{"id":123055,"date":"2024-04-25T20:15:06","date_gmt":"2024-04-25T18:15:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=123055"},"modified":"2025-07-03T11:49:56","modified_gmt":"2025-07-03T09:49:56","slug":"vorkriegszeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/vorkriegszeit\/","title":{"rendered":"Vorkriegszeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/\">Krieg<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/diplomatie\/\">Diplomatie<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukrainekrieg\/\">Ukrainekrieg<\/a> &gt;Vorkriegszeit<\/p>\n<div id=\"attachment_112764\" style=\"width: 651px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/schilderdemo-freiburg230603pan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-112764\" class=\"size-full wp-image-112764\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/schilderdemo-freiburg230603pan.jpg\" alt=\"\" width=\"641\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/schilderdemo-freiburg230603pan.jpg 641w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/schilderdemo-freiburg230603pan-180x136.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-112764\" class=\"wp-caption-text\">Friedensdemo in Freiburg an Oberlinden 3.6.2023<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/vorgeschichte\/\">Benjamin Abelow: Wie der Westen den Krieg nach Ukraine brachte<\/a>\u00a0(29.6.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-ukraine\/\">Helmut Roewer: Nicht mein Krieg. Deutschland und der Ukrainekonflikt<\/a>\u00a0(21.11.2024)<\/li>\n<li>John J. Mearsheimer: Wer hat den Ukraine-Krieg verursacht? (30..2024)<\/li>\n<li>Ukrainekrieg: NATO vereitelt Verhandlungsl\u00f6sung im M\u00e4rz\/April 2022 (24.5.2024)<\/li>\n<li>Europa 2024: So f\u00fchlt sich eine Vorkriegs\u00e4ra an (24.4.2024)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/brics\/\">BRICS<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-interessen\/\">Deutsche-Interessen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland-usa\/\">Deutschland-USA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/donbass\/\">Donbass<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/kosovo\/\">Kosovo<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/putin\/\">Putin<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/ramstein\/\">Ramstein<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/\">Russland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukraine-frieden\/\">Ukraine-Frieden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukraine-nachkrieg\/\">Ukraine-Nachkrieg<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/ukraine-russland\/\">Ukraine-Russland<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/us-geopolitik\/\">US-Geopolitik<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/vorgeschichte\/\">Vorgeschichte<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/ukraine\/waffenstillstand\/\">Waffenstillstand<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/politik\/zeitenwende\/\">Zeitenwende<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>John J. Mearsheimer: Wer hat den Ukraine-Krieg verursacht?<\/strong><br \/>\n<em>Diese Frage ist seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 zutiefst umstritten. Die g\u00e4ngige Meinung im Westen ist, dass Putin verantwortlich ist. Hier die sieben Hauptgr\u00fcnde, warum der US-amerikanische Politikwissenschaftler John Mearsheimer das ganz anders sieht und es f\u00fcr ihn drei Gr\u00fcnde gibt, warum die NATO-Erweiterung die Hauptursache ist.<\/em><br \/>\n&#8230;<br \/>\n<strong>Die sieben Hauptgr\u00fcnde, warum die g\u00e4ngige Meinung im Westen \u00fcber den Ukraine-Krieg abzulehnen ist<\/strong><br \/>\n<strong>Erstens:<\/strong> Es gibt einfach keine Beweise aus der Zeit vor dem 24. Februar 2022 daf\u00fcr, dass Putin die Ukraine erobern und sie in Russland eingliedern wollte. Bef\u00fcrworter der g\u00e4ngigen Meinung k\u00f6nnen auf nichts verweisen, was Putin geschrieben oder gesagt hat, das darauf hindeutet, dass er entschlossen war, die Ukraine zu erobern.<br \/>\nWenn sie zu diesem Punkt befragt werden, liefern die Verfechter der g\u00e4ngigen Meinung Beweise, die wenig oder gar nichts mit Putins Motiven f\u00fcr den Einmarsch in die Ukraine zu tun haben. Einige betonen zum Beispiel, dass er sagte, die Ukraine sei ein \u201ek\u00fcnstlicher Staat\u201d oder kein \u201eechter Staat\u201d. Solche undurchsichtigen Kommentare sagen jedoch nichts aus \u00fcber seinen Grund, in den Krieg zu ziehen. Das Gleiche gilt f\u00fcr Putins Aussage, er betrachte Russen und Ukrainer als \u201eein Volk\u201d mit einer gemeinsamen Geschichte.<br \/>\nAndere weisen darauf hin, dass er den Zusammenbruch der Sowjetunion als \u201edie gr\u00f6\u00dfte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts\u201d bezeichnet habe. Putin sagte aber auch: \u201eWer die Sowjetunion nicht vermisst, hat kein Herz. Wer sie zur\u00fcckhaben will, hat kein Gehirn.\u201d Wieder andere verweisen auf eine Rede, in der er erkl\u00e4rte, dass \u201edie moderne Ukraine vollst\u00e4ndig von Russland oder, um genauer zu sein, vom bolschewistischen, kommunistischen Russland geschaffen wurde\u201d.