{"id":42138,"date":"2013-12-09T15:00:09","date_gmt":"2013-12-09T14:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=42138"},"modified":"2023-01-11T11:25:07","modified_gmt":"2023-01-11T10:25:07","slug":"sterbehilfe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/senioren\/sterbehilfe\/","title":{"rendered":"Sterbehilfe"},"content":{"rendered":"<p>Home &gt;<a title=\"Selbsthilfe\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/\">Selbsthilfe<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Senioren\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/senioren\/\">Senioren<\/a> &gt;Sterbehilfe<\/p>\n<div id=\"attachment_40511\" style=\"width: 649px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel2013\/israelis\/genezareth1boot-pan131030\/\" rel=\"attachment wp-att-40511\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-40511\" class=\"size-full wp-image-40511\" title=\"genezareth1boot-pan131030\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/genezareth1boot-pan131030.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/genezareth1boot-pan131030.jpg 639w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/genezareth1boot-pan131030-180x59.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-40511\" class=\"wp-caption-text\">Blick \u00fcber den See Genezareth nach Osten zu den Golan-H\u00f6hen am 30.10.2013 fr\u00fch morgens<\/p><\/div>\n<p><em>\u00a0&#8222;Der Tod kommt hoffentlich erst dann, wenn er mich erl\u00f6st&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/psyche\/trauer\/sterben\/\">DGHS: Humanes Sterben \u2013 Edith Vieser in Freiburg<\/a> (11.1.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vor-dem-tod-retten\/\">Vor dem Tod retten<\/a>\u00a0(23.2.2021)<\/li>\n<li>Haltung der EKD zur Sterbehilfe ist heuchlerisch (18.7.2014)<\/li>\n<li>Jauch: Gibt es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? (19.1.2014)<\/li>\n<li>Sterbehilfe als letztm\u00f6gliche Lebenshilfe\u00a0 (10.12.2013)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe1.htm\">Aktuelle Infos zur Sterbehilfe-Seite ab 12\/2005<\/a> &gt;Sterbehilfe1<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/pflege2.htm#Patientenverf\u00fcgung: Ratschl\u00e4ge und Fragen\">Patientenverf\u00fcgung: Ratschl\u00e4ge und Fragen<\/a> &gt;Pflege2 (14.10.2007)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Keine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe - Stellungnahme von Autonom Leben\">Keine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe &#8211; Stellungnahme von &#8222;Autonom Leben&#8220;<\/a> (1.12.2005)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Selbstbestimmt und m\u00fcndig sterben k\u00f6nnen\">Selbstbestimmt und m\u00fcndig sterben k\u00f6nnen<\/a> (30.11.2005)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Sterbehilfe in Deutschland\u00a0- Hospiz Karl Josef Freiburg\">Sterbehilfe in Deutschland\u00a0&#8211; Hospiz Karl Josef Freiburg<\/a> (19.11.2005)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Ansichten einer Todgeweihten \u00fcber Weiterleben, Sterben und Rechtslage\">Ansichten einer Todgeweihten \u00fcber Weiterleben, Sterben und Rechtslag<\/a>e (19.11.2005)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Sterbehilfe und Stammzellenforschung - Projekt Treffpunkt Ethik\">Sterbehilfe und Stammzellenforschung &#8211; Projekt Treffpunkt Ethik<\/a> (25.1.2005)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Diskussion mit Peter Singer \u00fcber Menschenw\u00fcrde - eine Nachbetrachtung\">Diskussion mit Peter Singer \u00fcber Menschenw\u00fcrde &#8211; eine Nachbetrachtung<\/a> (16.1.2005)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/senioren2.htm#Zehn Jahre Hospizgruppe Markgr\u00e4flerland in M\u00fcllheim\">Zehn Jahre Hospizgruppe Markgr\u00e4flerland in M\u00fcllheim<\/a> &gt;Senioren2 (14.10.2004)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Die W\u00fcrde des Menschen war unantastbar - Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde aus Au\">Die W\u00fcrde des Menschen war unantastbar &#8211; Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde aus Au<\/a> (16.9.2004)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Ethik-Konsil am ZERM - Zentrum f\u00fcr Ethik und Recht in der Medizin\">Ethik-Konsil am ZERM &#8211; Zentrum f\u00fcr Ethik und Recht in der Medizin<\/a> (16.9.2004)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Diskutieren auch Sie mit bei der zentralen Frage zur Sterbehilfe\">Diskutieren auch Sie mit bei der zentralen Frage zur Sterbehilfe<\/a> (11.7.2004)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/sterbehilfe#Bonndorfer Gespr\u00e4che - Moraltheologe Schockenhoff kritisiert in Euthanasie-Debatte\">Bonndorfer Gespr\u00e4che &#8211; Moraltheologe Schockenhoff kritisiert in Euthanasie-Debatte<\/a> (2.7.2004)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/senioren1.htm#Freiburger Erkl\u00e4rung zur Sicherung von Selbstbestimmung und W\u00fcrde am Ende des Lebens\">Freiburger Erkl\u00e4rung zur Sicherung von Selbstbestimmung und W\u00fcrde am Ende des Lebens<\/a> &gt;Senioren1\u00a0 (13.12.2003)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/senioren1.htm#Sterbehilfeorganisationen haben Konjunktur\">Sterbehilfeorganisationen haben Konjunktur<\/a> (30.11.2003)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/senioren\/palliativ\/\">Palliativmedizin, Palliativpflege<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/senioren.htm\">Senioren im Dreisamtal<\/a> &gt;freiburg-dreisamtal.de\/Senioren<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/chronisch\/demenz\/\">Demenz im Alter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/psyche\/trauer\/tod\/\">Tod<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/psyche\/trauer\/\">Trauer<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"question\">In der Schweiz wird dar\u00fcber diskutiert, ob Hochbetagte Zugang zu einem Sterbemittel bekommen sollten. Was halten Sie davon? &#8222;Man sollte nicht unheilbar krank sein m\u00fcssen, um Hilfe beim Suizid zu erhalten. Wer sein Leben nicht mehr f\u00fcr lebenswert h\u00e4lt und einen vern\u00fcnftigen Grund hat zu glauben, dass sich das nicht \u00e4ndert, sollte Zugang bekommen. Das umfasst Leute in h\u00f6herem Alter mit Beschwerden wie einer schweren Arthritis oder einer beginnenden Demenz, die nicht unmittelbar t\u00f6dlich sind. Unter solchen Umst\u00e4nden sollten sie ein Rezept f\u00fcr das Sterbemittel erhalten und sterben k\u00f6nnen, wenn sie das m\u00f6chten.&#8220;<br \/>\nDer australische Philosoph Peter Singer am 24.5.2015 in<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/nzzas\/nzz-am-sonntag\/philosoph-peter-singer-ein-embryo-hat-kein-recht-auf-leben-1.18547574\u00a0\">https:\/\/www.nzz.ch\/nzzas\/nzz-am-sonntag\/philosoph-peter-singer-ein-embryo-hat-kein-recht-auf-leben-1.18547574\u00a0<\/a><\/p>\n<p><strong>Haltung der EKD zur Sterbehilfe ist heuchlerisch<\/strong><br \/>\nDer Vorsitzende der EKD Nikolaus Schneider will seiner krebskranken Frau beistehen und &#8211; falls sie sich den Tod w\u00fcnscht &#8211;\u00a0auf die Unterst\u00fctzung einer Organisation wie Dignitas in der Schweiz zur\u00fcckgreifen. Damit steht es schlecht um die Glaubw\u00fcrdigkeit der EKD. Wie kann die evangelische Kirche verlangen, dass es in Deutschland nicht geben darf und strafbewehrt sein soll, was ihr Vorsitzender selbst tut?<br \/>\nWill die ev. Kirche nicht heuchlerisch oder bigott werden, dann muss die EKD diesen Gegensatz aufl\u00f6sen \u2013 und zwar so, wie Schneider es seit langem sagt: Sterbehilfe kann ein Akt der Liebe sein.<br \/>\n18.7.2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jauch: Gibt es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben?<\/strong><br \/>\nTV, das Erste, vom 19.1.2014<br \/>\n<a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/guentherjauch\/rueckblick\/selbstbestimmtsterben101.html\">https:\/\/daserste.ndr.de\/guentherjauch\/rueckblick\/selbstbestimmtsterben101.html\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Udo Reiter: Mein Tod geh\u00f6rt mir, vom 4.1.2014<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/selbstbestimmtes-sterben-mein-tod-gehoert-mir-1.1856111\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/selbstbestimmtes-sterben-mein-tod-gehoert-mir-1.1856111<\/a><\/p>\n<p>Franz M\u00fcntefering: Gef\u00e4hrliche Melodie vom 3.11.2014<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/debatte-um-sterbehilfe-gefaehrliche-melodie-1.1854960\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/debatte-um-sterbehilfe-gefaehrliche-melodie-1.1854960<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehrheit f\u00fcr Legalisierung der aktiven Sterbehilfe<\/strong><br \/>\nEine von Forsa durchgef\u00fchrte repr\u00e4sentative\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dak.de\/dak\/bundesweite_themen\/Umfrage_zur_Sterbehilfe-1358248.html\">DAK-Umfrage<\/a>\u00a0von 1.005 Menschen mit einer statistischen Fehlertoleranz von +\/- 3 Prozent hat ergeben, dass 70 Prozent der Befragten zumindest bei schwersten Krankheiten f\u00fcr sich die M\u00f6glichkeit haben wollen, eine aktive Sterbehilfe zu erhalten. Sie wollen also, dass hier \u00e4rztliche Hilfe legalisiert wird&#8230;..