{"id":144262,"date":"2026-01-16T17:19:57","date_gmt":"2026-01-16T16:19:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=144262"},"modified":"2026-02-01T09:09:12","modified_gmt":"2026-02-01T08:09:12","slug":"individual-sanktionen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/meinungsfreiheit\/individual-sanktionen\/","title":{"rendered":"Individual-Sanktionen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a> &gt;<a title=\"Deutschland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/\">Deutschland<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/volkswirtschaft\/\">Volkswirtschaft<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/grundgesetz\/grundgesetz-meinungsfreiheit\/\">Meinungsfreiheit<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/wirtschaft\/sanktionen\/\">Sanktionen<\/a> &gt;Individual-Sanktionen<\/p>\n<div id=\"attachment_141634\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Ostpolitik1955-1970-1990pan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-141634\" class=\"size-full wp-image-141634\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Ostpolitik1955-1970-1990pan.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Ostpolitik1955-1970-1990pan.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Ostpolitik1955-1970-1990pan-180x100.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-141634\" class=\"wp-caption-text\">Ostpolitik 1955 Konrad Adenauer 1970, Willy Brandt und 1990 Helmut Kohl<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li>Friedrich P\u00fcrner (MdEP): Die Sanktionierung der Meinungsfreiheit (30.1.2026)<\/li>\n<li>Juristen: Betroffene von EU-Sanktionen k\u00f6nnen sich rechtlich kaum wehren (16.1.2026)<\/li>\n<li>Sanktionen wegen Meinungen: Eine Drohung an alle Menschen in der EU (14.1.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/eu-sanktionen-vs-jacques-baud\/\">EU-Sanktionen vs Jacques Baud<\/a>\u00a0(19.12.2025)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukrainekrieg\/\">Ukrainekrieg<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Friedrich P\u00fcrner (MdEP): Die Sanktionierung der Meinungsfreiheit<\/strong><br \/>\n&#8230;<br \/>\nSelten wird die Spannung zwischen politischer Zweckm\u00e4\u00dfigkeit und rechtsstaatlichem Anspruch so deutlich wie im Umgang der Europ\u00e4ischen Union mit individuellen Sanktionen. Im Dezember 2025 haben <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/eu-parlament\/\">Abgeordnete des Europ\u00e4ischen Parlaments<\/a>, denen ich mich anschloss, eine \u00dcberpr\u00fcfung neu verh\u00e4ngter Ma\u00dfnahmen gefordert. Wir sorgen uns nach wie vor um die Substanz europ\u00e4ischer Rechtsstaatlichkeit. In dem Schreiben, das an die Au\u00dfenbeauftragte Kaja Kallas und den Pr\u00e4sidenten des Europ\u00e4ischen Rates, Ant\u00f3nio Costa, adressiert war, kritisieren wir, dass diese Ma\u00dfnahmen Grundrechte wie Meinungsfreiheit, das Recht auf ein faires Verfahren und den Eigentumsschutz verletzen. Wir forderten die EU-Au\u00dfenbeauftragte Kallas und den Pr\u00e4sidenten des Europ\u00e4ischen Rates Costa auf, die Sanktionen gegen zw\u00f6lf weitere Personen, darunter Oberst Jacques Baud, zu \u00fcberpr\u00fcfen. Beide Schreiben finden Sie auf meiner Webseite.