{"id":142583,"date":"2025-12-07T18:51:22","date_gmt":"2025-12-07T17:51:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=142583"},"modified":"2026-02-10T10:00:44","modified_gmt":"2026-02-10T09:00:44","slug":"zivilisiertheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/zivilisiertheit\/","title":{"rendered":"Zivilisiertheit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Deutschland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/\">Deutschland<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Gesellschaft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/\">Gesellschaft\u00a0<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/\">Kultur<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/zivilgesellschaft\/\">Zivilgesellschaft<\/a> &gt;Zivilisiertheit<\/p>\n<div id=\"attachment_132939\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-132939\" class=\"size-full wp-image-132939\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419-180x128.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-132939\" class=\"wp-caption-text\">Schweigemarsch f\u00fcr Frieden in Freiburg am Karsamstag 19.4.2025 ab 14 Uhr<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li>Thorsten Hinz: Vom Verlust der Zivilisiertheit (5.12.2025)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/team-freiheit\/\">Team Freiheit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/religion\/zivilreligion\/\">Zivilreligion<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vom Verlust der Zivilisiertheit<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/unseredemokratie\/\">\u201eUnsere Demokratie\u201c:<\/a> Der Mikroterror in einer gesinnungst\u00fcchtigen Zivilgesellschaft nimmt immer weiter zu<br \/>\nThorsten Hinz<\/p>\n<p>Was die vorgebliche Zivilgesellschaft in Gie\u00dfen im gro\u00dfen Ma\u00dfstab veranstaltete, um den Gr\u00fcndungskongre\u00df des AfD-Jugendverbandes zu sabotieren, findet permanent und fl\u00e4chendeckend im Kleinen, auf der Mikroebene des Alltags statt. Tagt\u00e4glich f\u00fchlen B\u00fcrger sich berufen, in ihrem Umfeld gute Taten f\u00fcr \u201eUnsere Demokratie\u201c zu vollbringen, indem sie sogenannten Schwurblern, Quer- und Andersdenkern, AfD-Mitgliedern, Rechten, Konservativen nachsp\u00fcren, sie denunzieren, terrorisieren, aus Kirchenvorst\u00e4nden, der Freiwilligen Feuerwehr, Karnevalsvereinen, aus Gewerkschafts- und Verbandsgremien verbannen, ihre berufliche Karriere zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dem ehemaligen th\u00fcringischen FDP-Chef Thomas Kemmerich, der jetzt dem <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/partei\/team-freiheit\/\">\u201eTeam Freiheit\u201c<\/a> von Frauke Petry angeh\u00f6rt, wurde in einer Gastst\u00e4tte in Weimar die Bedienung verweigert. Die Schlagers\u00e4ngerin Vicky Leandros wollte bei den Festspielen im Regensburger Thurn-und-Taxis-Schlo\u00df nur auftreten, wenn Alice Weidel fernbleibt. Ihre Begr\u00fcndung: \u201eIch stehe f\u00fcr Vielfalt, Toleranz, Menschenw\u00fcrde, Menschenrechte und Internationalit\u00e4t.\u201c Man w\u00fc\u00dfte gern, aufgrund welcher Kenntnisse sie Alice Weidel selbige \u00dcberzeugungen abspricht.<\/p>\n<p>Doch der Mikroterror braucht keine Wahrheitsbeweise. Das Lob, das Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der Frau Leandros bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens zollte, spricht f\u00fcr sich: \u201eVicky Leandros steht f\u00fcr Werte. F\u00fcr Toleranz, Vielfalt, Menschenw\u00fcrde. Sie hat sich klar gegen Ha\u00df und Ausgrenzung positioniert. Als sie erfuhr, da\u00df bei den Schlo\u00dffestspielen in Regensburg AfD-Chefin Alice Weidel eingeladen war, sagte sie: Nicht mit mir! Das ist Haltung!