<br \/>\nAber das ist kaum ein Beweis daf\u00fcr, dass er an der Eroberung der Ukraine interessiert war. Dar\u00fcber hinaus sagte er in derselben Rede: \u201eNat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir die Ereignisse der Vergangenheit nicht \u00e4ndern, aber wir m\u00fcssen sie zumindest offen und ehrlich zugeben.\u201d<br \/>\nUm zu beweisen, dass Putin entschlossen war, die gesamte Ukraine zu erobern und sie in Russland einzugliedern, muss man jedoch den Beweis erbringen, dass er<br \/>\n1. dies f\u00fcr ein erstrebenswertes Ziel hielt,<br \/>\n2. es f\u00fcr ein machbares Ziel hielt und<br \/>\n3. beabsichtigte, dieses Ziel zu verfolgen.<br \/>\nIn der \u00d6ffentlichkeit gibt es keine Beweise daf\u00fcr, dass Putin erwogen hat, der Ukraine als unabh\u00e4ngigem Staat ein Ende zu setzen und sie zu einem Teil Gro\u00dfrusslands zu machen, als er am 24. Februar 2022 seine Truppen in die Ukraine geschickt hat.<br \/>\nTats\u00e4chlich gibt es aber signifikante Beweise daf\u00fcr, dass Putin die Ukraine als unabh\u00e4ngiges Land anerkannt hat. In seinem bekannten Artikel vom 12. Juli 2021, der sich mit den russisch-ukrainischen Beziehungen befasst und den Bef\u00fcrworter der g\u00e4ngigen Meinung oft als Beweis f\u00fcr seine imperialen Ambitionen anf\u00fchren, sagt er dem ukrainischen Volk: \u201eIhr wollt einen eigenen Staat errichten: Ihr seid willkommen!\u201d Auf die Frage, wie Russland mit der Ukraine umgehen sollte, schreibt er: \u201eEs gibt nur eine Antwort: mit Respekt.\u201d Er schlie\u00dft diesen langen Artikel mit den folgenden Worten: \u201eUnd was die Ukraine sein wird \u2013 das m\u00fcssen ihre B\u00fcrger entscheiden.\u201d Diese Aussagen stehen in direktem Widerspruch zu der Behauptung, Putin habe die Ukraine in ein Gro\u00dfrussland eingliedern wollen.<br \/>\nIn demselben Artikel vom 12. Juli 2021 und erneut in einer wichtigen Rede, die er am 21. Februar 2022 hielt, betonte Putin, dass Russland \u201edie neue geopolitische Realit\u00e4t, die nach der Aufl\u00f6sung der UdSSR Gestalt angenommen hat\u201d, akzeptiere. Denselben Punkt wiederholte er am 24. Februar 2022 ein drittes Mal, als er ank\u00fcndigte, dass Russland in die Ukraine einmarschieren werde. Insbesondere erkl\u00e4rte er, dass \u201ees nicht unser Plan ist, ukrainisches Territorium zu besetzen\u201d, und machte deutlich, dass er die ukrainische Souver\u00e4nit\u00e4t respektiere, wenn auch nur bis zu einem gewissen Punkt: \u201eRussland kann sich nicht sicher f\u00fchlen, sich entwickeln und existieren, wenn es einer st\u00e4ndigen Bedrohung auf dem Territorium der heutigen Ukraine ausgesetzt ist.\u201d<br \/>\nWesentlich ist, dass Putin nicht daran interessiert war, die Ukraine zu einem Teil Russlands zu machen. Er war jedoch daran interessiert, dass sie nicht zu einem \u201eSprungbrett\u201d f\u00fcr eine westliche Aggression gegen Russland wird.<\/p>\n<p><strong>Zweitens:<\/strong> Es gibt keine Beweise daf\u00fcr, dass Putin eine Marionettenregierung f\u00fcr die Ukraine vorbereitet hatte, prorussische F\u00fchrer in Kiew gef\u00f6rdert oder politische Ma\u00dfnahmen verfolgt hat, die es erm\u00f6glicht h\u00e4tten, das gesamte Land zu besetzen und es schlie\u00dflich in Russland einzugliedern. Diese Tatsachen stehen im Widerspruch zu der Behauptung, Putin sei daran interessiert gewesen, die Ukraine von der Landkarte zu tilgen.<\/p>\n<p><strong>Drittens:<\/strong> Putin hatte nicht ann\u00e4hernd genug Truppen, um die Ukraine zu erobern. Beginnen wir mit den Gesamtzahlen. Ich habe lange eingesch\u00e4tzt, dass die Russen mit h\u00f6chstens 190.000 Soldaten in die Ukraine einmarschiert sind. General Oleksandr Syrskyj, der derzeitige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkr\u00e4fte, sagte jedoch k\u00fcrzlich in einem Interview mit dem Guardian, dass Russlands Invasionstruppen nur 100.000 Mann stark gewesen seien.<br \/>\nTats\u00e4chlich nannte der Guardian die gleiche Zahl vor Kriegsbeginn. Es ist aber unm\u00f6glich, dass eine Streitmacht in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 100.000 oder 190.000 Mann die gesamte Ukraine erobern, besetzen und in ein Gro\u00dfrussland eingliedern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Als Deutschland im September 1939 in die westliche H\u00e4lfte Polens einmarschierte, z\u00e4hlte die Wehrmacht etwa 1,5 Millionen Mann. Die Ukraine ist aber geografisch mehr als dreimal so gro\u00df wie die westliche H\u00e4lfte Polens im Jahr 1939, und die Ukraine hatte im Jahr 2022 fast doppelt so viele Einwohner wie Polen beim Einmarsch der Deutschen. Wenn wir General Syrskyjs Sch\u00e4tzung akzeptieren, dass im Jahr 2022 100.000 russische Soldaten in die Ukraine einmarschiert sind, bedeutet das, dass Russland \u00fcber eine Invasionstruppe verf\u00fcgte, die ein F\u00fcnfzehntel so gro\u00df war wie die deutschen Truppen, die in Polen einmarschiert sind. Und diese kleine russische Armee marschierte in ein Land ein, das sowohl in Bezug auf die territoriale Gr\u00f6\u00dfe als auch auf die Einwohnerzahl viel gr\u00f6\u00dfer war als Polen.