{"id":49809,"date":"2014-08-03T14:49:20","date_gmt":"2014-08-03T12:49:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=49809"},"modified":"2020-12-06T11:23:16","modified_gmt":"2020-12-06T10:23:16","slug":"kriegsdenkmale","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/kriegsdenkmale\/","title":{"rendered":"Kriegsdenkmale"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de7blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Global<\/a> &gt;<a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Krieg<\/a> &gt;<a title=\"Waffen\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/waffen\/\">Waffen<\/a> &gt;Kriegsdenkmale<\/p>\n<div id=\"attachment_76454\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freiburg-1944-nie-wieder-krieg\/freiburg1944-friedrichstrasse-pan\/\" rel=\"attachment wp-att-76454\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-76454\" class=\"size-full wp-image-76454\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/freiburg1944-friedrichstrasse-pan.jpg\" alt=\"Blick von der Friedrichstrasse \u00fcber Freiburg zum Kybfelsen. Nur das M\u00fcnster steht noch nach dem 27.11.1944 - ein Wunder\" width=\"600\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/freiburg1944-friedrichstrasse-pan.jpg 600w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/freiburg1944-friedrichstrasse-pan-180x95.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-76454\" class=\"wp-caption-text\">Blick von der Friedrichstrasse \u00fcber Freiburg zum Kybfelsen. Nur das M\u00fcnster steht noch nach dem <a title=\"Freiburg1944\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/freiburg1944\/\">27.11.1944<\/a> &#8211; ein Wunder<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/strassen-schulen-umbenennen\/\">Strassen Schulen umbenennen<\/a>\u00a0(5.12.2020)<\/li>\n<li><a title=\"Denkmal\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/denkmal\/\">Denkm\u00e4ler: Das Erbe ausl\u00f6schen \u2013 Antirassismus \u2013 USA<\/a> (19.6.2020)<\/li>\n<li><a title=\"Freiburg 1944: Nie wieder Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/freiburg-1944-nie-wieder-krieg\/\">Freiburg 1944: Nie wieder Krieg<\/a>\u00a0(28.11.2019)<\/li>\n<li>Steinernde St\u00f6renfriede &#8211; Kriegerdenkmale in St\u00e4dten und Gemeinden (3.8.2014)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a title=\"Frieden\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/frieden\/\">Frieden<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Denkmal\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/dienste\/immobilien\/denkmal\/\">Denkmal<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/kriegsdenkmal\/todtnau-brandfelsen2007\/\" rel=\"attachment wp-att-49910\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-49910\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/todtnau-brandfelsen2007-180x120.jpg\" alt=\"todtnau-brandfelsen2007\" width=\"180\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/todtnau-brandfelsen2007-180x120.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/todtnau-brandfelsen2007.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/gegendrum-am-schauinsland\/hofsgrund2friedhof140131\/\" rel=\"attachment wp-att-45004\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-45004\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/hofsgrund2friedhof140131-180x153.jpg\" alt=\"hofsgrund2friedhof140131\" width=\"180\" height=\"153\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/hofsgrund2friedhof140131-180x153.jpg 180w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/hofsgrund2friedhof140131-640x544.