{"id":9734,"date":"2012-08-23T11:36:38","date_gmt":"2012-08-23T09:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=9734"},"modified":"2024-01-13T22:21:16","modified_gmt":"2024-01-13T21:21:16","slug":"nahrungsmittelspekulation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/nahrungsmittelspekulation\/","title":{"rendered":"Nahrungsmittelspekulation"},"content":{"rendered":"<p>Home &gt;<a title=\"Natur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/\">Natur<\/a> &gt;<a title=\"Ernaehrung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/\">Ernaehrung<\/a> &gt;<a title=\"Getreide\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/getreide\/\">Getreide<\/a> &gt;<a title=\"Finanzsystem\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/finanzsystem\/\">Finanzsystem<\/a> &gt;Nahrungsmittelspekulation<\/p>\n<div id=\"attachment_9678\" style=\"width: 612px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/getreide\/mais\/mais-ettenheimweiler-pan091026\/\" rel=\"attachment wp-att-9678\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9678\" class=\"size-full wp-image-9678\" title=\"mais-ettenheimweiler-pan091026\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/mais-ettenheimweiler-pan091026.jpg\" alt=\"\" width=\"602\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/mais-ettenheimweiler-pan091026.jpg 602w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/mais-ettenheimweiler-pan091026-180x58.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9678\" class=\"wp-caption-text\">Blick nach S\u00fcdwesten \u00fcber Maisfelder bei Ettenheimweiler am 26.10.2009 &#8211; rechts oben der Heubergturm<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/nahrungsmittel\/\">Das Nahrungsmittelmonopol \u2013 Agenda 2030 des WEF<\/a>\u00a0(9.1.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/mit-oekologie-in-die-hungersnot\/\">Mit \u00d6kologie in die Hungersnot<\/a>\u00a0(23.4.2022)<\/li>\n<li><a title=\"Agrar\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/landwirt\/agrar\/\">ABEI-Gro\u00dfkonzerne: \u00a0ABEI = AgriBusiness + Ern\u00e4hrungsIndustrie<\/a> (15.1.2014)<\/li>\n<li>Warum wird an Rohstoffb\u00f6rsen t\u00e4glich ein Mehrfaches des Weltgetreideverbrauchs gehandelt? (21.6.2013)<\/li>\n<li>Unter denen, die am meisten darunter leiden, sind die \u00c4rmsten der Armen (66.2013<\/li>\n<li>Nahrungsmittelspekulation eind\u00e4mmen \u2013 Offener Brief von 12 NGOs\u00a0an EU (29.10.2012)<\/li>\n<li>Spekulation mit Getreide treibt die Preis hoch (21.8.2012)<\/li>\n<li>Misereor-Studie von Mr Dax &#8211; Drei Mythen &#8211; Drei Postulate (20.8.2012)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a title=\"Hunger\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/hunger\/\">Hunger<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/nahrungsmittel\/\">Nahrungsmittel<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Nahrungsmittelverschwendung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/umwelt\/abfall\/nahrungsmittelverschwendung\/\">Nahrungsmittelverschwendung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Volumen des weltweiten Mais und Weizen:<\/strong><br \/>\n1\/3 Gesch\u00e4ft der H\u00e4ndler mit tats\u00e4chlich vorhandenem Getreide<br \/>\n2\/3 Gesch\u00e4ft der Trader mit Finanzpapieren bzw. Finanzderivaten zum Getreide<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum wird an Rohstoffb\u00f6rsen t\u00e4glich ein Mehrfaches des Weltgetreideverbrauchs gehandelt?