\u201c<\/p>\n<p>Was S\u00f6der als Haltung bezeichnet, ist der Gehorsam, die Akzeptanz eines Verhaltensmusters, das der politisch-mediale Komplex als staatsb\u00fcrgerliche Pflicht postuliert hat. Die Beflissenheit, mit der die S\u00e4ngerin den Katechismus herbetete, l\u00e4\u00dft vermuten, da\u00df sie von Kontaktschuld-Angst getrieben war. Die Grenze zwischen pers\u00f6nlichem Bekenntnis und Opportunismus ist h\u00e4ufig flie\u00dfend.<\/p>\n<p>Die \u201eHaltung\u201c ist zum bestimmenden Handlungsprinzip eines degenerierten Staats- und Gemeinwesens geworden. In der \u201eCancel Culture\u201c \u2013 dem Ausschlu\u00df, der Einsch\u00fcchterung, der Stigmatisierung, Verleumdung, dem Boykott oppositioneller Stimmen \u2013 wird sie zum Politikum. Es handelt sich um Elemente eines \u201emolekularen B\u00fcrgerkriegs\u201c (Hans Magnus Enzensberger), in dem nicht argumentiert und debattiert wird, sondern die gesellschaftliche und soziale Existenz, die Psyche und Physis des Kritikers und Oppositionellen zum Kriegsschauplatz gemacht wird mit dem Ziel, ihn zum Verstummen zu bringen, zu demoralisieren und \u2013 der Stasi-Jargon trifft den Kern der Sache \u2013 als Person zu \u201ezersetzen\u201c. Diese Unkultur grassiert im \u00f6ffentlichen und halb-\u00f6ffentlichen Raum (wo die hinterh\u00e4ltigen Kontok\u00fcndigungen ein eigenes Kapitel bilden) und zunehmend auch im zwischenmenschlichen Bereich, im Freundeskreis und sogar in Familien. Mit der Durchpolitisierung des Privaten erf\u00fcllt sich ein totalit\u00e4res Ideal.<\/p>\n<p>Der Ehrenvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, hat k\u00fcrzlich in einem Interview mit der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung seine Erfahrungen geschildert: \u201eIch habe wegen der AfD praktisch alle meine Freunde verloren und einen Teil meiner Familie. In dem Traditionshotel, in dem ich mehrere B\u00fccher geschrieben habe und vierzig Jahre lang gerngesehener Gast war, bekam ich gesagt: Wir m\u00f6chten Sie nicht mehr bei uns beherbergen. Das sind menschliche, pers\u00f6nliche Verluste.\u201c<\/p>\n<p>Politik, Medien, Gro\u00dfinstitutionen wie Gewerkschaften und Kirchen fordern ausdr\u00fccklich dazu auf, politische Gegnerschaft in Feindschaft zu \u00fcberf\u00fchren und die sozialen Interaktionen dem Freund-Feind-Schema unterzuordnen.<\/p>\n<p>Alexander Gauland wurde im Juni 2018, als er in einem See bei Potsdam badete, die Kleidung gestohlen. Die zust\u00e4ndige Lokalzeitung M\u00e4rkische Allgemeine aus Potsdam, deren Herausgeber Gauland von 1991 bis 2006 gewesen war, titelte: \u201e\u2018Kein Badespa\u00df f\u00fcr Nazis!\u2019 soll der Dieb gerufen haben\u201c, und zitierte eine Augenzeugin: \u201eWir waren in der N\u00e4he und haben die Polizeipr\u00e4senz gesehen. Kurz darauf lief Gauland in polizeilicher Begleitung in Badehose an uns vorbei. Es war ein gro\u00dfartiger Tag.\u201c<\/p>\n<p>So gut wie alle etablierten Medien machten sich die H\u00e4me zu eigen. Die taz h\u00f6hnte: \u201eAlternative Kleidung f\u00fcr Gauland\u201c, und garnierte den Artikel mit einem Foto der unw\u00fcrdigen Szene. Die FAZ gluckste: \u201eDa h\u00f6rt der Spa\u00df echt auf\u201c, und fuhr zynisch fort: \u201eEin Bad im See tut au\u00dferdem nicht nur dem K\u00f6rper, sondern auch manch gepeinigter Seele gut. Ohnehin ist es nachgerade r\u00fchrend, da\u00df ein Mann mit einer so d\u00fcsteren Weltsicht wie Gauland so fr\u00f6hlich naiv seinen Schl\u00fcssel am Badestrand zur\u00fcckl\u00e4\u00dft \u2013 in der irrigen Annahme, da\u00df ihm am idyllischen Heiligen See, wo sich in der Regel keine von der AfD so gef\u00fcrchteten immigrierten Jungm\u00e4nnerhorden herumtreiben, nichts zusto\u00dfen kann.