{"id":121494,"date":"2024-03-11T21:15:47","date_gmt":"2024-03-11T20:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=121494"},"modified":"2026-01-05T19:22:20","modified_gmt":"2026-01-05T18:22:20","slug":"verachtung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/verachtung\/","title":{"rendered":"Verachtung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutsche-kultur\/\">Deutsche Kultur<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/aufklaerung\/\">Aufkl\u00e4rung<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturrevolution\/\">Kulturrevolution<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/\">Kulturverlust<\/a> &gt;Verachtung<\/p>\n<div id=\"attachment_119504\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/bauernproteste-traktoren-buerger-pan240115.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-119504\" class=\"size-full wp-image-119504\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/bauernproteste-traktoren-buerger-pan240115.jpg\" alt=\"Mittelstand protestiert 2024: Bauern, Handwerk, Dienstleister, ...\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/bauernproteste-traktoren-buerger-pan240115.jpg 620w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/bauernproteste-traktoren-buerger-pan240115-180x120.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-119504\" class=\"wp-caption-text\">Mittelstand protestiert 2024: Bauern, Handwerk, Dienstleister, &#8230;<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/moral2015\/andrick\/\">Moral, Verachtung, Brandmauer: \u201eEine Perversion unserer Werte\u201c \u2013 Michael Andrick im Gespr\u00e4ch<\/a>\u00a0(4.1.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/horrormensch-statt-christkind\/\">Horrormensch statt Christkind<\/a>\u00a0(27.12.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/verantwortung\/\">Generation Verantwortungslosigkeit<\/a>\u00a0(30.11.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/usa\/vance\/\">Vance-Buch: Kontaktschuld\u00a0 Marketing-Trick<\/a>\u00a0(29.7.2024)<\/li>\n<li>Ohne Sinnproduzenten k\u00f6nnen die Peripheren leben &#8211; umgekehrt nicht (16.4.2024)<\/li>\n<li>Michael Meyen bespricht &#8222;Verachtung nach unten&#8220; (7.4.2024)<\/li>\n<li>\u201eFindest Du es gut, verachtet zu sein?\u201d (24.3.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-eliten\/\">Rainer Mausfeld: Demokratie am Abgrund<\/a>\u00a0(17.3.2024)<\/li>\n<li>Michael Klonovsky rezensiert Alexander Wendt: Verachtung nach unten (12.3.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/woke-gegen-buerger\/\">Woke gegen B\u00fcrger<\/a>\u00a0(9.3.202)<\/li>\n<li>Matthias Matussek rezensiert: Wendt gegen Woke: Wohlgesinnt auf dem Sonnendeck (3.3.2024)<\/li>\n<li>Wolfgang R\u00f6hl rezensiert Alexander Wendt: Ist Peak Woke schon erreicht? (3.3.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/mittelstand-lost-ampel-woke\/\">Mittelstand lost \u2013 Ampel woke<\/a> (17.1.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke-lost\/\">Der neue P\u00f6belaufstand, bei dem keine Gefangenen gemacht werden<\/a> (15.1.2024)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratieverachtung\/\">Demokratieverachtung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/links\/\">Links<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke\/\">Woke<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/woke-lost\/\">woke-lost<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/wokeismus\/\">Wokeismus<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verachtung der B\u00fcrger durch Woke &#8211; Verachtung der Demokratie<\/strong><\/p>\n<p><em>Alexander Wendt:\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Verachtung nach unten<\/em><br \/>\n<em>Wie eine Moralelite die B\u00fcrgergesellschaft bedroht\u00a0<\/em><br \/>\n<em>&#8211; und wie wir sie verteidigen k\u00f6nnen<\/em><br \/>\n<em>lau-verlag.de, 372 Seiten, ISBN 978-3-95768-259-8, 2\/2024, 25 Euro<\/em><br \/>\n==========================================================<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Ohne Sinnproduzenten k\u00f6nnen die Peripheren leben &#8211; umgekehrt nicht<\/strong><br \/>\n\u201eOhne die Sinnproduzenten (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/anywheres\/\">Anywheres<\/a>) k\u00e4me eine Gesellschaft fu\u0308r einige Zeit ganz passabel zurecht . Ohne die handfesten Produzenten (<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/somewheres-gegen-anywheres\/\">Somewheres<\/a>) \u2013 und zu denen z\u00e4hlen nun einmal die verachteten Peripheren, die deplorables, die Ortsgebundenen, die Dienstleistungen erbringen, Gu\u0308ter erzeugen und transportieren \u2013 aber noch nicht einmal eine Woche. Die einen beherrschen zwar die H\u00f6hen der Deutung, die anderen die Tiefe des Raums. Dort entstehen Ressourcen, die Diskurslenker und Sinnsch\u00f6pfer nicht selbst erzeugen k\u00f6nnen. Es gibt keine wechselseitigen Abh\u00e4ngigkeiten zwischen beiden Seiten. Der durchsubventionierte antikapitalistisch-antipatriarchale Kulturbu\u0308hnenimpresario in Berlin lebt von den Steuern, die der Molkereiunternehmer im Allg\u00e4u abliefert. Der Molkereibesitzer seinerseits braucht die Kulturbu\u0308hnengr\u00f6\u00dfe nicht, genauso wenig wie die Verfasser von Kuratorenmanifesten oder die Postkolonialismusdozentin.\u201d<\/p>\n<p>\u201eVermutlich gibt es in allen Gemeinwesen und u\u0308ber alle Zeiten hinweg nur zwei wirklich tief eingepr\u00e4gte Verhaltensmuster und damit zwei Urtypen: diejenigen, die sich obsessiv um die Lebensfu\u0308hrung von anderen Leuten ku\u0308mmern, um dort Einfluss zu nehmen, und die anderen, die sich einfach nur wu\u0308nschen, von Belehrungen verschont zu bleiben, die aber ihrerseits u\u0308berhaupt keinen Ehrgeiz entwickeln, anderen einen bestimmten Lebensstil aufzudr\u00e4ngen.\u201d<br \/>\n<em>Alexander Wendt in seinem Buch \u201eVerachtung nach unten\u201d, dem Standardwerk \u00fcber die Wokeness<\/em><br \/>\n16.4.2024<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Michael Meyen bespricht &#8222;Verachtung nach unten&#8220;<\/strong><br \/>\n<strong>Jenseits des Links-Rechts-Rasters<\/strong><br \/>\nNarrativkapitalismus<br \/>\nAlexander Wendt verbindet Reportertugend, Fabulierkunst und Tiefgang zu einer gro\u00dfartigen Gegenwartsanalyse.