<\/strong><br \/>\nSelbst das Handelsblatt, dem man sicher keine Ferne zu den Interessen von B\u00f6rsenspekulanten nachsagen kann, kleidete diesen Sachverhalt k\u00fcrzlich vorsichtig in Frageform . Der B\u00f6rsenexperte Dirk M\u00fcller hat in einer Expertise f\u00fcr das Hilfswerk Misereor die g\u00e4ngigen Behauptungen der Spekulanten widerlegt. Jochen Schumann, als investigativer Journalist bekannt, hat sich in seinem Buch &#8222;Die Hungermacher: Wie Deutsche Bank, Allianz und Co. auf Kosten der \u00c4rmsten mit Lebensmitteln spekulieren&#8220; mit den Argumenten der Finanzwirtschaft auseinandergesetzt. Diese Untersuchungen werfen folgende Fragen auf: Warum wird das Brot f\u00fcr die Welt \u00fcberhaupt \u00fcber B\u00f6rsen gehandelt, und das noch dazu von Kapitalanlegern, die weder mit der Produktion noch mit der Verarbeitung von Nahrungsmitteln in Verbindung stehen? Welchen wirtschaftlichen Sinn macht es, dass an den Rohstoffb\u00f6rsen t\u00e4glich ein Mehrfaches des Weltgetreideverbrauchs gehandelt wird? Wer zahlt f\u00fcr die Gewinne der Anleger, wenn nicht die Verbraucher? K\u00f6nnte es nicht doch sein, dass die Spekulation mit Agrarrohstoffen den Preisauftrieb und damit die Not von Millionen Menschen zwar nicht verursacht, aber doch drastisch versch\u00e4rft?<br \/>\nDie Bef\u00fcrworter aus der Finanzwelt behaupten, f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Spekulation und Preisauftrieb gebe es keine Beweise. Sie suggerieren sogar, durch ihre Spekulation, an denen sie bestens verdienen, einen Beitrag zur &#8222;Marktberuhigung&#8220; zu leisten. Doch mindestens ebenso viele unabh\u00e4ngige Experten haben ernstzunehmende Studien vorgelegt, in denen sie genau das Gegenteil belegen. Statt Antworten zu geben, f\u00e4llt Herrn Kramer nichts anderes ein, als die Hilfswerke, die sich redlich um eine L\u00f6sung der weltweiten Nahrungsprobleme bem\u00fchen, als naiv zu diffamieren und den l\u00f6blichen Ausstieg der DZ Bank aus der Agrarspekulation zynisch mit &#8222;miese Folgen&#8220; und &#8222;schade&#8220; zu kommentieren. Was haben seine Forderungen, einerseits weiterhin mit Agrarrohstoffen zu spekulieren und andererseits h\u00f6here Betr\u00e4ge in Bildung, Landwirtschaft und Korruptionsbek\u00e4mpfung zu investieren, miteinander zu tun? Woher soll das Geld f\u00fcr die zu Recht geforderten Investitionen kommen? M\u00f6glicherweise genau von den UN-Institutionen und Hilfswerken, deren Argumente gegen die Spekulation er einfach unter den Tisch fallen l\u00e4sst? Oder vielleicht doch aus einer Finanztransaktionssteuer, deren Einf\u00fchrung er sich vermutlich genauso vehement widersetzt wie die Bankenlobby, zu deren Sprachrohr er sich macht?<br \/>\n21.6.2013, Prof. Dr. Viktor L\u00fcpertz, Oberried<!-- RSPEAK_STOP --><\/p>\n<p>Zu: &#8222;Ausstieg aus der Agrarspekulation \u2013 Gute Absicht, miese Folgen&#8220;,\u00a0Bernd Kramer vom 31. Mai 2013:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kommentare-1\/ausstieg-aus-der-agrarspekulation-gute-absicht-miese-folgen--72361479.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kommentare-1\/ausstieg-aus-der-agrarspekulation-gute-absicht-miese-folgen&#8211;72361479.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unter denen, die am meisten darunter leiden, sind die \u00c4rmsten der Armen<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin seit 23 Jahren in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit t\u00e4tig. Bei meiner Arbeit begegne ich extrem armen Menschen, die nicht einmal \u00fcber einen Dollar am Tag verf\u00fcgen. Denen es am Allern\u00f6tigsten fehlt, f\u00fcr die jeder Tag ein Kampf ums \u00dcberleben darstellt. Gerade jetzt bin ich aus \u00c4thiopien zur\u00fcckgekehrt und habe in der Hauptstadt Verwahrloste gesehen, die wohl dem Tod nahe sind. Ein \u00e4thiopischer Kollege meinte, dass es abseits der Kongresszentren und Luxushotels &#8222;viel leises Sterben&#8220; gebe, an den Stra\u00dfenr\u00e4ndern, wo manche bis zuletzt auf ein Almosen hoffen. Diese \u00c4rmsten der Armen litten in den letzten Jahren unter ungew\u00f6hnlich hohen Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln. Die Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sieht darin eine wesentliche Ursache f\u00fcr den Anstieg der Zahl der Hungernden auf mehr als eine Milliarde Menschen. Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) kam zu dem Schluss, dass ein hohes Ma\u00df an Spekulation an den Terminm\u00e4rkten extreme Preisspitzen mit verursache. Von renommierten Forschungseinrichtungen durchgef\u00fchrte Studien belegen, dass es in bestimmten Jahren trotz guter Ernten zu extremen Preisanstiegen f\u00fcr Weizen auf den Weltm\u00e4rkten kam. Diese Preisanstiege wurden unter anderem durch Hedge-Fonds-Manager verursacht, die Nahrungsmittel im gro\u00dfen Stil aufkauften und den Verkauf dann so gestalteten, dass mit k\u00fcnstlich verknappten Rohstoffen hohe Gewinne erzielt werden konnten. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/w.online-verlag-freiburg.de\/www\/delivery\/lg.php?bannerid=119&amp;campaignid=35&amp;zoneid=144191&amp;loc=1&amp;referer=http%3A%2F%2Fwww.badische-zeitung.de%2Fleserbriefe-68%2Funter-denen-die-am-meisten-darunter-leiden-sind-die-aermsten-der-armen--72481273.html&amp;cb=d510b7ff1f\" alt=\"\" width=\"0\" height=\"0\" \/>Der von Ihnen beschriebene Gro\u00dfbauer, der an den Terminm\u00e4rkten nach einer Absicherung seiner zu verkaufenden Ware sucht, ist unterdessen in der Minderheit. 70 bis 80 Prozent der Akteure an Terminm\u00e4rkten sind mittlerweile reine Spekulanten.<br \/>\nNat\u00fcrlich sind Nahrungsmittelspekulationen nur eine von vielen Ursachen f\u00fcr Hunger. Sie haben v\u00f6llig recht, wenn Sie die Nutzung von Agrarfl\u00e4chen f\u00fcr Bio-treibstoffe anprangern. Und nat\u00fcrlich w\u00e4ren h\u00f6here Investitionen in Bildung und Landwirtschaft sowie die gesteigerte Bek\u00e4mpfung der Korruption w\u00fcnschenswert. Aber soll man die Mitschuld von stark zugenommener Nahrungsmittelspekulation an der Verteuerung von Grundnahrungsmitteln ignorieren, nur weil es noch andere Ursachen f\u00fcr Hunger gibt? Und ist es nicht ein sehr erfreuliches Zeichen von Kundenn\u00e4he, wenn sich die DZ Bank und die Fondsgesellschaft Union Investment der Sorgen ihrer Anleger annehmen und k\u00fcnftig auf die Spekulation mit Agrarrohstoffen verzichten?<br \/>\nDie wirklich Betroffenen, jene, f\u00fcr die ein Preisanstieg von Nahrungsmitteln das Aus bedeuten kann, erw\u00e4hnen sie in Ihrem Leitartikel mit keinem Wort. Stattdessen sind Sie voller H\u00e4me f\u00fcr Gegner von Agrarspekulationen. Robin Hoods seien sie. Als Besch\u00fctzer der Armen und Streiter gegen die Gierigen w\u00fcrden sie sich aufspielen. Die Sichtweise dieser &#8222;Volkshelden&#8220; greife zu kurz. Der guten Absicht st\u00e4nden miese Folgen gegen\u00fcber.<br \/>\nMit dieser Wortwahl setzen sich selbst auf ein hohes Ross. Sie geben vor, die Komplexit\u00e4t von Agrarspekulationen zu \u00fcberschauen, erw\u00e4hnen aber die zahlreichen Warnungen internationaler Agrarorganisationen vor den Gefahren von Agrarspekulation mit keinem Wort. Ihr unausgewogener, stellenweise anma\u00dfender Leitartikel ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich zumindest um L\u00f6sungen f\u00fcr dringende globale Probleme bem\u00fchen.