{"id":98581,"date":"2022-02-11T18:45:38","date_gmt":"2022-02-11T17:45:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=98581"},"modified":"2026-01-26T11:01:59","modified_gmt":"2026-01-26T10:01:59","slug":"arbeiter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/arbeiter\/","title":{"rendered":"Arbeiter"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Global<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Deutschland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/\">Deutschland<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Gesellschaft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/\">Gesellschaft<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/mittelschicht\/\">Mittelschicht<\/a> &gt;Arbeiter<\/p>\n<div id=\"attachment_98012\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/wald-baumstamm-20220112pan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98012\" class=\"size-full wp-image-98012\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/wald-baumstamm-20220112pan.jpg\" alt=\"\" width=\"638\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/wald-baumstamm-20220112pan.jpg 638w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/wald-baumstamm-20220112pan-180x93.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-98012\" class=\"wp-caption-text\">Holzernte im Schwarzwald Anfang Januar 2022<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/wohlstand\/\">Working Class: Die Wohlstandsillusion<\/a>\u00a0(20.8.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/arbeiter-song-in-usa-nicht-in-d\/\">Arbeiter-Song in USA, nicht in D<\/a>\u00a0(21.8.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/der-rueckzug-vom-arbeitsmarkt\/\">Der R\u00fcckzug vom Arbeitsmarkt<\/a>\u00a0(20.6.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/arbeit-nachtruhe-vor-party-laerm\/\">Arbeit\/Nachtruhe vor Party\/L\u00e4rm<\/a>\u00a0(19..6.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/buergergeld\/\">Hamer: Das B\u00fcrgergeld m\u00fcsste Arbeitsersatzgeld hei\u00dfen<\/a>\u00a0(18.11.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/freiwillig\/bundesfreiwilligendienst\/\">Ausbildung\/Lehre statt sozialer Pflichtdienst<\/a>\u00a0(17.8.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/industrie\/deindustrialisierung\/\">Ford verl\u00e4sst Saarlouis: Ihr wolltet es, ihr kriegt es<\/a>\u00a0(25.6.2022)<\/li>\n<li>Entfremdung der linken Intellektuellen von der Arbeiterklasse (11.2.2022)<\/li>\n<li>Ob in Ottawa oder Berlin: Die Linke hat sich vom Arbeiter l\u00e4ngst entfremdet (11.2.2022)<\/li>\n<li>Eberhard Hamer: Warum noch arbeiten? (10.2.2022)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/arbeitsmarkt\/\">Arbeitsmarkt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/jobverlust\/\">Jobverlust<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/linke\/\">Linke<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entfremdung der linken Intellektuellen von der Arbeiterklasse<\/strong><br \/>\n<strong>Das Leben der Anderen<\/strong><br \/>\nWie konnte es zu dieser Entfremdung kommen? Dazu mu\u00df in ideologische Tiefen geschaut werden.