{"id":153698,"date":"2026-09-12T20:44:27","date_gmt":"2026-09-12T18:44:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=153698"},"modified":"2026-09-12T20:57:46","modified_gmt":"2026-09-12T18:57:46","slug":"jordanien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/jordanien\/","title":{"rendered":"Jordanien"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Globa<\/a>l\u00a0&gt;<a title=\"Israel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/\">Israel<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/aegypten\/\">Aegypten<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/arabien\/\">Arabien<\/a> &gt;Jordanien<\/p>\n<div id=\"attachment_39967\" style=\"width: 649px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/hule-kraniche-pan131029.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-39967\" class=\"size-full wp-image-39967\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/hule-kraniche-pan131029.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"185\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/hule-kraniche-pan131029.jpg 639w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/hule-kraniche-pan131029-180x52.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-39967\" class=\"wp-caption-text\">Kraniche bei Sonnenuntergang im Reservat Hule-Tal n\u00f6rdlich des <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel2013\/jordan\/\">Sees Genezareth<\/a> am 29.10.2013<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: <span style=\"text-decoration: underline;\">anklicken (falls unterstrichen)<\/span> oder scrollen\u00a0<\/em><\/li>\n<li>Jordanien: Der erfundene Staat, den alle brauchen (12.9.2026)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a title=\"Arabien-Israel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/arabien-israel\/\">Arabien-Israel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/arabien\/\">Arabien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-hamas\/\">Deutschland-Hamas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-israel\/\">Deutschland-Israel<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/gaza\/\">Gaza<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/palaestina\/hamas\/\">Hamas<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Islam-Antisemitismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/islam\/islam-antisemitismus\/\">Islam-Antisemitismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Israel2020\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel2020\/\">Israel2020<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel-geschichte\/\">Israel-Geschichte<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel-hamas\/\">Israel-Hamas<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel2013\/jordan\/\">Jordan<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/juden\/judenhass2021\/\">Judenhass2021<\/a><\/li>\n<li><a title=\"LifeGate\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/behinderung\/lifegate\/\">Lifegate \u2013 Rehabilitationszentrum in Beit Jala<\/a><\/li>\n<li>Canaan Fair Trade<\/li>\n<li>UNWRA<\/li>\n<li>Friends of the Earth Middle East \u2013 FoEME<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/palaestina\/westbank\/\">West Bank<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Youth-Bulges\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/youth-bulges\/\">Youth Bulges \u2013 Junge M\u00e4nner ohne Perspektiven<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jordanien: Der erfundene Staat, den alle brauchen<\/strong><br \/>\nJordanien verdankt seine Existenz britischer Kolonialpolitik und den Machtk\u00e4mpfen nach dem Untergang des Osmanischen Reiches. Hundert Jahre sp\u00e4ter ist aus dem Kunstprodukt ein strategischer Schl\u00fcsselstaat geworden \u2013 f\u00fcr Israel, die USA und inzwischen auch f\u00fcr die Verkehrswege rund um den umk\u00e4mpften Persischen Golf.