<br \/>\n4.6.2013 , Paul Wolterstorff, Stegen<\/p>\n<p>Zu: &#8222;Ausstieg aus der Agrarspekulation \u2013 Gute Absicht, miese Folgen&#8220;, Leitartikel von Bernd Kramer (Politik, 31. Mai): Sekulation ist also ein komplexeres Feld, als viele Hilfsorganisationen glauben machen wollen. Die Situation der \u00c4rmsten verbessern Ausstiegsforderungen jedenfalls nicht. H\u00f6here Investitionen in Bildung, Landwirtschaft und ein entschiedenes Vorgehen gegen Korruption versprechen mehr Fortschritte beim Kampf gegen den Hunger. &#8230;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kommentare-1\/ausstieg-aus-der-agrarspekulation-gute-absicht-miese-folgen--72361479.html\">https:\/\/www.badische-zeitung.de\/kommentare-1\/ausstieg-aus-der-agrarspekulation-gute-absicht-miese-folgen&#8211;72361479.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) appelliert an die Abgeordneten des Bundestages, den<\/p>\n<p><strong>Nahrungsmittelspekulation eind\u00e4mmen \u2013 Offener Brief von 12 NGOs\u00a0an EU<\/strong><\/p>\n<p><em><a title=\"NGO\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/ngo\/\">NGOs<\/a> wie Oxfam und Foodwatch haben jeweils eigene Studien publiziert und Banken und Versicherer f\u00fcr das Zocken mit dem Essen immer wieder scharf kritisiert. Am 29.10.2012 haben sich zw\u00f6lf Organisationen, darunter auch die Welthungerhilfe und Attac, zusammengeschlossen und Bundesfinanzminister Wolfgang Sch\u00e4uble (CDU) aufgefordert, die Spekulation einzud\u00e4mmen:<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Dr. Sch\u00e4uble,<br \/>\ndie Deregulierung der Finanzm\u00e4rkte hat die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise gest\u00fcrzt, unter der wir alle heute noch leiden. Zu den Exzessen der ungeb\u00e4ndigten Finanzm\u00e4rkte geh\u00f6rt auch die Spekulation an den Rohstoffterminb\u00f6rsen. Diese dienen schon lange nicht mehr nur der Preisabsicherung von Rohstoffh\u00e4ndlern und der Preisfindung. Die Warenterminm\u00e4rkte werden inzwischen von Hedgefonds, Banken, Investmentfonds und Versicherungen dominiert, die in v\u00f6llig neuer Weise an diesen M\u00e4rkten auf die Preise von Weizen, Soja oder Mais wetten. Mit fatalen Folgen: Es gibt erdr\u00fcckende Belege daf\u00fcr, dass diese exzessive Spekulation die Ausschl\u00e4ge an den B\u00f6rsen auf die Spitze treibt, die M\u00e4rkte destabilisiert, die Schwankungen der Lebensmittelpreise auf Rekordniveau hievt und dadurch Hungerkrisen versch\u00e4rft, unter denen besonders die \u00c4rmsten der Armen leiden. In den n\u00e4chsten Wochen wird der Europ\u00e4ische Rat der Finanzminister dar\u00fcber entscheiden, ob die Rohstoffterminm\u00e4rkte so effektiv reguliert werden, dass solche spekulativen Preiserh\u00f6hungen bzw. -schwankungen und ihre katastrophalen Auswirkungen einged\u00e4mmt werden k\u00f6nnen. Eine der wichtigsten Ma\u00dfnahmen f\u00fcr dieses Ziel ist es, die Anzahl der von H\u00e4ndlern und H\u00e4ndlergruppen an den B\u00f6rsen geschlossenen Vertr\u00e4ge durch\u00a0 Positionslimits effektiv zu beschr\u00e4nken. Der aktuelle Vorschlag des Rates enth\u00e4lt jedoch gef\u00e4hrliche Schw\u00e4chen. Besonders kritisch ist, dass die vorgeschlagenen Limits nicht \u2013 wie es in den USA bereits beschlossen wurde \u2013 den au\u00dferb\u00f6rslichen Handel, also die Schattengesch\u00e4fte einschlie\u00dfen.\u00a0 <span style=\"font-family: NewsGothicMT; font-size: x-small;\">Die Finanzindustrie <\/span>wehrt sich heftig gegen derartige Limits. Es kommt jetzt darauf an, dass der Ministerrat sich mit\u00a0einer effektiven Regulierung durchsetzt. Und die Stimme des deutschen Finanzministers hat\u00a0hier ein besonderes Gewicht!<br \/>\nSehr geehrter Herr Dr. Sch\u00e4uble, Sie haben k\u00fcrzlich zur Deregulierung der Finanzm\u00e4rkte gesagt: \u201eAlle haben bei diesem Wahnsinn mitgemacht, ich auch.