{"id":147231,"date":"2026-03-30T14:52:02","date_gmt":"2026-03-30T12:52:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=147231"},"modified":"2026-04-30T09:35:05","modified_gmt":"2026-04-30T07:35:05","slug":"staat-neutral","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/staat-neutral\/","title":{"rendered":"Staat-neutral"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/\">Staat<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/ideologie\/\">Ideologie<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/kirche-staat\/\">Kirche-Staat<\/a> &gt;Staat-neutral<\/p>\n<div id=\"attachment_147188\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Jesus-choreo-Fussball-Serbien-pan202603.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-147188\" class=\"size-full wp-image-147188\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Jesus-choreo-Fussball-Serbien-pan202603.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Jesus-choreo-Fussball-Serbien-pan202603.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Jesus-choreo-Fussball-Serbien-pan202603-180x100.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-147188\" class=\"wp-caption-text\">Orthodoxe Ikone als Jesus-Choreo im Fussballstadion des FK Crvena Zvevd \/ Serbien &#8211; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/christen-jesus-choreo-bibel-ehe\/\">mehr<\/a><\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/christen\/christenfeindlichkeit\/\">Ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit: Christin P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen verurteilt<\/a> (30.3.2026)<\/li>\n<li>Das Urteil von Helsinki gegen P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen und das Ende der neutralen Illusion des Staates (27.3.2026)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/christen\/christenfeindlichkeit\/\">Christenfeindlichkeit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-neutral\/\">Deutschland-neutral<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Staat mu\u00df neutral sein: Nach innen, gegen\u00fcber der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/buerger\/\">B\u00fcrgerschaft<\/a> als dem Souver\u00e4n<br \/>\n===========================================================<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Das Urteil von Helsinki gegen P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen und das Ende der neutralen Illusion des Staates<\/strong><br \/>\n<strong>Der Richter als Hohepriester<br \/>\n<\/strong>Von Andreas Schnebel<br \/>\nNach dem Urteil gegen eine christdemokratische Politikerin und einen lutherischen Bischof in Finnland darf man Bibelverse nurmehr als museales Artefakt zitieren, jedoch keine Geltung f\u00fcr das Heute beanspruchen. F\u00fcr Christen ist die Situation indes nicht neu. Bei Petrus finden wir eine L\u00f6sung.<br \/>\n.<br \/>\nDas Urteil des Obersten Gerichtshofs Finnlands gegen die fr\u00fchere christdemokratische <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/christen-jesus-choreo-bibel-ehe\/\">Innenministerin P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen<\/a> und den lutherischen Bischof Juhana Pohjola vom 26. M\u00e4rz 2026 markiert das Ende einer \u00c4ra. In den kommenden Wochen m\u00f6gen die Feuilletons der westlichen Welt diesen Tag als Sieg der s\u00e4kularen Vernunft \u00fcber einen vermeintlich vorgestrigen Dogmatismus feiern. Diese Erz\u00e4hlung ist eine Fiktion \u2013 und eine aufschlussreiche dazu<br \/>\nSie ist die notwendige Legendenbildung eines Systems, das seine eigene religi\u00f6se Natur unter dem Deckmantel der Neutralit\u00e4t verbirgt. Wer die juridische Oberfl\u00e4che abkratzt, st\u00f6\u00dft auf eine archaische Struktur: die R\u00fcckkehr des Staates als sakrale Instanz, die nicht mehr nur Taten richtet, sondern das Wort und das Gewissen exkommuniziert. Ein Staat ist sakral, wenn er nicht mehr Recht setzt, sondern Wahrheit definiert \u2013 wenn er nicht mehr schlichtet, sondern bekennt.