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nIch kann diese Regel hier brechen, weil das Buch von Alexander Wendt \u00fcber jeden Zweifel erhaben ist. Ich lese viele Sachb\u00fccher. Alle ein, zwei Tage eins. Das klingt nach Arbeit und ist es meist auch. Diesmal war das anders. Das Buch von Alexander Wendt ist ein Genuss. Das beginnt f\u00fcr mich immer beim Stil, den die Leser von Tichys Einblick kennen und nat\u00fcrlich die von Publico. Wendt-Texte haben eine Sprachqualit\u00e4t, die selten geworden ist im Journalismus und die gedruckt einen noch st\u00e4rkeren Sog entwickelt als auf Bildschirmen. Das hat auch damit zu tun, dass Alexander Wendt bei aller Belesenheit und bei aller Intellektualit\u00e4t ein Reporter geblieben ist. Er schaut genau hin, nicht nur bei mir. Wie sitzt die Frisur? Wie bewegt sich jemand, wie spricht er, wo werde ich empfangen? Und er h\u00f6rt zu.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nWas bleibt? Oder besser gefragt: Was kommt? Erst einmal wird es dauern, sagt Alexander Wendt. Zu tief hat sich das neue Glaubenssystem hineingefressen in die Institutionen, zu viele Menschen leben davon mehr oder weniger gut. Wendts Vorschlag: Lasst es uns machen wie einst beim Westf\u00e4lischen Frieden. Lasst uns zuerst den Kulturkrieg einstellen. Lasst uns dann Universit\u00e4ten, Schulen und \u00f6ffentliche Verwaltung freigeben und die Redaktionen im Beitragsrundfunk parit\u00e4tisch besetzen.<br \/>\nDas ist ein Lockmittel f\u00fcr die andere Seite, nat\u00fcrlich, weil Wendt damit auch sagt: Ihr d\u00fcrft weitermachen, trotz alledem. Wir drehen den Spie\u00df nicht einfach um. Ein Friedensangebot zum Schluss. Fragt sich jetzt nur noch, wann und wo die Verhandlungen beginnen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 7.4.2024 von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/journalismus\/recherche\/\">Michael Meyen<\/a> bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/130\">https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/130<\/a> oder<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/buecher\/narrativkapitalismus\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/feuilleton\/buecher\/narrativkapitalismus\/<\/a><\/p>\n<p><em>Alexander Wendt:\u00a0<\/em><br \/>\n<em>Verachtung nach unten<\/em><br \/>\n<em>Wie eine Moralelite die B\u00fcrgergesellschaft bedroht\u00a0<\/em><br \/>\n<em>&#8211; und wie wir sie verteidigen k\u00f6nnen<\/em><br \/>\n<em>lau-verlag.de, 372 Seiten, ISBN 978-3-95768-259-8, 2\/2024, 25 Euro<\/em><\/p>\n<p>,<\/p>\n<p><strong>\u201eFindest Du es gut, verachtet zu sein?\u201d<\/strong><br \/>\nDas Wort zum Sonnntag. \u201eFindest Du es gut, verachtet zu sein?\u201d, frug mich vergangene Woche ein Mitarbeiter der Schwefelpartei, ein gebildeter, studierter, sonst eigentlich eher zum Scherzen aufgelegter und den sch\u00f6nen Dingen des Lebens entschieden zugeneigter Zeitgenosse. Es lag Bitterkeit in seiner Stimme, sogar Gram. Intellektuelle k\u00f6nnen ja best\u00fcrzend d\u00fcnnh\u00e4utig sein. Wer f\u00fcr die AfD arbeitet und sich zugleich in der Kulturszene (im weiten Sinne) bewegen m\u00f6chte, muss sich im besten \u2019schland ever ein stabiles Incognito zulegen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\n\u201eFindest Du es gut, verachtet zu sein?\u201d, lautete die Frage, und sie ging an mich. Zun\u00e4chst einmal: Viele dieser Leute verachten nicht, sondern haben blo\u00df Angst. Sie genie\u00dfen nicht das Privileg, bei einem Arbeitgeber besch\u00e4ftig zu sein, bei dem man sie nicht denunzieren kann. Sie lassen sich gut deutsch von einigen Tausendschaften staatlich eingefetteter Propagandisten und Politkommissare in jedes Bockshorn jagen. Diese Dackel \u2013 ich wei\u00df, liebe Dackelbesitzer, dass das charakterlich einwandfreie Tiere sind, ich w\u00e4hle sie blo\u00df als Metapher \u2013 w\u00fcrde ich bemitleiden, wenn sie mir nicht schnurz w\u00e4ren. Es sind F\u00fcllsel.<br \/>\nVer\u00e4chtlich indes ist jener Typus Denunziant, Blockwart, Systemschranze, wie er in all seiner verklemmten und latent sadistischen Beflissenheit zuletzt in Gestalt eines Schuldirektors in Ribnitz-Damgarten in Erscheinung trat. In der \u201eEhemaligen\u201d fand dieser Typus zwar keinen ganz so fabelhaften N\u00e4hrboden wie im sp\u00e4tbundesrepublikanischen \u201eKampf\u201d gegen \u201eRechts\u201d, doch es standen ihm dort ganz andere Mittel zur Verf\u00fcgung resp. Repressionsorgane zur Seite. Alexander Wendt, aus der Zukunft stammend wie ich, hat dem ewigen Diederich He\u00dfling eine exzellente, autobiographisch gef\u00e4rbte Betrachtung zugeeignet. <a href=\"https:\/\/www.publicomag.com\/2024\/03\/wie-ich-einmal-dachte-die-ddr-waere-tot\/\">https:\/\/www.publicomag.com\/2024\/03\/wie-ich-einmal-dachte-die-ddr-waere-tot\/<\/a> &#8230;<br \/>\n(Ich bin mir \u00fcbrigens nicht sicher, ob dieser Menschenschlag tats\u00e4chlich andere verachtet und nicht vielmehr tief in seinem Innern die eigene Sch\u00e4bigkeit versp\u00fcrt.)<br \/>\n&#8230;<br \/>\nIch kann aber jeden verstehen, der es nicht mehr ertr\u00e4gt.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ainyrockstar\/status\/1771163479891710434\">https:\/\/twitter.com\/ainyrockstar\/status\/1771163479891710434<\/a><br \/>\n&#8230; Alles vom 24.3.2024 bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.klonovsky.de\/2024\/03\/24-maerz-2024\/\">https:\/\/www.klonovsky.de\/2024\/03\/24-maerz-2024\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Michael Klonovsky rezensiert Alexander Wendt &#8222;Verachtung nach unten&#8220;<\/strong><br \/>\nIch w\u00fcrde es Ihnen gern in gl\u00e4nzendes Lobespapier verpackt und mit superlativistischen Schleifchen umwickelt andienen, doch der Autor und ich sind befreundet, weshalb ich mich etwas m\u00e4\u00dfigen muss. Das M\u00e4\u00dfigungsgebot l\u00f6st freilich nicht das gr\u00f6\u00dfte Problem, womit sich ein Rezensent dieser Schrift konfrontiert sieht, n\u00e4mlich welche Passagen er nicht zitieren soll. \u201eVerachtung nach unten\u201c ist der seltene Fall eines Sachbuchs, das man allein der Pr\u00e4gnanz und Luzidit\u00e4t seiner Sprache wegen lesen sollte.