{"id":100565,"date":"2022-04-30T12:50:16","date_gmt":"2022-04-30T10:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?p=100565"},"modified":"2022-06-03T15:07:15","modified_gmt":"2022-06-03T13:07:15","slug":"emma-offener-brief-an-scholz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/emma-offener-brief-an-scholz\/","title":{"rendered":"Emma: Offener Brief an Scholz"},"content":{"rendered":"<p>28 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/intellektuelle\/\">Intellektuelle<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kunst\/kuenstler-proteste\/\">K\u00fcnstlerInnen<\/a> schreiben einen Offenen Brief an <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/ampel\/\">Kanzler Scholz<\/a>. Sie bef\u00fcrworten seine <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/keine-schweren-waffen-liefern\/\">Besonnenheit<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukraine-russland\/\">warnen<\/a> vor einem 3. Weltkrieg. Der vollst\u00e4ndige Brief hier. Ebenso die Gesamtliste der ErstunterzeichnerInnen. Ab sofort kann jede und jeder unterzeichnen!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSehr geehrter Herr Bundeskanzler,<br \/>\nwir begr\u00fc\u00dfen, dass Sie bisher so genau die Risiken bedacht hatten: das Risiko der Ausbreitung des Krieges innerhalb der Ukraine; das Risiko einer Ausweitung auf ganz Europa; ja, das Risiko eines 3. Weltkrieges. Wir hoffen darum, dass Sie sich auf Ihre urspr\u00fcngliche Position besinnen und nicht, weder direkt noch indirekt, weitere schwere Waffen an die Ukraine liefern. Wir bitten Sie im Gegenteil dringlich, alles dazu beizutragen, dass es so schnell wie m\u00f6glich zu einem Waffenstillstand kommen kann; zu einem Kompromiss, den beide Seiten akzeptieren k\u00f6nnen.<br \/>\nWir teilen das Urteil \u00fcber die russische Aggression als Bruch der Grundnorm des V\u00f6lkerrechts. Wir teilen auch die \u00dcberzeugung, dass es eine prinzipielle politisch-moralische Pflicht gibt, vor aggressiver Gewalt nicht ohne Gegenwehr zur\u00fcckzuweichen. Doch alles, was sich daraus ableiten l\u00e4sst, hat Grenzen in anderen Geboten der politischen Ethik.<\/p>\n<p>Zwei solche Grenzlinien sind nach unserer \u00dcberzeugung jetzt erreicht: Erstens das kategorische Verbot, ein manifestes Risiko der Eskalation dieses Krieges zu einem atomaren Konflikt in Kauf zu nehmen. Die Lieferung gro\u00dfer Mengen schwerer Waffen allerdings k\u00f6nnte Deutschland selbst zur Kriegspartei machen. Und ein russischer Gegenschlag k\u00f6nnte so dann den Beistandsfall nach dem NATO-Vertrag und damit die unmittelbare Gefahr eines Weltkriegs ausl\u00f6sen. Die zweite Grenzlinie ist das Ma\u00df an Zerst\u00f6rung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbev\u00f6lkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unertr\u00e4glichen Missverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Wir warnen vor einem zweifachen Irrtum: Zum einen, dass die Verantwortung f\u00fcr die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt allein den urspr\u00fcnglichen Aggressor angehe und nicht auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern. Und zum andern, dass die Entscheidung \u00fcber die moralische Verantwortbarkeit der weiteren \u201eKosten\u201c an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbev\u00f6lkerung ausschlie\u00dflich in die Zust\u00e4ndigkeit ihrer Regierung falle. Moralisch verbindliche Normen sind universaler Natur.