<\/p>\n<p>Abgesehen von den Zahlen ist da noch die Frage nach der Qualit\u00e4t der russischen Armee. Zun\u00e4chst einmal handelte es sich um eine Streitmacht, die haupts\u00e4chlich dazu gedacht war, Russland vor einer Invasion zu sch\u00fctzen. Es war keine Armee, die darauf vorbereitet war, eine gro\u00dfe Offensive zu starten, die am Ende die gesamte Ukraine erobern, geschweige denn den Rest Europas bedrohen k\u00f6nnte. Dar\u00fcber hinaus lie\u00df die Qualit\u00e4t der Kampftruppen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, da die Russen nicht mit einem Krieg gerechnet hatten, als sich die Krise im Fr\u00fchjahr 2021 zuspitzte. Daher hatten sie wenig M\u00f6glichkeiten, eine schlagkr\u00e4ftige Invasionstruppe aufzustellen. Sowohl qualitativ als auch quantitativ waren die russischen Invasionstruppen nicht ann\u00e4hernd gleichwertig mit der deutschen Wehrmacht in den sp\u00e4ten 1930er- und fr\u00fchen 1940er-Jahren.<br \/>\nMan k\u00f6nnte argumentieren, dass die russische F\u00fchrung dachte, dass das ukrainische Milit\u00e4r so klein und so unterlegen sei, dass seine Armee die ukrainischen Streitkr\u00e4fte leicht besiegen und das ganze Land erobern k\u00f6nnte. Putin und seine Gener\u00e4le wussten aber sehr genau, dass die Vereinigten Staaten und ihre europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten das ukrainische Milit\u00e4r seit dem Ausbruch der Krise am 22. Februar 2014 bewaffnet und ausgebildet hatten. Moskaus gro\u00dfe Angst war, dass die Ukraine de facto Mitglied der NATO werden k\u00f6nnte. Dar\u00fcber hinaus beobachtete die russische F\u00fchrung, wie die ukrainische Armee, die gr\u00f6\u00dfer war als ihre Invasionstruppen, zwischen 2014 und 2022 effektiv im Donbass k\u00e4mpfte.<br \/>\nSie haben sicherlich gewusst, dass das ukrainische Milit\u00e4r kein Papiertiger ist, der schnell und entscheidend besiegt werden kann, zumal es m\u00e4chtig vom Westen unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Im Laufe des Jahres 2022 waren die Russen schlie\u00dflich gezwungen, ihre Armee aus dem Gebiet Charkiw und aus dem westlichen Teil des Gebiets Cherson abzuziehen. In der Tat gab Moskau Gebiete auf, die seine Armee in den ersten Tagen des Krieges erobert hatte. Es steht au\u00dfer Frage, dass der Druck der ukrainischen Armee eine Rolle bei der Erzwingung des russischen R\u00fcckzugs gespielt hat. Aber noch wichtiger war, dass Putin und seine Gener\u00e4le erkannten, dass sie nicht \u00fcber gen\u00fcgend Kr\u00e4fte verf\u00fcgten, um das gesamte Territorium zu halten, das ihre Armee in Charkiw und Cherson erobert hatte. Also zogen sie sich zur\u00fcck und schufen \u00fcberschaubarere Verteidigungspositionen.<br \/>\nDas ist kaum das Verhalten, das man von einer Armee erwarten w\u00fcrde, die aufgebaut und ausgebildet wurde, um die gesamte Ukraine zu erobern und zu besetzen. Nat\u00fcrlich war sie nicht f\u00fcr diesen Zweck konzipiert worden und konnte daher diese Herkulesaufgabe nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p><strong>Viertens:<\/strong> Putin versuchte in den Monaten vor Kriegsbeginn, eine diplomatische L\u00f6sung f\u00fcr die sich zusammenbrauende Krise zu finden. Am 17. Dezember 2023 schickte Putin einen Brief an Pr\u00e4sident Joe Biden und NATO-Chef Stoltenberg, in dem er eine L\u00f6sung der Krise auf der Grundlage einer schriftlichen Garantie vorschlug, dass<br \/>\n1. die Ukraine nicht der NATO beitreten w\u00fcrde,<br \/>\n2. keine Offensivwaffen in der N\u00e4he der russischen Grenzen stationiert w\u00fcrden und<br \/>\n3. NATO-Truppen und -Ausr\u00fcstung, die seit 1997 nach Osteuropa verlegt worden war, nach Westeuropa zur\u00fcckverlegt w\u00fcrden.<br \/>\nWas auch immer man von der Machbarkeit eines Abkommens auf der Grundlage von Putins anf\u00e4nglichen Forderungen halten mag, \u00fcber die die Vereinigten Staaten nicht verhandeln wollten: Es zeigt, dass er versuchte, einen Krieg zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnftens<\/strong>: Unmittelbar nach Kriegsbeginn wandte sich Russland an die Ukraine, um Verhandlungen zur Beendigung des Krieges aufzunehmen und einen Modus Vivendi zwischen den beiden L\u00e4ndern auszuarbeiten. Nur vier Tage nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine begannen die Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau in Belarus. Die Verhandlungen in Wei\u00dfrussland wurden schlie\u00dflich durch israelische und Istanbuler Bem\u00fchungen ersetzt.<br \/>\nAlle verf\u00fcgbaren Beweise deuten darauf hin, dass Russland ernsthaft verhandelte und nicht daran interessiert war, ukrainisches Territorium zu erobern \u2013 mit Ausnahme der Krim, die 2014 annektiert worden war, und m\u00f6glicherweise des Donbass. Die Verhandlungen wurden beendet, als die Ukrainer auf Dr\u00e4ngen Gro\u00dfbritanniens und der Vereinigten Staaten die Verhandlungen scheitern lie\u00dfen, die zum Zeitpunkt ihres Abschlusses gute Fortschritte gemacht hatten.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus berichtet Putin, dass er, als die Verhandlungen stattfanden und Fortschritte machten, gebeten worden war, die russischen Truppen als Geste des guten Willens aus dem Gebiet um Kiew abzuziehen, was er am 29. M\u00e4rz 2022 auch tat. Keine Regierung im Westen oder ein ehemaliger Politiker haben diese Behauptung Putins in Frage gestellt, die in direktem Widerspruch zu der Behauptung steht, er sei entschlossen gewesen, die gesamte Ukraine zu erobern.