{"id":134520,"date":"2025-05-27T17:17:00","date_gmt":"2025-05-27T15:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=134520"},"modified":"2025-08-20T20:03:19","modified_gmt":"2025-08-20T18:03:19","slug":"abschreckung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/abschreckung\/","title":{"rendered":"Abschreckung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Krieg\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Krieg<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/bundeswehr\/\">Bundeswehr<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/verteidigung\/\">Verteidigung<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/militarismus\/\">Militarismus<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/nachruestung\/\">Nachr\u00fcstung<\/a> &gt;Abschreckung<\/p>\n<div id=\"attachment_132939\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-132939\" class=\"size-full wp-image-132939\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ostern1schweigemarsch-FR-pan250419-180x128.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-132939\" class=\"wp-caption-text\">Schweigemarsch f\u00fcr Frieden in Freiburg am Karsamstag 19.4.2025 ab 14 Uhr<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li>Widerspr\u00fcchliche Aufr\u00fcstungsbegeisterung &#8211; Kriegsgeilheit (18.8.2025)<\/li>\n<li>Abschreckung als Farce: D als einziges Land der NATO (14.6.2025)<\/li>\n<li>Deutschland und Europa in einer Welt ohne Nato: Wie abschrecken? (23.5.2025)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/eu\/europa\/nato\/\">NATO<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Widerspr\u00fcchliche Aufr\u00fcstungsbegeisterung &#8211; Kriegsgeilheit<\/strong><br \/>\nDas Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte im Auftrag des \u201dRedaktionsnetzwerks Deutschland\u201c (RND) 1.002 Deutsche, wie sie es mit der von Boris Pistorius propagierten Kriegsert\u00fcchtigung beziehungsweise Kriegsbereitschaft halten. Die Ergebnisse sind ern\u00fcchternd und werfen ein Schlaglicht auf die Denkweise der Zufallsstichprobe, die repr\u00e4sentativ sein soll. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Nur bei den AfD-nahen Befragten ist eine innere Logik zwischen Krieg f\u00fchren und auch pers\u00f6nlich k\u00e4mpfen wollen zu erkennen. Alle anderen legen eine Art Kriegsgeilheit zutage, wollen diese Geilheit aber kaum auskosten. Aber der Reihe nach.<br \/>\n\u201cFinden Sie es richtig, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben bis 2032 verdoppeln will?\u201c, lautete eine der Fragen. Die Propagandamaschinerie der Medien, Russland werde als n\u00e4chstes Deutschland \u00fcberfallen, lief bestens. Denn 69 Prozent der befragten Westdeutschen unterst\u00fctzen die massive Aufr\u00fcstung \u2013 koste es, was es wolle. Der Osten Deutschlands ist mit 56 Prozent etwas weniger aufr\u00fcstungstrunken.<\/p>\n<p>Mehr R\u00fcstung wagen<br \/>\nDie gr\u00f6\u00dfte R\u00fcstungsbegeisterung legten CDU\/CSU-nahe Befragte mit 92 Prozent (!) an den Tag. Die ehemaligen Friedensparteien SPD und Gr\u00fcne unterst\u00fctzen die Aufr\u00fcstung mit 75 und 76 Prozent. Nicht mehr das \u201emehr Demokratie wagen\u201c Willy Brandts ist das Credo, sondern \u201cmehr R\u00fcstung wagen\u201d. Unter den AfD-Befragten ist die Zustimmung zur R\u00fcstungsverdoppelung mit 48 Prozent ebenfalls hoch, aber nur etwa halb so gro\u00df als bei den \u201eChristlichen\u201c. Kann es sein, dass die AfD-Klientel weniger R\u00fcstungsaktien h\u00e4lt als die Befragten der Regierungsparteien?