{"id":54456,"date":"2015-05-08T09:26:19","date_gmt":"2015-05-08T07:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=54456"},"modified":"2025-05-19T21:43:33","modified_gmt":"2025-05-19T19:43:33","slug":"1945mai8","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/1945mai8\/","title":{"rendered":"1945Mai8"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a> &gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a> &gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a> &gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a> &gt;1945Mai8<\/p>\n<div id=\"attachment_54460\" style=\"width: 649px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/1945mai8\/freiburg1945\/\" rel=\"attachment wp-att-54460\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-54460\" class=\"size-full wp-image-54460\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/freiburg1945.jpg\" alt=\"Blick in Freiburg Anfang 1945 von der Rheinstra\u00dfe aus in Richtung Innenstadt \u2013 links hinten das Dach des Martinstors\" width=\"639\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/freiburg1945.jpg 639w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/freiburg1945-180x71.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-54460\" class=\"wp-caption-text\">Blick in Freiburg Anfang 1945 von der Rheinstra\u00dfe aus in Richtung Innenstadt \u2013 links hinten das Dach des Martinstors<\/p><\/div>\n<p><strong><br \/>\n8. Mai 1945 &#8211; Ende des Zweiten Weltkriegs<br \/>\n<\/strong>Als &#8222;Tag der Befreiung&#8220; bezeichnete Richard von Weizs\u00e4cker in seiner denkw\u00fcrdigen Rede 1985 den Tag der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8.5.1945.. Darauf Erika Steinbach im Hinblick auf das Leid, das\u00a0 so viele Menschen nach diesem Tag erfahren mussten:<br \/>\n<em>\u201cWenn auf den \u201cTag der Befreiung\u201d f\u00fcr die Betroffenen keine Freiheit folgt,<br \/>\n<\/em><em>ist es f\u00fcr sie auch kein \u201cTag der Befreiung\u201d gewesen.\u201d\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt):\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span>\u00a0oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/osteuropa-8-mai-1945\/\">Stadt der Gegens\u00e4tze: Wer Ostdeutschland verstehen will, muss nach G\u00f6rlitz<\/a> (17,5,2025)<\/li>\n<li>Hubertus Knabe: Auf die Opferseite der Geschichte schummeln (8.5.2020)<\/li>\n<li><a title=\"Osteuropa-8-Mai-1945\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/osteuropa-8-mai-1945\/\">Der Osten: Eine 75-j\u00e4hrige Geschichte des Vergessens<\/a> (8.5.2020)<\/li>\n<li>Kapitulation am 8. Mai 1945\u00a0und Neubeginn in Freiburg (8.5.2015)<\/li>\n<li>8.Mai 1945 &#8211;\u00a0etwas anderes als nur &#8222;Tag der Befreiung&#8220;<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a title=\"Deutsche-Geschichte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">Deutsche-Geschichte<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Freiburg1944\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/freiburg1944\/\">Freiburg1944<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Geschichte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/heimat\/geschichte\/\">Geschichte<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Krieg<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Osteuropa-8-Mai-1945\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/osteuropa-8-mai-1945\/\">Osteuropa-8-Mai-1945<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hubertus Knabe: Auf die Opferseite der Geschichte schummeln<\/strong><br \/>\n<em>Berlin hat sich in diesem Jahr einen neuen Feiertag genehmigt \u2013 den <a title=\"Osteuropa-8-Mai-1945\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/osteuropa-8-mai-1945\/\">\u201eTag der Befreiung\u201c am 8. Mai<\/a>. Gr\u00fcne, FDP und Linke m\u00f6chten ihn bundesweit einf\u00fchren. Damit w\u00fcrde nicht nur eine DDR-Tradition wiederbelebt, sondern Deutschland w\u00fcrde sich aus seiner historischen Verantwortung stehlen.