<br \/>\nAlles vom 20.1.2014 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/40\/40784\/1.html\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/40\/40784\/1.html\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sterbehilfe als letztm\u00f6gliche Lebenshilfe<\/strong><br \/>\nHans K\u00fcng\u00a0 hat 1995\u00a0zusammen mit Walter Jens\u00a0das Buch &#8222;menschenw\u00fcrdig sterben&#8220; ver\u00f6ffentlcht. Darf man als Christ seinem Leben ein Ende setzen?<br \/>\n&#8222;F\u00fcr mich ist das Leben eine Gabe Gottes. aber Gott hat diese Gabe in meine eigene Verantwortung gegeben. Das gilt auch f\u00fcr die letzte Phase des Lebens, das Sterben. Der Gott der Bibel ist ein Gott der Barmherzigkeit und nicht ein grausamer Despot, der der den Menschen m\u00f6glichst lange in der H\u00f6lle seiner Schmerzen sehen will. Sterbehilfe kann also die ultimative, letztm\u00f6gliche Lebenshilfe sein.&#8220;<br \/>\nHans K\u00fcng, 3.1.2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"Keine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe - Stellungnahme von Autonom Leben\"><\/a><strong>Keine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe &#8211; Stellungnahme von &#8222;Autonom Leben&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der Hamburger Justizsenator Roger\u00a0Kusch hat eine Gesetzes\u00e4nderung zur Freigabe der &#8222;aktiven Sterbehilfe&#8220; gefordert: &#8222;Verantwortungsvolle, mitf\u00fchlende Sterbehilfe ist f\u00fcr mich kein Versto\u00df gegen humane Grundwerte, sondern ein Gebot christlicher N\u00e4chstenliebe.&#8220;<br \/>\nIn Deutschland konnte bisher anders als in den Niederlanden oder Belgien die gesetzliche Freigabe der &#8222;Aktiven Sterbehilfe&#8220; nicht durchgesetzt werden. Ein Grund sind die Erfahrungen mit der Gesundheitspolitik des Hitler-Faschismus. Die Nationalsozialisten kn\u00fcpften an der Propaganda f\u00fcr die angeblich so segensreiche und humane Freigabe der &#8222;aktiven Sterbehilfe&#8220; an, um ihr Programm der Vernichtung &#8222;lebensunwerten Lebens&#8220; und der Endl\u00f6sung der sozialen Frage zu verwirklichen.<br \/>\nIm Zusammenhang mit den Prozessen gegen die &#8222;Euthanasie&#8220;\u00e4rzte des Dritten Reiches schrieb 1949 der amerikanische Arzt Leo Alexander, &#8222;dass allen, die mit der Frage nach dem Ursprung dieser Verbrechen zu tun hatten, klar wurde, dass sie aus kleinen Anf\u00e4ngen wuchsen. Am Anfang standen zun\u00e4chst feine Akzentverschiebungen in der Grundhaltung. Es begann mit der Auffassung, die f\u00fcr die Euthanasiebewegung grundlegend ist, dass es Zust\u00e4nde gibt, die als nicht mehr lebenswert zu betrachten sind. In ihrem Fr\u00fchstadium betraf diese Haltung nur die schwer und chronisch Kranken. Nach und nach wurde der Bereich jener, die unter diese Kategorie fielen, erweitert und auch die sozial Unproduktiven, die ideologisch Unerw\u00fcnschten, die rassisch Unerw\u00fcnschten dazugerechnet. Entscheidend ist jedoch zu erkennen, dass die Haltung gegen\u00fcber den unheilbar Kranken der winzige Ausl\u00f6ser war, der diesen totalen Gesinnungswandel zur Folge hatte.&#8220;<\/p>\n<p>Wir halten es daher f\u00fcr gef\u00e4hrlich und grundfalsch, die &#8222;T\u00f6tung auf\u00a0 Verlangen&#8220; und die &#8222;aktive Sterbehilfe&#8220; gesetzlich zuzulassen:<br \/>\nl\u00a0 Wenn der Staat es erst einmal zul\u00e4sst, dass \u00c4rzte ihren Patienten Tabletten oder Spritzen verabreichen, die als einziges Ziel haben, Patienten umzubringen, dann ist nicht nur der Missbrauch programmiert. Eine genaue gesetzliche Regelung f\u00fchrt auch dazu, dass auch der letzte Abschnitt des Lebens voll in der Routine des medizinischen und betreuungsrechtlichen Alltags aufgeht, dass sich dabei pragmatisch zweckgerichtetes Handeln durchsetzen und die Todesspritze zu einer normalen, gleichrangigen Alternative \u00e4rztlichen Handelns wird.<br \/>\nl\u00a0 Auch der Kommerz wird sich rasch der ge\u00e4nderten Rechtslage annehmen. Es wird einen Handel mit diesen Giften geben, das unkontrollierbare Internet bietet sich nahezu daf\u00fcr an. Es wird einen &#8222;Sterbehilfe&#8220;-Tourismus und verst\u00e4rkt spezielle \u00c4rzte und Kliniken geben, deren bevorzugtes Gesch\u00e4ft es sein wird, schwerkranke und schwerstbehinderte Menschen zu t\u00f6ten.<br \/>\nl Die Rechtsprechung der letzten Jahre, aber auch die 1999 vorgelegten &#8222;Richtlinien zur Sterbebegleitung und Behandlungsabbruch&#8220; der Bundes\u00e4rztekammer haben zudem das Tor zur &#8222;aktiven Sterbehilfe&#8220; weit aufgesto\u00dfen. Die Rechtsprechung in Deutschland verlangt vor einem Behandlungsabbruch die Pr\u00fcfung,\u00a0 ob &#8222;ein bewu\u00dftes oder selbstbewu\u00dftes Leben f\u00fcr den betroffenen Patienten zu erwarten sei&#8220; (OLG Frankfurt 1998).\u00a0 Dieses\u00a0 Kriterium aber f\u00fchrt unausweichlich in ein Wertesystem, das menschliches Leben erster und zweiter Klasse unterscheidet, mit unterschiedlichem Anrecht auf\u00a0 Schutz und Menschenw\u00fcrde. Das ist eine direkte \u00dcbernahme der Pr\u00e4misse der Bioethik, dass es einen grunds\u00e4tzlichen Unterschied gibt zwischen einem bewussten und selbstbewussten Leben von Personen, die deshalb ein volles gesch\u00fctztes Lebensrecht haben, und einem menschlichen Leben von &#8222;Nichtpersonen&#8220;, dem Bewusstheit und Selbstbewusstsein abgesprochen wird und das deshalb vernichtet werden darf, wenn das f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt n\u00fctzlicher erscheint.<br \/>\nl Wenn aktive Sterbehilfe generell freigegeben w\u00fcrde, dann sind sich Kranke und Behinderte buchst\u00e4blich ihres Lebens nicht mehr sicher. Permanent st\u00fcnde ihnen die Aufforderung im R\u00fccken: Warum stirbst du nicht endlich? Warum bittest du nicht um dein Ende?<br \/>\nl Von einem freien Willen kann bei der Bitte um die Giftspritze \u00fcberhaupt nicht die Rede sein. Die Einsamkeit, die unzureichend behandelten Schmerzen, die schreckliche Situation in den Kliniken und Pflegeheimen, das Gef\u00fchl, nur noch anderen zu Last zu fallen, der mehr oder weniger direkte\u00a0 Druck des sozialen Umfeldes werden weit h\u00e4ufiger diese Bitte um den schnellen Tod bestimmen als der &#8222;freie&#8220; Wille.<br \/>\nl Als eine wesentliche Hilfe f\u00fcr das Handeln des Arztes sollen demn\u00e4chst auch in Deutschland verbindliche Patientenverf\u00fcgungen dienen. Aber diese sogenannten Patiententestamente sind ja in der Regel in einer ganz anderen Lebenssituation verfasst worden. Und selbst wenn die Patientenverf\u00fcgungen schon bei sehr fortgeschrittener Krankheit oder zu einem Zeitpunkt kurz vor Eintreten der Nichtzustimmungsf\u00e4higkeit verfasst werden, ist ihre Aussagekraft h\u00f6chst zweifelhaft.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<br \/>\nUnd bei nichteinwilligungsf\u00e4higen Patienten sollen gesetzliche Betreuer, Angeh\u00f6rige, \u00c4rzte und Vormundschaftsrichter\u00a0 den &#8222;mutma\u00dflichen Willen&#8220; der Betroffenen ermitteln. Was ist aber der &#8222;mutma\u00dfliche Wille&#8220; und kann er \u00fcberhaupt ermittelt werden?\u00a0 Der mutma\u00dfliche Wille ist ein sehr manipulatives Instrument; er richtet sich nach\u00a0 dem Ma\u00df des durchschnittlich Vern\u00fcnftigen. Die Gesunden w\u00fcrden also einem Kranken, in dessen Lage sie sich gar nicht hineindenken k\u00f6nnen, ihre Auffassung aufpressen.<br \/>\nl Dass Menschen in kritischen Lebenslagen mit Selbstt\u00f6tungsw\u00fcnschen reagieren, ist normal. Die Frage ist dann, wie mit solchen W\u00fcnschen respektvoll umgegangen wird. Das Angebot des schnellen Todes ist hier ganz sicher der falsche Weg. Aufgabe des Arztes, der Pflegenden und der Angeh\u00f6rigen ist es vielmehr, in solchen Situationen die Not hinter dem T\u00f6tungswunsch sensibel wahrzunehmen und ernst zu nehmen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<br \/>\nUnd wenn es nicht zu verhindern war, dass sich Menschen selbst t\u00f6ten, dann ist das allemal Anlass zu trauern, innezuhalten, nachzudenken, was falsch gelaufen ist. Es darf aber nicht zum Anlass genommen werden, neue Gesetze zu fordern, die die Selbstt\u00f6tung oder das T\u00f6tung auf Verlangen erleichtern, oder gar eine neue &#8222;praktische&#8220; Ethik oder Moral als sozial notwendig zu verlangen, die das T\u00f6tungstabu grunds\u00e4tzlich aufhebt.