{"id":87915,"date":"2021-02-12T21:15:55","date_gmt":"2021-02-12T20:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=87915"},"modified":"2025-11-28T12:53:23","modified_gmt":"2025-11-28T11:53:23","slug":"wissenschaftsfreiheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/wissenschaftsfreiheit\/","title":{"rendered":"Wissenschaftsfreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Home &gt;<a title=\"Bildung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/\">Bildung<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Universitaet\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/universitaet\/\">Universitaet<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/\">Hochschulen<\/a> &gt;Wissenschaftsfreiheit<\/p>\n<div id=\"attachment_87228\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/schauinsland-wetterbuchen-schnee-pan210113.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-87228\" class=\"size-full wp-image-87228\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/schauinsland-wetterbuchen-schnee-pan210113.jpg\" alt=\"\" width=\"638\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/schauinsland-wetterbuchen-schnee-pan210113.jpg 638w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/schauinsland-wetterbuchen-schnee-pan210113-180x95.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-87228\" class=\"wp-caption-text\">Hochschwarzwald am Schauinsland 13.1.2021: Wetterbuchen im Schnee<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/bibliotheken\/\">Bibliothek des Konservatismus (BdK): K\u00fcndigung durch GBV<\/a> (28.11.2025)<\/li>\n<li>William F. Buckley Jr.: Mythos Wissenschaftsfreiheit (16.5.2925)<\/li>\n<li>Netzwerk Wissenschaftsfreiheit: Kein neurechter Verein (27.7.2024)<\/li>\n<li>Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit an Deutschlands Hochschulen? (10.5.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/hochschulen-definitionsmacht\/\">Hochschulen haben die Definitionsmacht<\/a>\u00a0(30.4.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/extremismus-studien-manipuliert\/\">Extremismus-Studien manipuliert<\/a>\u00a0(16.3.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/\">\u00dcber Selbstzerst\u00f6rung der Wissenschaft an Universit\u00e4ten<\/a>\u00a0(7.2.2024)<\/li>\n<li>Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit (12.4.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/corona-klima-grundrechte-ade\/\">Corona Klima: Grundrechte ade?<\/a> (12.2.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-krieg\/\">Philosophie und Wissenschaft als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln?<\/a>\u00a0(17.1.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/westen\/\">Susanne Schr\u00f6ter: Global gescheitert?<\/a>\u00a0(4.10.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wissen-ist-keine-bringschuld\/\">Wissen ist keine Bringschuld<\/a>\u00a0(15.6.2022)<\/li>\n<li>Netzwerk Wissenschaft seit Februar 2021 (11.2.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/universitaet\/professor\/\">Warum ich kein Professor an der Uni Toronto mehr bin<\/a> (29.1.2022)<\/li>\n<li>Wissenschaftler unterst\u00fctzen Verfassungsschutz-Kritiker Wagener (16.11.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/integration-gescheitert\/\">Die Integrationssaga \u2013 negative Folgen der Zuwanderung<\/a>\u00a0(12.11.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/medien-wissenschaften-ngos\/\">Medien, Wissenschaften, NGOs \u2013 Gewaltenteilung<\/a>\u00a0(22.9.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-staat\/\">Die Krise der f\u00fcnften Gewalt \u2013 Wissenschaft und Staat<\/a>\u00a0(19.9.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/uni-forschung-und-lehre-frei\/\">Uni: Forschung und Lehre \u2013 frei?<\/a>\u00a0(16.8.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-politik\/\">Magd der Ideologie: Ernsthafte Wissenschaftler kehren der institutionellen Wissenschaft den R\u00fccken<\/a>\u00a0(31.7.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-politik\/\">Wir brauchen eine pluralistische Wissenschaftsnutzung durch die Politik<\/a>\u00a0(28..5.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/missbrauch-der-wissenschaft\/\">Missbrauch der Wissenschaft<\/a>\u00a0(16.5.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/politik\/\">Esfeld: Missbrauch der Wissenschaft<\/a> (10.5.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/bibliothek\/\">Betreutes Lesen an der Uni-Bibliothek Freiburg<\/a>\u00a0(24.4.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/uni-gesinnung-statt-argumente\/\">Uni: Gesinnung statt Argumente<\/a>\u00a0(20.3.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-politik\/\">Aus den Fakten der Wissenschaft folgen keine Normen<\/a>\u00a0(5.3.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/romeo-und-julia-verbieten\/\">Romeo und Julia verbieten<\/a>\u00a0(22.2.2021)<\/li>\n<li>Die Gr\u00fcndung des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit (12.2.2021)<\/li>\n<li>Netzwerk Wissenschaftsfreiheit (12.2.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wissenschaft-und-politik\/\">Wissenschaft und Politik<\/a>\u00a0(18.12.2020)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/bibliotheken\/\">Bibliotheken<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen\/universitaet\/professor\/\">Professor<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-krieg\/\">Wissenschaft-Krieg<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-politik\/\">Wissenschaft-Politik<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-staat\/\">Wissenschat-Staat<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>William F. Buckley Jr.: Mythos Wissenschaftsfreiheit<\/strong><br \/>\n<strong>Donald Trumps Kampf gegen amerikanische Universit\u00e4ten hat Vorl\u00e4ufer<\/strong><br \/>\nDer Begriff der Wissenschaftsfreiheit wird als eing\u00e4ngiger Slogan dazu mi\u00dfbraucht, unz\u00e4hlige B\u00fcrger mit Machtlosigkeit zu schlagen, w\u00e4hrend sie dabei zusehen m\u00fcssen, wie sich an ihren Kindern und Kindeskindern die Ausw\u00fcchse der Laissez-Faire-Bildung zeigen. Wir wollen deshalb in Erfahrung bringen, ob eine Universit\u00e4t gegen die Freiheit der Wissenschaften verst\u00f6\u00dft, wenn sie sich auf der anderen Seite f\u00fcr konservative Werte stark macht.<br \/>\nDie Tragweite des Betrugs, dem wir mit der Wissenschaftsfreiheit aufgesessen sind, kann nur verstanden werden, wenn wir uns eingehender mit der Rolle des Wissenschaftlers in der Gesellschaft besch\u00e4ftigen. Dabei m\u00fcssen wir uns in Erinnerung rufen, da\u00df dieser nicht nur eine, sondern gleich zwei gesellschaftliche Funktionen innehat, die nicht immer etwas miteinander zu tun haben m\u00fcssen. Diese unterschiedlichen Aufgaben sind erstens seine Forschung und zweitens seine Lehre. Miteinander verbunden sind die beiden oft nur aus Tradition, Kostengr\u00fcnden und Praktikabilit\u00e4t, denn es leuchtet ja ein, da\u00df jemand, der eine gro\u00dfe Begabung im Bereich der Genetik zeigt, nicht automatisch ein Talent f\u00fcr die Vermittlung seines Fachgebiets hat.<br \/>\nWeil aber Wissenschaftler wie alle anderen Menschen irgendwie ihren Unterhalt verdienen m\u00fcssen, will es der Brauch, da\u00df sie die eine H\u00e4lfte des Tages nach eigenem Gusto in den Bibliotheken und Laboren arbeiten, w\u00e4hrend sie die andere in den H\u00f6rs\u00e4len dozieren. Der Student zahlt nicht nur f\u00fcr den Teil des Universit\u00e4tslebens, von dem er direkt profitiert, sondern auch f\u00fcr den anderen \u2013 die Forschung \u2013, f\u00fcr den er selbst vielleicht nicht das geringste Interesse zeigt.