<\/p>\n<p>\u201cW\u00fcrden Sie Deutschland im Falle eines Angriffs mit der Waffe verteidigen?\u201d Dazu w\u00e4ren \u201ewahrscheinlich\u201c nur rund die H\u00e4lfte der Befragten der CDU\/CSU, SPD und Gr\u00fcnen bereit, welche die Bundeswehr aber trotzdem mit Aufr\u00fcstungsgeldern \u00fcbersch\u00fctten wollen. Auff\u00e4llig ist, dass es von den AfD-Befragten 81,3 Prozent waren, die nicht nur Geld bereitstellen, sondern mit dem Waffenarsenal auch k\u00e4mpfen w\u00fcrden. Diese auff\u00e4llige Konsequenz zur Verteidigung ihres Landes beeindruckt. W\u00e4hrend die H\u00e4lfte der Aussagen der Anh\u00e4nger klassischer Parteien wenig ehrlich bis widerspr\u00fcchlich sind.<\/p>\n<p>AfD-Anh\u00e4nger auf Linie?<br \/>\n\u201cSollte es einen verpflichtenden Wehrdienst geben, wenn es nicht gen\u00fcgend Freiwillige gibt?\u201d, war eine weitere Frage. Und jetzt wird\u2019s interessant. Nur 59 Prozent, das sind 64,1 Prozent der am kriegsbegeistertsten CDU\/CSUlern, w\u00e4ren f\u00fcr den Wehrdienst. Bei den Gr\u00fcnen (61,8 Prozent) und Linken (47,4 Prozent) ist das Missverh\u00e4ltnis noch gr\u00f6\u00dfer \u2013 nach dem Prinzip \u201ewasch mich, aber mach mich nicht nass\u201c etwa? Am konsequentesten waren wiederum die Befragten der AfD: 38 Prozent bejahten die Frage, womit 79,2 Prozent der Aufr\u00fcstungsbef\u00fcrworter der AfD-Anh\u00e4nger nicht nur Geld, sondern konsequenterweise auch Soldaten bereitstellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Diesen empirischen Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis bei der AfD-Klientel offenzulegen war gewiss nicht das Ziel des auftraggebenden und SPD-nahen RND und ist vermutlich auch keinem der Verantwortlichen aufgefallen. Auch der \u201cBadischen Zeitung\u201d nicht, welche die Umfrage am 4. August ganzseitig ver\u00f6ffentlichte. Ob das RND trotz der Steilvorlage f\u00fcr die AfD f\u00fcr die Umfrage das volle Honorar zahlen wird?<\/p>\n<p>Profitieren von R\u00fcstungsaktien<br \/>\nWie kommt es eigentlich, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Bev\u00f6lkerung den massiven Aufr\u00fcstungskurs von Merz, Pistorius &amp; Co. mittr\u00e4gt, obwohl wir mit der NATO (und alleine schon Europa) dem neuen \u201eFeind\u201c Russland schon heute milit\u00e4risch mehrfach \u00fcberlegen sind? Die Bef\u00fcrworter d\u00fcrften von Trumps Forderung gesteuert sein, Europa solle sich milit\u00e4risch mehr engagieren. Ein so geschw\u00e4chtes Europa steht seiner Politik eines \u201eMake America great again\u201c weniger entgegen als ein sich wirtschaftlich erholendes und geeintes Europa. Und von den gestiegenen R\u00fcstungsaktien profitieren nicht nur die eingangs zitierten W\u00e4hler gewisser Parteien, sondern insbesondere der gro\u00dfe amerikanische Verm\u00f6gensverwalter BlackRock. Dessen Impresario Larry Fink kennt seinen Fritze Merz besonders gut.<\/p>\n<p>Schlussendlich bleibt die Frage: Ist es nicht schizophren? Da lassen sich europ\u00e4ische Politiker von Trump vorschreiben, wieviel wir in die R\u00fcstung stecken sollen und wo wir die Waffen einkaufen. Derselbe Trump wohlgemerkt, den die EU-Herrschaften und ihre Grand Dame in Br\u00fcssel am liebsten zum Teufel w\u00fcnschen w\u00fcrden. Kadavergehorsam?