<br \/>\nl &#8222;Sterbehilfe&#8220; ist nicht zuletzt eine \u00f6konomische Frage. 60 bis 70 Prozent der gesamten Behandlungskosten eines Lebens fallen in den letzten zwei Lebensjahren an. Da ist die Versuchung gro\u00df, die maroden Gesundheitssysteme durch die T\u00f6tung dieser Patienten zu sanieren. Die Praxis der &#8222;Sterbehilfe&#8220; in den Niederlanden oder Belgien ist f\u00fcr die Kosten und Nutzen abw\u00e4genden Sozial- und Gesundheitspolitiker weltweit daher durchaus Vorbild.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<br \/>\nRund 40.000 Menschen fallen zum Beispiel in Deutschland jedes Jahr ins Koma, die meisten f\u00fcr wenige Tage oder Wochen, rund 3000 aber f\u00fcr mehr als ein halbes Jahr. Die Behandlung eines Komapatienten kostet monatlich mindestens 5.000 Euro. Es ist daher kein Zufall, dass diese Menschen am h\u00e4ufigsten als Argument f\u00fcr die &#8222;aktive Sterbehilfe&#8220; herhalten m\u00fcssen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 .<br \/>\nEin radikales &#8222;Sterbehilfe&#8220;-Gesetz, die Zulassung der Giftspritze ist daher weit mehr ein Gebot\u00a0 des\u00a0 Wettbewerbs- und Standortvorteils als ein Gebot christlicher N\u00e4chstenliebe.<br \/>\nAutonom Leben e.V., Hamburg, <a href=\"https:\/\/www.autonomleben.de\/\">www.autonomleben.de<\/a>, 1.12.2005<br \/>\nnewsletter Behindertenpolitik Nr. 22 (erscheint als Beiheftung der Zeitschrift BIOSKOP Nr. 32)<br \/>\nRedaktion: Volker van der Locht, eMail: <a href=\"mailto:volkervanderlocht@t-online.de\">volkervanderlocht@t-online.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"Selbstbestimmt und m\u00fcndig sterben k\u00f6nnen\"><\/a><strong>Selbstbestimmt und m\u00fcndig sterben k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Vom rechten Zeitpunkt des endg\u00fcltigen Abschiednehmens \/ Selbstbestimmt und m\u00fcndig sterben k\u00f6nnen \u2013 das ist ein Wunsch, den nicht nur alte Menschen haben<\/p>\n<p>Ein Mensch stirbt. Erst jetzt ist seine Zeit endg\u00fcltig zu Ende. Selbst wenn er Jahre im Bett gelegen hat, \u201eein Pflegefall\u201c, wie es hei\u00dft, dement dazu und also wirklich nicht mehr von dieser Welt \u2013 solange er lebt, hat er noch Zeit. Ist noch \u2013 wie minimal auch immer \u2013 Ver\u00e4nderung m\u00f6glich. Mein Mentor und Freund starb, achtzigj\u00e4hrig. \u201eJetzt w\u00e4re es schwierig geworden\u201c, sagte seine Frau bei der Beerdigung, \u201eich konnte ihn nur noch mit der Pipette f\u00fcttern.\u201c Und ich f\u00fchlte mich in meinem hartn\u00e4ckigem Glauben best\u00e4tigt, dass der Mensch doch letzten Endes den Zeitpunkt seines Todes mitbestimmt. Er starb, als seine Anwesenheit mehr Last als Bereicherung bedeutet h\u00e4tte; er wollte sterben. Das sage ich mir. Ich sage mir das, seit ich den Abschiedsbrief eines Stiefonkels in den H\u00e4nden hielt: Im Kriegswinter 1945 schrieb der pensionierte Arzt, ersch\u00f6pft von den Strapazen der Flucht, seiner Frau, mit der er die H\u00e4rten der Flucht geteilt hatte, f\u00fcnf Zeilen des Abschieds, am Abend. Am n\u00e4chsten Morgen war er tot.<\/p>\n<p>Selbstbestimmt sterben \u2013 ist diese Vorstellung vielleicht nur der letzte, \u00e4u\u00dferste Wellenring jenes Aufkl\u00e4rungsglaubens, der Menschen M\u00fcndigkeit zuspricht? Nicht wissen, nicht wenigstens mit bestimmen k\u00f6nnen \u2013 eine Zumutung, die am Ende des Lebens harrt. \u201eDie Jugend ist eigentlich zu sch\u00f6n, um sie an die Jungen zu verschwenden\u201c \u2013 eine k\u00fchne Formulierung. Und das Alter? Nach all den Jahren des Wachstums, der Entwicklung zu einem \u2013 hoffentlich \u2013 immer klareren Selbstbild, bewegt der alte Mensch sich auf eine Nebellandschaft zu. Wie wird das Ende sein? Schnell und kurz in einem Unfall? Unvermerkt entschlummern? Oder im Kopf nichts mehr finden k\u00f6nnen, obwohl man doch immer Ordnung hielt? Oder dem K\u00f6rper ausgeliefert sein, der einem heimt\u00fcckisch eingegebenen Verfallsdatum gehorcht? Habe ich noch zwanzig Jahre vor mir oder zwei? Ich kenne Beispiele. Der Freund, der sich monatelang allein durch die Wildnis des kanadischen Yukon schlug und dann auf einer Landstra\u00dfe vom Fahrrad kippte \u2013 Herzstillstand. Oder der Vater, den die geballten Morphiumspritzen zuletzt von der m\u00f6rderischen Atemnot befreiten. Aber auch die uralte Mutter, die meine Schwester und ich mit dem Singen ihrer Lieblingschor\u00e4le in den Tod begleiteten. Welchen Tod w\u00fcnsche ich mir? Doch einen, der mir noch eine Weile lebendige Lebenszeit gibt und dann einen bewussten, aber schnellen Abschied. So was wie eine Zusammenfassung: Den letzten Satz meines Textes selber sprechen. Mir nicht das Wort aus dem Mund nehmen lassen. Wenn die Art, wie ein Mensch stirbt, tats\u00e4chlich seine Art zu leben spiegelt, dann setzt das Sterben \u2013 wie der letzte Satz eines Textes \u2013 einen entscheidenden Akzent. Danach ist keine Korrektur mehr m\u00f6glich. Er hat das Wort abgegeben; jetzt haben es die \u00dcberlebenden. Deshalb schwingt bei Beerdigungen oft eine leise Heiterkeit mit.<br \/>\nAlles von Maria Bosse-Sporleder am 30.11.2005 auf <a href=\"https:\/\/www.bzol.de\/\">www.bzol.de<\/a> lesen<br \/>\nDie Autorin lebt als Dozentin und Leiterin von Schreibwerkst\u00e4tten in Freiburg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sterbehilfe in Deutschland\u00a0&#8211; Hospiz Karl Josef Freiburg<\/strong><br \/>\n<strong>Muss man sich hierzulande vor einem schmerzhaften Tod in Einsamkeit f\u00fcrchten? Eine Reise mit sechs Stationen<\/strong><\/p>\n<p>Die Hand, die sich zur Begr\u00fc\u00dfung entgegenreckt, ist weich, w\u00e4ssrig und prall geschwollen. Es ist alles andere als eine fr\u00f6hliche Gesellschaft, die sich hier um den Tisch versammelt hat. Der gemeinsame Ausflug in die Normalit\u00e4t beim Mittagessen im <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/senioren.htm#Hospiz Karl Joseph\">Hospiz Karl Josef<\/a> gestaltet sich z\u00e4h, trotz Blumen auf dem Tisch, H\u00fchnerfleisch und klassischer Musik. Walter Rudolf erz\u00e4hlt mit blutunterlaufenen Unterarmen von seinem Wochenende, einem Ausflug mit dem Rollstuhl zum Waldrand vor der T\u00fcr. Karin Solms versucht mit zitternder Gabel die wenigen Nudeln aus ihrem Sch\u00fcsselchen zu fischen, w\u00e4hrend sie und ihren Tumor die Worte der Mitpatienten und Pfleger am Tisch schon gar nicht mehr zu erreichen scheinen. Sterben \u2013 nur damit wir wissen, wovon wir reden \u2013 Sterben ist in Deutschland immer noch Sterben \u2013 nicht mehr und nicht weniger. Trotz Schmerzpumpe, Hospizstationen und aufopferungsvollen Menschen.<\/p>\n<p>Die Hospizschwester Warum Cornelia Netzer-Kaplanian als stellvertretende Leiterin im Hospiz Karl-Josef in Freiburg gelandet ist, wei\u00df sie noch genau. Nach zw\u00f6lf Jahren auf der Krebsstation h\u00e4tte sie nach etwas anderem gesucht, sagt sie, an diesem Morgen in dem leeren Hospiz-G\u00e4stezimmer, w\u00e4hrend im Hintergrund nur das Rascheln der Kleidung und das Ticken der gro\u00dfen Standuhr im Flur zu h\u00f6ren ist. Tick, Tack; Tick, Tack \u2013 die Stunden zwischen Gongschlag und Gongschlag schleichen dahin in der T\u00fcrkenlouisstra\u00dfe Nummer 22 \u2013 unaufhaltsam. \u201eIm Krankenhaus ist es ein Kampf bis zur letzten Minute\u201c, erz\u00e4hlt sie, bei dem einem noch kurz vorm Tod die n\u00e4chste Blutkonserve angeh\u00e4ngt werde. \u201eAber wenn mir bis zum Ende immer wieder ein Strohhalm vorgehalten wird, dann greif ich doch zu\u201c, sagt die 53-J\u00e4hrige. Die Bewerbung vor dreieinhalb Jahren im Hospiz sei f\u00fcr sie deshalb \u201edie Suche nach einer menschenw\u00fcrdigen Medizin gewesen\u201c. Unter Menschen, deren Angeh\u00f6rige die aufw\u00e4ndige Pflege ihre sterbenden Verwandten zu Hause nicht mehr stemmen k\u00f6nnen. Oder Sterbenden, die einfach niemand haben, der sie auf dem letzten Weg begleitet. Zwar ist auch im Hospiz, so ist zu erfahren, der Alltag f\u00fcr viele Menschen ein Warten auf den Tod. \u201eManche k\u00f6nnen nicht aufstehen\u201c, erz\u00e4hlt Netzer-Kaplanian, \u201edie Tage werden l\u00e4nger, sie wachen morgens auf, nur um festzustellen, dass sie immer noch nicht gestorben sind.