{"id":80723,"date":"2020-05-08T22:17:06","date_gmt":"2020-05-08T20:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=80723"},"modified":"2025-05-19T21:39:32","modified_gmt":"2025-05-19T19:39:32","slug":"osteuropa-8-mai-1945","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/osteuropa-8-mai-1945\/","title":{"rendered":"Osteuropa-8-Mai-1945"},"content":{"rendered":"<p>ddd<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_78614\" style=\"width: 646px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/buerger\/feldberg-wilhelmertal-pan200122\/\" rel=\"attachment wp-att-78614\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-78614\" class=\"size-full wp-image-78614\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/feldberg-wilhelmertal-pan200122.jpg\" alt=\"Blick vom Schauinsland \u00fcbers neblige St.Wilhelmertal zum Feldberg am 24.1.2020\" width=\"636\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/feldberg-wilhelmertal-pan200122.jpg 636w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/feldberg-wilhelmertal-pan200122-180x94.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 636px) 100vw, 636px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-78614\" class=\"wp-caption-text\">Blick vom Schauinsland \u00fcbers neblige St.Wilhelmertal zum Feldberg am 24.1.2020<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li>Stadt der Gegens\u00e4tze: Wer Ostdeutschland verstehen will, muss nach G\u00f6rlitz (17,5,2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/\">\u201eDokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung\u201c er\u00f6ffnet<\/a>\u00a0(2.7.2021)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/osteuropa\/\">Bleiben Sie, wie Sie sind \u2013 Arnold Vaatz!<\/a>\u00a0(29.2.2021)<\/li>\n<li><a title=\"Vertriebene\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/\">Vertriebene vor 70 Jahren am 5.8.1950: \u201eWir verzichten auf Rache und Vergeltung<\/a>\u201c (7.8.2020)<\/li>\n<li>Der Osten: Eine 75-j\u00e4hrige Geschichte des Vergessens (8.5.2020)<\/li>\n<li><a title=\"1945Mai8\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/1945mai8\/\">Hubertus Knabe: Auf die Opferseite der Geschichte schummeln<\/a> (8.5.2020)<\/li>\n<li>Zwei Leserzuschriften zum 8. Mai als Feiertag &#8222;Tag der Befreiung&#8220; (8.5.2020)<\/li>\n<li>Klonovsky: Zum Vorschlag, den 8. Mai als &#8222;Tag der Befreiung&#8220; zum gesetzlichen Feiertag zu deklarieren (6.5.2020)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a title=\"1945Mai8\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/1945mai8\/\">1945Mai8<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Auschwitz1945-2020\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/auschwitz1945-2020\/\">Auschwitz1945-2020<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deutsche-Geschichte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">Deutsche Geschichte<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deutsche-Kultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-kultur\/\">Deutsche Kultur<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deutschland-verrecke\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-verrecke\/\">Deutschland verrecke<\/a><\/li>\n<li><a title=\"DDR\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\">DDR<\/a><\/li>\n<li><a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">EU<\/a><\/li>\n<li><a title=\"EU-Reform\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-reform\/\">EU-Reform<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Faschismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/faschismus\/\">Faschismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Grundgesetz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/grundgesetz\/\">Grundgesetz<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Konservativismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/konservativismus\/\">Konservativismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Leitkultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/leitkultur\/\">Leitkultur<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Mauerfall1989\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/mauerfall1989\/\">Mauerfall1989<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Merkel-Deutschland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/merkel-deutschland\/\">Merkel-Deutschland<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Nation\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/\">Nation<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/osteuropa\/\">Osteuropa<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Polen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/polen\/\">Polen<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Unterwerfung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/unterwerfung\/\">Unterwerfung<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Vertriebene\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/\">Verriebene<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Visegrad\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/visegrad\/\">Visegrad<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Volk\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/volk\/\">Volk<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stadt der Gegens\u00e4tze: Wer Ostdeutschland verstehen will, muss nach G\u00f6rlitz<\/strong><br \/>\nIn G\u00f6rlitz treffen Mittelalter, NS-Vergangenheit und DDR-Geschichte aufeinander. Auch die H\u00f6hen und Tiefen der Wiedervereinigung pr\u00e4gen die Stadt bis heute.<br \/>\nFaszinierend und schroff zugleich. Kaum eine andere deutsche Stadt vereinigt so viele Gegens\u00e4tze, Kontraste in sich wie die Stadt an der Nei\u00dfe. Das liegt nicht nur an den eindrucksvollen Geb\u00e4uden, sondern auch an der unbew\u00e4ltigten Vergangenheit des 20. Jahrhunderts, welche G\u00f6rlitz <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/goerlitz\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/goerlitz<\/a> derzeit besonders stark in den Fokus r\u00fcckt.<br \/>\nBedr\u00fcckend ist er, der G\u00f6rlitzer Bahnhof. Wer vom schmalen Bahnsteig die Treppen in den Bereich des Bahnhofs hinabsteigt, betritt eine d\u00fcstere, beengte Betonanlage, bevor er sich seinen Weg in Richtung Altstadt oder S\u00fcdvorstadt bahnt. Die angespannten Gesichter zumeist \u00e4lterer Einheimischer, die es kaum erwarten k\u00f6nnen, in den Zug zu steigen, treffen an der oberen Berliner Stra\u00dfe \u2013 die fr\u00fcher Adolf-Hitler-Stra\u00dfe hie\u00df \u2013 auf meist gleichg\u00fcltige, oft aber auch freundliche Mienen orientalischer Lebensmittelh\u00e4ndler und Kebab-Verk\u00e4ufer, die dort heute das Stra\u00dfenbild pr\u00e4gen.<br \/>\nWeiter \u00f6stlich in Richtung Postplatz wandelt sich das Publikum: Um die zahlreichen Gesch\u00e4fte tummeln sich alte, mittelalte und junge G\u00f6rlitzer, der Anteil polnisch sprechender Menschen steigt un\u00fcberh\u00f6rbar. Sp\u00e4testens am legend\u00e4ren Jugendstil-Kaufhaus G\u00f6rlitz am Demianiplatz dominieren zunehmend gut situierte Touristen der Boomer-Generation, h\u00e4ufig aus ganz Sachsen, dem benachbarten Brandenburg oder den alten Bundesl\u00e4ndern, nicht selten mit famili\u00e4ren Wurzeln in G\u00f6rlitz oder dem schlesischen Umland.