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.friedrich-puerner.de\/eu-sanktionen-gegen-einzelpersonen\/\">https:\/\/www.friedrich-puerner.de\/eu-sanktionen-gegen-einzelpersonen\/<\/a><br \/>\nIhre Antwort liest sich wie ein Lehrst\u00fcck b\u00fcrokratischer Selbstverliebtheit: Mit Floskeln von \u201eRechtsstaatlichkeit\u201c, \u201etransparenter Begr\u00fcndung\u201c und \u201eregelm\u00e4\u00dfiger \u00dcberpr\u00fcfung\u201c versucht die Au\u00dfenbeauftragte, ein Bild von Rechtm\u00e4\u00dfigkeit zu zeichnen \u2013 w\u00e4hrend sie faktisch fundamentale B\u00fcrgerrechte mit F\u00fc\u00dfen tritt.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDas Resultat ist bitter: Die Union zerst\u00f6rt die Rechtsstaatlichkeit, die sie zu verteidigen vorgibt. Meinungsfreiheit wird zur Waffe, die man im Namen der Sicherheit gegen Andersdenkende einsetzt. Formale Verfahren dienen nur als Alibi, w\u00e4hrend faktische Willk\u00fcr herrscht. Das ist die Sprache der Autorit\u00e4ren auf dem Weg in ein totalit\u00e4res System.<br \/>\nMit jedem weiteren Sanktionspaket, das auf vagen Verdachtsmomenten und geopolitischen Schlagworten basiert, wird Europa zum Richter \u00fcber Wahrheit und Meinung \u2013 und setzt die Prinzipien der Demokratie aufs Spiel, die es angeblich sch\u00fctzen will. Das Europ\u00e4ische Parlament und die Parlamente der Mitgliedstaaten d\u00fcrfen hier nicht weiter wegsehen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 30.1.2026 von Fridrich P\u00fcrner bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/aus-aller-welt\/die-sanktionierung-der-meinungsfreiheit\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/kolumnen\/aus-aller-welt\/die-sanktionierung-der-meinungsfreiheit\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Juristen: Betroffene von EU-Sanktionen k\u00f6nnen sich rechtlich kaum wehren<\/strong><br \/>\n<em>Rechtswissenschaftler: EU-Gerichte kommen Kontrollfunktion nicht nach und r\u00e4umen EU-Rat \u201esehr viel Macht\u201c ein \/ Kriterien f\u00fcr Sanktionierungen \u201ein unertr\u00e4glicher Weise aufgeweicht\u201c \/ Finanzielle H\u00fcrden erschweren Rechtsweg<\/em><br \/>\n.<br \/>\nPersonen, die von der EU wegen vermeintlicher \u201eprorussischer Propaganda\u201c sanktioniert werden, k\u00f6nnen sich dagegen juristisch kaum zur Wehr setzen. Darauf haben j\u00fcngst mehrere Juristen aufmerksam gemacht. In einem Gastbeitrag f\u00fcr die \u201eWelt\u201c skizzierte der Staatswissenschaftler Dietrich Murswiek die rechtlichen Schritte am Beispiel des seit Dezember sanktionierten Schweizer Milit\u00e4rexperten und Publizisten Jacques Baud.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nAuch Alexandra Hofer, Assistenzprofessorin an der Universit\u00e4t Utrecht betont in einem Gespr\u00e4ch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=H4WBqRV37V4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=H4WBqRV37V4<\/a> mit dem Politikwissenschaftler Pascal Lottaz, dass die Gerichte dazu neigten, dem Rat \u201esehr viel Macht\u201c einzur\u00e4umen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nLottaz res\u00fcmiert in einem Beitrag <a href=\"https:\/\/pascallottaz.substack.com\/p\/what-goes-around-the-eus-extralegal\">https:\/\/pascallottaz.substack.com\/p\/what-goes-around-the-eus-extralegal<\/a> , dass der Europ\u00e4ische Gerichtshof somit nicht pr\u00fcfe, \u201eob die Vorw\u00fcrfe und das verh\u00e4ngte Sanktionsregime verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sind oder die Grundrechte der sanktionierten Personen verletzen\u201c.