<\/p>\n<p>Der Mythos der Neutralit\u00e4t<br \/>\nUm zu verstehen, was in Helsinki wirklich geschah, muss man \u00fcber die Ebene der Paragrafen hinausgehen. Der Religionsphilosoph Roy Clouser hat in \u201eThe Myth of Religious Neutrality\u201c (1991) nachgewiesen, dass weltanschauliche Neutralit\u00e4t im Kern nicht existiert. Jede Theorie, jedes Rechtssystem und jedes politische Handeln ruht auf einem Fundament, das Clouser als divinity belief bezeichnet \u2013 einem Glauben daran, was schlechthin unabh\u00e4ngig und alles andere bedingend ist. \u201eReligi\u00f6s\u201c ist nicht nur, wer in einer Kirche kniet. Religi\u00f6s ist jedes Denksystem, das ein Nondependent voraussetzt, von dem her alles andere seinen Sinn, seine Wahrheit und seine Normativit\u00e4t bezieht.<\/p>\n<p>Der moderne Staat tritt als neutraler Schiedsrichter auf \u2013 eine rein rationale Institution ohne Theologie. Das heutige Urteil entlarvt diese Selbstbeschreibung als den zentralen Mythos unserer Zeit. Indem das Gericht eine spezifisch post-liberale Auslegung von \u201eMenschenw\u00fcrde\u201c und \u201epsychischer Unversehrtheit\u201c \u00fcber den Wahrheitsanspruch biblischer Texte stellte, hat es nicht zwischen Religion und Vernunft vermittelt. Es hat eine Weltsicht rechtlich immunisiert und eine andere kriminalisiert.<br \/>\nWenn der Staat definiert, was als \u201eherabw\u00fcrdigend\u201c gilt, ohne dass ein nachweisbarer Schaden an Leib oder Eigentum vorliegt, operiert er auf der Basis eines neuen Dogmas. Das ist keine neutrale Rechtsanwendung; das ist Kultpolitik. Der Staat hat sich selbst zum Nondependent erkl\u00e4rt \u2013 zur letzten Instanz, die verbindlich festlegt, was wahr ist.<\/p>\n<p>Der sterbliche Gott und seine Metamorphose<br \/>\nDie gegenw\u00e4rtige Entwicklung ist kein Bruch mit der politischen Moderne, sondern ihre konsequente Entfaltung. Thomas Hobbes hat den Staat im \u201eLeviathan\u201c als \u201esterblichen Gott\u201c bezeichnet \u2013 jene h\u00f6chste Instanz, die den Krieg aller gegen alle beendet und den \u00e4u\u00dferen Frieden garantiert. Dieser \u201eGott\u201c war funktional begrenzt: Er sollte Sicherheit schaffen, nicht Sinn stiften; Ordnung garantieren, nicht Wahrheit definieren.<br \/>\nDoch bereits bei Hobbes war die T\u00fcr f\u00fcr diese Entwicklung einen Spalt ge\u00f6ffnet. Denn obwohl er den Staat als blo\u00dfen Sicherheitsgaranten konzipierte, verlegte er die letzte Entscheidungsinstanz vollst\u00e4ndig in die politische Ordnung: Der Souver\u00e4n bestimmt nicht nur \u00fcber Recht und Gewalt, sondern auch dar\u00fcber, welche Lehren \u00f6ffentlich gelehrt werden d\u00fcrfen. Wahrheit ist damit nicht mehr etwas, das dem Staat gegen\u00fcbersteht \u2013 sie ist etwas, das durch ihn reguliert wird.<br \/>\nWas bei Hobbes als pragmatische Befriedung religi\u00f6ser Konflikte gedacht war, enthielt den Keim einer umfassenderen Autorit\u00e4t. Wenn der Staat einmal als letzte Instanz \u00fcber \u00f6ffentliche Wahrheit etabliert ist, l\u00e4sst sich diese Kompetenz kaum dauerhaft auf \u00e4u\u00dfere Ordnung beschr\u00e4nken. Der Schritt von der Regulierung religi\u00f6ser Rede zur Definition moralischer Normen ist dann kein Bruch mehr, sondern eine folgerichtige Ausweitung.