{"id":150393,"date":"2026-06-14T08:32:28","date_gmt":"2026-06-14T06:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=150393"},"modified":"2026-06-14T08:55:07","modified_gmt":"2026-06-14T06:55:07","slug":"vertreibung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/vertreibung\/","title":{"rendered":"Vertreibung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Global<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Integration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/\">Integration<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/\">Migration<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/\">Erinnerungskultur<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/\">Vertriebene<\/a> &gt;Vertreibung<\/p>\n<div id=\"attachment_149642\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/arnika-wiese-freiburg-pan260520.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-149642\" class=\"size-full wp-image-149642\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/arnika-wiese-freiburg-pan260520.jpg\" alt=\"\" width=\"638\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/arnika-wiese-freiburg-pan260520.jpg 638w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/arnika-wiese-freiburg-pan260520-180x115.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-149642\" class=\"wp-caption-text\">Arnika auf der Wiese im Dreisamtal bei Freiburg am 23.5.2026<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li>Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung: Das verdr\u00e4ngte deutsche Leid (12.6.2026)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a title=\"Auschwitz1945-2020\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/auschwitz1945-2020\/\">Auschwitz1945-2020<\/a><\/li>\n<li><a title=\"DDR-Stasi\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/ddr-stasi\/\">DDR-Stasi<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deutsche-Geschichte\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-geschichte\/\">Deutsche Geschichte<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deutschland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/\">Deutschland<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Deutschland2030\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland2030\/\">Deutschland2030<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Erinnerungskultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/\">Erinnerungskultur<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/erinnerungskultur\/erinnerungspolitik\/\">Erinnerungspolitik<\/a><\/li>\n<li><a title=\"EU\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/\">EU<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Export\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/export\/\">Export<\/a><\/li>\n<li><a title=\"FairerHandel\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/fairerhandel\/\">Fairer Handel<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Global-Migration\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/global-migration\/\">Globaler Migrationspakt<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Globalisierung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/\">Globalisierung<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Griechenland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/griechenland\/\">Griechenland<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Holocaust-Education\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/holocaust-education\/\">Holocaust-Education<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Nation\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/\">Nation<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/osteuropa\/\">Osteuropa<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Patriotismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/patriotismus\/\">Patriotismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Platz-der-Alten-Synagoge\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/regio\/freiburg\/platz-der-alten-synagoge\/\">Platz-der-alten-Synagoge<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Rechtsstaat\