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDer Rechtswissenschaftler Volker Boehme-Ne\u00dfler von der Universit\u00e4t Oldenburg hatte bereits im Mai 2025 darauf hingewiesen <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0262\">https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0262<\/a>, dass Sanktionen normalerweise gegen Oligarchen, internationale Waffenh\u00e4ndler oder hochrangige Menschenrechtsverletzer verh\u00e4ngt w\u00fcrden und nicht gegen einzelne Journalisten <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/berufsverbot-journalisten\">https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/berufsverbot-journalisten<\/a>.<br \/>\n.. Alles vom 16.1.2026 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0365\">https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0365<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sanktionen wegen Meinungen: Eine Drohung an alle Menschen in der EU<\/strong><br \/>\nVon <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/verfassung\/murswiek\/\">Prof. Dr. Dietrich Murswiek<\/a><\/p>\n<p>Eine 2024 in Kraft getretene EU-Verordnung <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/ALL\/?uri=CELEX%3A32024R2642\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/ALL\/?uri=CELEX%3A32024R2642<\/a> erlaubt die Sanktionierung <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/jacques-baud-wegen-ukraine-propaganda-sanktioniert-cancel-culture-94114189.html\">https:\/\/www.fr.de\/politik\/jacques-baud-wegen-ukraine-propaganda-sanktioniert-cancel-culture-94114189.html<\/a> von Meinungs\u00e4u\u00dferungen, die auf indirekte Weise der russischen Regierung im Ukraine-Krieg n\u00fctzen k\u00f6nnten. Personen, die auf der Sanktionsliste stehen, unterliegen in der EU einem Ein- und Durchreiseverbot, ihr Verm\u00f6gen wird eingefroren.<\/p>\n<p>Die allermeisten Personen, die auf den russlandbezogenen Sanktionslisten der EU <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6952a5e8f6fc544dba9b6b86\/eu-sanktionen-staatsanwaltschaft-stellt-ermittlungen-gegen-milliardaer-usmanow-gegen-geldauflage-ein.html\">https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article6952a5e8f6fc544dba9b6b86\/eu-sanktionen-staatsanwaltschaft-stellt-ermittlungen-gegen-milliardaer-usmanow-gegen-geldauflage-ein.html<\/a> stehen, sind in Russland lebende russische Staatsangeh\u00f6rige. Sie haben ihr Verm\u00f6gen in der Regel vollst\u00e4ndig oder gr\u00f6\u00dftenteils in Russland und sind daher von der Auflistung und den daraus folgenden Sanktionen kaum betroffen. Wer hingegen \u2013 wie der in Belgien lebende Schweizer Jacques Baud <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus6943e3b5e23b7abeabf81153\/prorussische-narrative-zensur-in-europa.html\">https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus6943e3b5e23b7abeabf81153\/prorussische-narrative-zensur-in-europa.html<\/a> , der im Dezember wegen \u201erussischer Propaganda\u201c und \u201eVerschw\u00f6rungstheorien\u201c auf die Sanktionsliste gesetzt wurde \u2013 seinen Lebensmittelpunkt und sein Verm\u00f6gen in der EU hat, den trifft die Sanktion in seiner wirtschaftlichen und pers\u00f6nlichen Existenz. Meinungs\u00e4u\u00dferungen sind durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gesch\u00fctzt. Die Meinungsfreiheit kann zwar gesetzlich eingeschr\u00e4nkt werden. Dies ist durch die Sanktionsverordnung geschehen, die zur Aufnahme in die Sanktionsliste (\u201eListung\u201c) aufgrund von Meinungs\u00e4u\u00dferungen erm\u00e4chtigt. Aber sind die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine solche Einschr\u00e4nkung gegeben?<\/p>\n<p><strong>1. Handelt es sich bei der Listung auf der EU\u2013Sanktionsliste um eine Strafe?