<\/p>\n<p><strong>Sechstens:<\/strong> Abgesehen von der Ukraine gibt es nicht den geringsten Beweis daf\u00fcr, dass Putin die Eroberung anderer L\u00e4nder in Osteuropa in Erw\u00e4gung gezogen hat. Dar\u00fcber hinaus ist die russische Armee nicht einmal gro\u00df genug gewesen, um die gesamte Ukraine einzunehmen, geschweige denn zu versuchen, die baltischen Staaten, Polen und Rum\u00e4nien zu erobern. Au\u00dferdem sind alle diese L\u00e4nder NATO-Mitglieder, was mit ziemlicher Sicherheit einen Krieg mit den Vereinigten Staaten und ihren Verb\u00fcndeten bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Siebtens:<\/strong> Kaum jemand im Westen hat bis zum Beginn der Ukraine-Krise am 22. Februar 2014 behauptet, Putin habe imperiale Ambitionen gehabt, als er im Jahr 2000 die Macht \u00fcbernahm. Zu diesem Zeitpunkt wurde er dann pl\u00f6tzlich zu einem imperialen Aggressor. Warum? Weil die westlichen Staats- und Regierungschefs einen Grund brauchten, um ihm die Schuld f\u00fcr die Krise in die Schuhe zu schieben.<br \/>\nDer wahrscheinlich beste Beweis daf\u00fcr, dass Putin in seinen ersten 14 Jahren im Amt nicht als ernsthafte Bedrohung angesehen wurde, ist die Tatsache, dass er im April 2008 als geladener Gast beim NATO-Gipfel in Bukarest teilgenommen hat. Bei diesem Gipfel k\u00fcndigte das B\u00fcndnis an, dass die Ukraine und Georgien schlie\u00dflich Mitglieder der NATO werden w\u00fcrden. Putin war nat\u00fcrlich erbost \u00fcber diese Entscheidung und machte seinem \u00c4rger Luft. Aber sein Widerstand gegen diese Ank\u00fcndigung hatte keine Bedeutung f\u00fcr Washington, weil Russlands Milit\u00e4r damals als viel zu schwach eingesch\u00e4tzt wurde, um die weitere NATO-Erweiterung zu stoppen, so wie es zu schwach gewesen war, um die Expansionswellen von 1999 und 2004 aufzuhalten. Der Westen hat gedacht, er k\u00f6nne Russland erneut dazu zwingen, auch diese NATO-Erweiterung zu schlucken.<\/p>\n<p>In diesem Sinne zielte die NATO-Erweiterung vor dem 22. Februar 2014 nicht darauf ab, Russland einzud\u00e4mmen. Angesichts des damaligen traurigen Zustands der russischen Milit\u00e4rmacht war Moskau nicht in der Lage, die Ukraine zu erobern, geschweige denn eine revanchistische Politik in Osteuropa zu verfolgen. Bezeichnenderweise stellt der ehemalige US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul, der ein entschiedener Verteidiger der Ukraine und ein scharfer Kritiker Putins war, fest, dass die Besetzung der Krim durch Russland im Jahr 2014 nicht vor Ausbruch der Krise von Putin vorab geplant gewesen war. Es war ein impulsiver Schritt als Reaktion auf den Putsch, der den prorussischen F\u00fchrer der Ukraine, Viktor Janukowitsch, gest\u00fcrzt hatte.<\/p>\n<p>Kurz gesagt, die NATO-Erweiterung war nicht dazu gedacht, eine russische Bedrohung einzud\u00e4mmen, weil der Westen nicht glaubte, dass diese damals existierte. Erst als im Februar 2014 die Ukraine-Krise ausbrach, begannen die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten pl\u00f6tzlich, Putin als gef\u00e4hrlichen F\u00fchrer mit imperialen Ambitionen und Russland als ernsthafte milit\u00e4rische Bedrohung zu beschreiben, die die NATO eind\u00e4mmen m\u00fcsse. Diese abrupte Wende in der Rhetorik sollte nur einem wesentlichen Zweck dienen: den Westen in die Lage zu versetzen, Putin die Schuld an der Krise zu geben und den Westen von der Verantwortung freizusprechen. Es \u00fcberrascht nicht, dass diese Darstellung Putins nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 immer mehr in den Vordergrund getreten ist.<br \/>\nEs gibt eine weitere Argumentationslinie in der g\u00e4ngigen Meinung im Westen, die es wert ist, erw\u00e4hnt zu werden. Einige sagen, dass Moskaus Entscheidung, in die Ukraine einzumarschieren, wenig mit Putin selbst zu tun habe, sondern Teil einer expansionistischen Tradition ist, die lange vor Putin bestanden habe und tief in der russischen Gesellschaft verankert sei. Dieser Hang zur Aggression, von dem man sagt, dass er von internen Kr\u00e4ften und nicht von Russlands \u00e4u\u00dferer Bedrohungslage hervorgerufen wird, habe im Laufe der Zeit praktisch alle russischen F\u00fchrer dazu veranlasst, sich gegen\u00fcber ihren Nachbarn gewaltt\u00e4tig zu verhalten.<br \/>\nEs l\u00e4sst sich nicht leugnen, dass Putin in dieser Geschichte das Sagen hat oder dass er Russland in den Krieg gef\u00fchrt hat, aber es wird ihm nachgesagt, dass er wenig Handlungsspielraum habe. Fast jeder andere russische F\u00fchrer h\u00e4tte genauso gehandelt.