<\/p>\n<p>Die unter Druck stattfindende eskalierende Aufr\u00fcstung k\u00f6nnte der Beginn einer weltweiten R\u00fcstungsspirale mit katastrophalen Konsequenzen sein, nicht zuletzt auch f\u00fcr die globale Gesundheit und den Klimawandel. Es gilt, bei allen Unterschieden, einen weltweiten Frieden anzustreben. Der europ\u00e4ische Ansatz der gemeinsamen Vielfalt ist hierf\u00fcr ein Vorbild.<\/p>\n<p>Wir sind, sehr verehrter Herr Bundeskanzler, \u00fcberzeugt, dass gerade der Regierungschef von Deutschland entscheidend zu einer L\u00f6sung beitragen kann, die auch vor dem Urteil der Geschichte Bestand hat. Nicht nur mit Blick auf unsere heutige (Wirtschafts)Macht, sondern auch in Anbetracht unserer historischen Verantwortung &#8211; und in der Hoffnung auf eine gemeinsame friedliche Zukunft.<br \/>\nWir hoffen und z\u00e4hlen auf Sie!<br \/>\nHochachtungsvoll<br \/>\n29.4.20222, <a href=\"https:\/\/www.emma.de\/artikel\/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463\">https:\/\/www.emma.de\/artikel\/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463<\/a><br \/>\n.<br \/>\nWER DEN OFFENEN BRIEF EBENFALLS UNTERZEICHNEN M\u00d6CHTE,<br \/>\nBITTE AB SOFORT AUF CHANGE.ORG<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz\">https:\/\/www.change.org\/p\/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz<\/a><\/p>\n<p>DIE ERSTUNTERZEICHNERiNNEN<br \/>\nAndreas Dresen, Filmemacher<br \/>\nLars Eidinger, Schauspieler<br \/>\nDr. Svenja Fla\u00dfp\u00f6hler, Philosophin<br \/>\nProf. Dr. Elisa Hoven, Strafrechtlerin<br \/>\nAlexander Kluge, Intellektueller<br \/>\nHeinz Mack, Bildhauer<br \/>\nGisela Marx, Filmproduzentin<br \/>\nProf. Dr. Reinhard Merkel, Strafrechtler und Rechtsphilosoph<br \/>\nProf. Dr. Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler<br \/>\nReinhard Mey, Musiker<br \/>\nDieter Nuhr, Kabarettist<br \/>\nGerhard Polt, Kabarettist<br \/>\nHelke Sander, Filmemacherin<br \/>\nHA Schult, K\u00fcnstler<br \/>\nAlice Schwarzer, Journalistin<br \/>\nRobert Seethaler, Schriftsteller<br \/>\nEdgar Selge, Schauspieler<br \/>\nAntje Vollmer, Theologin und gr\u00fcne Politikerin<br \/>\nFranziska Walser, Schauspielerin<br \/>\nMartin Walser, Schriftsteller<br \/>\nProf. Dr. Peter Weibel, Kunst- und Medientheoretiker<br \/>\nChristoph, Karl und Michael Well, Musiker<br \/>\nProf. Dr. Harald Welzer, Sozialpsychologe<br \/>\nRanga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist<br \/>\nJuli Zeh, Schriftstellerin<br \/>\nProf. Dr. Siegfried Zielinski, Medientheoretiker<br \/>\n.<br \/>\nWEITERE UNTERZEICHNERiNNEN<br \/>\nRenate Schmidt, SPD-Bundesministerin.a.D.<br \/>\nHasso von Henninges, K\u00fcnstler<br \/>\nKatja Lange-M\u00fcller, Schriftstellerin<br \/>\nKatharina Fritsch, K\u00fcnstlerin<br \/>\nProf. Klaus Staeck, Grafiker, Heidelberg<br \/>\n&#8230;<br \/>\n&#8230; mehr auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.emma.de\/artikel\/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463\">https:\/\/www.emma.de\/artikel\/offener-brief-bundeskanzler-scholz-339463<\/a><br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Schwarzer-Brief: Diskussion bei &#8222;Viertel nach Acht&#8220;<\/strong><br \/>\nDen von Alice Schwarzer initiierten Offenen Brief an Kanzler Scholz haben inzwischen \u00fcber 200.000 Menschen unterschrieben<br \/>\nIn der BILD-Talksendung &#8222;Viertel nach Acht&#8220; vom 3.5.2022 diskutieren \u00fcber diesen Brief Frauke Petry, Henryk M. Broder, Ulrike Gu\u00e9rot und Alexander Kissler.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/QH4Z2Q8LhMk\">https:\/\/youtu.be\/QH4Z2Q8LhMk<\/a><br \/>\nFrage 1: Was ist das Ziel de Lieferung schwerer Waffen?