<br \/>\nNach marxistischer Vorstellung bestimmen die Produktionsverh\u00e4ltnisse das menschliche Bewu\u00dftsein. \u00c4ndern sich diese, so entsteht auch eine neue soziale Klasse mit einem ihr eigenen Bewu\u00dftsein. Was liegt daher n\u00e4her, als durch vernunftm\u00e4\u00dfige Einsicht in die sozialen Wirkm\u00e4chte in einem revolution\u00e4ren Akt die Verh\u00e4ltnisse so zu \u00e4ndern, da\u00df eine neue Menschenklasse mit einem \u00fcberlegenen Bewu\u00dftsein herangez\u00fcchtet wird? Die Versuche der Linken, in die praktische Lebenswirklichkeit einzutauchen, sind s\u00e4mtlich gescheitert. Nicht nur millionenfacher Tod und Verelendung waren die Folge. Was f\u00fcr die Theorie noch schlimmer war: da\u00df dieses neue Bewu\u00dftsein schlicht nicht kam. Der Sowjetmensch, kaum sprangen ihm die sozialistischen Zwingeisen ab, wurde wieder zum Russen, zum Esten, zum Polen, der vor sich und der Welt die Heiligkeit der Familie, die Liebe zum Vaterland und f\u00fcr alles g\u00f6ttlichen Segen erbat.<\/p>\n<p>Offenkundig hatten Karl Marx und seine Anh\u00e4nger nicht die realen Verh\u00e4ltnisse entdeckt, daf\u00fcr aber etwas anderes. N\u00e4mlich eine Methode, Macht zu akkumulieren, die der menschlichen Eitelkeit schmeichelt, und dadurch ein eintr\u00e4gliches Auskommen sichert. Der linke Intellektuelle war geboren, der f\u00fcr das Soziale im wesentlichen Geschw\u00e4tz beisteuert und daf\u00fcr erwartet, von produktiven Teilen der Gesellschaft versorgt zu werden. Das Bewu\u00dftsein, das sich aus diesem Verh\u00e4ltnis \u2013 und zwar nach linker Annahme \u2013 nur bilden konnte, ist die des Mitessers. Einen Sprung nach vorne, aus der Kraft seines Geistes, erhoffte sich der linke Intellektuelle f\u00fcr die Gesellschaft. Tats\u00e4chlich dr\u00e4ngt er diese aber eine Stufe zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Seine Lebensweise ist nicht die des Arbeiters, auch nicht des Kapitalisten, sondern ein Netzwerk von pers\u00f6nlichen Abh\u00e4ngigkeiten, Verbindlichkeiten, Gef\u00e4lligkeiten. Ein gegenseitiges Zuschanzen von Posten und Privilegien, ein gegenseitiges \u00dcberwachen und Bestechen. Kurzum, es ist die alte Feudalgesellschaft, die gegenw\u00e4rtig in Gestalt des Parteienstaates ihre Renaissance erlebt. Werte des B\u00fcrgertums verbleiben lediglich als wohlklingendes Gel\u00e4ut an der Fassade.<\/p>\n<p>Die Gleichheit vor dem Gesetz gilt nicht mehr, sondern nur die Gruppenzugeh\u00f6rigkeit, die dir der linke Intellektuelle zuschreibt. Es ist auch dieser Status, gepaart mit Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber der Partei, der dir den Zugang zu Wohlstand erm\u00f6glicht. Was du dagegen konkret f\u00fcr die Gesellschaft leistest, interessiert ebensowenig wie dem Feudalherrn das Opfer seiner Leibeigenen. Der neue Merkantilismus hei\u00dft, soviel Kapitalismus wie n\u00f6tig, soviel Sozialismus wie m\u00f6glich, f\u00fcr das Optimum der Beutegemeinschaft.<\/p>\n<p>Doch einen Unterschied zum Ancien r\u00e9gime gibt es: Jener Stand konnte noch stolz auf eine Vergangenheit blicken, in der er zweifellos die h\u00f6chsten kulturellen Bl\u00fcten der Menschheit hervorbrachte, bevor er entleert zusammenbrach. Doch auf welche H\u00f6hen soll der linke Intellektuelle blicken? Alles an ihm ist L\u00fcge, sogar die Behauptung, er sei intellektuell. Denn um die ganzen Unsinnigkeiten und Widerspr\u00fcche linker Theoreme zu ignorieren, bedarf es schon eines Talents zur Begriffsstutzigkeit.<\/p>\n<p>W\u00e4re der linke Intellektuelle auf ehrliche Weise dumm, so h\u00e4tte er mit sokratischer Bescheidenheit die Grenzen seines Intellekts durch harte Arbeit versetzen k\u00f6nnen. Aber seine hochgez\u00fcchtete Eitelkeit verhindert diese Erkenntnis. Die Widerspr\u00fcche deines Denkens, so fl\u00fcstert sie ihm ins Ohr, sind nicht Ausdruck des Versagens, sondern eines h\u00f6heren, dialektischen Bewu\u00dftseins, welches zu erfassen dein Umfeld zu beschr\u00e4nkt ist. Und du es ihm deshalb auch nicht zu erkl\u00e4ren brauchst.