<br \/>\n.<br \/>\nHermann G\u00f6ring sagte einmal folgendes in der Haft in N\u00fcrnberg 1946:<br \/>\n\u201eNun, nat\u00fcrlich, das Volk will keinen Krieg. Warum sollte auch irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, da\u00df er mit heilen Knochen zur\u00fcckkommt? Nat\u00fcrlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Ru\u00dfland, noch in England, noch in Amerika, und ebenso wenig in Deutschland. Das ist klar.<br \/>\nAber schlie\u00dflich sind es die F\u00fchrer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.<br \/>\nDas Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der F\u00fchrer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es w\u00fcrde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie br\u00e4chten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem<br \/>\nLand.\u201c<br \/>\n18.8.2025, Albrecht K\u00fcnstle, <a href=\"mailto:kuenstle.a@gmx.de\">kuenstle.a@gmx.de<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Abschreckung als Farce: D als einziges Land der NATO<\/strong><br \/>\nDie NATO-Strategie der Abschreckung macht nur Sinn, wenn die NATO-Mitgliedsl\u00e4nder ALLE mitmachen. Im SPD-Manifest wird moniert, da\u00df dies nicht der Fall ist und nur D mitmacht. Damit wird die Abschreckung zur wirkungslosen Farce:<br \/>\n&#8222;Zum Stichwort Abschreckung: Es gibt eine Vereinbarung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten \u00fcber die Stationierung von neuen nuklearf\u00e4higen Mittelstreckenraketen ab 2026 in Deutschland. Und zwar nur in Deutschland. In keinem anderen europ\u00e4ischen Land ist das vereinbart worden oder soll das vereinbart werden. Ich kann das \u00fcberhaupt nicht verstehen, weil ich glaube, dass Abschreckung hier irref\u00fchrend ist. Was ist denn die logische Folge einer solchen Stationierung? Russlands Antwort muss sein, als Erstes diese Systeme, die direkt Moskau bedrohen, auszuschalten. Wir werden dadurch zu einem Angriffsziel der ersten Stunde gemacht, wie wir das in dem Papier nennen.&#8220; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/spd-manifest-friedenssicherung\/\">Gernot Erler<\/a> im SPD-Manifest<br \/>\n&#8230; Alles vom 14.6.2025 bitte lesen auf <a href=\"https:\/\/www.erhard-eppler-kreis.de\/manifest\/\">https:\/\/www.erhard-eppler-kreis.de\/manifest\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutschland und Europa in einer Welt ohne Nato: Wie abschrecken?<\/strong><br \/>\nErich Weede<\/p>\n<p>Am Ende des Zweiten Weltkriegs standen die Amerikaner vor der Wahl, entweder die Einverleibung ganz Kontinentaleuropas in den kommunistischen Block hinzunehmen oder sie durch ein doppeltes Engagement in Europa zu verhindern: durch Hilfestellung beim Wiederaufbau und milit\u00e4risches Engagement. Zum Gl\u00fcck haben sich die Amerikaner f\u00fcr das transatlantische Engagement entschieden. Die amerikanische Freihandelspolitik von Bretton Woods bis in die 2010er Jahre hinein hat nicht nur die Vers\u00f6hnung zwischen den Siegern und Verlierern Zweiten Weltkriegs erm\u00f6glicht, sondern auch den Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht. F\u00fcr diese L\u00e4nder gilt, da\u00df der Aufstieg ohne Zugang zu westlichen M\u00e4rkten undenkbar gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Bei der Gr\u00fcndung der Nato war noch klar, da\u00df ein Angriff auf ein Mitglied nicht impliziert, da\u00df die Vereinigten Staaten gegen die Sowjetunion k\u00e4mpfen. Erst im Laufe der Zeit wurde die sich aus Artikel 5 ergebende Verpflichtung f\u00fcr die USA immer zwingender, um Zweifel am Wert des B\u00fcndnisses in Europa zu \u00fcberwinden. Ende der 1950er Jahre wurden deutsche Atomwaffen noch als Alternative zur Verfestigung der amerikanischen Verpflichtungen in Europa bedacht.