{"id":95669,"date":"2021-10-30T18:20:55","date_gmt":"2021-10-30T16:20:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=95669"},"modified":"2026-03-31T16:35:50","modified_gmt":"2026-03-31T14:35:50","slug":"marxismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/marxismus\/","title":{"rendered":"Marxismus"},"content":{"rendered":"<p>d<\/p>\n<div id=\"attachment_95671\" style=\"width: 647px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/herbst-stare-weinberg211027-pan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-95671\" class=\"size-full wp-image-95671\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/herbst-stare-weinberg211027-pan.jpg\" alt=\"\" width=\"637\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/herbst-stare-weinberg211027-pan.jpg 637w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/herbst-stare-weinberg211027-pan-180x98.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 637px) 100vw, 637px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-95671\" class=\"wp-caption-text\">Stare vor dem Abflug \u00fcber dem Weinberg bei Freiburg Ende Oktober 2021<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/sozialismus\/kulturmarxismus\/\">Kulturmarxismus &#8211; Kampfbegriff gegen Religion, Nation und Familie<\/a> (29.3.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/habermas-96-jaehrig-verstorben\/\">Habermas 96-j\u00e4hrig gestorben<\/a> (17.3.2026)<\/li>\n<li>R.I.P J\u00fcrgen Habermas 14.3.2026 (15.3.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/wohlstand\/\">Linke erkl\u00e4rt westlichen Wohlstand f\u00fcr Raub<\/a>\u00a0(23.4.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/sozialismus\/national-sozialismus\/\">Vom Zwillingsbruderkrieg zwischen Sozialisten und Nationalsozialisten<\/a>\u00a0(26.1.2022)<\/li>\n<li>Habermas 92 Jahre: Bedeutendster Philosoph der Nachkriegszeit? (17.10.2021)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/bigtech\/\">BigTech<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Corona-Sozialismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/rezession\/corona-sozialismus\/\">Corona-Sozialismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Demokratie-Rousseau\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-rousseau\/\">Demokratie-Rousseau<\/a><\/li>\n<li><a title=\"DDR\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\">DDR<\/a><\/li>\n<li><a title=\"DDR2.0\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr2-0\/\">DDR2.0<\/a><\/li>\n<li><a title=\"DDR-Stasi\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr-stasi\/\">DDR-Stasi<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Gruen-Links\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gruen-links\/\">Gr\u00fcn-Links<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Kapitalismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/kapitalismus\/\">Kapitalismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Konservativismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativismus\/\">Konservativismus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/sozialismus\/kulturmarxismus\/\">Kulturmarxismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Links\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/links\/\">Linke<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/sozialismus\/national-sozialismus\/\">National-Sozialismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Post-Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/post-demokratie\/\">Post-Demokratie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/privateigentum\/\">Privateigentum<