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/hofsgrund2friedhof140131.jpg 880w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><br \/>\n(1) Todtnau &#8211; Brandfelsen mit Denkmal\u00a0\u00a0(2) Hofsgrund im Kirchhof<\/p>\n<p>(1) Brandfelsen mit dem Kriegerdenkmal am Ortsrand\u00a0Todtnau in\u00a0Richtung Brandenberg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Steinerne St\u00f6renfriede<\/b><\/p>\n<p><em>100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg stehen in fast jedem Ort\u00a0 markige Kriegerdenkm\u00e4ler dem Gedenken sperrig im Weg<\/em><\/p>\n<p>Breitbeinig und bereit stehen sie vor den Mauern am Kirchhof, streng entschlossen,\u00a0die Augen fest nach vorn, die Gewehre bei Fu\u00df. Sechs \u00fcberlebensgro\u00dfe Soldaten in langen M\u00e4nteln und Stahlhelm. Steinerne W\u00e4chter, denn hier ist ein Toter\u00a0 aufgebahrt, ebenfalls in Uniform. Und aus dieser steinernen Ruhe grollt ein Ruf: \u201eKameraden, wir warten auf Euch.\u201c Die Szenerie ist gespenstisch, und es ist untertrieben zu sagen, das monumentale Denkmal f\u00fcr den Ersten Weltkrieg st\u00f6re die Idylle vor St. Josef in Kollnau. Pfarrer Heinz Vogel kennt eine alte Frau, die die Kirche nur durch den Seiteneingang betritt. \u201eAuch f\u00fcr mich ist es ein Schock, dass es den Kirchhof in diesem Ausma\u00df beherrscht\u201c, sagt er. Vielen Hochzeitspaaren, die hier gerne Erinnerungsfotos schie\u00dfen, geht es kaum anders. \u201eAber die Alteingesessenen sagen mir, sie brauchen diesen Ort, um an ihre Verstorbenen zu denken.\u201c<\/p>\n<p>In fast jedem Ort in Deutschland steht mindestens ein Denkmal f\u00fcr die Toten des Ersten Weltkrieges, mehr als 300 sind es zwischen Emmendingen und Bad S\u00e4ckingen. Nicht alle sind so monstr\u00f6s wie das in Kollnau, einige daf\u00fcr noch militaristischer. Dem heutigen Gedenken an die Millionen Opfer stehen sie sperrig im Weg. Wie soll man mit ihren kriegsverherrlichenden Aussagen\u00a0 umgehen?<\/p>\n<p>Der \u201eEhrenhof\u201c\u00a0 des Elzacher Bildhauers Erwin Krumm\u00a0 wird am 1. September 1935 in Kollnau eingeweiht: \u201eUnseren Helden 1914-1918\u201c. Hitlerjugend, Kameradschaften, SA und der Reitersturm ziehen zu \u201eschneidiger Marschmusik\u201c durchs Dorf. Von \u201efeldgrauen Herren aller Altersklassen im gro\u00dfen V\u00f6lkerringen\u201c schreibt die Freiburger Zeitung am Tag danach. 107 M\u00e4nner, die im gr\u00f6\u00dften Massenschlachten\u00a0 der Geschichte get\u00f6tet wurden. B\u00fcrgermeister Gustav Kramb erinnert \u201ealle Volksgenossen daran, dass dieses Ehrenmal zugleich ein Mahnmal sein soll, sich jederzeit wie die gefallenen Helden selbstlos f\u00fcr unser deutsches Vaterland einzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Man findet Denkm\u00e4ler wie das in Kollnau mit Stahlhelmen, granatbewehrten Soldaten, Eisernen Kreuzen und Heldenlob\u00a0 all\u00fcberall\u00a0 vor Schulen, Kirchen, auf Friedh\u00f6fen, in W\u00e4ldern, auf den Anh\u00f6hen. Doch nimmt man sie wahr? \u201eEs gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar w\u00e4re wie Denkm\u00e4ler\u201c, schrieb Robert Musil. Und tats\u00e4chlich: An viele\u00a0\u00a0 hat man sich bis zur Unsichtbarkeit gew\u00f6hnt. Die Auseinandersetzung mit ihnen kann schmerzhaft sein, viele widersprechen unserer heutigen Haltung zu Krieg und Trauer aufs Sch\u00e4rfste.