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/justiz\/rechtsstaat\/\">Rechtsstaat<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Russlanddeutsche\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/migration\/russlanddeutsche\/\">Russlanddeutsche<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/soldaten\/\">Soldaten<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/volk\/staatsvolk\/\">Staatsvolk<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/vertreibung\/\">Vertreibung<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Vertriebene\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/\">Vertriebene<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung:\u00a0Das verdr\u00e4ngte deutsche Leid<\/strong><br \/>\nErinnerungskultur: Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung verliert sich in globalen Migrationsgeschichten und politischer Schuldverwaltung<br \/>\nThorsten Hinz<\/p>\n<p>Sieben Jahre nach seiner Er\u00f6ffnung f\u00fchrt das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung noch immer ein Schattendasein. Trotz der zentralen Lage in Berlin, einem repr\u00e4sentativen Geb\u00e4ude und obwohl der Eintritt frei ist, verirren sich nur wenige Besucher hierher. Noch nie sind Debattenanst\u00f6\u00dfe, gesellschaftspolitische Aha-Effekte oder historische Erkenntnisse von hier ausgegangen. So ist es folgerichtig, dass der Vertrag mit der Stiftungsdirektorin Gundula Bavendamm nicht verl\u00e4ngert wurde.<\/p>\n<p>Doch das Aufmerksamkeitsdefizit liegt nicht an ihr. Es ist das ganze Konzept des Hauses, das nicht aufgeht und nicht aufgehen kann, weil es zusammenspannt, was nicht zusammengeh\u00f6rt. Nach der Selbstauskunft des Hauses soll das \u201eThema Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration im 20. und 21. Jahrhundert aus einer europ\u00e4ischen wie globalen Perspektive\u201c betrachtet werden. <em><strong>\u201eIn diesem Zusammenhang erinnern wir auch an mehr als 14 Millionen Deutsche, die im Zuge des von Deutschland ausgegangenen Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Politik und ihrer Folgen die fr\u00fcheren preu\u00dfischen Ostprovinzen und ihre Siedlungsgebiete in Mittel-, S\u00fcdost- und Osteuropa verlassen mussten.\u201c<\/strong><\/em> In einem aktuellen Referentenentwurf aus dem Bundesinnenministerium wird das den deutschen Vertriebenen zugestandene <em><strong>\u201eauch\u201c<\/strong><\/em> durch das Adverb <em><strong>\u201einsbesondere\u201c<\/strong><\/em> ersetzt.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert nichts daran, dass das vom Bund der Vertriebenen (BdV) und seiner langj\u00e4hrigen, r\u00fchrigen Pr\u00e4sidentin Erika Steinbach initiierte Projekt verw\u00e4ssert, verhunzt, in sein Gegenteil verkehrt wurde. Urspr\u00fcnglich sollte die weithin unbekannte, unerz\u00e4hlte, verdr\u00e4ngte Vertreibung der Deutschen aus dem Osten den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden. Gewiss, es gibt bereits das Ostpreu\u00dfische Landesmuseum in L\u00fcneburg, das Schlesische Museum in G\u00f6rlitz und das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, aber sie sind auf ihre jeweiligen Provinzen bezogen und an der Peripherie gelegen. Das Sudetendeutsche Museum befindet sich immerhin in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Museen, so das der Donauschwaben in Ulm oder der Oberschlesier in Ratingen.<br \/>\n<em><strong>Aber keine dieser Einrichtungen ist in der Lage und darauf angelegt, die Vertreibungsgeschichte als die subkutan nachwirkende nationale Katastrophe ins Bewusstsein zu heben, die sie ist. Immerhin ein Viertel \u2013 seit 1914 mehr als ein Drittel \u2013 des deutschen Staatsterritoriums sowie gro\u00dfe geschlossene Siedlungsgebiete sind verlorengegangen. Zwei Millionen Tote sind zu beklagen.<\/strong><br \/>\n<\/em>Die kulturellen und wirtschaftlichen Verluste, das menschliche Elend ist nicht zu beziffern. Auch das Zentrum in Berlin ist peinlich bem\u00fcht, diese Botschaften zu vermeiden.