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/rechts\/rechts-links\/\">Rechts-Links<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Repression\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/repression\/\">Repression<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/sozialismusangst\/\">Sozialismusangst<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/sozialismus\/sozialismus-gruene\/\">Sozialismus-Gruene<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staatsquote\/\">Staatsquote<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/totalitarismus\/\">Totalitarismus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke\/\">Woke<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>J\u00fcrgen Habermas &#8211; DER West-Marxist<br \/>\n==================================================<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>R.I.P J\u00fcrgen Habermas 14.3.2026<\/strong><br \/>\nDer \u00dcbergang des Subjekts J\u00fcrgen Habermas in den Zustand radikaler Apophasis \u2013 jener Schwebe, in der das kommunikative Handeln nicht mehr als performativer Akt, sondern als stumme, unhintergehbare Kontingenz des leiblichen Substrats erscheint \u2013 vollzieht sich am 14. M\u00e4rz 2026 in Starnberg als jene finale Dekonstruktion, die die Theorie selbst immer schon antizipierte:<br \/>\nDie Unhintergehbarkeit des Arguments trifft auf die absolute Hintergehbarkeit des Argumentierenden, wodurch die idealisierende Unterstellung einer fortw\u00e4hrenden Diskursgemeinschaft sich nunmehr als kontrafaktische, posthume Projektion erweist.<br \/>\n.<br \/>\nWas hier nicht endet, ist die Geltungssph\u00e4re des kommunikativen Vernunftpotentials; was hier lediglich suspendiert wird, ist dessen empirisches Tr\u00e4gerindividuum, das sich in die Anonymit\u00e4t der Lebenswelt zur\u00fcckzieht, aus der es einst hervorging \u2013 ein performativer Akt der Selbstaufhebung, der die prek\u00e4re Rationalit\u00e4t des \u00d6ffentlichen nicht negiert, sondern in ihrer radikalen Endlichkeit allererst freilegt, sodass die nachmetaphysische Reflexion fortan ohne personalen Signifikanten, doch mit umso gr\u00f6\u00dferer normativer Dringlichkeit, weitergef\u00fchrt werden muss.<br \/>\nR.I.P J\u00fcrgen Habermas<br \/>\n&#8230;. Alles vom 14.3.2026 von Mathias Priebe bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/x.com\/MathiasPriebe\/status\/2032844516990886054\">https:\/\/x.com\/MathiasPriebe\/status\/2032844516990886054<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Habermas 92 Jahre: Bedeutendster Philosoph der Nachkriegszeit?<\/strong><br \/>\n<strong>Der Hund, auf den der deutsche Geist gekommen ist<\/strong><br \/>\n<strong>Grundrechts-Eingriffe wegen Corona? Kein Problem f\u00fcr J\u00fcrgen Habermas<\/strong><br \/>\nVon Markus Vahlefeld<\/p>\n<p>\u201eWeltmacht Habermas\u201c titelte die ZEIT zu seinem 80. Geburtstag, und in der Tat gilt J\u00fcrgen Habermas als der bedeutendste deutsche Philosoph der Nachkriegszeit. Vielleicht auch als der bedeutendste Soziologe. Oder bedeutendste Sprachwissenschaftler. Oder bedeutendste Staatstheoretiker. So ganz genau wei\u00df man das nicht, denn J\u00fcrgen Habermas macht alles immer im Plural: Welten, Wahrheiten, Politiken.<br \/>\nDie Pluralisierung der Substantive ist so etwas wie ein Fetisch von ihm, um seinen technokratischen und langatmigen Ausf\u00fchrungen den Nimbus des Metaphysischen zu verleihen. Festlegung und Eindeutigkeit, so ist unschwer zu erraten, ist Habermas\u2018 Sache nicht. Sein Werk, so befand der luzide Michael Klonovsky in einem Bonmot, wurde in alle Weltsprachen \u00fcbersetzt \u2013 au\u00dfer ins Deutsche.