{"id":94786,"date":"2021-09-15T16:52:12","date_gmt":"2021-09-15T14:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=94786"},"modified":"2023-11-25T11:10:48","modified_gmt":"2023-11-25T10:10:48","slug":"migrantifa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migrantifa\/","title":{"rendered":"Migrantifa"},"content":{"rendered":"<p>d<\/p>\n<div id=\"attachment_94519\" style=\"width: 649px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/storch-schwarz-und-weiss-rieselfeld-pan2108.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-94519\" class=\"size-full wp-image-94519\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/storch-schwarz-und-weiss-rieselfeld-pan2108.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/storch-schwarz-und-weiss-rieselfeld-pan2108.jpg 639w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/storch-schwarz-und-weiss-rieselfeld-pan2108-180x101.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-94519\" class=\"wp-caption-text\">Ein schwarzer Storch beim Abflug im Rieselfeld bei Freiburg im August 2021<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/crepol-messer-ueberfall-dorffest\/\">Cr\u00e9pol: Messer-\u00dcberfall auf Dorffest<\/a>\u00a0(23.11.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/free-palestine-from-german-guilt\/\">\u201eFree Palestine from German guilt\u201c<\/a>\u00a0(20.10.2023)<\/li>\n<li>Migrantifa: Weil die Antifa zu wei\u00df ist (8.9.2021)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/gewalt\/linke-gewalt\/antifa\/\">Antifa<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Migrantifa: Weil die Antifa zu wei\u00df ist<\/strong><br \/>\n<strong>Die neue linksradikale Bewegung setzt auch auf Identit\u00e4tspolitik<\/strong><br \/>\nvon Bj\u00f6rn Harms<\/p>\n<p>Wozu aber brauchte es die Gr\u00fcndung dieser neuen Bewegung in der linken Szene? Kaum verwunderlich: Die Migrantifa ist ein Kind der postmodernen <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/identitaetspolitik\/\">Identit\u00e4tspolitik<\/a>. \u201eKlassische linke Strukturen wie auch die Antifa in Deutschland sind mehrheitlich wei\u00df dominiert und geben dem Kampf gegen rassistische Unterdr\u00fcckung nicht gen\u00fcgend Raum\u201c, erkl\u00e4rte eine Vertreterin im Juni 2020 in der taz. \u201eDer gro\u00dfe Unterschied zu wei\u00dfdeutschen linken Strukturen ist, da\u00df wir per se durch unsere K\u00f6rper politisch sind. (&#8230;) Wir haben uns (\u2026) unter dem Label Migrantifa zusammengefunden, um auf die gemeinsamen Erfahrungen mit rechtem, rassistischem und antisemitischem Terror aufmerksam zu machen und uns zu organisieren.\u201c<\/p>\n<p>Ganz neu ist das Konzept einer migrantischen Antifa dabei nicht. Zum Teil wurzelt die Str\u00f6mung in \u00e4lteren Strukturen wie etwa der Antifa\u015fist Gen\u00e7lik, die sich Ende der achtziger Jahre aus Migranten verschiedenster Jugendbanden Berlins rekrutierte. Selbst deutsche Linksradikale gingen damals auf Distanz, da ein neues Level von Gewalt mit ins Spiel gebracht wurde. Diese m\u00fcndete 1992 etwa in den Mord an dem rechten Politiker Gerhard Kaindl (JF 16\/07). Im November 1994 wurden sieben t\u00fcrkische und kurdische Linksradikale zu Bew\u00e4hrungsstrafen von f\u00fcnfzehn Monaten und Haftstrafen bis zu drei Jahren verurteilt, ein weiterer Angeklagter wurde freigesprochen. Schon kurz danach zerbrach Antifa\u015fist Gen\u00e7lik \u2013 auch weil es auf Treffen untereinander immer wieder zu Konflikten und sogar Massenschl\u00e4gereien kam.