<\/p>\n<p>Im angels\u00e4chsischen Sprachraum hei\u00dfen Sachb\u00fccher nonfictional books, was vielleicht die bessere Bezeichnung sein mag. Alexander Wendt vereinigt in seinem Opus verschiedene Genres der nichtfiktionalen Wirklichkeitsbeschreibung, es ist eine Cuv\u00e9e aus Essay, Reportage, Fallsammlung, Streitschrift und b\u00fcrgerlichem Manifest. Das Buch schildert einen Kulturkampf, dessen Auswirkungen jeder Bewohner eines westlichen Landes t\u00e4glich versp\u00fcrt, weil er ihn nicht nicht versp\u00fcren kann \u2013 es sei denn, er (m\/w\/d) z\u00f6ge sich in eine Einsiedelei zur\u00fcck und verzichtete auf jeglichen Mediengebrauch. Ein Graben durchzieht die Gesellschaften des Westens, auf dessen beiden Seiten sich anscheinend unvereinbare Milieus sammeln. Sie stehen sich \u201enicht als gesellschaftliche Gruppen gegenu\u0308ber, die miteinander streiten, sondern als feindliche St\u00e4mme\u201c, notiert der Autor. Beide agieren aber nicht auf der vielbem\u00fchten Augenh\u00f6he, sondern es gibt ein klares Oben und Unten; der Graben, um im Bilde zu bleiben, durchzieht eine stark geneigte Ebene. Die titelgebende Verachtung orientiert sich entlang dieser Neigung.<\/p>\n<p>Den Unterschied zwischen Oben und Unten illustriert exemplarisch das politisch-mediale Echo auf diejenigen, die momentan in Deutschland Demonstrationen veranstalten: W\u00e4hrend die Bauern, wie zuvor auch die franz\u00f6sischen Gelbwesten und kanadischen Trucker, negativ gelabelt werden \u2013 vom \u201eMistgabel-Mob\u201c sprach kosend der Spiegel, der Chefreporter des Su\u0308dwestfunks twitterte: \u201eTraktorfahren macht offenbar dumm\u201d \u2013, erfreuen sich die Klimakleber und erst recht die vermittels einer Medienmanipulation zusammengetrommelten Demonstranten gegen \u201eRechts\u201c offiziellen Wohlgelittenseins. Die einen handeln finanziell auf eigene Kappe, die anderen erhalten Zuwendungen. Wer indigniert auf die gelegentlichen Ausschreitungen bei den Bauernprotesten hinweist, sei darin erinnert, dass die in \u00dcbersee rumorenden Black lives matter-Tumultanten, auf deren Konto nicht nur Pl\u00fcnderungen, Brandstiftungen, verw\u00fcstete Stra\u00dfenz\u00fcge, sondern sogar Tote gehen, Spenden in Milliardenh\u00f6he einstrichen.<\/p>\n<p>Die meisten Angeh\u00f6rigen der politisch-medialen Klasse, die Kultur\u2011, Kirchen- und Gewerkschaftsfunktion\u00e4re, die Wortf\u00fchrer an den Universit\u00e4ten sowie die sogenannten zivilgesellschaftlichen Organisationen konzentrieren sich auf der guten Seite; das ist weder neu noch ungew\u00f6hnlich. Das Besondere an jenem neuen Oben besteht darin, dass es sich nicht mehr wie in fr\u00fcheren Gesellschaften vorwiegend materiell vom Unten absetzt, sondern moralisch. Wendt f\u00fchrt als Kategorie f\u00fcr diese Differenz das \u201ekulturelle Kapital\u201c ein, \u00fcber welches die eine Seite verf\u00fcgt, die andere nicht. Die protestierenden Bauern in den Niederlanden und in Deutschland zum Beispiel \u201egeh\u00f6ren nicht zu den Armen, was Einkommen und Verm\u00f6gen betrifft. Aber sie befinden sich unten nach den Ma\u00dfst\u00e4ben des kulturellen Kapitals. Sie haben in der Sinnproduktion nichts zu sagen. Ihnen fehlt die Macht, Begriffe zu pr\u00e4gen.\u201c Diese Menschen existieren mit ihren Problemen und Ansichten jenseits der zivilgesellschaftlichen Wahrnehmung und au\u00dferhalb des medialen Scheinwerferlichts \u2013 \u201edie im Dunkeln sieht man nicht\u201c, schlie\u00dft bekanntlich die Dreigroschenoper \u2013, und wenn sie sich auf rustikale Weise dennoch ins Wahrgenommenwerden dr\u00e4ngen, fallen die Reaktionen aus dem Kreise der Sinnstifter entsprechend ver\u00e4chtlich aus.<\/p>\n<p>So kommt es, dass, sagen wir, ein Zeit-Volont\u00e4r, dessen Ein-Zimmer-Klause in Hamburg-Ottensen noch die Eltern bezahlen m\u00fcssen, weil sein Einkommen daf\u00fcr nicht ausreicht, sich einem Bauersmann mit 150 K\u00fchen und 60 Hektar Land \u00fcberlegen f\u00fchlen kann, weil er im Zentrum lebt und nicht an der Peripherie, weil er sich \u00f6ffentlich um das Klima sorgt, regelm\u00e4\u00dfig gegen den deutschen Alltagsrassismus twittert, seine Cis-bin\u00e4re Sexualit\u00e4t hinterfragt, die Privilegien der (anderen) Wei\u00dfen checkt und sogar seine Mails penibel gendert. Er kann \u00fcber den Bauern \u00f6ffentlich sein Urteil sprechen, der Bauer umgekehrt nicht \u00fcber ihn. Dasselbe Muster versetzt woke Studenten heute in die Lage, einen Professor, der anst\u00f6\u00dfige, zum Beispiel konservative Ansichten vertritt oder auf Naturgesetzen beharrt, obwohl Wei\u00dfe sie formuliert haben, so lange unter Druck zu setzen, bis er sich entschuldigt oder in die innere Emigration fl\u00fcchtet oder von der Universit\u00e4tsleitung gefeuert wird. Ein einziger falscher Satz, gelte er nun als \u201erassistisch\u201c, \u201esexistisch\u201c, \u201etransphob\u201d, \u201ewei\u00df-suprematistisch\u201c etc. pp., vermag Jahrzehnte wissenschaftlicher Reputation auf einen Schlag auszul\u00f6schen. Nach demselben Muster k\u00f6nnen inzwischen sogenannte DEI-B\u00fcros (das K\u00fcrzel steht f\u00fcr Diversity, Equity, Identity) und ESC-Kommandos (Environmental, Social and Corporate Governance), wie sie in nahezu allen gr\u00f6\u00dferen Unternehmen eingerichtet wurden, den anderen Abteilungen diktieren, welche Auflagen in Sachen Nachhaltigkeit, Diversit\u00e4t und Gleichstellung f\u00fcr sie gelten, und jeder Manager tut gut daran, das nicht weiter zu kommentieren \u2013 auch wenn die Regeln gesch\u00e4ftlich nicht den geringsten Nutzen ergeben \u2013, weil das seinen Ruf und letztlich seinen Job gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Ein Unternehmensf\u00fchrer besitzt im Normalfall nicht einmal die Macht, solche ohne jeden messbaren Effekt agierenden Kommissariate der Wokeness zu schlie\u00dfen, etwa im Zuge von notwendigen Einsparma\u00dfnahmen, weil der Imageschaden gr\u00f6\u00dfer w\u00e4re.