<br \/>\nViele von ihnen sind auf biografischer Spurensuche. Nach 1945\/46 wurden ihre Eltern oder Gro\u00dfeltern aus Schlesien oder direkt aus der \u00f6stlichen G\u00f6rlitzer Stadtseite \u2013 dem heutigen Zgorzelec, einst Heimat des legendenumwobenen ersten deutschen Philosophen Jacob B\u00f6hme \u2013 vertrieben. Dabei gelangten sie in die fast unzerst\u00f6rte, aber seinerzeit v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllte und vom Mangel gepr\u00e4gte Weststadt. Manche blieben, die meisten aber zogen weiter nach Sachsen, Th\u00fcringen oder in die britische beziehungsweise amerikanische Besatzungszone.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nViele G\u00e4ste aus Frankfurt am Main, Bremen oder Heilbronn haben auch noch die fr\u00fche DDR in G\u00f6rlitz erlebt \u2013 h\u00e4ufig flohen die Eltern mit ihnen im Zuge des Aufstands vom 17. Juni 1953 oder im Kontext des Mauerbaus um den 12. August 1961. Sie flohen aus der zur Grenzstadt gewordenen, neben Dresden vielleicht sch\u00f6nsten deutschen Stadt, deren historische Geb\u00e4ude den Besucher auf eine fast l\u00fcckenlose Zeitreise vom Hochmittelalter bis zum Art d\u00e9co mitnehmen. Dorthin passt die \u201erealsozialistische\u201c Architektur \u2013 zum Gl\u00fcck \u2013 so gar nicht, und G\u00f6rlitz wird von ihr auch nur am Stadtrand umschlossen.<br \/>\n&#8230;.<br \/>\nWer Ostdeutschland verstehen will, wer viele der Probleme der Berliner Republik im 21. Jahrhundert nachvollziehen will, hat in G\u00f6rlitz die Chance dazu. Denn die Stadt ist kein \u00fcberdimensionales, fast chronologisches Freiluftmuseum vom 12. bis zum 20. Jahrhundert, sondern ein faszinierender Ort, dessen Biografie eben nicht mit dem \u201eEnde der Geschichte\u201c (1989\/1991) abschlie\u00dft. Wie unter einem Brennglas verdichten sich in G\u00f6rlitz auch die H\u00f6hen und Tiefen der deutschen Wiedervereinigung der letzten 35 Jahre sowie der ihr vorausgehenden kalten und hei\u00dfen Kriege. Vielleicht ist es genau diese Verdichtung von Vergangenheit und Gegenwart, die G\u00f6rlitz so einzigartig macht \u2013 Bahnhof hin oder her.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.5.2025 von Sven Brajer bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/open-source\/stadt-der-gegensaetze-wer-ostdeutschland-verstehen-will-muss-nach-goerlitz-li.2323282\">https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/open-source\/stadt-der-gegensaetze-wer-ostdeutschland-verstehen-will-muss-nach-goerlitz-li.2323282<\/a><\/p>\n<p><em>Sven Brajer ist promovierter Historiker und freier Journalist. Er lebt und arbeitet in Berlin und G\u00f6rlitz. 2023 ver\u00f6ffentlichte er das Buch: \u201eDie (Selbst)Zerst\u00f6rung der deutschen Linken: Von der Kapitalismuskritik zum woken Establishment\u201c im Promedia-Verlag.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Osten: Eine 75-j\u00e4hrige Geschichte des Vergessens<\/strong><br \/>\n<em>Kants Kategorischer Imperativ, <\/em><br \/>\n<em>Klein-Posemuckel als Sinnbild von Provinzialit\u00e4t, <\/em><br \/>\n<em>die von Oskar Troplowitz entwickelte Nivea-Creme, <\/em><br \/>\n<em>K\u00f6nigsberger Klopse, <\/em><br \/>\n<em>Schmorgurken auf schlesische Art, <\/em><br \/>\n<em>Tilsiter K\u00e4se, <\/em><br \/>\n<em>R\u00fcgenwalder Leberwurst, <\/em><br \/>\n<em>Echt Stonsdorfer Kr\u00e4uterlik\u00f6r, <\/em><br \/>\n<em>diverse Kinder- und Weihnachtslieder wie die Vogelhochzeit, <\/em><br \/>\n<em>Oh Tannenbaum, <\/em><br \/>\n<em>Schneefl\u00f6ckchen-Wei\u00dfr\u00f6ckchen oder <\/em><br \/>\n<em>Leise rieselt der Schnee<\/em><br \/>\n\u2013 eine alte Schatzkiste mit spontan zusammengew\u00fcrfelten Fundsachen, die alle einen gemeinsamen Ursprung haben: im ehemaligen deutschen Osten.<\/p>\n<p>All die seltsamen Namen, die ich als Kind in meiner Umgebung wahrnahm: Sobieraj hie\u00df die Religionslehrerin, Kaczmarek der Tante-Emma-Laden-Besitzer um die Ecke, Piontek der Handwerksmeister im Nachbarhaus, Thomalla die alte Kr\u00e4uterhexe, die uns mit schwerem \u00f6stlichen Akzent beschimpfte, wenn wir wieder einmal den Ball \u00fcber ihren Zaun geschossen hatten. Ich war fasziniert von den R\u00fcbezahl-Sagen, die mir als Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen wurden, doch als ich vorschlug, ins Riesengebirge zu fahren, bekam ich nur ein r\u00e4tselhaftes \u201eMomentan nicht m\u00f6glich!\u201c zur Antwort. Viel sp\u00e4ter fand ich heraus, dass fast die H\u00e4lfte meiner Freunde und Bekannten \u2013 ob mit oder ohne slawisch klingenden Nachnamen \u2013 ihre famili\u00e4ren Wurzeln jenseits von Oder und Nei\u00dfe hatten, dass aber nur wenige von ihnen N\u00e4heres \u00fcber diese Wurzeln wussten oder sich \u00fcberhaupt f\u00fcr sie interessierten.<\/p>\n<p>Warum liegt die alte Schatzkiste so tief vergraben? Eine Vermutung: Weil der historische Osten Deutschlands zusammen mit dem Nazireich unterging, wird er nur mit Krieg, Schuld und Leid assoziiert und ist im kollektiven Ged\u00e4chtnis der heutigen Deutschen hinter einer riesigen Wand aus Verdr\u00e4ngung verschwunden.<\/p>\n<p><strong><em>Nach Westen!<\/em><\/strong><br \/>\nIn zahlreichen Zeitungsartikeln zum 75. Jahrestag des Kriegsendes werden zwar die NS-Menschheitsverbrechen thematisiert, doch der auf dem Fu\u00df folgende Verlust eines Viertels des deutschen Staatsgebietes und die gr\u00f6\u00dfte ethnische S\u00e4uberung der j\u00fcngeren europ\u00e4ischen Geschichte (sowie die Installierung eines weiteren Viertels Deutschlands als sowjetischer Satellitenstaat) v\u00f6llig ignoriert, was den Eindruck erweckt, als h\u00e4tten die Deutschen den verlorenen Krieg eigentlich glimpflich \u00fcberstanden und als w\u00e4re ihr Hauptproblem in den vergangenen Jahrzehnten nur ein mentales gewesen: endlich einzusehen, dass der 8. Mai 1945 auch f\u00fcr sie ein reiner \u201eTag der Befreiung\u201c gewesen sei. Das ist eine stark \u201ewestbezogene\u201c Sichtweise, die sich ihrer Schlagseite nicht einmal bewusst ist.<\/p>\n<p>Denn 1945 ging zusammen mit dem Dritten Reich auch der Osten Deutschlands unter, in einer Apokalypse biblischen Ausma\u00dfes: Das Land wurde in weiten Teilen verw\u00fcstet, seine Bewohner \u2013 soweit sie nicht vorher gefl\u00fcchtet oder umgekommen waren \u2013 vertrieben, seine Geschichte von den Siegern ausgel\u00f6scht. Dies festzustellen, ist keine \u201eAufrechnung\u201c oder \u201eRelativierung\u201c, sondern beschreibt schlicht die Tatsachen, die allerdings nur in der Abfolge von Ursache und Wirkung verst\u00e4ndlich werden: Der Vernichtungskrieg, den Hitlerdeutschland in Osteuropa gef\u00fchrt hatte, schlug mit Wucht auf seinen Urheber zur\u00fcck; dabei musste der Osten f\u00fcr ganz Deutschland b\u00fc\u00dfen. Dass dies verdr\u00e4ngt, vergessen oder ignoriert wird, \u00e4ndert nichts an der historischen Wahrheit.