<br \/>\nDer moderne Staat hat diese Grenze \u00fcberschritten. Wo Hobbes den Leviathan errichtete, um den menschlichen K\u00f6rper vor Gewalt zu sch\u00fctzen, erhebt sich heute ein Leviathan, der die menschliche Seele vor Widerspruch bewahren will. Kategorien wie \u201eMenschenw\u00fcrde\u201c und \u201epsychische Unversehrtheit\u201c fungieren nicht l\u00e4nger als juristische Schutzbegriffe, sondern als Tr\u00e4ger eines umfassenden moralischen Anspruchs, der keiner transzendenten Korrektur mehr unterliegt.<br \/>\nDamit vollzieht sich eine stille, aber folgenreiche Metamorphose: Aus dem \u201esterblichen Gott\u201c wird ein immanenter Heilsverwalter. In Clousers Terminologie ist das der Moment, in dem der Leviathan selbst zum Nondependent wird \u2013 zur letzten Bezugsgr\u00f6\u00dfe, von der her alles andere beurteilt wird.<br \/>\nEin Staat, der sich als \u201esterblicher Gott\u201c versteht, bleibt prinzipiell korrigierbar, weil seine Zust\u00e4ndigkeit begrenzt ist. Ein Staat, der sich als moralische Letztinstanz etabliert, entzieht sich dieser Korrektur. Er duldet keine konkurrierenden Wahrheitsanspr\u00fcche mehr, weil jede Konkurrenz als Bedrohung seiner eigenen Ordnung erscheinen muss. Die Verurteilung des Gewissens ist dann kein Fehlurteil. Sie ist systemische Notwendigkeit.<\/p>\n<p>Die Mechanik des Urteils<br \/>\nDas Urteil fiel denkbar knapp aus: drei Richter f\u00fcr die Verurteilung, zwei dagegen. Diese Spaltung ist das Symptom einer tiefen Identit\u00e4tskrise des Rechtsstaates. W\u00e4hrend die Minderheit offenbar am klassischen liberalen Verst\u00e4ndnis festhielt \u2013 wonach Meinungsfreiheit auch das Recht einschlie\u00dft, unbequeme religi\u00f6se \u00dcberzeugungen zu \u00e4u\u00dfern \u2013, hat die Mehrheit den Rubikon \u00fcberschritten.<br \/>\nBezeichnend ist die Differenzierung im Urteil: R\u00e4s\u00e4nens Twitter-Beitrag von 2019, in dem sie Bibelverse zitierte, wurde einstimmig freigesprochen. Das wirkt wie ein taktisches Zugest\u00e4ndnis, um den Anschein der Religionsfreiheit zu wahren. Bei der theologischen Brosch\u00fcre \u201eAls Mann und Frau schuf er sie\u201c griff das Gericht hart durch: Die Darstellung von Homosexualit\u00e4t als S\u00fcnde verletze die Menschenw\u00fcrde in einer Weise, die durch die Religionsfreiheit nicht mehr gedeckt sei.<\/p>\n<p>Birgit Kelle zum Urteil gegen P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen: Meinungsfreiheit ade<\/p>\n<p>Hier zeigt sich die Macht der Definition. Das Gericht hat sich zum theologischen Editor aufgeschwungen: Es erlaubt das Zitieren von Texten als museales Artefakt, verbietet aber deren Anwendung als normative Wahrheit auf die Gegenwart. Damit wird Religion zur Folklore degradiert, w\u00e4hrend das staatliche Dogma die absolute Deutungshoheit \u00fcber die Wirklichkeit beansprucht.<\/p>\n<p>Das Kakopoi\u00f3s-Prinzip<br \/>\nDiese Entwicklung ist keine moderne Entgleisung, sondern die Wiederkehr einer historischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit. Der Apostel Petrus verwendet den Begriff kakopoi\u00f3s \u2013 \u00dcbelt\u00e4ter \u2013 in seinem ersten Brief an die bedr\u00e4ngten Gemeinden Kleinasiens. Wir lesen das Wort heute als harmlose moralische Vokabel. Doch historisch war es eine hochpolitische, juridische Kategorie.