<\/strong> Wenn ein Mensch wegen einer Meinungs\u00e4u\u00dferung mit einem Einreiseverbot und mit dem Einfrieren seiner Verm\u00f6genswerte belegt wird, liegt es intuitiv nahe, diese Sanktion als Strafe f\u00fcr die Meinungs\u00e4u\u00dferung anzusehen. Die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine Bestrafung sind aber eindeutig nicht gegeben, und zwar schon deshalb nicht, weil die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt sein muss, bevor die Tat begangen wurde. Dies ist hier nicht der Fall.<\/p>\n<p><strong>2. Sind die Sanktionen Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen?<\/strong> Die EU behauptet, dass es sich bei den Individual-Sanktionen nicht um Strafen handele, sondern um Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen. Nach dem Selbstverst\u00e4ndnis der EU sollen die Individual-Sanktionen darauf hinwirken, dass die gelisteten Personen das Verhalten unterlassen, mit dem sie \u2013 angeblich \u2013 russische Aggressions- oder Subversionshandlungen unterst\u00fctzen oder erleichtern. So verstanden, sind Individual-Sanktionen ein Mittel der Gefahrenabwehr, also des pr\u00e4ventiven Rechtsg\u00fcterschutzes. Die Souver\u00e4nit\u00e4t der Mitgliedstaaten und Drittl\u00e4nder sowie ihre innere Sicherheit und ihre Verfassungsordnung sollen gegen russische Destabilisierungs-Ma\u00dfnahmen gesch\u00fctzt werden.<br \/>\nDas ist ein legitimes Ziel, das auch Grundrechtseinschr\u00e4nkungen rechtfertigen kann, sogar Einschr\u00e4nkungen der Meinungsfreiheit. Allerdings lassen sich Einschr\u00e4nkungen der Meinungsfreiheit nur rechtfertigen, wenn sie \u201emeinungsneutral\u201c sind: Sie d\u00fcrfen nicht wegen des Inhalts der Meinungen vorgenommen werden, sondern nur dann, wenn diese ein Rechtsgut verletzen oder gef\u00e4hrden. Wer beispielsweise mit seiner \u00c4u\u00dferung die Regierung kritisiert, gef\u00e4hrdet kein Rechtsgut\u2013 auch dann nicht, wenn er mit seiner Kritik die Durchsetzung der Regierungspolitik erschwert. Wenn er hingegen zu gewaltsamen Demonstrationen aufruft, verletzt er das Gewaltverbot. Die Untersagung von Gewaltaufrufen ist gerechtfertigt, weil sie nicht an Meinungsinhalte ankn\u00fcpft, sondern an einen durch die Meinungs\u00e4u\u00dferung gesetzten Handlungsimpuls, der sich gegen Rechtsg\u00fcter Dritter oder der Allgemeinheit richtet, beispielsweise gegen die k\u00f6rperliche Unversehrtheit oder die Freiheit von Individuen oder die Handlungsf\u00e4higkeit von Staatsorganen.<\/p>\n<p>Im Falle der Sanktionen gegen \u201edestabilisierende Aktivit\u00e4ten Russlands\u201c kommt es also darauf an, ob die sanktionierten Meinungs\u00e4u\u00dferungen als Verletzungen oder Gef\u00e4hrdungen von Rechtsg\u00fctern verstanden werden k\u00f6nnen. Unter Ber\u00fccksichtigung der Meinungsfreiheit kann das nur der Fall sein, wenn es sich nicht allein um Beitr\u00e4ge zum \u00f6ffentlichen Diskurs handelt, sondern wenn eine Person sich mit ihren \u00c4u\u00dferungen bewusst und gewollt in den Dienst eines feindlichen Regimes stellt, mit dem Ziel, Souver\u00e4nit\u00e4t, innere Sicherheit oder eines der anderen in der Verordnung genannten Schutzg\u00fcter zu verletzen oder zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Allein der Umstand, dass eine Meinungs\u00e4u\u00dferung objektiv geeignet ist, die Politik der eigenen Regierung oder der EU zu erschweren oder die Politik Russlands zu erleichtern, weil sie auf die \u00f6ffentliche Meinungsbildung kritisch einwirkt, kann nicht ausreichen. Denn in einem demokratischen Staat ist das Recht, die Regierungspolitik zu kritisieren, der die Demokratie