<\/p>\n<p>Der Kampf um die Seelower H\u00f6hen im April 1945 sei die blutigste Schlacht gewesen, \u201edie je auf deutschem Boden ausgetragen wurde\u201c, hei\u00dft es in verschiedenen Publikationen, wie auch von der dortigen Gedenkst\u00e4tte. Von 100.000 Gefallenen ist dort die Rede. Doch schon ab Januar 1945 r\u00fcckte die Rote Armee \u00fcber den damaligen Osten Deutschlands vor, trieb die panisch fl\u00fcchtende Zivilbev\u00f6lkerung vor sich her und zerrieb ihre Angriffsspitzen an zwar weit unterlegenen, aber dennoch meist bis zum Schluss k\u00e4mpfenden Verb\u00e4nden von Wehrmacht, Waffen-SS und Volkssturm. Viele der Schlachten hier \u2013 ob um Ostpreu\u00dfen und K\u00f6nigsberg, der Kampf um Hinterpommern, Ober- und Niederschlesien oder die Belagerung Breslaus \u2013 forderten teilweise deutlich mehr Opfer als der Kampf auf den Seelower H\u00f6hen. Allein im Kampf um Breslau starben 170.000 Zivilisten, 6.200 deutsche und 13.000 sowjetische Soldaten. Mit der Ausblendung der ehemaligen deutschen Ostgebiete aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis werden auch diese Opfer ausgeblendet, zu denen neben Hunderttausenden deutscher und sowjetischer Soldaten mindestens eine halbe Million deutscher Zivilisten z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Vor der sowjetischen \u201eWalze\u201c fl\u00fcchtete alles, was Beine hatte. Nach ersten Gr\u00e4ueltaten durch Rotarmisten an der ostpreu\u00dfischen Zivilbev\u00f6lkerung, die von der NS-Propaganda weidlich ausgeschlachtet wurden, flohen Millionen Menschen in den letzten noch fahrenden Z\u00fcgen, auf Ostseeschiffen, in Pferdewagen und zu Fu\u00df, immer nur in eine Richtung: so weit wie m\u00f6glich nach Westen, die sowjetischen Panzer immer im Nacken. Bis sie endlich dort anlangten, wo Amerikaner und Briten stehengeblieben waren. Die sp\u00e4teren Westzonen bildeten das Hauptsammelbecken f\u00fcr die Versprengten, Gefl\u00fcchteten und Vertriebenen des untergegangenen Reiches \u2013 insgesamt etwa 15 Millionen \u2013, mit denen die eingesessene Bev\u00f6lkerung fortan zusammenleben musste. Manche der neugegr\u00fcndeten Bundesl\u00e4nder \u2013 etwa Schleswig-Holstein \u2013 verdoppelten nahezu ihre Einwohnerzahl.<\/p>\n<p>Diese 15 Millionen waren die ersten \u201eGastarbeiter\u201c der jungen Bundesrepublik (und in geringerem Ma\u00dfe auch der DDR). Als (zwangsl\u00e4ufig) flei\u00dfige, bescheidene und billige Arbeitskr\u00e4fte trugen sie ma\u00dfgeblich zu Wiederaufbau und Wirtschaftswunder bei, ohne dass auch nur ein Hahn danach gekr\u00e4ht h\u00e4tte, welchen Diskriminierungen, Ausgrenzungen oder Ressentiments (\u201ePolacken!\u201c) sie ausgesetzt waren.<\/p>\n<p>Die 1949 gegr\u00fcndete Bundesrepublik erhob offiziell zwar den Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr ganz Deutschland (zun\u00e4chst noch in den Grenzen von 1937), doch ihre Menschen wollten verst\u00e4ndlicherweise neu anfangen, nach vorn schauen, nicht mehr zur\u00fcck. Die Verdr\u00e4ngung der Vergangenheit war gewisserma\u00dfen konstitutiv. Mitscherlichs \u201eUnf\u00e4higkeit zu trauern\u201c bezog sich nicht nur auf eine etwaige Mitschuld an den Naziverbrechen, die erst allm\u00e4hlich in ihrer ganzen Monstrosit\u00e4t ins allgemeine Bewusstsein drangen, sondern auch auf das erlittene eigene Leid. Beides zusammen bildete den Klo\u00df in der Kehle der letzten Kriegsgeneration und war verantwortlich f\u00fcr ihr bleiernes Schweigen.<\/p>\n<p><strong><em>Der Verlust des Ostens<\/em><\/strong><br \/>\nMit der neuen Grenzziehung an Oder und Lausitzer Nei\u00dfe wurde die Zeit sozusagen um neunhundert Jahre zur\u00fcckgedreht, zu den Anf\u00e4ngen deutscher wie polnischer Staatlichkeit, als etwa in derselben Region Piasten- und Ottonenreich aneinandergrenzten. So wurden im Ergebnis des von Hitler entfachten Krieges viele Jahrhunderte wechselvoller gemeinsamer Geschichte von Deutschen und Polen ausgel\u00f6scht. Dabei war die Abtrennung des deutschen Ostens mitnichten eine \u201egerechte Strafe\u201c f\u00fcr Vernichtungskrieg und Holocaust, sondern entsprang vor allem geostrategischen \u00dcberlegungen. \u00dcbrigens blieb m\u00f6glicherweise nur wegen der Vertreibung im Osten Millionen von Westdeutschen zwischen Wilhelmshaven und Aachen ein \u00e4hnliches Schicksal erspart, denn gewichtige holl\u00e4ndische Stimmen forderten als Wiedergutmachung auch die Annexion gro\u00dfer Teile Nordwestdeutschlands.<\/p>\n<p>Da die Sowjetunion den 1939 gem\u00e4\u00df dem Hitler-Stalin-Pakt annektierten \u00f6stlichen Teil Polens nicht zur\u00fcckgeben wollte, sollte der neue polnische Staat im Westen auf Kosten Deutschlands entsch\u00e4digt werden. Dass dies nicht nur bis zur Glatzer Nei\u00dfe mitten in Schlesien, sondern noch einmal zweihundert Kilometer weiter westlich geschah, hatte mit der Unwissenheit und Nachgiebigkeit der Westalliierten zu tun und entsprach den Maximalforderungen polnischer Nationalisten, die schon vor dem Ersten Weltkrieg die k\u00fcrzest m\u00f6gliche Grenzlinie zwischen Ostsee und Sudeten verlangt hatten. Als Draufgabe gab es auch noch die eigentlich westlich der Oder gelegene Hafenstadt Stettin, die bis in den Sommer 1945 hinein von deutschen Kommunisten verwaltet wurde. Stalins Kalk\u00fcl war es, durch die neue Grenze ewige Feindschaft zwischen Deutschen und Polen zu s\u00e4en und auf diese Weise den unsicheren Kantonisten Polen an sich zu binden. Formal betrachtet, blieb jedoch die endg\u00fcltige Festlegung der deutschen Ostgrenze einem zuk\u00fcnftigen Friedensvertrag vorbehalten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die kommunistischen Beh\u00f6rden in der weit nach Westen verschobenen Volksrepublik Polen verbliebene sowie nach Kriegsende zur\u00fcckgekehrte Deutsche aussiedelten (bis auf Oberschlesier und Masuren, die als \u201ezwangsgermanisierte\u201c Autochthone zum Teil bleiben durften) und alles daran setzten, s\u00e4mtliche Spuren der deutschen Vergangenheit in den \u201eWiedergewonnenen Gebieten\u201c auszumerzen, hielten in der Bundesrepublik Politiker Sonntagsreden f\u00fcr die Vertriebenen, so lange sie als W\u00e4hler interessant waren. Im Zuge der neuen Ostpolitik der siebziger Jahre galten ihre Verb\u00e4nde wegen ihres Festhaltens an der verlorenen Heimat mehr und mehr als St\u00f6renfriede und Ewiggestrige, bis sie schlie\u00dflich jede gesellschaftliche Bedeutung verloren<\/p>\n<p>Die Westbindung der Bundesrepublik, die Joschka Fischer in seiner Bilanz der 75 Jahre seit Kriegsende als historische Errungenschaft beschw\u00f6rt, weil sie Deutschland von seiner Mittellage erl\u00f6st habe, mit der es angeblich \u201enie umgehen konnte\u201c, trug dazu bei, dass der westliche Teilstaat dem Osten den R\u00fccken zukehrte, und zwar nicht nur den verlorenen Ostgebieten, sondern \u2013 je l\u00e4nger die deutsche Teilung andauerte \u2013 auch dem historischen Mitteldeutschland als neuem \u201eOsten\u201c. Und da sich die DDR in ihrem Bem\u00fchen um Abgrenzung von der BRD mittlerweile zur eigenst\u00e4ndigen \u201esozialistischen Nation\u201c erkl\u00e4rt hatte, betrachteten viele Bundesb\u00fcrger nun eben allein die Bundesrepublik als \u201eDeutschland\u201c.<\/p>\n<p>Als die beiden deutschen Staaten 1990 wiedervereinigt wurden, war die endg\u00fcltige Entscheidung \u00fcber den Status der ehemaligen Ostgebiete nur noch Formsache. Bei den 2+4-Verhandlungen erkannte Deutschland die Oder-Nei\u00dfe-Linie offiziell als seine Ostgrenze an. Abgehakt und erledigt. Warum also k\u00f6nnen wir die alte Kiste \u2013 zumal im Zeitalter einer grenzenlosen Europ\u00e4ischen Union \u2013 nicht lassen, wo sie ist: im Orkus der Geschichte, tief vergraben im kollektiven Unbewussten der Deutschen?<br \/>\nDie Wiederkehr des Verdr\u00e4ngten<br \/>\nEine Gruppe 15-j\u00e4hriger Berliner Sch\u00fcler im Austausch mit gleichaltrigen Polen in Masuren. Letztere fangen abends beim gemeinsamen Lagerfeuer an zu singen, erst polnische Lieder, dann sogar zwei extra einstudierte deutsche Volkslieder. Danach fordern sie ihre Berliner Altersgenossen auf, es ihnen nachzutun. Die Reaktion ist Schweigen. Peinlich ber\u00fchrt starren die Sch\u00fcler mitsamt ihren beiden Lehrern ins Feuer. Niemand kennt irgendein deutsches Lied. Der gem\u00fctliche Abend geht schnell zu Ende, Deutsche und Polen werden nicht warm miteinander.<\/p>\n<p>Auf einer Fete erz\u00e4hlt eine Frau von ihren multikulturellen Wurzeln. Sie sei auf keinen Fall \u201erein deutsch\u201c, denn ihre Gro\u00dfeltern stammten aus \u201eWrotzlaff\u201c (eigentlich Wroc\u0142aw, aber im Bem\u00fchen, deutsche Ortsnamen zu meiden, nehmen viele Deutsche leider gar keine R\u00fccksicht auf die polnische Sprache). \u201eMeinst du Breslau?