<br \/>\nDie Konsequenzen dieser Doppelrolle des Forschers sind vielf\u00e4ltig. Uns interessiert vor allem die methodische Konfusion, die sich aus ihr ergibt, die jede sinnvolle Diskussion \u00fcber die Wissenschaftsfreiheit untergr\u00e4bt. Das Besondere an der gegenw\u00e4rtigen Debatte ist n\u00e4mlich, da\u00df die Kritiker der Wissenschaftsfreiheit Exzesse in der Lehre attackieren, w\u00e4hrend die angegriffenen Professoren das Recht auf uneingeschr\u00e4nkte Forschung f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Und w\u00e4hrend beide Seiten best\u00e4ndig aneinander vorbeireden, haben sie beide auf ihre Art jeweils recht.<\/p>\n<p>Wir sollten uns in Erinnerung rufen, da\u00df es Forscher waren, die die moderne Vorstellung der Wissenschaftsfreiheit auf den Punkt gebracht haben. Sie haben seinerzeit ein kompaktes philosophisches Paket geschn\u00fcrt, es auf den Namen \u201eWahrheit\u201c getauft und ihren unbedarften Zeitgenossen, den Liberalen, zur Verg\u00f6tzung vor die F\u00fc\u00dfe geworfen. Ihre Arbeit setzt sich aus Experimenten, Theorie und Kreativit\u00e4t zusammen. F\u00fcr sie ist die Vorstellung be\u00e4ngstigend, da\u00df schon im vorhinein feststehen soll, mit welcher Methode sie zu welchem Ergebnis kommen.<\/p>\n<p>Die Position des Wissenschaftlers gilt daher zu Recht als unanfechtbar. Ein Forscher sollte frei sein, seine Schlu\u00dffolgerungen auf der Basis eigener Beobachtungen zu ziehen. An diesem Punkt anderer Meinung zu sein hei\u00dft einfach, sich zum Gesp\u00f6tt zu machen. Es ist ein hausgemachtes Paradoxon, wenn man einen Wissenschaftler bezahlt, nur um zu bestimmen, was bei seiner Forschung herauskommen soll. Unter diesen Bedingungen ist es schlicht und einfach sinnlos, wissenschaftliche Recherchen in Auftrag zu geben.<\/p>\n<p>Anderslautenden Ger\u00fcchten zum Trotz ist der handels\u00fcbliche Professor aber durchaus dazu in der Lage, eine ganz triviale Voraussetzung seines Berufs anzuerkennen \u2013 n\u00e4mlich die, da\u00df ein Gro\u00dfteil seiner Forschung durch den Konsum von Bildung finanziert wird. Sein Auftraggeber, der Vater, der seinen Sohn in die Schule schickt oder der M\u00e4zen, der die Politik seiner Universit\u00e4t lenkt, verletzt keine mir bekannte Freiheit, wenn er darauf besteht, da\u00df z.B. Individualismus statt Kollektivismus im Seminarraum vermittelt wird. Vielmehr macht er damit seine eigene Freiheit geltend. Wenn er sich dabei f\u00fcr eine Reihe von Werten ausspricht, ist es sogar seine Pflicht, dar\u00fcber zu wachen, da\u00df diese ihr Echo im Vorlesungssaal finden.<\/p>\n<p>Nun werden manche einwenden, da\u00df der sozialistische Lehrer wohl seinen Job verliert, wenn niemand ihn unterst\u00fctzt, und fragen, ob dieser dann nicht seiner \u00dcberzeugungen wegen verfolgt wird. Unsere Antwort darauf mu\u00df ganz klar \u201eJa\u201c lauten. Dasselbe gilt allerdings auch f\u00fcr einen Politiker. Wenn niemand f\u00fcr ihn stimmt, verliert auch dieser seinen Job. Auch er wird dann f\u00fcr seine \u00dcberzeugungen bestraft, wenn man es einmal realistisch betrachtet. In einer Demokratie sollte er das allerdings auch werden. Wie pa\u00dft das aber damit zusammen, da\u00df wir eben noch die Unantastbarkeit freier Forschung betont haben? Hier ist kein Widerspruch. Der Wissenschaftler mu\u00df die Bed\u00fcrfnisse seiner Kunden befriedigen, um sein Einkommen zu sichern. Die eigentliche Forschung wird daher \u2013 wie f\u00fcr viele seiner Kollegen \u2013 immer eine Nebenbesch\u00e4ftigung f\u00fcr ihn bleiben. In einer freien Wirtschaft m\u00fcssen alle die Souver\u00e4nit\u00e4t des Konsumenten achten, weil dieser die Waren kauft, die im Umlauf sind. Es geh\u00f6rt zum Wesenskern der Freiheit, da\u00df niemand f\u00fcr etwas zur Kasse gebeten wird, was er nicht bestellt hat.<\/p>\n<p>Ich habe bereits in den vorherigen Kapiteln versprochen, zu erl\u00e4utern, woher denn \u201eneue Ideen\u201c kommen sollen, wenn sich die Universit\u00e4t dazu verpflichtet, an konservativen Werten festzuhalten. Neue Ideen werden sich in Zukunft wie schon in der Vergangenheit ganz einfach aus individueller Forschung ergeben. Und wer zahlt f\u00fcr diese Forschung? Jeder, der will. Die meisten Wissenschaftler arbeiten heutzutage ohnehin nur noch halbtags an ihren Untersuchungen. Auch wenn eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Zahl von Forschern nach wie vor Vollzeit das Vergn\u00fcgen hat. Diese werden zu einem Gro\u00dfteil durch Fonds, Firmen und Philanthropen finanziert. Manchmal auch durch die Regierung. Aber die allermeisten Wissenschaftler forschen nur in Teilzeit, w\u00e4hrend sie die andere H\u00e4lfte des Tages in der Lehre arbeiten, f\u00fcr die sie schlie\u00dflich bezahlt werden.<br \/>\nNehmen wir z.B. die Situation von John Smith, einem sozialistischen Wirtschaftsprofessor in Yale. Wie w\u00fcrde sich sein Schicksal mit Blick auf die von mir vorgeschlagenen Reformen ver\u00e4ndern? Zun\u00e4chst einmal w\u00fcrde er wohl von der Lehre ausgeschlossen werden, da er Werte vertritt, die vom Aufsichtsrat der Universit\u00e4t als allgemeingef\u00e4hrlich angesehen werden. An diesem Punkt wird noch keine einzige Freiheit verletzt. Schlie\u00dflich gehen wir in diesem Land noch immer davon aus, da\u00df wir mit gutem Gewissen anstellen und feuern k\u00f6nnen, wen wir wollen.<\/p>\n<p>Aber nehmen wir f\u00fcr einen Augenblick an, da\u00df der Dekan Professor Smith kurz vor seiner Beurlaubung beiseite nimmt und ihm sagt: \u201eSehen Sie, Werter Herr Smith: Weder die Leiter der Universit\u00e4t noch ich selbst teilen ihre Ansichten. Deshalb k\u00f6nnen wir Ihnen nicht erlauben, diese weiterhin im Vorlesungssaal zu verbreiten. Stellen Sie sich aber eine Sekunde lang vor, Sie w\u00fcrden, statt Ihre eigene sozialistische Gesinnung zu propagieren, in Ihrem Unterricht zu marktwirtschaftlichen Schlu\u00dffolgerungen gelangen. Dann k\u00f6nnten wir Sie weiterbesch\u00e4ftigen. Was halten Sie davon?\u201c<\/p>\n<p>Diese Alternative, so furchtbar sie auch klingen mag, verdient, da\u00df wir einen zweiten Blick auf sie werfen. Es wundert mich nicht, da\u00df sich heutzutage viele Wissenschaftler in einer solchen Lage befinden. Der Staatsdienst ist daf\u00fcr ein hervorragendes Beispiel: Von diesem wird erwartet, da\u00df die Beschl\u00fcsse des Parlaments umgesetzt werden. So kann es sein, da\u00df ein Beamter, der den Sozialismus eigentlich f\u00fcr eine gef\u00e4hrliche Lehre h\u00e4lt, der Regierung trotzdem dabei hilft, Pl\u00e4ne f\u00fcr die Verstaatlichung der Stahlindustrie auszuarbeiten. Genau daf\u00fcr wurde er eingestellt. Seine Freiheit wird nicht verletzt, solange er noch die M\u00f6glichkeit hat, zu k\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Wir sehen also, da\u00df sich Professor Smith als Sozialist, nur weil er konservative Werte lehren mu\u00df, nicht \u00fcber einen besonderen Druck beschweren kann. Selbst wenn man ihm verbieten w\u00fcrde, unter seinem Namen Artikel \u00fcber den Sozialismus zu schreiben, lie\u00dfe sich noch argumentieren, da\u00df seine Lage im Grunde der des Staatsdieners \u00e4hnele, der schlie\u00dflich auch ohne Job dast\u00fcnde, wenn er auf einmal mit Pamphleten gegen die Regierung auftreten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz bin ich dagegen, Professor Smith diesen Ausweg zu zeigen, weil ich die Weitergabe von Werten f\u00fcr einen \u00fcberaus bedeutsamen Aspekt der Bildung halte, der mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht, vor allem aber mit der aufrichtigsten \u00dcberzeugung angegangen werden mu\u00df \u2013 auch wenn diese Werte neben dem Wissen und der Methode nur einen kleinen Teil der gesamten Bildung ausmachen. Ich hege keinen Zweifel, da\u00df es Lehrer gibt, die gegen ihre eigenen Grunds\u00e4tze unterrichten k\u00f6nnen, so wie es auch Redner gibt, die ihren Standpunkt mit \u00e4u\u00dferster Finesse vertreten k\u00f6nnen, obwohl sie diesen verachten. Alles in allem w\u00fcrde mich das Wissen um diese Zwickm\u00fchle aber nicht ruhenlassen, weshalb ich mich dagegen ausspreche.