konstituierende Kern der Meinungsfreiheit. Daraus folgt, wie das Bundesverfassungsgericht (Beschluss vom 4. November 2009 \u2013 1 BvR 2150\/08 <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2009\/11\/rs20091104_1bvr215008.html\">https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2009\/11\/rs20091104_1bvr215008.html<\/a> ) festgestellt hat, dass die Zielsetzung von Einschr\u00e4nkungen der Meinungsfreiheit \u201enicht darauf gerichtet sein darf, Schutzma\u00dfnahmen gegen\u00fcber rein geistig bleibenden Wirkungen von bestimmten Meinungs\u00e4u\u00dferungen zu treffen. Die Absicht, \u00c4u\u00dferungen mit sch\u00e4dlichem oder in ihrer gedanklichen Konsequenz gef\u00e4hrlichem Inhalt zu behindern, hebt das Prinzip der Meinungsfreiheit selbst auf und ist illegitim.\u201c<\/p>\n<p>Diesen fundamentalen Grundsatz hat der Rat der EU mit der Aufnahme von Jacques Baud auf die Sanktionsliste, soweit aus der f\u00fcr die Listung gegebenen Begr\u00fcndung ersichtlich, missachtet. Denn dass Baud f\u00fcr die russische Regierung arbeitet, wurde nicht einmal behauptet, geschweige denn bewiesen. Ihm wird vorgeworfen, \u201eregelm\u00e4\u00dfig Gast in prorussischen Fernseh- und Radio-Programmen\u201c zu sein. Um welche Programme es sich handelt, wird nicht gesagt \u2013 offenbar keine russischen. Als \u201eprorussisch\u201c gilt aus Sicht mancher Politiker schon jeder, der sich gegen die Lieferung von weitreichenden Raketen an die Ukraine ausspricht oder gegen die Finanzierung von Waffenlieferungen durch die EU.<\/p>\n<p>Die Behauptung, Baud fungiere \u201eals Sprachrohr f\u00fcr prorussische Propaganda\u201c, liegt auf derselben Ebene. Der Rat der EU spricht nicht von \u201erussischer\u201c, sondern vorsichtshalber von \u201eprorussischer\u201c Propaganda \u2013 und das kann jede \u00c4u\u00dferung sein, die nicht der Haltung der EU zum Ukraine-Krieg entspricht. Was die EU als Grund f\u00fcr die Sanktion gegen Baud angibt, ist kein Beweis daf\u00fcr, dass er sich in den Dienst eines Feindstaates in einem milit\u00e4rischen Konflikt gestellt hat, sondern die \u201eSprachrohr\u201c-These ist Insinuation und Geraune.<\/p>\n<p>Als weiteren Grund f\u00fchrt die Sanktionsbegr\u00fcndung an, Baud verbreite Verschw\u00f6rungstheorien, \u201eindem er beispielsweise die Ukraine bezichtigt, ihre eigene Invasion herbeigef\u00fchrt zu haben, um der Nato beizutreten\u201c. Allerdings ist es nicht verboten, Verschw\u00f6rungstheorien zu verbreiten, wenn man damit niemanden verunglimpft oder Volksverhetzung begeht. Von der Meinungsfreiheit sind auch abwegige Ansichten gesch\u00fctzt. Im \u00dcbrigen bestreitet Baud, die ihm zugeschriebene \u00c4u\u00dferung gemacht zu haben. In einem Interview mit der Schweizer \u201eWeltwoche\u201c sagt er, er habe lediglich einen ehemaligen Berater Selenskyjs zitiert. Wie dem auch sei \u2013 selbst wenn es stimmte, dass er eine solche Aussage als seine eigene Meinung ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tte, w\u00e4re das nicht strafbar und nicht verboten. Auf eine nicht verbotene und nicht verbietbare \u00c4u\u00dferung mit dem Einfrieren des Verm\u00f6gens zu reagieren, ist ein krasser Versto\u00df gegen die Meinungsfreiheit.