{"id":94216,"date":"2021-08-27T09:30:10","date_gmt":"2021-08-27T07:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=94216"},"modified":"2025-03-25T18:19:10","modified_gmt":"2025-03-25T17:19:10","slug":"nation-building","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/nation-building\/","title":{"rendered":"Nation-Building"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Global<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/entwicklungshilfe\/\">Entwicklungshilfe<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/\">Nation<\/a> &gt;Nation-Building<\/p>\n<div id=\"attachment_94203\" style=\"width: 649px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-94203\" class=\"size-full wp-image-94203\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/afghanistan-rettung-familie210823pan.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/afghanistan-rettung-familie210823pan.jpg 639w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/afghanistan-rettung-familie210823pan-180x100.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><p id=\"caption-attachment-94203\" class=\"wp-caption-text\">Afghanische Familie &#8211; am 23.8.2021 durch Bundeswehr aus Kabul nach Deutschland ausgeflogen<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/entwicklungshilfe\/auslandshilfe\/\">Eine afrikanische Stimme zum R\u00fcckzug von USAID<\/a>\u00a0(25.3.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/soehne-und-weltmacht-buch\/\">S\u00f6hne und Weltmacht \u2013 Buch von Gunnar Heinsohn<\/a>\u00a0(12.9.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/eigenverantwortung-fuer-alle\/\">Eigenverantwortung f\u00fcr Alle \u2013 f\u00fcr B\u00fcrger wie Migranten<\/a>\u00a0(7.9.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wiederholt-sich-2015-in-2021\/\">Wiederholt sich 2015 im Jahr 2021?<\/a>\u00a0(6.9.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nation-building-in-rks-und-afg\/\">Nation building in RKS und AFG<\/a>\u00a0(5.9.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-export\/\">Afghanistan, das gefeierte Desaster \u2013 Studiobeitrag von Imad Karim<\/a>\u00a0(29.8.2021)<\/li>\n<li>Universalismus-Anspruch des Westens ist am Ende (27.8.2021)<\/li>\n<li>Good Governance &#8211; deutsche Entwicklungspolitik<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/nationalstaat\/\">Klonovsky: Der Nationalstaat ist die gr\u00f6\u00dfte Leistung politischen Organisationsverm\u00f6gens<\/a>\u00a0(17.4.2018)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afghanistan\/\">Afghanistan<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Afrika\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/\">Afrika<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Afrika-Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/afrika-zukunft\/\">Afrika-Zukunft<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/entwicklungshilfe\/auslandshilfe\/\">Auslandshilfe<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-export\/\">Demokratie-Export<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/entwicklungshilfe\/\">Entwicklungshilfe<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Familienplanung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/familienplanung\/\">Familienplanung \u2013 Afrika<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Klimawandel-natuerlich\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/natur\/klima\/klimawandel-natuerlich\/\">Klimawandel-natuerlich<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Saudi-Arabien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/saudi-arabien\/\">Saudi-Arabien<\/a><\/li>\n<li><a title=\"EineWelt\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/einewelt\/\">EineWelt<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Landgrabbing\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/landgrabbing\/\">Landgrabbing<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/migration-afghanistan\/\">Migration-Afghanistan<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Universalismus-Anspruch des Westens ist am Ende<\/strong><br \/>\nDie Illusionen des Westens sind widerlegt<br \/>\nUniversalismus-Anspruch: Der Westen mu\u00df zur Kenntnis nehmen, da\u00df in der Welt Kulturr\u00e4ume existieren, in denen seine Ma\u00dfst\u00e4be und Werte nicht greifen<br \/>\nvon Thorsten Hinz<\/p>\n<p>Die Bilder aus Afghanistan von b\u00e4rtigen und turbantragenden Motorrad-Brigaden der Taliban, die mit leichten Waffen in die Provinzhauptst\u00e4dte und schlie\u00dflich nach Kabul einr\u00fcckten, w\u00e4hrend die vom Westen ausger\u00fcstete und ausgebildete afghanische Armee unauffindbar blieb, sind illustrierte Geschichte in Echtzeit. Den Sicherheitskr\u00e4ften des angeblich neuen Afghanistan mangelte es weder an Zahl noch an Kriegsmaterial, wohl aber an der Kampfmoral, an den seelisch-geistigen Faktoren, ohne die ein Waffengang aussichtslos ist.<\/p>\n<p>Der preu\u00dfische General und Heeresreformer Clausewitz nennt drei \u201emoralische Hauptpotenzen\u201c, die im Krieg zu soldatischer Haltung motivieren: \u201eSie sind: die Talente des Feldherrn, kriegerische Tugend des Heeres, Volksgeist desselben.\u201c Kriegerische Talente und Tugenden haben die Afghanen in ihrer Geschichte wieder und wieder unter Beweis gestellt. Doch offenbar stand der \u201eVolksgeist\u201c, der die Rekruten erf\u00fcllte, nicht auf der Seite des Westens. Sie versp\u00fcrten schlichtweg keinen Drang, ihr Leben gegen die Krieger Allahs, die ja auch Glaubensbr\u00fcder sind, und f\u00fcr \u201ewestliche Werte\u201c in die Schanze zu schlagen.<\/p>\n<p>Die Hybris des Westens, sein Modell auf die Welt zu \u00fcbertragen, hat ein Deaster angerichtet. Er mu\u00df zur Kenntnis nehmen, da\u00df in der Welt Kulturr\u00e4ume existieren, in denen seine Ma\u00dfst\u00e4be und Werte nicht greifen. Der Hanswurst, der den deutschen Au\u00dfenminister mimt, schwadronierte noch vor wenigen Wochen im Bundestag \u00fcber die afghanische Zivilgesellschaft und Verfassung, die den Taliban als un\u00fcberwindliche Hindernisse entgegenst\u00fcnden \u2013 ein letzter erb\u00e4rmlicher Versuch, die Wirklichkeit in ein westlich-progressistisches Begriffskorsett zu zwingen. Eine leichte Begegnung mit der Realit\u00e4t hat ausgereicht, um die Worth\u00fclsen wie Seifenblasen zerplatzen zu lassen.<\/p>\n<p>Die Inkompetenz des Ministers ist sowohl eine pers\u00f6nliche als auch eine systemische. Die westliche Afghanistan-Politik beruhte zwanzig Jahre lang auf der Basis falscher Grundannahmen, die sich in <em><strong>Leerformeln wie \u201eNation-Building\u201c, <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-export\/\">\u201eDemokratie-Export\u201c<\/a> oder \u201e<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/islam-reformen\/\">Modernisierung des Islam<\/a>\u201c<\/strong> <\/em>manifestierten. Nun zeigt sich, da\u00df die dortige Regierung, die Armee- und Polizeif\u00fchrung nichts anderes waren als ein korruptes Marionettenregime. Der Siegeszug der Taliban ist ein Triumph des 11. \u00fcber ein 21. Jahrhundert, wie der Westen es verstehen m\u00f6chte. Im 11. Jahrhundert brach in Europa zwischen Papst und Kaiser der Investiturstreit um das Primat der Macht aus. F\u00fcr die Taliban bedeuten geistliche und weltliche Macht eine selbstverst\u00e4ndliche Einheit und sie in Frage zu stellen eine todw\u00fcrdige Blasphemie.<\/p>\n<p>Diesmal handelt es sich nicht mehr nur um die widerlegten Illusionen abgetakelter Kolonial- und Mittelm\u00e4chte, die gemeint hatten, ihre in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassenen Kolonien nach dem eigenen liberalen oder republikanischen Bild formen zu k\u00f6nnen. Die gesamte westliche Welt ist im Schlepptau ihrer F\u00fchrungs- und Supermacht exemplarisch mit dem Versuch gescheitert, ein nichtwestliches Land nach ihren Vorstellungen umzumodeln.<\/p>\n<p>Die westlichen Politiker und ihre Berater haben die Qualit\u00e4t kultureller Differenzen nicht verstanden. Der Westen folgte der Vorstellung seines universellen, in seiner Verf\u00fchrungskraft unbezwingbaren Wertesystems und seines \u201eWay of Life\u201c, in dem die traditionellen Kulturen nur noch folkloristischen Nippes darstellen. In der Tat gibt es eine globale, durch mediale und technische Vernetzungen entstandene <em><strong>\u201eHyperkultur\u201c<\/strong><\/em>. Ihr Transmissionsriemen ist der kapitalistische Kulturbetrieb, in dem amerikanische Medienkonzerne und Filmstudios die Vorherrschaft aus\u00fcben. Hinzu kommen die Bilder der westlichen Wohlstandsgesellschaft, die globale Begehrlichkeiten wecken. In diesem oberfl\u00e4chlichen Sinn ist die Welt tats\u00e4chlich verwestlicht.