\u201c, frage ich. \u201eNein, Wrotzlaff!\u201c \u2013 \u201eHaben sie denn Polnisch gesprochen?\u201c \u2013 \u201ePolnisch?\u201c, \u00fcberlegt die Frau. \u201eIch glaube nicht.\u201c<\/p>\n<p>Ein alter Mann reist per Bus mit einer Touristengruppe nach Danzig. Als sie am Frischen Haff Pause machen, sinniert er \u00fcber die Fl\u00fcchtlingstrecks, die hier im Januar 1945 ins Eis einbrachen. \u201eSo viele sind umgekommen\u2026\u201c Ein J\u00fcngerer zuckt die Achseln: \u201eDann h\u00e4tten sie eben nicht alle Hitler w\u00e4hlen d\u00fcrfen!\u201c<\/p>\n<p>Was haben diese s\u00e4mtlich nach 2004 \u2013 dem Jahr von Polens EU-Beitritt \u2013 datierten Situationen, denen ich aus eigenem Erleben Dutzende \u00e4hnliche hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnte, gemeinsam? Eine ersch\u00fctternde Unkenntnis der deutschen Geschichte wie auch der eigenen Familiengeschichte. Ein radikales Abgeschnittensein von den eigenen Traditionen und Br\u00e4uchen. Das krampfhafte Bem\u00fchen, sich \u201ekorrekt\u201c auszudr\u00fccken und zu verhalten. Und eine totale Empathielosigkeit, wenn es um das Leid von angeblichen \u201eNazis\u201c geht. Neudeutsche Entmenschlichung.<\/p>\n<p>\u201eDeutsche T\u00e4ter sind keine Opfer!\u201c Mit dieser dumpfen Totschlag-Parole br\u00fcllen linke Gruppen regelm\u00e4\u00dfig das Gedenken an Opfer des Bombenkrieges nieder oder st\u00f6ren Wiedersehenstreffen der allerletzten noch lebenden Vertriebenen. Wie bequem ist so ein schablonenhaftes Schwarz-Wei\u00df-Denken, wie geschichtsvergessen, gef\u00fchl- und geistlos! Waren die Alten, M\u00fctter und Kinder, die auf der Flucht erfroren oder von Panzern \u00fcberrollt wurden, wirklich alle \u201eT\u00e4ter\u201c und hatten \u201eHitler gew\u00e4hlt\u201c? Muss 75 Jahre nach Kriegsende das Unrecht, das Deutschen infolge der in deutschem Namen begangenen NS-Verbrechen zugef\u00fcgt wurde, immer noch krampfhaft beschwiegen werden, aus Angst, die Wahrheit k\u00f6nnte von den \u201eFalschen\u201c \u2013 von Neonazis, Rechtspopulisten, der AfD \u2013 instrumentalisiert werden? Wieviel Misstrauen gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung spricht aus einer solchen Angst, wieviel Unsicherheit sich selbst gegen\u00fcber?<\/p>\n<p><em><strong>Ignoranz und Kaltherzigkeit<\/strong><\/em><br \/>\nIm \u00dcbrigen waren hunderttausende von Deutschen aus dem Baltikum, Bessarabien und anderen Regionen Osteuropas, die Hitler gar nicht gew\u00e4hlt haben k\u00f6nnen und nach dem Hitler-Stalin-Pakt bereits 1940 kollektiv ihrer angestammten Heimat entrissen und ins besetzte Polen umgesiedelt wurden, ebenso Opfer der NS-Volkstumspolitik wie andere ethnische Gruppen. Und die Wolgadeutschen, die immerhin eine autonome Sowjetrepublik bewohnten, wurden 1941 von Stalin kollektiv der Kollaboration bezichtigt und in G\u00fcterz\u00fcgen nach Kasachstan und Sibirien deportiert, von wo sie nach 1989 mehrheitlich als Sp\u00e4taussiedler in die Bundesrepublik kamen \u2013 sehr zum Missfallen vieler dortiger Linker, die diese Art von Migranten wegen ihrer \u201eSpie\u00dfigkeit\u201c und \u201eHeimatverbundenheit\u201c ablehnten. Auch alles deutsche \u201eT\u00e4ter\u201c?<\/p>\n<p>Die verbreitete Ignoranz und Kaltherzigkeit denen gegen\u00fcber, die stellvertretend f\u00fcr das ganze Land die NS-Verbrechen geb\u00fc\u00dft und dabei ihre Heimat oder gar ihr Leben verloren haben, ist nur in den psychologischen Kategorien von Projektion und Verdr\u00e4ngung zu erkl\u00e4ren.<br \/>\nEine als Kleinkind aus Schlesien vertriebene pensionierte Lehrerin, die sich in einem zwielichtigen Verein f\u00fcr die Rechte der Pal\u00e4stinenser engagiert, aber fuchsteufelswild reagiert, als sie gefragt wird, ob ihr Engagement etwas mit der eigenen Kindheit zu tun haben k\u00f6nnte. Dieser \u00fcbereifrige Einsatz f\u00fcr die \u201evertriebenen\u201c Pal\u00e4stinenser, deren Vertriebenenstatus sich von Generation zu Generation weitervererbt und deren Nachkommen auch noch 74 Jahre nach der Gr\u00fcndung des Staates Israel in provisorischen Lagern hausen und sich von Extremisten instrumentalisieren lassen. Die pauschale Umetikettierung von Wirtschaftsmigranten aus aller Welt zu \u201eFl\u00fcchtlingen\u201c durch deutsche Politiker und Journalisten, wider besseres Wissen, aber offenbar getrieben von einem tiefen inneren Bed\u00fcrfnis.<\/p>\n<p>Kompensiert das \u00fcberbordende Mitleiden mit wildfremden Menschen aus fernen Kulturen die Unf\u00e4higkeit, um das verlorene Eigene zu trauern? Verbirgt sich dahinter die \u201eWiederkehr des Verdr\u00e4ngten\u201c? Der Autor und Maler Raymond Unger, der sich in seinen B\u00fcchern mit den \u201etransgenerationalen Traumata der Kriegsenkel\u201c besch\u00e4ftigt, stellt die These auf, gro\u00dfe Teile der Baby-Boomer-Generation, die heute in Deutschland den Ton angibt, seien aufgrund der \u201eNicht-Wahrnehmung des eigenen Schattens\u201c nicht erwachsen geworden, sondern verharrten im Zustand einer \u201emoralistischen Infantilisierung\u201c. Eine These, die kaum zu entkr\u00e4ften ist.<br \/>\n\u201eSchl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen\u201c<br \/>\n\u201eSchl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen, die da tr\u00e4umen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort\u201c, dichtete der Oberschlesier Eichendorff, der \u00fcbrigens auch flie\u00dfend Polnisch sprach. Wie lautet das Zauberwort? Vielleicht \u201eErinnerung\u201c. Vorausgesetzt, das Erinnern ist vollst\u00e4ndig und wird nicht aus ideologischen Gr\u00fcnden selektiv eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Um ein chronisch unbew\u00e4ltigtes Trauma verarbeiten zu k\u00f6nnen, muss man sich zun\u00e4chst einmal den Verlust bewusst machen, ihn betrauern k\u00f6nnen. Was wir als Deutsche (kollektiv) verloren haben, sind nicht nur besondere \u201eVolksst\u00e4mme\u201c und Dialekte, Landstriche sowie materielle und kulturelle G\u00fcter, sondern auch sprachlich-kulturelle Nachbarschaften, die allt\u00e4gliche Begegnung mit Polen, Litauern (an die heute noch Familiennamen wie Wowereit, Theweleit, Kurbjuweit etc. erinnern) und Tschechen. Deren jahrhundertelange Symbiose mit den Deutschsprachigen B\u00f6hmens und M\u00e4hrens wurde 1945 ebenfalls gewaltsam beendet. Nein, auch diese waren nat\u00fcrlich nicht alle \u201eT\u00e4ter\u201c, wie etwa das Beispiel der sudetendeutschen Sozialdemokraten zeigt, die von Anfang an im Widerstand gegen die Nazis gestanden hatten, aber trotzdem vertrieben wurden.<\/p>\n<p>Wenn wir dem Osten weiterhin den R\u00fccken zukehren, werden wir auch geistige Werte verlieren, wichtige Teile unserer Geschichte: die der Kreuzritter im Pruzzenland, die keineswegs so einseitig d\u00fcster ist, wie sie fr\u00fcher aus polnischer Sicht dargestellt wurde; die der deutschen Ostsiedlung, deren Verlauf zur Vermischung der oft von polnischen F\u00fcrsten ins Land gerufenen westf\u00e4lischen, fr\u00e4nkischen oder holl\u00e4ndischen Siedler mit den ans\u00e4ssigen Slawen und zur Gr\u00fcndung vieler St\u00e4dte nach Magdeburger Recht f\u00fchrte; der Aufstieg Preu\u00dfens zu einer europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht, die f\u00fcr damalige Ma\u00dfst\u00e4be fortschrittlich und tolerant gegen\u00fcber Minderheiten war, nicht denkbar ohne K\u00f6nigsberg oder die schillernde Pers\u00f6nlichkeit Friedrichs des Gro\u00dfen; das Breslau der Befreiungskriege oder das der modernen Architektur in der Weimarer Republik; nicht zuletzt die Adligen vom \u201eKreisauer Kreis\u201c, die ihren Widerstand aus Gewissensgr\u00fcnden gegen Hitler mit dem Leben bezahlten. Dies alles und noch viel mehr findet sich in der alten Schatzkiste.