{"id":135622,"date":"2025-06-27T20:47:41","date_gmt":"2025-06-27T18:47:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=135622"},"modified":"2026-05-21T16:30:13","modified_gmt":"2026-05-21T14:30:13","slug":"postkolonialismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/postkolonialismus\/","title":{"rendered":"Postkolonialismus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Global<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/\">Kolonialismus<\/a> &gt;Postkolonialismus<\/p>\n<div id=\"attachment_132939\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-132939\" class=\"size-full wp-image-132939\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419-180x128.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-132939\" class=\"wp-caption-text\">Schweigemarsch f\u00fcr Frieden in Freiburg am Karsamstag 19.4.2025 ab 14 Uhr<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wokismus-ist-nicht-franzoesisch\/\">Wokismus ist nicht franz\u00f6sisch<\/a>\u00a0(21.5.2026)<\/li>\n<li>dpa-Kritik an Migration\/Afrika der National-Security-Strategy der USA (7.12.2025)<\/li>\n<li>Wei\u00dfe sind per se schuld (20.6.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/\">\u201ePostkoloniale Mythen\u201c von Mathias Brodkorb<\/a> (31.5.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/\">Recht auf kulturelle Identit\u00e4t alleiniges Privileg nicht-wei\u00dfer \u201eSchwarzer\u201c?<\/a> (15.5.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/\">Mathias Brodkorb: Postkoloniale Mythen<\/a> (11.5.2025)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a title=\"Kolonialismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/\">Afrika<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Afrika-Rassismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/afrika-rassismus\/\">Afrika-Rassismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Afrika-Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/afrika\/afrika-zukunft\/\">Afrika-Zukunft<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Alte-weisse-Maenner\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/alte-weisse-maenner\/\">Alte-weisse-M\u00e4nner<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Antirassismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/rassismus\/antirassismus\/\">Antirassismus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/rassismus\/antiweisser-rassismus\/\">Antiwei\u00dfer-Rassismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Business\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/\">Business<\/a><\/li>\n<li><a title=\"China\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/china\/\">China<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Industrie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/industrie\/\">Industrie<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Kolonialismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/\">Kolonialismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"NGO\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/vereine\/ngo\/\">NGO<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/postkolonialismus\/\">Postkolonialismus<\/a><\/li>\n<li><a title=\"Rassismus\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/rassismus\/\">Rassismus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/sklaverei\/\">Sklaverei<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/usa-national-security-strategy\/\">USA-National-Security-Strategy<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>dpa-Kritik an Migration\/Afrika der National-Security-Strategy der USA<\/strong><br \/>\nAls Pars pro toto r\u00fccke ich einen Abschnitt aus dem dpa-Text \u00fcber die neue <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/national-security-strategy-usa\/\">nationale Sicherheitsstrategie der USA<\/a> ein, den Focus \u00fcbernommen hat. Die dpa, deren Autor hier munter herumkommentiert, als sei das a) selbstverst\u00e4ndlich und b) der Leser zu d\u00e4mlich, sich selbst ein Urteil zu bilden, nennt sich \u00fcbrigens immer noch ganz ernsthaft \u201eNachrichtenagentur\u201d.<br \/>\n.