<\/p>\n<p>Das letzte der islamischen Gro\u00dfreiche, das t\u00fcrkisch-osmanische Reich, begann im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert rapide zu zerfallen. Zugleich gelang es den Engl\u00e4ndern, sich in \u00c4gypten festzusetzen, vor allem seit 1859 durch den Bau des Suez-Kanals und die dadurch entstehende finanzielle Abh\u00e4ngigkeit der herrschenden Dynastie Muhamad Ali Paschas und seiner Nachfahren. Noch geh\u00f6rten \u00c4gypten und das Herrscherhaus der Pascha nominell zum Osmanischen Reich, doch dessen zunehmende Schw\u00e4che beg\u00fcnstigte \u00e4gyptische Bestrebungen der Emanzipation von der unbeliebten t\u00fcrkischen Kolonialmacht und eigene Eroberungen, etwa in Darfur und Abessinien.<\/p>\n<p>Doch durch solche Unternehmungen vertiefte sich die finanzielle Abh\u00e4ngigkeit der \u00e4gyptischen Khediven oder Vizek\u00f6nige von europ\u00e4ischen M\u00e4chten. 1875 war \u00c4gypten de facto bankrott und musste den Suez-Kanal an die Briten verkaufen. Sieben Jahre sp\u00e4ter, nach einem erfolglosen nationalistischen Aufbegehren gegen die zunehmende Bevormundung durch Londoner Beamte, wurden zur Sicherheit gr\u00f6\u00dfere britische Truppenkontingente in \u00c4gypten stationiert. Gro\u00dfbritannien kontrollierte das Land, ohne dessen formelle Zugeh\u00f6rigkeit zum Osmanischen Reich zu beenden. Dennoch hatten die Briten 1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, so starke Kr\u00e4fte in \u00c4gypten massiert, dass sie von dort aus gegen die t\u00fcrkische Kolonialmacht in den Krieg ziehen konnten. Der britische Feldzug war dadurch legitimiert, dass die T\u00fcrkei im Ersten Weltkrieg Deutschlands Verb\u00fcndeter war und daher automatisch Kriegsgegner Gro\u00dfbritanniens.<\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df aus \u00c4gypten war nicht der Beginn britischer Operationen gegen die T\u00fcrken, aber der entscheidende Schlag, der das Osmanische Reich nach \u00fcber 600 Jahren Bestehen kollabieren lie\u00df. Zuvor hatten die Briten 1915 erfolglos die Meerenge von Gallipoli attackiert, dann im Irak eine zweite Front er\u00f6ffnet, um ihre dortigen Erd\u00f6linteressen zu sichern. Nach langem Ringen, reich an R\u00fcckschl\u00e4gen und Verlusten, wurde 1917 Bagdad eingenommen, einstige Metropole des Mittleren Ostens, unter der osmanischen Herrschaft verarmt und halb verfallen. Die t\u00fcrkische Kolonialmacht hatte die Araber in ihrem Herrschaftsgebiet seit Jahrhunderten ver\u00e4chtlich behandelt und ausgepl\u00fcndert. Die St\u00e4mme nutzten die W\u00fcste als Fluchtort, wo sie schwer greifbar waren. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges waren nur noch der Norden der arabischen Halbinsel und der K\u00fcstenstreifen am Roten Meer, der Hedschas, unter osmanischer Kontrolle.<\/p>\n<p>Seit langem hatten Europ\u00e4ische Orient-Reisende (schon Wilhelm von Boldensele um 1350 oder Karsten Niebuhr, 1770) in ihren Berichten und B\u00fcchern auf die Spannungen zwischen den W\u00fcstenarabern und den osmanischen Sultanen hingewiesen. Die Beduinenst\u00e4mme der W\u00fcste schienen diesen Reisenden ein Potenzial f\u00fcr Aufst\u00e4nde gegen die islamische Staatsmacht zu sein \u2013 ein strategischer Ansatz, den Jahrhunderte sp\u00e4ter die britische Nahostpolitik \u00fcbernahm. Die arabischen St\u00e4mme lebten im t\u00fcrkisch-osmanischen Reich in unvorstellbarer Armut, obwohl eigentlich sie die Urheber der islamischen Gro\u00dfreiche waren. \u201eDie Araber sind in dem t\u00fcrkischen Vielv\u00f6lkergebilde zerlumpte Untertanen und bleiben es bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert\u201c, schrieb der Islamwissenschaftler Thomas Widmer. Ihr in der H\u00e4rte des W\u00fcstenlebens bew\u00e4hrter Stolz blieb jedoch ungebrochen, auch der Traum von einem eigenen Staat.