<\/p>\n<p>Doch hat sich zugleich ein kultureller Essentialismus herausgebildet, der in historischen Tiefenschichten wurzelt und seelische Pr\u00e4gungen, religi\u00f6se \u00dcberzeugungen, Mythen, traditionelle Sitten und Gebr\u00e4uche umfa\u00dft.<em><strong> Indem der Westen seine Glaubens- und Besinnungslosigkeit leichtfertig auf die ganze Welt \u00fcbertrug, hat er sein Imperium nicht nur politisch, milit\u00e4risch, wirtschaftlich und finanziell, sondern auch moralisch und geistig-kulturell \u00fcberdehnt.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Man h\u00e4tte es besser wissen k\u00f6nnen. Samuel Huntingtons Buch \u201eThe Clash of Civilizations\u201c (\u00fcbertrieben martialisch als \u201eKampf der Kulturen\u201c \u00fcbersetzt) mag ein allzu simples Bild von den unterschiedlichen Kulturr\u00e4umen oder -kreisen zeichnen, aber es liefert wichtige Hinweise auf die Konflikte, die wir jetzt haben. Die meisten Kulturkreise verf\u00fcgen laut Huntington \u00fcber \u201eKernstaaten\u201c. Es liegt nahe, sein kulturalistisches Modell mit Carl Schmitts Entwurf politisch-territorialer Gro\u00dfr\u00e4ume zu verbinden. Diese sind als Ergebnis eines \u201estaatlich-wirtschaftlichen Vergr\u00f6\u00dferungsvorgangs\u201c gedacht, der \u00fcber die Einzelstaaten hinausgeht, zugleich aber einen Schutzraum f\u00fcr die nationale Freiheit und Selbst\u00e4ndigkeit der \u201estaatlich organisierten V\u00f6lker\u201c bilden soll. Sein Interventionsverbot f\u00fcr raumfremde M\u00e4chte sch\u00fctzt ihn gegen \u00dcbergriffigkeit von au\u00dfen. Seinerseits steht er zu anderen Gro\u00dfr\u00e4umen im \u201eschiedlich-friedlichen\u201c Verh\u00e4ltnis. \u201eNur deshalb ist er universalistischen Herrschaftsformen \u00fcberlegen, und nur deshalb ist er Frieden.\u201c<\/p>\n<p>Der Westen aber verfolgte unter F\u00fchrung der USA das Ziel einer universalistischen, liberalen Weltordnung. Im 20. Jahrhundert hatten die USA die G\u00fcltigkeit ihrer urspr\u00fcnglich auf den amerikanischen Kontinent beschr\u00e4nkten Monroe-Doktrin auf die gesamte westliche Hemisph\u00e4re ausgedehnt, was auf die \u201eDisqualifizierung und Diskriminierung der \u00fcbrigen Welt\u201c (Carl Schmitt) hinauslief. Der US-Interventionismus war \u201enicht nur global, auch total\u201c und mischte sich in die sozialen, wirtschaftlichen und eben auch kulturellen Verh\u00e4ltnisse anderer Staaten ein. Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989 schien endg\u00fcltig ein liberales Zeitalter zu er\u00f6ffnen und die Chance zu bieten, potentiell die ganze Welt in eine westliche Hemisph\u00e4re zu verwandeln mit den USA als Leuchtturm der Freiheit.<\/p>\n<p>Was im kulturell verwandten Europa zum Erfolg gef\u00fchrt hatte, erwies sich im Verh\u00e4ltnis zu anderen Kulturen als naiv. Die Terroranschl\u00e4ge vom 11. September 2001 markierten eindr\u00fccklich das Ende der Illusion, die dennoch nicht aufgegeben wurde. Flugs wurde eine Reihe nichtwestlicher L\u00e4nder zu \u201eau\u00dferhalb des Rechts stehenden Schurkenstaaten\u201c erkl\u00e4rt, die man mit polizeilichen Strafaktionen \u00fcberziehen durfte.<\/p>\n<p>Der Politikwissenschaftler Huntington hingegen hatte keinem Kulturkrieg das Wort geredet, vielmehr im Sinne Carl Schmitts daf\u00fcr pl\u00e4diert, da\u00df der Westen seinen universalistischen Anspruch und Missionierungsdrang aufgeben solle. In der britischen Monatszeitschrift Prospect schrieb er im Februar 1997 unter der \u00dcberschrift \u201eDer Westen und der Rest\u201c, die Annahme, da\u00df moderne Gesellschaften nur einen einzigen Typus, den westlichen, bilden m\u00fcssen und die moderne Zivilisation die westliche ist, das sei \u201earrogant, falsch und gef\u00e4hrlich\u201c. Doch der Westen lie\u00df sich in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien auf einen kulturell grundierten, globalen B\u00fcrgerkrieg ein. Parallel dazu vollendete Deutschland seine \u201evorbehaltlose \u00d6ffnung gegen\u00fcber der politischen Kultur des Westens\u201c (J\u00fcrgen Habermas) <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/grenzoeffnung2015\/\">2015 mit der totalen Grenz\u00f6ffnung<\/a>.