<br \/>\nWer ihm den Titel als \u201ebedeutendster Philosoph\u201c verliehen hat, ist unbekannt, dass er jedoch allenthalben Kopfnicken hervorruft, liegt weniger an seinen sozio-linguistisch-philosophischen Ausf\u00fchrungen als vielmehr an seiner Stellung als Lordsiegelbewahrer der deutschen Staatsr\u00e4son. In der bundesrepublikanischen Blase aus universit\u00e4ren Gelehrten, staatlich gef\u00f6rderten Preiskomitees und Suhrkamp-Verlag nimmt Habermas insofern eine herausragende Stellung ein, als dass es fast keine Ehrung gibt, die ihm nicht zuteilwurde. Vom Theodor-W.-Adorno-Preis \u00fcber den Geschwister-Scholl-Preis bis hin zum Gro\u00dfen Deutsch-Franz\u00f6sischen Medienpreis wurde ihm alles verliehen, wof\u00fcr sich die Blase selbst feiert. Wer mit ihm oder neben ihm auftrat, hatte es zu etwas gebracht.<br \/>\nDie salbungsvollen Reden eines Frank-Walter Steinmeier oder die Aussage von Heiko Maas, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen, sind ohne das, was Habermas mit eiserner Faust als das gute Deutschland definierte, nicht denkbar. Seine Warnung vor einem wiedervereinigten Deutschland, das sich sofort in ein Viertes Reich verwandeln w\u00fcrde, ist weiterhin das Damokles-Schwert, unter dem sich Deutschland nur zu gerne den Br\u00fcsseler Moloch als sich selbst aufl\u00f6sender Nationalstaat andient.<\/p>\n<p><em>Stolzes Gel\u00e4utertsein als Qualifikation zur moralischen Instanz<\/em><br \/>\nDer Satz, dass, wer von sich behauptet, Europ\u00e4er zu sein, meist ein Deutscher ist, beschreibt auch den Nukleus des Habermas\u2019schen Denkens sehr genau. Sein Vater trat bereits 1933 der NSDAP bei und er selbst war bis 1945 eifriger Jungvolkf\u00fchrer. Die Kollektivierung des als biografische Verfehlungen Empfundenen hat bei Habermas also dieselbe Wurzel wie bei G\u00fcnter Grass. Erst das stolze Gel\u00e4utertsein hat beide dann in den Rang versetzt, einen Blick voll Misstrauen und Abscheu auf die eigenen B\u00fcrger zu entwickeln und sich derart als moralische Instanzen gerieren zu k\u00f6nnen. Der Wunsch, nicht mehr Deutscher, sondern Europ\u00e4er zu sein, war und ist dementsprechend gro\u00df.<\/p>\n<p>So ist es nur folgerichtig, dass 2011 das Habermas-Essay \u201eZur Verfassung Europas\u201c erscheint, das man als ein Loblied auf eben diesen Br\u00fcsseler Moloch lesen kann. Habermas kommt in ihm zu dem Schluss, dass die EU ein \u00bbh\u00f6herstufiges politisches Gemeinwesen\u00ab sei, das einen \u00bbentscheidenden Schritt auf dem Weg zu einer politisch verfassten Weltgesellschaft\u00ab darstelle. Kurzum: den Traum vom Great Reset der demokratischen Nationen hin zu einer Technokraten-Weltregierung hat schon J\u00fcrgen Habermas den Davoser Welteliten vorgetr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Habermas war, das muss man neidlos anerkennen, der Meister aus Deutschland, der alles, was wir inzwischen Cancel Culture nennen, leise und ohne sich die H\u00e4nde allzu schmutzig zu machen, einf\u00fchrte. Etliche gelehrte Leichen pflastern seinen Weg, die bekannteste d\u00fcrfte die von Ernst Nolte sein, den Habermas mit seinem Netzwerk aus Professoren, Politikern und Journalisten \u00fcber Kimme und Korn sauber erlegte.