<br \/>\nFrage 2: Gefahr der Ausweitung zu einem Atomkrieg?<br \/>\n3.5.2022<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Dieter Nuhr: Klarstellung zum Offenen Brief bez\u00fcglich Waffenlieferungen in die Ukraine<\/strong><br \/>\nZur Diskussion um den offenen Brief bez\u00fcglich der Waffenlieferungen in die Ukraine m\u00f6chte ich Folgendes hinzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p>Die Berichterstattung \u00fcber den offenen Brief von Alice Schwarzer an den Bundeskanzler, den ich, wie viele andere, unterschrieben habe, ist &#8211; wie so oft in dieser Zeit &#8211; unangemessen, irrational und teilweise leider auch verlogen. Sie schreit f\u00f6rmlich nach einer Klarstellung.<\/p>\n<p>Leider wurde das im offenen Brief Geschriebene allzu h\u00e4ufig bis zur Unkenntlichkeit verdreht. Es ist heute in der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung \u00fcblich, dass der Andersmeinende durch Etikettierung und Diffamierung abgewertet wird und dass Emp\u00f6rung Abw\u00e4gung ersetzt. Es passiert leider immer \u00f6fter, dass selbst in ehemals seri\u00f6sen Medien Beleidigungen mit Argumenten verwechselt werden. Teilweise wurde der Eindruck vermittelt, die &#8222;sogenannten Intellektuellen&#8220; (DLF), die diesen Brief unterschrieben haben, seien alles Geistesgest\u00f6rte. Das ist bitter, aber leider ist so der Zustand unserer \u00d6ffentlichkeit, ich beklage das seit Jahren&#8230;<\/p>\n<p>Um es klar zu sagen: Weder wurde im Brief gefordert, dass sich die Ukraine widerstandslos ergeben sollte, wie den Unterzeichnern, also auch mir vorgeworfen wurde, noch stand im Brief irgendetwas davon, dass die Unterzeichner die russische Kriegsschuld anzweifeln oder irgendwelche Sympathien f\u00fcr Putin h\u00e4tten. Der Brief fordert allerdings, alles zu unterlassen, was eine Ausweitung des Konflikts ausl\u00f6sen k\u00f6nnte. Dies habe ich unterschrieben.<\/p>\n<p>Laut Umfragen steht etwa die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung der Bundesrepublik hinter dem, was im offenen Brief gefordert wurde. 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung ist offenbar mit uns der Meinung, es sei nicht Deutschlands Aufgabe, eine weitere Eskalation des Krieges voranzutreiben. In der einseitigen journalistischen Aufarbeitung kommt diese Einstellung nur selten zum Ausdruck. Es ist kein Wunder, dass viele Menschen ihre Haltung im Journalismus unserer Tage nur noch unzureichend gespiegelt sehen.<\/p>\n<p>Die Aufr\u00fcster halten sich heute f\u00fcr moralisch \u00fcberlegen. Leute, die gestern noch auf einer naiven pazifistischen Grundhaltung bestanden, wollen nun aus sittlichen Gr\u00fcnden mit schwerstem Gesch\u00fctz um sich werfen und blenden dabei v\u00f6llig aus, dass eskalierendes Verhalten bis in einen Weltkrieg f\u00fchren kann. Ich verstehe die Emotionen, die dahinterstecken. Aber ich pl\u00e4diere dennoch f\u00fcr Vorsicht und Abw\u00e4gung!<\/p>\n<p>Wer gestern noch radikaler Pazifist war, blendet heute selbst atomare Gefahren einfach aus, weil er die Moral auf seiner Seite wei\u00df, das ist gef\u00e4hrlich. Aus Friedensbewegten werden Kriegstaktiker. Ein interessanter Vorgang&#8230;<\/p>\n<p><em><strong>Wer Krieg f\u00fchrt, muss wissen, zu welchem Ziel. Ein solches hat mir bisher niemand nennen k\u00f6nnen.