<\/p>\n<p>In einem Interview mit dem linken Blog \u201ekorientation\u201c zog ein Sprecher der Migrantifa Hessen im Mai 2020 direkte Verbindungen zur ehemaligen Gruppe: \u201eIn unserem Kampf gegen Rassismus beziehen wir uns auch auf die K\u00e4mpfe anderer marginalisierter Menschen, die bereits vor unserer Gr\u00fcndung ausgetragen wurden, so auch auf Antifa Gen\u00e7lik. An Antifa Gen\u00e7lik sch\u00e4tzen wir besonders, da\u00df sie viele Migranten und Migrantinnen aus \u00e4rmeren Vierteln mobilisieren konnten. Dies wollen wir auch tun. Wir wollen insbesondere Menschen f\u00fcr uns gewinnen, die keinem akademischen Umfeld entstammen und die sich bisher noch nie politisch engagiert haben.\u201c<\/p>\n<p>Ungewollt sprach der Vertreter hiermit einen wunden Punkt aus Sicht der Antifa an. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat sich das linke Milieu weiter \u201estudentisiert\u201c. Wie das Vorbild Antifa Gen\u00e7lik k\u00f6nnte nun auch die Migrantifa die Militanz auf den Stra\u00dfen beleben, wenngleich aus eigenen Kreisen auf den \u201ezivilgesellschaftlichen Anspruch\u201c verwiesen wird. Ein Unterschied zu den Vorg\u00e4ngern aus den achtziger und neunziger Jahren besteht vor allem in der ethnischen Zusammensetzung. W\u00e4hrend sich Antifa\u015fist Gen\u00e7lik ausschlie\u00dflich aus t\u00fcrkischen und kurdischen Jugendlichen zusammensetzte, geben bei der Migrantifa zunehmend auch schwarze Migrantenkids den Ton an. Die BIPoCs (Black, Indigeneus and People of Color) sind in den Debatten um Rassismus omnipr\u00e4sent. Da in der \u201ewoken\u201c Logik sich auch nur Leute mit Rassismuserfahrung \u00fcber Rassismus \u00e4u\u00dfern d\u00fcrfen und Wei\u00dfe per se keinen Rassismus erleben k\u00f6nnen, beherrschen erstere in der linken Szene den Diskurs nach Belieben. H\u00e4ufig finden sie damit auch im medialen Mainstream Geh\u00f6r.<\/p>\n<p>Hier ist zudem eine Schnittstelle zum Staat erkennbar. In Berlin etwa gibt es immer wieder gemeinsame Pressemitteilungen und Aktionen der \u00f6rtlichen Migrantifa und schwarzen Lobbyvereinen wie \u201eInitiative Schwarze Menschen\u201c oder \u201eEach One Teach One\u201c (Eoto), die gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcber das Programm \u201eDemokratie leben!\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend gef\u00f6rdert werden. Im Fall von Eoto sind dies immerhin knapp 500.000 Euro j\u00e4hrlich. Vom Staat gef\u00f6rderte Lobbygruppen arbeiten also eng mit der linksradikalen Szene zusammen. Auch zu den \u201eneuen deutschen organisationen\u201c (ndo), der wohl einflu\u00dfreichsten Migrantenlobbygruppe in Deutschland, die j\u00e4hrlich rund 300.000 Euro an staatlichen Geldern einstreicht, gibt es enge Beziehungen. Ndo-Sprecherin Ferda Ataman erw\u00e4hnt das Ph\u00e4nomen Migrantifa immer wieder positiv in der \u00d6ffentlichkeit und wirbt f\u00fcr deren Veranstaltungen.<\/p>\n<p>So wurden auch die deutschen \u201eBlack Lives Matter\u201c-Demonstrationen in Berlin und K\u00f6ln im Sommer 2020 gr\u00f6\u00dftenteils von Migrantifa-Gruppen organisiert. Wenig verwunderlich also, da\u00df als zentrales Vorbild der Migrantifa die \u201eBlack Lives Matter\u201c-Bewegung aus den USA dient. Deren Schlachruf \u201eDefund the Police\u201c \u00fcbernimmt man auch f\u00fcr Deutschland. Man wolle hierzulande die \u201ePolizei abschaffen\u201c, erkl\u00e4rte eine Aktivistin in der taz. \u201eSie sch\u00fctzt die B\u00fcrger:innen nicht, sondern die Herrschenden und die Besitzverh\u00e4ltnisse.