{"id":137394,"date":"2025-08-04T10:30:04","date_gmt":"2025-08-04T08:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=137394"},"modified":"2026-05-10T14:39:08","modified_gmt":"2026-05-10T12:39:08","slug":"ideologiestaat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/ideologiestaat\/","title":{"rendered":"Ideologiestaat"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staatsquote\/\">Staatsquote<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/ideologie\/\">Ideologie<\/a> &gt;Ideologiestaat<\/p>\n<div id=\"attachment_134852\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/migration-renten-2015-2025-pan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-134852\" class=\"size-full wp-image-134852\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/migration-renten-2015-2025-pan.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/migration-renten-2015-2025-pan.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/migration-renten-2015-2025-pan-180x114.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-134852\" class=\"wp-caption-text\">Einwanderung\/Migration und Renten\/Demografie 2015 und 2025<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicke<\/span>n oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/der-staat-gegen-steinhoefel\/\">Der Staat gegen Steinh\u00f6fel<\/a>\u00a0(9.5.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratierettung\/\">Wer sch\u00fctzt die Demokratie vor ihren Besch\u00fctzern?<\/a>\u00a0(9.4.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/meinungsfreiheit\/\">Birgit Kelle zum Urteil gegen P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen: Meinungsfreiheit ade<\/a>\u00a0(26.3.2027)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/integration\/asyl\/asylrecht\/\">Dr. Rupert Scholz: Asyl-Aufnahme widerspricht dem Grundgesetz<\/a>\u00a0(16.11.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staatsversagen\/staatsverrat\/\">Gunter Frank et al: Der Staatsverrat. Corona als Vorbote des Totalit\u00e4ren<\/a>\u00a0<em>\u00a0<\/em>(25.10.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/d-mittelstand-pleite-ar-milei\/\">D: Mittelstand pleite \u2013 AR: Milei<\/a>\u00a0(18.8.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/zerbrochene-krug-demokratie\/\">Zerbrochene Krug \u2013 Demokratie<\/a>\u00a0(9.8.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/justiz\/rechtsstaat\/\">Der schleichende Tod des Rechtsstaats \u2013 Ballweg-Prozess als Beispiel<\/a>\u00a0(5.8.2025)<\/li>\n<li>Thorsten Hinz: Vom Treibhaus zum Ideologiestaat (1.8.2025)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staatsversagen\/staatsverrat\/\">Staatsverrat<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Thorsten Hinz: Vom Treibhaus zum Ideologiestaat<\/strong><br \/>\nGemeinwesen: Ein Essay \u00fcber systematische Selbstentwertung, den Verlust nationaler Selbstbehauptung und die stille Allianz alter Gegens\u00e4tze<br \/>\nDie kleinen und gro\u00dfen Hiobsbotschaften, die aus allen Bereichen \u00fcber uns hereinprasseln \u2013 sie summieren sich zu einem Panorama der Selbstzerst\u00f6rung. Der allgemeine, sicht-, sp\u00fcr- und empirisch und statistisch nachweisbare Niedergang wird ja nicht prim\u00e4r durch \u00e4u\u00dfere Widrigkeiten, sondern durch aktives Handeln und absichtsvolles Unterlassen hervorgerufen, mit denen man Probleme geradezu woll\u00fcstig auf sich zieht. 