{"id":150187,"date":"2026-06-09T16:59:16","date_gmt":"2026-06-09T14:59:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=150187"},"modified":"2026-06-09T17:24:20","modified_gmt":"2026-06-09T15:24:20","slug":"martenstein","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/journalismus\/martenstein\/","title":{"rendered":"Martenstein"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Kultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/\">Kultur<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Medien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/\">Medien<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/journalismus\/\">Journalismus<\/a> &gt;Martenstein<\/p>\n<div id=\"attachment_150125\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/fahrrad-blumen-duo-pan260527.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-150125\" class=\"size-full wp-image-150125\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/fahrrad-blumen-duo-pan260527.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/fahrrad-blumen-duo-pan260527.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/fahrrad-blumen-duo-pan260527-180x92.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-150125\" class=\"wp-caption-text\">Blumen-Fahrrad am 7.5.2026 in Freiburg: Duo blau-rot<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li>Martenstein: Gelenkte Demokratie &#8211; &#8222;Ich halte das f\u00fcr eine Gefahr\u201c(5.6.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/martenstein-video-demokratie\/\">Martenstein: Video Demokratie<\/a>\u00a0(15.3.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/martenstein-thalia-demokratie\/\">Martenstein: Thalia Demokratie<\/a> (15.2.2026)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/theater\/prozess-gegen-deutschland\/\">Prozess-gegen-Deutschland<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Harald Martenstein: Der mehrfach preisgekr\u00f6nte Journalist, geboren 1953 in Mainz, z\u00e4hlt zu den renommiertesten Kolumnisten Deutschlands. Als solcher schrieb er f\u00fcr den Rundfunk Berlin-Brandenburg und den NDR, den Berliner Tagesspiegel und die Zeit. 2022 begann er bei der Welt und Welt am Sonntag, 2026 bei der Bild, wo er die Kolumne \u201eMail von Martenstein\u201c verfasst. Er ver\u00f6ffentlichte zahlreiche B\u00fccher, zuletzt den Roman \u201eWut\u201c (2021) und die Kolumnensammlung \u201eAlles im Griff auf dem sinkenden Schiff\u201c (2022). Im Herbst erscheint sein neues Buch: \u201eGelenkte Demokratie. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Freiheit\u201c<br \/>\n==============================================================<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Martenstein: Gelenkte Demokratie &#8211; &#8222;Ich halte das f\u00fcr eine Gefahr\u201c<\/strong><br \/>\nInterview: Seine fulminante Rede beim AfD-Verbotsprozess im Hamburger Thalia-Theater hat ihn endg\u00fcltig zum Star gemacht. Der Kolumnist und Autor Harald Martenstein warnt die Linke vor ihrer Selbstgerechtigkeit \u2013 die die Demokratie bedroht<br \/>\nMoritz Schwarz<\/p>\n<p>Herr Martenstein, f\u00fcr viele B\u00fcrger sind Sie inzwischen eine Art Freiheitsheld.<br \/>\nHarald Martenstein: Oh, das ist mir jetzt aber ein bisschen peinlich.<\/p>\n<p>Dann h\u00e4tten Sie vor einigen Wochen beim sogenannten \u201eProzess gegen Deutschland\u201c im Hamburger Thalia-Theater nicht so k\u00e4mpferisch auftreten d\u00fcrfen.<br \/>\nMartenstein: Daf\u00fcr war kein Heldentum n\u00f6tig. Ich war dort nicht in einer gef\u00e4hrlichen Lage.<\/p>\n<p>Der Youtuber Feroz Khan, der auch dort gesprochen hat, berichtete gegen\u00fcber dieser Zeitung von einer angespannten Situation nach seinem Auftritt, so dass er das Theater sicherheitshalber rasch verlassen habe.