, da\u00df Russland keine Kontrolle \u00fcber die Ukraine (Bodensch\u00e4tze, Zugang zum Schwarzen Meer) erlangt.<\/p>\n<p>(2) Stratfor-Chef Georg Friedman wiederholte 2015 das Ziel der US-Aussenpolitik, da\u00df es weiterhin keine Kooperation zwischen Russland und Deutschland geben darf. Deshalb der Widerstand der USA zu Lieferungen von Kohle, Erd\u00f6l und Gas von Russland nach Deutschland.<\/p>\n<p>(3) Die stellv. US-Aussenministerin Victoria Nuland gibt 2016 freim\u00fctig zu, da\u00df die USA f\u00fcnf Mrd Dollar zur Installation einer US-freundlichen Regierung in Kiew ausgegeben haben.<\/p>\n<p>(4) Die gro\u00dfe Bedeutung der NATO-Osterweiterung erkl\u00e4rt sich aus (1) &#8211; (3). Der US-\u00d6konom Jeffrey Sachs warnt seit langem, da\u00df diese US-Strategie einen langen Krieg um die Ukraine bewirken wird. Deshalb sollte Europa eine eigene Verhandlungspolitik durchsetzen mit einer neutralen Ukraine sowie Autonomie des Donbass als Ziel.<\/p>\n<p>(5) Die Sicherheit in Europa kann nur gemeinsam mit der Atommacht Russland erreicht werden. Brandt, Bahr und Genscher wu\u00dften das, die derzeitigen Politiker nicht.<br \/>\nOlaf Scholz (SPD) liefert schwere Waffen ins Kriegsgebiet, Annalena Baerbock (Gr\u00fcne) \u00fcbt faschistischen Sprech mit &#8222;Russland ruinieren&#8220;, Friedrich Merz (CDU) sieht, wie pr\u00e4chtig sein fr\u00fcherer Arbeitgeber Blackrock an den US-Waffenlieferungen in die Ukraine verdient.<\/p>\n<p>(6) Seit sp\u00e4testens 1914 galt die weltpolitische Konfrontation &#8222;USA gegen Russland&#8220;, der die Biden-Administration heute noch anh\u00e4ngt. Hierbei gilt in Europa das <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/europa\/nato\/\">Nato<\/a>-Diktum &#8222;USA in, Russland out, Deutschland smal&#8220;. Dies f\u00fchrte dazu, da\u00df sich Russland mit China als DER aufstrebenden Macht verbindet. Damit geraten die USA mehr und mehr ins Hintertreffen.<br \/>\nDie n\u00e4chste US-Regierung wird ihre Machtpolitik an der Konfrontation &#8222;USA (gr\u00f6\u00dfte Milit\u00e4r-Macht) mit Russland (gr\u00f6\u00dfte Energie-Macht) gegen China (gr\u00f6\u00dfte Wirtschafts-Macht&#8220; ausrichten m\u00fcssen. Dabei ist zu erwarten, da\u00df China milit\u00e4risch mit den USA gleichziehen wird.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei &#8211; der enorme weltpolitische Machtzuwachs von China wird die USA zwingen, ihren Widerstand gegen eine innereurop\u00e4ische Verst\u00e4ndigung von Deutschland mit Russland aufzugeben. Auch deshalb mu\u00df sich die deutsche Politik von ihrer gegenw\u00e4rtigen Kriegsrhetorik (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/panzer\/\">Panzer<\/a>, schwere Waffen, Embargos) abwenden und einer <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/friedens-statt-kriegsrhetorik\/\">Friedensrhetorik<\/a> (Diplomatie, Verhandlungen) zuwenden, um den Ukraine-Krieg so rasch wie m\u00f6glich zu beenden.<br \/>\n30.4.2022<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<br \/>\n<strong>Lafontaine: Amerika treibt Europa in einen Atomkrieg<\/strong><br \/>\n<em>Kanzler Olaf Scholz im W\u00fcrgegriff der Hasardeure von Washington: <\/em><br \/>\n<em>Ein Verhandlungsfrieden mit Moskau wird immer dringlicher.