<\/p>\n<p>Dass, wie Wendt schreibt, \u201ekulturelles Kapital heute das Materielle sticht\u201c, ist die erste der drei gro\u00dfen Umkehrungen, die auf die Bewegung der Woken zur\u00fcckgehen und \u00fcbrigens auch den Lehren der klassischen Linken widersprechen. Die zweite, noch paradoxere Sinn-Verkehrung lautet: Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Dieser Grundsatz gilt nat\u00fcrlich weder an der produzierenden Basis noch in jenen Stadtteilen, in denen das Gros der Migranten ankommt, sondern im Kokon der Sinndiktierer und Bewusstseinspr\u00e4ger. Zum Beispiel in den Parteizentralen der Gr\u00fcnen oder in jenen Redaktionen, wo steuerfinanzierter Haltungsjournalismus produziert wird. Zeitgeist-Moden wie Konstruktivismus und Poststrukturalismus haben der 180-Grad-Korrektur des marxistischen Basispostulates den Weg gebahnt, rund um die Uhr im Optativ lebende Politiker, Dozenten, Kulturschaffende und Medienvertreter zogen mit, und heute werkeln die Digitalkonzerne an der Fixierung der neuen Maxime \u2013 im Virtuellen mag man solchen Unsinn ja glauben \u2013, au\u00dfer nat\u00fcrlich bei den Umsatzzahlen und im Gesch\u00e4ftsbericht. 300 Jahre nach Kant ist das magische Denken in die \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckgekehrt, wird zwischen bestimmten Worten und dem Gegenstand nicht mehr unterschieden, sind manche Begriffe so tabu, dass ihr blo\u00dfes Aussprechen zur Exkommunikation f\u00fchrt, herrscht der Glaube, fundamentale existentielle Kategorien wie Geschlecht oder Mutterschaft oder Volk seien \u201ekonstruiert\u201d und durch einen Sprechakt zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wer meint, dass Bewusstsein bestimme das Sein, muss das Denken der anderen zu pr\u00e4gen und zu beherrschen suchen. Er muss vorgeben, Sinn zu stiften. \u201eIn der Kaste der Wohlgesinnten\u201c, schreibt Wendt, herrsche \u201eneben der selbstverst\u00e4ndlich akzeptierten Trennung in ein Zentrum und die Peripherie auch weitgehende Einigkeit darin, dass die wesentlichen Konflikte der Gesellschaft nicht mehr in der alten materiellen Sph\u00e4re stattfinden. Fu\u0308r sie geh\u00f6rt es zum \u00dcberzeugungsbestand, dass nicht mehr die schlechte Bezahlung und vor allem die schlechte Absicherung vieler Besch\u00e4ftigter ein wirkliches Problem darstellen (die Milieuvertreter beeilen sich dann meistens zu sagen, diese Probleme gebe es auch), sondern die strukturelle, also tief in die Gesellschaft eingepr\u00e4gte Diskriminierung beispielsweise von Menschen mit dunkler Hautfarbe, von Transsexuellen, von Muslimen, die als marginalisiert gelten und deshalb Aufmerksamkeit und mehr Sichtbarkeit verdienen. Ein wei\u00dfer Lagerist, der weniger als 2000 Euro brutto bei Vollzeitarbeit verdient, geh\u00f6rt fu\u0308r sie durch seine Hautfarbe, aber auch durch die Geschichte seiner Vorfahren trotzdem zu den Privilegierten, eine Staatssekret\u00e4rin mit Migrationshintergrund und dunklem Teint dagegen zu den st\u00e4ndig Diskriminierungsbedrohten, deren verletzte Gefu\u0308hle mehr gesellschaftliche Zuwendung verdienen als die Lebensverh\u00e4ltnisse des schlecht bezahlten einheimischen Besch\u00e4ftigten.\u201c<\/p>\n<p>Die daraus folgende dritte Umwertungsleistung der neuen Sinnsch\u00f6pfer bestehe darin, dass es ihnen gelungen sei, \u201edie Hauptrichtung der Gesellschaftskritik umzukehren. Sie verl\u00e4uft neuerdings von oben nach unten.\u201c Seit Menschengedenken, so Wendt, geh\u00f6re die d\u00fcnkelhafte Verachtung fremder Kollektive, sei sie ethnisch-kulturell oder sozial begr\u00fcndet, sei sie durch Klassen\u2011, V\u00f6lker- oder Glaubensschranken markiert, zur Conditio humana, wobei der Kern der Verachtung darin bestehe, jemand anderem wegen dessen Gruppenzugeh\u00f6rigkeit bedenkenlos etwas zuzumuten, das man fu\u0308r sich selbst und seine N\u00e4chsten als emp\u00f6rend empfinden wu\u0308rde. \u201eAber nie und erst recht nicht in der Gegenwart galt der Blick nach unten als Ausweis einer gro\u00dfen charakterlichen Qualit\u00e4t, eines kritischen Bewusstseins, einer besonderen Sensibilit\u00e4t, einer Wohlgesinntheit. Nie galt kulturelle Verachtung als progressiv. Bis vor einigen Jahren jedenfalls. Erst als Teil der neolinken Theorie und Praxis erreichte das gesellschaftliche Herabschauen seine vorerst letzte Evolutionsstufe.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt eine Schl\u00fcsselszene dazu, die der Autor in geb\u00fchrender Ausf\u00fchrlichkeit w\u00fcrdigt. Sie spielt am Abend des 9. September 2016 im gro\u00dfen Saal der Cipriani Wall Street, einem neoklassizistischen Bau im New Yorker Financial District. Dort veranstaltete die Pr\u00e4sidentschaftsbewerberin Hillary Clinton gemeinsam mit Barbra Streisand eine Spendengala f\u00fcr den Wahlkampf der Demokraten, also ihren. Eingeladen hatten die Ladys die weiland noch nicht auf der H\u00f6he des Q und seiner Gliederungen angelangte LGBT-Gemeinde der Stadt, die Kartenpreise fu\u0308r den Abend mit anschlie\u00dfendem Empfang durch die Kandidatin betrugen zwischen 2.500 und 250.000 Dollar. An jenem Abend verwendete Hillary Clinton in ihrer Rede eine Formulierung, die sie wom\u00f6glich den Wahlsieg kostete, die aber vor allem jene Verachtung, die Wendts Buch im Titel tr\u00e4gt, vollendet zum Ausdruck bringt, auch im quantitativen Sinne: the basket of deplorables, \u201eder Korb der J\u00e4mmerlichen\u201c oder \u201eBeklagenswerten\u201c. Wobei das merkw\u00fcrdig schiefe Wort \u201eKorb\u201c eher als \u201eHaufen\u201c zu verstehen war. Mit dieser Formel bedachte Clinton nach ihren eigenen Worten \u201edie H\u00e4lfte der Trump-Unterst\u00fctzer\u201d. Im schicken Lower Manhattan vor einem im hohen Ma\u00dfe solventen und im h\u00f6chsten Ma\u00dfe woken Publikum rubrizierte die Kandidatin mehr als 30 Millionen Amerikaner unter \u201edie Rassisten, Homophoben, Fremdenfeindlichen, Islamophoben \u2013 ihr wisst schon\u201d. Diese 30 Millionen, f\u00fcr die abwertende Termini wie Rednecks, Hillbillys, Karens oder generell White Trash im Umlauf sind, schrieb sie komplett ab. Der anderen H\u00e4lfte der potentiellen Trump-W\u00e4hler gestand sie noch gener\u00f6s Geh\u00f6r zu. Mehr aber nicht.