{"id":75811,"date":"2019-11-07T20:45:44","date_gmt":"2019-11-07T19:45:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=75811"},"modified":"2025-01-21T18:39:04","modified_gmt":"2025-01-21T17:39:04","slug":"demokratie-rousseau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-rousseau\/","title":{"rendered":"Demokratie-Rousseau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a> &gt;Demokratie-Rousseau<\/p>\n<div id=\"attachment_75639\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/repression\/stpeter-nebel2019okt22pan\/\" rel=\"attachment wp-att-75639\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75639\" class=\"size-full wp-image-75639\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/stpeter-nebel2019okt22pan.jpg\" alt=\"Blick von St.Peter im Hochschwarzwald (18 Grad) auf Freiburg im dichten Nebel (9 Grad) am 22.10.2019\" width=\"600\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/stpeter-nebel2019okt22pan.jpg 600w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/stpeter-nebel2019okt22pan-180x67.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-75639\" class=\"wp-caption-text\">Blick von St.Peter im Hochschwarzwald (18 Grad) auf Freiburg im dichten Nebel (9 Grad) am 22.10.2019<\/p><\/div>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/democracy-first\/\">Demokratie ist die beste Staatsform!<\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Freiheitsdemokratie in Rousseau\u2019sche Tugend-Demokratie umgestalten (18.8.2023)<\/li>\n<li><a title=\"Corona-Sozialismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/rezession\/corona-sozialismus\/\">Corona-Krise: Schritt hin zum totalit\u00e4ren System bzw. zu 1984<\/a>\u00a0(19.6.2020)<\/li>\n<li><a title=\"Gesellschaft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/\">Yascha Mounk: ein \u201eeinmaliges soziales Experiment\u201c<\/a>\u00a0 (28.11.2019)<\/li>\n<li><a title=\"DDR\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\">Nichts darf vergessen werden \u2013 Unrechtsstaat DDR<\/a>\u00a0(11.11.2019)<\/li>\n<li>Zweierlei Demokratie &#8211; &#8222;von unten&#8220; oder &#8222;von oben&#8220; (5.11.2019)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a title=\"Asyl\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/asyl\/\">Asyl<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Corona-Sozialismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/rezession\/corona-sozialismus\/\">Corona-Sozialismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"DDR\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr\/\">DDR<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Demokratischer-Staat\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratischer-staat\/\">Demokratischer-Staat<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Enteignung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/justiz\/rechtsstaat\/enteignung\/\">Enteignung<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Erklaerung2018\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/parlament\/erklaerung2018\/\">Erkl\u00e4rung2018<\/a><\/li>\n<li><a title=\"EU-Recht\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-recht\/\">EU-Recht<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Extremismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/extremismus\/\">Extremismus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/frei\/\">frei<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Grundgesetz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/grundgesetz\/\">Grundgesetz<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Integration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/\">Integration<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Justiz\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/justiz\/\">Justiz<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Kontrollverlust\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/kontrollverlust\/\">Kontrollverlust