\u201c Das Nicht-aushalten-K\u00f6nnen dieses Zustands, lautet die Erfahrung der hageren Frau, sei oft das Qu\u00e4lendste f\u00fcr ihre G\u00e4ste, wie die Patienten hier genannt werden. Aber mit dem Entschluss ins Hospiz zu gehen, die Therapie abzubrechen und die Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben abzugeben, w\u00fcrden viele noch einmal Kraft sch\u00f6pfen: Kraft beispielsweise, um unter H\u00f6chstdosen von Morphin noch ein ganzes Buch zu Ende zu schreiben. \u201eDiejenigen, die mit ihrem Leben und Sterben hadern\u201c, sagt Cornelia Netzer-Kaplanian, \u201ehaben es meist am schwersten.\u201c<\/p>\n<p>Der Br\u00fcckenpfleger<br \/>\n\u201eDie Hoffnung stirbt zuletzt\u201c, darin sind sich die zwei M\u00e4nner und zwei Frauen einig. \u201eIm tiefsten Inneren des Herzens wissen unsere Patienten, dass sie keine Chance haben\u201c, meint Astrid Ebach stellvertretend f\u00fcr ihre Kollegen. \u201eAber eine Etage dr\u00fcber, da hoffen die meisten doch, das alles wieder gut wird.\u201c Besuch bei der Br\u00fcckenpflege, einmal durch den prachtvollen Parcours der Uniklinik hindurch, links hinten, im Tumorzentrum neben der Litfasss\u00e4ule. Rainer Fritsche, Astrid Ebach, Annemarie Sch\u00f6ll und Ulrich Knapp betreuen mit zwei weiteren Kollegen momentan 32 Krebspatienten, in den eigenen vier W\u00e4nden. Sie organisieren das Lebensnotwendige, den Pflegedienst und beraten bei den Tabletten und der Schmerzmedikation.<br \/>\nUnd sie sind 24 Stunden am Tag erreichbar, wenn die Schmerzen zu qu\u00e4lend werden oder ein pflegender Ehemann ins Krankenhaus muss. Die z\u00e4he Hoffnung der Patienten zeigt sich zum Beispiel darin, dass rund die H\u00e4lfte der Betreuten versucht, mit Mistel-, Magnetfeldtherapie oder Vitaminpr\u00e4paraten noch ein Wunder zu bewirken. Dass jemand den Tod akzeptiere, passiere meist sp\u00e4t, sagen die Pfleger. Erst dann, wenn den Kranken die Kraft zum K\u00e4mpfen verlasse.<br \/>\nSterbehilfe? Alle Vier geben zu, im Zusammenhang mit dem eigenen Tod dar\u00fcber nachgedacht zu haben. Aber die Frage scheint eher ein Problem der Gesunden zu sein. Derjenigen, die den Berg noch vor sich sehen und sich dessen Bew\u00e4ltigung nicht vorstellen k\u00f6nnen. Ein Krebskranker, hei\u00dft es, sei aber oft zu schwach, um \u00fcberhaupt \u00fcber den n\u00e4chsten Tag hinaus zu denken. Geschweige denn, dass er einen Blick Richtung Gipfel werfen m\u00f6chte. \u201eF\u00fcr viele Patienten ist jeder Tag ein eigenes Universum\u201c, sagt Fritsche. Allein im letzten Jahr hat die Br\u00fcckenpflege 300 Krebskranke \u00fcbernommen. Umgebracht haben sich in den zehn Jahren seit der Gr\u00fcndung nur zwei.<\/p>\n<p>Der Angeh\u00f6rige<br \/>\nWenig sp\u00e4ter klingelt Ulrich Knapp an der T\u00fcr von Wolfgang Roth, dem Mann einer ehemaligen Patientin. Ein Haus zwischen Kaiserstuhl und Tuniberg, d\u00f6rfliche Umgebung, gutb\u00fcrgerlich, hell, behaglich und \u2013 leer. \u201eAm 3. August hat Karin aufgeh\u00f6rt zu atmen\u201c, sagt der 66-J\u00e4hrige mit belegter Stimme. Auf ihrem Klavier hinten in der Ecke hat er ihren Altar, wie er ihn nennt, aufgebaut. Zwei Kerzenleuchter, eine Rose, dazwischen Bilder vom Urlaub am Meer, Karins Jacke von der B\u00f6 aufgebl\u00e4ht, die blonden Haare windzerzaust. Das Haus in der Provence, die Wanderung in den Bergen. \u201eUnd auf allen Bildern\u201c, sagt Roth, \u201etr\u00e4gt sie das Monster schon in sich.\u201c Das Monster, der Tumor im Darm, der sich immer weiter ausbreitete \u2013 zehn Jahre lang. \u201eEin Kampf mit partiell begrenzten Siegen\u201c, sagt der sanfte, intellektuelle Mann mit Tr\u00e4nen in den Augen. Im Dezember 2004, als die von Metastasen zerfressenen Wirbel im R\u00fccken brachen, habe Karin schlie\u00dflich endg\u00fcltig aufgegeben: \u201eIch kann nicht mehr, ich will nicht mehr.\u201c Im April 2005 sagte sie: \u201eMein Gott, wie geht es mir gut.\u201c Karin lag im Bett, um mit dem Rollstuhl auf die Terrasse gefahren zu werden, war sie bereits zu schwach. \u201eAber alle waren da\u201c, sagt ihr Mann, \u201eso oft sie konnten.\u201c Die S\u00f6hne, die Schwestern. Die Familie sei um das Sterbebett zusammenger\u00fcckt, und so sei es bis heute geblieben. \u201eEs ist auch die Aufgabe des Sterbenden, seine Angeh\u00f6rigen auf den eigenen Tod vorzubereiten\u201c, hatte eine Stunde vorher noch Astrid Ebach im Tumorzentrum gesagt. Vor allem, denjenigen, die ihre Angelegenheiten nicht geordnet h\u00e4tten, die ihre wichtigen Probleme und Konflikte nicht kl\u00e4ren konnten, falle es schwer, loszulassen.<\/p>\n<p>Die Patientin<br \/>\nAnita Vesper hat Krebs, Lungenkrebs. Vor allem mit der Luft habe sie manchmal Probleme, verr\u00e4t die 74-J\u00e4hrige. \u201eManchmal springe ich auf, renne auf den Balkon und schnappe nach Luft wie ein Fisch an Land.\u201c Oft sind es auch die schmerzhaften Hustenanf\u00e4lle, die sie auf den Balkon treiben. Und weil sie die Nachbarn dort nicht so sehen sollen, so ohne Haare nach der Chemotherapie, tr\u00e4gt sie diesen roten Samtturban, zu Bademantel, Ohrringen und Nachthemd. Schmerzen? Am Anfang habe es schon wehgetan, sagt die Frau, bis der Arzt die richtige Arzneimischung gefunden hatte. Die Metastasen im Kopf, das Dr\u00f6hnen, das Rauschen, das Stechen. \u201eOhne die Medikamente w\u00e4re ich l\u00e4ngst vom Balkon gesprungen.\u201c Schmerztherapie bei Tumorpatienten sei nur in optimaler Zusammenarbeit mit den beteiligten Berufsgruppen zu erreichen, sagt Rainer Fritsche, und meint damit auch die Haus\u00e4rzte. \u201eDie Zusammenarbeit ist aber leider aber nicht immer vollst\u00e4ndig m\u00f6glich.\u201c Dank des Zusammenspiels von einem Pflaster auf der Haut, das fortlaufend Opiate in ihre Adern sickern l\u00e4sst, und den Schmerztabletten sei von ihren Schmerzen ein dumpfes aber ertr\u00e4gliches Leiden \u00fcbriggeblieben, sagt Anita Vesper. Das Leben verleiden k\u00f6nnen einem Krebspatienten aber auch chronische Durchf\u00e4lle, Verstopfungen oder der wunde Mund nach der Chemotherapie. \u201eDas meiste kriegen wir mit den \u00c4rzten in den Griff\u201c, versichert Fritsche. Bei Anita Vesper war es vor allem die Angst. Die Angst, sich hinzulegen beispielsweise. \u201eIch krieg den Spruch ,im Bett sterben die Leut \u2019 nicht mehr aus meinem Kopf\u201c, sagt sie. Dank einer neuen Pille k\u00f6nne sie jetzt endlich einschlafen. \u201eMan muss nat\u00fcrlich wissen, dass diese Tablette auf die Dauer s\u00fcchtig machen kann\u201c, r\u00e4umt der Pfleger vor der Haust\u00fcr ein. Die M\u00f6glichkeit einer Medikamentenabh\u00e4ngigkeit erscheint dem Pfleger in dieser Situation eher unbedeutend. \u201eWas ist schlimmer\u201c, sagt er, \u201eAngst oder Atemnot oder solche Nebenwirkungen?\u201c<\/p>\n<p>Der Arzt \u201eMedizinisch gesehen, br\u00e4uchte unter Schmerzen heute so gut wie keiner mehr zu sterben\u201c, best\u00e4tigt auch Wilhelm Freiherr von Hornstein, der Leiter der Schmerzmedizin in der Freiburger Klinik f\u00fcr Tumorbiologie und Vorsitzender der Hospizgruppe Freiburg. Bei f\u00fcnf bis zehn Prozent scheitert allerdings oft auch seine Kunst. \u201eAber wenn Sie eine gute Schmerztherapie machen, fangen die Probleme oft erst an\u201c, sagt er. Der Patient beginne Fragen zu stellen. \u00dcber das Leben, den Tod. \u201eDamit m\u00fcssen sie erstmal klar kommen.\u201c Leider sei es aber ein Grundproblem der \u00c4rzte, Erfolg und Selbstbest\u00e4tigung prim\u00e4r in der Heilung der Krankheit zu sehen, nicht in der Lebensqualit\u00e4t des Kranken. \u201eWir werden vor allem ausgebildet, in den Kampf gegen Infektionen und Tumoren zu ziehen\u201c, sagt von Hornstein. Aber wie sieht eine gute Palliativmedizin aus? \u201eDer Patient braucht Ehrlichkeit\u201c, sagt der Mediziner, \u201eund er braucht den Freiraum, selbst zu gestalten, was er noch gestalten kann. Auch wenn es nur die Dosierung der Schmerzpumpe ist. Die Autonomie, eine Botschaft zur\u00fccklassen zu d\u00fcrfen. Kein Mensch m\u00f6chte einfach kommentarlos verschwinden.\u201c Aber wer heutzutage hierzulande als Arzt Palliativmedizin machen wolle, m\u00fcsse daf\u00fcr Freizeit opfern. Entlohnt werde es ihm kaum.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsmann Wahrscheinlich ist deshalb auch das Hospiz Karl-Josef f\u00fcr Helmut Schillinger ein Zuschussbetrieb, nur dass Schillinger kein Arzt, sondern Verwaltungswirt und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Regionalverbunds kirchlicher Krankenh\u00e4user ist. Ein Engagement, das er und die Kirche sich j\u00e4hrlich rund 110000 Euro kosten lassen, wenn sie nicht \u00fcber Spenden wieder hereingeholt werden k\u00f6nnen. Rund 170 Euro kostet eines der acht Hospizbetten am Tag, 85 Prozent \u00fcbernehmen die Kassen, der Rest bleibt beim Tr\u00e4ger . 