<\/p>\n<p>Das weitr\u00e4umige, helle erste Obergeschoss ist den Wanderungsbewegungen weltweit vorbehalten, die durch Kriege, B\u00fcrger- und Religionskriege, durch wirtschaftliche Not ausgel\u00f6st wurden. Das Bullauge des im Januar 1945 in der Ostsee versenkten Fl\u00fcchtlingsdampfers \u201eWilhelm Gustloff\u201c steht gleichberechtigt neben dem Iris-Scanner-Bezahlsystem in einem jordanischen Fl\u00fcchtlingslager, der Fellmantel eines ostpreu\u00dfischen Fl\u00fcchtlingsm\u00e4dchens aus dem Winter 1945 neben dem Klapprad eines Syrers, der darauf von Russland nach Norwegen radelte. <em><strong>Die Erz\u00e4hlungen von Kriegsfl\u00fcchtlingen aus Ex-Jugoslawien und vietnamesischen Boatpeople erhalten das gleiche Gewicht wie die Berichte deutscher Vertriebener.<\/strong> <\/em>Hier pr\u00e4sentiert Deutschland sich als ein einig-buntes V\u00f6lkergemisch aus Zwangsmigranten. Die Grenz\u00f6ffnung von 2015, soll der Besucher denken, war nur der n\u00e4chste logische Schritt.<\/p>\n<p>\u201eDie eigentliche Vertriebenenausstellung liegt, erreichbar \u00fcber eine Wendeltreppe, versteckt im zweiten Obergeschoss \u2013 tageslichtlos, d\u00fcsterer beleuchtet, streng angeordnet, in ihrer K\u00fchle beinahe aseptisch\u201c, hie\u00df es 2019 im Bericht der JUNGEN FREIHEIT, der \u00fcberschrieben war: \u201eVertrieben in den Kontext\u201c. Wegen dieser K\u00fchle hat BdV-Pr\u00e4sident Bernd Fabritius der Ausstellung j\u00fcngst Empathielosigkeit attestiert. Die Dimension und Dramatik des Geschehens, das Grauen, das die Betroffenen erlebten, bleiben in Fu\u00dfnoten und Andeutungen versteckt, werden mit Hinweis auf NS-Verbrechen relativiert, entschuldigt oder, um es eleganter auszudr\u00fccken, kontextualisiert.<\/p>\n<p>Frau Steinbach hatte von Anfang an Wert darauf gelegt, dass hier keine Aufrechnung und kein Revanchismus stattfinden und die Vertreibung nicht als isoliertes oder gar singul\u00e4res Ereignis dargestellt werden sollte. Ein Franz-Werfel-Menschenrechts-Preis wurde ausgelobt, benannt nach dem deutsch-j\u00fcdischen Dichter, der mit seinem Roman \u201eDie vierzig Tage des Musa Dagh\u201c den V\u00f6lkermord der T\u00fcrken an den Armeniern 1915 in das internationale Bewusstsein gehoben hatte. Er wird verliehen f\u00fcr den Einsatz gegen Vertreibungen weltweit. Das ist sympathisch und ehrenwert, doch deutete sich damit bereits eine konzeptionelle \u00dcberanstrengung an und war der Keim daf\u00fcr gelegt, dass das urspr\u00fcngliche Anliegen an den Rand geriet. Allerdings war das die einzige M\u00f6glichkeit, \u00f6ffentliche Akzeptanz und B\u00fcndnispartner f\u00fcr das Vorhaben zu gewinnen.<\/p>\n<p>Frau Steinbachs wohl wichtigster Verb\u00fcndeter war der SPD-Politiker Peter Glotz, geboren in Eger als Sohn einer tschechischen Mutter und eines deutschen Vaters. Glotz erkl\u00e4rte im Jahre 2001, das Zentrum \u201esoll nicht vor allem unsere Erinnerungen pflegen, es soll dazu beitragen, Vertreibungen weltweit zu \u00e4chten, die V\u00f6lkergemeinschaft zu sensibilisieren und die Auseinandersetzung mit Ethnonationalismus und der Idee des ethnisch homogenen Nationalstaats systematisch zu f\u00fchren. Insofern wird dieses Zentrum ein Beitrag zur Bek\u00e4mpfung des Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus sein.\u201c Kanzlerin Merkel sprach von einem \u201esichtbaren Zeichen\u201c, das mit dem Zentrum gesetzt werden sollte. Das politische Dummdeutsch, hier zudem in tautologischer Verdoppelung, zeigte die Lustlosigkeit an, mit der das offizielle Berlin das Projekt begleitete. Ein internationales Beratergremium sollte schlie\u00dflich die \u201eeurop\u00e4ische Perspektive\u201c und den \u201eGeist der Vers\u00f6hnung\u201c garantieren.