<\/em><br \/>\nvon Oskar Lafontaine<\/p>\n<p>Im Ukraine-Krieg geht es in Wirklichkeit um eine Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland. In seinem 1997 ver\u00f6ffentlichten Buch \u00abDie einzige Weltmacht\u00bb lobt der ehemalige Sicherheitsberater des US-Pr\u00e4sidenten Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, den beispiellosen Milit\u00e4rapparat der USA als den einzigen, der einen weltweiten Aktionsradius habe. Nat\u00fcrlich seien Russland und China mit der amerikanischen Hegemonie nicht einverstanden. Daher m\u00fcssten die USA alles tun, um keinen eurasischen Herausforderer aufkommen zu lassen, der den eurasischen Kontinent unter seine Herrschaft bringen k\u00f6nne.<br \/>\nDie Ukraine sei bei der Verfolgung dieses Ziels der geopolitische Dreh- und Angelpunkt. Ohne die Ukraine sei Russland kein eurasisches Reich mehr. Wenn Moskau allerdings die Herrschaft \u00fcber die Ukraine mit ihren bedeutenden Bodensch\u00e4tzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlange Russland automatisch die Mittel, ein m\u00e4chtiges, Europa und Asien umspannendes Reich zu werden.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt man diese \u00dcberlegungen um die Kernaussage eines Vortrags, den der Chef von Stratfor, George Friedman, am 3. Februar 2015 in Chicago gehalten hat, nach der es das Hauptziel der US-Politik seit Jahrhunderten sei, sicherzustellen, dass es keine Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland gibt, dann weiss man, was das Ziel der Nato-Osterweiterung war.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Milliarden f\u00fcr eine Marionette<\/strong><br \/>\nMan versteht auch, warum die stellvertretende Aussenministerin der USA, Victoria Nuland, vor Jahren freim\u00fctig zugab, dass die USA f\u00fcnf Milliarden Dollar ausgegeben h\u00e4tten, um eine ihnen genehme Marionettenregierung in Kiew zu installieren. Es wird dann auch klar, warum Washington seit Jahren alles unternimmt, um die Lieferung von Kohle, \u00d6l und Gas aus Russland nach Europa zu verhindern.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es auch mehr als plausibel, wenn der renommierte US-\u00d6konom Jeffrey Sachs davor warnt, dass die US-Strategie auf einen langen Krieg in der Ukraine mit Tausenden von Toten hinauslaufe. Er empfiehlt Europa, einen eigenen Weg zu gehen und eine neutrale Ukraine mit einer Autonomie f\u00fcr den Donbass als Verhandlungsl\u00f6sung ins Gespr\u00e4ch zu bringen. Es ist erstaunlich, in welchem Ausmass Politiker und Journalisten in Europa, vor allem in Deutschland, diese geostrategischen Zusammenh\u00e4nge nicht erkennen und blind der brandgef\u00e4hrlichen US-Strategie einer weiteren Anheizung des Ukraine-Kriegs folgen.<br \/>\nBrandgef\u00e4hrlich, weil die USA offensichtlich den Rat ihres ehemaligen Pr\u00e4sidenten John F. Kennedy nicht befolgen wollen, nach dem man eine Atommacht niemals in eine Situation bringen d\u00fcrfe, aus der sie keinen gesichtswahrenden Ausweg mehr finde.<br \/>\n.