\u201c Wir bitten Sie: Tragen Sie\u00a0dazu bei, diesen Wahnsinn jetzt zu stoppen! Machen Sie von Ihrem Einfluss als deutscher\u00a0Finanzminister Gebrauch. \u00dcberlassen Sie das Feld nicht ein weiteres Mal den Interessen der Finanzlobby! Setzen Sie sich nachdr\u00fccklich f\u00fcr verpflichtende Positionslimits gegen exzessive Spekulation ein, die f\u00fcr einzelne H\u00e4ndler und H\u00e4ndlergruppen, alle Handelsmonate und alle Arten von Vertr\u00e4gen gelten, auch f\u00fcr diejenigen, die au\u00dferb\u00f6rslich gehandelt werden. Ihr Einsatz f\u00fcr eine effektive Regulierung der Rohstoffterminm\u00e4rkte entscheidet \u00fcber das Leben und die Gesundheit von Menschen.<br \/>\n29.10.2012<\/p>\n<p><em>Den Offenen Brief haben unterzeichnet (in alphabetischer Reihenfolge): Attac, Campact, foodwatch, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG), die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), medico international, Misereor, Oxfam Deutschland, S\u00fcdwind, terre des hommes, WEED (Institut und Weltwirtschaft, \u00d6kologie &amp; Entwicklung) und die Welthungerhilfe.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Spekulation mit Getreide treibt die Preis hoch<\/strong><\/p>\n<p>Den Recherchen von Foodwatch und Dirk M\u00fcller zufolge haben Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungen und andere Gro\u00dfinvestoren, aber auch Kleinanleger, \u00fcber Investmentfonds oder b\u00f6rsengehandelte Indexfonds weltweit mehr als 600 Milliarden Dollar (478 Milliarden Euro) an den Rohstoffb\u00f6rsen angelegt. Sie beeinflussen damit die Nahrungsmittelpreise, ohne dass sie ein Interesse haben, Weizen oder Mais wirklich zu kaufen oder zu verkaufen. Die Anleger setzen auf Futures, auf Papiere, die den eigentlichen Handel mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln nur nachbilden \u2013 im Gegensatz zu Termingesch\u00e4ften, bei denen sich Bauern oder Brotfabriken gegen unerw\u00fcnschte Preisentwicklungen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Solche weithin als sinnvoll anerkannten Absicherungsgesch\u00e4fte allerdings, so sagen die Kritiker, machten heute nur noch etwa ein F\u00fcnftel des Gesch\u00e4ftes mit Rohstoffen aus. Vier F\u00fcnftel, so rechnen sie vor, dienten ausschlie\u00dflich der Kapitalanlage und damit der Finanzspekulation.<br \/>\nGrundnahrungsmittel werden \u00a0nicht mehr nur auf realen M\u00e4rkten gehandelt, nach Angebot und Nachfrage, sondern auch auf so genannten Waren-Terminm\u00e4rkten. Zwar gibt es auch Waren-Termingesch\u00e4fte schon seit Jahrhunderten, wenn etwa ein Bauer mit einem M\u00fcller im voraus einen Preis f\u00fcr seine Ernte verabredet. Doch inzwischen wird mit solchen Vertr\u00e4gen gewinnbringend spekuliert, auf Preisentwicklungen gewettet. Mit den wirklichen Verh\u00e4ltnissen haben die Preise dann nicht mehr viel zu tun. Virtuelle Eink\u00e4ufe, Spekulationen, Wetten: An der B\u00f6rse sind Nahrungsmittel zum Spekulationsobjekt verkommen. Anleger legen virtuell Weizens\u00e4cke in den Keller, treiben damit den Preis nach oben und verkaufen teuerer an die Hungernden. F\u00fcr den B\u00f6rsenexperten Dirk M\u00fcller ist das ein Skandal.<br \/>\nAllein im Monat Mai 2011 werden an der B\u00f6rse in Chicago 358 Millionen Tonnen Weizen gehandelt, rund die H\u00e4lfte der globalen Weizenproduktion. Ihr Wert: etwa 90 Milliarden US Dollar, Tendenz steigend. Eine solche Preisentwicklung kann nicht mehr mit physischen Faktoren wie Ernteausf\u00e4llen oder \u00dcberschwemmungen erkl\u00e4rt werden. Auch die weltweit zunehmende Herstellung von Agrartreibstoffen f\u00fchrt nicht zu solchen Spitzen. Doch welche Faktoren sind dann ausschlaggebend? Schuld sind Spekulationsgesch\u00e4fte.