<\/p>\n<p>Professor Smith wird also von seinem Lehrauftrag entbunden. Sein erster Schritt sollte meines Erachtens nach der sein, nach einer Stelle an einem sozialistischen College zu suchen. Aber nehmen wir einmal an, da\u00df dort schon alle Stellen vergeben sind. Ist das der Fall, so ist Herr Smith schlicht und einfach der Welt zum Opfer gefallen, in der wir nun einmal leben, in der das Angebot gr\u00f6\u00dfer ist als die Nachfrage. Er mu\u00df sich dann mit etwas anderem \u00fcber Wasser halten, bis sich neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ihn er\u00f6ffnen. Yale jedenfalls hat keinerlei Verpflichtung, ihn zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\nOder nehmen wir an, was noch viel besser w\u00e4re, da\u00df es \u00fcberhaupt keine Nachfrage nach sozialistisch eingestellten Dozenten in den Vereinigten Staaten gibt. Professor Smith f\u00e4nde dann einfach keine K\u00e4ufer f\u00fcr sein Produkt und m\u00fc\u00dfte sich zu den Professoren gesellen, die Ideen wie die Vielehe oder den Faschismus vertreten. Wenn die Mehrheit in diesem Land ihre Souver\u00e4nit\u00e4t behalten will, kommt sie nicht darum herum, ihr Recht zu behaupten, diejenigen mit Arbeitslosigkeit zu schlagen, f\u00fcr deren Waren es keinen Markt gibt. Im Fall von Professor Smith wurde keine einzige Freiheit verletzt. Vielmehr wurde die Freiheit des Konsumenten verteidigt.<\/p>\n<p>Unterstellen wir aber f\u00fcr einen Augenblick, da\u00df eine Stiftung oder auch ein M\u00e4zen Professor Smith und seine Untersuchungen dennoch bezuschussen will. Vielleicht hat der gro\u00dfz\u00fcgige Spender das Gef\u00fchl, da\u00df die Forschungen des Sozialisten einige bislang verborgene Schw\u00e4chen des Kapitalismus enth\u00fcllen werden. Wom\u00f6glich verspricht er sich, da\u00df die Ver\u00f6ffentlichungen endlich zweifelsfrei ergeben, da\u00df der Sozialismus dem Kapitalismus \u00fcberlegen sei. Im dem einen Fall wie in dem anderen ist er frei, Professor Smith zu f\u00f6rdern.<br \/>\nSollte Yale in Zukunft ein Institut f\u00fcr Wissenschaftler einrichten, deren Forschung nicht nachgefragt wird, w\u00fcrde ich diese Entscheidung begr\u00fc\u00dfen. Allerdings w\u00fcrde ich nichtsdestotrotz auf getrennte Buchf\u00fchrung bestehen, damit sich die Finanziers der Universit\u00e4t aussuchen k\u00f6nnen, ob sie nur den Lehrbetrieb f\u00f6rdern wollen oder auch die neu geschaffene Sektion. Es ist denkbar, da\u00df Geldgeber hier und da Widerspruch gegen die Einstellung bestimmter Wissenschaftler einlegen werden. Doch die Besonderheiten eines jeden Falls sollten dabei stets einzeln in den Blick genommen werden.<\/p>\n<p>Eines ist klar: Es wird Zeit, da\u00df f\u00e4hige und erfahrene Wissenschaftler endlich damit aufh\u00f6ren, den Begriff der Wissenschaftsfreiheit f\u00fcr ihre Zwecke zu mi\u00dfbrauchen, um die Rechte des Einzelnen in unserer Gesellschaft auszuhebeln. In letzter Instanz ist die Wissenschaftsfreiheit n\u00e4mlich die Freiheit des Menschen, f\u00fcr die Bildung, die er guthei\u00dft, einzustehen.<\/p>\n<p>Der Streit zwischen US-Pr\u00e4sident Trump und den amerikanischen Spitzenuniversit\u00e4ten eskaliert. W\u00e4hrend das Wei\u00dfe Haus ihnen vorwirft, sich in einen Hort f\u00fcr Antisemiten und Kommunisten verwandelt zu haben, beschuldigen die Hochschulen die Trump-Administration ihrerseits, die Axt an die Wissenschaftsfreiheit im Land zu legen. Das Bildungsministerium ist diesen Verwerfungen bereits zum Opfer gefallen \u2013 es wird abgewickelt. In ihrem Ringen mit Harvard, Princeton und Co. hat das republikanische Kabinett einen Vordenker \u2013 den Publizisten William F. Buckley Jr. (1925\u20132008), der 1955 mit dem \u201eNational Review\u201c einen rechtsintellektuelle Referenzpunkt des Landes schuf. In seinem 1951 erschienenen Pamphlet \u201eGod and Man at Yale\u201c (Regnery Press) klagte Buckley Jr. die ideologische Schieflage an seiner Alma Mater an. 1961 fa\u00dfte er im Herrenmagazin \u201eEsquire\u201c die darin formuliert Kritik so zusammen: \u201eIch w\u00fcrde lieber von den ersten 2.000 Menschen regiert werden, die ich im Telefonbuch von New York finde, als von den Kollegen der Harvard Universit\u00e4t.\u201c Sein verbl\u00fcffender Befund: Die Ursache f\u00fcr den Linksdrall, der Professoren wie Studenten erfasse, sei die Wissenschaftsfreiheit selbst, die von konservativer Seite aus \u00fcberdacht werden m\u00fcsse. Die JUNGE FREIHEIT hat im Rahmen der Artikelserie \u201eKonservative Klassiker\u201c eine Erst\u00fcbersetzung aus dem Buch vorgelegt.<\/p>\n<p>William Frank Buckley Jr. (1925\u20132008), Journalist und Herausgeber, gr\u00fcndete 1985 mit dem National Review die erste moderne konservative Zeitschrift in den Vereinigten Staaten, die namhafte Intellektuelle wie Willmoore Kendall und Russell Kirk auf sich vereinigte.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.5.2025 bitte lesen in der JF 21\/25, Seite 18<br \/>\n\u00dcbersetzung von Florian Werne<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Netzwerk Wissenschaftsfreiheit: Kein neurechter Verein<br \/>\nOffener Brief an die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag<\/strong><br \/>\nSehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete der SPD-Fraktion,<br \/>\nmit Best\u00fcrzung haben wir die Ausf\u00e4lle der SPD-Abgeordneten Dr. Carolin Wagner in ihrer Rede im Bundestag am 4.7.2024 zur Kenntnis genommen. Sie f\u00fchrte w\u00f6rtlich aus:<br \/>\n<em>\u201eUnsere Hochschulen laufen durchaus Gefahr, von rechts unterwandert zu werden. Da gibt es zum Beispiel das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit. Dieser neurechte Verein sch\u00fcrt gezielt rechtspopulistische Vorurteile an Hochschulen und verunsichert damit Studierende und Lehrende gleicherma\u00dfen&#8220;.<\/em><br \/>\nHierzu stellen wir fest: Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit ist eine Vereinigung zur Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit, bestehend aus derzeit 762 Mitgliedern, die meisten davon Hochschullehrer im deutschsprachigen Raum, darunter auch etliche SPD-Mitglieder, die von den Aussagen besonders irritiert sind. Es ist nicht nachvollziehbar, wieso eine Vereinigung zum Schutz eines Grundrechts ein &#8222;neurechter&#8220; Verein sein soll, der die Hochschulen \u201evon rechts unterwandert&#8220;. Erst recht vollkommen unverst\u00e4ndlich ist die Behauptung, das Netzwerk sch\u00fcre gezielt rechtspopulistische Vorurteile und verunsichere Lehrende und Studierende; sie l\u00e4sst uns fassungslos zur\u00fcck. Das Netzwerk verteidigt die Wissenschaftsfreiheit von Wissenschaftlern gegen Rektorate, andere Wissenschaftler, externe Aktivisten und Beh\u00f6rden durch Stellungnahmen, Pressemitteilungen und Briefe. Es differenziert nicht danach, ob die angegriffenen Forscher dem linken oder rechten Spektrum angeh\u00f6ren. Inwieweit durch das Eintreten f\u00fcr die Wissenschaftsfreiheit Vorurteile gesch\u00fcrt werden sollen, ist schon im Ansatz nicht nachvollziehbar. Der Angriff auf die T\u00e4tigkeit des Netzwerks mittels grob falscher, ehrabschneidender Unterstellungen (deren fehlender Kontext in der Rede den Verdacht des Missbrauchs der Indemnit\u00e4t nahelegt) ist nur dann plausibel, wenn man die Auffassung vertritt, bestimmten Personen st\u00fcnden die Grundrechte von vornherein nicht zu und es sei moralisch geboten, sie zum Schweigen zu bringen. Das erf\u00fcllt uns mit gro\u00dfer Besorgnis und daher wollen wir Sie h\u00f6flich bitten zu erkl\u00e4ren, ob das der Position der SPD-Fraktion entspricht und welchen Stellenwert diese der Wissenschaftsfreiheit zumisst. Selbstverst\u00e4ndlich stehen wir Ihnen gerne f\u00fcr<br \/>\nein Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nMit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Der Vorstand des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit e.V., bestehend aus:<br \/>\nDr. Sandra Kostner Prof. Dr. Susanne Schr\u00f6ter Prof. Dr. Thomas M\u00fcller-Gronbach<br \/>\nProf. Dr. Klaus Ostermann Prof. Dr. Jan Barkmann Prof. Dr. Udo Kelter<br \/>\nProf. Dr. Christian F. Majer Prof. Dr. Aglaja Stirn<br \/>\n24.7.2024, <a href=\"https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\/\">https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie steht es um die Wissenschaftsfreiheit an Deutschlands Hochschulen?