<\/p>\n<p>Nun will der Westen sich nicht prim\u00e4r machtpolitisch, sondern geistig, moralisch, philosophisch definiert wissen. Seine Wortf\u00fchrer verweisen auf seine \u201eWerte\u201c, auf den Universalismus der Menschenrechte, den Individualismus, die Toleranz, auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung. Streitfragen w\u00fcrden hier auf rationaler Grundlage entschieden, und die Wissenschaft sei die letzte Instanz in Wahrheitsfragen. Der Geltungsanspruch dieser Prinzipien sei unabh\u00e4ngig von kulturellen Kontexten.<\/p>\n<p>Die verzweifelte Demokratiebewegung in Hongkong oder der Widerstand der Taiwanesen gegen die Vereinnahmung durch das autorit\u00e4re China scheinen das zu best\u00e4tigen. Vielleicht wird selbst Afghanistan einen Investiturstreit, eine Reformation und sogar eine S\u00e4kularisierung erleben \u2013 eines fernen Tages. Die Streitfrage \u201eUniversalismus oder Partikularismus\u201c wird auf der akademischen Ebene weitergef\u00fchrt werden. Auf der politischen Ebene aber zeichnet sich l\u00e4ngst ab, da\u00df die Versuche des Westens, seinen Universalismus-Anspruch missionarisch nach au\u00dfen zu tragen, sich gegen ihn wenden. Die Einmischung in andere Kulturr\u00e4ume schl\u00e4gt mit Wucht auf ihn zur\u00fcck. Was dem Westen das Asyl- und die Menschenrechte sind, wird den anderen zum Mittel seiner moralischen und demographischen Erpressung.<\/p>\n<p>Westliche Staatsm\u00e4nner nehmen auf der internationalen Anklagebank Platz und beugen ihr Haupt vor arabischen oder afrikanischen Potentaten, die sich ereifern, weil in Europa noch immer nicht genug Moscheen errichtet oder Zuwanderer aus Afrika nicht rasch genug in die westlichen Sozialsysteme integriert werden. <em><strong>So wird der westliche Universalismus zur Praxis der Zerst\u00f6rung und Selbstzerst\u00f6rung.<\/strong> <\/em>N\u00f6tig w\u00e4re ein Paradigmenwechsel, doch abgesehen davon, ob der in dreizehnter Stunde \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich ist, sind unsere politischen und medialen Eliten weder mental noch intellektuell dazu in der Lage.<\/p>\n<p>Gerade weil sie politisch, moralisch und intellektuell widerlegt und delegitimiert sind, halten sie um so entschlossener an der destruktiven Entwicklung, deren Teil sie sind, fest und versch\u00e4rfen die Repression nach innen. Dabei werden die Restbest\u00e4nde der \u201ewestlichen Werte\u201c, die sie zu verteidigen vorgeben, abger\u00e4umt. Inzwischen sind wir soweit, da\u00df die wissenschaftliche Evidenz nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern auch in der Medizin durch politisch-ideologische Dogmen ersetzt wird.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Schriftsteller <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-verteidigen\/\">Michel Houellebecq<\/a>, der genaueste literarische Analytiker der geistig-moralischen Regression, sieht den Westen und \u00fcberhaupt die Moderne in einer suizidalen Spirale gefangen. In einem k\u00fcrzlich zuerst im britischen Online-Magazin \u201eUnHerd\u201c ver\u00f6ffentlichten Text (auf deutsch als Gastbeitrag in der Welt am Sonntag vom 15. August) meldete er starke Zweifel an, ob die Menschen im Westen zur Selbstverteidigung \u00fcberhaupt noch in der Lage seien, und fragte rhetorisch: \u201eW\u00e4re es dann ein Krieg zur Verteidigung ihrer Kultur, ihrer Lebensweise, ihres Wertesystems? Aber wovon genau sprechen wir dabei? Und wenn es sie gibt, lohnt es sich dann, sie zu verteidigen? Hat unsere \u2018Zivilisation\u2019 wirklich noch eine Substanz, auf die wir stolz sein k\u00f6nnen?\u201c<\/p>\n<p>Das Wertesystem unserer Zeit besteht aus Antisexismus, Antirassismus, Antikolonialismus, Antifaschismus, Antikapitalismus, Antiordnung, Anti-Atomkraft, Anti-Islamfeindlichkeit, Anti-Heteronormativit\u00e4t. Eine Ansammlung ideologisch motivierter Negationen, die keine positive Substanz ergibt.