<\/p>\n<p>Denkm\u00e4ler geh\u00f6ren wie Grabsteine nicht den Toten. Sie richten sich an die Lebenden und erz\u00e4hlen mehr \u00fcber sie und ihre Zeit als \u00fcber diejenigen, denen sie gelten. Dabei geht es um Deutungshoheit: Wer die Erinnerung beherrscht, kann die Vergangenheit\u00a0 f\u00fcr seine Ziele nutzen. Das wusste niemand besser als die\u00a0 in den 20er Jahren erstarkten Militaristen der Weimarer Republik, die die Schmach der Niederlage mit kommenden Siegen ausmerzen wollten.\u00a0Und sie stie\u00dfen in eine L\u00fccke: Den Sozialdemokraten, sagt der Freiburger Historiker Heinrich Schwendemann, der im Fr\u00fchling in Kollnau einen Vortrag \u00fcber Kriegerdenkm\u00e4ler gehalten hat, war das Kriegsgedenken wenig wichtig: \u201eBrot statt Steine\u201c war ihre Devise. Mit Folgen: Pazifistische Mahnmale gibt es zum Ersten Weltkrieg praktisch keine. Dabei steht in der fr\u00fchen Nachkriegszeit noch die Trauer \u00fcber die Toten im Vordergrund, sagt Schwendemann. Doch dann setzt sich bald\u00a0 ein anderes Bed\u00fcrfnis durch: diesem\u00a0 \u201esinnlosen Massenmorden einen Sinn abzutrotzen\u201c. Und den legen die \u00dcberlebenden alleine fest.<br \/>\nDas Gedenken an die gefallenen Soldaten war 1918 noch eine junge Tradition. Fr\u00fchere Denkm\u00e4ler gelten F\u00fcrsten und K\u00f6nigen, nach dem Frankreichkrieg 1870\/71 und der Reichsgr\u00fcndung dominieren allegorische Siegesdarstellungen. Zugleich r\u00fcckte seit den\u00a0 Befreiungskriegen Mitte des 19. Jahrhunderts der gemeine Soldat in den Fokus \u2013 und sein Name auf den Sockel. Das maschinelle Massenmorden des Ersten Weltkriegs mit seinen zwei Millionen Toten allein auf deutscher Seite\u00a0 st\u00fcrzte die Trauer ins Leere: Die meisten Leichen\u00a0 waren unauffindbar. Das Sterben war anonym, und selbst die Soldatenfriedh\u00f6fe und Beinh\u00e4user lagen entlang der Front in Frankreich. In der Heimat der Toten\u00a0 musste man andere Wege des Gedenkens finden.<br \/>\nAus der fr\u00fchen Nachkriegszeit finden sich schon aus Geldmangel oft einfache\u00a0 Stelen oder Findlinge, Tafeln an Friedh\u00f6fen, Kirchmauern oder Heiligenfiguren. Meist sind es schlichte, traurige Namenslisten, die noch von der Schmach der Niederlage und der Orientierungslosigkeit der Gegenwart zeugen. Oft dankt die \u201eHeimatgemeinde\u201c ihren \u201eGefallenen\u201c. Eine \u201egewisse Sprach- und Hilflosigkeit\u201c erkennt die Historikerin Sabine Behrenbeck in diesen Tafeln. Doch ein Ruf nach Frieden ergeht auch aus ihnen kaum. Eine Ausnahme ist\u00a0 Curt Liebichs Denkmal in Gutach von 1923. Es zeigt eine still trauernde junge Frau in Tracht. Tafeln am Sockel zeigen den Auszug der Soldaten und ihre R\u00fcckkehr als gebrochene M\u00e4nner. Die Nationalsozialisten wollten es prompt einschmelzen. Streit gab es auch 1926 um die trauernde Alma Mater vor der Freiburger Universit\u00e4t. Allerdings aus anderen Gr\u00fcnden: Den Theologen war sie zu nackt.<br \/>\nAb Mitte der 20er Jahre verdr\u00e4ngt der Kampf die Trauer: Die militaristischen und rechten Kr\u00e4fte erstarken und erk\u00e4mpfen sich die Deutungshoheit \u00fcber den Krieg und seine Opfer. Die\u00a0 Niederlage wird nun umgedeutet: Millionen Soldaten d\u00fcrfen nicht sinnlos geopfert, gestorben, verbrannt, verst\u00fcmmelt worden sein.\u00a0\u00a0 Waren die deutschen Soldaten nicht \u201eim Felde unbesiegt\u201c? Die Dolchsto\u00dflegende wird\u00a0 als Opfermythos in Stein gemei\u00dfelt, monumental. \u201eS\u00f6hne aus gro\u00dfer Zeit\u201c ehrt etwa das Denkmal in Schallbach, \u201eschmerzliche Opfer des gewaltigen Ringens\u201c.