<\/p>\n<p>Die Nato hatte immer eine doppelte Einhegungsfunktion. Sie sollte neben der Einhegung der Sowjetunion auch das Wiederaufleben Deutschlands als Gro\u00dfmacht \u00fcberfl\u00fcssig machen, was im Nuklearzeitalter den Besitz von Atomwaffen impliziert. Das war auch f\u00fcr Deutschland akzeptabel, weil es sich nach Hitler selbst mi\u00dftraute und es bequem war, sich auf die Vereinigten Staaten zu verlassen. Solange Ru\u00dfland nuklear hoch ger\u00fcstet bleibt und imperialer Gr\u00f6\u00dfe nachtrauert, mu\u00df Deutschland dar\u00fcber nachdenken, wie lange der nukleare Schirm der USA zur Verf\u00fcgung steht. Da\u00df wir uns auf ihn verlassen wollen, garantiert nicht seine Verf\u00fcgbarkeit. Lange haben sich die Amerikaner ge\u00e4rgert, da\u00df sie die Hauptlast der Verteidigung Europas tragen, obwohl Europas Wirtschaftskraft ausreicht, um sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen zu stehen. Hinzu kommt, da\u00df wirtschaftlich gesehen Ru\u00dfland verglichen mit den Amerikanern ein Zwerg, China aber ein Rivale ist, der zwar nicht zu Marktpreisen, aber bei Ber\u00fccksichtigung der Kaufkraft die USA schon als gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt abgel\u00f6st hat. Noch ist die russische Nuklearstreitmacht weit st\u00e4rker als die chinesische, aber China holt auf. Auf lange Sicht h\u00e4lt nur China, aber nicht Ru\u00dfland ein Wettr\u00fcsten mit den Vereinigten Staaten aus. Wenn die Amerikaner den Fokus auf Fernost ernst meinen, dann wird der Krieg in der Ukraine zu einem zweitrangigen Problem f\u00fcr sie.<br \/>\nDas gilt sowohl f\u00fcr die Frage, wo die Grenze zwischen Ru\u00dfland und der Ukraine verlaufen soll, als auch f\u00fcr die Frage von Schutzversprechen f\u00fcr die Ukraine. F\u00fcr die USA liegt es nahe, die Verteidigung Europas den Europ\u00e4ern zuzumuten. Lange haben die Amerikaner weder in Deutschland noch in Europa nennenswerte Erfolge bei der Umverteilung der Verteidigungslasten gehabt. Aber seit der Dem\u00fctigung Selenskyjs in Washington tut sich in Deutschland etwas. Es scheint mit der Wiederaufr\u00fcstung ernst zu werden. Die Frage der amerikanischen Mitgliedschaft in der Nato ist nicht das Hauptproblem, sondern die Glaubw\u00fcrdigkeit des amerikanischen Engagements. Letztlich wird Abschreckung durch Truppenstationierung und ernsthafte Vorbereitung auf den Verteidigungsfall aufgebaut. Eine dahinsiechende Nato n\u00fctzt wenig.<\/p>\n<p>Das soll am Beispiel des s\u00fcdlichen Baltikums behandelt werden: Litauen liegt zwischen dem russischen Alliierten Wei\u00dfru\u00dfland und dem n\u00f6rdlichen Ostpreu\u00dfen, dem heute russischen Oblast Kaliningrad. Vier Millionen Litauer reichen f\u00fcr eine abschreckende Vorbereitung auf den Verteidigungsfall nicht aus. Deshalb stehen dort auch Nato-Truppen, sogar deutsche. Amerikanische, notfalls britische oder franz\u00f6sische Truppen w\u00e4ren besser, weil Deutschland keine Nuklearmacht ist. Jede Abschreckungsmacht, die auf den h\u00f6heren Stufen der Eskalationsleiter nur noch Schl\u00e4ge erleiden, aber nicht mehr austeilen kann, hat ein Problem.