<\/p>\n<p>Es gibt zwei Probleme mit diesem Argument. Zun\u00e4chst einmal ist es nicht falsifizierbar, da die in der russischen Gesellschaft seit Langem bestehende angebliche Eigenschaft, die diesen aggressiven Impuls hervorruft, nie identifiziert worden ist. Den Russen wird nachgesagt, sie seien schon immer aggressiv gewesen \u2013 egal, wer das Sagen hat \u2013 und werden es immer bleiben. Es ist fast so, als ob es in ihrer DNA eingeschrieben sei. Dieselbe Behauptung wurde einst \u00fcber die Deutschen aufgestellt, die im 20. Jahrhundert oft als angeborene Aggressoren dargestellt wurden. Argumente dieser Art werden aber in der akademischen Welt aus gutem Grund nicht ernst genommen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus hat kaum jemand in den Vereinigten Staaten oder Westeuropa Russland zwischen 1991 und 2014, als die Ukraine-Krise ausbrach, als von Natur aus aggressiv bezeichnet. Au\u00dferhalb Polens und der baltischen Staaten war die Angst vor einer russischen Aggression in diesen 24 Jahren auch nicht existent. Diese Sorge w\u00e4re allerdings zu erwarten gewesen, wenn die Russen auf Aggression ausgelegt w\u00e4ren. Es scheint deshalb klar zu sein, dass das pl\u00f6tzliche Auftauchen dieser Argumentation eine bequeme Ausrede war, um Russland f\u00fcr den Ukraine-Krieg verantwortlich zu machen.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>\u201eDie NATO-Erweiterung ist Hauptursache f\u00fcr den Ukraine-Krieg\u201c<\/strong><br \/>\nLassen Sie mich jetzt noch einen Gang h\u00f6her schalten und die drei Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Annahme darlegen, dass die NATO-Erweiterung die Hauptursache f\u00fcr den Ukraine-Krieg ist.<\/p>\n<p><strong>Erstens:<\/strong> Die russische F\u00fchrung hat vor Beginn des Krieges wiederholt erkl\u00e4rt, dass sie die NATO-Erweiterung in die Ukraine als existenzielle Bedrohung betrachtet, die beseitigt werden m\u00fcsse. Putin gab vor dem 24. Februar 2022 zahlreiche \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen ab, in denen er diese Argumentation darlegte. In einer Rede vor dem Vorstand des Verteidigungsministeriums am 21. Dezember 2021 erkl\u00e4rte er:<br \/>\n\u201eWas sie in der Ukraine tun oder versuchen oder planen, geschieht nicht Tausende von Kilometern von unserer Landesgrenze entfernt. Es liegt vor der T\u00fcr unseres Hauses. Sie m\u00fcssen verstehen, dass wir einfach nirgendwo anders hingehen k\u00f6nnen. Glauben sie wirklich, dass wir diese Bedrohungen nicht sehen? Oder glauben sie, dass wir einfach tatenlos zusehen werden, wie diese Bedrohung f\u00fcr Russland entsteht?\u201d<br \/>\nZwei Monate sp\u00e4ter sagte Putin auf einer Pressekonferenz am 22. Februar 2022, nur wenige Tage vor Kriegsbeginn:<br \/>\n\u201eWir sind kategorisch gegen einen NATO-Beitritt der Ukraine, weil dies eine Bedrohung f\u00fcr uns darstellt, und wir haben Argumente, die dies verst\u00e4ndlich machen. Ich habe in diesem Saal wiederholt dar\u00fcber gesprochen.\u201d<br \/>\nDann machte er deutlich, dass er zur Kenntnis nehme, dass die Ukraine de facto Mitglied der NATO wird. Die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten, sagte er, \u201epumpen die derzeitigen Beh\u00f6rden in Kiew weiterhin mit modernen Waffentypen voll\u201d. Er fuhr fort, dass, wenn dies nicht gestoppt w\u00fcrde, Moskau \u201eein bis an die Z\u00e4hne bewaffnetes Anti-Russland gegen\u00fcberstehen w\u00fcrde. Das ist v\u00f6llig inakzeptabel.\u201d<br \/>\nAuch andere russische Staats- und Regierungschefs \u2013 darunter der Verteidigungsminister, der Au\u00dfenminister, der stellvertretende Au\u00dfenminister und der russische Botschafter in Washington \u2013 betonten die zentrale Bedeutung der NATO-Erweiterung f\u00fcr die Ursache der Ukraine-Krise. Au\u00dfenminister Sergej Lawrow brachte dies auf einer Pressekonferenz am 14. Januar 2022 auf den Punkt: \u201eDer Schl\u00fcssel zu allem ist die Garantie, dass sich die NATO nicht nach Osten ausdehnt.\u201c<br \/>\nOft h\u00f6rt man das Argument, dass die russischen Bef\u00fcrchtungen unbegr\u00fcndet seien, weil es keine Chance gebe, dass die Ukraine in absehbarer Zeit, falls \u00fcberhaupt jemals, dem B\u00fcndnis beitreten werde. Tats\u00e4chlich, hei\u00dft es, h\u00e4tten die Vereinigten Staaten und ihre europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten der Aufnahme der Ukraine in die NATO vor dem Krieg nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Aber selbst wenn die Ukraine dem B\u00fcndnis beitreten w\u00fcrde, w\u00e4re das f\u00fcr Russland keine existenzielle Bedrohung, denn die NATO sei ein Verteidigungsb\u00fcndnis. Die NATO-Erweiterung k\u00f6nne also weder die urspr\u00fcngliche Krise, die im Februar 2014 ausbrach, noch den Krieg, der im Februar 2022 begann, verursacht haben.<br \/>\nDiese Argumentation ist jedoch falsch. Tats\u00e4chlich hat die westliche Antwort auf die Ereignisse von 2014 darin bestanden, die Anstrengungen zur Umsetzung der bestehenden Strategie zu verdoppeln und die Ukraine noch n\u00e4her an die NATO heranzuf\u00fchren. Das B\u00fcndnis begann 2014 mit der Ausbildung des ukrainischen Milit\u00e4rs und hat in den folgenden acht Jahren j\u00e4hrlich durchschnittlich 10.000 Soldaten ausgebildet.<\/p>\n<p>Im Dezember 2017 beschloss die Trump-Regierung, Kiew mit \u201eVerteidigungswaffen\u201d zu beliefern. Andere NATO-L\u00e4nder schalteten sich bald ein und lieferten noch mehr Waffen in die Ukraine. Dar\u00fcber hinaus begannen die ukrainische Armee, Marine und Luftwaffe mit der Teilnahme an gemeinsamen Milit\u00e4r\u00fcbungen mit den NATO-Streitkr\u00e4ften. Die Bem\u00fchungen des Westens, das ukrainische Milit\u00e4r zu bewaffnen und auszubilden, erkl\u00e4ren zu einem guten Teil, warum es im ersten Kriegsjahr so erfolgreich gegen die russische Armee abgeschnitten hat. In einer Schlagzeile des Wall Street Journal vom April 2022 hie\u00df es: \u201eDas Geheimnis des milit\u00e4rischen Erfolgs der Ukraine: Jahre der NATO-Ausbildung.