<\/p>\n<p><em>Nach Habermas ist das Faktische nie die Wirklichkeit<\/em><br \/>\nDas Vergehen des Historikers Ernst Nolte war die Formulierung der These, es gebe eine Verbindung zwischen den Massenmorden der Bolschewiken und jenen der Nazis. F\u00fcr Habermas war dies ein Frontalangriff auf die deutsche Staatsr\u00e4son, in deren Mittelpunkt die Einmaligkeit des Holocaust zu stehen habe. Im ber\u00fchmt gewordenen Historikerstreit von 1986, der die Karriere von insgesamt vier Historikern ins Abseits katapultierte, warf ihnen Habermas \u00bbmit Hilfe historischer Vergleiche makabre Aufrechnungen\u00ab vor, wie sie \u00bbbisher nur in rechtsradikalen Kreisen zirkulierten\u00ab. Das musste reichen, um den Medien die Stichworte zu liefern, mit denen sie den Abschuss vornehmen konnten.<\/p>\n<p>Dabei wurde J\u00fcrgen Habermas ber\u00fchmt f\u00fcr seine Diskursphilosophie, in der Herrschaftsfreiheit walten und sich das bessere Argument qua gr\u00f6\u00dferer Kraft durchsetzen solle. Habermas spielte dabei mit der Formel von der \u201enormativen Kraft des Faktischen\u201c, was auf den ersten Blick wie das entspannte Aushalten der Wirklichkeit klingt, die sich immer gegen Ideologien und Wolkenkuckucksheime durchzusetzen imstande ist. In Wahrheit ist es jedoch das genaue Gegenteil: nach Habermas ist das Faktische nie die Wirklichkeit, sondern ausschlie\u00dflich der Teil der Wirklichkeit, der im \u201eDiskurs\u201c behandelt wird. Im medialen Diskurs entwickelt sich das Faktische dann zu einer mit Machtanspruch ausgestatteten Norm, die \u00fcber den unverhandelten Rest der Wirklichkeit herrschen soll.<\/p>\n<p>Nach Habermas\u2018 Auffassung \u00bbentscheiden nicht private Einsichten, sondern die im rational motivierten Einverst\u00e4ndnis geb\u00fcndelten Stellungnahmen aller, die an der \u00f6ffentlichen Praxis des Austauschs von Gr\u00fcnden teilnehmen\u00ab. Das hei\u00dft ins Deutsche \u00fcbersetzt: Die Einsichten des Individuums sind nebens\u00e4chlich, entscheidend ist, was von ihnen im Durchlauf durch das mediale Kollektiv \u00fcbrigbleibt. Nur was in den Medien und Universit\u00e4ten verhandelt wird, darf Wirklichkeit beanspruchen. Der Kniff dabei, den Habermas dann folgerichtig auch gerne anwandte: Er sprach einfach denjenigen, die an der \u00f6ffentlichen Praxis des Austausches teilnahmen, aber nicht die Habermasche Auffassung vertraten, das rational motivierte Einverst\u00e4ndnis \u2013 also die Legitimation \u2013 ab. Flugs war der Korridor der Habermaschen Faktizit\u00e4t wiederhergestellt.<\/p>\n<p><em>Gnadenloser Diskursw\u00e4chter<\/em><br \/>\nKeinesfalls zu untersch\u00e4tzen in dem Diskurssystem, wie es Habermas und seine Sch\u00fcler seit Jahrzehnten in Deutschland installiert haben, ist die Rolle der Verb\u00e4nde, der Wissenschaftler, der Ethikr\u00e4te und der Journalisten, allen voran des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie sind das mediale Kollektiv, auf dem das Wirklichkeitssystem und eben auch der Machtanspruch eines J\u00fcrgen Habermas beruhen.<\/p>\n<p>Dieser Chor aus Einverst\u00e4ndnis erschafft erst das Faktische, das dann zur Norm erhoben werden kann. Dass dieses System weder je herrschaftsfrei noch wirklichkeitsbasiert war, haben j\u00fcngst erst die Erfahrungen mit dem SARS-CoV-2-Virus gezeigt. Das Habermasche System ist zu einer \u201efaktischen Kraft des Kontrafaktischen\u201c geworden, dessen Durchsetzung nur durch Verschweigen, Zensur, Rauswurf und Delegitimation \u00fcberhaupt noch funktioniert.<\/p>\n<p>Habermas geriert sich zwar gerne als der Philosoph des herrschaftsfreien Diskurses und hatte damit unter den Linksintellektuellen von RAF-Sympathisanten bis ZEIT-Abonnenten gro\u00dfen Erfolg, in Wahrheit aber ist er der Philosoph, der Kommunikation als Herrschaftsinstrument erst perfektioniert hat, frei nach Walter Ulbricht: \u00bbEs muss demokratisch aussehen, aber wir m\u00fcssen alles in der Hand haben.