<\/p>\n<p><strong>Beteiligung der Beduinenst\u00e4mme an der Vertreibung der T\u00fcrken<\/strong><br \/>\nAls ihr Anf\u00fchrer, zugleich als h\u00f6chster lokaler Beamter der osmanischen Regierung in Istanbul, fungierte der Sherif, auch Emir von Mekka genannt. Dieses jahrhundertealte Amt bekleidete seit 1908 Hussain ibn Ali vom Stamm der Banu Hashim. Die Sherifen-Dynastien hatten traditionell ihre S\u00f6hne kurz nach der Geburt zu Beduinenst\u00e4mmen in die W\u00fcste geschickt, um sie dort zu K\u00e4mpfern ausbilden zu lassen. Emir Hussain, ein ahnenstolzer, wagemutiger Mann, war der Unterdr\u00fcckung und Auspl\u00fcnderung durch die korrupten t\u00fcrkischen Beamten leid und begann sich zu widersetzen. \u00dcber seinen Sohn Faisal und dessen englischen Freund, den Arch\u00e4ologen und Schriftsteller Thomas Edward Lawrence, nahm er Kontakt zum britischen Milit\u00e4rkommando auf. Lawrence agierte im Auftrag des britischen Geheimdienstes, wie sich zur gleichen Zeit auch der deutsche Nahost-Agent Baron von Oppenheim um eine Allianz mit den aufs\u00e4ssigen St\u00e4mmen bem\u00fchte.<br \/>\nDoch die Briten wussten geschickter mit ihnen umzugehen, denn sie waren besser informiert. Sie st\u00fctzten sich auf Vor-Ort-Analysen britischer Reisender oder des genialen jungen Baslers Johann Ludwig Burckhardt, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Auftrag der britischen African Association unter falscher muslimischer Identit\u00e4t mit Beduinenst\u00e4mmen in der W\u00fcste gelebt und dar\u00fcber detaillierte Berichte nach London geschickt hatte. Man war daher nicht wirklich \u00fcberrascht, als der Emir von Mekka eine Allianz anbot, um gemeinsam mit den britischen Truppen die t\u00fcrkischen Glaubensbr\u00fcder aus der arabischen Halbinsel zu vertreiben. W\u00e4hrend die Beamten in London noch misstrauisch abwarteten, rief Emir Hussain, durch einen deutsch-t\u00fcrkischen Vorsto\u00df in Panik versetzt, im Juni 1916 die Beduinen der arabischen Halbinsel zum Befreiungskampf auf.<br \/>\nSeinem Aufruf folgten allerdings nur einige tausend Stammeskrieger, nicht die hundert- bis zweihunderttausend, die er der britischen Regierung in Aussicht gestellt hatte. Einige Erfolge, etwa die Einnahme der mit geringen t\u00fcrkischen Kontingenten besetzten St\u00e4dte Mekka und Jidda, konnten nicht \u00fcber die milit\u00e4rische Schw\u00e4che des Aufstands hinwegt\u00e4uschen. Die strategisch entscheidenden Milit\u00e4raktionen spielten sich ohnehin weiter westlich ab, nahe der Mittelmeerk\u00fcste.<\/p>\n<p>Dort versuchten die britischen Truppen zun\u00e4chst erfolglos, Gaza einzunehmen, wo das t\u00fcrkische Oberkommando der Region seinen Sitz hatte, und wandten sich dann Beer Sheva zu, dem zentralen Verkehrsknotenpunkt der Negev-W\u00fcste. Beer Sheva wurde im Oktober 1917 von den Truppen General Allenbys erobert, damit war der Weg nach Jerusalem frei, das im Dezember an die Briten fiel. Doch auch hierbei spielten weniger die aufst\u00e4ndischen Araber eine Rolle als die australische W\u00fcsten-Kavallerie. Obwohl der arabische Aufstand aus Sicht der Londoner Regierung eine Entt\u00e4uschung war, hatte die Beteiligung der Beduinenst\u00e4mme an der Vertreibung der T\u00fcrken eine weitreichende politisch-symbolische Bedeutung: Gro\u00dfbritannien galt fortan als Freund der arabischen V\u00f6lker, was erstens f\u00fcr die Sicherung des Erd\u00f6ls von entscheidender Bedeutung war, zum zweiten f\u00fcr die Legitimierung der weiteren britischen Pr\u00e4senz in der Region.<\/p>\n<p><strong>Abtrennung \u201eTransjordaniens\u201c brachte die Juden um Gro\u00dfteil des ihnen zugesprochenen Gebiets<\/strong><br \/>\nDurch ihre Allianzen mit den M\u00e4chtigen der arabischen Sph\u00e4re r\u00fcckversichert, begannen die Siegerm\u00e4chte des Ersten Weltkriegs, England und Frankreich, um 1920 mit der Aufteilung des Nahen Ostens. Mit der britisch-arabischen Allianz gegen die T\u00fcrken endete das letzte islamische Gro\u00dfreich. Der die Region ver\u00e4ndernde Krieg, der nebenbei auch die Unvertr\u00e4glichkeit der vom Islam zusammengeklammerten V\u00f6lker enth\u00fcllte, ist Gegenstand von Thomas Edward Lawrences Buch The Seven Pillars of Wisdom, einem Klassiker der modernen W\u00fcstenliteratur.