des Staates<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Nudging\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nudging\/\">Nudging<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Opposition\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/opposition\/\">Opposition<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Ordnungsstaat\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/justiz\/ordnungsstaat\/\">Ordnungsstaat<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Sieferle\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/sieferle\/\">Sieferle<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Staatsversagen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staatsversagen\/\">Staatsversagen<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Werte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/werte\/\">Werte<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freiheitsdemokratie in Rousseau\u2019sche Tugend-Demokratie umgestalten<\/strong><br \/>\n<strong>Ein Holzpferd namens Demokratie<\/strong><br \/>\nDer Troja-Trick: Die etablierten politischen Akteure stehen auf Kriegsfu\u00df mit dem f\u00fcr jede freie Gesellschaft konstitutiven Pluralismus<br \/>\nNur vordergr\u00fcndig geht es beim \u201eVerdachtsfall\u201c AfD und beim \u201eDemokratief\u00f6rdergesetz\u201c, durch das die Regierung zivilgesellschaftliche Gesinnungsgenossen durch Volksverm\u00f6gen alimentieren will, darum, einen Gegner kaltzustellen, der einem in den Parlamenten finanziell eintr\u00e4gliche Sitze wegnehmen kann. Schwerer wiegt, da\u00df in die Tiefenstruktur des politischen Systems der Bundesrepublik durch die beharrliche Arbeit von Parteifunktion\u00e4ren und die effiziente Nutzung der mit ihnen verbundenen Propagandakan\u00e4le im Medien-, Wissenschafts- und Kulturbetrieb ein auf Jean-Jacques Rousseau zur\u00fcckgehendes und vom Marxismus an seine Gesellschaftstransformationslehre adaptiertes Staatsverst\u00e4ndnis eingesickert ist.<\/p>\n<p>Die Corona-Krise hat den Nachweis erbracht, da\u00df dieses klassisch linke Staatsverst\u00e4ndnis, zumindest unbewu\u00dft, inzwischen auch von Kreisen der CDU\/CSU und der jetzt konformistisch mitregierenden Liberalen geteilt wird. Da steht ein Monstrum vor den Toren des bundesdeutschen Gemeinwesens, ein riesiges Holzpferd, und in Gro\u00dfbuchstaben prangt darauf das Wort DEMOKRATIE. Aber innen drin, da hocken lauter kleine Demokratiefeinde, die auf dem Kriegsfu\u00df stehen mit dem f\u00fcr jede freie Gesellschaft konstitutiven Pluralismus!<\/p>\n<p>Rousseau hatte gelehrt, da\u00df der allgemeine Wille (die volont\u00e9 g\u00e9n\u00e9rale) des Volkes best\u00e4ndig der richtige sei und die einzige Aufgabe der Exekutivgewalt eines Staates darin bestehe, diesen best\u00e4ndig richtigen Volkswillen auszuf\u00fchren. Zuvor mu\u00df allerdings eine Erziehung des Volkes zur Tugend (frz.: vertu) erfolgen, damit wirklich alle das Richtige erkennen und dann auch wollen. Tugend bedeutet f\u00fcr Rousseau die totale Kongruenz von Einzel- und Gemeinschaftswillen. Das Tugendhafte zu wollen, sei, so der Philosoph, die wahre Freiheit.<\/p>\n<p>Jeder konnte ab M\u00e4rz 2020 diesen totalit\u00e4ren Tugend-Begriff in Aktion sehen: Von Rousseau f\u00fchrt ein direkter Weg zum Skandalon Impfpflicht, maskiert eingef\u00fchrt als \u201e2-G-Regel\u201c von einem Staat als Sachwalter des best\u00e4ndig Richtigen. Grundrechte, die Freiheiten des Individuums sch\u00fctzen und Gefahr laufen, dem vom Staat verwalteten allgemeinen Willen im Weg zu stehen? Daf\u00fcr war in Rousseaus Denken kein Platz. Seit das Grundgesetz ins Pensionsalter gekommen ist, scheinen immer mehr politische Akteure es aufs Altenteil schicken und die Freiheitsdemokratie in eine Rousseau\u2019sche Tugend-Demokratie umgestalten zu wollen.