\u00ab Die nachkriegsdeutsche Gier nach Harmlosigkeit kulminierte in der Person Habermas mit der Rolle des gnadenlosen Diskursw\u00e4chters, eine Kombination, die seitdem die meisten deutschen Kulturschaffenden auszeichnet.<\/p>\n<p><em>Starnberger Ajatollah&#8216;<\/em><br \/>\nDass es J\u00fcrgen Habermas immer um Diskurshoheit und Meinungshegemonie ging, aber nie um die Wirklichkeit, machen j\u00fcngst zwei in der \u00d6ffentlichkeit wenig beachtete Texte von ihm deutlich. Da ist zum einen der vom 9. September 2021 datierte Beitrag im Schweizer Philosophie Magazin, dem der inzwischen 92-J\u00e4hrige, vielleicht um seine eigene gesellschaftliche Relevanz aus den 1980er Jahren zu reanimieren, den Titel \u201eDer neue Historikerstreit\u201c gab.<\/p>\n<p>Worum es geht: Schon seit einigen Jahren hat die Auffassung von der Einmaligkeit des Holocaust Risse bekommen. Diesmal jedoch nicht von Historikern, denen Habermas Revanchismus unterstellt, sondern von Migranten und Pro-Pal\u00e4stina-Aktivisten. Sie sehen das Existenzrecht Israels in der Einmaligkeit des Holocaust begr\u00fcndet. Reihte man nun den Holocaust in die Abfolge der kolonialen Verbrechen ein, k\u00f6nnte endlich mit dem Boykott Israels Ernst gemacht werden.<\/p>\n<p>Genau dieses Ansinnen winkt J\u00fcrgen Habermas mit seinem Beitrag im Philosophie Magazin nun durch. Im Licht der Migrationsgeschichte \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen: der letzten sechs Jahre \u2013 m\u00fcsse sich die politische Kultur Deutschlands \u00bbso erweitern, dass sich Angeh\u00f6rige anderer kultureller Lebensformen mit ihrem Erbe und gegebenenfalls auch mit ihrer Leidensgeschichte darin wiedererkennen k\u00f6nnen\u00ab. Warum man das muss, f\u00fchrt der Starnberger Ajatollah (Peter Sloterdijk \u00fcber Habermas) nicht weiter aus. Warum sollte er auch? Er verkleistert doch nur das mit ernstem philosophischem Blick, was bereits die Integrationsbeauftragte Aydan \u00d6zoguz (SPD) w\u00e4hrend der Zeit der offenen Grenzen formulierte: \u201eUnser Zusammenleben muss t\u00e4glich neu ausgehandelt werden.\u201c<\/p>\n<p>Alle demokratischen und diskursiven Sicherungen durchgebrannt<br \/>\nEs ist die St\u00e4rke der Habermaschen Diskursphilosophie, sich gew\u00fcnschten Begebenheiten geschmeidig anpassen zu k\u00f6nnen nach dem Motto: \u201eHier steh ich nun, ich kann auch anders.\u201c. Wichtiger als das, was gesagt wird, ist eben, wer es sagt. Sind es die Richtigen, \u00fcber deren Buntheit wir uns alle freuen m\u00fcssen und die \u00fcber jeden Zweifel erhaben sind, wird die deutsche Staatsr\u00e4son eben kurz mal \u00fcber Bord geworfen. Sind\u2019s die Falschen, werden halt alle Register der Cancel Culture gezogen. Das mag auf den ersten Blick verwirrend sein, reiht sich aber nahtlos ein in die vielen geistigen Dammbr\u00fcche, die Deutschland seit 2015 erlebt.<\/p>\n<p>Ob es nun die Habermas-Sch\u00fclerin Carolin Emcke ist (\u201eEs hat auch Flucht in die DDR gegeben\u201e), die auf dem Gr\u00fcnen-Parteitag im Juni 2021 Wissenschaftlern im Allgemeinen und Klimawissenschaftlern im Besonderen in unserer \u00bbvon allen Seiten bedrohten Demokratie\u00ab (damit meint sie die Corona-Ma\u00dfnahmen-Gegner) ein \u00e4hnliches Schicksal wie den Juden voraussagt. Oder ob es eine Nemi El-Hassan ist, die ja auch nur ihr Erbe und ihre eigene Leidensgeschichte in deutschen Verh\u00e4ltnissen wiedererkannt haben m\u00f6chte und deswegen f\u00fcr die Zerst\u00f6rung Israels auf die Stra\u00dfe geht. Sie alle werkeln an dem Faktischen, das unsere Wirklichkeit so normieren soll, dass eine \u201epolitisch verfasste Weltgesellschaft\u201c endlich