<\/strong><br \/>\n<strong>Der Rotstift im Kopf<\/strong><br \/>\nMenschen d\u00fcrfen alles meinen, auch wenn sie nicht alles sagen d\u00fcrfen, was sie meinen: Sie d\u00fcrfen meinen, da\u00df der Wirtschaftsminister ein ahnungsloser Dummkopf ist, aber sagen d\u00fcrfen sie es nicht, weil das eine Beleidigung ist oder jedenfalls sein k\u00f6nnte. Meinen und aber auch sagen d\u00fcrfen sie, da\u00df es biologisch gesehen nur zwei Geschlechter gibt; da\u00df es taxonomisch sinnvoll ist, menschliche Rassen zu unterscheiden; da\u00df Gendern der Geschichte und Struktur der deutschen Sprache widerspricht; da\u00df es relativ gesehen mehr ausl\u00e4ndische Straft\u00e4ter gibt als deutsche; da\u00df das Recht auf Erbschaft abgeschafft oder stark eingeschr\u00e4nkt werden sollte; da\u00df die DDR kein Unrechtsstaat war; oder da\u00df Israel ein Apartheidstaat ist, der im Gazastreifen einen Genozid begeht. Solche Meinungen m\u00fcssen nicht wahr sein, damit man sie \u00e4u\u00dfern darf, und sie m\u00fcssen nicht einmal gut begr\u00fcndet sein. Man kann sie einfach so haben, solange sie strafrechtlich irrelevant sind und keinen direkten Angriff auf die Verfassung beinhalten oder fordern. Das nennt man Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p>Solche Meinungen d\u00fcrfen auch Wissenschaftler haben, solange sie aus der Wissenschaft erwachsen und von ihnen als Wissenschaftler erforscht und gelehrt werden; sie m\u00fcssen nicht wahr, aber sie m\u00fcssen wissenschaftlich begr\u00fcndet sein. Eine Mathematikerin hat sich im H\u00f6rsaal nicht zum Gaza-Krieg zu \u00e4u\u00dfern; ein Philosoph, der sich mit der Theorie des gerechten Krieges befa\u00dft, darf das sehr wohl. Das steht au\u00dfer Frage, so wie es rechtlich gesehen au\u00dfer Frage steht, da\u00df man Thilo Sarrazin oder Peter Singer zu Vortr\u00e4gen einladen oder ein Seminar zu der Frage abhalten darf, ob Boykottma\u00dfnahmen gegen den israelischen Staat legitim sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Recht zu solchen Positionen und wissenschaftlichen Aktivit\u00e4ten ergibt sich aus Art. 5 Abs. 3 des Grundgesetzes. Denn Wissenschaftsfreiheit umfa\u00dft als Individualrecht ohne Gesetzesvorbehalt die Freiheit einzelner Subjekte oder Forschungsgemeinschaften in bezug auf Forschungsgegenst\u00e4nde beziehungsweise Forschungsziele und Forschungsmethoden, und dies sowohl (vor allem) als Abwehrrecht wie auch als Recht auf etwas (Forschungsmittel), und sie umfa\u00dft zugleich die Freiheit der Lehre. Dieses Recht ist au\u00dferdem ein Anspruchsrecht auf Schutz. Wenn der akademische Mob versucht, Bernd Lucke bei seiner Vorlesung oder Daphne Barak-Erez bei ihrem Vortrag zu st\u00f6ren, dann mu\u00df die Universit\u00e4t das unterbinden.<\/p>\n<p>Niemand bestreitet, da\u00df dieses Recht auf freie Wissenschaft Grenzen hat, und zwar positivrechtliche, moralische und wissenschaftsmethodische Grenzen. So erw\u00e4hnt Art. 5 Absatz 3 GG die \u201eTreue zur Verfassung\u201c, und auch f\u00fcr die Wissenschaftsfreiheit gibt es strafrechtliche Grenzen (Beleidigung, Volksverhetzung, Embryonenforschung); es gibt moralische Grenzen, die nicht rechtlich kodifiziert sind oder jedenfalls nicht so, da\u00df sie bestimmte Handlungen verbieten (z. B. Tierversuche); und es gibt wissenschaftsmethodische Grenzen \u2012 sie vor allem sind es, die Wissenschaftsfreiheit von Meinungsfreiheit zu unterscheiden erlauben \u2012, die durch die Praxis der Wissenschaften selbst gesetzt werden (Astronomie ist eine Wissenschaft, Astrologie nicht) und zu denen man auch die akademische Tugendhaftigkeit und Regeln der \u201egood scientific practice\u201c rechnen kann.<\/p>\n<p>All das ist klar und eindeutig. Aber warum gibt es dann den Streit, der seit einiger Zeit unter dem Stichwort der (akademischen) Cancel Culture gef\u00fchrt wird? Die einfache Antwort lautet: Weil es akademische Amtstr\u00e4ger, Aktivisten und auch Politiker oder Parteien gibt, die das Recht auf Wissenschaftsfreiheit nicht akzeptieren oder sich so zurechtlegen, wie es ihnen pa\u00dft. Genau das wiederum wird oft bestritten; es g\u00e4be bestenfalls nur Anekdoten, keine belastbare Evidenz. Aber das ist offenkundiger Unfug oder schlichtweg verlogen (auch wenn man \u00fcber die Frage diskutieren kann, ob die unbestreitbaren F\u00e4lle bereits eine Kultur des Cancelns manifestieren). Es gibt Dekane und Rektoren, die sich nicht zu schade sind, selbst Vortr\u00e4ge oder andere Veranstaltungen an der Universit\u00e4t abzusagen oder die es jedenfalls versuchen, und auch jene F\u00fchrungskr\u00e4fte, die nicht den Mumm aufbringen, das freiheitszerst\u00f6rende Tun des akademischen Mobs zu verhindern.<\/p>\n<p>Das Bestreben, Wissenschaftler akademisch durch Niederbr\u00fcllen, \u201ede-platforming\u201c, Ha\u00df und Hetze, Disziplinarverfahren und sogar Morddrohungen aus der akademischen Welt zu verbannen, ist also manifest. Aber es ist nicht grundlos. Denn man sollte die akademische Cancel Culture als den Versuch verstehen, die moralischen Grenzen enger zu ziehen. Es wird geltend gemacht, da\u00df Menschen ihr Recht auf freie Forschung und Lehre verwirken, wenn sie rassistisch seien oder auch antisemitisch, xenophob, islamophob und so weiter. Die typische Reaktion auf diese Positionierung besteht in dem Vorwurf der \u201eMoralisierung\u201c. Aber das ist irref\u00fchrend. In der Tat sind die allermeisten der mit den Ismen und Phobien verbundenen Vorw\u00fcrfe durchaus berechtigt, wenn man sie (diese Ismen und Phobien) denn angemessen definiert und im Einzelfall vern\u00fcnftig unter sie subsumiert.<\/p>\n<p>Das Problem ist also nicht oder jedenfalls nicht per se eine grassierend inflation\u00e4re Moralisierung, die alle Lebensbereiche umfasse und die alles verbieten wolle, was nicht politisch korrekt sei; denn was politisch nicht korrekt ist, oder besser gesagt: moralisch nicht erlaubt ist, das ist es eben nicht, und das bildet auch zu Recht Grenzen der Wissenschaftsfreiheit. Man kann es also oder sollte es vielleicht sogar als moralischen Fortschritt begreifen, da\u00df mehr (und mehr) Bereiche als moralische Sph\u00e4ren erfa\u00dft werden. Denn wenn jemand tats\u00e4chlich rassistisch oder homophob ist, hat man einen sehr guten, n\u00e4mlich einen moralischen Grund zur Kritik und gegebenenfalls auch zur legitimen Begrenzung.<\/p>\n<p>Die blo\u00dfe Tatsache, da\u00df wir heute mehr Handlungen f\u00fcr moralisch verwerflich oder auch erlaubt halten als fr\u00fcher, ist also nicht Resultat einer Hypermoral, sondern Ausdruck moralischen Fortschritts: Aristoteles hatte kein Problem mit der Sklaverei, wir (fast alle) schon; Kant hatte ein Problem mit Homosexualit\u00e4t, wir (oder jedenfalls viele von uns) nicht. Das kritikw\u00fcrdige Ph\u00e4nomen ist also nicht eine inflation\u00e4re Moralisierung. Das Problem sind die \u2013 oft mit theoretisch-begrifflicher Ungenauigkeit verbundene \u2013 Voreiligkeit, der beanspruchte Infallibilismus, der Dogmatismus und vor allem der Mangel an Urteilskraft, die mit der Feststellung einhergehen, dieses oder jenes sei als dieser Ismus oder jene Phobie moralisch verwerflich.