22 Tage, referiert Schillinger, bleibt der durchschnittliche Gast in der T\u00fcrkenlouisstra\u00dfe.<br \/>\nIn den Krankenh\u00e4usern sieht die Situation nicht besser aus. Weil die Politiker die Sterbemedizin ohne geeignete Fallpauschalen zum Verlustgesch\u00e4ft werden lie\u00dfen, steht in der Uniklinik Freiburg zwar eine neue Palliativstation \u2013 genutzt wird sie aber f\u00fcr gew\u00f6hnliche Privatpatienten. Sieben Palliativbetten auf eine Million Einwohner gibt es in Baden-W\u00fcrttemberg, elf duchschnittlich in Deutschland, 30 gelten international als erw\u00fcnscht. \u00c4hnlich das Bild bei den station\u00e4ren Hospizen. Neun gibt es f\u00fcr je eine Million Baden-W\u00fcrttemberger, 15 im Schnitt in Deutschland, 20 gelten als notwendig. Zwar hat die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag angek\u00fcndigt, weitere Pl\u00e4tze zu schaffen. Schon jetzt merkt die deutsche Gesellschaft f\u00fcr Palliativmedizin aber kritisch an, dass jegliche konkrete Festlegung fehle. Zwar sei die Warteliste f\u00fcr das Freiburger Hospiz nicht immer ausgebucht, sagt Schillinger. Immer wieder st\u00e4nden auch G\u00e4stezimmer leer. Viel werde au\u00dferdem in der Familie aufgefangen. Jeder dritte Tumorpatient stirbt zu Hause. \u201eUnd trotzdem gibt es anscheinend zu viele Menschen, die diesen Schritt heute noch einsam gehen m\u00fcssen.\u201c Zumindest in einem w\u00fcrden sich aber alle gleichen, sagt seine Angestellte Netzer-Kaplanian: \u201eWenn sie einmal gestorben sind, wirken alle Gesichter seltsam gel\u00f6st.<br \/>\nAlles von Michael Brendler vom 19.11.2005 auf <a href=\"https:\/\/www.bzol.de\/\">www.bzol.de<\/a> lesen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ansichten einer Todgeweihten \u00fcber Weiterleben, Sterben und Rechtslage<\/p>\n<p>Wie weit darf das Selbstbestimmungsrecht \u00fcber das eigene Sterben gehen? Mich treibt die Frage um, seit mein Brustkrebs vor f\u00fcnf Jahren Lungenmetastasen gebildet hat und damit nicht mehr geheilt werden kann. Da war ich 43 Jahre alt und hatte noch eine statistische Lebenserwartung von zwei Jahren. Als ich 45 war, bescherten mir erneute Lungen- und Rippenfellmetastasen neun schlimme Monate mit Schmerzen und Luftnot, bevor ein neues Medikament sie wieder eind\u00e4mmen konnte. Aber auch das wird mir nur noch im besten Fall wenige Jahre Lebenszeit gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>So droht mir ein fr\u00fchzeitiges und wohl auch qualvolles Sterben \u2013 trotz aller Hilfe durch die Palliativmedizin, die ich sicher in Anspruch nehmen werde. Zudem habe ich mit ansehen m\u00fcssen, wie meine Mutter vor f\u00fcnf Jahren an ihren Brustkrebsmetastasen starb. Zwar konnte ich sie nach einer Odyssee durch \u00fcberforderte Krankenh\u00e4user in einem Hospiz mit liebevoller Betreuung unterbringen \u2013 doch auch dort hielt sie an ihrem Wunsch nach Sterbehilfe fest. Und auch ich w\u00fcnsche mir, dass mich jemand ohne Angst vor Strafe beim Freitod begleiten darf, wenn ich nicht mehr leben will.<\/p>\n<p>Dabei will ich den Wunsch nach Sterbehilfe nicht gegen das aufopfernde Engagement der Hospizbewegung und der Palliativmedizin ausspielen. Ich verstehe auch die Angst vor Missbrauch und einer zu liberalen Regelung, die den Druck auf kranke und alte Menschen erh\u00f6hen k\u00f6nnte, aus finanziellen oder sozialen Gr\u00fcnden aus dem Leben zu scheiden. Dennoch bin ich froh, dass endlich auch bei uns in Deutschland \u00fcber Sterbehilfe gesprochen wird \u2013 trotz unserer NS-Vergangenheit mit einer \u201eEuthanasie\u201c, der von 1939 bis 1945 bis zu 250000 behinderte Menschen zum Opfer fielen.<\/p>\n<p>Eigentlich hei\u00dft Euthanasie \u201esch\u00f6ner Tod\u201c. Und darum geht es mir: Endlich wird auch bei uns \u00fcber das Tabu Tod gesprochen. \u00dcber unseren Umgang mit dem Sterben, das wir so gerne verdr\u00e4ngen. \u00dcber unseren Alltag in Krankenh\u00e4usern und Pflegestationen, \u00fcber die Apparatemedizin, die Schwerkranken oft das Selbstbestimmungsrecht \u00fcber ihr Sterben raubt. \u00dcber den Widerspruch, Sterbebegleitung und Schmerztherapie sonntags zu loben, aber werktags nur unzureichend Geld daf\u00fcr bereitzustellen. Endlich wird auch \u00fcber die Angst der Menschen vor einem unw\u00fcrdigen Tod, vor Siechtum und qu\u00e4lenden Schmerzen gesprochen; das sind die Gr\u00fcnde, weshalb laut manchen Umfragen 70 Prozent f\u00fcr aktive Sterbehilfe bei Schwerstkranken pl\u00e4dieren. Sicher w\u00fcrden viele anders stimmen, wenn sie sicher sein k\u00f6nnten, ausreichend schmerzlindernde Medikamente zu bekommen und menschenw\u00fcrdig beim Sterben begleitet zu werden. Doch immer noch gilt ein \u00e4u\u00dferst rigides Bet\u00e4ubungsmittelrecht, das Experten f\u00fcr v\u00f6llig \u00fcberzogen halten. So hat Deutschland in Europa den niedrigsten Verbrauch an Morphinen. \u00dcber 92 Prozent der 220000 Menschen, die j\u00e4hrlich an Krebs sterben, leiden aber in ihrer letzten Lebensphase unter starken Schmerzen. Von anderen grausamen Krankheiten abgesehen. F\u00fcr sie alle gibt es bundesweit nur 1000 ausgebildete Schmerzmediziner.<\/p>\n<p>W\u00e4re nicht eine klare Rechtslage sch\u00fctzender \u2013 f\u00fcr \u00c4rzte und Patienten?<br \/>\nAber auch mit Palliativmedizin blieben f\u00fcnf bis zehn Prozent der Tumorkranken \u00fcbrig, die trotzdem unertr\u00e4gliche Schmerzen leiden. Und die den Tod als Erl\u00f6sung herbeisehnen. Oder die die Begleitumst\u00e4nde ihrer Krankheit als so entw\u00fcrdigend empfinden, dass sie ihr Leiden beenden wollen.<\/p>\n<p>Das habe ich auch pers\u00f6nlich bei Krebskranken miterlebt: Meine Mutter bekam zwar im Hospiz ausreichend Morphium, das ihre Tumorschmerzen linderte. Sie drohte auch nicht mehr wie im Krankenhaus, aus dem Fenster zu springen, ertrug ihre letzten Tage aber nur, weil ihr Wille akzeptiert wurde, nicht mehr zu essen und damit ihren Tod zu beschleunigen. Ich kann f\u00fcr mich nicht ausschlie\u00dfen, irgendwann \u00e4hnlich zu empfinden. Vielleicht erfahre ich dann trotz aller liebevollen Begleitung so wenig Lebensqualit\u00e4t, erlebe mein Sterben als so qualvoll, h\u00e4sslich und w\u00fcrdelos, dass ich nicht mehr will.<\/p>\n<p>Ich finde es verk\u00fcrzt, wie der Palliativmediziner Eberhard Klaschik, argumentiert: \u201eWer keine Schmerzen hat, will nicht sterben.\u201c Sicher ist Palliativmedizin \u201eaktive Lebenshilfe\u201c. Aber was ist mit all denen, die trotz aller Unterst\u00fctzung durch Hospize und Angeh\u00f6rige immer noch selbst bestimmt ihrem Leben ein Ende setzen wollen und dabei Hilfe brauchen? Sie werden in aller Regel allein gelassen.<\/p>\n<p>Sie treffen in Deutschland auf eine rechtliche Grauzone, die weder von \u00c4rzten noch Patienten richtig durchschaut wird: Aktive Sterbehilfe gilt laut Strafgesetzbuch als strafbares T\u00f6ten auf Verlangen oder sogar als Totschlag und kann mit Haft bis f\u00fcnf Jahren bestraft werden. Passive Sterbehilfe dagegen ist nach Urteilen des Bundesgerichtshofes straffrei, wenn \u201ein unmittelbarer Todesn\u00e4he\u201c lebensverl\u00e4ngernde Ma\u00dfnahmen beendet werden, indem zum Beispiel lebenserhaltende Maschinen ausgeschaltet werden. Indirekte Sterbehilfe ist im Prinzip ebenfalls straffrei, wenn sie dem erkl\u00e4rten oder \u201emutma\u00dflichen\u201c Willen der Sterbenden entspricht: Dann d\u00fcrfen \u00c4rzte Schmerzmittel auch verabreichen, wenn sie damit den Tod beschleunigen. Ebenfalls nicht strafbar ist Beihilfe zum Selbstmord: Der Arzt darf also dem Sterbewilligen ein t\u00f6dliches Medikament geben, darf sogar die Giftspritze anlegen, sofern sie sich der Patient dann selbst gibt.<\/p>\n<p>Dann aber, wenn der Patient bewusstlos ist, muss der Arzt alles M\u00f6gliche tun, um dessen Tod zu verhindern \u2013 sonst droht ihm eine Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung. Er darf also nicht bei seinem sterbenden Patienten bleiben, sondern muss ihn allein lassen, um sich selbst zu sch\u00fctzen. Mir erscheint das doppelb\u00f6dig und unmenschlich.