<br \/>\nHunger durch Spekulationen. Darf man so etwas zulassen? Nahrungsmittel sind Lebensgrundlage. Sie m\u00fcssen an der B\u00f6rse anders gehandelt werden als Kupfer oder Aluminium. Dirk M\u00fcller hat f\u00fcr das Hilfswerk Misereor die Studie &#8222;Unschuldsmythen \u2013 Wie Nahrungsmittelspekulation den Hunger anheizt&#8220; verfasst. Er hat nachgewiesen, dass mit dem Hunger von Menschen Geld verdient wird. F\u00fcr ihn gibt es jetzt nur eine L\u00f6sung: Lebensmittel m\u00fcssen aus dem Spekulationsgesch\u00e4ft genommen werden. Es gibt keinen volkswirtschaftlichen Grund, warum Investoren erlaubt werden sollte, Lebensmittel zu horten ohne sie verbrauchen zu wollen und den Preis nach oben zu treiben, nur um von der Preissteigerung zu profitieren, so der B\u00f6rsenexperte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Misereor-Studie von Mr Dax &#8211; Drei Mythen &#8211; Drei Postulate<\/strong><\/p>\n<p>Der bekannte B\u00f6rsenfachmann Dirk M\u00fcller, auch h\u00e4ufig als <em>Mr. Dax<\/em> bezeichnet, weist auf seiner Webseite <a href=\"https:\/\/www.cashkurs.com\">www.cashkurs.com<\/a> auf die Petition gegen Spekulation mit Nahrungsmitteln hin.\u00a0Seit Jahren weist Dirk M\u00fcller auf den Missbrauch der Spekulanten hin, die auf Kosten der Armen die Nahrungsmittelpreise manipulieren. In einer Studie f\u00fcr Misereor\u00a0hat er die Problematik eindringlich dargestellt:<\/p>\n<p>Studie von Dirk M\u00fcller alias Mr Dax im Auftrag von Misereor<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/fileadmin\/redaktion\/Analyse_Nahrungsmittelspekulation_111005.pdf\">https:\/\/www.misereor.de\/fileadmin\/redaktion\/Analyse_Nahrungsmittelspekulation_111005.pdf<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.cashkurs.com\/fileadmin\/user_upload\/PDF\/Misereor_1_.pdf\">https:\/\/www.cashkurs.com\/fileadmin\/user_upload\/PDF\/Misereor_1_.pdf<\/a><\/p>\n<p>In der Studie r\u00e4umt M\u00fcller mit drei Mythen auf:<\/p>\n<p><em>Mythos 1: Finanzspekulation stabilisiert die Nahrungsmittelpreise<\/em><br \/>\nDer Rohstoffhandel mit Nahrungsmitteln wie Getreide (Weizen, Mais, Soja), Zucker, Orangensaftkonzentrat, Fleisch oder Kakao\u00a0findet\u00a0in zwei Formen statt. Spot trading (Ware gegen Geld) und Terminhandel (Menge und Preis jetzt festgelegt, Lieferung und Bezahlung hingegen auf festgelegten Zeitpunkt X in die Zukunft verlegt). Termingesch\u00e4fte k\u00f6nnen daher auch als \u201ePreiswetten\u201c begriffen werden: Man geht long (Verpflichtung, das Getreide in Zukunft zum heutigen Preis zu kaufen) oder short (in Zukunft zum heutigen Preis verkaufen &#8211; also auf sinkende Preise setzen). Die Knackpunkte:<br \/>\na) Heute f\u00fchren nur 2% der Termingesch\u00e4fte zu einer tats\u00e4chlichen Lieferung, die anderen 98% werden vorher aufgel\u00f6st (glatt gestellt) und das freigewordene Geld kleich wieder in ein neues Gesch\u00e4ft investiert (roll-over).<br \/>\nb) Es wird auf Pump spekuliert. Bei Mais z.B. betr\u00e4gt die Eigenkapital-Sicherheitsleistung (Margin) nur 7%, die restlichen 93% sind Kredite.<br \/>\nDies lockt immer mehr &#8218;reine&#8216; Spekulanten an, die gar nicht an der physischen Lieferung des virtuell besessenen Getreides interessiert sind und deshalb den Kontrakt kurz vor F\u00e4lligkeit immer wieder verkauft\u00a0\u00a0bzw. rolliert.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Mythos 2: Finanzspekulation reagiert blo\u00df auf Entwicklung der realen Getreidem\u00e4rkte<\/em><br \/>\nFr\u00fcher was dies so: Erntemengen und Wetterereignisse determinierten den Preis. Heute nicht mehr, denn sonst d\u00fcrfte eine gro\u00dfe D\u00fcrre (die Mi\u00dfernte, Getreideknappheit und Preissteigerungen nach sich zieht) nur in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs &#8218;passieren&#8216;. Heute dominieren die Finanzm\u00e4rkte die Preise der realen G\u00fcter.