<br \/>\nWer schon die Aussage \u201eDas Kopftuch ist ein Zeichen f\u00fcr Unterdr\u00fcckung\u201c f\u00fcr diskriminierend und menschenverachtend h\u00e4lt, die Aussage, da\u00df es biologisch gesehen nur zwei Geschlechter gibt, f\u00fcr transphob, oder die Aussage, da\u00df es jenseits der Staatsangeh\u00f6rigkeit noch einen kulturellen Begriff des Volkes gibt, f\u00fcr rassistisch, mu\u00df sich den Vorwurf gefallen lassen, solche Begriffe (Menschenverachtung, Transphobie, Rassismus) v\u00f6llig zu \u00fcberdehnen.<\/p>\n<p>Diese \u00dcberdehnung geht Hand in Hand mit der epistemischen Arroganz ihrer Advokaten. Sie haben den Hang, ihre eigene Meinung bez\u00fcglich einer de facto umstrittenen und mit gegenl\u00e4ufigen Evidenzen verkn\u00fcpften Sachfrage mit einem hohen Grad an subjektiver Gewi\u00dfheit zu hegen, verbunden mit der \u00dcberzeugung, es besser zu wissen als andere Subjekte, die eine andere Meinung haben \u2012 eine Gewi\u00dfheit und \u00dcberzeugung, welche die Bereitschaft schm\u00e4lern oder verhindern, andere Meinungen als diskussionsw\u00fcrdig anzuerkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, da\u00df diejenigen, die aus ihren Wissenschaften heraus moralisch oder politisch so denken und argumentieren (etwa in weiten Teilen die Gender Studies oder der Postkolonialismus), nun ihrerseits wiederum in ihrer Wissenschaftsfreiheit beschr\u00e4nkt werden d\u00fcrfen. Wer sich konsistent und ernsthaft f\u00fcr die Wissenschaftsfreiheit einsetzt, mu\u00df sich f\u00fcr die Wissenschaftsfreiheit aller Wissenschaftler einsetzen.<\/p>\n<p>Nun ist es zwar wahr, da\u00df F\u00e4lle, die etwa das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit fortlaufend dokumentiert, ganz \u00fcberwiegend F\u00e4lle sind, bei denen die Cancel-Versuche von links ausgehen. Das ist kein Zufall, sondern liegt daran, da\u00df zumindest an einigen Fakult\u00e4ten oder F\u00e4chern und erst recht bei den studentischen Vertretern linke Positionen gegenw\u00e4rtig vorherrschend sind (zwar bestreiten Linke das immer wieder, aber dieses Man\u00f6ver ist zu durchsichtig, um ernst genommen zu werden.) Doch die Feinde der Freiheit sitzen nicht nur im linken Lager. Zwar sind es gerade auch die Rechten, die sich lautstark \u00fcber die Cancel Culture, politische Korrektheit, Meinungs- und Denkverbote aufregen und beschweren. Aber es kann keinen Zweifel daran geben, da\u00df viele rechte Akteure keine Bedenken h\u00e4tten oder haben, die Freiheit linker Denker einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Einzelne AfD-Politiker haben bekanntlich linke Wissenschaftler \u00f6ffentlich diffamiert (ich erinnere an die Angriffe von AfD-Politikern auf Maisha-Maureen Auma, Professorin f\u00fcr Diversity Studies an der Hochschule Magdeburg-Stendal, und J\u00fcrgen Zimmerer, Historiker an der Uni Hamburg). Als ich vor einigen Monaten bei einer Podiumsdiskussion in kritischer Absicht darauf hinwies, da\u00df die AfD, w\u00e4re sie mit einer Zweidrittelmehrheit an der Macht, vermutlich die Gender Studies in Deutschland ganz abschaffen w\u00fcrde, gab es aus dem ganz \u00fcberwiegend rechtskonservativen Publikum tosenden Applaus. Und zwar nicht f\u00fcr meine Kritik daran, sondern f\u00fcr eine solche imaginierte Ma\u00dfnahme. Aber die wissenschaftlichen Gemeinschaften und Disziplinen, und nur sie allein, haben dar\u00fcber zu entscheiden, was Wissenschaft ist. Das wiederum schlie\u00dft nicht aus, da\u00df man mit wissenschaftlichen Argumenten Positionen und Theorien einer Wissenschaft oder gar eine ganze Wissenschaft kritisieren darf; aber sie zu kritisieren ist etwas ganz anders, als sie zu canceln.<\/p>\n<p>Eben diesen ganz einfachen Punkt verstehen viele woke Akteure bis heute nicht. Denn es geh\u00f6rt zu den Standardeinw\u00e4nden gegen eine liberale Auffassung von Wissenschaftsfreiheit, da\u00df sie berechtige Kritik mit (angeblichen) Verletzungen von Wissenschaftsfreiheit verwechsle. Kritik und Widerspruch seien auszuhalten und nicht als Cancel Culture zu diffamieren \u2012 was h\u00e4ufig genug, so das Argument, den wahren Zweck habe, sich gegen berechtigte Kritik vor allem marginalisierter Gruppen zu immunisieren. Aber Kritik ist f\u00fcr die Wissenschaft eine Conditio sine qua non. In jeder Wissenschaft werden Hypothesen, Thesen und Theorien entwickelt, um Dinge zu erkl\u00e4ren oder zu verstehen. Sie werden nicht nur st\u00e4ndig kritisiert, sie m\u00fcssen auch kritisiert werden d\u00fcrfen; niemand bestreitet das (und selbstverst\u00e4ndlich auch nicht das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit).<br \/>\nKritik ist also eine Sache, Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit sind eine andere, und auch wenn nicht immer klar ist, wo die Grenze liegt, so ist sie doch in den allermeisten F\u00e4llen, die zur Diskussion stehen, eindeutig. Wer kritisiert, nimmt mit Thesen und Argumenten an einer Debatte teil, wer akademisch verbannt, will diese Debatte gerade verhindern; an die Stelle von Austausch und Diskurs treten Einsch\u00fcchterung, Mobbing, Bedrohung, Bestrafung, Ausgrenzung, Existenzgef\u00e4hrdung. Der aus der akademischen Verbannungskultur erwachsende Versuch, die Rede einer Person auch an einer Universit\u00e4t effektiv zu verhindern, ist ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. Kritik und Protest sind dagegen selbst Element und Praxis dieser Freiheit, auch wenn sie sehr scharf oder polemisch ausfallen.<br \/>\n<em><strong>Die Freiheit von Wissenschaft und Lehre ist wieder einmal bedroht. Ihre Feinde kommen gegenw\u00e4rtig ganz \u00fcberwiegend aus der linken Orthodoxie und Universit\u00e4t selbst<\/strong><\/em>. Sie wollen die Macht, die sie bereits haben, weiter zementieren und ausbauen. Daraus erw\u00e4chst nicht nur eine Gefahr f\u00fcr die Wissenschaften, deren Freiheit nicht zuletzt in der Fallibilit\u00e4t aller wissenschaftlichen Anstrengungen begr\u00fcndet ist (wer wei\u00df, da\u00df er falschliegen k\u00f6nnte, verbietet die Meinung des anderen nicht; sie k\u00f6nnte die richtige sein). Sie ist auch eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie. Denn aus der Freiheit von Wissenschaft und Lehre erw\u00e4chst das Wissen, das Staatsb\u00fcrger in Demokratien brauchen, um sich fundierte Meinungen f\u00fcr politische Pr\u00e4ferenzen und Entscheidungen bilden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alles vom 10.5.2024 von Dieter Sch\u00f6necker bitte lesen in der JF 20\/24, Seite 18<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Dieter Sch\u00f6necker, Jahrgang 1965, lehrt Philosophie an der Universit\u00e4t Siegen und engagiert sich als Vertrauensdozent im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, zu dessen Gr\u00fcndungsmitgliedern er geh\u00f6rt. Wissenschaftlich arbeitet er zu Kant und Alvin Platinga.,,,<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit<\/strong><br \/>\n<strong>Wer nicht die <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke\/\">\u201ewoke\u201c<\/a> Agenda unterst\u00fctzt, wird eingesch\u00fcchtert<\/strong><br \/>\n&#8230; Harald Schultze-Eisentraut und Alexander Ulfig haben nun in einem Sammelband gewichtige Stimmen versammelt, die sich mit den aktuellen Gef\u00e4hrdungen der Wissenschafts- und Lehrfreiheit an den Universit\u00e4ten auseinandersetzen. Die Herausgeber, die bereits mit Gender Studies \u2013 Wissenschaft oder Ideologie? in die Debatte eingegriffen haben, kritisieren nicht nur die Verst\u00e4rkung von Abh\u00e4ngigkeiten durch die \u00d6konomisierung des Wissenschaftsbetriebs.