<br \/>\n<strong><em>Online Argumentationslinien wie in rechten Kreisen<\/em><\/strong><br \/>\n<em>Unterm Strich geht es um Abschreckung nach au\u00dfen, die rigorose Durchsetzung amerikanischer Wirtschaftsinteressen und um ein klar umrissenes Bild davon, wer dazugeh\u00f6rt und wer nicht. <\/em><br \/>\n<em>Dabei schl\u00e4gt das Dokument einen Ton an, der koloniale Denkweisen des 19. Jahrhunderts wiederbelebt. Das zeigt sich nicht nur in der Afrika-Passage, sondern auch in Formulierungen zu Europa &#8211; die Trump-Regierung bedient sich Argumentationslinien, wie sie in rechten Kreisen verbreitet sind: Die gr\u00f6\u00dften Gefahren seien Migration, sinkende Geburtenraten und ein vermeintlicher &#8222;Verlust nationaler Identit\u00e4t&#8220;.<\/em><br \/>\n<em>Zwischen den Zeilen wird so eine rassistisch anmutende Vorstellung von Zugeh\u00f6rigkeit in staatliche Strategie gegossen, f\u00fcr Europa wie f\u00fcr die USA selbst. Vielfalt soll keine Rolle spielen, die &#8222;westliche Identit\u00e4t&#8220; und gesellschaftliche Einheit dagegen gelten als St\u00e4rke. <\/em><br \/>\n<em>Die beschworene &#8222;goldene Zukunft&#8220; der USA beruht auf &#8222;traditionellen Familien&#8220; und der Ehrung &#8222;vergangener Errungenschaften und Helden&#8220;. Eine kritische Aufarbeitung der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte &#8211; etwa die Sklaverei &#8211; geh\u00f6rt zu diesem Selbstverst\u00e4ndnis nicht dazu.<\/em><br \/>\n<em>6.12.2025, dpa, <\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/insbesondere-deutschland-trumps-neue-sicherheitsstrategie-hat-es-in-sich_60d1ceaf-2dfe-4b9a-a15d-10bb536b9257.html\">https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/insbesondere-deutschland-trumps-neue-sicherheitsstrategie-hat-es-in-sich_60d1ceaf-2dfe-4b9a-a15d-10bb536b9257.html<\/a><\/em><br \/>\n.<br \/>\nWenn sich die USA (unter anderem) aus Afrika zur\u00fcckziehen, um k\u00fcnftig, statt ihr Milit\u00e4r einzusetzen und Entwicklungshilfe zu verpulvern, lieber Wirtschaftsdeals mit den Afrikanern abzuschlie\u00dfen, werden also \u201ekoloniale Denkweisen des 19. Jahrhunderts wiederbelebt\u201d. \u2013 Ich habe hier mehrfach darauf hingewiesen, dass diese kolonialen Denkweisen daher r\u00fchrten, dass die Emirate von Tripolis, Tunis und Algier bis weit ins 19. Jahrhundert Schiffe aussschickten, um christliche Sklaven zu erbeuten, sowohl zur See wie an den s\u00fcdeurop\u00e4ischen K\u00fcsten, und die USA Tribute an diese sogenannten Barbareskenstaaten zahlten, um ihre Handelsschiffe zu sch\u00fctzen, bis Thomas Jefferson die Sache zu bunt wurde; damit schlug die Geburtsstunde des Kolonialismus (und seiner Denkweisen). Aber wie man diese Weisen reanimiert, indem man sich zur\u00fcckzieht, bleibt eines jener Mysterien, zu denen nur ideologisierte Verr\u00fcckte Zugang haben. Die Richtung des Kolonialismus hat sich ja v\u00f6llig umgekehrt; heute verlieren die wei\u00dfen V\u00f6lker sukzessive ihre Heimatl\u00e4nder durch eine Migration, die durchaus als allm\u00e4hliche Kolonisierung bezeichnet werden kann, Stadtteil f\u00fcr Stadtteil, und die nicht ewig friedlich bleiben wird, denn irgendwann ist das Geld der Europ\u00e4er alle, mit dem sie derweil noch die existentiellen Bed\u00fcrfnisse ihrer fremden Mitb\u00fcrger stillen. Und dann kann es sein, dass in Europa wieder die Lichter ausgehen. Vielleicht sogar, zuv\u00f6rderst im Land der Windm\u00fchlen, im Wortsinne.<br \/>\nDie sogenannte \u201eAufarbeitung der Geschichte\u201d, welche die deutsche \u201eNachrichtenagentur\u201d in ihren als Bericht maskierten Kommentar hineinmahnt, l\u00e4uft, wie viele Beispiele lehren, lediglich auf eine Daueranklage gegen den Westen hinaus, bewerkstelligt vor allem von woken Linken \u2013 ich kenne einen Linken, der behauptet, die Woken seien keine Linken, sondern Barbaren, aber sei\u2019s drum \u2013, die sich als Anw\u00e4lte der Erniedrigten und Beleidigten in aller Welt aufspielen, die eigenen H\u00e4nde dabei immer sch\u00f6n offen haltend, kurzum: auf eine Selbstpreisgabe. Die westlichen woken Linken sind dabei, vermittels der sogenannten Aufarbeitung der Vergangenheit, auch bekannt als Postkolonialismus, ihre L\u00e4nder in Beutegebiete zu verwandeln. Man m\u00fcsste sehr dumm sein, um diese Lektion nicht inzwischen gelernt zu haben.