m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p>Auf dem Weg hin zu dieser Weltgesellschaft haben die Corona-Ma\u00dfnahmen nochmals einen kr\u00e4ftigen Schub geleistet. Allein der Wohlstandsabbau durch Panik und Lockdowns hat dem alternden Westen endlich die M\u00f6glichkeit einger\u00e4umt, auch seine Leitfunktion f\u00fcr Freiheit und Demokratie aufzugeben. Und nach Habermas ist das auch gut so. Sein bisher letzter Text in diesem Jahr erschien in den \u201eBl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik\u201c ebenfalls im September und tr\u00e4gt den Titel \u201eCorona und der Schutz des Lebens\u201c. Es ist ein ersch\u00fctternder Text eines Mannes, dem zum Lebensende alle demokratischen und diskursiven Sicherungen durchbrennen.<\/p>\n<p><em>Zutiefst technokratischer, fast menschenfeindlicher Duktus<\/em><br \/>\nDie Frage, die Habermas in einer Art juristischem Selbstgespr\u00e4ch zu stellen vorgibt, ist die nach der Legitimation grundrechtseinschr\u00e4nkender Ma\u00dfnahmen durch den Staat. Aber es sind nicht vornehmlich die Grundrechte, die ihn interessieren, nicht die Freiheit, nicht die Selbstbestimmung, nicht die W\u00fcrde des Einzelnen; was ihn allein interessiert, ist die \u00bbrechtsphilosophische Frage, ob der demokratische Rechtsstaat Politiken verfolgen darf, mit denen er vermeidbare Infektions- und Todeszahlen in Kauf nimmt.\u00ab Die sprachliche Unsch\u00e4rfe von \u201evermeidbaren Todeszahlen\u201c gleich zu Beginn des Textes weist schon auf den zutiefst technokratischen, fast menschenfeindlichen Duktus von Habermas\u2018 Denken hin. Vermeiden lassen sich Todesf\u00e4lle, aber keine Todeszahlen.<\/p>\n<p>Davon abgesehen dreht die Frage, ob der Staat mit seiner Politik vermeidbare Todesf\u00e4lle \u00fcberhaupt zulassen darf, alle staatspolitischen Annahmen, die bisher galten, um. Nicht der Staat hat seine Zwangsma\u00dfnahmen zu rechtfertigen, sondern nach Habermas steht im Gegenteil der Staat in der Pflicht, vermeidbare Todesf\u00e4lle konsequent, kompromisslos und mit aller H\u00e4rte zu unterbinden. Unterlassung w\u00fcrde ihn schuldig machen.<\/p>\n<p>Diese Umdrehung gelingt Habermas mit dem Kniff, dass er kurzerhand den Kriegszustand gegen das Virus ausruft, denn \u00bbwie im Krieg besteht das strategische Ziel in der m\u00f6glichst schnellen Bezwingung des Gegners bei m\u00f6glichst geringen eigenen Verlusten.\u00ab Auch hier f\u00e4llt die eklatante Unsch\u00e4rfe auf, ganz so als seien Viren dazu angetreten, den Menschen zu bezwingen. Dass dem nicht so ist, Menschen und Viren schon seit Jahrtausenden ohne Lockdowns und Zwangsma\u00dfnahmen mal gut, mal schlecht zusammenleben, und kein Virus ein Interesse daran hat, seinen Wirt zu t\u00f6ten, ist das eine. Dass jenseits von Immunit\u00e4ten bisher ebenfalls keine Strategie existiert, Viren zu bezwingen und sie f\u00fcr immer vom Erdboden verschwinden zu lassen, ist das andere.<\/p>\n<p>Wirklichkeit gibt es bei Habermas immer nur in Form von Machtaus\u00fcbung<br \/>\nDie kriegerische Metaphorik soll bei Habermas auch nur den Boden daf\u00fcr bereiten, den Staat auf jedes nur denkbare Durchgriffsrecht zu verpflichten. Und so bedauert Habermas, \u00bbdass in der Bundesrepublik seinerzeit das Notstandsrecht auf den Kriegsfall und die milit\u00e4rischen Erfordernisse begrenzt worden ist, so dass eine Pandemie von diesen Regelungen nicht erfasst wird.\u00ab Dass es bisher ohne Krieg auch gar nicht die Aufgabe des Staates war, Menschen in ihrem selbstbestimmten Leben auf Teufel komm raus vor dem Tod sch\u00fctzen zu m\u00fcssen, ist zu Habermas ganz offensichtlich noch nicht vorgedrungen. Aber man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich, wie es ihm in den Fingern juckt, endlich derjenige sein zu d\u00fcrfen, der \u00fcber den Notstand bestimmt.