<\/p>\n<p>Nun \u201etritt der Soldat auf den Sockel\u201c, wie Historiker Schwendemann sagt. Gewehr bei Fu\u00df, die entsicherte Granate in der Hand, den Blick in Richtung Feindesland.\u00a0 Markige Gestalten mit K\u00f6rpern wie Stahlschr\u00e4nken, in den langen M\u00e4nteln und Stahlhelmen, die Militariafreunde heute wie damals\u00a0 \u201edie Feldgrauen\u201c nennen. Kaum einer hat diesen Soldatentypus am Oberrhein nachdr\u00fccklicher gepr\u00e4gt als der Freiburger Bildhauer Hugo Knittel. Von ihm stammen unerbittliche Soldatenfiguren. Die Vorbilder findet er in der Propaganda f\u00fcr Kriegsanleihen ab 1916 mit ihrem Bild vom kampfbereiten, opferwilligen, unbeugsamen Frontsoldaten. Man findet diesen Typus in Murg, in Furtwangen,\u00a0 in Oppenau, auch der \u201eauf dem Feld der Ehre gefallene\u201c Soldat in Malterdingen stammt von ihm. Sie sehen sich alle \u00e4hnlich. In Haslach im Kinzigtal hat man es nicht mehr ertragen, das Denkmal ist abgebaut. An anderen Orten wird diskutiert. Selbst christliche Vorbilder werden oft martialisch umgedeutet: Zeigt die Piet\u00e0 die trauernde Muttergottes mit dem toten Jesus im Arm, ist der Soldat mit dem sterbenden Kameraden im Arm gefechtsbereit, oft mit der Granate in der Hand.<br \/>\nDie Nationalsozialisten schlie\u00dflich richten den Blick nach vorn: Die Denkm\u00e4ler werden zu flammenden Appellen: \u201eDen Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung.\u201c Was nach dem Zweiten Weltkrieg nach Mahnung f\u00fcr den Frieden klingt, ist ab den sp\u00e4ten 20er Jahren ein Ruf zu den Waffen. \u201eHier soll eine Opferbereitschaft erzeugt werden\u201c, sagt Schwendemann, \u201eeine Verpflichtung der Lebenden gegen\u00fcber den Toten.\u201c Auf dem Denkmal in Kandern steht: \u201eWir sind verg\u00e4nglich, doch Deutschland bleibt bestehen.\u201c Dazu geh\u00f6rt auch der Kyffh\u00e4usermythos vom schlafenden Riesenheer Barbarossas, das das Reich einst wiederherstellen wird. Viele Denkm\u00e4ler der 30er Jahre spielen darauf an und der Vertreter des Kyffh\u00e4userbunds hielt bei der Einweihung des Kollnauer Denkmals eine flammende Rede an die Jugend. Dort wie anderswo ist die Aufforderung in Stein gemei\u00dfelt:\u00a0 \u201eKameraden, wir warten auf Euch.\u201c Die Nationalsozialisten erkl\u00e4ren das Heldenopfer zur Vorbedingung ihrer Bewegung und bereiten den n\u00e4chsten Krieg vor.<\/p>\n<p>Eine besondere Bl\u00fcte erf\u00e4hrt in dieser Zeit auch der Germanenkult: Es entstehen Ehrenhaine wie der der Z\u00e4hringer Turner im Freiburger Schlossbergwald. Die Freiburger Turnerschaft errichtete gar ein badisches Stonehenge auf dem 1198 Meter hohen Hinterwaldkopf. \u201eAngeh\u00f6rige eines Volkes, das man zu Sklaven machen will, erinnern sich ihrer W\u00fcrde und Ehrenpflicht. Deutschland, merk auf!\u201c, mahnte das Vereinsblatt. Auch auf dem Freiburger Hauptfriedhof werden 1929 Klassik, Germanen und Religion\u00a0 vermischt: Eine riesige Germania mit Stahlhelm, Speer und erhobenem Schild wacht \u00fcber den Gr\u00e4bern. Die gewaltig geplante Anlage fiel am Ende aber kleiner aus.<\/p>\n<p>Der zweifache Missbrauch der Toten<br \/>\nDie monumentalen Steine sind heute eine schmerzhafte Provokation: Sie machen aus\u00a0 dem Sterben und aus dem Krieg eine Heldentat.