<br \/>\nFalls Putins Aggressionsneigung so stark ist, wie viele im Westen glauben, br\u00e4uchte gerade Litauen Schutz durch Bodentruppen einer Atommacht, am besten einer Ru\u00dfland ebenb\u00fcrtigen Atommacht \u2013 der USA. Man hat nicht den Eindruck, da\u00df Trump dorthin Brigaden schicken will. Alternativen w\u00e4ren entweder europ\u00e4ische Nuklearstreitkr\u00e4fte, die durch Ausbau und Europ\u00e4isierung der franz\u00f6sischen Atomstreitkr\u00e4fte entstehen k\u00f6nnten, oder aber die atomare Aufr\u00fcstung Deutschlands.<\/p>\n<p>F\u00fcr beide Optionen sind die politischen Voraussetzungen schlecht. Die Deutschen wollen nicht und sehen bisher keine Notwendigkeit. Die Europ\u00e4er k\u00f6nnen mangels Einigkeit nicht. Alle gro\u00dfen europ\u00e4ischen L\u00e4nder haben Haushaltsprobleme. Besonders dramatisch, weil mit ungekl\u00e4rten innenpolitischen Machtverh\u00e4ltnissen verbunden ist die schnell wachsende Verschuldung in Frankreich, das beim Aufbau einer europ\u00e4ischen Atomstreitkraft Ausgangspunkt sein m\u00fc\u00dfte. Au\u00dferdem w\u00fcrde sowohl die nukleare Aufr\u00fcstung Deutschlands als auch der Aufbau einer europ\u00e4ischen Atomstreitmacht, die Ru\u00dfland nicht so zwergenhaft wie die franz\u00f6sische vorkommen darf, Zeit brauchen, vermutlich mehr als ein Jahrzehnt. Ob uns Trump und Putin diese Zeit geben, ist ungewi\u00df.<\/p>\n<p>Mit der zweiten Pr\u00e4sidentschaft Trumps ist nicht nur die Gefahr der Abkehr des Vormunds von seinen M\u00fcndeln verbunden, sondern auch das Risiko eines Wandels der Weltwirtschaft. Von Bretton Woods bis zur ersten Pr\u00e4sidentschaft Trumps dominierte in Washington die Auffassung, da\u00df Freihandel gut f\u00fcr die USA und die Welt sei, da\u00df Freihandel dazu beitrage, die Welt reicher, demokratischer und friedlicher zu machen. Aber die Stimmung in den USA hat sich gewandelt. Jetzt steht nicht mehr im Vordergrund, da\u00df die Globalisierung zur Steigerung des Lebensstandards der Menschen gef\u00fchrt hat, vor allem der Armen, auch der amerikanischen Konsumenten, die billige chinesische Produkte erwerben, sondern jetzt geht es um relative Gewinne. Da l\u00e4\u00dft sich nicht leugnen, da\u00df China im Zeitalter der Globalisierung ein eindrucksvolleres Wachstum als den USA gelungen ist, was in Anbetracht des Ausgangsniveaus und der Vorteile der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit voraussehbar war.<\/p>\n<p>Zu dem Stimmungswandel wesentlich beigetragen hat auch, da\u00df in den letzten Jahrzehnten vor allem im Rostg\u00fcrtel des Mittleren Westens viele Industriearbeiter ihre Arbeitspl\u00e4tze verloren haben, da\u00df die chinesische Konkurrenz dazu einen Beitrag geleistet hat. Doch man wei\u00df auch, da\u00df technologischer Fortschritt zur Vernichtung von Industriearbeitspl\u00e4tzen f\u00fchrt. F\u00fcr die \u00f6ffentliche Meinung in den USA ist aber die chinesische Konkurrenz der plausibelste Schuldige f\u00fcr die Probleme. Weil es f\u00fcr alle an der Produktion Beteiligten immer unangenehm ist, dem Wettbewerb unterworfen zu sein, hat Protektionismus stets einen gewissen R\u00fcckhalt. Der Gewinner von Freihandel ist der Konsument, der g\u00fcnstige Preise und Qualit\u00e4t genie\u00dft. Er bemerkt aber oft gar nicht, was f\u00fcr Vorteile er durch Freihandel hat. Der Unternehmer, dessen Gewinne wegen ausl\u00e4ndischer Konkurrenz einbrechen, oder der Arbeiter, der deshalb seinen Job verliert, bemerken es sehr wohl. Protektionismus hat deshalb immer mehr Einflu\u00df als das Freihandelsinteresse.