<\/p>\n<p>Da\u00df auch die dritte Gewalt willf\u00e4hrig an diesem Umbau mitwirkt, beweisen das Urteil eines K\u00f6lner Gerichts, das erlaubte, die AfD zum verfassungsfeindlichen Verdachtsfall zu erkl\u00e4ren, und die Z\u00f6gerlichkeit des Bundesverfassungsgerichts im Umgang mit AfD-Beschwerden (\u201eIn Karlsruhe ticken die Uhren anders\u201c, JF 30\/23). Wie aber konnte es so weit kommen, da\u00df eine reife Zivilgesellschaft sich das Gegenteil von Demokratie, also autorit\u00e4ren Staatsdirigismus und Gewaltenteilung in der Schwundstufe, als willkommenes Geschenk andrehen l\u00e4\u00dft? Kann man wirklich so dumm sein?<br \/>\n&#8230; &#8230; Alles vom 18.8.2023 von Dietmar Mehrens bitte lesen in der JF 34\/23, Seite 13<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zweierlei Demokratie &#8211; &#8222;von unten&#8220; oder &#8222;von oben&#8220;<\/strong><br \/>\n<em>Wollen die einen nicht mehr mit den anderen reden? Beide sprechen von Demokratie, aber sie meinen nicht dasselbe. Weil eine fatale 250 Jahre alte Idee von Jean-Jacques Rousseau wieder neu aufgelegt wird. Das sollten wir nicht zulassen.<\/em><\/p>\n<p>Es gibt vermutlich kaum ein Wort, dass einen besseren Leumund hat als \u201eDemokratie\u201c. Wer will bestreiten, dass Demokratie als Prinzip f\u00fcr unseren (und eigentlich auch jeden anderen) Staat unverzichtbar ist? Niemand zumindest, der sich nicht selbst aus dem \u00f6ffentlichen Diskurs ausgrenzen und den Boden unserer Verfassung verlassen m\u00f6chte. Demokratie zu akzeptieren ist die Conditio sine qua non, um in unserer Gesellschaft dazu zu geh\u00f6ren.<br \/>\nEine der wichtigsten Lehren aus der europ\u00e4ischen und vor allem aus der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die von der Verletzlichkeit der Demokratie: Nur eine \u201ewehrhafte Demokratie\u201c ist best\u00e4ndig. Wer als Un- oder gar Antidemokrat feststeht, der ist nicht mehr nur ein Andersdenkender, sondern ein Feind aller anderen Demokraten und unseres Staates. Mit ihm muss und soll man nicht debattieren. Ihn muss man bek\u00e4mpfen \u2013 und zwar nicht mehr nur im Diskurs, sondern auch mit staatlichen Gewaltmitteln. Der demokratische Staat, der den Antidemokraten bek\u00e4mpft, handelt sozusagen in Notwehr.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Wiedereinf\u00fchrung der sozialistischen Kommandowirtschaft durch die Gr\u00fcnen<\/strong><br \/>\nDiese Wehrhaftigkeit und die fast sakrale Wirkung des Begriffs Demokratie, der eine Art ideelles Kleinod des Staates und der Gesellschaft ist, haben aber eine fatale Nebenwirkung: Sie machen den Begriff attraktiv f\u00fcr den Missbrauch als ultimative Waffe in der politischen Auseinandersetzung. \u201eEr ist kein Demokrat\u201c, ist sozusagen das ultimative Verdikt, weil es den so bezeichneten zum Staatsfeind macht. Eine argumentative Auseinandersetzung mit einem solchen Nichtdemokraten er\u00fcbrigt sich. Die Deutungshoheit dar\u00fcber, was \u201eDemokratie\u201c konkret sei, also bestimmen zu k\u00f6nnen, wer Demokrat ist und wer nicht, bedeutet in unserem Staat und unserer Gesellschaft h\u00f6chste Macht.