\u00a0 Und stehen als stolze Wahrzeichen an prominenten Orten wie eines der bekanntesten Werke Hugo Knittels, das Todtnauer Schwertdenkmal, das oberhalb des Ortes\u00a0 15 Meter hoch auf seinem Sockel thront. Gewidmet \u201eUnseren Helden\u201c zeigt es die typischen Insignien des Revisionismus: Reichsadler, eisernes Kreuz, Stahlhelm. Und selbst der kleine Stein f\u00fcr die gefallenen Fu\u00dfballer des SC Freiburg vor den Trainerb\u00fcros tr\u00e4gt noch einen Stahlhelm.<br \/>\nLandauf, landab wird \u00fcber diese Kriegerdenkm\u00e4ler gestritten: In Murg werden zwei\u00a0 riesige K\u00e4mpfer an ein stilleres \u00d6rtchen verschoben, in K\u00f6ndringen wurden Waffen durch Blumen ersetzt, andernorts sind die Krieger\u00a0 abgebaut. Der Kollnauer Pfarrer Heinz Vogel kann auch diese Radikall\u00f6sung\u00a0 nachvollziehen: \u201eWill man, dass die Toten\u00a0 noch einmal missbraucht werden?\u201c Erst auf dem Feld, dann als Verkl\u00e4rung der Kriegshetze?<br \/>\nDer Historiker Heinrich Schwendemann m\u00f6chte die steinernen St\u00f6renfriede \u2013 \u00e4hnlich wie bei heiklen Stra\u00dfennamen \u2013 lieber mit erkl\u00e4renden Tafeln geschichtlich einordnen.\u00a0Auch Pfarrer\u00a0 Vogel\u00a0 ruft nicht nach den Baggern. Er l\u00e4dt weiter zur Diskussion. Im Herbst gibt es eine neue Runde. \u201eUnd wenn uns diese Diskussion gelingt, kann auch etwas heil werden.\u201c<br \/>\n3.8.2014, Ren\u00e9 Zipperlen, <a href=\"https:\/\/www.der-sonntag.de\">www.der-sonntag.de<\/a><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Sch\u00e4me mich f\u00fcr diese Heldenverehrung<\/strong><br \/>\nIhren Artikel habe ich sehr begr\u00fc\u00dft, und ich finde ihn l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Es hat zwar jedes Denkmal seineZeit,dochdieZeit dieser \u201eheldenhaften\u201c Denkm\u00e4ler ist l\u00e4ngst abgelaufen.Das sollte auch f\u00fcr die Generation Geltung haben, die wohl aus falsch verstandener Heldenverehrung immer noch an ihren Vorbildern festhalten will. Ich sch\u00e4me mich f\u00fcr diese Art der Verehrung und f\u00fchle mich in der Umgebung dieser Denkm\u00e4ler nur unwohl. Sogar bedroht von der Gewalt, die diesen Soldatentypen innewohnt. Hier wird nicht der Toten und derOpfer gedacht, die ein grauenhafter Krieg mit sich bringt, sondern dem Gedenken an die \u201eheldenhaften\u201c Vorbilder, die f\u00fcr Krieg, Gewalt, Mord oder Vergewaltigung regelrecht geworben haben. Diese Denkm\u00e4ler sollten abgebaut und durch Werte ersetzt werden, die unsere Gesellschaft heute ausmachen. Denkm\u00e4ler f\u00fcr den Frieden.<br \/>\n17.8.2014, Till Abele, Emmendingen<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Ich sch\u00e4me mich f\u00fcr die Parolen des Autors<\/strong><br \/>\nEs ist mir unerkl\u00e4rlich, wie der \u201eAutor\u201c die Pressefreiheit so missbrauchen kann, um sein linkes Gedankengut zu verbreiten. Irgendwie erinnerte mich die Einseitigkeit des Beitrages an die Berichterstattung in der DDR, der Herr Zipperlen wohl auch geistig nahe steht. Wieso m\u00fcssen wir alles in Frage stellen? Vermeiden wir mit der Vernichtung der Denkm\u00e4ler einen neuen Krieg, weil die Denkm\u00e4ler kriegsverherrlichend sind? Ich sch\u00e4me mich f\u00fcr \u00c4u\u00dferungen des Autors, der die Toten f\u00fcr seine Parolen missbraucht. Die Denkm\u00e4ler, die nach dem Ersten Weltkrieg f\u00fcr unsere Gefallenen errichtet wurden, regen zum Denken und Nachdenken an, geradeweil sie sperrig sind. Wir sollten mit Stolz unserer Ahnen gedenken und ihnen nicht noch nachtr\u00e4glich die Ehre rauben. Es ist nicht das Recht der nachfolgenden Generationen, den Opfertod einer Generation st\u00e4ndig neu zu interpretieren und das Gedenken zu manipulieren. Die Denkm\u00e4ler sind\u00a0Teil unserer Geschichte und unserer nationalen Identit\u00e4t. Letztere ist bedroht, mit unberechenbaren Folgen f\u00fcr die Zukunft.