<\/em><br \/>\n.<br \/>\nF\u00fcnfundsiebzig Jahre ist es her, dass die deutsche Wehrmacht ihre bedingungslose Kapitulation erkl\u00e4rte. Nicht am 8. Mai, wie f\u00e4lschlicherweise viele meinen, sondern einen Tag zuvor. Am 7. Mai unterschrieb Generaloberst Alfred Jodl im Auftrag der deutschen Reichsregierung im franz\u00f6sischen Reims die Kapitulationsurkunde. Nur weil Stalin darauf bestand, den triumphalen Akt im Hauptquartier der Sowjets ein zweites Mal durchzuf\u00fchren, wurde die Zeremonie am n\u00e4chsten Tag in Berlin wiederholt. Auch hier erfolgte die Unterschrift aber nicht am 8. Mai, sondern erst kurz nach Mitternacht \u2013 weshalb Russland den Sieg im \u201eGro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg\u201c einen Tag sp\u00e4ter feiert.<\/p>\n<p>Wenn in Deutschland an das Kriegsende vor 75 Jahren erinnert wird, gibt nicht nur das falsche Datum zu denken. Problematischer erscheint, wie das Ende eines der m\u00f6rderischsten Regime der Weltgeschichte umgedeutet wird. Nicht nur Spitzenpolitiker der Linken, auch die Bundestagsfraktionen von FDP und Gr\u00fcnen haben gefordert, den 8. Mai als \u201eTag der Befreiung\u201c zum bundesweiten Feiertag zu machen. Den Berlinern hat die rot-rot-gr\u00fcne Landesregierung aus diesem Anlass bereits einen zus\u00e4tzlichen Feiertag in diesem Jahr genehmigt. Unmerklich haben sich die Deutschen damit von der T\u00e4ter- auf die Opferseite der Geschichte geschummelt. In Wirklichkeit dachte vor 75 Jahren niemand daran, die Deutschen zu befreien. Die Alliierten wollten sie vielmehr milit\u00e4risch schlagen \u2013 und zwar so nachhaltig, dass sie bedingungslos kapitulierten. Selbst die Amerikaner, die den gr\u00f6\u00dften Anteil daran hatten, dass die Bundesrepublik zu einem demokratischen Staatswesen wurde, sahen sich keineswegs als Befreier. In der Direktive 1067, die der amerikanische Pr\u00e4sident Harry S. Truman am 10. Mai 1945 billigte, wurde dem Vereinigten Generalstab der USA vielmehr ausdr\u00fccklich vorgeschrieben, dass Deutschland \u201enicht besetzt [wird] zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat\u201c.<br \/>\nDie Sowjetunion hatte erst recht nicht vor, die Deutschen zu befreien. Als die Rote Armee am 12. Januar 1945 ihren Angriff auf Ostpreu\u00dfen begann, befahl der Chef der 3. Wei\u00dfrussischen Front, Marschall Tschernjakowski, vielmehr seinen Soldaten: \u201eZweitausend Kilometer sind wir marschiert und haben die Vernichtung all dessen gesehen, was wir in zwanzig Jahren aufgebaut haben. Nun stehen wir vor der H\u00f6hle, aus der heraus die faschistischen Angreifer uns angegriffen haben. Wir bleiben erst stehen, nachdem wir sie ges\u00e4ubert haben. Gnade gibt es nicht \u2013 f\u00fcr niemanden, wie es auch keine Gnade f\u00fcr uns gegeben hat. [\u2026] Das Land der Faschisten muss zur W\u00fcste werden.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Deutschen waren weit davon entfernt, den alliierten Streitkr\u00e4ften jubelnd entgegenzulaufen. Dazu trug nicht nur das schockierende Verhalten der Rotarmisten gegen\u00fcber der Zivilbev\u00f6lkerung bei. Vielmehr identifizierte sich die Bev\u00f6lkerung bis zum bitteren Ende mehrheitlich mit dem Regime der Nationalsozialisten. Im Unterschied zu vielen anderen L\u00e4ndern kam es in Deutschland weder zur Bildung von Partisaneneinheiten noch zu lokalen Aufst\u00e4nden. Auch der Widerstand blieb marginal.<br \/>\nVor allem an der Ostfront leisteten die deutschen Soldaten erbitterten Widerstand gegen den Vormarsch der Alliierten \u2013 selbst dann noch, als der Krieg l\u00e4ngst verloren war. Die K\u00e4mpfe gingen sogar dann noch weiter, nachdem Hitler am 30. April 1945 Selbstmord begangen hatte. Als Berlin am 2. Mai endlich kapitulierte, waren bei der mehr als zweiw\u00f6chigen Schlacht um die deutsche Hauptstadt noch einmal 170.000 Soldaten ums Leben gekommen. F\u00fcr Historiker steht deshalb au\u00dfer Frage: Nicht Deutschland wurde vor 75 Jahren befreit, sondern Europa von den Deutschen.