<\/p>\n<p>Die gemeinsame Perspektive aber gibt es nicht. Gern w\u00fcrde man hinzuf\u00fcgen: noch nicht. Bis auf die Deutschen sorgt sich jeder um seine nationale Sicht. Die Polen wollten ihre Martyrologie, die Russen ihre Befreiermission nicht beflecken lassen, die Tschechen nicht an die Benesch-Vertreibungsdekrete erinnert werden. Die Massaker, die Todesm\u00e4rsche, die Ausraubung, die Morde und Folter, die Deutschen in den Internierungslagern wie Lamsdorf, Potulitz, Schwientochlowitz\/Zgoda, Myslowitz in Oberschlesien erlebten, die blutigen Killertypen wie Czeslaw Geborski und Salomon Morel \u2013 das und noch viel mehr sollte unter den Teppich gekehrt bleiben. Gundula Bavendamm hatte einger\u00e4umt, man habe sich die \u201ejeweiligen nationalen Perspektiven unserer Nachbarn angesehen\u201c und deren \u201ebesondere Sensibilit\u00e4ten\u201c in der Konzeption ber\u00fccksichtigt. Deutsche Sensibilit\u00e4ten waren offenbar unma\u00dfgeblich. Vers\u00f6hnung hei\u00dft jedoch, dass jede Seite willens und in der Lage ist, die Perspektive des jeweils anderen einzunehmen. Das setzt logischerweise voraus, die n\u00fcchternen Fakten zu akzeptieren, so schmerzhaft sie auch sein m\u00f6gen. Das Zentrum versagt vor dieser Aufgabe, und ob der Bavendamm-Nachfolger \u2013 ein Spezialist f\u00fcr ausl\u00e4ndische Zwangsarbeiter im Dritten Reich \u2013 daran etwas \u00e4ndern kann und will, ist zweifelhaft.<br \/>\nVertreter der sogenannten Vertreiberstaaten im Beratergremium warnten vor einer Schuldumkehr, der Zentralrat der Juden f\u00fcrchtete um den Holocaust-Primat. Der exzentrische Publizist Ralph Giordano, den Frau Steinbach als Unterst\u00fctzer gewonnen hatte, zog sich mit Get\u00f6se zur\u00fcck, weil angeblich das \u201edeutschverursachte Morduniversum des Zweiten Weltkriegs und seine[r] Besatzungspolitik\u201c noch immer \u201enotorisch zu kurz\u201c komme. Guido Westerwelle, der Au\u00dfenminister, kegelte auf polnisches Dr\u00e4ngen Frau Steinbach aus dem Stiftungsrat. Der polnische Historiker Tomasz Marceli Szarota verabschiedete sich 2010 mit der Begr\u00fcndung, nicht die Vers\u00f6hnung mit Polen, \u201esondern die Vers\u00f6hnung zwischen den Vertriebenen und den anderen Deutschen\u201c stehe im Vordergrund. Damit traf er einen wunden und entscheidenden Punkt.<\/p>\n<p><em><strong>Bis heute sind die Deutschen mehrheitlich au\u00dferstande, in ihr Welt- und Selbstbild die Tatsache zu integrieren, dass die Siegerm\u00e4chte 1945 ihren Sieg mit einem Massenverbrechen an Deutschen besiegelten, das etliche Kriterien der UN-V\u00f6lkermorddefinition erf\u00fcllt.<\/strong> <\/em>Golo Mann zitierte in seiner \u201eDeutschen Geschichte\u201c den britischen Economist, der damals geschrieben hatte, die Alliierten h\u00e4tten den Krieg gegen Hitler mit einem Frieden im Stile Hitlers beendet. Mehr als zehn Millionen Menschen von Haus und Hof zu vertreiben und in ein zerst\u00f6rtes Restterritorium zu pressen, wo bereits die Einheimischen unter Mangel an Obdach, Nahrung und Heizmaterial leiden, bedeutet, billigend ein Massensterben in Kauf zu nehmen oder sogar einzukalkulieren.<br \/>\n\u00dcber Stalin braucht man in dem Zusammenhang kein Wort mehr verlieren. Doch auch Churchill erkl\u00e4rte im Dezember 1944 im Unterhaus, nun w\u00fcrde ethnisch \u201ereiner Tisch\u201c gemacht, Nationalit\u00e4tenkonflikte w\u00fcrde es danach nicht mehr geben. Wer das Befreiungsnarrativ verabsolutiert und internalisiert hat, dem bereitet die Konfrontation mit den Fakten kognitive Dissonanzen. Er fl\u00fcchtet sich in die bundesdeutsche Schuldtranszendenz, die auch an diesem Ort ausgiebig zelebriert wird.<\/p>\n<p>Der Kontext der Vertreibung beschr\u00e4nkt sich weitgehend auf den Nationalsozialismus, der kontextlos \u00fcber eine sonst friedvolle Welt gekommen zu sein scheint. Tats\u00e4chlich verstieg sich Edvard Benesch 1946 zu der Aussage, mit der Austreibung der Deutschen aus B\u00f6hmen w\u00fcrde ein tausend Jahre alter Irrtum behoben.<\/p>\n<p>Um die nationale Katastrophe angemessen beurteilen zu k\u00f6nnen, muss man solche Fakten \u00fcberhaupt erst einmal zur Kenntnis nehmen. Es geht weder um materielle noch um moralische Revanche, sondern um die Herstellung und Aneignung eines historisch gerechten Selbstbildes und eines politischen Selbstbewusstseins, das sich gegen materielle und moralische Erpressungsversuche immun erweist und zu einem rationalen und interessengeleiteten Handeln bef\u00e4higt. Das ist heute ganz klar nicht der Fall. Ganz im Gegenteil.<br \/>\nDenn die Schuldtranszendenz ist f\u00fcr die kognitiven Dissonanzen nur eine Zwischenstation. Auf der n\u00e4chsten Stufe entladen sie sich in irrationalen \u00dcbersprunghandlungen. <em><strong>Die verr\u00fcckte Logik lautet:<\/strong> <strong>Weil damals Millionen Deutsche vertrieben wurden, m\u00fcssen sie heute Millionen Fremde aufnehmen.