<br \/>\nDer richtige Weg, die Vergangenheit \u201ezu bew\u00e4ltigen\u201d, kann eigentlich nur darin bestehen, es k\u00fcnftig besser zu machen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 7.12.2025 von Michael Klonovsky bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.klonovsky.de\/2025\/12\/7-dezember-2025\/\">https:\/\/www.klonovsky.de\/2025\/12\/7-dezember-2025\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wei\u00dfe sind per se schuld<\/strong><br \/>\n<em>Der nonkonforme Autor Mathias Brodkorb n\u00e4hert sich dem hei\u00dfen Eisen Buchbesprechung \u201ePostkolonialismus\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Kolonialisierung Afrikas sei nur das Zweitschlimmste, was dem Schwarzen Kontinent jemals widerfahren sei. Noch schlimmer sei die Entkolonialisierung gewesen. Dieser Aphorismus des konservativen Publizisten <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/klonovsky\/\">Michael Klonovsky<\/a> bezieht sich weniger auf das Vorgehen der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte, die den Kontinent im 19. Jahrhundert unter sich aufteilten. Vielmehr stellt er die ultimative Provokation des woken Zeitgeists dar, der bar jeder historischen Evidenz das Narrativ verbreitet, die St\u00e4mme und V\u00f6lker Afrikas h\u00e4tten friedlich und prosperierend koexistiert, bevor der b\u00f6se wei\u00dfe Mann Zerst\u00f6rung und Sklaverei brachte. Unter der Bezeichnung \u201ePostkolonialismus\u201c hat diese an Geschichtsf\u00e4lschung grenzende Einseitigkeit eine steile Karriere im universit\u00e4ren Bereich hingelegt und besitzt heute an den gesellschaftswissenschaftlichen Lehrst\u00fchlen in den USA und in Europa hegemonialen Stellenwert. Dieser ist mittlerweile nicht mehr auf den akademischen Elfenbeinturm beschr\u00e4nkt. So reproduzieren heute unter anderem schulische Curricula sowie der Kunst- und Kulturbetrieb postkoloniale Glaubenss\u00e4tze. Der Publizist und ehemalige SPD-Kultus- und Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb untersucht in seinem neuen Buch \u201ePostkoloniale Mythen\u201c die Rolle von Museen und Ausstellungen als Multiplikatoren postkolonialer Ideologie und konzentriert sich \u201eauf den Spuren eines modischen Narrativs\u201c auf f\u00fcnf konkrete Beispiele.<\/p>\n<p>\u201eDieses Buch ist ein Pl\u00e4doyer gegen die moralistische Hybris, mit der die westlichen Gesellschaften auf ihre eigene Geschichte blicken.\u201c Diese Hybris besteht heute nicht mehr im unreflektierten Stolz auf die Taten der eigenen Vorfahren. Genau umgekehrt beziehen heute viele ihren Selbstwert aus der \u00f6ffentlichkeitswirksam zur Schau gestellten Anerkenntnis der Verkommenheit europ\u00e4ischer bzw. \u201ewei\u00dfer\u201c Geschichte, um daraus das Gef\u00fchl moralischer \u00dcberlegenheit abzuleiten. Diese vom Autor treffend bezeichnete \u201eSchuldlust\u201c beobachtet Brodkorb in allen von ihm untersuchten V\u00f6lkerkundemuseen in Hamburg, Berlin, Leipzig und Wien sowie auf der Biennale in Venedig.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Verdienst des Buches liegt darin, die Wirkweisen einer abstrakten Ideologie in der konkreten Alltagspraxis nachzuweisen. Ein von Brodkorb beschriebenes Beispiel sind die bekannten Benin-Bronzen. Hierbei handelt es sich unter anderem um 263 Bronzen, die 1897 von britischen Soldaten aus dem K\u00f6nigspalast in Benin, gelegen im heutigen Nigeria, entwendet wurden. So die offizielle Version, die in Leipzig erz\u00e4hlt wird. Das ist nicht falsch, aber derart entkontextualisiert, da\u00df ein v\u00f6llig falsches Geschichtsbild entsteht. Verschwiegen wird, da\u00df es seit 1892 einen Handelsvertrag zwischen den Briten und dem Oba, dem K\u00f6nig, gab, den dieser 1896 einseitig gebrochen hatte. Eine britische Delegation, die Verhandlungen aufnehmen wollte, wurde ermordet. Der Raub der Benin-Bronzen und die Ermordung von knapp 200 Beninern waren eine Reaktion auf vorangegangenes Unrecht.<\/p>\n<p>Aufhebung der Unterscheidung zwischen wahr und falsch<br \/>\nUm das Bild moralischer Eindeutigkeit im Sinne des Postkolonialismus zu kreieren \u2013 der b\u00f6se Wei\u00dfe massakriert den edlen Schwarzen \u2013 ignoriert das Museum Leipzig den gesamten historischen Kontext, um zu verheimlichen, da\u00df das Verhalten keiner Seite den heutigen moralischen Standards entspricht. In Wien wird der Handelsvertrag von 1892 zwar erw\u00e4hnt, jedoch mit dem Zusatz versehen, da\u00df der Oba diesen nicht verstanden habe. Belege f\u00fcr diese Behauptung, so Brodkorb, gebe es schlicht und einfach keine. Vielmehr werde hier das Bild des naiven Schwarzen gezeichnet, welches wiederum selbst eine rassistische Komponente habe.