<\/p>\n<p>Ein ber\u00fchmtes Foto zeigt Lawrence, Gertrude Bell und Winston Churchill 1921 auf Kamelen vor der Sphinx in \u00c4gypten. In jenem Fr\u00fchjahr gelang es Gertrude Bell, einer reichen Industriellen-Tochter und Mitarbeiterin des britischen Geheimdienstes, den damaligen Kolonialminister Churchill davon zu \u00fcberzeugen, zun\u00e4chst dem Irak, sp\u00e4ter Jordanien weitgehende Autonomie zuzugestehen. Kurz zuvor, auf der Konferenz von San Remo 1920, waren die Einflussgebiete aufgeteilt worden, sie folgten einem schon 1916 in geheimer Abmachung, dem sogenannten Sykes-Picot-Abkommen, zwischen den neuen Kolonialm\u00e4chten ausgehandelten Deal. Danach sollte sich der Traum des Emirs vom arabischen Staat erf\u00fcllen. Im Norden des Hedschas konnte sich Hussain einige Jahre als von den Briten eingesetzter \u201eEmir von Transjordanien\u201c und selbsternannter \u201eK\u00f6nig der Araber\u201c halten, ehe ihn 1924 der st\u00e4rkere Clan Al Saud aus der Halbinsel vertrieb und er Exil auf Zypern suchen musste.<\/p>\n<p>Um dem Clan des Emirs, den Hashimiten, im Norden der arabischen Halbinsel ein Land und sich selbst einen dauerhaften Br\u00fcckenkopf zu sichern, trennten die Briten 1923 den fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dferen Teil vom eigentlich der j\u00fcdischen Remigration zugedachten \u201eBritischen Mandatsgebiets Pal\u00e4stina\u201c ab und nannten dieses Gebiet \u201eTransjordanien\u201c. Erst kurz zuvor, 1922, hatte der V\u00f6lkerbund der britischen Regierung das \u201eMandat f\u00fcr Pal\u00e4stina\u201c erteilt, mit der Auflage, dort den Juden \u201eeine Heimstatt\u201c zu schaffen und im gesamten Mandatsgebiet \u2013 also dem Gebiet des heutigen Israel, der Westbank und des heutigen Jordanien \u2013 die \u201edichte j\u00fcdische Besiedlung\u201c voranzutreiben. Die willk\u00fcrliche Abtrennung \u201eTransjordaniens\u201c brachte die Juden um fast achtzig Prozent des ihnen vom V\u00f6lkerbund zugesprochenen Gebiets.<br \/>\nHussains Sohn Abdallah wurde als Emir in \u201eTransjordanien\u201c installiert, 1946 erfolgte die Umbenennung des Landes in \u201eJordanien\u201c, der Emir nannte sich fortan \u201eK\u00f6nig\u201c. Der von den Briten erfundene Staat konnte sich im Krieg 1948 des Westjordanlandes bem\u00e4chtigen und es bis 1967 milit\u00e4risch besetzen. Die dort lebenden Juden wurden vertrieben, die Araber erhielten die jordanische Staatsb\u00fcrgerschaft (die meisten im Westjordanland lebenden arabischen Familien halten sie bis heute), fast w\u00e4re die Annexion des Gebiets durch Jordanien gelungen. Als entscheidender Fehler erwies sich Jordaniens Beteiligung am \u00dcberfall der arabischen Staaten auf Israel im \u201eSechs-Tage-Krieg\u201c 1967, in dem Jordanien das Westjordanland an Israel verlor.<\/p>\n<p><strong>Abh\u00e4ngig von US-Milit\u00e4rp\u00e4senz und Trinkwasser aus Israel<\/strong><br \/>\nIm Verlauf der Jahrzehnte wanderten hunderttausende Westbank-Araber \u2013 seit Mitte der Sechziger Jahre \u201ePal\u00e4stinenser\u201c genannt \u2013 nach Jordanien ein; heute stellen sie dort die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, sch\u00e4tzungsweise sechzig bis achtzig Prozent. Wenn es, demographisch gesehen, einen Staat gibt, der die Bezeichnung \u201ePal\u00e4stinenserstaat\u201c verdiente, w\u00e4re es Jordanien. Das hashimitische K\u00f6nigshaus wird vom Ausland an der Macht gehalten, da niemand in der Region daran Interesse hat, dass dort radikale Pal\u00e4stinenser die Macht ergreifen, wie es 1971 fast gelungen w\u00e4re \u2013 das K\u00f6nigshaus konnte seine Position nur durch blutige Gewalt gegen\u00fcber den pal\u00e4stinensischen Aufst\u00e4ndischen behaupten, in einem B\u00fcrgerkrieg mit mehreren tausend Toten.