<br \/>\nIm R\u00f6mischen Reich war der Kaiserkult der Kitt der Pax Romana. Der Kaiser war Kyrios. Dass Christen proklamierten: \u201eJesus ist Kyrios\u201c, war kein privates Bekenntnis, sondern ein Akt der Staatsgef\u00e4hrdung. Wer den G\u00f6ttern des Reiches das Opfer verweigerte, wurde als kakopoi\u00f3s markiert \u2013 als jemand, dessen Loyalit\u00e4t nicht beim Staat endete. Tacitus nannte dies den odium humani generis, den Hass gegen das Menschengeschlecht: den Vorwurf der Misanthropie gegen jene, die sich einem h\u00f6heren Gesetz beugten als dem imperialen.<br \/>\nHelsinki wiederholt diesen Mechanismus mit b\u00fcrokratischer Pr\u00e4zision. Die Anklage lautet offiziell auf \u201eVolksverhetzung\u201c. Wer die moderne Terminologie beiseiteschiebt, erkennt die archaische Struktur: Nicht die Tat wird verurteilt \u2013 es gab keinen nachweisbaren Schaden an Leib oder Eigentum \u2013, sondern die Abweichung. Nicht der Schaden z\u00e4hlt, sondern die verweigerte Loyalit\u00e4t zum neuen zivilreligi\u00f6sen Konsens. In Clousers Terminologie ist das vollkommen koh\u00e4rent: Wenn der Staat das Nondependent ist, dann ist jede Bindung, die au\u00dferhalb seines Zugriffs liegt, per definitionem subversiv. Der kakopoi\u00f3s ist nicht der Kriminelle. Er ist der H\u00e4retiker des Zivilkultes.<\/p>\n<p>Der Pilatus-Effekt<br \/>\nDie Passionsgeschichte liefert das Urbild dieses Prozesses. Vor dem Hohen Rat war die Anklage gegen Jesus theologisch: Gottesl\u00e4sterung. Um ihn von der r\u00f6mischen Besatzungsmacht hinrichten zu lassen, musste die Theologie in die Sprache der Macht \u00fcbersetzt werden. Pilatus interessierte sich nicht f\u00fcr j\u00fcdische Blasphemieparagrafen \u2013 er interessierte sich f\u00fcr Aufruhr. Deshalb vollzogen die Ankl\u00e4ger den entscheidenden Framing-Wechsel: \u201eW\u00e4re dieser nicht ein \u00dcbelt\u00e4ter (kakopoi\u00f3s), wir h\u00e4tten ihn dir nicht \u00fcbergeben\u201c (Joh 18,30). Im r\u00f6mischen Protokoll starb Jesus schlie\u00dflich nicht als Gottessohn, sondern als Aufr\u00fchrer, der das Volk aufhetzt (Lk 23,2).<br \/>\nIn Helsinki erleben wir die juridische Version dieses Pilatus-Effekts. R\u00e4s\u00e4nen spricht von S\u00fcnde und Sch\u00f6pfungsordnung \u2013 theologischen Kategorien. Das Gericht \u00fcbersetzt dies in Diskriminierung und Herabw\u00fcrdigung \u2013 politische Kategorien. Durch diese \u00dcbersetzung wird das Evangelium zur Straftat umcodiert. Dabei ist der Prozess nicht nur das Mittel zum Urteil, sondern die Bestrafung selbst: eine jahrelange, zerm\u00fcrbende Prozedur, die als Abschreckung f\u00fcr die gesamte \u00d6ffentlichkeit dient. Die Botschaft lautet: Dein Gewissen ist teuer. Kannst du dir diesen Preis leisten?<\/p>\n<p>Die Liturgie der Unterwerfung<br \/>\nDie Anordnung, die inkriminierten Passagen der Brosch\u00fcre zu vernichten, ist kein blo\u00dfer Verwaltungsakt. In einer Welt, in der alles digital gespeichert ist, hat die Tilgung von Texten einen rituellen Charakter. Es ist der Versuch, eine abweichende Wirklichkeit aus dem \u00f6ffentlichen Raum zu l\u00f6schen.<br \/>\nWenn ein Gericht argumentiert, religi\u00f6se Rede verursache psychischen Schaden und geh\u00f6re deshalb verboten, hat der Staat den Bereich \u00e4u\u00dferer Rechtsordnung verlassen. Er verspricht nicht mehr nur Pax \u2013 \u00e4u\u00dferen Frieden \u2013, sondern eine immanente Form von Shalom: eine widerspruchsfreie Existenz. Das ist ein genuin soteriologischer Anspruch, einer also, der auf Erl\u00f6sung und Heil abzielt.