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDer Band bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, darunter auch strikt s\u00e4kular-aufkl\u00e4rerische, die sich aber einig darin sind, die Freiheit der Wissenschaft auch und gerade da zu verteidigen, wo kontroverse Auffassungen aufeinandersto\u00dfen. Das gilt f\u00fcr die Gendersprache (Heinz-Dieter Pohl), die Corona-Pandemie (Michael Esfeld), die Klimapolitik (Fritz Vahrenholt), die Einwanderung (David Engels), den Islam (Hartmut Krauss), den sogenannten Eurozentrismus (Ronald Asch) oder die politikwissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit Grenzen (Martin Wagener). Die Mischung aus Interviews, Essays und Erfahrungsberichten kann kein umfassendes systematisches Bild der Lage zeichnen, l\u00e4sst aber klar genug erkennen, dass die Einschr\u00e4nkung der akademischen Freiheit durch eine ideologiegetriebene Cancel Culture keineswegs ein Mythos ist.<br \/>\n&#8230; Alles vom 12.4.2023 von Till K\u00fcnzel bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/buecher\/wer-nicht-die-woke-agenda-unterstuetzt-wird-eingeschuechtert\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/buecher\/wer-nicht-die-woke-agenda-unterstuetzt-wird-eingeschuechtert\/<\/a><\/p>\n<p><em>Harald Schulze-Eisentraut\/Alexander Ulfig: <\/em><br \/>\n<em>Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. <\/em><br \/>\n<em>Wie die Cancel Culture den Fortschritt bedroht <\/em><br \/>\n<em>und was wir alle f\u00fcr eine freie Debattenkultur tun k\u00f6nnen. <\/em><br \/>\n<em>FBV, Hardcover, 256 Seiten, 25,00 \u20ac.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Netzwerk Wissenschaft seit Februar 2021<\/strong><br \/>\n<strong>Im Dienste der Wahrheit<\/strong><br \/>\nvon Paul Leonhard<br \/>\nWeil \u201eCancel Culture und Political Correctness die freie und kontroverse Debatte auch von Au\u00dfenseiterpositionen vielerorts an den Universit\u00e4ten zum Verschwinden gebracht\u201c haben, gr\u00fcndete sich im Februar 2021 das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit als Verein. Der Zusammenschlu\u00df von mehr als 600 Hochschullehrern und Wissenschaftlern setzt sich f\u00fcr ein freiheitliches Wissenschaftsklima ein: \u201eDarunter verstehen wir eine plurale von Sachargumenten und gegenseitigem Respekt gepr\u00e4gte Debattenkultur und ein institutionelles Umfeld, in dem niemand aus Furcht vor sozialen und beruflichen Kosten Forschungsfragen und Debattenbeitr\u00e4ge meidet.\u201c<br \/>\nAuch d\u00fcrfe niemand gezwungen werden, in wissenschaftlichen Publikationen, offizieller Korrespondenz, universit\u00e4ren Gremien und Internetauftritten, in Lehrveranstaltungen, akademischen Pr\u00fcfungen sowie in Bewerbungs-, Berufungs- und Akkreditierungsverfahren Formen geschlechterinklusiver Sprache zu verwenden. Niemandem d\u00fcrfe eine als geschlechterinklusiv deklarierte Sprache aufgen\u00f6tigt werden, die nicht den Regeln der deutschen Rechtschreibung entspricht.<br \/>\nDie \u201everfassungsrechtlich verb\u00fcrgte Freiheit von Forschung und Lehre soll unter moralischen und politischen Vorbehalt gestellt werden\u201c, beobachten die Netzwerker. Einzelne w\u00fcrden vor dem Hintergrund ihrer Weltanschauung und ihrer politischen Ziele beanspruchen, festlegen zu k\u00f6nnen, welche Fragestellungen, Themen und Argumente verwerflich sind. Damit werde der Versuch unternommen, Forschung und Lehre weltanschaulich zu normieren und politisch zu instrumentalisieren: \u201eWer nicht mitspielt, mu\u00df damit rechnen, diskreditiert zu werden. Auf diese Weise wird ein Konformit\u00e4tsdruck erzeugt, der immer h\u00e4ufiger dazu f\u00fchrt, wissenschaftliche Debatten im Keim zu ersticken.\u201c<br \/>\nGenau dem baut der Hamburger \u201eKodex\u201c jetzt vor, indem er vorschreibt, L\u00f6sungen f\u00fcr Konflikte im argumentativen Diskurs zu suchen. Studenten m\u00fcssen lernen, andere Positionen zu ertragen und sich mit ihnen auseinandersetzen, Dozenten dies vorleben. \u201eDie Universit\u00e4t h\u00e4lt deshalb den Freiraum kritischer Auseinandersetzung auch dort offen, wo die demokratische \u00d6ffentlichkeit aufgrund eingespielter \u00dcberzeugungen empfindlich oder gar emp\u00f6rt auf Infragestellung reagiert.\u201c Der \u201eKodex Wissenschaftsfreiheit\u201c soll wie der bereits 2017 beschlossene \u201eKodex Religionsaus\u00fcbung\u201c im Leitbild der Universit\u00e4t verankert werden.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\">https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de<\/a><br \/>\n&#8230; Alles vom 11.2.2022 von Paul Leonhard bitte lesen in der JF 7\/22, Seite 16<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wissenschaftler unterst\u00fctzen Verfassungsschutz-Kritiker Wagener<\/strong><br \/>\nDer Politikprofessor Martin Wagener ist mit dem Inlandsgeheimdienst in Konflikt geraten, und ihm wurde Hausverbot an seiner Hochschule erteilt. Nun erh\u00e4lt er Unterst\u00fctzung vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit. Gutachten werden unter Verschluss gehalten.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nWagener, der seit 2012 an der Hochschule des Bundes lehrt, hat sich als scharfer Kritiker des Verfassungsschutzes einen Namen gemacht. Sowohl in der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung als auch in TE hat er auf fragw\u00fcrdige Praktiken des K\u00f6lner Amtes hingewiesen. In einem Gastbeitrag f\u00fcr die NZZ monierte er im August: \u201eDer Bundesverfassungsschutz l\u00e4sst sich politisch instrumentalisieren.\u201c Er solle das Grundgesetz sch\u00fctzen. In der Praxis \u00fcberschreite die Beh\u00f6rde aber regelm\u00e4\u00dfig ihr Mandat, wenn sie der Politik zu gefallen versucht, etwa beim <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/kampf-gegen-rechts\/\">\u201eKampf gegen rechts\u201c<\/a>. Das habe sich unter dem neuen VS-Pr\u00e4sidenten Thomas Haldenwang verschlimmert.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nWie Wagener auf seiner Homepage schreibt,<br \/>\nhttps:\/\/martin-wagener.org\/ hat inzwischen auch der Freiburger Rechtswissenschaftler Dietrich Murswiek ein Gutachten verfasst, in dem er zum Schluss komme, das Kulturkampf-Buch enthalte \u201ekeine verfassungsfeindliche Positionierung\u201c. Murswieks Analyse habe er den internen Stellen von VS und BND weitergeleitet. Auch der VWL-Professor Fritz S\u00f6llner (TU Ilmenau), Autor eines Buchs zur Migrationspolitik, sowie mehrere andere Professoren haben sich hinter Wagener gestellt. Der israelische Milit\u00e4rhistoriker Martin van Creveld nannte ihn in einem Aufsatz in der Welt <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus234939618\/Belarus-und-Gas-Europas-Krisen-erklaert-vom-kluegsten-Militaertheoretiker-der-Welt.html\">https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus234939618\/Belarus-und-Gas-Europas-Krisen-erklaert-vom-kluegsten-Militaertheoretiker-der-Welt.html<\/a><br \/>\nj\u00fcngst ostentativ \u201emeinen guten deutschen Freund\u201c.<\/p>\n<p>In einem offenen Brief an das VS-Amt f\u00e4hrt der am University College Dublin lehrende Mathematikprofessor Marcus Greferath schweres Gesch\u00fctz auf. Er nannte darin den Fall Wagener \u201everst\u00f6rend\u201c. Er sehe ein \u201eRisiko f\u00fcr die Freiheit von Forschung und Lehre\u201c im Allgemeinen. \u201eHinzu gesellt sich ein Problem mit der Sprache: Wer Begriffe wie Volk, Nation, Islamisierung, \u00dcberfremdung, und andere mehr im aktiven Vokabular f\u00fchrt, der steht in der Diskussion als vermeintlicher Rechtsradikaler bereits auf der moralisch benachteiligten Seite. Der Diskurs ist folglich nicht mehr herrschaftsfrei, er ist bedroht durch Sprech- und Denkverbote, nunmehr sogar durch Aktivit\u00e4ten und Eingriffe von Bundesbeh\u00f6rden. Zusammenfassend denke ich, dass in Deutschland einer nach politischem Ausdruck strebenden Opposition die Sprache genommen wird durch systematische Kontamination von Begrifflichkeiten. Dies erinnert mich an die Situation der Dissidenten der sp\u00e4ten DDR, die genau hier\u00fcber klagten!