<\/p>\n<p>So lebt der linke Intellektuelle vor sich hin, ein greiser F\u00f6tus in der Fruchtblase, gen\u00e4hrt durch Ausbeutung. Er bedankt sich artig bei den M\u00e4chtigen und bekl\u00e4fft jeden, der diese Herrschaftsordnung als ungerecht empfindet. Hat sich der Absolutismus auf eine dekadente Priesterschaft zur ideologischen Absicherung gest\u00fctzt, so ist der linke Intellektuelle deren s\u00e4kularer Wiederg\u00e4nger.<\/p>\n<p>Noch zehren die westlichen Gesellschaften von der Aufbauarbeit ihrer Vorfahren, doch alles ist endlich. In einem so harschen Klima wie Kanada zeigen sich Vers\u00e4umnisse nur schneller als anderswo. Dann kann es dem Ancien r\u00e9gime schon einmal passieren, da\u00df st\u00e4hlerne Kolosse wie wutschnaubende Tiere der Urzeit die Glasfassaden der Hochh\u00e4user zum Dr\u00f6hnen bringen. Auf das Treiben herab blickt staunend der linke Intellektuelle. Und irgendwo in seiner Furcht d\u00e4mmert ein ahnendes Gef\u00fchl der Wirklichkeit auf.<br \/>\n&#8230; Alles vom 11.2.2022 von Fabian Schmidt-Ahmad bitte lesen in der JF 7\/22, Seite 2<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ob in Ottawa oder Berlin: Die Linke hat sich vom Arbeiter l\u00e4ngst entfremdet<\/strong><br \/>\n<strong>Das Leben der Anderen<\/strong><br \/>\nvon Fabian Schmidt-Ahmad<\/p>\n<p>Es ist eine beeindruckende Machtdemonstration. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kanada\/\">Kanadas<\/a> Hauptstadt Ottawa hat den Notstand ausgerufen, Premierminister Justin Trudeau h\u00e4lt sich seit Tagen versteckt, die Regierung taumelt. Die Fernfahrer, die in dem rauhen und d\u00fcnnbesiedelten Land die Versorgung aufrechterhalten m\u00fcssen, sind in gewaltigen Konvois in die Hauptstadt gezogen. Weil es ihr starker Arm will, stehen seit Tagen Tausende R\u00e4der still; zugleich \u00fcberrollt eine Welle der Solidarit\u00e4t die Nation.<br \/>\nWas sich an einer Impfpflicht f\u00fcr grenz\u00fcberschreitenden Verkehr entz\u00fcndete, hat sich l\u00e4ngst zum Protest gegen die Einschr\u00e4nkung der Freiheitsrechte ausgewachsen, deren Begr\u00fcndungen immer weniger B\u00fcrgern einleuchten. Unruhige Zeiten, die \u2013 so k\u00f6nnte man meinen \u2013 eine Sternstunde f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/linke\/\">politische Linke<\/a> sein sollten. Hier der Arbeiter, der Trucker, der bisher den kulturellen \u00dcberbau einer unproduktiven Schickeria auf seinem Sattel mitschleppte und diesen nun die Realit\u00e4t sp\u00fcren l\u00e4\u00dft. Doch bis auf Ausnahmen ist der Blick linker Politiker auf die riesigen \u201eRoad Trains\u201c, die sich durch die Stra\u00dfen schieben, \u00e4ngstlich bis offen feindlich. Denn sie sind l\u00e4ngst Teil dieser Schickeria geworden.<br \/>\nWas Linke hingegen auf die Stra\u00dfe bringt, hat selten mit der Lebenswelt des Arbeiters zu tun. Wenn \u201ewoke\u201c Gerechtigkeitskrieger in Berlin gegen Lebensmittelverschwendung protestieren und dazu Autobahnauffahrten blockieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, da\u00df der aufgebrachte Handwerker, der sie von der Fahrbahn zerrt, ihr erster Kontakt mit der Arbeiterklasse ist. Wie konnte es zu dieser Entfremdung kommen? Dazu mu\u00df in ideologische Tiefen geschaut werden. mehr hier<br \/>\n&#8230; Alles vom 11.2.2022 von Fabian Schmidt-Ahmad bitte lesen in der JF 7\/22, Seite 2<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eberhard Hamer: Warum noch arbeiten?