<\/p>\n<p>Die gewaltsame Verwandlung von deutschem in polnischen und russischen Boden und die damit verbundene Odyssee von Millionen Menschen hat unz\u00e4hlige Geschichten hervorgebracht, die ein extremes Spektrum menschlicher Erfahrungen abdecken, von unbeschreiblicher Grausamkeit und Tragik bis zu unverhofft erfahrener Hilfe und Mitmenschlichkeit, von lebenslanger Sehnsucht und Heimweh bis hin zu kraftvoll bew\u00e4ltigten Neuanf\u00e4ngen. Darunter sind sogar m\u00e4rchenhafte Romanzen wie die zwischen einer deutschen Fabrikantentochter und einem polnischen Neusiedler.<\/p>\n<p><em><strong>Mehr Neugier f\u00fcr die Wurzeln?<\/strong><\/em><br \/>\nDie meisten dieser Geschichten wurden nur im Familienkreis weitergegeben. Deshalb gibt es, abgesehen von Werken der Nachkriegsliteratur, in denen Autoren den Verlust ihrer Heimat verarbeiteten (Grass, Lenz, Surminski, Leonie Ossowski u.a.) nur wenige gute Romane (\u201eAltes Land\u201c von D\u00f6rte Hansen) oder Filme (der TV-Zweiteiler \u201eDie Flucht\u201c), die Sch\u00e4tze aus der alten Kiste gehoben haben. Was f\u00fcr ein weites Feld, welch reichhaltige Stoffe b\u00f6ten sich heutigen K\u00fcnstlern und Autoren, wenn sie ein wenig Interesse und Neugier aufbr\u00e4chten.<\/p>\n<p>Etwa f\u00fcr die \u00dcbergangszeit 1945 bis 1948, als Neusiedler \u2013 teils aus dem zerst\u00f6rten Zentralpolen, teils aus den von der Sowjetunion annektierten Gebieten \u2013 in den \u201eWilden Westen\u201c kamen und sich die H\u00e4user mit verbliebenen Deutschen teilen mussten, die erst nach und nach ausgesiedelt wurden, weil die Beh\u00f6rden sie noch als Fachkr\u00e4fte ben\u00f6tigten.<\/p>\n<p>Oder auch f\u00fcr mehr als drei Millionen Menschen im heutigen Deutschland, die in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 ganz im Gegensatz zu anderen Migrantengruppen \u2013 nur ein \u00e4u\u00dferst stiefm\u00fctterliches Dasein fristet: die Sp\u00e4taussiedler aus Polen, Rum\u00e4nien, Russland, der Ukraine oder Kasachstan. Was h\u00e4tten diese Menschen f\u00fcr aufregende Geschichten \u00fcber die von ihnen erlebten Schicksale zu erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p>Als nach 1989 die Kommunisten in Ostmittel- und Osteuropa nicht nur mit ihrem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, sondern auch mit dem Versuch gescheitert waren, Geschichte durch Sprach- und Denkverbote umzuschreiben, als in Nord- und Westpolen die Angst vor einer R\u00fcckkehr der Deutschen abgeklungen war und die Menschen sich sicher und heimisch f\u00fchlten, entfaltete sich dort ein doppeltes Interesse: erstens an den eigenen Wurzeln, die ebenfalls oft weit im Osten liegen. Endlich konnten die Nachkommen der Zuz\u00fcgler wieder \u00f6ffentlich die Erinnerung an ihre eigene verlorene Heimat in Lemberg oder Wilna pflegen.<br \/>\nZweitens an denen, die vor ihnen das Land gepr\u00e4gt hatten. Die neuen Bewohner \u00f6ffneten die alte Schatzkiste und vers\u00f6hnten sich mit der Vergangenheit. Sch\u00fcler erforschen die Geschichte ihrer Heimatorte. Im ostpreu\u00dfischen Allenstein\/ Olsztyn wurde die Borussia \u2013 Stiftung und Kulturgemeinschaft gegr\u00fcndet. Polnische Schriftsteller schreiben erfolgreiche Krimi-Serien mit Protagonisten aus dem Vorkriegs-Breslau. L\u00e4ngst werden Architekturdenkm\u00e4ler nicht mehr abgerissen, alte Inschriften nicht mehr weggemei\u00dfelt, sondern restauriert. Pers\u00f6nlichkeiten, die sich um ihre alte Heimat verdient gemacht haben, werden Ehrenb\u00fcrgerschaften verliehen, Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze nach ihnen benannt. Einige der Vertriebenen sind sogar als Rentner zur\u00fcckgekehrt, haben Polnisch gelernt und leben freundschaftlich mit ihren Nachbarn.<br \/>\nWenn auch wir Deutsche uns das Gestern wieder erschl\u00f6ssen, w\u00fcrden sich Herz und Sinne vielleicht auch mehr f\u00fcr das Heute \u00f6ffnen, f\u00fcr Szczecin, Wroclaw, Gdansk und Kaliningrad und ihre jetzigen Bewohner. Dann k\u00f6nnten wir vielleicht auch den letzten Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung, die damals Kinder waren und heute im Greisenalter sind, 75 Jahre nach Ende des Krieges den Respekt und die Aufmerksamkeit erweisen, die sie verdient haben.<br \/>\n&#8230; Alles vom 8.5.2020 von Oliver Zimski bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/der_osten_eine_75_jaehrige_geschichte_des_vergessens\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/der_osten_eine_75_jaehrige_geschichte_des_vergessens<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Oliver Zimski ist \u00dcbersetzer, Sozialarbeiter und Autor.<\/em><br \/>\n<em> 2015 erschien sein Kriminalroman \u201eWiosna \u2013 t\u00f6dlicher Fr\u00fchling\u201c.<\/em><br \/>\n.<br \/>\nEinige Kommentare:<br \/>\n<strong>Bravo!<\/strong><br \/>\nMeine 24 j\u00e4hrige Tochter geh\u00f6rt nat\u00fcrlich zur Generation \u201cDeutsche Geschichte besteht zu 100 % aus der NS Zeit\u201d Sie wird diesen famosen Artikel lesen.<br \/>\n8.5.2020, M.K., AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Schwer, aber auch heiter<\/strong><br \/>\nBin 1960 geboren &#8211; und die letzten Verbindungen in den Osten sind schon lange her. Aber dieser Text &#8211; puh &#8211; der ist schwer &#8230; und doch zugleich auch heiter.<br \/>\nSchwer &#8211; weil so vieles an Geschichte_n einfach verloren ist.<br \/>\nHeiter &#8211; weil Geschichte immer dazu da ist, entdeckt und gelebt zu werden &#8211; von wem auch immer.<br \/>\n8.5.2020, V.G.<\/p>\n<p><strong>Wir sollten die Opfer unseres eigenen Landes und Volkes nicht vergessen<\/strong><br \/>\n&#8211; die Gefallenen, die Vergewaltigten, die Deportierten, die Kriegsgefangenen, die Heimat-Vertriebenen, die Opfer der Bomben-N\u00e4chte, die Verbrannten, die Kriegs-Versehrten, die Verwaisten, die Allein-Gebliebenen und Vereinsamten. Sie alle bezahlten die \u2018deutsche Schuld\u2019 &#8211; nicht \u2018die\u2019 Nazis! Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker hatte in seiner wichtigen Rede am 8. Mai 1985 auch ausgef\u00fchrt: \u2018&#8230; niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden f\u00fcr viele Menschen mit der Befreiung erst begannen und danach folgten. &#8230;\u2019.<br \/>\nHeute, 35 Jahre nach dieser Rede, mu\u00df leider festgestellt werden, da\u00df dieses VERSPRECHEN &#8211; insbesondere mit Blick auf deutschlandweit Hundertausende vergewaltigte Frauen und M\u00e4dchen &#8211; gebrochen worden ist! Es mu\u00df m\u00f6glich sein, angemessen und in \u2018sensibler Sprache\u2019, welche dem Ernst dieses Themas verpflichtet ist, an das Leid dieser Menschen zu erinnern.<br \/>\nEs mu\u00df m\u00f6glich sein, da\u00df das Versprechen von Weizs\u00e4ckers endlich ernsthaft und glaubhaft und viel zu sp\u00e4t einzul\u00f6st wird! 16, 18 bzw. 21 j\u00e4hrige firmieren im heutigen Soziologen-Deutsch unter \u2018Heranwachsende\u2019, \u2018Jugendliche\u2019 und \u2018junge Menschen\u2019. Den damals Gefallenen gleichen Alters werden in unserem Land Gesten des Respekts und der Trauer VERWEIGERT.<br \/>\nIm Gegenteil &#8211; man \u2018greift ihnen mit geilen Sp\u00e4\u00dfen an die Ehre\u2019. Gleiches gilt f\u00fcr die Tr\u00fcmmerfrauen! Die Sch\u00e4ndung ihres M\u00fcnchener Denkmals durch die charakterlich deformierte gruene Spitzenpoliterin Katharina Schulze (Bayern) ist daf\u00fcr nur ein perfides (und menschlich besonders absto\u00dfendes) Beispiel.