<\/strong><\/em> Der offene Brief, den auch ich unterschrieben habe, fordert auf, Deutschland nicht zur Kriegspartei zu machen. Dies unterst\u00fctze ich. Wenn mir jemand erkl\u00e4ren kann, zu welchem Ziel der Krieg in der Ukraine weiter angefeuert werden soll, dann bin ich gerne bereit meine Meinung zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wir werden nicht umhinkommen, uns zu fragen, was eskalierende Waffenlieferungen, die den Krieg auf eine neue Stufe heben und die Zahl der Toten in die H\u00f6he treiben, \u00fcberhaupt bewirken sollen. Wenn der Brief es geschafft hat, eine solche Diskussion anzusto\u00dfen, dann war er erfolgreich. Es steht zu bef\u00fcrchten, dass dies nicht der Fall ist. In unserer \u00f6ffentlichen Diskussion herrscht emotionale Erregung, nicht rationale Abw\u00e4gung.<\/p>\n<p>Ein Ausweg aus der verfahrenen Situation in der Ukraine ist schwer zu finden. Mir konnte jedenfalls bisher niemand erkl\u00e4ren, wie die Lieferung schwerer Waffen dazu beitragen k\u00f6nnte, die Ukraine zu befrieden. Ich finde den von Russland angezettelten Angriffskrieg im \u00dcbrigen genauso deprimierend und unertr\u00e4glich, wie die Bef\u00fcrworter der Waffenlieferungen. Aber selbst diese Haltung wird mir und den Unterzeichnern teilweise abgesprochen. Wahnsinn!<\/p>\n<p>Wie immer in den letzten Jahrzehnten &#8211; das lehrt die Geschichte &#8211; hat ein Krieg keine Gewinner. Es ist f\u00fcr mich klar, und meines Wissens sehen das auch die anderen Unterzeichner des offenen Briefes so, dass der Angriffskrieg Russland aus Europa und dem Kreis der zivilisierten Nationen herauskatapultiert hat. Ohne Regimewechsel darf es kein zur\u00fcck zur Normalit\u00e4t mit Russland geben.<\/p>\n<p>Tatsache ist aber auch: Es wird &#8211; so weh das tut &#8211; keinen Frieden in der Ukraine ohne Beteiligung Russlands geben. Es wird deswegen nicht zu verhindern sein, dass die zivilisierte Welt mit Russland den Dialog suchen muss. Russland ist Atommacht.<\/p>\n<p>Ein Atomkrieg ist unbedingt zu verhindern. Mich verwundert, dass dieses Argument offenbar viele Journalisten nicht interessiert. Als Warner vor einem Atomkrieg von Linken und Gr\u00fcnen bel\u00e4chelt und herabgesetzt zu werden, d\u00fcrfte f\u00fcr die meisten Unterzeichner eine neue Erfahrung sein.<br \/>\n2.5.2022, Dieter Nuhr auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\">https:\/\/www.facebook.com<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Alica Schwarzer: DER OFFENE BRIEF UND DIE FOLGEN<\/strong><br \/>\nEs gibt einen Meinungsumschwung. Die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung, die gegen weitere Waffen und f\u00fcr Verhandlungen ist, hat jetzt eine Stimme. Inzwischen fordert auch die &#8222;New York Times&#8220; das Ende des Krieges und Kompromisse von der Ukraine. Denn die Gefahr eines 3. Weltkrieges ist weiterhin hoch.<br \/>\nVor rund einem Monat habe ich den Offenen Brief an Kanzler Scholz initiiert, der von weiteren 27 Intellektuellen und K\u00fcnstlerInnen unterzeichnet wurde. Innerhalb von nur wenigen Tagen hat dieser Brief die Meinungen und Debatten in Deutschland tiefgreifend ver\u00e4ndert, wie auch Umfragen belegen. Die bisher stumme H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung hat jetzt eine, hat viele Stimmen. Endlich wird diskutiert. Doch unter dem Eindruck der t\u00e4glichen Bilder des Grauens kommen die Menschen zu unterschiedlichen Schl\u00fcssen. Was ist richtig: noch mehr Waffen &#8211; oder schnellstm\u00f6gliche Verhandlungen?<br \/>\nBis dahin waren in den Medien fast ausschlie\u00dflich Bef\u00fcrworterInnen weiterer Waffenlieferungen und GegnerInnen von Verhandlungen zu Wort gekommen. Heute wissen wir, dass die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Kompromisse pl\u00e4diert, nicht zuletzt, weil sie zu recht die Gefahr einer Eskalation bis hin zu einem atomaren Weltkrieg f\u00fcrchtet.