35 Jahre nach der Wiedervereinigung hat es den Anschein, da\u00df den Deutschen die Wiederherstellung der staatlichen Einheit in der zynischen wie sicheren Erwartung gestattet wurde, da\u00df sie einen nationalen Suizid begehen w\u00fcrden und das Land sich desto leichter ausweiden lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Verschleuderung der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft ist nur konsequent. Der \u201eDemos\u201c und mit ihm die Demokratie und der Rechtsstaat werden damit zum Witz. Der arabischst\u00e4mmige Sexualstraft\u00e4ter, der sich vor Gericht nur durch den Dolmetscher verst\u00e4ndlich machen kann, der aber die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft und selbstverst\u00e4ndlich ein Wahlrecht besitzt (den Anspruch auf B\u00fcrgergeld hat er sowieso), ist ein Extremfall, aber er steht f\u00fcr eine Tendenz. Die einzige Verbindung von zahlreichen Neub\u00fcrgern zum Staat und zur deutschen Gesellschaft ersch\u00f6pft sich im Empfang von Sozialtransfers, erg\u00e4nzt durch eine aggressive Anspruchshaltung und nicht selten auch durch Delinquenz, die sich gegen eine demoralisierte, als Beuteobjekt identifizierte Altbev\u00f6lkerung richtet.<\/p>\n<p>Man kann von der Systematik einer negativen Bev\u00f6lkerungspolitik sprechen, die einen zerst\u00f6rerischen Eingriff in die tradierte Lebenswelt und in das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen bedeutet. Mittlerweile wird sogar die Beschreibung des Volkes als eine historische und ethnisch-kulturelle Gegebenheit zu einem rechten, verfassungsfeindlichen Konstrukt erkl\u00e4rt, das sich gef\u00e4lligst mit Hitler erledigt h\u00e4tte. Im Kampf gegen Rechts respektive den \u201eFaschismus\u201c konstituieren die Inhaber der Staatsmacht ein neues Staatsvolk. Das Grundgesetz verkommt zum Vehikel einer autoaggressiven, auf Selbstzerst\u00f6rung gerichteten Staatsideologie und die Bundesrepublik zum dritten deutschen Ideologiestaat.<\/p>\n<p>In diesem Kampf pa\u00dft zwischen CDU\/CSU, die Gr\u00fcndungs- und faktische Staatspartei der alten Bundesrepublik, und die Linke, die in der Nachfolge der DDR-Staatspartei steht, kein Blatt Papier. Bis 1989 galten sie als antagonistische Gegner, so unvers\u00f6hnlich wie Feuer und Wasser. Und nicht die 1989 gescheiterte Linke hat sich der Union, sondern die Union hat sich der antifaschistischen Linken angepa\u00dft. Beide eint die Feindschaft zur AfD. Der Grund ist klar: Die Alternative ist die einzige politische Gegenkraft, die sich der Selbstabschaffung als dem geheimen Gesetz des Landes entgegenstellt.<br \/>\nDie Situation l\u00e4\u00dft sich erkl\u00e4ren, indem man die beiden deutschen Staaten, die aus der Konkursmasse des Dritten Reiches hervorgegangen waren und 1989\/90 zusammenfanden, als Treibh\u00e4user betrachtet. Die Metapher ist Wolfgang Koeppens 1953 ver\u00f6ffentlichtem, in der Bundeshauptstadt Bonn spielenden Roman \u201eDas Treibhaus\u201c entnommen (JF 51\/24). Treibh\u00e4user sind lichtdurchl\u00e4ssige Gebilde aus Glas, in denen die Temperatur konstant gehalten wird. In ihrer k\u00fcnstlichen Atmosph\u00e4re wachsen Pflanzen heran, die in der freien Natur nicht gedeihen w\u00fcrden. Ihre Wirklichkeit ist virtuell, simuliert.<\/p>\n<p>Im Fall der DDR ist der Treibhaus-Charakter offensichtlich. Der SED-Staat war eine Sch\u00f6pfung der Sowjetunion. Der 1945 eingeleiteten \u201eantifaschistisch-demokratischen Umw\u00e4lzung\u201c folgte neuerlich eine offene Parteidiktatur, nunmehr auf der ideologischen Grundlage des Marxismus-Leninismus. Als Moskau 1989 die sch\u00fctzende Hand vom SED-Regime abzog, die Glasglocke abhob, fiel die Inszenierung umgehend in sich zusammen.