\u201c<\/p>\n<p>Martin Wagener selbst hat DDR-Vergleiche jedoch stets von sich gewiesen und betont, dass er die Bundesrepublik als einen funktionierenden Rechtsstaat und Demokratie ansieht, deren freiheitlich-demokratische Grundordnung er stets verteidigt habe.<br \/>\nDass der 51-J\u00e4hrige sich vom Verfassungsschutzamt aber nicht einsch\u00fcchtern l\u00e4sst, beweist er in der neuesten Folge seines Podcasts, die bei Youtube zu h\u00f6ren ist. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OgMBGthpKqI\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OgMBGthpKqI<\/a><br \/>\nDarin betont er, dass das Vorgehen des VS \u2013 er nennt das den \u201eGegenschlag\u201c \u2013 gegen ihn politisch motiviert sei. Abermals \u00fcbt er scharfe Kritik an dem K\u00f6lner Amt.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.11.2021 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/daili-es-sentials\/unterstuetzung-fuer-verfassungsschutz-kritiker\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/daili-es-sentials\/unterstuetzung-fuer-verfassungsschutz-kritiker\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Website: <a href=\"https:\/\/martin-wagener.org\/\">https:\/\/martin-wagener.org<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Netzwerk Wissenschaftsfreiheit zur Causa Verfassungsschutz \/ Martin Wagener<\/strong><br \/>\nPressemitteilung, 12. November 2021<br \/>\nAuch wenn wir es ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfen, dass das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz seine gesetzlichen Aufgaben gegen\u00fcber verfassungsfeindlichen Bestrebungen (ob rechts-\/ linksextremistischer oder islamistischer Art) ernst nimmt, so sehen wir mehrheitlich das aktuelle Vorgehen gegen Martin Wagener mit einer gewissen Sorge. Zwar ist es nachvollziehbar, dass bei sicherheitsrelevanten Daten eine besondere Wachsamkeit angezeigt ist. Dennoch darf jedenfalls ein Eingriff in die Freiheit der Lehre nur auf verfassungsfeindliche Tendenzen, nicht auf wissenschaftliche Kritik an der Beh\u00f6rde allein, wie sie j\u00fcngst von Wagener ge\u00e4u\u00dfert wurde, gest\u00fctzt werden. Wir erwarten angesichts des hohen Stellenwerts der grundrechtlich garantierten Wissenschaftsfreiheit ein sorgf\u00e4ltiges und nachvollziehbares Handeln der Beh\u00f6rde.<br \/>\n&#8230; Alles vom 12.11.2021 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\/presse\/pressemitteilungen\/\">https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\/presse\/pressemitteilungen\/<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Gr\u00fcndung des Netzwerks Wissenschaftsfreiheit<\/strong><br \/>\n<strong>Die Einsch\u00fcchterungen parieren &#8211; Gegen Konformit\u00e4tsdruck und \u201eCancel Culture\u201c<\/strong><br \/>\nTill Kinzel<br \/>\nDa\u00df es um die deutsche Universit\u00e4t nicht gut bestellt ist, pfeifen die Spatzen von den D\u00e4chern. Vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist der Einflu\u00df politisch korrekter Denkweisen mit den H\u00e4nden zu greifen. Forschung in den besonders ideologieanf\u00e4lligen Bereichen Genderstudien und Migrationswissenschaft ist leider oft nur scheinbar Forschung \u2013 in Wirklichkeit handelt es sich vielfach um Versuche, politischen Aktivismus an den Hochschulen und Forschungsinstituten auszuleben, eine gesellschaftspolitische Agenda durchzusetzen. Auch in den gegenw\u00e4rtigen Dekolonisierungs- und Antirassismuskampagnen legt sich politisch korrekter Mehltau auf Wissenschaft und Forschung, aber auch die popul\u00e4rwissenschaftliche Publizistik.<\/p>\n<p>Bisher gab es wenig Gegenwehr. Dies \u00e4ndert sich jetzt vielleicht \u2013 jedenfalls hat sich nun am 3. Februar erstmals nach langer Zeit wieder eine Gruppe von Professoren und Dozenten als \u201eNetzwerk Wissenschaftsfreiheit\u201c zusammengeschlossen. Der Sache nach kn\u00fcpft das Netzwerk mit seinem Manifest (siehe Webseite <a href=\"https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\">https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de<\/a>) an fr\u00fchere Organisationen wie den Bund Freiheit der Wissenschaft an, die sich einer Ideologisierung der Hochschulen im Gefolge der 68er Jahre widersetzten.<\/p>\n<p>Die Sprecherin des Netzwerks, die Schw\u00e4bisch-Gm\u00fcnder Sozialwissenschaftlerin Sandra Kostner, die durch ihre Analyse der linken L\u00e4uterungsagenda bekannt geworden ist, greift wichtige Punkte auf, wenn sie beschreibt, was gegenw\u00e4rtig an den deutschen Hochschulen schiefl\u00e4uft: Sie wei\u00df, welche Rolle der Vorwurf der \u201eKontaktschuld\u201c spielt, wie weltanschauliche Gegner eben nicht das offene argumentative Gespr\u00e4ch suchen, sondern hintenherum bei Vorgesetzten intervenieren, wie mittels eines \u201emoralischen Furors\u201c abweichende Meinungen stigmatisiert werden.<\/p>\n<p>Und obwohl es etliche prominente dokumentierte F\u00e4lle gibt, wie der Siegener Philosoph Dietrich Sch\u00f6necker betonte, der durch seine Einladungen von Vortragenden wie Thilo Sarrazin oder Marc Jongen einschl\u00e4gige Erfahrungen sammeln konnte, ist es oft wahr, da\u00df man nicht zeigen k\u00f6nne, wer von der beklemmenden Atmosph\u00e4re wirklich betroffen ist.<br \/>\nWie Kostner auf der (digital durchgef\u00fchrten) Pressekonferenz mitteilte, w\u00fcrden die allermeisten, vielleicht drei Viertel, derjenigen, die ihr von ihren pers\u00f6nlichen F\u00e4llen erz\u00e4hlten, zugleich um Vertraulichkeit bitten. Die Angst vor \u201eKonsequenzen\u201c, wie abgelehnte F\u00f6rdermittel, Blockade der Karriere oder eine Verweigerung der Kooperation, spielen dabei eine gro\u00dfe Rolle. Viele F\u00e4lle von Einschr\u00e4nkungen akademischer Freiheit bleiben so unter dem Radar und werden auch nicht skandalisiert; die Einschr\u00e4nkungen seien heute \u00fcberwiegend subtiler Natur. Aber eben das mache sie sogar gef\u00e4hrlicher als das, was man an spektakul\u00e4ren F\u00e4llen sehen kann.<\/p>\n<p>Ein Indiz daf\u00fcr, wie sehr die Angst vor der Stigmatisierung grassiert, kann auch sein, wer sich alles von allen \u00f6ffentlichen Debatten jeder Art fernh\u00e4lt \u2013 oder wer von vornherein davon absieht, als kontrovers angesehene Gastredner \u00fcberhaupt einzuladen. All das hat eine hemmende Wirkung auf gelebte Wissenschaftsfreiheit, eine Wirkung allerdings, die von bestimmten Leuten auch gew\u00fcnscht wird. Denn die Politisierung der Wissenschaft ist insbesondere f\u00fcr manche \u201eGatekeeper\u201c wichtig, also etwa die Gutachtergremien, die \u00fcber die Vergabe von Forschungsf\u00f6rderungsmitteln entscheiden.<\/p>\n<p>Verschiedene Mitglieder des Netzwerkes brachten Beispiele f\u00fcr die Art und Weise, wie akademische Freiheit heute in Frage gestellt wird. Der Bielefelder Althistoriker Uwe Walter nannte die ber\u00fcchtigte M\u00fcnsteraner Resolution des Historikerverbandes als Beispiel einer gleichsam offiziellen Stellungnahme, die inhaltliche Bewertungen festzuschreiben suchte \u2013 ein Unding, zugleich aber ein schlagendes Beispiel f\u00fcr den \u00fcberbordenden \u201eZwang zum Politischen\u201c, den der Ethnomusikologe Ulrich Morgenstern mit Verweis auf eine Solidarit\u00e4tsadresse eines internationalen Fachverbandes f\u00fcr die linksextreme \u201eBlack Lives Matter\u201c-Bewegung konstatierte.<\/p>\n<p>Der Mainzer Historiker Andreas R\u00f6dder nannte Resolutionen und Selbstverpflichtungen, die nur die Spitze eines Eisbergs seien, der sich schon darunter angeh\u00e4uft habe. Er sprach pr\u00e4gnant von einem \u201eProze\u00df der Selbstkonformisierung\u201c der Wissenschaftler, wo nat\u00fcrlich wirklich der Hase im Pfeffer liegt. R\u00f6dder stellte auch heraus, da\u00df die Forschungsfreiheit auch durch das System der \u201eunternehmerischen Universit\u00e4t\u201c in Deutschland unter Druck geraten sei. Denn Abh\u00e4ngigkeit von Drittmitteln z\u00fcchte eben jene Selbstkonformisierung durch Anpassung.