<br \/>\nMartenstein: Bei meiner Rede herrschte eine gespannte Stille, die schon als eher unfreundlich zu identifizieren war. Es gab ein paar verhaltene Zwischenrufe, am Ende auch etwas \u201eBuh!\u201c, aber ich bin nicht niedergebr\u00fcllt worden. So lauteten ja auch die Spielregeln bei diesem Event.<\/p>\n<p>Bei einem Vortrag in Berlin berichteten Sie, nach Ihrem Auftritt von einem \u201eoffenbar bereits betankten\u201c Mitarbeiter des Theaters verbal aggressiv angegangen worden zu sein, so dass Sie sich ebenfalls lieber zur\u00fcckzogen.<br \/>\nMartenstein: Das stimmt. Aber ich bin danach von Regisseur Milo Rau noch auf ein Glas Prosecco eingeladen worden. Das war sehr nett.<\/p>\n<p>Insgesamt knapp 1,5 Millionen Aufrufe auf Youtube: War Ihnen klar, dass Ihre Rede so einschlagen w\u00fcrde?<br \/>\nMartenstein: Nein. Ich war eigentlich schon ziemlich erledigt. Schlie\u00dflich war ich der letzte Redner des Tages und wollte es vor allem endlich hinter mich bringen.<\/p>\n<p>Davon war allerdings nichts zu merken: \u201eDie S\u00e4tze kurz und scharf, zwischen jedem Punkt ein Pistolenschuss\u201c, urteilte etwa die \u201eZeit\u201c. Wohl noch niemand hat der versammelten Linken so scharf die Meinung gegeigt.<br \/>\nMartenstein: Was mich sehr \u00e4rgert und sogar immer wieder w\u00fctend macht, ist, wenn mit zweierlei Ma\u00df gemessen wird. Wenn man einem AfD-Politiker das Auto anz\u00fcndet, ist das in den meisten Medien nur ein F\u00fcnfzeiler. Wird aber Robert Habeck ein paar Minuten dabei aufgehalten, von Bord einer F\u00e4hre zu gehen, ist das fast schon eine Staatsaff\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eWir sprechen \u00fcber das Verbot einer Partei, die im Westen von \u00fcber 20 Prozent, im Osten von 35 bis 40 Prozent gew\u00e4hlt wird. Mit anderen Worten: Wir reden \u00fcber das Ende der Demokratie!\u201c, so der zentrale Vorwurf Ihrer Rede.<br \/>\nMartenstein: Interessant ist, dass ich immer wieder darauf angesprochen werde, ich h\u00e4tte die AfD \u201everteidigt\u201c. Das ist v\u00f6llig falsch. Alles was ich getan habe, ist gegen ihr Verbot zu argumentieren. Ich habe nicht f\u00fcr die AfD Partei ergriffen, sondern schlicht zu der Frage Stellung genommen, ob man sie verbieten sollte. Das ist ungef\u00e4hr so, als ob man gegen die Todesstrafe argumentiert und dann den Vorwurf entgegengeschleudert bekommt: \u201eAch, du findest Mord also super?\u201c Schiefer Vergleich, aber mir f\u00e4llt gerade nichts Besseres ein.<\/p>\n<p>Dass in Deutschland \u00fcberhaupt diskutiert wird, die AfD zu verbieten, ist das nicht ein Alarmzeichen?<br \/>\nMartenstein: Aber sicher. Zumal die Grundlage der Verbotsdebatte darin besteht, dass die Partei erfolgreich ist \u2013 das hat also gar nichts mit besonders radikalen politischen Positionen zu tun. Der Beweis: Es gibt Parteien, die ein ganzes St\u00fcck rechts von der AfD stehen, etwa \u201eDie Heimat\u201c, wie die NPD seit 2023 hei\u00dft, oder der \u201eDer Dritte Weg\u201c. Die haben ein radikaleres Programm als die AfD, aber ein Verbot ist kein Thema. Weil sie ziemlich erfolglos sind.<\/p>\n<p>Weiter haben Sie in Ihrer Rede diagnostiziert: \u201eDer \u2018Kampf gegen Rechts\u2019 ist ein Kampf gegen die Demokratie\u201c, \u201eSie (die Verbotsbef\u00fcrworter) sind ein Gegner der Demokratie\u201c und \u201everwandeln sie in ein autorit\u00e4res Regime\u201c. H\u00e4rter geht es nicht.<br \/>\nMartenstein: Ja, ich wollte an die Schmerzgrenze. Ich war ja nicht der einzige, der dort gegen ein AfD-Verbot argumentiert hat, aber die anderen Redner fand ich \u00fcberraschend defensiv. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe ihnen mit gro\u00dfem Interesse zugeh\u00f6rt. Aber ich denke, es war wichtig, dahin zu gehen, wo\u2019s den Verbotsbef\u00fcrwortern weh tut. N\u00e4mlich ihnen vor Augen zu f\u00fchren, was ihre Forderung tats\u00e4chlich bedeutet. Sie also mit der Frage zu konfrontieren: Seid ihr \u00fcberhaupt die Musterdemokraten, f\u00fcr die ihr euch haltet?