<br \/>\nDas Zusammenfallen von gutem Einkommen, guter Gegend, gutem Leben und guter Gesinnung auf der einen, geringem Einkommen, Peripherie, prek\u00e4rem Leben und b\u00f6ser Gesinnung auf der anderen Seite h\u00e4tte kein Hollywood-Kitschier deutlicher \u00fcberzeichnen k\u00f6nnen als die demokratische Pr\u00e4sidentschaftskandidatin auf ihrer Spendengala.<br \/>\nWie die Wahl ausging, ist bekannt.<\/p>\n<p>Verachtung ist der Kernaffekt der Woken gegen\u00fcber allen Nichtwoken. Die progressive Moral-Elite mokiert sich \u00fcber die unverbesserlichen Underdogs. Das verh\u00e4lt sich in Deutschland nicht anders als in den USA; beleidigende und wahrhaft verhetzende Kommentare etwa \u00fcber die ost- bzw. mitteldeutschen Hinterw\u00e4ldler wegen ihres falschen Wahlverhaltens und \u00fcberhaupt falscher Ansichten sind Legion. Einem politisch spiegelverkehrt agierenden Jan B\u00f6hmermann h\u00e4tte die Polizei l\u00e4ngst die Wohnungst\u00fcr eingetreten und s\u00e4mtliche elektronischen Ger\u00e4te weggenommen. Idealtypisch hat sich im Zweiten deutschen Staatsfernsehen eine Maid namens Sarah Bosetti, ihrer Selbstwahrnehmung nach Kabarettistin, zur Gesellschaftsspaltung ge\u00e4u\u00dfert, indem sie fragte (damals ging es um die Coronaimpfung, aber der Anlass ist ja beliebig):<br \/>\n\u201eW\u00e4re die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie w\u00fcrde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell f\u00fcr das \u00dcberleben des Gesamtkomplexes.\u201c<br \/>\n(Sarah Bosetti auf X)<br \/>\nIdealtypisch ist dieses Gleichnis deshalb, weil es in sch\u00f6ner Klarheit \u201erechts\u201d und \u201eunten\u201d zusammenbringt \u2013 das komplement\u00e4re \u201elinks\u201d und \u201eoben\u201d kann sich jeder Zuseher selbst dazudenken. Der D\u00fcnkel w\u00e4re unvollst\u00e4ndig, ja halbherzig, wenn er sich auf die Gesinnung beschr\u00e4nkte, weshalb er sich auf die gesamte Art zu leben erstreckt. \u201eDie Verachteten sind, was die W\u00e4hler Robert Habecks, Emmanuel Macrons und Hillary Clintons nicht sein wollten. Der Wunsch, m\u00f6glichst einen gro\u00dfen Abstand zwischen sich und den anderen zu lassen, beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Ansichten der Peripheren zu Migranten und zur politischen Elite. Er schlie\u00dft auch die Art und Weise ein, wie die Verlorenen sprechen, essen, sich kleiden, ihre Wohnungen und Einfamilienh\u00e4user einrichten. Er erstreckt sich auf ihren Mediengeschmack, u\u0308berhaupt auf ihren Geschmack. Er betrifft ihre Lebensweise. Das falsche Leben der einen erlaubt den Bewohnern des inneren Gesellschaftskreises, die Rolle der Moralischeren, Klu\u0308geren, Empfindsameren und \u00e4sthetisch Gebildeteren einzunehmen, kurzum: die Rolle der zum besseren Leben Erwachten.\u201d<br \/>\n&#8230;.<\/p>\n<p>Wer der im Untertitel des Buches stehenden Moral-Elite angeh\u00f6ren will, muss zun\u00e4chst einmal woke sein oder es fingieren. Das ist die Grundvoraussetzung, um an kulturelles Kapital zu gelangen. Die Plage der Wokeness, die in statu nascendi noch Political correctness hie\u00df \u2013 mir fallen als Gleichnis spontan jene z\u00e4hnefletschend-grimassierenden \u201eGremlins\u201c ein, die im gleichnamigen Film dem Leib des (allerdings viel zu niedlichen) Mogwai entsprangen und von der Stadt Besitz ergriffen, zumal der Film auch noch 1984 in die Kinos kam \u2013, hat sich zum beherrschenden Kulturph\u00e4nomen in der westlichen Welt aufgebl\u00e4ht. Beherrschend muss buchst\u00e4blich verstanden werden; von einer \u201ePlage\u201c zu sprechen, ja nur einen Witz \u00fcber die Erweckten zu machen, k\u00f6nnte sich niemand erlauben, der auch nur die kleinste Karriere in Politik, Verwaltung, Medien, Kulturbetrieb, Bildungswesen, l\u00e4ngst auch in der Kirche und inzwischen sogar in der freien Wirtschaft anstrebt. Zur Strategie der Woken geh\u00f6rt, dass sie ihre Diskursherrschaft, die eigentlich eine Diskursverhinderungsherrschaft ist und sich der Methoden des Zensierens, Anschw\u00e4rzens, Cancelns, Niederbr\u00fcllens, Mundtotmachens und zuletzt der sozialen Vernichtung bedient, schlichtweg bestreiten.<\/p>\n<p>Davon abgesehen, dass die Wokeness die aktuelle Gestalt oder meinetwegen auch Larve des Linksseins bildet, was lediglich von ein paar Alt-Linken bestritten wird, gibt es tats\u00e4chlich weder eine verbindliche Begrifflichkeit, noch einen exakte Eingrenzung f\u00fcr diese Klientel. \u201eHandelt es sich um ein Milieu, eine neue Klasse, eine Kaste, eine Schicht, wenn wir von den Wohlgesinnten im Zentrum der Gesellschaft sprechen, die in Medien, Politik und Institutionen Begriffe pr\u00e4gen, Diskussionsregeln aufstellen und Sinn produzieren?\u201d, fragt Wendt. \u201eFu\u0308r jede einzelne Bezeichnung g\u00e4be es gute Gru\u0308nde. Nur der alte Klassenbegriff passt hier nicht.\u201c<\/p>\n<p>Der Publico-Betreiber verpasst dieser Klientel das Etikett \u201eprogressiv regressiv\u201d, weil es sich um \u201everkehrte Linke\u201d handele. Die Inversionslinken bedienten sich lediglich der \u201eSymbolik der alten Fortschrittsbewegung\u201d, um so \u201eden Kritikreflex des politischen, akademischen und medialen Milieus links der Mitte weitgehend abzuschalten\u201d. Und das funktioniere, obwohl es sich um eine Bewegung handele, \u201edie ihre Ziele nur notdu\u0308rftig mit einem progressiven Firnis u\u0308berzieht, in Wirklichkeit aber darauf zielt, die Gesellschaft weit zuru\u0308ckzuwerfen, hinter die Aufkl\u00e4rung, hinter die bu\u0308rgerliche Emanzipation, in ein neues dunkles Zeitalter des Tribalismus und damit notwendigerweise in eine \u00c4ra des permanenten Unfriedens\u201d. Die Klassiker der Linken, mutma\u00dft Wendt, w\u00e4ren verbl\u00fcfft, wenn sie s\u00e4hen, dass ihre Erben \u201ees fu\u0308r Fortschritt halten, wenn sich eine Gesellschaft wieder nach Eigenschaften wie Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft gliedert und dass sie eine unab\u00e4nderliche Ver\u00e4chtlichkeit bestimmter Menschengruppen als neue Doktrin verku\u0308nden\u201d. In s\u00e4mtlichen westlichen L\u00e4ndern, hei\u00dft es im Vorwort, f\u00e4nde derzeit der Versuch statt, \u201edie Bu\u0308rgergesellschaft durch eine neue, von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht und Religion definierte Gesellschaft der St\u00e4mme zu ersetzen, Parlamente durch St\u00e4ndeversammlungen, den westlichen Individualismus durch das Denken im Kollektiv, die Meritokratie durch die Zuteilung von Ressourcen nach Quoten, das Aushandeln von Begriffen mit Rede und Gegenrede durch eine unkritisierbare Orthodoxie und den westlichen Rationalismus durch einen Okkultismus\u201d. Davon handle und dagegen wende sich sein Buch.