\u201c<br \/>\nAbgesehen von den anhaltenden Bem\u00fchungen des B\u00fcndnisses, das ukrainische Milit\u00e4r zu einer eindrucksvollen Kampftruppe aufzubauen, die an der Seite der NATO-Truppen operieren k\u00f6nnte, gab es im Westen im Jahr 2021 erneut begeisterte Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Aufnahme der Ukraine in die NATO. Gleichzeitig \u00e4nderte Pr\u00e4sident Selenskyj, der bis dahin in der \u00d6ffentlichkeit nie viel Enthusiasmus f\u00fcr die Aufnahme der Ukraine in das NATO-B\u00fcndnis gezeigt hatte und im M\u00e4rz 2019 mit einem Programm gew\u00e4hlt worden war, das eine Zusammenarbeit mit Russland zur Beilegung der anhaltenden Krise forderte, Anfang 2021 seinen Kurs und bef\u00fcrwortete nicht nur die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, sondern nahm auch eine harte Linie gegen\u00fcber Moskau ein.<br \/>\nPr\u00e4sident Biden, der im Januar 2021 ins Wei\u00dfe Haus einzog, hatte sich seit Langem daf\u00fcr eingesetzt, die Ukraine in die NATO zu bringen, und war ein Superfalke gegen\u00fcber Russland. Es \u00fcberrascht nicht, dass die NATO am 14. Juni 2021 auf ihrem j\u00e4hrlichen Gipfel in Br\u00fcssel ein Kommuniqu\u00e9 ver\u00f6ffentlichte, in dem es hie\u00df: \u201eWir bekr\u00e4ftigen die auf dem Bukarester Gipfel 2008 getroffene Entscheidung, dass die Ukraine Mitglied des B\u00fcndnisses wird.\u201d<br \/>\nAm 1. September 2021 besuchte Selenskyj das Wei\u00dfe Haus, wo Biden klarstellte, dass die Vereinigten Staaten \u201efest entschlossen\u201d seien, \u201edie euro-atlantischen Bestrebungen der Ukraine\u201d zu unterst\u00fctzen. Am 10. November 2021 unterzeichneten Au\u00dfenminister Antony Blinken und sein ukrainischer Amtskollege Dmytro Kuleba ein wichtiges Dokument \u2013 die \u201eUS-Ukraine Charter on Strategic Partnership\u201d. Das Ziel beider Parteien, so hei\u00dft es in dem Dokument, sei es, \u201eein Bekenntnis zur Umsetzung der vertieften und umfassenden Reformen zu unterstreichen, die f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Integration in die europ\u00e4ischen und euro-atlantischen Institutionen erforderlich sind.\u201d Er bekr\u00e4ftigt auch ausdr\u00fccklich das Bekenntnis der USA zur \u201eBukarester Gipfelerkl\u00e4rung von 2008\u2033.<br \/>\nEs scheint kaum Zweifel daran zu geben, dass die Ukraine auf dem besten Weg war, bis Ende 2021 Mitglied der NATO zu werden. Dennoch argumentieren einige Bef\u00fcrworter dieser Politik, dass Moskau sich \u00fcber dieses Ergebnis keine Sorgen h\u00e4tte machen m\u00fcssen, denn \u201edie NATO ist ein Verteidigungsb\u00fcndnis und stellt keine Bedrohung f\u00fcr Russland dar\u201d. Aber das entspricht nicht der Art und Weise, wie Putin und andere russische F\u00fchrer \u00fcber die NATO denken, und es kommt darauf an, was sie denken. Kurz gesagt, es steht au\u00dfer Frage, dass Moskau den NATO-Beitritt der Ukraine als existenzielle Bedrohung ansah, die nicht hingenommen werden durfte.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Zweitens:<\/strong> Eine betr\u00e4chtliche Anzahl einflussreicher und hoch angesehener Personen im Westen hat vor dem Krieg erkannt, dass die NATO-Erweiterung \u2013 insbesondere um die Ukraine \u2013 von der russischen F\u00fchrung als t\u00f6dliche Bedrohung angesehen wird und schlie\u00dflich in eine Katastrophe f\u00fchren w\u00fcrde.<br \/>\nWilliam Burns, der heute die CIA leitet, aber zum Zeitpunkt des NATO-Gipfels in Bukarest im April 2008 US-Botschafter in Moskau war, schrieb ein Memo an die damalige Au\u00dfenministerin Condoleezza Rice, in dem er kurz und b\u00fcndig beschreibt, wie Russland dar\u00fcber gedacht hat, die Ukraine in das B\u00fcndnis aufzunehmen.<br \/>\n\u201eDer Beitritt der Ukraine zur NATO\u201d, schrieb er, \u201eist die hellste aller roten Linien f\u00fcr die russische Elite (nicht nur f\u00fcr Putin). In Gespr\u00e4chen \u00fcber mehr als zweieinhalb Jahre mit wichtigen russischen Akteuren, von den sogenannten Knickerbocker-Tr\u00e4gern in den dunklen Winkeln des Kremls bis hin zu Putins sch\u00e4rfsten liberalen Kritikern, habe ich noch niemanden getroffen, der die Aufnahme der Ukraine in die NATO als etwas anderes als eine direkte Herausforderung f\u00fcr russische Interessen ansieht.\u201d<br \/>\nDie Aufnahme der Ukraine in die NATO, sagte er, \u201ew\u00fcrde angesehen werden [\u2026], als w\u00fcrde man ihnen den strategischen Fehdehandschuh hinwerfen. Das heutige Russland wird darauf reagieren. Die russisch-ukrainischen Beziehungen werden auf Eis gelegt [\u2026] Es wird einen fruchtbaren Boden f\u00fcr die russische Einmischung auf der Krim und in der Ostukraine schaffen.\u201d<br \/>\nBurns war nicht der einzige westliche Politiker im Jahr 2008, der erkannte, dass die Aufnahme der Ukraine in die NATO mit Gefahren verbunden war. Auf dem Bukarester Gipfel sprachen sich sowohl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Nicolas Sarkozy gegen eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine aus, weil sie verstanden hatten, dass dies Russland alarmieren und zornig machen w\u00fcrde. Merkel erkl\u00e4rte k\u00fcrzlich ihre Ablehnung: \u201eIch war mir sehr sicher, dass Putin das nicht einfach so zulassen wird. Das sei aus seiner Sicht eine Kriegserkl\u00e4rung.