<\/p>\n<p>Ihre Rede hat so beeindruckt, dass der M\u00fcnchner Langen-M\u00fcller-Verlag Ihnen angeboten hat, ein Buch dar\u00fcber zu schreiben, das im Herbst erscheint. Welche Hintergr\u00fcnde werden wir darin erfahren?<\/p>\n<p>Martenstein: Einer der wichtigsten Inhalte ist f\u00fcr mich die Aufarbeitung des Auftritts des schon von Ihnen erw\u00e4hnten Feroz Khan. Dazu sollte man wissen, dass Khans Eltern aus Pakistan fliehen muss\u00adten, weil sie Anh\u00e4nger der Ahmadiyya-Gemeinde sind, die zwar islamisch ist, sich aber f\u00fcr Toleranz, Meinungsfreiheit, gleiche Rechte f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen und so weiter ausspricht. Khan ist also ein typischer Vertreter jener Einwanderer in Deutschland, die vor genau dem radikalen Islam geflohen sind, der sie jetzt hier einholt. Und nun wird ihm bizarrerweise \u201eIslamophobie\u201c vorgeworfen! Die Vertreterin der Anklage, die Hamburger Rechtsanw\u00e4ltin Gabriele Heinecke, hat mich wirklich stark beeindruckt: Khans Aussage, in Deutschland habe es 2024 rund 29.000 Messerangriffe gegeben, hat sie mit der Bemerkung abgetan, diese Zahl sei \u201etotaler Bullshit\u201c. Wow, was f\u00fcr eine Chuzpe! Khan hatte n\u00e4mlich v\u00f6llig recht. Diese Zahl aus der Polizeilichen Kriminalstatistik steht wirklich \u00fcberall, sogar auf der Netzseite des rechtsradikaler Tendenzen unverd\u00e4chtigen ZDF. Es ist unvorstellbar, dass Frau Heinecke als informierte Person diese Zahl nicht kennt. Und das hei\u00dft: <em><strong>Man konnte in diesem Moment vermutlich einer L\u00fcgnerin live dabei zusehen, wie sie einen ehrlichen Menschen \u00f6ffentlich bezichtigt, die Unwahrheit zu sagen.<\/strong> <\/em>Warum tut man sowas? Ich glaube, sie wollte Khan um jeden Preis fertigmachen. Ich bin die Macht! Und du bist nur ein armes W\u00fcrstchen! Das war ihre Haltung. Bewundernswerterweise wahrte Khan jedoch die Contenance und wehrte sich gegen die Unterstellung und den Kraftausdruck \u201eBullshit\u201c mit der Replik: \u201eDas sagt mehr \u00fcber Sie aus als \u00fcber mich.\u201c Ja, das war souver\u00e4n und sachlich. Und doch hat die Vorsitzende Richterin Herta D\u00e4ubler-Gmelin nicht etwa die ausf\u00e4llige Frau Heinecke ger\u00fcgt, sondern ihn. Er habe sich \u2013 Achtung, Moslemklischee! \u2013 gegen\u00fcber Heinecke als Frau respektlos verhalten. Solche Methoden kann man sonst in historischen Aufnahmen von stalinistischen oder faschistischen Schauprozessen beobachten. Deshalb war das aus meiner Sicht ein politisch kostbarer Moment, eine deutsche Schl\u00fcsselszene, die ich im Buch ausf\u00fchrlich analysiere.<\/p>\n<p>Der Titel Ihres Buches ist \u201eGelenkte Demokratie\u201c \u2013 auch das eine Spitze gegen dieses zynische Denken?<br \/>\nMartenstein: Nat\u00fcrlich, denn mit dem Begriff wird hierzulande normalerweise ein allm\u00e4hlicher Abbau der Demokratie beschrieben, wie ihn zum Beispiel Putin in Russland betrieben hat oder Erdo\u011fan in der T\u00fcrkei. Ich m\u00f6chte mit dem Buch dazu beitragen, eine Selbstgerechtigkeit offenzulegen, die in dem Glauben besteht, dass Gefahr f\u00fcr die Demokratie und die Freiheit immer und ausschlie\u00dflich von \u201erechts\u201c kommen m\u00fcsse. Wobei diese Leute ja meist nicht einmal zwischen rechts und rechtsradikal beziehungsweise rechtsextrem unterscheiden. Dass diese Gefahr auch von linker Seite kommen kann, leugnen sie. Und das, obwohl eines ihrer wichtigsten Argumente f\u00fcr ein AfD-Verbot ja darin besteht, dass die AfD angeblich die Opposition ausschalten will. Also ganz genau das plane, was sie selbst mit ihrem Verbot ja fordern. Und sie merken es nicht.<\/p>\n<p>Woher kommt diese hermetische Geisteshaltung?