<br \/>\nEs ist ein grosser Nachteil, dass in Deutschland jetzt eine Regierung die Verantwortung tr\u00e4gt, in der die f\u00fchrenden Politiker wenig aussenpolitische Erfahrung haben. Dazu kommt, dass die gr\u00f6sste Oppositionspartei, die CDU, vom ehemaligen Blackrock-Lobbyisten Friedrich Merz gef\u00fchrt wird, dessen fr\u00fcherer Arbeitgeber pr\u00e4chtig am Anstieg der Aktienkurse der R\u00fcstungskonzerne mitverdient. Der SPD fehlen Entspannungspolitiker, die wie Brandt oder Bahr noch wussten, dass Sicherheit in Deutschland und Europa nur gemeinsam mit der Atommacht Russland erreicht werden kann. Auch in der FDP ist weit und breit kein Politiker von der Statur Hans-Dietrich Genschers zu sehen, der als Aussenminister stets die Gefahr eines auf Europa begrenzten Nuklearkriegs im Auge hatte. Selbst Guido Westerwelle hatte noch den Mut, beim \u00dcberfall auf Libyen den USA die kalte Schulter zu zeigen. Welchem FDP-Politiker w\u00fcrde man das heute noch zutrauen?<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Baerbocks faschistoide Sprache<\/strong><br \/>\nDie konsequentesten und gef\u00e4hrlichsten US-Vasallen in der Bundesregierung und im Deutschen Bundestag sind die Gr\u00fcnen, deren einstiger Vormann Joschka Fischer mit seiner sp\u00e4teren Gesch\u00e4ftspartnerin Madeleine Albright Deutschlands Beteiligung am v\u00f6lkerrechtswidrigen Jugoslawienkrieg vorantrieb. Man dachte, es k\u00f6nne nicht schlimmer kommen, aber die neue Aussenministerin Annalena Baerbock bedient sich schon mal faschistoider Sprache und will Russland \u00abruinieren\u00bb. Sie steht nach eigenem Bekunden auf den Schultern der k\u00fcrzlich verstorbenen Madeleine Albright, die den Tod von 500000 irakischen Kindern durch US-Sanktionen rechtfertigte. Man stelle sich das Geschrei der Gr\u00fcnen vor, wenn der russische Aussenminister Lawrow den Tod von 500000 ukrainischen Kindern, mit welcher Begr\u00fcndung auch immer, rechtfertigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In dieser verfahrenen Situation ist es zu wenig, wenn Olaf Scholz Waffenlieferungen verz\u00f6gert. Steigende Waffenlieferungen sind das Mantra der Biden-Regierung, die Russland um jeden Preis schw\u00e4chen will, ohne R\u00fccksicht auf die Toten, die bei fortdauernden Waffenlieferungen zu beklagen sein werden. <em><strong>Glaubt denn jemand ernsthaft, die Atommacht Russland k\u00f6nne es sich in der weltpolitischen Lage leisten, den Ukraine-Krieg zu verlieren?<\/strong><\/em><br \/>\nDie fanatischen Waffenlieferer im Bundestag werden, ob sie es begreifen oder nicht, mitverantwortlich sein f\u00fcr die t\u00e4glich steigende Zahl der Toten. Wie lange soll der Krieg denn dauern? So lange wie der Krieg in Afghanistan? Warum lernt die deutsche Politik nicht aus den Fehlschl\u00e4gen der US-gef\u00fchrten Interventionskriege, an denen sich die Bundeswehr beteiligt hat?<br \/>\nEs g\u00e4be eine, wenn auch geringe, Chance, wenn der wiedergew\u00e4hlte franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz wie einst Fran\u00e7ois Hollande und Angela Merkel den Kriegstreibern in den Arm fallen und eine Verhandlungsl\u00f6sung auf der Basis der schon von Wolodymyr Selenskyj bef\u00fcrworteten Vorschl\u00e4ge \u2013 Neutralit\u00e4t der Ukraine und Autonomie f\u00fcr den Donbass \u2013 anstreben w\u00fcrde. Der ukrainische Pr\u00e4sident wird dabei kein verl\u00e4sslicher Partner sein, weil er immer wieder von den USA und den Rechtsextremen in der Ukraine unter Druck gesetzt wird.<br \/>\n.