<br \/>\nIm Fernsehen sehen wir nur Helden oder Opfer. Hie Putin, der auf dem Roten Platz seine Armee aufmarschieren, oder Selenskyi, der vor den Tr\u00fcmmern seine Muskeln spielen l\u00e4sst; da verst\u00fcmmelte M\u00e4nner, vergewaltigte Frauen und verlorene Kinder.<\/p>\n<p>GEDEM\u00dcTIGTE MACHOS SIND LEBENSGEF\u00c4HRLICH, ALS EHEM\u00c4NNER WIE ALS PR\u00c4SIDENTEN<br \/>\n\u201eEs w\u00e4re furchtbar, wenn Putin diesen Krieg gewinnt\u201c, hat der Generalsekret\u00e4r der NATO, Jens Stoltenberg gesagt und hinzugef\u00fcgt: \u201eNoch furchtbarer w\u00e4re nur, wenn Putin den Krieg verliert.\u201c<\/p>\n<p>Will sagen: Die Helden d\u00fcrfen ihr Gesicht nicht verlieren. Gedem\u00fctigte Machos sind lebensgef\u00e4hrlich, als Ehem\u00e4nner wie als Pr\u00e4sidenten. Toxische M\u00e4nnlichkeit hei\u00dft das. Und wenn dann so ein Mann auch noch \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte Atommacht der Welt verf\u00fcgt, ist er nicht nur f\u00fcr seine direkten Gegner gef\u00e4hrlich, sondern f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n<p>Der Offene Brief an Kanzler Scholz. Die Chronik der Ereignisse. Die ErstunterzeichnerInnen in den Medien.<br \/>\nDer Offene Brief an Kanzler Scholz. Die Chronik der Ereignisse. Die ErstunterzeichnerInnen in den Medien.<br \/>\nWir 28 sind nach der Ver\u00f6ffentlichung unseres Briefes zun\u00e4chst einmal heftig und nicht selten h\u00e4misch angegriffen worden als: \u201eVulg\u00e4rpazifisten\u201c und \u201eSofapazifisten\u201c oder als \u201etotal naiv\u201c und \u201edaneben\u201c.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist die Mehrheit von uns 28 medienerfahren. Wir gingen und gehen an die Medienfront und stellen Missverst\u00e4ndnisse sowie b\u00f6swillige Unterstellungen klar. Nein, wir sind nicht f\u00fcr \u201eKapitulation\u201c, sondern gratulieren der Ukraine zur erfolgreichen Gegenwehr. Doch wir fragen uns, ob nach der Verteidigung von Kiew nicht der Zeitpunkt gekommen ist, an den Verhandlungstisch zu gehen. Nicht zuletzt, weil uns die fortschreitende Zerst\u00f6rung und das Leid der Ukraine tief bewegt, bezweifeln wir, dass der erhoffte Verhandlungsvorteil &#8211; der vielleicht, vielleicht!, nach weiteren Wochen oder Monaten K\u00e4mpfen zu erzielen w\u00e4re &#8211; daf\u00fcr steht: f\u00fcr weitere tausende von Opfern in der Ukraine.<\/p>\n<p>Ganz zu schweigen von den zu erwartenden Millionen Hungertoten im globalen S\u00fcden, als Folge dieses Krieges. Denn l\u00e4ngst wirft der Krieg in der Ukraine seine Schatten \u00fcber die ganze Welt. ExpertInnen sprechen schon jetzt von der \u201egr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Katastrophe\u201c unserer Zeit.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass die Folgen eines Krieges ungleich dramatischer sind, als es die Folgen eines Kompromisses sein k\u00f6nnen. Selbst nach der \u2013 hoffentlich baldigen \u2013 Beendigung dieses Krieges werden Millionen von bewaffneten und kriegstraumatisierten ukrainischen M\u00e4nnern im Land sein; plus tausende streunende S\u00f6ldner, Berufs- wie Hobbykiller. Die vergewaltigten Frauen werden dann in der Ukraine nicht mehr als Opfer gelten, sondern als \u201eSchlampen\u201c (Das berichten Ukrainerinnen schon jetzt). Und die Mafia sowie die islamistischen Terroristen freuen sich schon auf die Tonnen von Waffen, die nach einem Waffenstillstand in ganz Europa verdealt werden.<br \/>\n.