<br \/>\nSelbst in medizinischen Forschungsantr\u00e4gen wird schon auf unterster Ebene eine Normierung erzeugt, wenn die Antragsteller eifrig alles mit Gendersternchen schreiben, in der wohl begr\u00fcndeten Erwartung, andernfalls w\u00fcrde man ihren Antrag abschl\u00e4gig bescheiden. Zu den Einschr\u00e4nkungen geh\u00f6rt also auch die vorauseilende Unterwerfung etwa unter die Gendersprache \u2013 im Wissen darum, da\u00df die Verweigerung der \u201eGenderisierung\u201c von Texten und Vorlesungen von Seiten der Studenten und sogar Kollegen auf massive Kritik sto\u00dfen kann, wie der Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel berichtete.<\/p>\n<p>Das neue Netzwerk spielt mit offenen Karten und nennt auf seiner Webseite die Namen der Mitglieder \u2013 eine bewu\u00dfte Entscheidung daf\u00fcr, Gesicht zu zeigen und sich nicht l\u00e4nger zu verstecken. Das kann Mut machen \u2013 und es steht zu hoffen, da\u00df daraus eine st\u00e4rkere Dynamik erw\u00e4chst. Es sollte jedenfalls entschieden gegen den erwartbaren Vorwurf angegangen werden, so der Berliner Historiker J\u00f6rg Baberowski, es handele sich bei dem Netzwerk wieder nur darum, eine angebliche Deutungshoheit alter wei\u00dfer M\u00e4nner zu erhalten. Das aber ist ein Mythos; denn eine solche Deutungshoheit gebe es nicht einmal unter den Historikern eines Fachgebietes. Die Berufung auf Argumente und deren Plausibilit\u00e4t d\u00fcrfe nicht durch solche politische Stigmatisierungen unterminiert werden.<\/p>\n<p>Zentrales Ziel des Netzwerkes ist die Aushebelung der einsch\u00fcchternden psychologischen Wirkung von Ausgrenzungen, wenn den betroffenen Kollegen wieder einmal niemand beispringt \u2013 weil man ja selbst in den Sog der Etikettierung als \u201eumstritten\u201c hineingezogen werden k\u00f6nnte. Hier wird das Netzwerk eine n\u00fctzliche Funktion \u00fcbernehmen k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Vor allem aber mu\u00df selbstbewu\u00dft die umfassende Freiheit von Forschung und Lehre in Anspruch genommen und ebenso offensiv wie sichtbar nach au\u00dfen getragen werden.<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 12.2.2021 bitte lesen in der JF 7\/21, Seite 19<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Netzwerk Wissenschaftsfreiheit<\/strong><br \/>\nDas \u201eNetzwerk Wissenschaftsfreiheit\u201c ist am 3. Februar mit einer Presseerkl\u00e4rung und einer virtuellen Pressekonferenz an die \u00d6ffentlichkeit getreten. Zuvor hatten sich 70 Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum und unterschiedlichen akademischen Disziplinen zusammengeschlossen, die namentlich auf der Internetseite des Netzwerks aufgef\u00fchrt sind. Die gro\u00dfe Mehrheit der Teilnehmer hat einen Lehrauftrag an bundesdeutschen Universit\u00e4ten, vier lehren in der Schweiz, f\u00fcnf in \u00d6sterreich. Mit dem Theologen Ingolf Dalferth (Claremont) und dem Germanisten Russell Berman (Stanford) sind auch zwei an der US-Westk\u00fcste lehrende Wissenschaftler vertreten. Neben mehreren Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern sind zudem zwei Informatiker, zwei Musikwissenschaftler und zwei Biologen mit von der Partie. Die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit sind allerdings Geisteswissenschaftler.<\/p>\n<p>Unter ihnen wiederum sind Historiker eine der signifikanten Gr\u00f6\u00dfen. Vielleicht ist es auch kein Zufall, da\u00df sich mit Peter Hoeres (W\u00fcrzburg) und Dominik Geppert (Potsdam) die beiden Historiker im \u201eNetzwerk Wissenschaftsfreiheit\u201c engagieren, die bereits 2018 gegen \u201eGruppendruck und Bekenntniszwang\u201c publizistisch mobil machten (FAZ vom 12. Oktober 2018). Diesen beklagten sie in der Verabschiedung einer politisch einseitigen Resolution ihres Verbandes ohne Debatte und per Akklamation auf dem Historikertag im selben Jahr (JF 43\/18).<br \/>\nIhnen sprang damals auch Andreas R\u00f6dder (Mainz) zur Seite, der die \u201eResolution stellvertretend f\u00fcr die Diskurskultur innerhalb der bundesdeutschen Historikerschaft\u201c brandmarkte, in der durch \u201eMoralisierung\u201c etablierte Wissenschaftler unter Apologieverdacht gerieten. R\u00f6dder steht nun in der \u201eSteuerungsgruppe\u201c dem Netzwerk vor, zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Ulrike Ackermann (Frankfurt\/Main), der Philosophin Maria-Sibylla Lotter (Bochum) und dem Juristen Martin Nettesheim (T\u00fcbingen).<\/p>\n<p>Die Sprecherin des Netzwerks, die Soziologin Sandra Kostner (Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd), hatte bereits vor Jahren in der Frage der Identit\u00e4tskonflikte mit dem Islam die Mechanismen der \u201eCancel Culture\u201c kennengelernt. Wegen ihrer Forderungen, da\u00df \u201eGerichte, Politik und staatliche Institutionen darauf reagieren m\u00fcssen, da\u00df der politisch-identit\u00e4re Islam das Grundrecht auf Religionsfreiheit mi\u00dfbrauche\u201c, \u00e4chtete die Stuttgarter Zeitung 2019 Kostner flugs als \u201eBoris Palmer unter den Migrationsforschern\u201c. Derartigen Polarisierungen waren andere Netzwerk-Mitglieder wie J\u00f6rg Baberowski (Berlin) oder Egon Flaig (Rostock) in Anbetracht gr\u00f6lender und Psychoterror aus\u00fcbenden Antifa-Gruppen an ihren Universit\u00e4ten sogar in viel st\u00e4rkerer Form ausgesetzt.<\/p>\n<p>Solchen Versuchen entgegenzuwirken, die wissenschaftliche Arbeit von Hochschulangeh\u00f6rigen einzuschr\u00e4nken, ist eines der formulierten Ziele im Manifest. Ebenso wie die Forderung einer Debattenkultur \u201efrei von Sorgen vor moralischer Diskreditierung, sozialer Ausgrenzung oder beruflicher Benachteiligung\u201c sind diese Absichtsbekundungen allerdings nur schwer durchzusetzen oder gar einklagbar. \u201eWir bestehen darauf, da\u00df Debatten von gegenseitigem Respekt gepr\u00e4gt sind und Ad-hominem-Argumente unterbleiben\u201c \u2013 solche Beschw\u00f6rungen klingen in diesem Kontext beinahe hilflos.<\/p>\n<p>Interessanter sind die angek\u00fcndigten Aktivit\u00e4ten. So beabsichtigt das Netzwerk, F\u00e4lle von Einschr\u00e4nkung der Forschungs- und Lehrfreiheit offenzulegen und sogar \u201eGegenstrategien\u201c zu entwickeln. Ferner sollen Debattenformate organisiert werden, in denen \u201em\u00f6glichst viele Perspektiven in einem offenen intellektuellen Klima ausgetauscht werden\u201c. Vielleicht ist es auch den Bedingungen der Corona-Pandemie geschuldet, da\u00df in der Programmvorschau des Netzwerkes \u201enoch keine Veranstaltungen gelistet\u201c sind<br \/>\nDennoch kann das Netzwerk einer der wesentlichen Waffen der \u201eCancel Culture\u201c entgegenwirken: Fortan soll der Umstand bek\u00e4mpft werden, da\u00df \u201edenjenigen, die ins Visier des ideologischen Aktivismus geraten, wegen des Risikos, selbst zur Zielscheibe zu werden, niemand beispringt\u201c. Solidarisch will das Netzwerk k\u00fcnftig \u201edie Kolleginnen und Kollegen sowie all diejenigen unterst\u00fctzen, die sich Angriffen auf ihre Wissenschaftsfreiheit ausgesetzt sehen\u201c. (b\u00e4)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de\">https:\/\/www.netzwerk-wissenschaftsfreiheit.de<\/a><br \/>\n.<br \/>\n&#8230; Alles vom 12.2.2021 bitte lesen in der JF 7\/21, Seite 19<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Bildung\u00a0&gt;Universitaet &gt;Hochschulen &gt;Wissenschaftsfreiheit &nbsp; Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Bibliothek des Konservatismus (BdK): K\u00fcndigung durch GBV (28.11.2025) William F. 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