<\/strong><br \/>\n<strong>Belastungen f\u00fcr Arbeitnehmer und Mittelstand, nicht f\u00fcr Konzerne\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Marx lehrte noch, allein die Arbeit sei produktiv. Deshalb m\u00fcsse der Ertrag dieses Produzierens allein den Arbeitern zugutekommen. Die Theorie war dreifach falsch:<br \/>\n1) Nicht nur Arbeit, sondern auch Kapital und Boden k\u00f6nnen produktiv sein, haben Produktivit\u00e4tsertrag und sind anteilig am Mehrwert der Produktion beteiligt.<br \/>\n2) Die Machtverh\u00e4ltnisse im Arbeitsmarkt haben sich durch Gewerkschaften und Arbeitsgesetzgebung vom Anbieter- zum Nachfragermarkt ver\u00e4ndert (und damit der von Marx vorausgesagten Verelendung entgegengewirkt).<br \/>\n3) Nicht jede Arbeit ist produktiv. Manche Arbeit ist nur gering oder unproduktiv (z.B. gro\u00dfe Teile der Sozialindustrie, der Umwelt- und Ordnungsverwaltung). Der Trend moderner Volkswirtschaften zu geringerer Produktion und \u00fcberproportional gesteigerter Dienstleistung hat somit die Arbeit zwar angenehmer gemacht, aber unproduktiver.<br \/>\n.<br \/>\nDer von Marx und seinen Nachfolgern behauptete Klassenkampf zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern war eigentlich ein Randproblem, betraf n\u00e4mlich zumeist die Kapitalgesellschaften, also nicht einmal vier Prozent unserer Unternehmen. Und bei ihnen auch nur die gro\u00dfen Kapitalgesellschaften, also nicht einmal 3000 vom Gro\u00dfkapital beherrschte Unternehmen. 96 Prozent unserer Unternehmen sind vom Inhaber selbst gef\u00fchrte mittelst\u00e4ndische Betriebe, in denen kein Gegensatz zwischen Unternehmensf\u00fchrung und Mitarbeitern besteht, sondern bestes Einvernehmen, weil sie jeden Tag miteinander arbeiten, aufeinander angewiesen sind und jeder die Leistung des anderen \u2013 auch des Unternehmers \u2013 kennt. Die Mitarbeiter in mittelst\u00e4ndischen Unternehmen f\u00fchlen sich auch Umfragen entsprechend in ihrer Arbeit mehr gesch\u00e4tzt und in ihrer Person mehr gewertet als Mitarbeiter in Kapitalgesellschaften oder in \u00f6ffentlichen Institutionen.<\/p>\n<p>Diese Harmonie in mittelst\u00e4ndischen Unternehmen hat allerdings oft dazu gef\u00fchrt, dass die Mitarbeiter dort geringer bezahlt werden als in den gro\u00dfen Kapitalgesellschaften oder \u00f6ffentlichen Institutionen. Das h\u00e4ngt wiederum vor allem damit zusammen, dass nur in der mittelst\u00e4ndischen Wirtschaft wirkliche Konkurrenz herrscht und deshalb nur in diesen Sektoren Preisdruck Kosten- und damit Lohnerh\u00f6hungen verhindert.<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich am besten an den Reparaturpreisen und L\u00f6hnen darstellen:<br \/>\nDie gro\u00dfen Firmen berechnen bei der Reparatur von Autos oder h\u00e4uslichen technischen Ger\u00e4ten o.a. Stundenl\u00f6hne von 120 bis 150 Euro. Ein Tischlermeister, ein Elektriker oder ein Installateur dagegen kann im Markt nur Reparaturpreise von 35 (Ost) bis 60 Euro durchsetzen, weil zu viele Konkurrenten billiger sind und den Kunden die Fenster-, Elektroleitungs- oder Waschgarniturreparatur nicht mehr wert ist. Viele Preise von Handwerksreparaturen werden inzwischen auch durch Neupreise der Produkte limitiert. So sind inzwischen f\u00fcr den Verbraucher die Konzernpreise f\u00fcr Reparaturen zu teuer, dagegen die Handwerkspreise f\u00fcr Reparaturen so billig geworden, dass sie f\u00fcr die Betriebe wegen der noch hinzukommenden Betriebs- und B\u00fcrokratiekosten meistens nicht mehr lohnen, der Betrieb Kleinreparaturen nicht mehr kostendeckend anbieten kann.