<br \/>\nJordanien, ein wirtschaftlich schwaches Land ohne nennenswerte Wirtschaft oder Bodensch\u00e4tze, fast ohne eigene Wasserquellen, ist heute abh\u00e4ngig von einer amerikanischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz (mehrere tausend US-Soldaten, der Luftwaffenst\u00fctzpunkt Al-Azraq und Abwehrsysteme gegen regionale Raketen- und Drohnenangriffe), au\u00dferdem von Israel, von wo es fast sein gesamtes Trinkwasser sowie Erdgas zur Energieversorgung erh\u00e4lt, und von den reichen arabischen Staaten, die das Land finanziell unterst\u00fctzen. Seine Bedeutung liegt \u2013 neben dem Tourismus \u2013 in seiner strategischen Position und seiner politischen Beispielwirkung: das hashimitische K\u00f6nigshaus schloss 1994 als eine der ersten arabischen M\u00e4chte Frieden mit seinem Nachbarn Israel und wurde dadurch zum Wegbereiter einer Entspannung im Nahen Osten.<br \/>\nAu\u00dfer Jordanien kreierten die europ\u00e4ischen M\u00e4chte nach 1920 noch weitere arabische Staaten, die es vorher nicht gab, Syrien, Irak, Libanon. Die globale Anti-Israel-Propaganda linker und muslimischer Gruppen geht davon aus, der Staat Israel sei eine sp\u00e4te kolonialistische Gr\u00fcndung, die einen bereits etablierten, historisch gewachsenen Nahen Osten in st\u00e4ndige Unruhe und Kriege versetzt h\u00e4tte. Die zionistischen Gr\u00fcnder gelten im Bewusstsein j\u00fcngerer Europ\u00e4er als fremde Eindringlinge in die schon lange bestehenden Strukturen eines islamischen Kulturkreises. Dabei wird ignoriert, dass die meisten heute bestehenden islamischen Staaten der Region Neugr\u00fcndungen sind, politische Kreationen der vor\u00fcbergehenden Kolonialm\u00e4chte Gro\u00dfbritannien und Frankreich oder, wie das erst 1932 gegr\u00fcndete Saudi-Arabien, durch inner-islamische Kriege eroberte Gebiete. Genaueres Hinsehen, in diesem Fall ein Blick in die Geschichte des \u201eK\u00f6nigreichs Jordanien\u201c, eines in Europa kritiklos akzeptierten Staates, kann dabei helfen, dieses einseitige Bild zu korrigieren und in der europ\u00e4ischen Nahost-Politik zu vern\u00fcnftigeren Ans\u00e4tzen zu finden.<br \/>\n&#8230; Alles vom 12.9.2026 von Chaim Noll bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/jordanien_der_erfundene_staat_den_alle_brauchen\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/jordanien_der_erfundene_staat_den_alle_brauchen<\/a><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/israel\/israel-iran\/\">Chaim Noll<\/a> wurde 1954 unter dem Namen Hans Noll in Ostberlin geboren. Sein Vater war der Schrift\u00adsteller Dieter Noll. Er studierte Kunst und Kunstgeschichte in Ostberlin, bevor er Anfang der 1980er Jahre den Wehrdienst in der DDR verweigerte und 1983 nach Westberlin ausreiste, wo er vor allem als Journalist arbeitete. 1991 verlie\u00df er mit seiner Familie Deutschland und lebte in Rom. Seit 1995 lebt er in Israel, in der W\u00fcste Negev. 1998 erhielt er die israeli\u00adsche Staatsb\u00fcr\u00adgerschaft. Chaim Noll unterrichtet neben seiner schriftstellerischen T\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t Be\u2019er Sheva und reist regelm\u00e4\u00dfig zu Lesungen und Vortr\u00e4gen nach Deutschland.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Global\u00a0&gt;Israel &gt;Aegypten &gt;Arabien &gt;Jordanien Listenauswahl eines Beitrags: anklicken (falls unterstrichen) oder scrollen\u00a0 Jordanien: Der erfundene Staat, den alle brauchen (12.9.2026) Arabien-Israel Arabien Deutschland-Hamas Deutschland-Israel Gaza Hamas Islam-Antisemitismus Israel2020 Israel-Geschichte Israel-Hamas Jordan Judenhass2021 Lifegate \u2013 Rehabilitationszentrum in Beit Jala Canaan Fair &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/jordanien\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":27,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-153698","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/153698","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153698"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/153698\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153710,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/153698\/revisions\/153710"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/27"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}