<\/p>\n<p>Als im Mai 2017 die damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan \u00d6zo\u011fuz im Tagesspiegel \u00e4u\u00dferte, da\u00df eine \u201espezifisch deutsche Kultur [\u2026], jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar\u201c sei, zog die t\u00fcrkischst\u00e4mmige SPD-Politikerin viel Zorn und auch Ha\u00df auf sich als Reaktion auf die Verachtung, die in ihren Worten mitschwang. Heute w\u00e4re der rationale Kern ihrer Aussage zu pr\u00fcfen und danach zu fragen, <em><strong>ob die Verachtung nicht eine gewisse Berechtigung hat.<\/strong> <\/em>Denn seitdem ist es noch schlimmer geworden. Gender-Aktivisten zerst\u00f6ren nun auch die deutsche Sprache, unseren letzten Kronschatz.<\/p>\n<p>Den eigenen Kultur- als geographischen Gro\u00dfraum zu sch\u00fctzen ist angesichts der erfolgten und fortgesetzten Zuwanderung illusorisch. Blieben h\u00f6chstens noch Sezessionen. Oder soll man darauf hoffen, da\u00df das westliche Erbe in anderen R\u00e4umen weiterlebt? Da\u00df beispielsweise chinesische Musiker unbefangen Mozart spielen, w\u00e4hrend westliche Schrumpfgeister damit besch\u00e4ftigt sind, nach rassistischen Elementen im eigenen kulturellen Erbe zu schn\u00fcffeln?<\/p>\n<p>Das Beste, was man momentan sagen kann, ist dies: Die Zukunft kennt viel mehr M\u00f6glichkeiten, als die Gegenwart erahnt.<br \/>\n&#8230; Alles vom 27.8.2021 von Thorsten Hinz zu &#8222;Die Illusionen sind widerlegt&#8220;<br \/>\nbitte lesen in der JF 35\/21, Seite 13, <a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Good Governance &#8211; deutsche Entwicklungspolitik<\/strong><br \/>\nGood Gov\u00ader\u00adnance wird h\u00e4u\u00adfig mit &#8222;gu\u00adte Re\u00adgie\u00adrungs\u00adf\u00fch\u00adrung&#8220;, &#8222;gu\u00adte Staats\u00adf\u00fch\u00adrung&#8220; oder auch &#8222;ver\u00adant\u00adwor\u00adtungs\u00advol\u00adle Re\u00adgie\u00adrungs\u00adf\u00fch\u00adrung&#8220; \u00fcber\u00adsetzt. Ein um\u00adfas\u00adsen\u00addes Ver\u00adst\u00e4nd\u00adnis von Good Gov\u00ader\u00adnance geht je\u00addoch noch dar\u00ad\u00fcber hin\u00adaus: Der Be\u00adgriff &#8222;Gov\u00ader\u00adnance&#8220; um\u00adfasst die Art und Wei\u00adse, wie in ei\u00adnem Staat Ent\u00adschei\u00addun\u00adgen ge\u00adtrof\u00adfen, po\u00adli\u00adti\u00adsche In\u00adhal\u00adte for\u00admu\u00adliert und um\u00adge\u00adsetzt wer\u00adden.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nDeutschland hat mit mehr als der H\u00e4lfte seiner Kooperationsl\u00e4nder eine Entwicklungszusammenarbeit mit dem Schwerpunkt &#8222;Demokratie, Zivilgesellschaft, \u00f6ffentliche Verwaltung (Governance)&#8220; vereinbart.<br \/>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/entwicklungspolitik\/good-governance\">https:\/\/www.bmz.de\/de\/entwicklungspolitik\/good-governance<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/entwicklungspolitik\/demokratie\">https:\/\/www.bmz.de\/de\/entwicklungspolitik\/demokratie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Global &gt;Entwicklungshilfe &gt;Demokratie &gt;Nation &gt;Nation-Building Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen Eine afrikanische Stimme zum R\u00fcckzug von USAID\u00a0(25.3.2025) S\u00f6hne und Weltmacht \u2013 Buch von Gunnar Heinsohn\u00a0(12.9.2021) Eigenverantwortung f\u00fcr Alle \u2013 f\u00fcr B\u00fcrger wie Migranten\u00a0(7.9.2021) Wiederholt sich 2015 im Jahr &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/nation-building\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":69744,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-94216","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/94216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94216"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/94216\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132177,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/94216\/revisions\/132177"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/69744"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}