<\/p>\n<p>Dass die Erfolgsaussichten f\u00fcr die Etablierung einer solchen postzivilisatorischen Gesellschaft zumindest unsicher sind, sei auch den Progressiv-Regressiven klar, meint der Autor. Die Propagandisten der permanenten Anklage w\u00fcssten sehr gut, dass keine (wei\u00dfe westliche) Mehrheit ihre Sicht jemals akzeptieren k\u00f6nne. \u201eSie wissen, dass die ihrer Ansicht nach schuldbeladene westliche Zivilisation auf absehbare Zeit nicht verschwindet. (So, wie die radikalen Klimaprediger u\u0308brigens wissen, dass sich der Kapitalismus nicht so bald verflu\u0308chtigt.) Das Ideal der Progressiv-Regressiven besteht darin, die von ihnen behaupteten Ungerechtigkeiten dauerhaft anzuprangern, also im Namen der Moral Macht, Ressourcen, Aufmerksamkeit zu fordern, auch wenn sie behaupten, sie seien eigentlich angetreten, um emp\u00f6rende Verh\u00e4ltnisse zu beseitigen. Es geht ihnen darum, Tribut einzutreiben. Nicht fu\u0308r die, die sie zu vertreten vorgeben, sondern fu\u0308r sich selbst. Den perfekten Zustand erreicht die Gesellschaft in ihren Augen schon dann, wenn niemand mehr die Legitimit\u00e4t ihrer Machtausu\u0308bung infrage stellt.\u201d<br \/>\nDieser Zustand indes ist so gut wie erreicht, an den Universit\u00e4ten und in der Medien\u00f6ffentlichkeit sowieso, aber auch in den meisten Unternehmen. Teils l\u00e4rmend und t\u00fcrknallend, teils diskret auf Taubenf\u00fc\u00dfen ist ein Konsens in die Gesellschaft eingezogen, dem sich zu unterwerfen f\u00fcr jeden Zeitgenossen, der au\u00dferhalb der rechtspopulistischen Parallelwelt irgendwohin aufsteigen oder auch nur in Ruhe gelassen werden m\u00f6chte, verpflichtend ist, n\u00e4mlich \u201edass Identit\u00e4tsfragen wichtiger genommen werden mu\u0308ssen als alte Fragen vom Unten und Oben, dass die Wahl der richtigen Worte wichtiger ist als der Eingangssteuersatz, dass die Gesellschaft eher aus Kollektiven als aus Bu\u0308rgern bestehen sollte, dass gleiche Chancen nicht genu\u0308gen, sondern der Staat Gleichstellung mit Quoten notfalls erzwingen muss, dass es eine kollektive Schuld des Westens gibt, gegen die der Globale Su\u0308den Vorrechte besitzen sollte. Mit diesem \u00dcberzeugungssystem kann jemand in linken Organisationen arbeiten, aber auch als Redakteur einer Zeitung, die sich selbst als Stimme der Gem\u00e4\u00dfigten sieht, als Funktion\u00e4r einer Partei, die sich als bu\u0308rgerliche Kraft betrachtet, oder als leitender Angestellter eines b\u00f6rsennotierten Unternehmens. Diese \u00dcberzeugungen muss dort niemand mehr begru\u0308nden.\u201d<br \/>\nEs muss auch niemand wirklich von diesen Maximen \u00fcberzeugt sein; wie die Moslems sind die Bolschewoken mit der Unterwerfung unters Glaubensbekenntnis bereits zufrieden.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nAber wer hat diesen Zeitgeist durchgesetzt? Wer verwaltet und verteidigt ihn? Wer sorgt daf\u00fcr, dass er nicht durch einen anderen ersetzt wird? W\u00e4hrend sich traditionelle politische oder soziale Bewegungen um eine F\u00fchrerfigur gruppierten \u2013 das letzte gro\u00dfe Beispiel w\u00e4re Donald Trump \u2013, ist die Bewegung der Woken eher einem Virenprogramm vergleichbar, das nach und nach die gesamte Festplatte \u00fcbernimmt, aber im Analogen keine Oberpriester, keine zentralen Pers\u00f6nlichkeiten, keinen bedeutenden K\u00f6pfe besitzt; keine Gener\u00e4le, sondern lauter Unteroffiziere (von denen es einige, wie die Gender-Quacksalberin Judith Butler oder die antiwei\u00dfe Wanderpf\u00e4ffin Robin DiAngelo, immerhin zum Million\u00e4r geschafft haben). Wendt zitiert dazu das Buch \u201eTwilight of Democracy. The Seductive Lure of Authoritarism\u201c \u2013 deutsch: \u201eDie Verlockung des Autorit\u00e4ren\u201d \u2013 von Anne Applebaum, und zwar als ein Pars pro toto f\u00fcr \u201eDutzender \u00e4hnlicher Bu\u0308cher, die vor der Demokratiebedrohung warnen, vor Viktor Orb\u00e1n, der PiS-Partei und nun wieder Donald Trump, aber deren \u201eKonzept von Autoritarismus\u201d einzig die traditionelle Form der charismatischen Fu\u0308hrerfigur kenne, die, gestu\u0308tzt auf eine relative oder absolute Mehrheit, ihren Willen durchsetzt. \u201eDie Machtausu\u0308bung von wohlorganisierten, mit kulturellem Kapital ausgestatteten Minderheiten kommt bei Applebaum und verwandten Autoren nicht vor.\u201d Dabei besitze gerade diese Variante einen enormen Vorteil f\u00fcr die Machtausu\u0308benden: Sie lassen sich nicht einfach abw\u00e4hlen. \u201eKlassische Herrschaftskritik an den Handelnden und ihren Methoden f\u00e4llt in diesem Modell sehr viel schwerer. Es gibt nicht das eine Gesicht der Macht, es existiert keine Zentrale mit Stra\u00dfe und Hausnummer. Darin \u00e4hneln die Bewegungen der Wohlmeinenden in bemerkenswerter Weise den zentrumslosen sozialen Netzwerken, ohne die es diese neuzeitlichen Machtkonglomerate nicht oder wenigstens nicht in dieser Form geben wu\u0308rde.