<br \/>\nDie Richterin agiert als Priesterin eines anthropologischen Bekenntnisses, das mit Geldstrafe und L\u00f6schungsanordnung untermauert wird. \u201eHate Speech\u201c ist in diesem System nichts anderes als forensische Blasphemie gegen den Gott der absoluten individuellen Autonomie. Kuypers Konzept der Sph\u00e4rensouver\u00e4nit\u00e4t benennt exakt die Grenze, die hier kollabiert: Der Staat absorbiert die kirchliche Lehrhoheit, indem er ihre Inhalte einer zivilen Orthodoxiepr\u00fcfung unterwirft.<\/p>\n<p>L\u00f6sung: Subversive Unterordnung<br \/>\nWas bedeutet dies f\u00fcr eine Kirche, die sich in diesem neuen imperialen Raum wiederfindet? Petrus gab den Christen Kleinasiens eine Strategie an die Hand, die weder in Rebellion noch in Kapitulation bestand. Er nannte den Staat anthr\u014dpin\u0113 ktisis \u2013 \u201emenschliche Ordnung\u201c, w\u00f6rtlich: menschliches Gesch\u00f6pf (1. Petr 2,13). Das ist eine radikale Entzauberung. Petrus entzieht dem Staat jede g\u00f6ttliche Dignit\u00e4t: Er ist kein kosmisches Mysterium und kein heiliger Endzweck, sondern ein pragmatisches Werkzeug f\u00fcr eine vor\u00fcbergehende Zeit. Magistrat, nicht Dominus historiae.<br \/>\nAus dieser Ontologie folgt, was ich \u201esubversive Unterordnung\u201c nenne. Christen sind loyal in allem Vorletzten \u2013 sie zahlen Steuern, tun Gutes, sind die besten B\u00fcrger der Polis. Aber sie verweigern dem Staat die Anbetung im Letzten. R\u00e4s\u00e4nen und Pohjola haben gestern genau diese Unverf\u00fcgbarkeit demonstriert. Sie tragen den Schuldspruch, sie zahlen die Geldstrafe \u2013 aber sie weichen keinen Millimeter in der Sache. Damit erinnern sie den Staat schmerzhaft an seine Endlichkeit.<br \/>\nEin Staat, der Texte vernichten muss, um seine Ideologie zu sch\u00fctzen, offenbart seine Schw\u00e4che, nicht seine St\u00e4rke. Er kann das Konto belasten, aber er kann das Gebet nicht verbieten. Er kann die Brosch\u00fcre l\u00f6schen, aber er kann die Wahrheit nicht ungeschehen machen. Das, so Petrus, \u201estopft dem Unverstand das Maul\u201c \u2013 nicht durch Debatte, sondern durch eine \u00fcberlegene Ethik (1. Petr 2,15).<\/p>\n<p>Der moralische Bankrott des Leviathans<br \/>\nHelsinki 2026 ist kein lokales Ereignis. Es ist das Fanal einer Entwicklung, in der der westliche Staat versucht, den Platz Gottes einzunehmen \u2013 den Ort, an dem Wahrheit verbindlich definiert und das Gewissen verwaltet wird. Doch indem er die Sph\u00e4rensouver\u00e4nit\u00e4t der Kirche absorbiert, st\u00fcrzt er in ein juristisches Chaos: Begriffe wie \u201eW\u00fcrde\u201c und \u201eHass\u201c werden zur plastischen Verformungsmasse der jeweiligen Mehrheit.<br \/>\nDie Kirche t\u00e4te gut daran, die Stigmatisierung als kakopoi\u00f3s nicht als Niederlage, sondern als Ehrenzeichen zu begreifen. In der Anklagebank f\u00e4llt die Maske der staatlichen Neutralit\u00e4t. Dort muss der neue Leviathan zeigen, wes Geistes Kind er ist: ein eifernder Gott, der keine anderen G\u00f6tter neben sich duldet.<br \/>\nDas Urteil ist gesprochen. Doch die Geschichte lehrt, dass Imperien, die das Gewissen kriminalisieren, ihren moralischen Bankrott l\u00e4ngst erkl\u00e4rt haben, bevor die Historiker es notieren. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr eine totalisierte Ordnung sind nicht Rebellen mit Waffen, sondern freie Menschen, die an Gott gebunden sind \u2013 denn sie sind die einzigen, die dem Staat wirklich dienen k\u00f6nnen, gerade weil sie ihn nicht anbeten. Helsinki hat am gestrigen Donnerstag zwei solcher Menschen verurteilt. Und damit sich selbst gerichtet.