<\/p>\n<p>MAN MUSS MIT PUTIN REDEN. DAS IST KEINE MORALISCHE, SONDERN EINE MACHTFRAGE<br \/>\nAber man kann doch mit einem Verbrecher wie Putin nicht reden, hei\u00dft es bei den Wohlmeinenden. Tja, man muss wohl, ob man es will oder nicht. Das ist keine moralische, sondern eine Machtfrage. Wir verhandeln ja sogar mit den Taliban. Auch ist es nicht das erste Mal, dass der Pr\u00e4sident einer Weltmacht sich einen kriegerischen \u00dcberfall in einem schw\u00e4cheren Land erlaubt. Stichwort Vietnam oder Irak oder Libyen. Der v\u00f6lkerrechtswidrige \u00dcberfall des Irak durch Amerika und seine Alliierten (darunter die Ukraine) forderte 2003 zehntausende von Toten und hinterlie\u00df verbrannte Erde. Und wir haben trotzdem weiter mit George W. Bush geredet.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Selenskyi und sein fragw\u00fcrdiger Botschafter in Deutschland fordern ohne Unterlass noch \u201emehr schwere Waffen\u201c vom Westen. Im Namen der Opfer. Doch wollen wirklich alle K\u00e4mpfenden in der Ukraine Helden sein? Auch all die 18- bis 60-j\u00e4hrigen Ukrainer, die vom ersten Kriegstag an zwangsmobilisiert wurden? Unter ihnen hatten drei von vier vermutlich zuvor noch nie eine Waffe in der Hand. Wie stehen deren \u00dcberlebenschancen?<\/p>\n<p>In dieser Debatte versuchen unsere KritikerInnen, den Begriff \u201ePazifismus\u201c zum Schimpfwort zu degradieren. Zeit also, klar zu sagen: Ja, ich bin Pazifistin! Immer gewesen. Ich bin allerdings keine absolute, sondern eine relative Pazifistin. Eine, die sich, wenn es sein muss, auch mit Gewalt verteidigt \u2013 und dies selbstverst\u00e4ndlich auch der Ukraine zugesteht. Doch auch eine, die wei\u00df, dass Krieg immer das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbel ist.<br \/>\nW\u00e4re dieser Krieg noch wenige Wochen vor Ausbruch vermeidbar gewesen? Mitte Dezember 2021 soll Putin Washington Verhandlungen angeboten haben zur L\u00f6sung des Ukraine-Konfliktes. Washington habe nicht geantwortet, hei\u00dft es. Gab das den Ausschlag? Denn &#8211; und das wei\u00df vermutlich nur der gr\u00fcne R\u00fcstungsexperte Hofreiter nicht &#8211; dieser Krieg in der Ukraine ist weit \u00fcber den territorialen Konflikt hinaus ein Stellvertreterkrieg zwischen Amerika und Russland.<\/p>\n<p>DIE NEW YORK TIMES STELLT DIE ZENTRALE FRAGE: WAS IST DAS ZIEL DIESES KRIEGES?<br \/>\nGerade wacht das bisher aus der Ferne so r\u00fcstungs- und kampffreudige Amerika auf. Nach der Gew\u00e4hrung weiterer 40 Milliarden Dollar an die Ukraine f\u00fcr Waffenk\u00e4ufe (die vermutlich \u00fcberwiegend bei der US-Waffenindustrie get\u00e4tigt werden) stellt die einflussreiche New York Times (NYT), die Medienstimme der Demokraten, die Frage nach dem Ende des Krieges. Es k\u00f6nne schlie\u00dflich nicht sinnvoll sein, \u201esich in einen totalen Krieg mit Russland zu st\u00fcrzen, auch wenn ein Verhandlungsfrieden der Ukraine einige harte Entscheidungen abverlangen k\u00f6nnte\u201c. Drei Monate nach Kriegsbeginn stellt die NYT nun die zentrale Frage: Was ist eigentlich das Ziel des Krieges? Da stehen nur drei Optionen im Raum.<br \/>\n1. Die Vertreibung des russischen Okkupators aus dem gesamten Gebiet der Ukraine, inklusive der Krim und dem seit langem umk\u00e4mpften Donbass. &#8211; An diesen beiden Punkten wird Putin nicht zur\u00fcckweichen wollen. Und es ist schwer vorstellbar, wie die kleine Ukraine die Weltmacht Russland dazu zwingen k\u00f6nnte.