\u201d<\/p>\n<p>Jetzt bin ich doch ins Zitieren gekommen, und wieder droht der Eintrag elend lang zu werden. Jedenfalls beschreibt Wendt die Techniken der Verachtung und die Zugangswege zum kulturellen Kapital \u2013 das \u00fcberspringen wir jetzt \u2013, um sich danach einem Ph\u00e4nomen zu widmen, welches man vor allem aus der kommunistischen Weltbewegung kennt: dem Reinigungsfuror der Erwachten nach innen. Wie die Sowjetmacht, nur smarter und nahezu unblutig, f\u00fchren die Wohlmeinenden einen Kampf an zwei Fronten. W\u00e4hrend ihre verbalen Schl\u00e4ge und rhetorischen Tritte nach au\u00dfen bzw. unten praktisch immer die Richtigen treffen, fallen den internen S\u00e4uberungen auch reihenweise Zeitgenossen zum Opfer, die sich selbst als links oder liberal verstehen. In einem ohnehin vorges\u00e4uberten Milieu, an den Universit\u00e4ten oder im Kulturbetrieb zum Beispiel, wo es kaum Konservative oder gar Rechte gibt, liegt das in der Natur der Sache. Das Ritual der Opferung ist viel zu wichtig, als dass man auf \u201efalsche\u201d Opfer R\u00fccksicht nehmen k\u00f6nnte. Deren Exklusion schwei\u00dft die Herde der Wohlmeinenden umso fester zusammen. Abschreckende Beispiele st\u00e4rken den Konsens. Einm\u00fctigkeit braucht ein minus eins, statuierte der Anthropologe Ren\u00e9 Girard; bestrafe einen, erziehe hundert, sekundierte der gro\u00dfe Konsenssachverst\u00e4ndige Mao. Das woke Kollektiv muss unter Stress bleiben, um zu funktionieren und weiter an seiner Reinheit zu arbeiten. Nur der permanente wechselseitige Bekenntnisdruck garantiert die Dynamik der Bewegung. Was die Vielfalts-Simulanten tats\u00e4chlich erzeugen, ist ein Konformismus, der seinesgleichen sucht.<\/p>\n<p>Wendt zeichnet eine Reihe der Hexenjagden nach, die immer nach dem Muster ablaufen, dass der Rufmord auch dann seine karrieresch\u00e4digende (cancelnde) Wirkung zeitigt, wenn sich der Anlass als nichtig erwiesen hat oder auf einer Falschbeschuldigung beruhte, w\u00e4hrend selbst ein der L\u00fcge \u00fcberf\u00fchrter Rufm\u00f6rder kaum Konsequenzen zu bef\u00fcrchten hat, weil ihn wenigstens die richtigen Motive leiteten. Die meisten dieser Kampagnen ereigneten sich in den USA, wo man den Europ\u00e4ern zeitgeistig \u00fcblicherweise ein oder zwei Jahrzehnte voraus ist, und so stammt die meiste Literatur, die Wendt in seine Analyse einbettet, ebenfalls aus dem Mutterland der Wokeness, von Vicky Osterweils \u201eIn Defense of Looting\u201d, Robin Di Angelos \u201cWhite Fragility\u201d (\u201cein Grundlagenbuch des Verachtungsdenkens\u201c) und Adrian Daubs \u201cCancel Culture Transfer\u201d bis zu Peter Turchins \u201cThe Age of Discord\u201d und Mark Lillas \u201cThe Once and the Future Liberal. After Identity Politics\u201d.<\/p>\n<p>Die woke Weltsicht nahm ihren Anfang in den amerikanischen Universit\u00e4ten \u2013 die d\u00fcmmsten Ideen stammen immer aus Universit\u00e4ten \u2013 und hat l\u00e4ngst auch die Unternehmen ergriffen, doch nirgendwo fand sie symbiosetauglichere Verh\u00e4ltnisse vor als in den Internetkonzernen des Silicon Valley. Die merkw\u00fcrde Allianz der Wokeria mit den Milliard\u00e4rssozialisten der Plattformindustrie wurde in den Acta schon \u00f6fter thematisiert, und auch Wendt widmet diesem B\u00fcndnis und der Frage, was die unnat\u00fcrlichen Partner verbindet, ein separates Kapitel. Das Verbindende ist erheblich. \u201eDie pr\u00e4genden Personen auf beiden Seiten nehmen die Welt \u00e4hnlich wahr. Beide ignorieren, was Gesellschaft eigentlich bedeutet: n\u00e4mlich ein u\u0308ber Generationen gewachsenes Gefu\u0308ge aus Tradition, Sprache, Rechtsauffassungen und glu\u0308cklicherweise befriedeten K\u00e4mpfen in der Vergangenheit.\u201d Gemeinsam sei ihnen die \u201eFeier des permanenten Wandels\u201d, gemeinsam blickten sie auf das Gewachsene herab und meinten, es sei der Erhaltung nicht wert. \u201eBeide der angeblich ungleichen Partner wu\u0308nschen sich, was Regeln und Strukturen betrifft, eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Homogenit\u00e4t. Die Gesellschaft selbst soll sich in eine Plattform mit einheitlichem Betriebssystem und gleicher Software verwandeln, gleichgerichtet, alternativlos.\u201d<\/p>\n<p>Beider Ideal sei das Monopol.<br \/>\n\u201eBeide treffen sich harmonisch in der Verachtung fu\u0308r alle, die Umw\u00e4lzungen nicht freudig begru\u0308\u00dfen, und gei\u00dfeln deren trotziges Beharrungsverm\u00f6gen. Mit dem Begriff des Bu\u0308rgers kann weder ein Regressiv-Progressiver noch ein Plattformlenker etwas anfangen. Beide wu\u0308nschen sich eine Gesellschaft der Objekte statt der Subjekte.\u201d<\/p>\n<p>Und so verwandelt sich ein auf den ersten Blick noch unnat\u00fcrlich und schief wirkendes B\u00fcndnis in ein geradezu naturhaftes.<br \/>\nEs sind wieder einmal die auflockernden Sternchen f\u00e4llig, finden Sie nicht?<\/p>\n<p>***<br \/>\nDie meisten Progressiv-Regressiven arbeiten nicht im produktiven Sektor, k\u00f6nnen aber gut bis blendend von ihrem Einkommen leben. Doch wie steht es eigentlich um jene Klientel, als deren Sprecher sie sich ausgeben? Zu den st\u00e4rksten Abschnitten in Wendts Buch z\u00e4hlen die eingangs erw\u00e4hnten reportagehaften Passagen, bei aller analytischen Brillanz der anderen. Als guter Reporter hat er sein Thema nicht nur am Schreibtisch recherchiert. Gleich im ersten Kapitel besucht er eine wilde Migrantensiedlung in der Cova de Vapor, der \u201eDampfbucht\u201d, in Trafaria an der portugiesische Westk\u00fcste, s\u00fcdlich von Lissabon. Wer diesen Ort betritt, \u201everl\u00e4sst Europa\u201d. In etwa sechshundert H\u00fctten, \u00fcberwiegend aus Hohlziegeln errichtet und mit Blechplatten gedeckt, leben an die dreitausend Bewohner, fast alle stammen aus Afrika. Cova de Vapor ist eine jener weltweit zu findenden \u201eAnkunftsst\u00e4dte\u201d, wie der kanadische Autor Doug Saunders in seinem Buch \u201eArrival City: How the Largest Migration in History is Reshaping Our World\u201d solche Siedlungen bezeichnet. Eigentlich handelt es sich um ein \u201eAnkunftsdorf\u201d, notiert Wendt. \u201eEs gibt fast nur Provisorien.