<br \/>\n17.8.2014, Olaf Barth, M\u00fcllheim<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Soldaten sollman ehren d\u00fcrfen<\/strong><br \/>\nAls ich den Bericht las, ist mir fast das Essen im Hals stecken geblieben. Ich bin Jahrgang 1983 und habe keine politische Richtung. Die Denkm\u00e4ler in unserer Region zeugen von Opfern, von Leid und Entbehrung in schlimmster Zeit. Viele L\u00e4nder ehren ihre Soldaten und verh\u00f6hnen diese nicht. Wieso ist das hier anders? Schauen Siemal, wie die Amerikaner ihre Soldaten ehren, auch wenn sie den Kriegwie in Vietnamverloren haben. Darf man hier nicht mehr den Soldaten ein kleines Denkmal errichten? Soll alles verboten werden? Wieso entfernt man nicht alle Kreuze, die \u00fcberall herumstehen? Oder gar die Kirchen, die mit ihren Kriegen und Hinrichtungen so vielen Menschen das Leben genommen haben, f\u00fcr was? So langsam sch\u00e4me ich mich, hier zu leben, f\u00fcr alles mich zu entschuldigen, weil so ein paar Gutmenschen meinen, ich schulde der Welt irgendwas.<br \/>\n17.8.2014, Marek M\u00f6llinger, Obereggenen<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Trauer anstelle von Kriegertum<\/strong><br \/>\nDiejenigen, die meinen, es w\u00fcrde um die Frage des Respekts und Gedenkens an die Toten gehen, sollten bedenken: Es h\u00e4tten damals ja auch ganz andere Denkm\u00e4ler gebaut werden k\u00f6nnen. Denkm\u00e4ler mit Bildern der Trauer statt des trutzigen Kriegertums und Triumphs stellten die Deutschen 1871 in Lothringen auf, und die Franzosen, als sie nach dem Ersten Weltkrieg Lothringen zur\u00fcckerobert hatten, lie\u00dfen sie stehen. F\u00fcr Menschen typisch, besonders f\u00fcr Deutsche, ist es, sich voller Emotionen und Aversionen viel zu weit in die Extreme zu verirren: Wer Denkm\u00e4ler aus einer\u00a0vergangenen Zeit abr\u00e4umen will, ist ein Barbar ohne Zivilisation, genau wie die Taliban! Wer aber unkritisch Denkm\u00e4ler mit fragw\u00fcrdigen Aussagen beibehalten will, handelt auch nicht klug. (Falls es kosteng\u00fcnstig m\u00f6glich und im Einzelfall sinnvoll w\u00e4re,\u00a0 k\u00f6nnten kleinere Denkm\u00e4ler an einen weniger zentralen Ort umgesetzt werden.) Sinnvoll w\u00e4re es, die Denkm\u00e4ler stehen zu lassen, aber \u00fcberall erkl\u00e4rende Tafeln aufzustellen, damit Fehler von fr\u00fcher nicht wiederholt werden. In diesem Fall waren die sonderbaren Denkm\u00e4ler dazu gedacht,\u00a0ein gef\u00e4hrliches neues Menschenbild, einen Mythos von st\u00e4hlernen Frontk\u00e4mpfern zu verbreiten, die um des K\u00e4mpfens willen k\u00e4mpften. Ein kollektives Gewalterlebnis wurde als Ansporn zu noch mehr H\u00e4rte und Gewaltt\u00e4tigkeit verstanden \u2013 wie Menschen nach erlebter Gewalt manchmal selbst zu\u00a0 Gewaltt\u00e4tern werden. Psychologen sagen, wer in seinen Grundbed\u00fcrfnissen nach Schutz, Zugeh\u00f6rigkeit, Integrit\u00e4t, W\u00fcrde und Anerkennung verletzt wird, neigt oft dazu, selbst destruktiv, hart und gewaltt\u00e4tig zu werden. Diese Sorte\u00a0von Denkm\u00e4lern sollte Grobheit und Gewalt verherrlichen und Reklame f\u00fcr den n\u00e4chsten Krieg machen. Diese Wirkung haben sie heute nicht mehr.