<\/p>\n<p>Bereits sieben Millionen Deutsche haben bislang Patientenverf\u00fcgungen verfasst. Doch noch nicht einmal diese Dokumente des Patientenwillens sind bislang rechtlich verankert. Immer noch nehmen manche \u00c4rzte lieber den weniger schlimm bestraften Vorwurf der K\u00f6rperverletzung in Kauf und behandeln ihre Patienten trotz gegenteiliger Verf\u00fcgungen weiter. Denn wenn sie dem Patientenwillen folgen und die Behandlung abbrechen, dann drohen ihnen h\u00f6here Strafen wegen unterlassener Hilfeleistung. Auch bei einer eindeutigen Willenserkl\u00e4rung des Patienten muss meist noch das Vormundschaftsgericht angerufen werden. Die vorige Regierung wollte Patientenverf\u00fcgungen mehr rechtliches Gewicht geben. Ob die gro\u00dfe Koalition aus CDU\/CSU und SPD dieses hei\u00dfe Eisen noch einmal anpackt, ist fraglich. Besonders in der Union, aber auch in Teilen der SPD gibt es viel Widerstand. Damit r\u00fcckt eine verbindliche Regelung der Patientenverf\u00fcgungen in weite Ferne &#8211; die rechtliche Grauzone bliebe bestehen. Nat\u00fcrlich bleibt Sterbewilligen noch die M\u00f6glichkeit, sich selbst zu t\u00f6ten. Das ist sogar bei uns straffrei. Aber meist wissen sie in ihrer gro\u00dfen Not einfach nicht, wie sie an Medikamente kommen sollen, mit denen sie auf schmerzfreie und sichere Weise ihr Leben beenden k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich gibt es \u00c4rzte, die ihren Patienten in irgendeiner Form beim Sterben helfen. Aus Angst vor Strafe reden sie nicht dar\u00fcber. Sterbehilfe bleibt so in der Grauzone. Damit wird aber auch dem Missbrauch T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet, dubiosen Sterbehelfern und Gesch\u00e4ftemachern. W\u00e4re da nicht eine klare Rechtslage sch\u00fctzender, nicht nur f\u00fcr alle unertr\u00e4glich leidenden Menschen, sondern auch f\u00fcr ihre \u00c4rzte? Ich bin mir ganz sicher, dass ich dann viel leichter und angstfreier \u201eja\u201c zu einem Leben sagen k\u00f6nnte, das ich sonst vielleicht nicht mehr aushielte.<br \/>\nJutta Redmann. 19.1.2005, Jahrgang 1957, freie Journalistin und lebt in Bonn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"Sterbehilfe und Stammzellenforschung - Projekt Treffpunkt Ethik\"><\/a>Sterbehilfe und Stammzellenforschung &#8211; Projekt Treffpunkt Ethik<\/p>\n<p>Die Beteiligten am &#8222;Treffpunkt Ethik&#8220; diskutieren im Heinrich-Hansjakob-Haus \u00fcbers Internet ethische Fragen<br \/>\nEin behindertes Kind abtreiben? Die Eltern ins Heim geben? Solche ethische Fragen sollen im Internet diskutiert werden. Das sieht das deutschlandweite Projekt &#8222;Treffpunkt Ethik&#8220; vor, das kl\u00e4ren m\u00f6chte, welche Chancen das Netz zum Bearbeiten ethischer Themen bietet. Dabei treten Menschen verschiedener Schichten und unterschiedlichen Alters per Computer in Kontakt. Das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung f\u00f6rdert das Projekt, das die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft f\u00fcr Erwachsenenbildung ins Leben gerufen hat.<\/p>\n<p>Am 17. Februar 2005 startet &#8222;Treffpunkt Ethik&#8220; im Heinrich-Hansjakob-Haus, einem Begegnungs-, Beratungs- und Bildungshaus f\u00fcr \u00e4ltere Menschen, dessen Tr\u00e4ger die Caritas und das Bildungs- sowie Altenwerk des Erzbistums Freiburg sind. Welcher Frage die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nachgehen werden, ist noch unklar. Aber Wilhelm Pfaff, Bildungsreferent im Heinrich-Hansjakob-Haus, kann sich vorstellen, &#8222;dass man dar\u00fcber spricht, ob man seine Eltern ins Pflegeheim geben darf. Ein Thema, das jung und alt gleicherma\u00dfen besch\u00e4ftigt.&#8220; Auf die ethische Frage, die er\u00f6rtert werden soll, m\u00fcssen sich die Teilnehmenden einigen. Das soll beim ersten Treffen geschehen, bei dem sich alle kennen lernen und au\u00dfer dem Thema technische Fragen kl\u00e4ren werden. Anschlie\u00dfend wird die Diskussion \u00fcber ein Forum im Internet gef\u00fchrt. &#8222;Nur die Teilnehmer und Teilnehmerinnen k\u00f6nnen auf das Forum zugreifen &#8211; so oft sie wollen und jederzeit&#8220;, sagt Wilhelm Pfaff. Nach vier Wochen tauschen dann alle Beteiligten ihre Erfahrungen aus. Sie k\u00f6nnen auch einen Fragebogen des Forschungsinstituts f\u00fcr Philosophie in Hannover ausf\u00fcllen, welches das Projekt wissenschaftlich betreut.<\/p>\n<p>Kommt das Projekt bei den Teilnehmenden an, dann k\u00f6nne man k\u00fcnftig parallel zu Seminaren im Internet Foren einrichten, in denen die Teilnehmer zus\u00e4tzlich diskutieren und sich informieren k\u00f6nnen, so Wilhelm Pfaff. Am &#8222;Treffpunkt Ethik&#8220; k\u00f6nnen alle teilnehmen, die ein ethisches Thema \u00fcbers Internet bearbeiten m\u00f6chten. &#8222;Auch junge Leute k\u00f6nnen mitmachen. Zwar treffen sich im Heinrich-Hansjakob-Haus vorwiegend \u00e4ltere Menschen, aber sie freuen sich, wenn junge Leute vorbeischauen&#8220;, sagt Wilhelm Pfaff. Wer keinen Computer hat, kann das Internetcaf\u00e9 im Bildungshaus nutzen, um beispielsweise bei der Pflegeheim-Diskussion mitzureden.<br \/>\nMS, 25.1.2005<\/p>\n<p>Treffpunkt Ethik beginnt am 17. Februar, 14.30 bis 17 Uhr; Kosten f\u00fcr f\u00fcnf Treffen: 22 Euro<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/littenweiler\/senioren.htm#Heinrich-Hansjakob-Haus\">Infos zum Heinrich-Hansjakob-Haus in Freiburg<\/a> &gt;Senioren<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diskussion mit Peter Singer \u00fcber Menschenw\u00fcrde &#8211; eine Nachbetrachtung<\/strong><\/p>\n<p>Zum Auftritt Peter Singers bei der Internationalen Konferenz &#8222;Menschenw\u00fcrde &amp; Wissenschaft&#8220; des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg am 11.12.2004: Das Deutsch-Amerikanische Institut hatte sich vorgenommen, im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema &#8222;Menschenw\u00fcrde &amp; Wissenschaft&#8220; eine Versachlichung der Diskussion um den umstrittenen Ethiker Peter Singer herbeizuf\u00fchren, dessen Auftritte in Deutschland bislang stets von Protesten begleitet waren und z.T. auch verhindert wurden. Singer sollte zwar geh\u00f6rt, seine Thesen aber vor allem einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Es sollte darum gehen, selbst\u00adbewusst mit der Singer&#8217;schen Theorie umzugehen und sich der wissenschaftlichen Diskussion zu stellen.<\/p>\n<p>Den Rahmen f\u00fcr diese Auseinandersetzung bot eine Konferenz, zu der als Garanten f\u00fcr eine versachlichte Debatte die Professoren Martha Nussbaum, Dietmar Mieth, Marcus D\u00fcwell, Julian Nida-R\u00fcmelin, Reinhard Merkel, R\u00fcdiger Wolfrum und Shirin Ebadi eingeladen worden waren. Dabei wurde versucht, die Normalit\u00e4t einer wissenschaftlichen Business-as-usual-Veranstaltung zu vermitteln. Zwar hatte es am Vormittag auch eine kleine Anti-Singer-Demonstration vor dem Geb\u00e4ude gegeben, von Protesten war aber eine halbe Stunde vor Singers Auftritt nichts mehr zu sehen oder zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>In seinem Vortrag &#8222;Dignity \u2013 What&#8217;s so Special About Human Beings?&#8220; brachte Singer \u2013 ausgehend vom Begriff der Menschenw\u00fcrde, dem Thema der Tagung \u2013 einige seiner zentralen Thesen aus der &#8222;Praktischen Ethik&#8220;. Danach sollte W\u00fcrde nicht nur Menschen, sondern entweder allen Lebewesen zukommen oder allen mit bestimmten F\u00e4higkeiten: Personen. Zum Personsein geh\u00f6rt nach Singer mehr als die Zugeh\u00f6rigkeit zur Spezies Homo sapiens, das entscheidende Kriterium sind f\u00fcr ihn die kognitiven F\u00e4higkeiten, die bei Tieren h\u00f6her entwickelt sein k\u00f6nnen als bei manchen Menschen (Babys, Gehirnkranke). Entsprechend m\u00fcssten die Interessen von Tieren mit besonderen kognitiven F\u00e4higkeiten ber\u00fccksichtigt und ggf. gegen die Interessen des Menschen abgewogen werden. So seien Tierversuche z.B. dann gerechtfertigt, wenn sie Menschen dazu verhelfen, weiterzuleben, denn das Interesse des Menschen, sein Leben fortzusetzen sei gr\u00f6\u00dfer als das von M\u00e4usen und Ratten, weil diese im Ge-ensatz zum Menschen kein biographisches Ged\u00e4chtnis und keine Pl\u00e4ne f\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Leben h\u00e4tten. Gleichzeitig sollten Menschen, deren kognitive F\u00e4higkeiten unterhalb eines bestimmten Niveaus l\u00e4gen, weniger das Recht auf Weiterleben haben, denn sie bes\u00e4\u00dfen ebenso wenig ein biographisches Ged\u00e4chtnis und Zukunftspl\u00e4ne wie M\u00e4use und Ratten. In bestimmten F\u00e4llen habe man sogar eine Verpflichtung, Menschen zu t\u00f6ten, n\u00e4mlich dann, wenn sie leiden.