<br \/>\nDie \u00dcberlebenden sexualisierter Gewalt haben \u2018niemals irgendeine Form von Unterst\u00fctzung, Entsch\u00e4digung oder Gerechtigkeit erfahren\u2019! (Zitat Frau Dr. Monika Hauser; Gyn\u00e4kologin und Sprecherin der Frauenrechts-Organisation Mediaca Mondiale). Mu\u00df das Wort vom \u2018Tag der Befreiung\u2019 in ihren Ohren nicht wie Hohn klingen?<br \/>\n8.5.2020, W.D., AO<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Sehr geehrter Herr Zimski, haben Sie herzlichen Dank f\u00fcr Ihren heutigen Artikel!<\/strong><br \/>\nSie haben damit eine T\u00fcr bei mir aufgesto\u00dfen, die bereits einen Spalt breit offen war. Meine Mutter ist im Februar 1945 mit einem der letzten Z\u00fcge aus Oberschlesien abgereist- mit meiner Schwester, die 5 Jahre alt war- und zwei Koffern. Unser Vater war im Russlandfeldzug verschollen- er kam 1949 aus einem Kriegsgefangenenlager in Tiflis zur\u00fcck. ich wurde 1953 im Westen geboren- ich erinnere mich an all die Lieder, die Sie erw\u00e4hnen, an R\u00fcbezahl und das Steiger-Lied. Die Familie war auseinander gerissen, viele meiner Verwandten kenne ich nicht. Dort, wo ich geboren wurde, wuchs ich mit dem Gef\u00fchl auf : \u201cwir geh\u00f6ren nicht hierher\u201d. Meine Eltern hatten den etwas harten Akzent der Oberschlesier, und den Dialekt meiner Geburtsstadt habe ich nie gelernt. Erst jetzt, so ganz allm\u00e4hlich- und verst\u00e4rkt durch Ihren Artikel- wird mir bewu\u00dft, wieviel Schmerz in diesem Familienschicksal liegt. Eichendorff war und ist einer meiner Lieblingsdichter- \u201cAus der Heimat hinter den Blitzen rot\u201d&#8230; Ich wohne jetzt in Dresden und seltsam- das f\u00fchlt sich wie \u201czu Hause\u201d an. Ich danke Ihnen sehr!<br \/>\n8.5.2020, A.K.K.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Gemeinsame Sprache und literarische Sch\u00e4tze reichen nicht aus.<\/strong><br \/>\nDieses Land, vor 150 Jahren in eine &#8211; wie die Geschichte gelehrt hat &#8211; \u00e4usserst fragile und offenbar gegen seine von alters \u00fcberkommene Natur stehende Einheitsform gegossen, kann mit sich vermutlich genau deshalb nicht ins Reine kommen. Das zweite Reich war ein unruhiger Traum, das dritte ein Albtraum, die alte Bundesrepublik eine auf merkw\u00fcrdige Weise (und durch gewaltige Besatzungskontingente) stillgestellte Zeit und nun, da der Druck gewichen ist, wird offenbar, dass Restdeutschland als Nationalstaat sich nicht mehr erhalten kann: es m\u00f6chte ein internationaler Standort von vielen sein und in der imaginierten Weltgemeinschaft gleicher Produzenten und Konsumenten auf- und vergehen. Vielleicht sollten wir diesen geheimen Wunsch respektieren.<br \/>\n8.5.2020, K.D.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Exzellenter Artikel!<\/strong><br \/>\nDie Barbarei in den ehemals preu\u00dfisch-deutschen Ostprovinzen \u00fcbertraf in der Wirklichkeit die Goebbelssche Propaganda um ein Vielfaches. Wer zur Befreiung durch die Rote Armee mehr wissen will und starke Nerven mitbringt, lese die dreib\u00e4ndige Ausgabe: \u201eDie Vertreibung der deutschen Bev\u00f6lkerung aus den Gebieten \u00f6stlich der Oder-Neisse\u201c, herausgegeben vom ehemaligen Bundesministerium f\u00fcr Vertriebene, Fl\u00fcchtlinge und Kriegsgesch\u00e4digte, ISBN: 3893505474, Erscheinungsjahr 1995. Wohl noch billig gebraucht bei Amazon zu haben. Wenn ich mich recht entsinne, ging die umfangreiche Dokumentation auf eine Initiative Helmut Kohls zur\u00fcck. Die monokausale Erkl\u00e4rung f\u00fcr derart archaische Untaten, n\u00e4mlich verst\u00e4ndliche Vergeltung f\u00fcr selbst erduldetes Leid, greift kurz. Wer die Barbarei im Osten auf schlichte Rachsucht reduziert, wei\u00df wenig vom besonderen Zustand der Roten Armee. Von polnischen Truppen, die mit der Roten Armee nach Westen vorr\u00fcckten, sind systematisch kollektiv begangene Verbrechen nicht \u00fcberliefert, Gr\u00fcnde um Rache zu nehmen h\u00e4tte es genug gegeben. Die Gr\u00e4uel begrenzten sich auch nicht auf deutsches Ostterritorium, sondern nahmen bereits in Polen ihren Anfang. Tito entsandte seinen Berater Milojan Djilas nach Moskau, weil er die Entsetzlichkeiten der Roten Armee nicht mehr ertrug, was Stalin wenig interessierte. Selbst befreite sowjetische Zwangsarbeiter, der Prototyp war weiblich und minderj\u00e4hrig, fanden keine Gnade.<br \/>\n8.5.2020, D.R.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>\u00dcber den Verlust der Heimat im Osten zu trauern war zu keiner Zeit opportun.<\/strong><br \/>\nIn der unmittelbaren Nachkriegszeit hielt man tunlichst den Mund, um die \u201cGastgeber\u201d nicht zu ver\u00e4rgern, danach wollte man nicht mehr zugeben, in Behelfsbaracken gewohnt zu haben (wie ehemals Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler), danach bem\u00fchte man sich, es mit einer guten Ausbildung zu etwas zu bringen &#8230; und nun ist alles auf einem tiefen Meeresgrund verschlossen und darf nicht hervorgeholt werden. Noch dazu hat die linke Meinungsf\u00fchrerschaft \u00fcberhaupt kein Interesse daran, eine wie auch immer geartete \u201cIdentit\u00e4t\u201d zuzulassen. Keine Lieder, keine Fahne, keine Geschichte, Literatur nur, was ins Bild passt, Eichendorff geh\u00f6rt bestimmt nicht dazu, wenn \u00fcberhaupt, dann Expressionismus. Blo\u00df nichts Tr\u00f6stliches, nichts Sch\u00f6nes, keine Romantik, nicht mal Heinrich Heine. Diese L\u00fccke f\u00fcllt nun gesichtsloser, linker Kitsch von Konstantin Wecker, Herbert Gr\u00f6nemeyer und Bettina Wegner. Und k\u00fcnftig dann der Koran als neue Identit\u00e4t.<br \/>\n8.5.2020, Claudia M.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>&#8230; wo Europas Ostgrenze liege: \u201eAn Oder und Nei\u00dfe<\/strong><br \/>\nZitat: \u201eWas haben diese s\u00e4mtlich nach 2004 \u2013 dem Jahr von Polens EU-Beitritt \u2013 datierten Situationen, denen ich aus eigenem Erleben Dutzende \u00e4hnliche hinzuf\u00fcgen k\u00f6nnte, gemeinsam?\u201c \u2013 Da\u00df es noch schlimmer geht: Eine \u201eStudienstiftlerin\u201c (also eine Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, *der* F\u00f6rderungsinstitution f\u00fcr begabte Studenten) etwa im Jahr 2000 (zehn Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs!) auf die Frage, wo Europas Ostgrenze liege: \u201eAn Oder und Nei\u00dfe.\u201c Nat\u00fcrlich kam sie aus Westdeutschland. \u2013 Neben den Millionen von Menschenopfern, die Nationalsozialismus und Kommunismus in Europa zu verantworten haben, werfe ich ihnen dieses Verbrechen vor: Da\u00df sie in ihrem Wahn, den Neuen Menschen zu schaffen, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr zwei (mindestens zwei, ich lasse mich gern belehren) europ\u00e4ische Kulturr\u00e4ume zerst\u00f6rt haben \u2013 den baltischen und den, ich w\u00fcrde sagen, b\u00f6hmisch-pannonisch-sarmatischen.<br \/>\nF\u00fcr Einzelheiten fehlt hier leider der Platz und mir die Zeit, so da\u00df ich mich auf das Empfehlen weniger bekannter Literatur beschr\u00e4nke: Johannes Bobrowski, v. a. \u201cLewins M\u00fchle\u201d, \u201cLitauische Claviere\u201d und \u201cM\u00e4usefest\u201d; Marianne Peyinghaus, \u201cStille Jahre in Gertlauken\u201d; Christan Graf v. Krockow, \u201cDie Reise nach Pommern\u201d und \u201cHeimat. Erfahrungen mit einem deutschen Thema\u201d (in der dtv-Ausgabe v. a. Frl. Grambkau, S. 34 f.); G\u00fcnter de Bruyn, \u201cHerr M\u00fcller, diesseits und jenseits der Oder\u201d von 1980 (in \u201cBabylon. Erz\u00e4hlungen\u201d, m. W. nur in der West-Ausgabe); Roda Roda, Joseph Roth, Soma Morgenstern. Von der gro\u00dfen polnischen Literatur ganz zu schweigen und den gro\u00dfen Russen sowieso \u2013 also nur noch eins: Swetlana Geier, \u201cEin Leben zwischen den Sprachen\u201d. Damit wirklich zum Schlu\u00df: Entgegen anderslautenden Ger\u00fcchten f\u00e4llt nicht von der Erdscheibe, wer in G\u00f6rlitz, Frankfurt oder K\u00fcstrin-Kietz nach Osten f\u00e4hrt. Danke, Herr Zimski, da\u00df Sie so deutlich darauf hingewiesen haben.