<br \/>\nSeit dem 18. Jahrhundert schon gibt es, vereinfacht gesagt, zwei Interpretationen von Demokratie. Die erste sieht Demokratie als Regelwerk f\u00fcr die Praxis eines politischen Pluralismus innerhalb des Staates: Die Existenz von sich widersprechenden Interessen und \u00dcberzeugungen wird dabei vorausgesetzt und akzeptiert. Die Demokratie bietet die Foren, damit der Streit durch faire Debatten und Abstimmungen friedlich ausgetragen und (immer nur befristet) entschieden werden kann. Die Unterlegenen m\u00fcssen sich der Mehrheit f\u00fcgen, werden aber als Teil des Ganzen akzeptiert und gesch\u00fctzt. Mehrheit und Minderheit bleiben trotzdem ein \u201ewir\u201c. Diese Demokratie-Interpretation war schon in den Stadtstaaten des alten Griechenland verwirklicht und in der Moderne als erstes in England und den Vereinigten Staaten von Amerika. Und bis vor nicht allzu langer Zeit galt das auch unzweifelhaft f\u00fcr alle westlichen Demokratien inklusive Deutschland.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>&#8222;Die Bewegung&#8220; entscheidet, wer in diesem Land \u00f6ffentlich reden darf<\/strong><br \/>\nAm Anfang der zweiten Interpretation steht vor allem ein Name: Jean-Jacques Rousseau. F\u00fcr ihn ist in einem demokratischen Staatswesen nicht der Wille der einzelnen B\u00fcrger (volont\u00e9 de tous) und auch nicht der Wille der Mehrheit (volont\u00e9 de la majorit\u00e9), politisch ausschlaggebend, sondern der Gemeinwille, die \u201evolont\u00e9 generale\u201c. Seit Rousseau glauben immer wieder politische Akteure, in aller Regel wurden und werden sie der Linken zugeordnet, zu wissen, dass ihre eigenen Vorstellungen von der Zukunft diesem Allgemeinwillen entsprechen. Wer darauf aufbaut, versteht also Demokratie nicht mehr in erster Linie als den Wettstreit der Interessen und \u00dcberzeugungen auf der Basis von gemeinsam akzeptierten Regeln, sondern als Verwirklichung dieses Gemeinwillens, der der h\u00f6chsten Vernunft des Staatswesens entspricht. Entscheidend daf\u00fcr ist nach Rousseau die F\u00f6rderung der Tugend (vertu) der B\u00fcrger, die ihre pers\u00f6nlichen Interessen dem Allgemeinwillen unterordnen m\u00fcssen. Darum, so Rousseau, komme es vor allem auf die Erziehung (\u201eZur\u00fcck zur Natur\u201c) an. Er selbst \u00fcbrigens gab seine Kinder bekanntlich zur Adoption frei. Kurz gesagt:<br \/>\n<strong><em>Die erste ist eine Demokratie f\u00fcr Menschen, wie sie sind,<\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em> w\u00e4hrend die zweite eine Demokratie ist f\u00fcr Menschen, <\/em><\/strong><br \/>\n<strong><em>wie sie nach dem Willen selbst erkl\u00e4rter \u201eDemokraten\u201c sein soll(t)en.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Welche von beiden die wirkliche und auch die best\u00e4ndigere und f\u00fcr jede Gesellschaft segensreichere ist, d\u00fcrfte eigentlich nach aller historischen Erfahrung eindeutig gekl\u00e4rt sein. Die erste nat\u00fcrlich. Aber aus der Geschichte zu lernen, f\u00e4llt bekanntlich sehr schwer. Vor allem in geschichtslosen Zeiten wie unserer.<br \/>\nDie Versuche der Verwirklichung der rousseauschen Demokratie sind zahlreich. Der erste war Robespierres Guillotinen-Diktatur mit dem \u201eWohlfahrtsausschuss\u201c. Im 20. Jahrhundert gab es bekanntlich noch viel gr\u00f6\u00dfere und noch blutigere Versuche: Der verheerendste fand in Russland und Osteuropa zwischen 1917 und 1990 statt. In China war er nicht weniger schreckensreich. Und, nicht zu vergessen, dort wird er mit mittlerweile \u00f6konomisch sehr viel erfolgreicheren Methoden noch fortgef\u00fchrt.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Jenseits vom Korridor wird es eng<\/strong><br \/>\nWir erleben trotz all der furchtbaren historischen Erfahrungen nun offenbar einen neuen, verdeckten, unblutigen, raffinierteren Anlauf dazu. Er findet gl\u00fccklicherweise immerhin ohne Revolution und ohne Guillotinen statt. Es ist eine langsame, daher halbwegs schmerzfreie und im Alltag wenig wahrnehmbare Entwicklung \u201evon oben\u201c, aber eine mit gewaltigem Anspruch: W\u00e4hrend Rousseau sich in seinen \u00dcberlegungen immerhin noch auf den umgrenzten Nationalstaat beschr\u00e4nkte, geht es den Rousseauisten der Gegenwart anscheinend buchst\u00e4blich ums Ganze. Nicht mehr um das\/ein Volk, sondern um alle Menschen und die ganze Welt.