\u201c<\/p>\n<p>Eine Ausnahme bot die Zeit: Es gehe nicht blo\u00df um Schadenfreude, es gehe auch um den Verlust der Zivilisiertheit. \u201eWer das Foto eines \u00e4lteren Mannes, der gerade bestohlen wurde und in dieser Lage ganz sicher nicht fotografiert werden wollte, mit h\u00e4mischen Kommentaren weiterverbreitet, dem fehlt nicht nur menschlicher Anstand. Ihm oder ihr fehlt auch das geschichtliche Bewu\u00dftsein daf\u00fcr, was passieren kann, wenn zwei Lager immer weniger die inhaltliche Auseinandersetzung suchen, sondern immer mehr die Erledigung des Andersdenkenden.\u201c Um seine Gegenrede zu entschuldigen, stellte der Autor sie in einen politisch korrekten Rahmen. Unter der \u00dcberschrift \u201eAfD-Kritik auf AfD-Niveau\u201c schickte er voraus, \u201eda\u00df die AfD eine demagogische Partei ist, die an das Niederste im Menschen appelliert, an die Arterhaltungstriebe und Angstinstinkte des Reptilienhirns, statt an seine F\u00e4higkeit zur hinterfragenden Vernunft\u201c.<\/p>\n<p>Der Erwerb und der hier angesprochene Verlust der Zivilisiertheit war ein Lebensthema des Soziologen Norbert Elias (1897\u20131990). Ziviles Verhalten hei\u00dft, seine animalischen Impulse, Instinkte und Gef\u00fchle im Zaum zu halten und soziale Regeln zu befolgen, die sich aus den Notwendigkeiten des Zusammenlebens und den gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeiten ergeben. In fr\u00fchen Gesellschaften werden die Regeln durch Fremdzw\u00e4nge, durch \u00e4u\u00dferen Druck, von staatlichen oder auch von religi\u00f6sen Autorit\u00e4ten durchgesetzt. In modernen Gesellschaften verschwinden die Fremdzw\u00e4nge nicht g\u00e4nzlich, aber sie treten hinter die individuellen Selbstzw\u00e4nge beziehungsweise Selbstkontrolle zur\u00fcck. Als Mittlerinstanzen fungieren der Verstand und das Gewissen. Dabei wird das Prinzip der Reziprozit\u00e4t, der Wechselseitigkeit verinnerlicht: Ich nehme R\u00fccksicht auf den anderen in der Erwartung, von ihm gleichfalls r\u00fccksichtsvoll behandelt zu werden. Eine poetische Beschreibung dieses befriedeten Zustandes findet sich in Botho Strau\u00df\u2019 \u201eAnschwellendem Bocksgesang\u201c. Strau\u00df w\u00fcrdigt \u201edie ungeheuer komplizierten Abl\u00e4ufe\u201c im \u201egrandiosen und empfindlichen Organismus des Miteinanders\u201c und \u201edie Balance, die Tanzbereitschaft, das Spiel, die listige Verstellung, die artistische Manier\u201c in einer freiheitlichen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit zur Selbstkontrolle und Zivilit\u00e4t ist ein Projekt, das sich im Verlauf von mehreren Generationen vollendet. Der Zerfall feudaler Hierarchien und die Etablierung demokratischer Strukturen \u2013 darunter des Parlamentarismus \u2013 bilden den politisch-historischen Hintergrund.<\/p>\n<p>Mitglieder von Staaten, die autorit\u00e4r oder diktatorisch regiert werden, entwickeln gleichfalls systemanaloge Pers\u00f6nlichkeitsstrukturen. Elias stellte den Vergleich mit einem Kind an, dem sein Vater die Benimmregeln durch Pr\u00fcgel einbleut, statt ihm durch \u00dcberredung, \u00dcberzeugung und Gesten der Zuneigung den Weg zu weisen. Aus diesem Kind wird mit einiger Wahrscheinlichkeit gleichfalls ein Schl\u00e4ger, der auf den Fremdzwang fixiert bleibt und diesen weitergibt. In der Bundesrepublik ist es heute so, da\u00df die Wortf\u00fchrer \u201eUnserer Demokratie\u201c die zivile Regression nicht blo\u00df hinnehmen, sondern ausdr\u00fccklich vorantreiben.