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Mythos 3: Finanzspekulation hat keine Auswirkungen auf die Getreidem\u00e4rkte<\/em><br \/>\nInvestoren legen sich virtuelle Weizens\u00e4cke in den Keller, um sie sp\u00e4ter teuer zu verkaufen. Im Metallbereich\u00a0entstehen neuerdings physisch unterlegte Rohstofffonds (riesige Lagerhallen anmieten und mit Kundengeldern tonnenweise Rohstoffe einlagern). Eine solche Entwicklung (reale Weizens\u00e4cke in den Keller) mu\u00df beim Getreidehandel verhindert werden.<br \/>\nDie Finanzspekulation trifft die \u00e4rmsten L\u00e4nder am heftigsten: 80% des Einkommens werden f\u00fcr Nahrungsmittel ausgegeben (in D nur 5%). Preissteigerungen des Weltmarktes schlagen voll auf regionale M\u00e4rkte durch.<\/p>\n<p align=\"left\">Dirk M\u00fcller formuliert drei Postulate an die Politik. Im Rahmen der G20 bzw. EU m\u00fcssen unverz\u00fcglich Regeln ohne Schlupfl\u00f6cher aufgestellt werden um die Nahrungsmittelspekulation auf Kosten der Hungernden zu verhindern.<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Postulat 1: Transparenz schaffen<\/em><br \/>\nB\u00f6rsenzwang f\u00fcr Rohstofftermingesch\u00e4fte und Derivate einf\u00fchren.<br \/>\nDie Unterscheidung zwischen Getreideproduzenten und SWAP-Dealer (Geld-\/Warenh\u00e4ndler) aufheben: Gro\u00dfbanken beteiligen sich zunehmend an Gro\u00dfproduzenten. &#8222;Wenn Agrarkonzerne mit immer gr\u00f6\u00dferen Summen an den Terminm\u00e4rkten agieren, als ihre Ernte ausmacht, sind sie dann noch Produzenten oder Spekulanten?&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Postulat 2: Sicherheitsleistung (Margin) anheben<\/em><br \/>\nSpekulation ausnahmslos nur mit eigenem Geld und nicht auf Kredit: Die ESMA (Europ\u00e4ische Wertpapier- und Marktaufsichtsbeh\u00f6rde) mu\u00df die Sicherheitsmargin drastisch erh\u00f6hen &#8211; auch f\u00fcr den OTC-Markt (Over The Counter, also au\u00dferb\u00f6rslich).<\/p>\n<p align=\"left\"><em>Postulat 3: Spekulation mit besonders sensiblen Rohstoffen durch Fonds verbieten<\/em><br \/>\nBesonders sensible Soft-Commodities, in erster Linie Mais und Weizen, sollen gar nicht mehr in Fonds gehandelt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Links<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\u00a0<a href=\"https:\/\/www.handle-fair.de\">www.handle-fair.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Natur &gt;Ernaehrung &gt;Getreide &gt;Finanzsystem &gt;Nahrungsmittelspekulation &nbsp; Das Nahrungsmittelmonopol \u2013 Agenda 2030 des WEF\u00a0(9.1.2024) Mit \u00d6kologie in die Hungersnot\u00a0(23.4.2022) ABEI-Gro\u00dfkonzerne: \u00a0ABEI = AgriBusiness + Ern\u00e4hrungsIndustrie (15.1.2014) Warum wird an Rohstoffb\u00f6rsen t\u00e4glich ein Mehrfaches des Weltgetreideverbrauchs gehandelt? (21.6.2013) Unter denen, die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/ernaehrung\/nahrungsmittelspekulation\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":1847,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-9734","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9734","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9734"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9734\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119405,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9734\/revisions\/119405"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}