<br \/>\nMartenstein: Tja, es ist die gleiche Unverfrorenheit, mit der dem armen Feroz Khan die 29.000 Messerangriffe bestritten oder auch die Berge von Abermillionen Toten abgetan werden, die Linke auf dem Gewissen haben. In der Sowjetunion, in China, in Kambodscha und sonstwo. Immer wird so getan, als habe das mit linker Ideologie nicht das Geringste zu tun. Ofenbar sind diese Millionen von Toten lediglich Opfer ungl\u00fccklichen Unf\u00e4lle. Wissen Sie, im Grunde ist es den Linken gelungen, den perfekten Mord zu begehen.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201edas perfekte Verbrechen\u201c umschreibt eine kriminelle Tat, die keinerlei Spuren hinterl\u00e4sst.<br \/>\nMartenstein: Genau das ist der Fall. Die extreme Linke kommt mit millionenfachem Mord davon, ohne dass ihr das jemand ernsthaft nachzutragen scheint. Nat\u00fcrlich will ich damit nicht pauschal alle Linken anklagen. Es tragen ja auch nicht alle Rechten Mitschuld an Auschwitz, weder Franz Josef Strau\u00df noch Ronald Reagan, noch Marine Le Pen kann man das vorwerfen. Die extreme Linke tut erfolgreich so, als habe sie mit der finsteren Vergangenheit ihrer Ideologie nichts zu tun. Tja, ist eben so. All diese Toten sind halt irgendwie weg. Egal. Weiter so. Das ist die Haltung. Entschuldigung, aber mich st\u00f6rt das.<\/p>\n<p>Sie sagen, deshalb etwa treten Sie als Benefiz-Redner in der Berliner \u201eGedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus\u201c auf, wo Sie den am Anfang unseres Gespr\u00e4chs erw\u00e4hnten Vortrag gehalten haben.<br \/>\nMartenstein: Ja, eine ganz kleine Bude, deren \u00f6ffentliche F\u00f6rderung man auf anderthalb Stellen zusammengestrichen hat. Die aber in Berlin-Mitte eine unheimlich wertvolle Arbeit macht, weil es einer der relativ wenigen Orte im Lande ist, wo dieser vergessenen Opfer gedacht und zu ihrem Schicksal geforscht wird.<\/p>\n<p>Im j\u00fcngst erschienenen Sammelband \u201eWenn das Denken die Richtung \u00e4ndert. Warum wir nicht mehr links sind\u201c, inzwischen ein Bestseller, beschreiben Sie Ihren pers\u00f6nlichen Abschied vom Linkssein. Warum haben Sie damit gebrochen?<br \/>\nMartenstein: Na ja, \u201egebrochen\u201c ist ein gro\u00dfes Wort. Ich geh\u00f6re halt nicht mehr dazu. Eine gro\u00dfe Rolle spielt f\u00fcr mich zum Beispiel die Wirtschaftspolitik. Ich glaube nicht, dass eine verstaatlichte, gelenkte Wirtschaft jemals eine gute Idee war. Schauen Sie sich doch die L\u00e4nder an, in denen die extreme Linke schalten und walten konnte. Der Weg hat immer in Richtung Armut gef\u00fchrt, auch f\u00fcr die kleinen Leute. Liberale und Konservative sind besser f\u00fcr das Wohlergehen der V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Im Buch beschreiben Sie allerdings eine andere Geschichte: n\u00e4mlich wie Sie, etwa w\u00e4hrend Ihrer Zeit bei der DKP, erlebt haben, dass die Linke zwar st\u00e4ndig von Demokratie und Freiheit spricht, in Wahrheit aber Demokratie und Freiheit gezielt abschaffen will.<br \/>\nMartenstein: Ja, fr\u00fcher nannten sie es \u201esozialistische Demokratie\u201c, wenn alle einer Meinung sein mussten. Heute gibt es den sonderbaren Ausdruck \u201eunsere Demokratie\u201c. Wenn der f\u00e4llt, muss man aufpassen. Wobei, nochmals, man nicht alle Linken \u00fcber einen Leisten schlagen darf. Radikale und gem\u00e4\u00dfigte Linke sind nicht das gleiche. Wobei ich mich schon wundere, welchen Weg inzwischen Teile der SPD einschlagen. Denn ich h\u00e4tte es nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass die Sozialdemokratie einem autorit\u00e4ren Regime die T\u00fcr \u00f6ffnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die SPD will ein autorit\u00e4res Regime?