<br \/>\n&#8230; Alles vom 27.3.2026 von Andreas Schnebel bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.corrigenda.online\/politik\/urteil-gegen-paeivi-raesaenen-und-juhana-pohjola-der-richter-als-hohepriester\">https:\/\/www.corrigenda.online\/politik\/urteil-gegen-paeivi-raesaenen-und-juhana-pohjola-der-richter-als-hohepriester<\/a><\/p>\n<p><em>Andreas Schnebel, Jahrgang 1969, war Berufssoldat und arbeitet nun als freier Autor und Publizist. Seine Analysen bewegen sich an der Schnittstelle von christlicher Ethik, Rechtsphilosophie und \u00d6konomie. Er schreibt u. a. f\u00fcr den Sandwirt und eigent\u00fcmlich frei \u00fcber die Notwendigkeit, Freiheit und Verantwortung wieder zusammenzudenken\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Andreas Schnebel \u2013 Libertarismus &amp; Christentum Podcast<\/em><br \/>\n<em>Wahrheit ist eine Holschuld. Verlassen Sie die Zuschauerbank und holen Sie sich das R\u00fcstzeug f\u00fcr die Freiheit. (Andreas Schnebel)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.libertaerechristen.de\">https:\/\/www.libertaerechristen.de<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Einige Kommentare:<br \/>\nJa, Neutralit\u00e4t ist eine T\u00e4uschung. Wenn es also keinen neutralen Staat gibt, ist er christlich oder gegen das Christentum. Fr\u00fcher waren alle Staaten bekennend konfessionell, katholisch oder evangelisch. Liberale Staaten hingegen bestrafen oft eine \u00f6ffentliche religi\u00f6se Darstellung, wie das Aufh\u00e4ngen von Kreuzen. Liberal hei\u00dft ja oft: Freiheit von der Religion, sonst h\u00e4tte es einer \u201eliberalen\u201c \u00c4nderung nicht gebraucht. Stattdessen wird die Wirtschaft sakralisiert. Es scheint im Grunde nur eine R\u00fcckkehr zu vorchristlichen Zeiten zu sein, was daran ist modern? peter<br \/>\n.<br \/>\nHerr Schnebel, Sie bohren begr\u00fc\u00dfenswert tief und gr\u00fcndlich in der Wunde. Die T\u00e4ter wird es jedoch nicht interessieren, noch sind diese in der Lage Ihre Ausf\u00fchrungen zu verstehen. Dazu sind sie zu verblendet. Gerade deshalb leben wir in gef\u00e4hrlichen Zeiten. Ob die Richter wohl auch gegen\u00fcber koranzitierenden Mohammedanern dasselbe Urteil gef\u00e4llt h\u00e4tten?<br \/>\nUnser protestantischer Deutschlehrer auf dem Gymnasium h\u00e4tte angesichts dieses Vorganges vermutlich einmal mehr das Zitat gebracht: &#8222;Wer B\u00fccher verbrennt, verbrennt auch Menschen.&#8220; Michael<br \/>\nEnde Kommentare<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Engagement\u00a0&gt;Demokratie\u00a0&gt;Staat\u00a0&gt;Ideologie &gt;Kirche-Staat &gt;Staat-neutral Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Ein Schlag gegen die Meinungsfreiheit: Christin P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen verurteilt (30.3.2026) Das Urteil von Helsinki gegen P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen und das Ende der neutralen Illusion des Staates (27.3.2026) Christenfeindlichkeit Deutschland-neutral Staat &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/staat-neutral\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":104638,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-147231","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/147231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=147231"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/147231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148534,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/147231\/revisions\/148534"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104638"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=147231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}