<\/p>\n<p>Als die Deutschen endlich niedergerungen waren, dachten die Alliierten folgerichtig nicht daran, ihnen nun die Freiheit zu schenken. Bedingungslose Kapitulation bedeutete vielmehr, dass Deutschland jedes Recht verloren hatte, \u00fcber seine Zukunft selbst zu befinden. Ausl\u00e4ndische Truppen besetzten sein gesamtes Territorium. In der Berliner Erkl\u00e4rung vom 5. Juni 1945 legten die vier Alliierten fest, dass s\u00e4mtliche Regierungsgewalt bis hinunter zu den Kommunen bei den Besatzungsm\u00e4chten lag. Jede \u2013 auch anti-nazistische \u2013 politische Bet\u00e4tigung musste von ihnen genehmigt werden. Die Situation im Mai 1945 \u00e4hnelte mehr einer Milit\u00e4rdiktatur als einem demokratischen Neubeginn.<\/p>\n<p>F\u00fcr Millionen Deutsche bedeutete das Kriegsende sogar das Gegenteil von Befreiung. Durch die Kapitulation der Wehrmacht gerieten die meisten deutschen Soldaten in Gefangenschaft, am Ende waren es 11 Millionen. Mehr als 12 Millionen Deutsche wurden zudem aus ihrer Heimat in den Ostgebieten und in Ostmitteleuropa vertrieben. Auch in den vier Besatzungszonen wurden Hunderttausende Zivilisten verhaftet. Die Sowjetunion installierte in ihrer Zone quasi bruchlos eine neue Diktatur, die bis 1989 fortbestand.<\/p>\n<p>Zweifellos war das Kriegsende f\u00fcr die H\u00e4ftlinge in den deutschen Konzentrationslagern eine Befreiung. Dasselbe gilt f\u00fcr die Millionen ausl\u00e4ndischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter. Auch die rassisch Verfolgten und die Gegner des Hitler-Regimes konnten nun aufatmen. Aber die \u00fcberwiegende Mehrheit der Deutschen stand auf der anderen Seite der Barrikade. Umso erstaunlicher mutet es an, wie selbstgewiss sich viele Deutsche heute bei den Opfern und Gegnern des Nationalsozialismus verorten.<br \/>\nDas Bed\u00fcrfnis, die T\u00e4terrolle abzustreifen, l\u00e4sst sich schon fr\u00fch beobachten. Vor allem in der DDR definierte man sich mit rasender Geschwindigkeit von der Verlierer- auf die Siegerseite. Schon 1950 wurde der 8. Mai als \u201eTag der Befreiung\u201c zum staatlichen Feiertag erhoben und hinfort mit gro\u00dfem Propagandaaufwand zelebriert. Bis 1967 und noch einmal 1985 war dieser Tag arbeitsfrei. Die SED-F\u00fchrung tat geradezu so, als h\u00e4tte die \u201eantifaschistische\u201c DDR den Sieg \u00fcber Hitler mit herbeigef\u00fchrt. Obwohl in ihrem Regime von Freiheit keine Rede sein konnte, bildete der Mythos von der Befreiung durch die Rote Armee dessen wichtigste Legitimationsgrundlage.<\/p>\n<p>Dass diese Propaganda \u00fcberhaupt verfangen konnte, lag vor allem daran, dass sie den Ostdeutschen die M\u00f6glichkeit der Entlastung bot. Wenn Deutschland 1945 vom \u201eFaschismus\u201c, wie der Nationalsozialismus in der DDR stets genannt wurde, befreit worden war, brauchten sie sich mit eigener Schuld und Verstrickung nicht mehr auseinandersetzen. Gleichzeitig erweckte die SED den Eindruck, dass es ehemalige Nazis ausschlie\u00dflich in der Bundesrepublik gab, was keineswegs der Fall war. Auf diese Weise wurde Hitler f\u00fcr viele DDR-B\u00fcrger, wie es der Historiker Peter Bender einmal formulierte, zum Westdeutschen.<\/p>\n<p>In der Bundesrepublik setzte die Umdeutung des Kriegsendes erst sehr viel sp\u00e4ter ein. Eine Z\u00e4sur bildete dabei die Rede des christdemokratischen Bundespr\u00e4sidenten Richard von Weizs\u00e4cker von 1985. Bei einer Gedenkstunde zum vierzigsten Jahrestag der Kapitulation erkl\u00e4rte er im Deutschen Bundestag: \u201eDer 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.\u201c Diese Feststellung war umso bemerkenswerter, als von Weizs\u00e4ckers Vater bei den N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozessen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war und er selbst ihn mit verteidigt hatte.