<br \/>\nWenn der Handwerksmeister einen Bruttostundenlohn von 60 Euro in Rechnung stellen w\u00fcrde, entfallen darauf mehr als zehn Euro betriebliche B\u00fcrokratiekosten (Rechnung, Abrechnung, Sozialkassen, \u00f6ffentliche Verwaltung).<\/p>\n<p>Von den verbleibenden 50 Euro gehen 24 Euro als Abz\u00fcge an die Sozialkassen, von denen weder der Betrieb noch der Mitarbeiter selbst direkt etwas hat.<\/p>\n<p>Die verbleibenden 26 Euro werden mit mindestens 23 Prozent versteuert, bleiben also nur 20 Euro.<\/p>\n<p>Von diesen 20 Euro gehen aber noch die Kosten f\u00fcr Fehlzeiten wie Urlaub, Krankheit o.a. des Mitarbeiters ab. Wenn der Betrieb auch nur den Mindestlohn von 12 Euro an den Mitarbeiter zahlen will, blieben f\u00fcr den Betriebserhalt und den Unternehmergewinn nur noch drei Euro \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Kein Wunder, wenn f\u00fcr die deutschen Kunden deutsche Reparaturhandwerker nur noch schwer zu bekommen sind, die Konzerne sich durch Ausl\u00e4nderkolonnen ihren Reparaturdienst abdecken und viele Konsumenten f\u00fcr Kleinreparaturen \u201eBekannte\u201c ohne Rechnung suchen.<\/p>\n<p>Der durchschnittliche Bruttolohn liegt bei ca. 3500 Euro. Da aber der Betrieb nicht nur Lohn, sondern auch das Anlagekapital und dar\u00fcber hinaus Zusatzsozialkosten f\u00fcr seine Mitarbeiter zahlen muss \u2013 etwa den Arbeitgeberanteil f\u00fcr die Sozialkosten, die vollen Beitr\u00e4ge an Berufsgenossenschaften sowie betriebsinterne Arbeitszusatzkosten des Arbeitsschutzes, des Urlaubs, der Fehlzeiten, der Sozialb\u00fcrokratie u.a., der Ausstattung des Arbeitsplatzes und der betrieblichen Overheadkosten \u2013, liegen die betrieblichen Gesamtkosten eines Mitarbeiters, der selbst nur 3500 Euro brutto verdient, bei monatlich etwa 6000 Euro f\u00fcr den Betrieb.<br \/>\n\u201eDer Arbeitnehmer selbst bekommt von seinem Bruttolohn zu wenig, er kostet aber den Betrieb zu viel. Beim Arbeitnehmer kommt n\u00e4mlich nur ein Rinnsal von nicht einmal einem Drittel der Kosten an, die der Betrieb durch diesen Mitarbeiter insgesamt stemmen muss. Die Steuern- und Sozialabgaben und Lohnzusatzkosten sind in Deutschland h\u00f6her als anderswo in der Welt und haben deshalb den deutschen Arbeitsplatz zu teuer gemacht, so dass die Konzerne mit ihren Arbeitspl\u00e4tzen fl\u00fcchten und mehr als 10 Mio. Menschen sich durch Schwarzarbeit um diese Zusatzkosten j\u00e4hrlich zu dr\u00fccken versuchen\u201c (Vgl. Hamer, E. + I. \u201eMittelstand unter lauter R\u00e4ubern\u201c, S. 66).<\/p>\n<p>Dass beim Mitarbeiter selbst so wenig Netto ankommt, hat das Mittelstandsinstitut immer wieder mit konkreten Beispielen nachgewiesen. Im Schnitt bleiben dem Unverheirateten nur 53 bis 55 Prozent seines Bruttolohns netto.<br \/>\nSo erkl\u00e4rt sich auch, weshalb mehr als eine Million Langzeitarbeitslose \u201eHartz-IV plus Schwarzarbeit\u201c statt eines abgabepflichtigen Arbeitsplatzes bevorzugen und die meisten Immigranten nicht aus der Hartz-IV-Rundumversorgung in gering bezahlte Arbeit dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>In der teuflischen Abgabenzwinge<br \/>\nhaben wir die h\u00f6chsten Arbeitskosten, weil wir die h\u00f6chsten Abz\u00fcge von Steuern und Sozialkosten der Welt haben.<br \/>\nDie h\u00f6chsten Steuern haben wir, weil der Staat immer \u00fcbergriffiger, regulierungss\u00fcchtiger und zugleich unf\u00e4higer, also \u201efetter und impotenter\u201c wird.