<br \/>\nIm Westen war die Situation vielschichtiger. Das Grundgesetz war einerseits eine Auftragsarbeit der Westalliierten, die im heraufziehenden Kalten Krieg das Potential ihrer Besatzungszonen in das westliche B\u00fcndnis integrieren wollten. Zugleich war das im Lebensinteresse der Westdeutschen, denn die Gefahr, da\u00df andernfalls die Russen an den Rhein vordringen k\u00f6nnten, war offensichtlich. So hatte die Bonner Staatsgr\u00fcndung einen Doppelcharakter, der den Politikbetrieb pr\u00e4gte. Wolfgang Koeppen hat ihn meisterhaft persifiliert:<\/p>\n<p>\u201eEs war das Regierungsviertel einer Exilregierung (\u2026), es war ein Gouvernement, das auf Gastfreundschaft und Wohlwollen angewiesen war (\u2026) \u2013 exiliert von der Nation, exiliert vom Nat\u00fcrlichen, exiliert vom Menschlichen\u201c. Die Parlamentarier \u201ebrachten kein Echo der Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze, der Fabriken und H\u00fctten mit\u201c, sie \u201ewaren nichts als Au\u00dfenposten der Parteib\u00fcrokratie, und hier lag die Wurzel des \u00dcbels\u201c. \u2013 \u201eVielleicht wu\u00dfte das Volk, was es will. Aber seine Vertreter wu\u00dften es nicht, und so taten sie so, als ob wenigstens ein starker Parteiwille da sei. Aber wo kam der her? Aus den B\u00fcros. Er war impotent.\u201c Doch auf die \u201enationalen Instinkte\u201c war gleichfalls kein Verla\u00df mehr: \u201eWaren sie nicht Komplexe, Neurosen, Idiosynkrasien?\u201c Litten nicht alle (auch der Kanzler) an der \u201edeutschen Krankheit, unter keinen Umst\u00e4nden von einer einmal gehabten Vorstellung von der Welt zu lassen\u201c? Bestimmend f\u00fcr die Bonner Politik waren \u201edie Dementis aus Paris und London, die Treuebotschaften, die Freundesworte, die Bruderschaftsbeteuerungen und bald auch die Waffenbr\u00fcderschaft\u201c. So lebte man in der stolzen Erwartung, demn\u00e4chst zum \u201eFestlandsdegen\u201c der Vorm\u00e4chte ernannt zu werden.<\/p>\n<p>Der Historiker Johannes Barnick hat die Treibhaus-Metapher in dem 1958 erschienenen Buch \u201eDie deutschen Tr\u00fcmpfe\u201c aufgegriffen. Selbstbestimmte Politik zu betreiben, sah er die Bundesrepublik weder f\u00e4hig noch willens. In ihr lie\u00df es sich gut leben, doch was heranwuchs, waren eben \u201eTreibhausgew\u00e4chse\u201c, die eine Konfrontation mit der harten Wirklichkeit der Weltpolitik kaum \u00fcberstehen w\u00fcrden. Sie w\u00fcrde \u00fcber die Republik \u201eentweder gar nicht oder katastrophenhaft absolut hereinbrechen\u201c. Der Staat, monierte der Autor, verf\u00fcgte \u00fcber keine Elite; seine Oberschicht unterschied sich vom kleinb\u00fcrgerlichen Durchschnitt nur durch das gr\u00f6\u00dfere Geldbudget. Das politische Personal rekrutierte sich vornehmlich aus Karrieristen der \u201elizenzdemokratische(n) Nachwuchsbearbeitung\u201c. Und \u00fcberhaupt sei die sogenannte Volksherrschaft bei einem Volk, das nicht \u00fcber sich selbst verf\u00fcgte und dem sein \u201emilit\u00e4risches Selbstvertrauen\u201c abhanden gekommen war, ein Widerspruch in sich.<\/p>\n<p>Nun verhielt es sich mit der Souver\u00e4nit\u00e4t der \u00fcbrigen westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder kaum anders. Alle waren vom Schutz der USA abh\u00e4ngig. Doch waren sie wenigstens als Nationalstaaten saturiert, w\u00e4hrend es sich bei Deutschland um eine \u201everwundete Nation\u201c (Elisabeth Noelle-Neumann) handelte. Sie bedurfte k\u00fcnstlicher Stimulanzien: Die Westbindung wurde nicht nur als eine Frage der politischen Vernunft, sondern auch als religi\u00f6ses Erweckungserlebnis behandelt. Die Kehrseite war die panische Angst vor einem neuen deutschen \u201eSonderweg\u201c. Schuldzerknirschung und Hypermoral bestimmten zunehmend die Gem\u00fctslage. Zudem verstand die Bundesrepublik sich lange als ein Gebilde im Wartestand, als Staatsfragment, das erst durch die Wiedervereinigung vervollst\u00e4ndigt w\u00fcrde. Die aber r\u00fcckte in immer weitere Ferne.