<br \/>\nKurt Tucholsky schrieb dar\u00fcber, als die Denkm\u00e4ler aufgestellt wurden. Als h\u00e4tte er eins der Bilder zum Artikel beschrieben: Das Denkmal in Murg. Tucholsky schrieb: \u201eTrutzig-karg recken sich da Stahlhelmsoldaten, kantigen Kinns werfen sie marmorne Handgranaten auf Marktpl\u00e4tze\u201c und kein anst\u00e4ndiger Ort, der nicht ein Reklame-Kriegerdenkmal sein Eigen nennt: \u201eImmer wieder Krieg!\u201c (Gedenkm\u00e4ler, Gesammelte Werke Bd. 5, S. 176). Tucholsky kontrastiert die Skulpturen mit der friedlichen Szene auf dem Marktplatz. Tats\u00e4chlich zieht die eine Figur gerade den Z\u00fcnder an einer Handgranate ab.<br \/>\n17.8.2014, Alfred Brehm, Auggen<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Initiative &#8222;Info-Tafel am Kriegsdenkmal&#8220; als Reaktion zu Steinerne St\u00f6renfriede?<\/strong><br \/>\nIn dem Artikel &#8222;Steinerne St\u00f6renfriede&#8220; werden die markigen Kriegerdenkmale beschrieben, die \u00fcberall im Land auf Pl\u00e4tzen und Friedh\u00f6fen zu finden sind. Der Autor Ren\u00e9\u00a0Zipperlen informiert sachlich und zeigt die\u00a0denkbaren Alternativen auf:<br \/>\n(1) Die oftmals\u00a0kriegsverherrlichenden Denkm\u00e4ler stehen lassen wie sie sind &#8211; also als Zeichen der Geschichte.<br \/>\n(2) Denkm\u00e4ler an einen weniger zentralen Ort versetzen.<br \/>\n(3) Info-Tafeln anbringen bei den Denkmalen mit erkl\u00e4renden Texten zu Historie und Gegenwart.<br \/>\n(4) Abri\u00df wegen Kriegshetze und falscher Heldenverehrung .<br \/>\nDie Leserbriefe zeigen, wie\u00a0wichtig der Artikel bzw. die Frage nach dem Umgang mit\u00a0Kriegsdenkmalen in unseren St\u00e4dten und Gemeinden\u00a0ist. Da ist es unverst\u00e4ndlich, dass Zipperlen f\u00fcr diesen gut recherchierten Artikel als linker Ex-DDRler beschimpft und gar der Soldatenverh\u00f6hnung bezichtigt wird. Wenn ein Journalist ein\u00a0hei\u00dfes Eisen anpackt und in einer Gratis-Wochenendzeitung wie DER SONNTAG sachlich fundiert aufarbeitet, dann ist dies doch zu begr\u00fc\u00dfen und\u00a0als Chance zu nutzen, um das Thema &#8222;Kriegerdenkmale und Friedensbewegung&#8220; ebenso sachlich zu diskutieren. Vielleicht st\u00f6\u00dft dieser Artikel\u00a0eine Initiative &#8222;Info-Tafel am Kriegsdenkmal&#8220; an, um die obige Alternative (3) umzusetzen?<br \/>\n18.8.2014, Ekkehard Kaier<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Global &gt;Krieg &gt;Waffen &gt;Kriegsdenkmale Strassen Schulen umbenennen\u00a0(5.12.2020) Denkm\u00e4ler: Das Erbe ausl\u00f6schen \u2013 Antirassismus \u2013 USA (19.6.2020) Freiburg 1944: Nie wieder Krieg\u00a0(28.11.2019) Steinernde St\u00f6renfriede &#8211; Kriegerdenkmale in St\u00e4dten und Gemeinden (3.8.2014) Frieden Denkmal \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (1) Todtnau &#8211; Brandfelsen mit Denkmal\u00a0\u00a0(2) Hofsgrund &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/kriegsdenkmale\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":18096,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-49809","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/49809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49809"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/49809\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85505,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/49809\/revisions\/85505"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18096"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}