<\/p>\n<p>Trotz Hambacher Fest und Paulskirche haben zivile und demokratische Verhaltensweisen in Deutschland keine sehr tiefen Wurzeln. Das 1871 gegr\u00fcndete Kaiserreich war ein Obrigkeitsstaat, in dem der Adel, h\u00f6fische Gesellschaft, Milit\u00e4r, Beamtenschaft sich als das \u201eeigentliche Deutschland\u201c verstanden. Gegen die Katholiken zettelte Bismarck den \u201eKulturkampf\u201c an, die Sozialdemokraten brandmarkte er als \u201eReichsfeinde\u201c. Andererseits z\u00e4hlt das sp\u00e4twilhelminische Kaiserreich noch zu den liberalsten und am meisten rechtsstaatlichen Phasen der j\u00fcngeren deutschen Geschichte. Die Weimarer Republik hatte die freiheitlichste Verfassung der Welt, aber das politische Leben wurde von physischer Gewalt durchzogen, beginnend mit dem Spartakusaufstand 1919 und seiner blutigen Niederschlagung bis hin zu den Saal- und Stra\u00dfenschlachten zwischen paramilit\u00e4rischen Formationen in ihrer Endzeit. Unter den Machthabern im Dritten Reich waren ziviler Verstand und Gewissen ausgeschaltet. Wer trotzdem an ihnen festhielt, ging ein lebensgef\u00e4hrliches Risiko ein.<\/p>\n<p>Die beiden Nachkriegsstaaten standen sich in einer konfrontativen B\u00fcrgerkriegssituation gegen\u00fcber, die \u2013 wie sich nach der Wiedervereinigung zeigte \u2013 mentalit\u00e4tspr\u00e4gend war. Nach dem ersten Jubel wurde klargestellt, wer Sieger und wer Verlierer war. In der DDR waren die Menschen im Namen des Antifaschismus unter einen neuen politischen Fremdzwang gestellt worden. In der Bundesrepublik galten zwar die Spielregeln der parlamentarischen Demokratie, doch in einem sp\u00e4ten, unter dem Eindruck des RAF-Terrors verfa\u00dften Aufsatz konstatierte Elias, da\u00df es dem \u201esozialethischen Engagement\u201c der 68er Generation an der \u201eVerpflichtung zum Anstand im Verkehr der Menschen untereinander (ermangele), die oft als b\u00fcrgerlich-liberales Prinzip abgewertet wird\u201c. Diese Generation steigerte sich in die \u00dcberzeugung hinein, in einem semi-faschistischen System zu leben. Elias sah daf\u00fcr zwei Gr\u00fcnde: Erstens die fehlende Abrechnung der Adenauer-Regierung mit der NS-Vergangenheit. Zweitens konnte die Bundesrepublik als selbsterkl\u00e4rtes nationalstaatliches Provisorium den J\u00fcngeren kein Identifikationsangebot bieten. Das habe ihre Hinwendung zum Marxismus und ihre ideologische Verh\u00e4rtung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Der zweite Punkt betraf die offene deutsche Frage, die allerdings den Deutschen nur teilweise geh\u00f6rte. Zum monierten Mangel an Vergangenheitsbew\u00e4ltigung w\u00e4re zu erg\u00e4nzen, da\u00df die \u201eUmerziehung\u201c und \u201eCharakterw\u00e4sche\u201c (Caspar von Schrenck-Notzing), die von den Alliierten und der Frankfurter Schule exekutiert wurden, gleichfalls als eine Form von Fremdzwang wirkten, der bei jungen Intellektuellen eine neurotisch-kognitive Dissonanz erzeugen mu\u00dfte und ihre Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr die marxistische Ideologie zus\u00e4tzlich steigerte. Sie war so tief verinnerlicht, da\u00df die Wiedervereinigung keine Heilung mehr brachte, sondern als Pr\u00e4ludium zu einem m\u00f6glichen neuen Faschismus empfunden wurde. Die AfD, die sich als Gegenkraft zur bundesdeutschen Selbstzerst\u00f6rung konstituiert hat, wird vom politisch-medialen Komplex als dem Motor der Autoaggression als der nat\u00fcrliche Feind betrachtet, gegen den alle Mittel erlaubt sind.