<\/p>\n<p>Vielleicht lag es daran, dass diese Thesen Singers bereits zur Gen\u00fcge bekannt sind und ebenso die Einw\u00e4nde gegen sie, dass es in der anschlie\u00dfenden Fragerunde keine grundlegende Kritik an Singers Theorie gab. Auch die anderen Referenten hielten sich weitgehend zur\u00fcck, es wurden nur einige Detailfragen behandelt. Erst der Vortrag des explizit als Singer-Kritiker eingeladenen Utrechter Philosophen Marcus D\u00fcwell und die darauf folgende Diskussion brachten die entscheidende Differenz auf den Punkt: W\u00e4hrend der Begriff der Menschenw\u00fcrde f\u00fcr D\u00fcwell zentral ist, hat er im Konzept Singers keinen Platz. Gerade in diesem ma\u00dfgeblichen Aspekt konnte allerdings auch D\u00fcwell dem &#8222;rational&#8220; argumentierenden Singer wenig entgegensetzen, dessen Theorie den &#8222;Vorzug&#8220; hat, leicht verst\u00e4ndlich und auf den ersten Blick klar und einleuchtend zu sein, w\u00e4hrend sich Konzepte wie &#8222;Menschenw\u00fcrde&#8220; kaum anders als durch tradierte Moral und Kultur begr\u00fcnden lassen und so f\u00fcr viele letztlich &#8222;unlogisch&#8220; und damit inakzeptabel und bestenfalls Glaubensfragen sind.<\/p>\n<p>Das war das Dilemma der gesamten Veranstaltung, die damit ihr Ziel der sachlichen Auseinandersetzung in Kernfragen verfehlen musste. Zwar war sowohl bei den anderen Referenten als auch im Publikum die Anti-Singer-Haltung nahezu einhellig. Dass fast alle Anwesenden im Grunde zu Singer v\u00f6llig kontr\u00e4re Auffassungen vertraten, erschloss sich jedoch nicht ohne Weiteres. Im Vergleich zu der demonstrativen Offenheit, dem Suchen von Gemeinsamkeiten und der W\u00fcrdigung bestimmter Teile der Singer&#8217;schen Theorie wurde das Abwegige grunds\u00e4tzlicher Theoreme Singers kaum thematisiert. Anscheinend kann man einen so selbstverst\u00e4ndlich in unserer kulturellen Tradition verankerten Grundwert wie die Menschenw\u00fcrde nicht &#8222;wissenschaftlich&#8220; begr\u00fcnden und damit auch dessen Leugnung schwer widerlegen. Deshalb bleibt es aber auch fraglich, ob es sinnvoll sein kann, ihn in einer solchen Veranstaltung zur Disposition zu stellen.<br \/>\nRosetta del Enzo in 1000fragen.de am 14.1.2004<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.1000fragen.de\/\">www.1000fragen.de<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.aktion-mensch.de\/\">www.aktion-mensch.de<\/a><\/p>\n<p>Wird T\u00f6tungsphilosoph Peter Singer in Deutschland hoff\u00e4hig?<br \/>\nDer umstrittene australische Philosoph Peter Singer erh\u00e4lt nach 15j\u00e4hriger Debatte \u00fcber Redeverbot im deutschsprachigen Raum erstmals \u00f6ffentliches Podium. Auf einer internationalen Konferenz in Heidelberg spricht sich der Ethiker f\u00fcr die aktive T\u00f6tung schwerstbehinderter Menschen aus. Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) fordert, Peter Singer in Deutschland kein Podium f\u00fcr Agitationszwecke zur Verf\u00fcgung zu stellen. Auf seiner internationalen Konferenz zum Thema &#8222;Menschenw\u00fcrde und Wissenschaft&#8220; hat das Deutsch-Amerikanische Institut in Heidelberg dem australischen Philosophen und Ethiker Peter Singer am 11. Dezember Gelegenheit gegeben, seine menschenverachtenden Thesen von der T\u00f6tung behinderter Neugeborener vorzutragen. Peter Singer, der vor allem durch sein Buch \u201eAnimal Liberation\u201c bekannt geworden ist, vergleicht darin menschliches Leben mit tierischem. Seit Jahren entbehren seine wissenschaftlichen Theorien jedweder neuen Erkenntnisse aus der therapeutischen Arbeit mit schwerstmehrfach behinderten und sch\u00e4delhirntrauma verletzten Menschen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.beb-ev.de\/artikeldrucken.php?id_art=148\">https:\/\/www.beb-ev.de\/artikeldrucken.php?id_art=148<\/a> am 13.12.2004<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"Die W\u00fcrde des Menschen war unantastbar - Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde aus Au\"><\/a><strong>Die W\u00fcrde des Menschen war unantastbar &#8211; Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde aus Au<\/strong><\/p>\n<p>Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde aus Au bei Freiburg verteidigt die traditionelle Sicht von Menschenw\u00fcrde<\/p>\n<p>&#8222;Die W\u00fcrde des Menschen war unantastbar&#8220; &#8211; mit diesem Satz hat Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde Aufsehen erregt. Unter dieser \u00dcberschrift hat der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht und emeritierte Professor der Uni Freiburg im vergangenen Jahr in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das traditionelle Verst\u00e4ndnis der Menschenw\u00fcrde verteidigt. Damit hat B\u00f6ckenf\u00f6rde, der in Au bei Freiburg lebt, einen Streit \u00f6ffentlich gemacht, von dessen Ausgang beispielsweise abh\u00e4ngt, wie weit an embryonalen Stammzellen geforscht werden darf. Gestritten wird dabei nicht in erster Linie darum, was Menschenw\u00fcrde ist. (Darunter verstehen Juristen einerseits alles, was den Menschen vom Tier abgrenzt und andererseits die Einzigartigkeit jedes Menschen im Vergleich zu seinen Mitmenschen.) Bei dem Streit geht es vielmehr um die Unantastbarkeit der Menschenw\u00fcrde.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr den Aufsatz B\u00f6ckenf\u00f6rdes war die Neukommentierung des &#8222;Maunz-D\u00fcrig&#8220;, des ma\u00dfgeblichen Grundgesetzkommentars. Darin hat der Bonner Professor Matthias Herdegen eine neue Definition der Garantie von Menschenw\u00fcrde vorgelegt, die offen ist f\u00fcr Abstufungen und Relativierungen. Dies kritisiert der 73-j\u00e4hrige B\u00f6ckenf\u00f6rde und verteidigt die Unantastbarkeit der Menschenw\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Wenn man davon ausgeht, dass die Ausgabe von Berechtigungsausweisen an Fl\u00fcchtlinge deren Menschenw\u00fcrde ber\u00fchrt (siehe Text oben), muss die Verwaltungspraxis von Stadt und Regierungspr\u00e4sidium nach der von Herdegen formulierten Auffassung dennoch nicht automatisch gegen Artikel 1 des Grundgesetzes versto\u00dfen. Denn danach ist es im Einzelfall m\u00f6glich, dass gewichtige Interessen der Wahrung der Menschenw\u00fcrde entgegenstehen und deren Beeintr\u00e4chtigung daher hinzunehmen ist. Damit wird die Menschenw\u00fcrde zu einer Abw\u00e4gungssache. Nach dem von B\u00f6ckenf\u00f6rde verteidigten traditionellen Verst\u00e4ndnis von Menschenw\u00fcrde darf es eine solche Abw\u00e4gung dagegen nicht geben &#8211; die Menschenw\u00fcrde ist in diesem Sinn tats\u00e4chlich unantastbar.<\/p>\n<p>Ein zweites Beispiel: Der Freiburger Wulf beruft sich darauf, dass alle Teilnehmer der Fernsehsendung &#8222;Big Brother&#8220; freiwillig in dem Container waren (siehe Interview). Das entspricht der Argumentation Herdegens, der so lange keine Verletzung der Menschenw\u00fcrde erkennen will, so lange der Betroffene sich in &#8222;v\u00f6llig freier Selbstbestimmung&#8220; entschieden hat. Nach Ansicht B\u00f6ckenf\u00f6rdes spielt es jedoch keine Rolle, ob jemand sich freiwillig einer menschenunw\u00fcrdigen Situation aussetzt. Denn: Auch gegen\u00fcber dem eigenen Willen ist die W\u00fcrde des Menschen unantastbar. Noch sieht B\u00f6ckenf\u00f6rde den Ausgang des Streits als offen an und will auf jeden Fall weiter f\u00fcr seine Sicht werben &#8211; damit in Zukunft wieder gilt: &#8222;Die Menschenw\u00fcrde ist unantastbar.&#8220;<\/p>\n<p>BZ vom 16.9.2004<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"Ethik-Konsil am ZERM - Zentrum f\u00fcr Ethik und Recht in der Medizin\"><\/a><strong>Ethik-Konsil am ZERM &#8211; Zentrum f\u00fcr Ethik und Recht in der Medizin<br \/>\n<\/strong>Berater und Gutachter wollen dazu beitragen,<br \/>\ndass der Grundgesetzartikel 1 auch im Alltag beachtet wird<\/p>\n<p>Hanj\u00f6rg Just ber\u00e4t in Sachen Menschenw\u00fcrde. Sein Rat war zum Beispiel gefragt, als eine 76 Jahre Krebspatientin weitere Operationen ablehnte. W\u00e4hrend ihrer Behandlung waren &#8222;tausende Komplikationen aufgetreten&#8220;, erinnert sich der Mediziner. Und dann auch noch Magenbluten. &#8222;Die Frau ergab sich in ihr Schicksal, empfand ihr Leben als Geschenk und hatte nun das Gef\u00fchl, dass es zu Ende geht&#8220;, sagt Just. Doch einen Wunsch hatte die Patientin noch: Sie wollte auf der Krebsstation liegen bleiben und dort sterben, weil sie sich von den Schwestern hier so gut behandelt f\u00fchlte. Was die behandelnden \u00c4rzte vor eine schwierige Frage stellte, erinnert sich Just: &#8222;Das kostet 750 Euro am Tag, sollen wir das machen, nur damit die Frau sich wohl f\u00fchlt?&#8220; Die Frau durfte bleiben und starb nach vier Tagen auf der Krebsstation.<br \/>\nF\u00fcr Just war es die richtige Entscheidung: &#8222;Das verstehe ich unter Menschenw\u00fcrde, dass man solche W\u00fcnsche ber\u00fccksichtigt.