<br \/>\nDie Sozialkosten steigen, weil inzwischen zwei Drittel unserer Bev\u00f6lkerung Transfereinkommensbezieher aus der Leistung des einen Drittels der Marktleister sind, unsere Sozialindustrie ihre Angebote nicht nur zum Nullpreis anbietet (Gesundheit, Einzelleistungen, Betreuung u.a.), sondern auch noch krampfhaft Zusatzgruppen betreuungsbereiter In- und Ausl\u00e4nder an sich zieht, weil pro sieben Sozialf\u00e4lle ein Funktion\u00e4r wiederum davon bestens leben kann. Wir haben das \u00fcppigste Sozialsystem der Welt nicht nur f\u00fcr unsere eigenen B\u00fcrger, sondern f\u00fcr alle, die deswegen zu uns zu kommen bereit sind. Und das kostet eben schon jetzt mehr als die H\u00e4lfte unserer Wertsch\u00f6pfung.<br \/>\nDie flei\u00dfigste (doppelte Stundenzahl pro Woche) und \u201eleistungsbereiteste\u201c Bev\u00f6lkerungsgruppe ist der selbst\u00e4ndige Mittelstand, der mehr leistet, um aus seiner Mehrleistung auch Ersparnisse und Verm\u00f6gen zu erzielen. Um dessen Ersparnisse zu vernichten, hat die internationale Hochfinanz den Nullzins und die beginnende Inflation eingef\u00fchrt. Sein Sachverm\u00f6gen soll dann nach einer W\u00e4hrungsreform \u201eaus sozialer Gerechtigkeit\u201c durch Lastenausgleich und b\u00fcrokratische Sonderbelastungen teilenteignet werden. Deshalb fragen die Unternehmer immer wieder, wie lange sie ihr Verm\u00f6gen noch in Deutschland halten k\u00f6nnen. Aber auch f\u00fcr eine Verm\u00f6gensflucht ist die Regierung durch Sondersteuer auf ins Ausland fliehendes Verm\u00f6gen (Wegzugsteuer wie bei den Nazis) vorbereitet.<br \/>\nGeschont und gepflegt werden in Deutschland nur Million\u00e4re und Konzerne. Million\u00e4re k\u00f6nnen ihr Einkommen und Verm\u00f6gen in Holdinggesellschaften auf Steueroasen steuerfrei bekommen und behalten, die Konzerne ebenso \u2013 sie bekommen dazu noch mehr als 95 % aller staatlichen Subventionen, weil sie im Gegensatz zum ortstreuen Mittelstand st\u00e4ndig mit Verlagerungen von Firmensitzen drohen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnser Belastungssystem ist also arbeiter- und mittelstandsfeindlich, dagegen konzern- und million\u00e4rsfreundlich. F\u00fcr die beiden ersten Gruppen lohnt deshalb Arbeit nicht mehr, f\u00fcr die \u201eReichen\u201c ist der Staat zus\u00e4tzliche Einkommensquelle. Beispiele sind Elon Musk mit der vom Staat finanzierten Tesla-Fabrik in Brandenburg, die un\u00fcberlegten Staatsk\u00e4ufe von Masken und Impfstoff durch den Staat w\u00e4hrend der Corona-Pandemie, u.a.<\/p>\n<p>Inzwischen hat der Staat alle finanziellen Ma\u00dfst\u00e4be verloren. Er finanziert die Pleitestaaten Europas, die Verschwendungen der Europ\u00e4ischen Kommission (800 Milliarden Euro \u201eGreen Deal\u201c). In der Entwicklungshilfe werden mehr als die H\u00e4lfte aller Staaten der Welt mit deutschem Geld bedacht und f\u00fcr Schulden\u00fcbernahmen in Europa und der Welt gibt es keine Grenzen mehr. Da die Bundestagspolitiker selbst alle Spitzenverdiener mit \u00fcber 100.000 Euro\/Jahr sind, k\u00f6nnen sie sich nicht vorstellen, dass schon zwei Drittel der Arbeitskosten der flei\u00dfigen Bundesb\u00fcrger Abgaben f\u00fcr diese Geldgeschenke sind.<br \/>\nUnsere Unternehmer und Arbeitnehmer behalten selbst zu wenig, m\u00fcssen aber zu viel Steuern und Sozialabgaben von ihrer Leistung zahlen, sich im Wandel der Wirtschaft und Technologie dennoch immer mehr anstrengen, w\u00e4hrend sich auf ihre Kosten Millionen Deutsche und Immigranten ein \u00fcppiges Sozialleben ohne Arbeit erlauben d\u00fcrfen \u2013 die h\u00f6chsten Sozialleistungen der Welt.