<\/p>\n<p>Als die AfD-Fraktion in der Hamburger B\u00fcrgerschaft nach dem Brandanschlag gegen Bernd Baumann, den in Hamburg lebenden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der AfD-Bundestagsfraktion, ein solidarisches Bekenntnis einforderte, lehnte die gr\u00fcne Fraktionschefin das ab. \u201eSolidarit\u00e4t ist ein Gef\u00fchl \u2013 und das teilen wir nicht mit der AfD.\u201c Man teile nicht die Werte, Haltungen und Ziele der Partei. Doch darum ging es gar nicht. Es ging um den universellen Anspruch auf die Unversehrtheit einer Person in der politischen Auseinandersetzung. Dieser Anspruch wird von \u201eUnseren Demokraten\u201c mit F\u00fc\u00dfen getreten.<br \/>\nNach seinem Rauswurf aus dem Restaurant sagte der sichtlich geschockte Thomas Kemmerich in einem kurzen Video, diese Praxis erinnere an \u201edunkle Zeiten\u201c. Er spielt an Zeiten an, in denen bestimmte Menschengruppen \u201eunerw\u00fcnscht\u201c waren. Prompt folgten Reaktionen von der Art, im Dritten Reich sei die Abstammung, eine unab\u00e4nderliche seinsm\u00e4\u00dfige Gegebenheit das Ausschlu\u00dfkriterium gewesen. Heute gehe es um die individuelle Entscheidung f\u00fcr eine falsche Haltung, die zur gesellschaftlichen und sozialen Exklusion f\u00fchrt. Der Unterschied besteht tats\u00e4chlich, doch er ist hier sekund\u00e4r. In beiden F\u00e4llen wurden und werden Menschen allein aufgrund einer ideologischen Setzung aus dem Gemeinwesen ausgeschieden.<br \/>\nAls der Medienwissenschaftler Norbert Bolz die gegen die AfD intendierte \u00dcberschrift der taz \u201eDeutschland erwacht\u201c kommentierte: \u201eGute \u00dcbersetzung von \u2018woke\u2019: Deutschland erwache!\u201c, war das mehr als Ironie, n\u00e4mlich der Hinweis, da\u00df der antifaschistische Furor sich dem anzuverwandeln droht, was er vorgibt zu bek\u00e4mpfen. Das Brutalisierungspotential der gesinnungst\u00fcchtigen Zivilgesellschaft \u2013 man denke an die schlecht verhohlenen Sympathien \u201eUnserer Demokraten\u201c f\u00fcr die \u201eHammerbande\u201c \u2013 ist im Gro\u00dfen wie im Kleinen offensichtlich.<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 5.12.2025 von Thorsten Hinz bitte lesen in der JF 50\/25, Seite 13<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Demokratie\u00a0&gt;Deutschland\u00a0&gt;Gesellschaft\u00a0 &gt;Kultur &gt;Zivilgesellschaft &gt;Zivilisiertheit Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Thorsten Hinz: Vom Verlust der Zivilisiertheit (5.12.2025) Team Freiheit Zivilreligion &nbsp; Vom Verlust der Zivilisiertheit \u201eUnsere Demokratie\u201c: Der Mikroterror in einer gesinnungst\u00fcchtigen Zivilgesellschaft nimmt immer weiter zu Thorsten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/zivilisiertheit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":30,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-142583","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/142583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=142583"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/142583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145531,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/142583\/revisions\/145531"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/30"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=142583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}