<br \/>\n8.5.2020, J.M.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Das westliche Nachkriegsdeutschland l\u00e4uterte sich durch den Duft der gro\u00dfen weiten Welt, <\/strong><br \/>\ndurch Coca Cola und Cowboyzigaretten, bis die Alt-68er ihren Marsch durch die Institutionen vollendeten, Br\u00fcssler und Bonner Spitzenpositionen besetzten und dort Turnschuhe, Schmuddelhaare und den Dreitagebart salonf\u00e4hig machten. \u2013 Die Polen und die Tschechen kamen in unserem Weltbild von Adenauer bis Kohl nicht vor. Woran also ankn\u00fcpfen? Richtig: an das uralte Narrativ vom Untermenschen und Schnorrer, der nur abkassieren will, aber nicht f\u00fcr unsere geschenkten Menschen zahlen m\u00f6chte. Der sich erdreistet, uns europatrunkenen \u00dcbermenschen nicht die Stiefel zu lecken, mit denen wir regelm\u00e4\u00dfig nach Osten treten. Also Antisemitismus blo\u00df ohne Juden. \u2013 Der Deutsche kennt nur Oben und Unten, Richtig und Falsch, Gut und B\u00f6se; ein gleichberechtigtes Miteinander eigenst\u00e4ndiger nationaler Befindlichkeiten ist ihm nicht begreiflich. Doch eher Richter und Henker?<br \/>\n8.5.2020, W.K.<br \/>\nEnde der Kommentare<br \/>\n.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Zwei Leserzuschriften zum 8. Mai als Feiertag &#8222;Tag der Befreiung&#8220;<\/strong><br \/>\n&#8222;Den \u00dcbergang von einem Terrorregime zum anderen und damit verbunden zu Massenvergewaltigungen, zu Vertreibungen von Millionen Menschen aus ihrer Heimat, zu organisierter Verschleppung von unz\u00e4hligen unschuldigen Menschen in die sowjetischen Gulags sowie zu Mord und Terror in den von den Sowjets \u00fcbernommenen Konzentrationslagern gegen Sozialdemokraten, Christen und Menschen, die den neuen Machthabern kritisch gegen\u00fcberstanden, als Befreiung zu deklarieren und sich das Vokabular der kommunistischen Verbrecher zu eigen zu machen, ist empathielos und an Zynismus kaum zu \u00fcberbieten. Wie befreit m\u00f6gen sich wohl Menschen f\u00fchlen, die aus hei\u00dfem \u00d6l genommen und in kochendes Wasser geworfen werden? Ebenso pervers ist es \u00fcbrigens, die Verbrechen Stalins mit denen Hitlers zu rechtfertigen.&#8220;<br \/>\nUnd:<br \/>\n&#8222;Mich w\u00fcrden Selbstanklagen im Prinzip gar nicht st\u00f6ren. Sie geh\u00f6ren zum Leben jedes denkenden Menschen dazu. Sofern sie auf dem Boden von Vernunft, Ma\u00df und Fakten stehen. Das tun sie normalerweise, so lange die ehrliche Motivation dieser Selbstanklagen darin besteht, das eigene Tun richtig einzusch\u00e4tzen und f\u00fcr die Zukunft gegebenenfalls zu verbessern. Das Widerw\u00e4rtige an unseren deutschen Selbstanklagen, besser: den Selbstankl\u00e4gern, besteht aber gerade darin, dass sie sich eben nicht selbst anklagen, sondern sich im Gegenteil durch diese Klagen selbst erh\u00f6hen und von den anderen abheben wollen. Es sind ja gar keine Selbstanklagen, sondern die scheinbare Selbstanklage dient der eigenen Exkulpierung und der Behauptung, ein besserer Mensch als die angeklagten anderen zu sein.<br \/>\nDie &#8218;Selbstanklage&#8216; ist in Deutschland eine pervertierte Form des Pharis\u00e4ertums.&#8220;<br \/>\n&#8230; Alles vom 8.5.2020 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/michael-klonovsky.de\/acta-diurna\">https:\/\/michael-klonovsky.de\/acta-diurna<\/a><\/p>\n<p>.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Klonovsky: Zum Vorschlag, den 8. Mai als &#8222;Tag der Befreiung&#8220; zum gesetzlichen Feiertag zu deklarieren<\/strong><br \/>\nZum 75. Jahrestag der deutschen Kapitulation wird wieder der Vorschlag laut, den 8. Mai als &#8222;Tag der Befreiung&#8220; zum gesetzlichen Feiertag zu deklarieren, was er im fortschrittlicheren Deutschland bekanntlich l\u00e4ngst war. Ich m\u00f6chte keinem einzigen NS-Opfer zu nahe treten, aber allen anderen, die mit diesem erpresserischen Vorschlag daherkommen, desto mehr.<br \/>\nDer 8. Mai ist ein durch und durch ambivalentes Datum; mit den Worten von Theodor Heuss war Deutschland damals &#8222;erl\u00f6st und vernichtet&#8220; zugleich, und wer nur der Erl\u00f6sten gedenkt, verh\u00f6hnt die Vernichteten. Nicht nur das m\u00f6rderische NS-Regime fuhr zur H\u00f6lle, sondern Deutschland wurde sowohl als eigenst\u00e4ndiger Staat als auch buchst\u00e4blich zerschlagen. <em><strong>Es gab Millionen Deutsche, die befreit, aber eben auch Millionen, die nicht befreit wurden.<\/strong><\/em><br \/>\nIch habe mehrfach dar\u00fcber geschrieben (etwa hier<br \/>\n<a href=\"https:\/\/michael-klonovsky.de\/artikel\/item\/86-qflachshaarige-hexenq\">https:\/\/michael-klonovsky.de\/artikel\/item\/86-qflachshaarige-hexenq<\/a><br \/>\noder hier<br \/>\n<a href=\"https:\/\/michael-klonovsky.de\/artikel\/item\/49-preuen-zahlt-die-zeche\">https:\/\/michael-klonovsky.de\/artikel\/item\/49-preuen-zahlt-die-zeche<\/a>).<br \/>\nund halte die Idee, die Eroberung Osteuropas und Mitteldeutschlands durch Stalins Terrorsystem als &#8222;Befreiung&#8220; zu feiern, f\u00fcr pervers. Hier tritt eine Mentalit\u00e4t zutage, die keinerlei Differenz mehr ertr\u00e4gt und eine Exkulpation des Kommunismus in den Kauf nimmt, um Deutschland geschichtspolitisch zu erledigen. Denn darauf l\u00e4uft es hinaus:<br \/>\n<em><strong>Mit der Nobilitierung des Sieges der Alliierten zum Nationalfeiertag w\u00fcrde praktisch jede Verbindung zum Deutschland vor Hitler durchtrennt.<\/strong><\/em> Man w\u00fcrde au\u00dferdem Abertausende vertriebene, ermordete, vergewaltigte und ausgebombte Zivilisten zur Quantit\u00e9 n\u00e9gligeable erkl\u00e4ren und buchst\u00e4blich auf Gr\u00e4bern von Kindern feiern. Jede Empathie gegen\u00fcber den Opfern der Sieger, sofern sie zum Einspruch gegen eine solche selektive Gedenklogik f\u00fchrte, w\u00fcrde aber als NS-&#8222;Relativierung&#8220; (was immer das sein soll) und in n\u00e4chster Stufe als NS-Sympathisantentum stigmatisiert und kriminalisiert. Es w\u00e4re der ultimative Triumph Kreons \u00fcber Antigone bei gleichzeitiger Exkommunikationsdrohung gegen Sophokles. Es w\u00e4re eine Art historischer Selbstmord, eine R\u00fcckkehr in die DDR.<br \/>\n.<br \/>\nIm \u00dcbrigen kamen weder die Sowjets noch die Amerikaner oder die Briten seinerzeit auf den Gedanken, den Sieg \u00fcber Deutschland als Befreiung zu betrachten. Die bekannte Direktive JCS 1067 der US-amerikanischen Generalstabschefs an den Kommandeur der US-Streitkr\u00e4fte in Deutschland und Milit\u00e4rgouverneur \u00fcber die amerikanische Besatzungszone vom April 1945 begann ganz unsentimental mit den Worten: &#8222;Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat.&#8220;<br \/>\nAls man Churchill Fotos von zerbombten deutschen St\u00e4dten zeigte, murmelte er nichts von &#8222;Befreiern&#8220;, sondern von &#8222;Barbaren&#8220;, womit er diesmal nicht die Krauts meinte.<br \/>\nSogar V\u00e4terchen Stalin machte einen Unterschied und lie\u00df, nachdem seine Truppen ihre Kirmes aus Siegesrausch und Vergeltungsdrang beendet hatten, die Losung ausgeben: &#8222;Die Hitler kommen und gehen, aber das deutsche Volk bleibt.&#8220; Doch wie Sir Winston ebenfalls und wahrscheinlich letztg\u00fcltig feststellte, hat man diese Deutschen entweder an der Kehle, oder sie lecken einem die Stiefel.<br \/>\n.