<\/p>\n<p>Die Folgen schlugen sich in der Studentenbewegung nieder. Ernst Nolte hat 1974 in dem Buch \u201eDeutschland und der Kalte Krieg\u201c dargestellt, wie aus der jugendlichen Ablehnung des \u201eB\u00fcrgerlichen\u201c das Bed\u00fcrfnis nach positiver Identifikation erwuchs. Dabei verfielen die Studenten auf das antifaschistische Geschichtsverst\u00e4ndnis der DDR, verbunden mit dem gefahrlosen Kampf gegen den \u201eStaat des Kapitals\u201c im Namen des Fortschritts. \u201eKaum ein Politiker nahm wahr, was hier vor sich ging: nichts Geringeres als der Untergang des Staates in den Gem\u00fctern der aktivsten Gruppe der akademischen Jugend, die einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil der \u00fcbrigen Studenten f\u00fcr sich gewann und (\u2026) ganz unverh\u00fcllt die Sprache des Kalten Krieges sprach \u2013 die Sprache der anderen Seite.\u201c Genau in diesem Augenblick zerschlug die Gesetzgebung die Struktur der Universit\u00e4ten und gab dieser Partei nahezu unbegrenzte Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten. W\u00e4hrend anderswo die Studentenunruhen zur\u00fcckgingen, waren die westdeutschen Universit\u00e4ten dauerhaft zu \u201eZitadellen\u201c der \u201eDDR-Partei\u201c geworden. Aus ihnen rekrutierten sich die Eliten, die bald die Kommandoh\u00f6hen in Parteien, Medien, Gewerkschaften, Kirchen besetzten. Selbstverst\u00e4ndlich wollte man in der DDR nicht leben, aber man sah in ihr eine theoretische Alternative, die zu erhalten die deutsche Teilung allemal wert war.<\/p>\n<p>Die Union hatte auf diese Herausforderung keine Antwort gefunden au\u00dfer die Beschw\u00f6rung der Einheit im Namen eines idealisierten Europas. Der Historiker Michael St\u00fcrmer, damals ein Berater Helmut Kohls, schrieb 1985, da\u00df es einen deutschen Nationalstaat \u201ewohl nie wieder geben wird\u201c. Man m\u00fcsse \u201evom territorialen Denken endg\u00fcltig Abschied nehmen\u201c und Deutschland \u201enicht in nationalstaatlichen Begriffen\u201c zu erfassen versuchen. Vielmehr gelte es, die \u201eethische Qualit\u00e4t der Nation\u201c zu realisieren, etwa durch die Sicherung der B\u00fcrgerrechte und Kooperation. St\u00fcrmer war nicht von antinationalen Ressentiments und roten Utopien getrieben, sondern zog seine Schl\u00fcsse aus der Analyse der Lage. Und zu der geh\u00f6rte, da\u00df die \u201eDeutschlandpolitik von Bonn aus eine abh\u00e4ngige Variable der Westbindung bleibt \u2013 und immer bleiben mu\u00df\u201c.<br \/>\nSo konnte man es sehen, doch das Ergebnis war das gleiche. Niemand traute sich zu, ein souver\u00e4nes Deutschland theoretisch und strategisch-konzeptionell vorwegzunehmen. So standen 1989\/90 alle mit leeren H\u00e4nden da. Wenn der langj\u00e4hrige Merkur-Herausgeber Karl Heinz Bohrer, der scharfsinnige Kritiker des Bonner Provinzialismus, die bundesdeutschen Eliten ermahnte, da\u00df ihre Verantwortung f\u00fcr die DDR \u201evergleichbar mit der ehemaligen Verantwortung der Alliierten f\u00fcr das geschlagene Nazi-Deutschland\u201c sei, war das doppelt grotesk. Weder hatte Bohrer die Intention der Alliierten verstanden, noch war er sich \u00fcber die Bonner Produkte \u201elizenzdemokratische(r) Nachwuchsbearbeitung\u201c voll im klaren. Sie waren weder als Erziehungsberechtigte f\u00fcr die Rasselbande aus dem wilden Osten noch als Gestalter des vereinten Landes geeignet.