<\/p>\n<p>Der gesamte Text strotzt vor Unsch\u00e4rfen, Fehlannahmen und Auslassungen. Kein Wort zu L\u00e4ndern wie Schweden, deren Sterbezahlen ganz ohne Notstandsverordnungen einen \u00e4hnlichen Verlauf hatten wie Deutschland. Kein Wort zu Neuseeland oder Australien, die sich in ihrer No Covid-Strategie und ihrem \u201eKrieg gegen das Virus\u201c restlos verrannt und zu Milit\u00e4rdiktaturen verwandelt haben. Weder beantwortet Habermas die Frage, ob die \u00dcberwindung des demokratischen Rechtsstaats zugunsten des Lebensschutzes nicht auch f\u00fcr andere Infektionskrankheiten gelten m\u00fcsse, noch macht er sich die M\u00fche zu definieren, welche messbaren Parameter die Beendigung dieses Notstandes nach sich zu ziehen h\u00e4tten. Seine Lust an einer Lebens- und Gesundheitsdiktatur ist so ma\u00dflos und selbstvergessen, dass sie wie eine Blaupause wirkt, die man problemlos auch auf Grippeviren, Mumps und den Klimaschutz, der bekanntlich ebenfalls Lebensschutz ist, anlegen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend ist die Ma\u00dflosigkeit, mit der Habermas das Herrschende zur Norm erkl\u00e4rt, nicht. Sein Denken kreiste immer um den Absolutheitsanspruch des herrschenden Diskurses, weswegen es ihm so wichtig war, selbst als der H\u00fcter der Schwelle aufzutreten, der die Teilnehmer des Diskurses einl\u00e4sst oder abweist. Die von Habermas wahrgenommene Einm\u00fctigkeit, mit der die akademischen, politischen und medialen Eliten geschlossen hinter den Corona-Ma\u00dfnahmen der Regierung stehen, verleiht ihm die Sicherheit, dass er ihre Normierungen nur noch staatspolitisch-philosophisch unterf\u00fcttern muss. Wirklichkeit gibt und gab es bei Habermas immer nur in Form von Machtaus\u00fcbung.<\/p>\n<p>So scheint Habermas mit 92 Jahren und seinem Wunsch nach einer Corona-Diktatur endlich wieder ganz bei sich angekommen zu sein. Es ist das bekannte Ph\u00e4nomen, dass im hohen Alter die in fr\u00fchester Jugend verinnerlichten Werte und Anschauungen mit Macht erneut an die Oberfl\u00e4che dr\u00e4ngen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.10.2021 von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/millionaers-sozialismus\/\">Markus Vahlefeld<\/a> bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/reitschuster.de\/post\/der-hund-auf-den-der-deutsche-geist-gekommen-ist\/\">https:\/\/reitschuster.de\/post\/der-hund-auf-den-der-deutsche-geist-gekommen-ist\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>d Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Kulturmarxismus &#8211; Kampfbegriff gegen Religion, Nation und Familie (29.3.2026) Habermas 96-j\u00e4hrig gestorben (17.3.2026) R.I.P J\u00fcrgen Habermas 14.3.2026 (15.3.2026) Linke erkl\u00e4rt westlichen Wohlstand f\u00fcr Raub\u00a0(23.4.2023) Vom Zwillingsbruderkrieg zwischen Sozialisten und Nationalsozialisten\u00a0(26.1.2022) Habermas &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/marxismus\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":21084,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-95669","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/95669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95669"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/95669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":147305,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/95669\/revisions\/147305"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}