<br \/>\nDie Rivalit\u00e4t der Weltm\u00e4chte USA, Russland und China zwingt Europa dazu, alles zu versuchen, um nicht in eine nukleare Auseinandersetzung dieser Grossm\u00e4chte hineingezogen zu werden. Charles de Gaulle hatte diese Gefahr f\u00fcr Frankreich erkannt und daher eine Integration der franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte in die US-gef\u00fchrte Nato abgelehnt, weil er sich nicht auf die Bereitschaft der USA verlassen wollte, im Falle einer Auseinandersetzung mit der Sowjetunion ihre Atomstreitkr\u00e4fte auch dann einzusetzen, wenn Moskau mit einem Gegenschlag auf die grossen St\u00e4dte der USA drohte. Daher bestand er darauf, dass Frankreich eine eigene Atomstreitmacht aufbaute. \u00abStaaten haben keine Freunde, nur Interessen\u00bb, war seine Maxime, und wenn es um Leben und Tod, also um Krieg, gehe, so seine \u00dcberzeugung, k\u00f6nne man die Entscheidung nicht anderen \u00fcberlassen.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Stabiler Frieden dank Entspannung<\/strong><br \/>\n\u00c4hnlich wie de Gaulle wusste auch Bundeskanzler Willy Brandt, dass er seine Politik des Friedens und der Entspannung nur gegen Widerst\u00e4nde Washingtons durchsetzen w\u00fcrde. \u00dcberzeugt davon, dass nur so der Frieden in Europa gesichert werden k\u00f6nne, setzte er seine Ostpolitik Schritt f\u00fcr Schritt um. Die USA waren sehr ver\u00e4rgert, wie ein Telefonat Henry Kissingers mit Richard Nixon bewies, in dem Kissinger unverhohlen Willy Brandt den Krebs an den Hals w\u00fcnschte.<br \/>\n.<br \/>\nZurzeit wird in Deutschland eine abenteuerliche Diskussion gef\u00fchrt. Die Entspannungspolitik, der Versuch einer guten Zusammenarbeit mit Russland, sei die Ursache f\u00fcr die jetzige Entwicklung. Selten wurde die Wahrheit so auf den Kopf gestellt. Noch nie wurde so deutlich, in welchem Ausmass die US-Propaganda die Medien und die politische Debatte in Deutschland bestimmt.<br \/>\nDie Wahrheit ist eine andere. Mitte der sechziger Jahre begann die Entspannungspolitik, sie f\u00fchrte zu einem stabilen Frieden in Europa und bewirkte den Fall der Mauer und den R\u00fcckzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland und Osteuropa.<br \/>\nIn den neunziger Jahren begann die Politik der Konfrontation mit der Nato-Osterweiterung und der zunehmenden Einkreisung Russlands. Sie f\u00fchrte zum v\u00f6lkerrechtswidrigen Jugoslawienkrieg und zum ebenfalls v\u00f6lkerrechtswidrigen Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine.<br \/>\n.<br \/>\nWenn es nicht bald gelingt, einen Verhandlungsfrieden zu erreichen, steigt die Gefahr eines Nuklearkriegs, weil die Verantwortlichen in Moskau mit dem R\u00fccken zur Wand stehen und die Hasardeure in Washington seit Jahren glauben, man k\u00f6nne einen Nuklearkrieg auf Europa begrenzen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 29.4.2022 von Oskar Lafontaine in der Weltwoche Nr. 17.22 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/weltwoche.ch\/story\/amerika-treibt-europa-in-einen-atomkrieg\/\">https:\/\/weltwoche.ch\/story\/amerika-treibt-europa-in-einen-atomkrieg\/<\/a><\/p>\n<p><em>Oskar Lafontaine war Vorsitzender der SPD und Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Amerika treibt Europa in einen Atomkrieg&#8220; titelt Oskar Lafontaine seinen Beitrag in der Z\u00fcricher Weltwoche (s.u.). 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