<br \/>\nMartenstein: Na ja, was bedeutet denn bitte ein Verbot der AfD? Einer Partei, die ja keineswegs eine Nazi-Diktatur errichten will und gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei ist? Die AfD n\u00e4hert sich inzwischen der Drei\u00dfig-Prozent-Marke. Sie zu verbieten hie\u00dfe nichts anderes, als knapp einem Drittel der W\u00e4hler zu sagen: Haltet die Fresse! Und was w\u00e4re das anderes als ein autorit\u00e4res Regime? Eine Halbdiktatur? Das h\u00e4tte ich Sozialdemokraten nie zugetraut. Aber B\u00e4rbel Bas tickt so.<\/p>\n<p>Was sind die Gr\u00fcnde, dass die SPD so etwas tut?<br \/>\nMartenstein: Das ist eine gute Frage. Mit der Ideologie der Identit\u00e4tspolitik haben wir seit einigen Jahren eine neue Steuerm\u00e4nnin, die in der Linken das Ruder \u00fcbernommen hat. Die klassische Linke ist abgel\u00f6st, in der Unternehmer das Hauptfeindbild waren. Heute sind der Hauptgegner die Wei\u00dfen und die M\u00e4nner. Wenn aber M\u00e4nner und Wei\u00dfe schuld sind an allem Ungl\u00fcck der Weltgeschichte, dann hat man, anders als noch bei den Kapitalisten, pl\u00f6tzlich eine riesengro\u00dfe Feindgruppe. Dem kann man, jedenfalls in Europa, nicht demokratisch beikommen, also mit Hilfe einer Mehrheit bei Wahlen. Man braucht autorit\u00e4re Methoden.<\/p>\n<p>Was passiert, wenn diese \u201eriesengro\u00dfe Feindgruppe\u201c im Herbst in Sachsen-Anhalt die AfD an die Macht w\u00e4hlt?<br \/>\nMartenstein: Ich glaube, die Dreistigkeit wird man wohl nicht haben, erneut einen gew\u00e4hlten Ministerpr\u00e4sidenten abzusetzen, das w\u00e4re zu sehr Erdo\u011fan-Stil.<\/p>\n<p>Also keine Bundesexekution, der sogenannte \u201eBundeszwang\u201c, gegen Sachsen-Anhalt?<br \/>\nMartenstein: Vielleicht habe ich auch nur zu wenig Phantasie. Im Fall Thomas Kemmerich, 2020 in Th\u00fcringen, konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass seine Wahl de facto r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird. Mir macht allerdings noch etwas anderes Sorge, n\u00e4mlich die Frage, wie sich die AfD unter diesem Druck entwickeln wird. Das alles f\u00f6rdert ja die Radikalisierung dieser Partei. Die AfD ist bisher nicht den Weg der allm\u00e4hlichen M\u00e4\u00dfigung gegangen, wie etwa Meloni oder Marine Le Pen. Deren Parteien regieren inzwischen Italien, in Frankreich immerhin etliche Gro\u00dfst\u00e4dte und in Regionen, sie haben also Regierungserfahrung. Was aber passiert, wenn eine Partei ohne jede Erfahrung regiert, auch ohne Erfahrung mit Kompromissen und Koalitionen? Ich halte das f\u00fcr eine Gefahr. Auch das ist eine Folge der unseligen Ausgrenzungspolitik gegen einen gro\u00dfen, legitimen Teil des politischen Spektrums.<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 5.6.2026 von Harald Martenstein lesen in der JF 24\/26, Seite 5<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Kultur\u00a0&gt;Medien &gt;Journalismus &gt;Martenstein &nbsp; Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Martenstein: Gelenkte Demokratie &#8211; &#8222;Ich halte das f\u00fcr eine Gefahr\u201c(5.6.2026) Martenstein: Video Demokratie\u00a0(15.3.2026) Martenstein: Thalia Demokratie (15.2.2026) Prozess-gegen-Deutschland Harald Martenstein: Der mehrfach preisgekr\u00f6nte Journalist, geboren 1953 in Mainz, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/journalismus\/martenstein\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":68087,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-150187","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/150187","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=150187"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/150187\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150201,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/150187\/revisions\/150201"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/68087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=150187"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}