<\/strong> <\/em>Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, das von dem AfD-Abgeordneten Torben Braga in Auftrag gegeben wurde, f\u00fchrt neuere akademische Versuche auf, das bislang zwar unkodifizierte, aber allgemein anerkannte Recht auf Heimat umzudeuten und umzukehren. Demnach h\u00e4tten Migranten ausdr\u00fccklich das Recht, sich anderswo \u2013 gern auch in Deutschland \u2013 eine neue Heimat zu suchen. Das wird auch in entsprechenden UN-Studien propagiert. Deshalb ist das Vertreibungsthema l\u00e4ngst nicht erledigt und ben\u00f6tigt das Zentrum in Berlin eine radikale Neuaufstellung, um aus seinem Schattendasein heraus- und in den politischen Diskurs eintreten zu k\u00f6nnen.<br \/>\n.<br \/>\nDokumentationszentrum: Streit um Ausrichtung<br \/>\nBundesinnenminister Alexander Dobrindt will die Stiftung Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung neu ausrichten. Dazu hat er einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine \u201eerinnerungpolitische Neujustierung explizit auf das Leid der Deutschen\u201c vorsieht , wie der Verband der Historiker und Historikerinnen (VHD) kritisiert. Damit werde die \u201ehistorische Kontextualisierung von Flucht und Vertreibung durch ein selbstbez\u00fcgliches nationales Narrativ\u201c ersetzt. Der dritte Namensbestandteil der Stiftung \u2013 Vers\u00f6hnung \u2013 trete auf diese Weise \u201ezugunsten einer deutschen Opfererz\u00e4hlung in den Hintergrund\u201c. Der angestrebte strukturelle Umbau und erinnerungspolitische Paradigmenwechsel der Stiftung gef\u00e4hrde somit gleicherma\u00dfen die europ\u00e4ische Verst\u00e4ndigung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Bundesrepublik, so der VHD.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung erf\u00e4hrt Dobrindt unterdessen vom Bund der Vertriebenen (BdV). Die nun auch im Gesetzentwurf fixierte Schwerpunktsetzung k\u00f6nne dazu beitragen, dass dieser wichtige Teil der deutschen Geschichte \u2013 und vor allem das individuelle Leid der Betroffenen \u2013 f\u00fcr nachkommende Generationen sichtbar bleibe, teilte der BdV Ende voriger Woche mit. \u201eFlucht, Vertreibung und Eingliederung der deutschen Heimatvertriebenen d\u00fcrfen nicht als blo\u00dfe Folgewirkung des Zweiten Weltkriegs oder durch eine \u00dcberlagerung mit modernen Kontexten marginalisiert und damit unsichtbar gemacht werden.\u201c (tha)<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 12.6.2026 von Thorsten Hinz bitte lesen in der JF 25\/26, Seite 13<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Fett oben nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.historikerverband.de\">https:\/\/www.historikerverband.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.flucht-vertreibung-versoehnung.de\/\">https:\/\/www.flucht-vertreibung-versoehnung.de\/<\/a><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Global\u00a0&gt;Integration\u00a0&gt;Migration &gt;Erinnerungskultur &gt;Vertriebene &gt;Vertreibung Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung: Das verdr\u00e4ngte deutsche Leid (12.6.2026) Auschwitz1945-2020 DDR-Stasi Demokratie Deutsche Geschichte Deutschland Deutschland2030 Erinnerungskultur Erinnerungspolitik EU Export Fairer Handel Globaler Migrationspakt Globalisierung Griechenland Holocaust-Education Nation Osteuropa &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/vertriebene\/vertreibung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":82850,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-150393","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/150393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=150393"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/150393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150407,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/150393\/revisions\/150407"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/82850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=150393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}