\u201c Gleichzeitig sorgt der Auftritt der Migrantifa auch f\u00fcr hitzige innerlinke Diskussionen. Im Kern geht es um das Verh\u00e4ltnis zu Israel.<\/p>\n<p>Auf mehreren Kundgebungen, die von der Migrantifa organisiert wurden, sprachen Gruppen, die Israel als Apartheidstaat verurteilen und mit der BDS-Bewegung sympathisieren. Die ersten Diskussionen setzten bereits im Fr\u00fchjahr 2020 ein, als auf einer Demonstration der Migrantifa Hessen die Evakuierung des griechischen Fl\u00fcchlingslagers Moria gefordert wurde, Israel als \u201eKolonialstaat\u201c bezeichnet, \u201ePalestine will be free \u2013 from the river to the sea\u201c gesungen und und mit \u201eYalla Intifada\u201c-Rufen auf Terror gegen Israel angespielt wurde. Auf der \u201eRevolution\u00e4ren 1. Mai-Demo\u201c in Berlin im vergangenen Jahr, bei der die Migrantifa erstmals Mitorganisator war, lief an der Spitze des Migrantifa-Blocks auch eine pal\u00e4stinensische Gruppe mit, die das Existenzrecht Israels in Frage stellt.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die Migrantifa ihren Einflu\u00df ausweitet und in Antifa-Kreisen mittlerweile den Ton angibt, m\u00fcssen kritische Stimmen, etwa aus den Reihen der Pro-Israel-Fraktion, in linken Szenekreisen den R\u00fcckzug antreten. Antirassistische Identit\u00e4tspolitik entwickelt sich zum zentralen Bezugspunkt der Antifa. In der Zeitschrift Bahamas, die einstmals aus dem linksradikalen, antideutschen Milieu entstand, deutete der Autor Jonas D\u00f6rge die Migrantifa deshalb j\u00fcngst als \u201eneue Unterabteilung des deutschen Staatsantifaschismus\u201c. Staat und Antifa bildeten keinen Gegensatz mehr. \u201eDas larmoyante Herumreiten auf der eigenen Identit\u00e4t und dem eigenen K\u00f6rper ist ebenso wie das komplement\u00e4re Anprangern abstrakter rassistischer Strukturen konstitutiver Bestandteil des postmodernen Diversit\u00e4tsparadigmas, das sowohl vom Staat, dessen Bildungsinstitutionen als auch in der Arbeitswelt und der neuorganisierten Kulturindustrie zunehmend die Gesellschaft dominiert.\u201c<br \/>\nF\u00fcr die \u201eProfiteure des herrschenden Systems\u201c habe dies einen entscheidenden Vorteil: Die \u201ezerm\u00fcrbenden Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c der heutigen Zeit w\u00fcrden \u201ebeim permanenten Therapeutisieren im Namen der Vielfalt nicht mehr in den Blick geraten\u201c.<br \/>\n&#8230; Alles vom 3.9.2021 bitte lesen in der JF 36\/21, Seite 6<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>d Cr\u00e9pol: Messer-\u00dcberfall auf Dorffest\u00a0(23.11.2023) \u201eFree Palestine from German guilt\u201c\u00a0(20.10.2023) Migrantifa: Weil die Antifa zu wei\u00df ist (8.9.2021) Antifa &nbsp; Migrantifa: Weil die Antifa zu wei\u00df ist Die neue linksradikale Bewegung setzt auch auf Identit\u00e4tspolitik von Bj\u00f6rn Harms Wozu aber &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migrantifa\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":9150,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-94786","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/94786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94786"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/94786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117691,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/94786\/revisions\/117691"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/9150"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}