\u201d<br \/>\nUm noch einen Schritt weiter zu gehen: Zahlreiche amerikanische Politiker und Strategen in den 1990er-Jahren lehnten die Entscheidung von Pr\u00e4sident Clinton ab, die NATO zu erweitern, als diese Entscheidung diskutiert wurde. Diese Gegner wussten von Anfang an, dass die russische F\u00fchrung dies als Bedrohung f\u00fcr ihre vitalen Interessen ansehen und dass diese Politik schlie\u00dflich zu einer Katastrophe f\u00fchren w\u00fcrde. Die Liste der Gegner umfasst prominente Pers\u00f6nlichkeiten des Establishments wie George Kennan, Pr\u00e4sident Clintons Verteidigungsminister William Perry und seinen Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff, General John Shalikashvili, Paul Nitze, Robert Gates, Robert McNamara, Richard Pipes und Jack Matlock, um nur einige von ihnen zu nennen.<br \/>\nDie Logik von Putins Position sollte f\u00fcr die Amerikaner durchaus verst\u00e4ndlich sein, die sich seit Langem der Monroe-Doktrin verschrieben haben, die besagt, dass es keiner fernen Gro\u00dfmacht erlaubt ist, ein B\u00fcndnis mit einem Land der westlichen Hemisph\u00e4re einzugehen und dort ihre Streitkr\u00e4fte zu stationieren. Die Vereinigten Staaten w\u00fcrden einen solchen Schritt als existenzielle Bedrohung interpretieren und gro\u00dfe Anstrengungen unternehmen, um diese Gefahr zu beseitigen.<br \/>\nDas geschah nat\u00fcrlich w\u00e4hrend der Kubakrise im Jahr 1962, als Pr\u00e4sident Kennedy den Sowjets klarmachte, dass ihre nuklear best\u00fcckten Raketen aus Kuba abgezogen werden m\u00fcssten. Putin ist zutiefst von der gleichen Logik beeinflusst. Schlie\u00dflich wollen Gro\u00dfm\u00e4chte nicht, dass ferne Gro\u00dfm\u00e4chte in ihren Hinterhof einziehen.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Drittens:<\/strong> Die zentrale Bedeutung der tiefen Angst Russlands vor einem NATO-Beitritt der Ukraine wird durch zwei Entwicklungen verdeutlicht, die sich seit Beginn des Krieges ereignet haben.<br \/>\nW\u00e4hrend der Istanbul-Verhandlungen, die unmittelbar nach Beginn der Invasion stattfanden, machten die Russen unmissverst\u00e4ndlich klar, dass die Ukraine eine \u201edauerhafte Neutralit\u00e4t\u201d akzeptieren m\u00fcsse und nicht der NATO beitreten k\u00f6nne. Die Ukrainer akzeptierten die Forderung Russlands ohne ernsthaften Widerstand \u2013 sicherlich, weil sie wussten, dass es sonst unm\u00f6glich war, den Krieg zu beenden.<br \/>\nIn j\u00fcngerer Zeit, am 14. Juni 2024, formulierte Putin zwei Forderungen, die die Ukraine erf\u00fcllen m\u00fcsse, bevor er einem Waffenstillstand und der Aufnahme von Verhandlungen zur Beendigung des Krieges zustimme. Eine dieser Forderungen war, dass Kiew \u201eoffiziell\u201d erkl\u00e4rt, \u201edass es seine Pl\u00e4ne f\u00fcr einen NATO-Beitritt aufgibt\u201d.<br \/>\nAll dies ist nicht \u00fcberraschend, da Russland die Ukraine in der NATO immer als eine existenzielle Bedrohung angesehen hat, die um jeden Preis verhindert werden muss. Diese Logik ist die treibende Kraft hinter dem Ukraine-Krieg. Schlie\u00dflich wird aus der Verhandlungsposition Russlands in Istanbul sowie aus Putins \u00c4u\u00dferungen zur Beendigung des Krieges in seiner Rede vom 14. Juni 2024 deutlich, dass er nicht daran interessiert ist, die gesamte Ukraine zu erobern und sie zu einem Teil eines Gro\u00dfrusslands zu machen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 30.8.2024 von John Mearsheimer bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120486\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120486<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ukrainekrieg: NATO vereitelt Verhandlungsl\u00f6sung im M\u00e4rz\/April 2022<\/strong><br \/>\nDer Ukrainekrieg war von den USA gewollt, deren Urangst in einem politischen, wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Zusammenwachsen von Europa und Asien besteht. Auf lange Sicht werden die USA allein aus geografischen Gr\u00fcnden eine verst\u00e4rkte Kooperation zwischen Asien und Europa nicht verhindern k\u00f6nnen. Russland ist Europas Nachbar, die USA nicht. Der Westen \u2014 insbesondere die USA \u2014 war es, der eine Verhandlungsl\u00f6sung im Ukrainekonflikt verhinderte, und nicht Russland.<\/p>\n<p>Hier nochmals in Kurzform die diesbez\u00fcglichen Geschehnisse im M\u00e4rz\/April 2022:<br \/>\nRussland und die Ukraine waren nach Kriegsbeginn zu einer Verhandlungsl\u00f6sung bereit, die von Unterh\u00e4ndlern auf beiden Seiten ausgehandelt wurde. Ein Vertragsentwurf existierte bereits am 15. M\u00e4rz 2022. Laut Artikel 1 dieses Entwurfs verzichtete Kiew auf jegliche Mitgliedschaften in einer milit\u00e4rischen Allianz, also auch in der NATO. In 13 Unterpunkten wurde die Neutralit\u00e4t weitreichend definiert, beispielsweise dass keine fremden Milit\u00e4rbasen auf ukrainischem Boden errichtet werden d\u00fcrfen. Russland h\u00e4tte im Gegenzug seine Truppen aus der Ukraine zur\u00fcckgezogen. Die Ukraine befand sich in einer guten Verhandlungsposition, zumal die russische Invasion nicht so erfolgreich verlief, wie es die Russen gerne gehabt h\u00e4tten. Diese Chance haben die Ukrainer verpasst. Ihre Verhandlungsposition hat sich bis heute enorm verschlechtert \u2014 von den vielen unn\u00f6tigen Toten ganz zu schweigen.