<br \/>\n2. Die Vertreibung des russischen Okkupators aus der Ukraine bei Verzicht auf die Krim sowie der Umsetzung des schon 2014 vereinbarten Sonderstatus f\u00fcr den Donbass (Minsker Abkommen). Plus einer neutralen, NATO-freien Ukraine. &#8211; Das w\u00e4re realistisch. Dazu m\u00fcssten allerdings beide Seiten Kompromisse machen, auch Selenskyi, wie die NYT schreibt.<br \/>\n3. Ein Krieg mit dem Ziel, dass \u201ePutin nie mehr ein anderes Land angreifen kann\u201c. Oder, um es mit US-Verteidigungsminister Austin zu sagen: \u201eWir wollen Russland so sehr geschw\u00e4cht sehen, dass es zu etwas wie dem Einmarsch in die Ukraine nicht mehr in der Lage ist.\u201c Also die totale Entmachtung Russlands. &#8211; Was fatal w\u00e4re. Nicht nur f\u00fcr Russland, sondern f\u00fcr die ganze Welt. Denn darauf w\u00fcrde Putin wohl mit allen ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln reagieren. Mit allen. Das haben wir ja bereits an seinem brutalen \u00dcberfall auf die Ukraine gesehen.<\/p>\n<p>RUSSISCHE TRUPPEN AN DER MEXIKANISCHEN GRENZE &#8211; WIE W\u00dcRDEN DIE USA REAGIEREN?<br \/>\nAuch d\u00fcrfen wir nicht vergessen: In dem von Deutschland verantworteten Zweiten Weltkrieg hatte die Sowjetunion \u00fcber 27 Millionen Tote zu beklagen. Und heute hat Russland mit der Ukraine eine 2.300 Kilometer lange, gemeinsame Grenze. Die NATO st\u00fcnde also bei einem NATO-Mitglied Ukraine ante portas. Das w\u00e4re vergleichbar mit russischen Truppen und Raketen an der mexikanischen Grenze zu den USA. So etwas w\u00fcrden auch die USA nicht hinnehmen.<br \/>\nDas ist die reale Lage, \u00fcber die geredet werden muss. Dagegen darf nicht das t\u00e4gliche Leid der ukrainischen Bev\u00f6lkerung ausgespielt werden. Mitgef\u00fchl statt Analysen? Nein. Beides! Eine realistische Analyse der Machtverh\u00e4ltnisse nutzt auch den Menschen in der Ukraine mehr als Denkverbote und Illusionen. Darin sind wir 28 uns einig.<br \/>\nJ\u00fcngst hatten wir eine Videokonferenz. Die meisten von uns haben sich dabei erstmals von Angesicht zu Angesicht erlebt. Wir sind sehr unterschiedlich. Aber keine und keiner von uns 28 hat in den vergangenen Wochen auch nur eine Sekunde daran gezweifelt, dass es richtig war, diesen Offenen Brief an Kanzler Scholz zu schreiben; ihn darin zu best\u00e4rken, besonnen zu bleiben und die schon jetzt auch f\u00fcr uns sp\u00fcrbaren grauenvollen Folgen dieses Krieges nicht aus dem Auge zu verlieren. Von einem sehr real drohenden Weltkrieg ganz zu schweigen.<br \/>\nALICE SCHWARZER<br \/>\n&#8230; Alles vom 1.6.2022 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.emma.de\/artikel\/ja-ich-bin-pazifistin-339529\">https:\/\/www.emma.de\/artikel\/ja-ich-bin-pazifistin-339529<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28 Intellektuelle und K\u00fcnstlerInnen schreiben einen Offenen Brief an Kanzler Scholz. Sie bef\u00fcrworten seine Besonnenheit und warnen vor einem 3. Weltkrieg. Der vollst\u00e4ndige Brief hier. Ebenso die Gesamtliste der ErstunterzeichnerInnen. Ab sofort kann jede und jeder unterzeichnen!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[195,14,13,119],"tags":[520,732,667,525,86],"class_list":["post-100565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eu","category-global","category-kultur","category-kunst","tag-frieden","tag-gewalt","tag-krieg","tag-politik","tag-waffen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=100565"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101486,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100565\/revisions\/101486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=100565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=100565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}