<br \/>\nWahrscheinlich ist das der Grund daf\u00fcr, dass das Klima eine derartige Konjunktur in der Aufmerksamkeit der politischen Klasse gewonnen hat. Der Klimaschutz erscheint heute als der Inbegriff einer volont\u00e9 universelle, eines Gemeinwillens der Menschheit, diktiert von der Wissenschaft\/Vernunft mit der Verpflichtung zur Umsetzung durch tugendhafte politische F\u00fchrer.<br \/>\nDie Demokratie in der bisherigen Interpretation als Regelsystem des Wettstreits verschiedener Interessen und \u00dcberzeugungen muss entsprechend uminterpretiert werden. PR-Experten nennen das Framing: Ein Begriff wird durch entsprechenden immer wiederkehrenden Gebrauch in der \u00f6ffentlichen Kommunikation in ein bestimmtes Deutungsmuster eingepasst. Demokratie wird dann allm\u00e4hlich irgendwann eben nicht mehr als Wettstreit der Interessen und Ideen verstanden, sondern als das Gute und Richtige wollen. Demokrat ist demnach, wer die Volont\u00e9 Universelle will. Und wer sie nicht will, ist undemokratisch.<br \/>\nVergessen wir nicht: DDR stand f\u00fcr \u201eDeutsche Demokratische Republik\u201c. Die Herrscher dieses Staates sahen keinen Widerspruch zwischen diesem \u201edemokratisch\u201c und ihrer SED-Hymne \u201eDie Partei, die Partei hat immer recht\u201c. Denn dieses \u201edemokratisch\u201c war genauso zu verstehen wie das \u201eVolk\u201c im Staatsnamen der \u201eVolksrepublik China\u201c. Es hei\u00dft nicht, dass da nach Regeln frei diskutiert und abgestimmt wurde, sondern es hei\u00dft, dass alle politischen Entscheidungen im Namen und f\u00fcr ein als Einheit begriffenes \u201eVolk\u201c getroffen werden, das aber nicht gefragt werden muss, was es will, weil n\u00e4mlich eine politische Avantgarde aufgrund ihrer Tugend wei\u00df, was der eigentliche Wille des Volkes zu sein hat.<br \/>\n.<br \/>\nDieser vermeintliche Gemeinwille war im Falle der DDR und der anderen seit 1917 entstandenen \u201eVolksdemokratien\u201c der Kommunismus. Die heutigen rousseauistischen Demokraten haben neue Objekte des allgemeinen Wollens ausgemacht, konkret zum Beispiel: Das Klima zu sch\u00fctzen und jeglichen Einwanderer mit offenen Armen zu empfangen. Gemeinsam ist all diesen Zielen die Vorstellung vom Kampf f\u00fcr die Verwirklichung einer gro\u00dfen allgemeinen Gerechtigkeit.<br \/>\nIn der Folge laufen diejenigen, die den neuen Universalwillen nicht mitwollen oder zumindest ihr eigenes Interesse und die eigenen \u00dcberzeugungen nicht ganz vergessen haben, Gefahr, sich pl\u00f6tzlich au\u00dferhalb der neu definierten Gesellschaft der Demokraten wiederzufinden. Die derzeitige Verh\u00e4rtung der politischen Kultur und des gesellschaftlichen Klimas in westlichen L\u00e4ndern und vor allem in Deutschland ist auch eine Folge dieses neuen Rousseauismus in den politischen Eliten, der eine neue Gruppe von Ausgeschlossenen geschaffen hat.<br \/>\nUnd so stehen sich heute eben in Deutschland und anderen westlichen Gesellschaften Menschen gegen\u00fcber, die sich beide f\u00fcr Demokraten halten. Aber der eine versteht darunter etwas anderes als der andere. Und weil er den Anspruch des anderen, nach den Spielregeln der Demokratie geh\u00f6rt und zumindest akzeptiert zu werden, gem\u00e4\u00df seiner Vorstellung von Demokratie nicht akzeptieren kann, da dieser Widerspruch der volont\u00e9 universelle alias dem allgemein Guten und einzig Richtigen im Wege steht, so kann es zwischen beiden kein Gespr\u00e4ch mehr geben. Sie empfinden sich nicht mehr beide als Teil eines \u201ewir\u201c, sondern als Feinde. Der eine wirft dem anderen seine Unmoral, sein Abweichlertum vor, dieser wiederum muss den kompromisslosen Eifer des ersteren als Zerst\u00f6rung der demokratischen Spielregeln verstehen.