<br \/>\nTrotz der ernsten Thematik ist Brodkorbs Reise durch die Museumslandschaft Europas am\u00fcsant zu lesen. Er berichtet von Gespr\u00e4chen mit Entscheidungstr\u00e4gern, die sich in Widerspr\u00fcche verstricken und schlie\u00dflich als Rechtfertigung ihrer Ausstellungspraxis in die Untiefen postkolonialer Rhetorik fliehen. Historische Korrektheit hin oder her, auf jeden Fall h\u00e4tten die Europ\u00e4er den Afrikanern \u201eepistemische Gewalt\u201c angetan. Dieser zentrale Begriff des Postkolonialismus geht davon aus, da\u00df mit Hilfe von Wissen und daraus resultierenden Machtstrukturen unterlegene Gruppen marginalisiert werden, ohne direkte Gewalt anzuwenden. Das Beispiel des Vertrages, den der Oba angeblich nicht verstanden habe, ist ein treffendes Beispiel epistemischer Gewalt im postkolonialen Verst\u00e4ndnis. Man erkennt leicht die machtpolitische Agenda hinter dieser Begrifflichkeit. Alle Handlungen wei\u00dfer Europ\u00e4er gegen\u00fcber Schwarzen lassen sich mit diesem Schlagwort delegitimieren. Jeder, der diese begriffliche Verwahrlosung hinterfragt, offenbare seine eigenen internalisierten rassistischen Denkmuster, denen er sich zu stellen habe. Er wolle doch kein Rassist sein, oder etwa doch?<br \/>\nEine der schlimmsten Konsequenzen des Postkolonialismus ist die Aufhebung der Unterscheidung zwischen wahr und falsch. Historisches Erkenntnisstreben wird ersetzt durch Multiperspektivit\u00e4t, um die angeblich marginalisierten Gruppen zu Wort kommen zu lassen. Brodkorb beschreibt, da\u00df es den Museen gleichg\u00fcltig sei, ob die subjektiven Einsch\u00e4tzungen der afrikanischen Zeitgenossen oder deren heutiger Nachfahren historisch-kritischer Analyse standhalten. Hauptsache, sie kommen unkommentiert zu Wort, alles andere sei zweitrangig und w\u00fcrde wieder auf epistemische Gewalt hinauslaufen. Es ist ein gruseliges Wissenschaftsverst\u00e4ndnis, welches sich hier hinter der Fratze moralischer \u00dcberlegenheit offenbart.<br \/>\nBrodkorb dringt vor in das Zentrum der Wokeness, das neben dem Postkolonialismus in dieser Wirkmacht nur noch von der Gender-Ideologie gebildet wird. Erkenntnisreich und humorvoll geschrieben, ist \u201ePostkoloniale Mythen\u201c auch ein visuell ansprechendes Buch. Zahlreiche Bilder der Benin-Bronzen sowie Fotos aus dem 19. Jahrhundert und von Originalquellen \u2013 fast alle in Farbe \u2013 sind in den Text integriert. Mit Herz und Verstand argumentiert Brodkorb gegen den vorherrschenden antiwei\u00dfen Neorassismus zur S\u00fchne vergangenen Unrechts. Daf\u00fcr verdient er eine breite Leserschaft!<br \/>\n&#8230; Alles vom 20.6.2025 von Michael Dienstbier bitte lesen in der JF 26\/25, Seite 18<br \/>\n.<br \/>\n<em>Mathias Brodkorb: Postkoloniale Mythen.Auf den Spuren eines modischen Narrativs. Eine Reise nach Hamburg und Berlin, Leipzig, Wien und Venedig. Verlag zu Klampen, Springe 2025, gebunden, 272 Seiten, 28 Euro<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Global &gt;Kolonialismus &gt;Postkolonialismus Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Wokismus ist nicht franz\u00f6sisch\u00a0(21.5.2026) dpa-Kritik an Migration\/Afrika der National-Security-Strategy der USA (7.12.2025) Wei\u00dfe sind per se schuld (20.6.2025) \u201ePostkoloniale Mythen\u201c von Mathias Brodkorb (31.5.2025) Recht auf kulturelle Identit\u00e4t alleiniges &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kolonialismus\/postkolonialismus\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":54973,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-135622","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/135622","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=135622"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/135622\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":149480,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/135622\/revisions\/149480"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/54973"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=135622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}