<br \/>\nNach von Weizs\u00e4ckers Rede wurde die Fiktion eines antifaschistischen Deutschland, das von den Alliierten befreit worden sei, auch in Westdeutschland begierig aufgegriffen. Nach und nach avancierte sie fast zu einer Art Staatsr\u00e4son der Bundesrepublik. Schon zehn Jahre sp\u00e4ter lie\u00df es sich das inzwischen vereinigte Deutschland nicht nehmen, den Tag gemeinsam mit den Siegerm\u00e4chten zu feiern. Am 8. Mai 1995 lud Bundespr\u00e4sident Roman Herzog deshalb zu einem Staatsakt nach Berlin, an dem auch die Spitzen der einstigen Alliierten teilnahmen.<\/p>\n<p>Zum 60. und 70. Jahrestag hielten die Bundespr\u00e4sidenten Ansprachen mit einem \u00e4hnlichen Tenor. So bedankte sich Horst K\u00f6hler 2005 bei \u201eden V\u00f6lkern, die Deutschland besiegt und vom Nationalsozialismus befreit\u201c h\u00e4tten. Zehn Jahre sp\u00e4ter erkl\u00e4rte Joachim Gauck, dass der Krieg erst endete, als die Alliierten Deutschland zur Kapitulation gezwungen h\u00e4tten \u201eund uns Deutsche damit auch von der Nazi-Diktatur befreiten.\u201c Bei einer Gedenkstunde im selben Jahr zitierte Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert von Weizs\u00e4ckers Satz und f\u00fcgte hinzu, dass diese Wahrnehmung inzwischen von einer breiten Mehrheit der Deutschen geteilt werde. Nur der Historiker Heinrich August Winkler machte die Parlamentarier damals darauf aufmerksam: \u201eEs war nicht so, dass die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Deutschen den Sieg der Alliierten im Mai 1945 als Befreiung erlebt h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>Wenn es nach den politischen Eliten der Bundesrepublik gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte Deutschland auch den 75. Jahrestag der Kapitulation als Akt der Befreiung gefeiert. Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier hatte bereits zu einem Staatsakt vor dem Reichstagsgeb\u00e4ude mit zahlreichen G\u00e4sten aus dem In- und Ausland geladen. Im ganzen Land waren Veranstaltungen geplant, bei denen sich die Deutschen als Befreite pr\u00e4sentieren wollten. Nur weil das \u00f6ffentliche Leben aufgrund der Corona-Pandemie fast vollst\u00e4ndig heruntergefahren wurde, musste das meiste abgesagt werden.<\/p>\n<p>Jetzt wird es nur noch eine Kranzniederlegung an der Neuen Wache in Berlin geben, anschlie\u00dfend wird Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier eine Rede halten. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Pr\u00e4sidenten von Bundestag, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht werden dabei weitgehend unter sich sein. Vielleicht ist dies ganz gut so, damit sich das schiefe Selbstbild der Deutschen nicht weiter einschleift. Denn Deutschland wurde 1945 nicht befreit, sondern besiegt und Ostdeutschland blieb auch danach noch jahrzehntelang eine Diktatur. Dass die Deutschen trotz ihrer Verantwortung f\u00fcr bis zu 80 Millionen Tote heute \u00fcber ihre Geschicke selbst bestimmen d\u00fcrfen, ist ein gro\u00dfes historisches Gl\u00fcck, f\u00fcr das sie gar nicht genug dankbar sein k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 8.5.2020 von Hubertus Knabe bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/auf-die-opferseite-der-geschichte-schummeln\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/auf-die-opferseite-der-geschichte-schummeln\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Hubertus Knabe ist Historiker und Autor des Buches <\/em><br \/>\n<em>\u201eTag der Befreiung? Das Kriegsende in Ostdeutschland\u201c<br \/>\n<\/em>\u00a0.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitulation am 8. Mai 1945\u00a0und Neubeginn in Freiburg<\/strong><\/p>\n<p class=\"vorwort\">Das Kriegsende kam f\u00fcr Freiburg mit dem Einmarsch der Franzosen am 21. April bereits zwei Wochen vor der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945.