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Wenn der Parteien Krise zur Systemkrise wird<\/strong><br \/>\nDas ist die innere Absurdit\u00e4t dieser moralisierten Auffassung von Demokratie seit Rousseau: Ihr Generalismus, ihr Anspruch darauf, f\u00fcr das ganze Gemeinwesen, beziehungsweise in der aktuellen Version sogar universell f\u00fcr alle Menschen \u00fcber alle Grenzen hinweg zu sprechen und zu handeln, schafft unweigerlich nicht die gro\u00dfe Einheit, sondern bringt Ausgeschlossene hervor, die dadurch nicht nur Gegner sind wie in der pluralen Demokratie, sondern Feinde werden m\u00fcssen. Der angewandte Rousseauismus m\u00fcndete seit seiner ersten Anwendung durch Robespierre und die Jakobiner immer in Unfreiheit, in letzter Konsequenz f\u00fchrte er zu Terrorherrschaft und B\u00fcrgerkrieg, schlie\u00dflich zum Zusammenbruch des Versuchs aufgrund der Unerf\u00fcllbarkeit seiner Versprechen.<br \/>\nVon all dem sind wir gl\u00fccklicherweise weit entfernt. Die Institutionen der pluralen Demokratie in Staat und Gesellschaft bestehen weiter. Aber sie sind in der Gefahr, von innen ausgeh\u00f6hlt zu werden durch Eiferer, die zu wissen glauben, was das Gute und Richtige f\u00fcr alle ist, und jene Institutionen daf\u00fcr einspannen wollen. Das Ergebnis ist schon jetzt eine Art kultureller B\u00fcrgerkrieg.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Was also tun, um weitere Eskalation zu verhindern?<\/strong><br \/>\nWehret den Anf\u00e4ngen! Also nicht Mitmachen beim rousseauistischen <a title=\"Framing-Manual der ARD\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/framing-manual-der-ard\/\">Framing<\/a> des Demokratiebegriffs! \u00d6ffentlich und laut deutlich machen, dass die Idee eines Gemeinwillens eine gef\u00e4hrliche Illusion ist, auch wenn sie durch scheinbar h\u00f6chste Instanzen wie \u201edie Wissenschaft\u201c gerechtfertigt wird. Mag sein, dass manche Menschen tats\u00e4chlich glauben, besser zu wissen, was f\u00fcr alle Menschen gut und richtig ist, als die einzelnen Menschen selbst. Aber jeder einzelne kann und sollte \u00f6ffentlich klarmachen, dass diese Besserwisser damit nicht durchkommen.<br \/>\n&#8230; Alles von Ferdinand Knauss vom 5.11.2019 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/zweierlei-demokratie\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/zweierlei-demokratie\/<br \/>\n<\/a>\u00a0.<br \/>\n<em>Ferdinand Knau\u00df (*1973) ist Historiker und Journalist. Aufgewachsen im Saarland. In D\u00fcsseldorf, Nantes und Tokio Geschichte und Japanologie studiert.<\/em><br \/>\n<em> Knau\u00df war Redakteur bei der Financial Times Deutschland und dann beim Handelsblatt f\u00fcr die Wissenschaftsberichterstattung verantwortlich. Zwischendurch auch einmal Pressesprecher im Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung in Berlin.<\/em><br \/>\n<em> 2012 holte ihn Roland Tichy zur WirtschaftsWoche, wo er Politischer Reporter und Kolumnist war. Seit 2019 Redakteur bei Tichys Einblick.<\/em><br \/>\n<em> Buchver\u00f6ffentlichungen:<\/em><br \/>\n<em> \u2013 Wachstum \u00fcber Alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr der \u00d6konomen wurde, Oekom 2016<\/em><br \/>\n<em> \u2013 Merkel am Ende: Warum die Methode Angela Merkels nicht mehr in unsere Zeit passt, FBV 2018<br \/>\n.<br \/>\n<\/em>Einige Kommentare:<br \/>\n<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Engagement\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Demokratie &gt;Demokratie-Rousseau Demokratie ist die beste Staatsform! 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