<\/p>\n<p>Mit der Begr\u00fcndung, die der Rat der EU f\u00fcr die Listung Bauds gegeben hat, k\u00f6nnten viele Politiker, die sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine oder f\u00fcr eine Beendigung des Krieges auch unter Gebietsverlusten der Ukraine ausgesprochen haben, auf die Sanktionsliste gesetzt werden \u2013 man denke etwa an Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine, Klaus von Dohnanyi oder Tino Chrupalla. Alles, was heute noch \u201efriedensbewegt\u201c auftritt, k\u00f6nnte auf diese Weise aus dem politischen Leben ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>In einem demokratischen Staat muss aber auch die Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik jederzeit \u2013 auch in Krisensituationen \u2013 kritisierbar sein. Mit der Politik der nationalen Regierung oder der EU nicht \u00fcbereinstimmende Meinungen als gef\u00e4hrlich zu behandeln und mit Sanktionen zu belegen, verletzt das Demokratieprinzip im Kern. Deshalb ist die Listung Bauds auch dann verfassungswidrig, wenn man sie als Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme versteht.<\/p>\n<p><strong>3. Die Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Sanktion gegen Baud<\/strong>\u00a0Gesetzt den Fall, die EU h\u00e4tte Informationen \u00fcber die T\u00e4tigkeit Bauds, die in der Sanktionsbegr\u00fcndung nicht genannt werden, aus denen sich aber erg\u00e4be, dass er mit seinen Meinungs\u00e4u\u00dferungen bewusst und gewollt die russische Aggression oder Subversion unterst\u00fctzt und sich etwa in den Dienst einer koordinierten Desinformationskampagne gestellt h\u00e4tte, dann w\u00e4re die Sanktionierung dieses Verhaltens nicht von vornherein mit der Meinungsfreiheit unvereinbar. Aber die Grundrechte des Betroffenen und das Rechtsstaatsprinzip verlangten dann, dass er vor Verh\u00e4ngung der Sanktion aufgefordert w\u00fcrde, das Verhalten, das ihm vorgeworfen wird, zu unterlassen. Eine Sanktion als Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme ist ein Beugemittel zur Durchsetzung einer Verhaltenspflicht. Die Sanktion darf nicht verh\u00e4ngt werden, wenn der Betroffene der Aufforderung nachkommt, das unerw\u00fcnschte Verhalten einzustellen. Die Sanktion ist dann zur Erreichung ihres legitimen Zwecks nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Das russlandbezogene Sanktionsregime richtet sich gegen die von Russland betriebene Aggression und Subversion. Dass die Individual-Sanktionen auch Personen treffen k\u00f6nnen, die nicht russische Staatsangeh\u00f6rige sind, sondern EU-B\u00fcrger oder Angeh\u00f6rige westlicher Staaten, die in der EU leben, ist nach dem Wortlaut der Sanktionsvorschriften nicht ausgeschlossen. Beabsichtigt war das urspr\u00fcnglich wohl nicht. Sonst h\u00e4tte man erkennen m\u00fcssen, dass in der EU lebende Menschen von der Listung um ein Vielfaches h\u00e4rter getroffen werden als in Russland lebende Russen. Insbesondere das faktische Berufsverbot, das sich f\u00fcr in der EU lebende Menschen aus der Listung ergibt, trifft diese sehr viel h\u00e4rter, als eine bei vergleichbaren Meinungsdelikten \u00fcbliche Strafe sie tr\u00e4fe. Die Sanktion d\u00fcrfte auch unter diesem Aspekt unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sein.<br \/>\n.<br \/>\n<strong>Eine Drohung an alle EU-B\u00fcrger<\/strong><br \/>\nAuf jeden Fall aber m\u00fcssen die Vorschriften so ausgelegt werden, dass sie auf EU-B\u00fcrger und andere Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in der EU haben, nicht angewendet werden, wenn diese sich legal verhalten und sich nicht \u2013 als bezahlte Agenten oder etwa durch Einordnung in eine von Russland organisierte Destabilisierungsaktion \u2013 in den Dienst des russischen Staates stellen. Meinungs\u00e4u\u00dferungen, die weder verboten sind noch ohne Versto\u00df gegen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit verboten werden k\u00f6nnen, d\u00fcrfen nicht Grund f\u00fcr Individual-Sanktionen sein.