<br \/>\nVor 30 Jahren, zum 40. Gedenktag an das Ende des Zweiten Weltkriegs, gab das Stadtarchiv in seiner Schriftenreihe &#8222;Stadt und Geschichte&#8220; das Heft &#8222;Endlich Frieden!&#8220; heraus. In seinem Vorwort nimmt Oberb\u00fcrgermeister Rolf B\u00f6hme \u2013 damals drei Jahre im Amt \u2013 das Gedenken zum &#8222;Anla\u00df zu kritischer Selbstbefragung, ob wir die Lehren aus der Vergangenheit gezogen haben&#8220;. Eine noch heute aktuelle Frage. Die Situation in Freiburg um das Kriegsende stellten 1985 die beiden Historiker Thomas Schnabel und Gerd R. \u00dcbersch\u00e4r in ihren Beitr\u00e4gen vor.<br \/>\nFreiburgs Bev\u00f6lkerung litt in der ersten H\u00e4lfte des Jahres 1945 noch immer schwer unter dem gro\u00dfen Angriff, den britische Bomberverb\u00e4nde am 27. November 1944 ausgef\u00fchrt hatten und dem fast 3000 Menschen zum Opfer gefallen waren. Zahlreiche Angriffe mit weiteren Zerst\u00f6rungen von Bahnanlagen und Wohngeb\u00e4uden, mit Toten und Verletzten gab es auch im Dezember 1944, auch 1945, vor allem im Februar, setzte sich der Luftkrieg fort. Von den mehr als 100 000 Einwohnern bei Kriegsbeginn hatten rund 40 000 die Stadt verlassen und waren ins Umland, in den Schwarzwald, ins Schw\u00e4bische und ins Bodenseegebiet evakuiert worden. In der Stadt herrschte gro\u00dfe Wohnungsnot. Es fehlte in manchen Stadtgebieten an Wasser, im Januar mussten die Schulen schlie\u00dfen, weil nicht mehr geheizt werden konnte, der Strom war rationiert und am 15. April 1945 musste die Freiburger Stra\u00dfenbahn mangels Energie den Betrieb endg\u00fcltig einstellen. Weil die Rheintalstrecke in vielen Abschnitten zerst\u00f6rt war, konnte der Bahnverkehr nach Freiburg nur noch \u00fcber das H\u00f6llental abgewickelt werden \u2013 immer wieder durch Angriffe von Jagdbombern gest\u00f6rt.<\/p>\n<div class=\"boxOhne breakerAd\">\n<div id=\"zoneAdserverMrec\" class=\"top20\">\n<div id=\"helperAdserverMrec\">\n<div id=\"beacon_f8d1ecc4e0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/w.online-verlag-freiburg.de\/www\/delivery\/lg.php?bannerid=4828&amp;campaignid=2277&amp;zoneid=65795&amp;loc=1&amp;referer=http%3A%2F%2Fwww.badische-zeitung.de%2Ffreiburg%2Fkapitulation-und-neubeginn--104520659.html&amp;cb=f8d1ecc4e0\" alt=\"\" width=\"0\" height=\"0\" \/><\/div>\n<div id=\"oms_gpt_mr_ad_container\">Immerhin funktionierte seit Mitte Dezember die Versorgung mit Lebensmitteln wieder einigerma\u00dfen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Gro\u00dfe Einschr\u00e4nkungen gab es bei der Versorgung mit Gem\u00fcse, denen die Beh\u00f6rden mit dem Appell zum Eigenanbau entgegenzuwirken suchten \u2013 weitgehend erfolglos. Immer schlechter stand es um die Versorgung mit Kraftstoffen, die im Februar endg\u00fcltig zusammengebrochen war. F\u00fcr zus\u00e4tzliche Probleme sorgten auch Unstimmigkeiten zwischen Parteieinrichtungen und Verwaltung und zwischen st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden und denen des Landes. H\u00e4tte der Krieg noch l\u00e4nger gedauert, w\u00e4re es vermutlich zum v\u00f6lligen Kollaps der Strukturen gekommen.Je n\u00e4her die feindlichen Truppen an den Rhein vorr\u00fcckten, umso mehr verk\u00fcndeten die Parteiorgane Durchhalteparolen und sch\u00fcrten die tr\u00fcgerische Hoffnung, der von Hitler im Herbst 1944 ausgerufene Volkssturm werde sich dem Feind entgegenstellen und den &#8222;Endsieg&#8220;<br \/>\nsichern. Seit Ende M\u00e4rz 1945 hielten die alliierten Streitkr\u00e4fte das linke Rheinufer von Basel bis Mannheim besetzt.Der als Oberbefehlshaber des Ersatzheeres eingesetzte Reichsf\u00fchrer SS Heinrich Himmler rief zur Verteidigung der deutschen St\u00e4dte mit allen Mitteln auf. &#8222;Jede Stadt, jedes Dorf wird verteidigt&#8220; titelte das NS-Blatt &#8222;Der Alemanne&#8220; am 12. April 1945 und der am Folgetag abgedruckte Befehl stellte klar, dass alles Zuwiderhandeln mit