<br \/>\nKein Wunder, dass das weltoffene Sozialparadies Deutschland Sozialmagnet f\u00fcr die Schwachen und Gescheiterten der ganzen Welt geworden ist.<\/p>\n<p>Bisher konnte eine rechtswidrige Finanzpolitik der Zentralbanken den Luxus, die Schulden und die Korruption der europ\u00e4ischen Staaten noch mit frisch gedrucktem Fiat-Geld bedienen. Wachsende Zinsen der kommenden Inflation werden diesen Missbrauch und Ausweg verschlie\u00dfen. Schon bald wird der Zahltag kommen, an dem nicht mehr aus Schulden, sondern wieder nur noch aus Leistung bezahlt werden kann. Dann werden nicht nur die Leistungsertr\u00e4ge, sondern auch Steuern und Sozialabgaben des Staates schrumpfen und es vorbei sein mit der \u00f6ffentlichen \u00dcppigkeit und der bisherigen Umverteilungspolitik.<\/p>\n<p>Nie gab es \u201ebl\u00fchende Landschaften\u201c, ohne dass die Leistungstr\u00e4ger selbst am meisten von ihrer Leistung hatten, ohne dass Arbeit lohnte. Nie hat auf Dauer ein die Leistungstr\u00e4ger ausbeutendes Feudal-, Ideologie- oder Sozialsystem \u00fcberdauert. Nie konnte man auf Dauer aus Sozialleistungen bequemer leben als aus Arbeit. Alle Feudalsysteme sind an ihren wachsenden Kosten zugrunde gegangen.<\/p>\n<p>Wie Wirtschaft aufbl\u00fcht, wenn die Leistungstr\u00e4ger ihren Ertrag selbst verwalten d\u00fcrfen, statt dass der Staat ihn abzieht, hat Ludwig Erhard mit seinem \u201eWirtschaftswunder\u201c bewiesen: Steuerlicher Gewinn war nur, was der Unternehmer aus dem Betrieb herauszog. Damit konnten die Betriebe Investitionen und Arbeitspl\u00e4tze selbst finanzieren, wachsen und finanzstark werden. Seit die Banken dagegen durchgesetzt haben, dass alle auch betriebsinternen \u00dcbersch\u00fcsse im kompliziertesten Steuersystem der Welt immer als Gewinn berechnet und abgegeben werden m\u00fcssen, wird unser Mittelstand zu \u00fcber 70 Prozent ausgepl\u00fcndert und werden \u00fcber eine Million Betriebe die kommende Krise nicht \u00fcberleben.<br \/>\n10.2.2022, Eberhard Hamer<br \/>\n.<br \/>\n<em>Prof. Dr. Eberhard Hamer (*15. August 1932 in Mettmann) ist ein deutscher \u00d6konom. Sein Schwerpunkt ist die Mittelstands\u00f6konomie. In den 1970er Jahren gr\u00fcndete er das privat gef\u00fchrte Mittelstandsinstitut Niedersachsen in Hannover und ver\u00f6ffentlichte \u00fcber 20 B\u00fccher zum Thema Mittelstand.<br \/>\nHamer erhielt 1986 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Demokratie\u00a0&gt;Global\u00a0&gt;Deutschland\u00a0&gt;Gesellschaft &gt;Mittelschicht &gt;Arbeiter Working Class: Die Wohlstandsillusion\u00a0(20.8.2023) Arbeiter-Song in USA, nicht in D\u00a0(21.8.2023) Der R\u00fcckzug vom Arbeitsmarkt\u00a0(20.6.2023) Arbeit\/Nachtruhe vor Party\/L\u00e4rm\u00a0(19..6.2023) Hamer: Das B\u00fcrgergeld m\u00fcsste Arbeitsersatzgeld hei\u00dfen\u00a0(18.11.2022) Ausbildung\/Lehre statt sozialer Pflichtdienst\u00a0(17.8.2022) Ford verl\u00e4sst Saarlouis: Ihr wolltet es, ihr kriegt es\u00a0(25.6.2022) Entfremdung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/arbeiter\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":649,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-98581","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/98581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98581"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/98581\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":115259,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/98581\/revisions\/115259"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}