&#8220; Der 70-J\u00e4hrige ist der Arzt im Team des &#8222;Ethik-Konsils&#8220;, einem Arbeitsbereich des &#8222;Zentrums f\u00fcr Ethik und Recht in der Medizin&#8220; (ZERM) des Universit\u00e4tsklinikums in Freiburg. In dem Konsil wirken au\u00dfer Just, der auch Sprecher des ZERM ist, noch zwei Theologen, ein Jurist, ein Neurologe und ein Ethiker mit. Die Arbeit dieses Beratungsgremiums diene der Wahrung der Menschenw\u00fcrde am Krankenbett, erl\u00e4utert Just. \u00c4rzte und Pflegepersonal der Uni-Klinik k\u00f6nnen sich mit ihren Fragen an das &#8222;Ethik-Konsil&#8220; wenden. Soll ein Kind, das viel zu fr\u00fch geboren ist, um jeden Preis am Leben erhalten werden, auch wenn bleibende Sch\u00e4den sicher sind? Wie soll eine Schwerkranke, die mit gro\u00dfen Schmerzen lebt und nicht sterben kann, behandelt werden? Antworten auf solche Fragen suchen Just und seine Kollegen rund 60 mal im Jahr. &#8222;Wir verbreitern die Schultern der behandelnden \u00c4rzte, die Entscheidung abnehmen k\u00f6nnen wir ihnen aber nicht&#8220;, sagt der Sprecher des ZERM. &#8230;<\/p>\n<p>Alles von Stefan Waschatz vom 16.9.2004 lesen Sie auf <a href=\"https:\/\/www.bzol.de\/\">www.bzol.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Menschenw\u00fcrde in der Verfassung<br \/>\n<\/strong>Artikel 1, Absatz 1, des Grundgesetzes lautet: &#8222;Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch\u00fctzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.&#8220;<\/p>\n<p>Laut Bundesverfassungsgericht liegt ein Versto\u00df gegen die Menschenw\u00fcrde vor, wenn der Mensch als blo\u00dfes Objekt behandelt wird. Die Menschenw\u00fcrde bedeutet danach zum Beispiel Schutz vor Erniedrigung, Dem\u00fctigung oder Folter.<br \/>\nDarf ein Polizist einen Entf\u00fchrer foltern, um den Aufenthalt des Opfers zu erfahren? Darf mit einem k\u00fcnstlich erzeugten Embryo grenzenlos geforscht werden? Fragen, die deutschlandweit diskutiert werden. Und immer wieder muss die Menschenw\u00fcrde als Argument herhalten. Auch in Freiburg wird um den Inhalt von Artikel 1, Absatz 1, des Grundgesetzes gerungen und gestritten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diskutieren auch Sie mit bei der zentralen Frage zur Sterbehilfe<\/strong><\/p>\n<p>Haben die Pro-Sterbehilfe-Anh\u00e4nger auch mal an die Rolle des Arztes dabei gedacht?&#8220;<br \/>\nDiese Frage wird aktuell in einem der Foren der Bioethik-Diskussion debattiert. Dr. Frank-Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bundes, ist Pate dieser Frage. In seinem Statement schreibt er: &#8222;Aus den \u00fcber 9.000 Fragen, die bisher im 1000 Fragen gesammelt wurden, habe ich diese f\u00fcr die Diskussion ausgew\u00e4hlt, weil sie das Dilemma der Patienten und des Arztes beleuchtet.<\/p>\n<p>&#8218;Sterben in W\u00fcrde&#8216; und \u00e4rztliche Sterbebegleitung k\u00f6nnen nur funktionieren,<br \/>\nwenn der Patient sicher sein kann, dass sein Arzt an sein Bett tritt, um zu helfen, zu heilen, zu lindern oder zu tr\u00f6sten &#8211;<br \/>\nund der Arzt muss die Gewissheit haben, dass der Patient in ihm nicht den potenziellen &#8218;Todbringer&#8216; sieht.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00fcrden Sie pers\u00f6nlich einem Arzt vertrauen, der Sterbehilfe leistet?<br \/>\nDiskutieren Sie mit unter: <a href=\"https:\/\/www.1000fragen.de\/newsletter\/040710.php\">https:\/\/www.1000fragen.de\/newsletter\/040710.php<\/a><\/p>\n<p>&#8222;Wird der Mensch zum Ersatzteillager herabgestuft?&#8220;<br \/>\nDiese Frage wird aktuell in einem der Foren der Bioethik-Diskussion debattiert. Der Schauspieler Jochen Senf ist Pate dieser Frage. In seinem Statement schreibt er:<br \/>\n&#8222;Aus den \u00fcber 9.000 Fragen, die bisher im 1000Fragen-Projekt gesammelt wurden, habe ich diese f\u00fcr die Diskussion ausgew\u00e4hlt, weil es darum geht, ethische Grunds\u00e4tze zu formulieren, die mit therapeutischem Klonen, mit menschlichen &#8218;Ersatzteilen&#8216; verantwortlich umzugehen erlauben.&#8220;<br \/>\nDroht beim Therapeutischen Klonen die Ethik der Macht des Faktischen und dem Primat der \u00d6konomie zu unterliegen? Diskutieren Sie mit unter:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.1000fragen.de\/newsletter\/040717.php\">https:\/\/www.1000fragen.de\/newsletter\/040717.php<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bonndorfer Gespr\u00e4che &#8211; Moraltheologe Schockenhoff kritisiert in Euthanasie-Debatte<br \/>\n<\/strong>Kritik, dass &#8222;heiteres Sterben zur rechten Zeit&#8220; zum Ideal stilisiert wird<\/p>\n<p>&#8222;Sterbehilfe soll \u00f6ffentlich akzeptabler gemacht werden durch eine fehlende Unterscheidung, was in Wirklichkeit Euthanasie ist.&#8220; Und Bef\u00fcrworter der Sterbehilfe w\u00fcrden, indem diese als Akt der Selbstbestimmung und Autonomie prononciert werde, die \u00e4rztliche T\u00f6tungshandlung im \u00f6ffentlichen Denken zu verankern versuchen, sagt Professor Eberhard Schockenhoff.<\/p>\n<p>Schockenhoff, Moraltheologe an der theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Freiburg, referiert beim letzten Abend der &#8222;Bonndorfer Gespr\u00e4che&#8220; zu einem heiklen Kapitel: die &#8222;W\u00fcrde des sterbenden Menschen&#8220;. Nicht umsonst spricht Pfarrer Eckart Kopp in seiner Einf\u00fchrung von einem &#8222;Thema, dem man sehr gerne aus dem Weg geht&#8220;, n\u00e4mlich &#8222;dem letzten irdischen Weg des Menschen&#8220;.<\/p>\n<p>Jenseits der Denkfiguren, mit denen dem Recht auf Euthanasie der Weg bereitet werden soll, f\u00e4llt Schockenhoff vor allem eines ein: Dass es in erster Linie darum gehe, Zeitpunkt und Umst\u00e4nde des eigenen Todes bestimmen zu k\u00f6nnen und sich dazu der Hilfe von \u00c4rzten und Pflegepersonal zu bedienen, um sich eben nicht mit der eigenen Endlichkeit befassen zu m\u00fcssen. Das &#8222;heitere Sterben zu rechten Zeit&#8220;, es werde zum Ideal stilisiert, das den &#8222;Tod durch die Hand des Arztes&#8220; aber zwingend brauche. Frage man etwa Bef\u00fcrworter oder Gegner der Sterbehilfe, ob sie die eigene Mutter oder den eigenen Vater auf dessen Wunsch hin euthanisieren w\u00fcrden, s\u00e4he die Sache hingegen ganz anders aus: &#8222;Da sperrt sich etwas&#8220;, wei\u00df er.<\/p>\n<p>Bei Eberhard Schockenhoff war h\u00e4ufiger von Grenzen die Rede, die verschwimmen oder nicht klar zu ziehen sind, und die werden auch von den Zuh\u00f6rern in der Diskussion angesprochen: Muss der leidende Todkranke, f\u00fcr den keine Aussicht auf Besserung besteht, um jeden Preis am Leben erhalten werden? Oder anders: Wann ist die Schmerzmittelgabe noch Therapie, wann ist sie bereits Euthanasie? F\u00fcr Schockenhoff eine eindeutige Angelegenheit: Wo die kurative Therapie aussichtslos wird, Heilung also au\u00dfer jeder Reichweite liegt, habe die palliative Therapie einzusetzen, die Schmerzen, Angst und innere Unruhe lindere. Das sei dann auch keine bewusste Hilfe zum Sterben, sondern eine Hilfe im Sterben, etwa dadurch, dass eine wirkungslose Therapie abgebrochen werde oder keine weiteren Ma\u00dfnahmen mehr eingeleitet werden &#8211; und ethisch akzeptabel. &#8222;Wie der Tod eintritt, macht moralisch durchaus einen Unterschied&#8220;, so der Professor.<br \/>\nEine Legalisierung der Sterbehilfe lehnt er vehement ab &#8211; vor allem, weil sie Todkranke unter Druck setzen k\u00f6nnten, die Alternative der aktiven Euthanasie auch anzunehmen, obwohl der Wunsch, unter welchen Bedingungen auch immer weiterzuleben, der st\u00e4rkere sei. Kritisch bleibe jedenfalls, den Willen zur eigenen T\u00f6tung zu unterstellen, wenn ein Mensch dauerhaft bewusstlos sei: Wer solle dann entscheiden &#8211; der Arzt vielleicht<br \/>\nMehr von Christian Klesse am 2.7.2004 auf <a href=\"https:\/\/www.bzol.de\/\">www.bzol.de<\/a> lesen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Selbsthilfe\u00a0&gt;Senioren &gt;Sterbehilfe \u00a0&#8222;Der Tod kommt hoffentlich erst dann, wenn er mich erl\u00f6st&#8220; &nbsp; DGHS: Humanes Sterben \u2013 Edith Vieser in Freiburg (11.1.2023) Vor dem Tod retten\u00a0(23.2.2021) Haltung der EKD zur Sterbehilfe ist heuchlerisch (18.7.2014) Jauch: Gibt es ein Recht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/senioren\/sterbehilfe\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":183,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-42138","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/42138","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42138"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/42138\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":108360,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/42138\/revisions\/108360"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42138"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}