<\/p>\n<p>Wenn der kaufkr\u00e4ftigste Markt der Welt, der amerikanische, zunehmend durch Zollmauern abgeschirmt wird, hat das Konsequenzen. Die Weltwirtschaft wird langsamer wachsen und die Ungleichheit der globalen Einkommensverteilung zunehmen. In der hinter uns liegenden Phase der Globalisierung war es so, da\u00df arme L\u00e4nder schneller als die reichen L\u00e4nder des Westens wuchsen, was \u00fcber eine gewisse Angleichung der nationalen Durchschnittseinkommen auch zu abnehmender Ungleichheit der Einkommen im globalen Vergleich f\u00fchrte. In den Vereinigten Staaten hingegen hat die Ungleichheit zugenommen und die Arbeitsplatzsicherheit abgenommen.<\/p>\n<p>Welche L\u00e4nder besonders unter dem amerikanischen Protektionismus leiden werden, h\u00e4ngt davon ab, wie gezielt die amerikanische Handelspolitik sein wird. Generell gilt, da\u00df L\u00e4nder mit einem exportorientierten Wachstumsmodell wie Deutschland oder China und besonders eng mit den USA verflochtene L\u00e4nder wie Kanada und Mexiko zu den Leidtragenden geh\u00f6ren werden. Im Falle Chinas kommt hinzu, da\u00df die USA versuchen, das chinesische Wachstum zu schw\u00e4chen. Das mu\u00df zur Verfestigung der geopolitischen Rivalit\u00e4t zwischen Amerika und China f\u00fchren. Die Hoffnung auf einen kapitalistischen Frieden wird aufgegeben. Das gilt auch f\u00fcr den demokratischen Frieden. Zwar hat sich die amerikanische Hoffnung auf eine durch Wohlstand verursachte Demokratisierung der Volksrepublik nicht erf\u00fcllt \u2013 aber wenn die Vereinigten Staaten Chinas Wirtschaft in die Krise zwingen wollen, wird daraus wohl auch k\u00fcnftig nichts. Dann herrscht zwischen beiden nur noch Frieden durch Furcht vor einem Atomkrieg.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland gilt mehr als f\u00fcr die anderen L\u00e4nder Europas, da\u00df sowohl Amerika als auch das Reich der Mitte wichtige Handelspartner sind. Es steht zu bef\u00fcrchten, da\u00df die USA Druck auf die EU aus\u00fcben werden, um Handel nicht mehr unter dem Blickwinkel gegenseitiger Vorteilhaftigkeit, sondern unter politischen Gesichtspunkten zu gestalten \u2013 also zu beschr\u00e4nken. Das w\u00e4re zus\u00e4tzlich zum amerikanischen Protektionismus ein zweiter Schlag f\u00fcr die deutsche Wirtschaft. Die Deutschen werden bald in einer Welt mit weniger Freihandel und einer schleichend verfallenden Nato leben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Darauf haben die Regierungen Merkel und Scholz das Land \u201evorbereitet\u201c \u2013 mit einer kaum abwehrbereiten Bundeswehr, den h\u00f6chsten Energiepreisen aller Industriel\u00e4nder, einem \u00dcberma\u00df an b\u00fcrokratischer G\u00e4ngelung. Wenn Frankreich seine Haushaltsdefizite und Staatsschulden nicht bald in den Griff bekommt, dann gehen die deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen einer Krise entgegen. Denn Frankreich ist innerhalb der EU ein Schwergewicht und Deutschlands Wirtschaft wird schw\u00e4cher. Durch die im Fr\u00fchjahr 2025 ernsthaft beginnende Wiederaufr\u00fcstung wird auch die deutsche Staatsverschuldung kr\u00e4ftig steigen.