dem Tod bestraft w\u00fcrde. Die mangelnde Zahl und schlechte Ausr\u00fcstung der K\u00e4mpfer, auch eine um sich greifende Kriegsm\u00fcdigkeit sollte durch besonders entschlossene und fanatische &#8222;Kampfkommandanten&#8220; wettgemacht werden.Auch in Freiburg gab es Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Politik der &#8222;verbrannten Erde&#8220;, zu der es aber dann doch nicht kam. Beim Einmarsch der Franzosen am 21. April 1945 leistete der Freiburger Kampfkommandant Generalkommandant Rudolf Bader nicht den geforderten Widerstand &#8222;bis zum letzten Mann&#8220;, sondern zog sich mit seinen Truppen zur\u00fcck. Es kam nur zu vereinzelten Schusswechseln zwischen franz\u00f6sischen Truppen und Volkssturmleuten sowie zur strategisch v\u00f6llig sinnlosen Sprengung der Eisenbahnbr\u00fccken in Z\u00e4hringen.<br \/>\nAm Abend dieses Samstags im April war f\u00fcr Freiburg der Krieg zu Ende, zwei Wochen sp\u00e4ter f\u00fcr das ganze Reich. Nicht wenige Menschen nahmen dies mit einem Gef\u00fchl der Erleichterung hin. Die grunds\u00e4tzlichen Probleme \u2013 Versorgung mit Nahrung und Energie, Wohnungsnot &#8211; sollten bleiben, sich zun\u00e4chst sogar versch\u00e4rfen und noch lange andauern. Gleichzeitig begann der Aufbau des sozialen, kulturellen und politischen Lebens, mit dem die Schmach der Besiegten in die Chance f\u00fcr einen Neubeginn m\u00fcndete.<br \/>\n8.5.2015, Peter Kalchthaler<br \/>\n.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"vorwort\"><strong>8. Mai 1945 &#8211; etwas anderes als als nur &#8222;Tag der Befreiung&#8220;<\/strong><br \/>\nRichard von Weizs\u00e4cker hat im Jahr 1985 in einer denkw\u00fcrdigen Rede\u00a0den Tag der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8.5.2015 als &#8222;Tag der Befreiung&#8220; bezeichnet:<br \/>\n&#8222;Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung&#8220;.<br \/>\nIn seiner\u00a0Rede hatte er das Schicksal der Vertriebenen nicht ausgeblendet, aber dennoch wird heute\u00a0der 8. Mai prim\u00e4r mit der Befreiung\u00a0Europas nach dem 2. Weltkrieg verkn\u00fcpft. Diese Sicht ignoriert, dass in vielen L\u00e4ndern (der sp\u00e4teren DDR, Baltikum, Polen Ungarn, Tschechoslowakei, auch in der Sowjetunion) die Menschen von einer unmenschlichen Diktatur in eine andere gerieten.<br \/>\nSo\u00a0kam es vor, dass Juden, die aus Theresienstadt befreit wurden, unmittelbar\u00a0nach dem 8.Mai Zwangsarbeit in der Tschechoslowakei verrichten mussten.<br \/>\n&#8222;Ich nehme alle Seiten der Realit\u00e4t wahr und blende nicht aus, dass in weiten Teilen Europas nicht Freiheit herrschte, sondern Diktatur und auch Gewalt. Es ist verpflichtend f\u00fcr humanes Denken, das Kriegsende auch aus Sicht der universellen Menschenrechte zu betrachten.&#8220; &#8211; so Erika Steinbach, die den 8.Mai nicht allein als Tag der Befreiung sieht: <em><strong>&#8222;Wenn auf den &#8222;Tag der Befreiung&#8220; f\u00fcr die Betroffenen keine Freiheit folgt, <\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>ist es f\u00fcr sie auch kein &#8222;Tag der Befreiung&#8220; gewesen.&#8220;.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Engagement &gt;Zukunft &gt;Demokratie &gt;1945Mai8 8. Mai 1945 &#8211; Ende des Zweiten Weltkriegs Als &#8222;Tag der Befreiung&#8220; bezeichnete Richard von Weizs\u00e4cker in seiner denkw\u00fcrdigen Rede 1985 den Tag der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8.5.1945.. Darauf Erika Steinbach im Hinblick &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/1945mai8\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":21084,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-54456","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54456"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":134159,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54456\/revisions\/134159"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}