<br \/>\nAm 29. M\u00e4rz 2022 fand eine Telefonkonferenz einer Gruppe von Staats- und Regierungschefs wie Joe Biden, Mario Draghi, Emmanuel Macron, Olaf Scholz und Boris Johnson statt, in der man \u00fcbereinkam, die Ukraine weiterhin zu unterst\u00fctzen und von Moskau eine Waffenruhe sowie den Abzug der Truppen zu fordern, um auf diplomatischem Wege den Konflikt beenden zu k\u00f6nnen. Die NATO wollte jedoch keinen Frieden zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt und meinte, die Ukraine solle den Kampf fortsetzen, bis Russland komplett besiegt sei.<br \/>\nDer Hardliner Boris Johnson besuchte am 9. April 2022 unangek\u00fcndigt Kiew und dr\u00e4ngte Selenskyj dazu, keine Zugest\u00e4ndnisse an Putin zu machen, was ihm auch gelang. Er signalisierte, dass der Westen, selbst wenn die Ukraine zu Vereinbarungen bereit sei, nicht mit Putin verhandeln wolle, das hei\u00dft, ein milit\u00e4rischer Sieg wurde der Verhandlungsl\u00f6sung vorgezogen. \u201eWarum keine friedliche Verhandlungsl\u00f6sung?\u201c, werden Sie sich jetzt fragen.<br \/>\nUS-Verteidigungsminister Lloyd Austin lie\u00df nach seinem Besuch in Kiew am 25. April 2022 die Katze aus dem Sack, als er erkl\u00e4rte, die USA s\u00e4hen in dem Krieg eine Gelegenheit, <em><strong>Russland langfristig milit\u00e4risch und wirtschaftlich zu schw\u00e4chen. Von wegen Schutz der Freiheit und Demokratie!<\/strong><\/em><br \/>\n&#8230; Alles vom 24.5.2024 von Uwe Froschauer bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.manova.news\/artikel\/der-zeitenwendehals\">https:\/\/www.manova.news\/artikel\/der-zeitenwendehals<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Europa 2024: So f\u00fchlt sich eine Vorkriegs\u00e4ra an<\/strong><br \/>\nZeichen f\u00fcr Konflikt in Europa mehren sich. General sieht &#8222;deutliche Schritte in Richtung Kriegst\u00fcchtigkeit&#8220;. Debatten werden unterbunden<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDie meisten europ\u00e4ischen Nato-Mitglieder erh\u00f6hten 2023 ihre Milit\u00e4rausgaben. Ihr kombinierter Anteil am Nato-Gesamt betrug 28 Prozent, der h\u00f6chste in einem Jahrzehnt. Deutlicher kann die Zuspitzung kaum belegt werden: Europa mit seinem Stellvertreterkrieg in der Ukraine, der Nahe Osten mit seinem postkolonialen Pal\u00e4stina-Konflikt und Asien mit der aufkommenden Weltmacht China \u2013 diese drei Regionen werden die Unruheherde dieses 21. Jahrhunderts sein.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nAusgrenzung, allerseits<br \/>\nUmso verheerender ist das Schweigen angesichts der Eskalationsgefahr. Dieses Schweigen liegt gleichwohl darin begr\u00fcndet, dass dissidente Stimmen \u2013 auch das findet historische Parallelen \u2013 der Fraternisierung mit dem Feind bezichtigt werden. Projekte zur Gegenpropaganda sprie\u00dfen seit Jahren aus dem Boden, werden staatlich gro\u00dfz\u00fcgig finanziert und \u00fcbrigens <em><strong>nicht selten von linksliberalen Akteuren getragen<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p>So geraten l\u00e4ngst nicht mehr nur jene ins Visier, die Illusionen in Russlands Friedenswillen haben oder sich gar Moskau andienen. Auch jenen wird Diskursw\u00fcrdigkeit abgesprochen, die noch vor wenigen Jahrzehnten die europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur mitbestimmt haben. Sie allerdings hatten Moskau einbezogen. Und das ist der erhebliche Unterschied, man mag sagen, die Gretchenfrage, wenn es um Krieg und Frieden in Europa geht.<br \/>\n&#8230; Alles vom 24.4.2024 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Europa-2024-So-fuehlt-sich-eine-Vorkriegsaera-an-9697093.html\">https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Europa-2024-So-fuehlt-sich-eine-Vorkriegsaera-an-9697093.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Engagement\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Krieg &gt;Diplomatie &gt;Ukrainekrieg &gt;Vorkriegszeit Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen Benjamin Abelow: Wie der Westen den Krieg nach Ukraine brachte\u00a0(29.6.2025) Helmut Roewer: Nicht mein Krieg. Deutschland und der Ukrainekonflikt\u00a0(21.11.2024) John J. 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(30..2024) Ukrainekrieg: &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/vorkriegszeit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":18096,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-123055","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/123055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=123055"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/123055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":135818,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/123055\/revisions\/135818"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18096"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=123055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}