<\/p>\n<p>In Anbetracht des zunehmenden Protektionismus und des r\u00fcckl\u00e4ufigen Freihandels in der Welt werden die EU und der Binnenmarkt f\u00fcr die deutsche Exportindustrie immer wichtiger. Mit dem Euro und den Ans\u00e4tzen f\u00fcr eine europ\u00e4ische Transferunion sind gleichzeitig die Anreize f\u00fcr eine solide Haushaltspolitik innerhalb der EU und der Eurozone schw\u00e4cher geworden. F\u00fcr Deutschland ergibt sich deshalb die Wahl, den Binnenmarkt durch Akzeptanz von Transferverlusten zu retten oder zu versuchen, dem durch Abwendung vom Euro zu entgehen. Bei dieser Wahl ist unklar, was die schlimmere Entscheidung w\u00e4re. Mit dem Euro und der Rettung der griechischen Euro-Mitgliedschaft ist Deutschland in eine Falle geraten.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse von Merkels und Scholz\u2019 Politik k\u00f6nnten Deutschland gegen\u00fcber Ru\u00dfland zu einer Entspannungspolitik zwingen. Es fragt sich, ob man das in Berlin und Washington schon gemerkt hat. Es kann nicht im amerikanischen Interesse sein, da\u00df Europa in eine russische Einflu\u00dfzone hineingleitet und Putins sch\u00f6nste Tr\u00e4ume sich erf\u00fcllen \u2013 ein Europa von Lissabon bis Wladiwostok mit Moskau als Zentrum \u2013, aber Politiker versagen oft bei der Durchsetzung von Interessen, sogar von ihren eigenen. Um Putins Traum zu verhindern, reicht es aus, da\u00df die USA auch k\u00fcnftig die Nato-Ostgrenze verteidigen wollen.<\/p>\n<p>Europa wird sich daran gew\u00f6hnen m\u00fcssen, da\u00df die eigenen und die amerikanischen Interessen voneinander abweichen. F\u00fcr die USA ist die Eind\u00e4mmung Chinas das Hauptanliegen. Die ehemaligen Gro\u00dfm\u00e4chte Europas m\u00f6gen die Eind\u00e4mmung Ru\u00dflands f\u00fcr wichtig halten. Aus amerikanischer Sicht kann diese Eind\u00e4mmungspolitik hingegen durchaus \u00fcberfl\u00fcssig erscheinen. Falls Trump versucht, einen Deal mit Putin zu machen, um die chinesisch-russische Zusammenarbeit zu untergraben, und dabei auf die Interessen der Ukraine wenig R\u00fccksicht nimmt, werden weder Deutschland noch die EU die Kraft haben, das zu verhindern. In Anbetracht unserer Schw\u00e4che sind gemeinsame Versuche von Briten, Deutschen, Franzosen und Polen, der Ukraine notfalls auch ohne die USA den R\u00fccken zu st\u00e4rken, gef\u00e4hrlich. Ob es uns gef\u00e4llt oder nicht, \u00fcber das Schicksal der Ukraine wird nun mal in Washington und Moskau entschieden.<br \/>\n&#8230; Alles vom 23.5.2025 von Erich Weede bitte lesen in der JF 22\/25, Seite 18<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-russland\/\">Prof. Dr. Erich Weede<\/a>, Jahrgang 1942, lehrte Soziologie an den Universit\u00e4ten K\u00f6ln und Bonn. Er geh\u00f6rte zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. In der JF \u00e4u\u00dfert er sich regelm\u00e4\u00dfig zu Fragen der Wirtschaft und Geopolitik.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Krieg\u00a0&gt;Bundeswehr\u00a0&gt;Verteidigung\u00a0&gt;Militarismus &gt;Nachr\u00fcstung &gt;Abschreckung Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen Widerspr\u00fcchliche Aufr\u00fcstungsbegeisterung &#8211; Kriegsgeilheit (18.8.2025) Abschreckung als Farce: D als einziges Land der NATO (14.6.2025) Deutschland und Europa in einer Welt ohne Nato: Wie abschrecken? 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