<\/p>\n<p>Die Sanktion gegen Baud erweist sich als offensichtlicher und schwerwiegender Versto\u00df gegen die Meinungsfreiheit, das Demokratieprinzip und das Rechtsstaatsprinzip. Baud hat nun die M\u00f6glichkeit, eine \u00dcberpr\u00fcfung seiner Listung durch den Rat herbeizuf\u00fchren. Bleibt diese erfolglos, kann er beim Gericht der EU Klage erheben. Gegebenenfalls ist danach noch Berufung beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof m\u00f6glich. Es ist zu hoffen, dass die EU-Gerichte, die bislang die Sanktionsentscheidungen des Rates meist akzeptiert haben, ihre Kontrollfunktion jetzt strikt aus\u00fcben, die Sanktionsrechtsakte im Hinblick auf Meinungs\u00e4u\u00dferungen restriktiv auslegen und die Listung Bauds aufheben werden.<\/p>\n<p>Wenn die EU noch als Organisation wahrgenommen werden will, die demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtet ist, muss sie Jacques Baud unverz\u00fcglich von der Sanktionsliste entfernen. Tut sie dies nicht, wirkt seine Sanktionierung als Drohung an alle Menschen in der EU: \u201eEuch kann es genauso gehen, wenn ihr Meinungen \u00e4u\u00dfert, die mit der Ukraine-Politik oder mit der Aufr\u00fcstungspolitik der EU nicht \u00fcbereinstimmen. Ihr m\u00fcsst damit rechnen, dass ihr euer Land nicht mehr verlassen d\u00fcrft, einen Beruf nicht mehr aus\u00fcben d\u00fcrft und Zugriff auf euer Verm\u00f6gen nur noch zur Selbstversorgung auf Sozialhilfeniveau haben werdet.\u201c<br \/>\nMit dieser Drohpolitik wird die Demokratie in Europa schwerwiegend besch\u00e4digt.<br \/>\n&#8230; Alles vom 14.1.2026 von Dietrich Murswiek bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/fassadenkratzer.de\/2026\/01\/14\/sanktionen-wegen-meinungen-eine-drohung-an-alle-menschen-in-der-eu\/\">https:\/\/fassadenkratzer.de\/2026\/01\/14\/sanktionen-wegen-meinungen-eine-drohung-an-alle-menschen-in-der-eu\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\nDieser Beitrag ist am 8.1.2026 auch erschienen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus695b6a09fe6040199bf928a2\/sanktionen-wegen-meinungen-die-eu-massnahmen-sind-verfassungswidrig.html\">https:\/\/www.welt.de\/debatte\/plus695b6a09fe6040199bf928a2\/sanktionen-wegen-meinungen-die-eu-massnahmen-sind-verfassungswidrig.html\u00a0<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Engagement &gt;Deutschland\u00a0&gt;Volkswirtschaft &gt;Meinungsfreiheit &gt;Sanktionen &gt;Individual-Sanktionen Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Friedrich P\u00fcrner (MdEP): Die Sanktionierung der Meinungsfreiheit (30.1.2026) Juristen: Betroffene von EU-Sanktionen k\u00f6nnen sich rechtlich kaum wehren (16.1.2026) Sanktionen wegen Meinungen: Eine Drohung an alle Menschen in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/meinungsfreiheit\/individual-sanktionen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":64928,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-144262","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/144262","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=144262"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/144262\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145066,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/144262\/revisions\/145066"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/64928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=144262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}