<\/p>\n<p>Auf l\u00e4ngere Sicht hat der Mauerfall sich auch f\u00fcr das Treibhaus West als \u201ekatastrophenhaft absoluter\u201c Einbruch erwiesen. Am Anfang standen zwei fundamentale Fehlentscheidungen: Erstens die Opferung der D-Mark, die Symbol und Unterpfand der wirtschaftlichen St\u00e4rke und sozialen Stabilit\u00e4t der Bundesrepublik und der st\u00e4rkste Hebel ihrer au\u00dfenpolitischen Gestaltungsmacht gewesen war. Zum andern die Errichtung des Holocaust-Mahnmals, eines riesigen Friedhofs im Herzen der Hauptstadt, mit dem die Bundesrepublik sich als Objekt moralischer Erpressung feilbot und einen tiefenpsychologischen Einblick in ihre nationale Zukunftserwartung gab. Die SED-Nachfolger konnten sich nach einer kurzen Irritationsphase leicht in diese Wahnwelt integrieren. Der proletarische Internationalismus der SED und die Hypermoral im Westen erwiesen sich als kompatibel. Heute ist der Niedergang des Landes so weit fortgeschritten, da\u00df die Verantwortlichen die einzige M\u00f6glichkeit ihrer Selbstrettung in seiner Beschleunigung erblicken. Die AfD bildet ein letztes Hindernis.<br \/>\nIdeologien sind umfassende Weltentw\u00fcrfe, die denen, die von ihnen ergriffen sind, den Blick auf die Wirklichkeit versperren und gleichzeitig ein Sendungsbewu\u00dftsein vermitteln. Gegenw\u00e4rtig handelt es sich noch um ideologische Bruchst\u00fccke, um Ideologeme, die je nach Konjunktur in den Vordergrund geschoben und miteinander zu Semi-Ideologien kombiniert werden, die eines gemeinsam haben: Aus ihnen erwachsen Handlungsempfehlungen zum Schaden Deutschlands; sie weisen den Weg in Richtung Selbstabschaffung.<br \/>\nSelbst der Boden des Grundgesetzes bietet kein sicheres Pflaster mehr. Er ist zum schwarzen Loch oder rot-gr\u00fcnen Sumpf geworden, in dem alles Wertvolle verschwindet: Demokratie, Rechtsstaat, Grundrechte, Wohlstand, die innere und die Energiesicherheit, die intakte Infrastruktur usw. Es ist der blanke Wahnsinn, der das Land beherrscht.<br \/>\n&#8230; Alles vom 1.8.2025 von Thorsten Hinz bitte lesen in der JF 32*33\/25, Seite 15<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Engagement\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Demokratie\u00a0&gt;Staatsquote &gt;Ideologie &gt;Ideologiestaat &nbsp; Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Der Staat gegen Steinh\u00f6fel\u00a0(9.5.2026) Wer sch\u00fctzt die Demokratie vor ihren Besch\u00fctzern?\u00a0(9.4.2026) Birgit Kelle zum Urteil gegen P\u00e4ivi R\u00e4s\u00e4nen: Meinungsfreiheit ade\u00a0(26.3.2027) Dr. Rupert Scholz: Asyl-Aufnahme widerspricht dem Grundgesetz\u00a0(16.11.2025) Gunter &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/ideologiestaat\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":104638,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-137394","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/137394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=137394"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/137394\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":148956,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/137394\/revisions\/148956"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104638"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=137394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}