<br \/>\nVor einigen Monaten schrieb mir ein Leser zu diesem Thema Folgendes:<br \/>\n&#8222;Es ist eine \u00dcberspitzung, aber man n\u00e4hert sich vielleicht einer Wahrheit, wenn man sagt, dass die deutsche Geschichtswissenschaft seit 1945 zu weiten Teilen damit befasst ist, die Diktate der Sieger von 1918 und 1945 historisch zu legitimieren. Das genaue Ausma\u00df an Verschleierung und Tendenziosit\u00e4t kann ich (wiewohl \u2013 oder weil? \u2013 gelernter Historiker) auf Grund der wesentlichen Einstimmigkeit der meisten anerkannten historiografischen Darstellungen nur erahnen, aber selbst eine blo\u00dfe Ahnung kann einem den Atem rauben. Aber allemal kann man sich, zumindest f\u00fcr einen Augenblick, gleichsam mit Folgendem beruhigen:<br \/>\nMit der Tendenz zu oftmals schlecht begr\u00fcndeter historischer &#8218;Selbst&#8216;-Anklage \u2013 richtiger und genauer: zu schlecht begr\u00fcndeter Anklage, Diffamierung der eigenen Ahnen aus der Zeit vor bestimmten Stichdaten \u2013 stehen &#8218;wir&#8216;, zweimalige Verlierer von Weltkriegen, nicht allein da, sondern reihen uns vielmehr ein unter die westlichen Siegerm\u00e4chte. (Die allerdings andere Stichdaten und -w\u00f6rter haben als &#8218;wir&#8216;. <em><strong>&#8218;Kultureller Selbsthass des Abendlands&#8216;<\/strong><\/em> ist ein von konservativen Autoren gelegentlich verwendeter &#8218;umbrella term&#8216;, der das Gemeinte wohl umfasst, aber ebenfalls nicht pr\u00e4zise genug ist.)<br \/>\nUnd die Sache hat auch, selbstverst\u00e4ndlich, ihre Vernunft: Was den deutschen Fall betrifft, wird so nicht nur das Verhalten der Sieger legitimiert; die Pl\u00e4ne des darin webenden Geistes sind umfassender. Man suggeriert mit solcher historischer &#8218;Selbst&#8216;-Anklage auch, wie viel besser man sei, nun man sich die Orientierungen der Sieger von einst zu Eigen gemacht hat; man arbeitet sich damit vor in Richtung auf das Recht, sich nun, nach gl\u00fccklichem Vollzug des &#8218;Langen Wegs nach Westen&#8216; (Heinrich August Winkler), an ihre Seite zu stellen; damit insbesondere auf die Seite des seit Anfang der 1990er ganz ungehemmt triumphierenden Atlantismus.<\/p>\n<p>Zuletzt verschmilzt der Sinn der deutschen &#8218;Selbst&#8216;-Anklage mit dem der &#8218;Selbst&#8216;-Anklagen der Freunde im Westen: Sie dienen nahezu unmittelbar der St\u00e4rkung des Glaubens, es sei, was als Neo-Imperialismus, als kalte Interessens- und Machtpolitik kapitalistischer Eliten erscheinen k\u00f6nnte, im Eigentlichen nichts als die Realisierung der endlich errungenen, wahrhaft universalen praktischen Wahrheit, der von aller sch\u00e4bigen Affektion und Modifikation durch blo\u00df partikulare Interessen endlich ganz und gar gereinigten Antwort auf die Frage &#8218;Was tun?&#8216; (Kant \u2013 und Lenin 1902!). Jener angeblich absoluten Wahrheit, m. a. W., die auch schon die Grundlage des Terreur der Jakobiner ausmachte.<\/p>\n<p>Dabei setzt die &#8218;Selbst&#8216;-Anklage zun\u00e4chst darauf, als echte Selbstanklage aufgefasst zu werden: Wer die eigenen Ahnen so vernichtender Kritik aussetzt, rechnet heimlich auf Effekt gerade bei einem Publikum, bei dem noch Geltung hat, was etwa auch der Aufkl\u00e4rer Lessing noch seinen Nathan als sicheren gemeinsamen Untergrund aller, auch der fundamentalsten Kontroverse formulieren l\u00e4sst (Nathan der Weise, \u201eRingparabel\u201c, 3. Aufzug, 7. Auftritt, V. 1980\u20131986):<br \/>\nNun, wessen Treu und Glauben zieht man denn<br \/>\nAm wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen?<br \/>\nDoch deren Blut wir sind? [\u2026]<br \/>\nWie kann ich meinen V\u00e4tern weniger<br \/>\nAls du den deinen glauben? Oder umgekehrt. \u2013<\/p>\n<p>Sieh, meine Wahrheit ist so ernst, das gibt ein solcher &#8218;Selbst&#8216;-Kritiker zu verstehen, dass in ihrem Angesicht selbst so ein altehrw\u00fcrdiger Grundsatz in den Staub sinkt! Meine Gerechtigkeit ist erhaben \u00fcber die Bande des Blutes! Gerade wem diese Bande viel bedeuten, dem muss die &#8218;Objektivit\u00e4t&#8216; und Prinzipientreue desjenigen, der sogar seine Ahnen verdammt, Ehrfurcht abn\u00f6tigen. Ein Kollektiv, das zu solchem Urteil \u00fcber sein eigenes fr\u00fcheres Tun f\u00e4hig ist, von dem, so muss ein traditionalistisches Publikum zu denken verf\u00fchrt sein, werden die angeprangerten Untaten dann ja f\u00fcrderhin nicht mehr zu erwarten sein.<br \/>\n.<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich wird eine solche Reaktion in der Konfrontation mit dem realen (non-verbalen) Agieren des &#8218;Freien Westens&#8216; unweigerlich zu Entt\u00e4uschungen f\u00fchren.<br \/>\nIn Wahrheit ist aber die Erwartung, der <a title=\"Westen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/westen\/\">&#8218;Freie Westen&#8216;,<\/a> der seine Vergangenheit doch in derma\u00dfen kritischem Licht ausstellt, m\u00fcsse aus den selbst eingestandenen Fehlern und S\u00fcnden gelernt haben, nicht einfach nur blau\u00e4ugig, sondern greift v. a. am innersten Wesenskern der hinter den historischen &#8218;Selbst&#8216;-Anklagen stehenden Ideologie vorbei: Ihrem tiefsten Sinn nach sind sie \u00fcberhaupt keine reflexiven Urteile der Form &#8218;Wir haben damals das-und-das falsch gemacht&#8216;, sondern bestehen in einem R\u00fcckzug aus dem angeklagten &#8218;Wir&#8216;, ja letztlich in einer Problematisierung jedes &#8218;Wir&#8216; als solchem (Hervorhebung von mir \u2013 M.K.). <em><strong>Das Schei\u00dfen auf die eigenen Ahnen n\u00e4hrt einen Individualismus,<\/strong> <\/em>durch den es schlie\u00dflich \u00fcberhaupt unm\u00f6glich wird, sich noch irgendeinem lebendigen, handlungsf\u00e4higem Kollektiv von einigem Gewicht zugeh\u00f6rig zu f\u00fchlen; einen Individualismus, der in der Konsequenz die Vernichtung nicht nur der durch &#8218;primordiale Bindungen&#8216; (Clifford Geertz) gestifteten Kollektive (Familie, Volk, die Religion, in die man \u201ehineingeboren\u201c wurde) betreibt, sondern des Kollektiven \u00fcberhaupt, als etwas das Individuelle wesensm\u00e4\u00dfig \u00dcbersteigendes; eine extreme revisionary metaphysics (Strawson), die einen Sturmangriff auf unser Kategoriensystem f\u00fchrt. Was dieser Sturmangriff \u00fcbriglassen will, ist bestenfalls eine zum Abstraktum degenerierte Menschheit. Eine hohle Phrase, die alles und nichts besagt, deren Antonym &#8218;Unmensch&#8216; mithin leicht an jeden Beliebigen zu heften ist, der Anstalten zu irgendeiner Form von partikularistisch-kollektivistischem Widerstand macht.&#8220;<br \/>\n&#8230; Alles vom 6.5.2020 von Michael Klonovsky bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/michael-klonovsky.de\/acta-diurna\">https:\/\/michael-klonovsky.de\/acta-diurna<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ddd &nbsp; Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Stadt der Gegens\u00e4tze: Wer Ostdeutschland verstehen will, muss nach G\u00f6rlitz (17,5,2025) \u201eDokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung\u201c er\u00f6ffnet\u00a0(2.7.2021) Bleiben Sie, wie Sie sind \u2013 Arnold Vaatz!\u00a0(29.2.2021) Vertriebene vor 70 Jahren am 5.8.1950: &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/osteuropa-8-mai-1945\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":21084,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-80723","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/80723","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80723"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/80723\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":134157,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/80723\/revisions\/134157"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}