\u201d Niemand will hier bleiben. Die Migranten m\u00f6chten schnellstm\u00f6glich nach Lissabon oder in andere europ\u00e4ische St\u00e4dte, um tats\u00e4chlich irgendwo anzukommen. Ihre Lebensw\u00fcnsche sind einfach: ein Job, eine Wohnung, eine Familie. Eine Mehrheit der Migranten, Kriminelle und Sozialleistungsabgreifer hin, religi\u00f6se Eiferer her, will nichts als ein normales Leben f\u00fchren. Sie suchen gerade keine Gesellschaft, in der die Regeln des Zusammenlebens t\u00e4glich neu ausgehandelt werden, weil sie das aus ihren Herkunftsl\u00e4ndern kennen, betont Wendt. Sie suchen genau das Gegenteil: \u201eStabilit\u00e4t\u201d.<\/p>\n<p>Die \u201eDampfbucht\u201d ist der \u00e4u\u00dferste Rand der Peripherie. Deutlich weiter im Inneren, doch nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Verwalter des kulturellen Kapitals immer noch weit drau\u00dfen, vollzieht sich beispielsweise das Leben von Wolfram Ackner, eines Schwei\u00dfers, der mit seiner Frau und seinen drei T\u00f6chtern in einem (noch nicht abbezahlten) Haus am Rande von Leipzig wohnt und den Wendt als n\u00e4chsten Zeugen pr\u00e4sentiert. Auch Ackner verlangte es, nachdem er jahrelang als Berufsnomade um den halben Globus gereist war, nach Stabilit\u00e4t. Nach einem Zuhause. How dare he?<\/p>\n<p>Ganz anders die woken Sinnpr\u00e4ger im Zentrum der Gesellschaft. \u201eSie besch\u00e4ftigen sich mit der Herstellung von Unsicherheit\u201d, beobachtet Wendt. \u201eIhre Formeln dafu\u0308r hei\u00dfen \u201aRiss im System\u2019, Disruption, Umbruch, Abriss, Aufbrechen von Strukturen. Ihre Forderung lautet, dass der Boden um sie herum schwanken und das allermeiste, was auf ihm steht, zum Einsturz bringen soll. Sie verku\u0308nden die Lehre vom permanenten, alle mitrei\u00dfenden Wandel.\u201d Malizi\u00f6s bezeichnet Wendt sie als \u201ewei\u00dfe Mittelschichtsangeh\u00f6rige mit Hang zum Dekonstruktivismus\u201d oder \u201eVerkrustungsaufbrecher mit Kuratorenstatus\u201d. Ihre Parole k\u00f6nne lauten: \u201eFriede dem Zentrum, Krieg der Peripherie\u201d. Offenbar glaubten sie selbst daran, dass die von ihnen besiedelten Zentren von jenem gro\u00dfen Umbruch, den sie st\u00e4ndig fordern, verschont bleiben.<\/p>\n<p>Solche Edle empfinden Vorbehalte ihren Motiven gegen\u00fcber oder gar Kritik als Sakrileg und reden normalerweise nur mit Ihresgleichen. Einer immerhin, Tadzio Mu\u0308ller, \u201eDeutschlands Klimaaktivist der ersten Stunde\u201d (taz), fu\u0308r den \u201edie Berufsbezeichnung Protest-Entertainer am ehesten passt, vielleicht auch Protest-Entrepreneur\u201d (Wendt), war unkonventionell genug, den Autor von \u201eVerachtung nach unten\u201d zum Gespr\u00e4ch zu empfangen (wie \u00fcbrigens auch die Verantwortliche fu\u0308r Diversity, Equity und Identity bei BMW). M\u00fcller ist nicht nur ein Streiter gegen die fossile Energieerzeugung, Mitgru\u0308nder der Bewegung \u201eEnde Gel\u00e4nde\u201d und zwischenzeitlicher Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung, sondern ein Homosexueller, der als BDSM-Hure arbeitet, also praktisch unkritisierbar. Er lebt in einer Berliner Altbauwohnung, die ihm der Papa geschenkt hat. Sein zentraler Satz im Gespr\u00e4ch mit Wendt lautet: \u201eWarum soll ich irgendetwas davon abh\u00e4ngig machen, was ein Arbeiter bei VW denkt?\u201d Von M\u00fcller stammt der Begriff \u201eNormalextremisten\u201d, der zeigt, dass er in jenem Teil der Bev\u00f6lkerung offenbar ein Problem sieht. Es sind diejenigen, die das kapitalistische System weder sprengen noch abschaffen wollen, weil sie wissen, dass es sie ern\u00e4hrt. Es sind diejenigen, die fossile Energie verbrauchen, indem sie zur Fabrik pendeln, diejenigen, die nicht global denken, sondern an ihre Familien, die die Gro\u00dfe Transformation der Industriegesellschaft nicht vorantreiben, sondern behindern, und die wahrscheinlich populistische Parteien w\u00e4hlen. Es sind diejenigen, \u201edie den gro\u00dfen Riss im System nicht wu\u0308nschen, sondern fu\u0308rchten\u201d, kommentiert Wendt. \u201eMeist fehlt ihnen auch ein Elternteil, der ihnen das Geld fu\u0308r eine Eigentumswohnung in einer europ\u00e4ischen Gro\u00dfstadt schenkt.\u201d<\/p>\n<p>In solchen Passagen ist \u201eVerachtung nach unten\u201d pures Dynamit.<\/p>\n<p>Der Autor pr\u00e4sentiert zwei soziale Milieus, zwischen denen eine unsichtbare, aber un\u00fcberwindliche Mauer existiert, ja die im Grunde auf verschiedenen Planeten leben, wobei das Milieu der Wohlmeinenden bei denen im Dunkel, den Stabilit\u00e4tsnarren, \u00e4hnlich wie Hillary Clinton einen Unterschied macht zwischen den deplorables, den peinlichen Landsleuten, und den Migranten; zu Letzteren pflegen sie zwar auch keinerlei Kontakte, behaupten aber, ihre Interessen zu vertreten. Ein monstr\u00f6s l\u00e4cherliches Sinnbild solcher Interessensvertretererschleichung wurde anno 2012 mit EU-F\u00f6rdergeldern in die \u201eDampfbucht\u201d gepflanzt: die \u201eCasa do Vapor\u201d. Eine besonders progressive Architektengruppe schuf dieses \u201eProjekt\u201d, ein Holzhaus mit einer Gemeinschaftsku\u0308che mitten in der Siedlung. Den Erbauern zufolge verk\u00f6rperte ihr Werk \u201epartizipatorisches Design\u201d und eine \u201ekollektive Bricolage\u201d. Sie verkauften es als \u201eAustauschort zwischen Praktikern, Teilnehmern und lokalen Anwohnern\u201d, sprachen von \u201eKonzepten des sozialen Raums\u201d und r\u00fchmten die einzigartige soziale und urbane Umgebung. \u201eDas mit dem europ\u00e4ischen Kulturhauptstadtprogramm finanzierte und von Aktivisten errichtete Gemeinschaftshaus aus Holz stand merkwu\u0308rdigerweise nur ein Jahr, bis 2013. In der Dampfbucht, wo praktisch alles aus Provisorien besteht, geh\u00f6rte das Kulturhauptstadtgeschenk zu den kurzlebigsten Bauten u\u0308berhaupt.\u201d<\/p>\n<p>Der Wunsch der allermeisten Menschen nach Stabilit\u00e4t und der Ruf einer Elite nach permanenter Umw\u00e4lzung, res\u00fcmiert Wendt, trenne diese beiden Gruppen sch\u00e4rfer voneinander als Reichtum und Armut, Herkunft oder Religion. \u201eWenn jemand die Wendung \u201aVerkrustungen aufbrechen\u2019 benutzt, dann meint er so gut wie nie seine eigenen.\u201d<\/p>\n<p>***<br \/>\n\u201eWer von Gruppenidentit\u00e4ten spricht, muss sich sozial blind stellen.\u201d<br \/>\n(Noch so ein Wendtscher Merksatz)<\/p>\n<p>***<br \/>\nAm Ende seines Betrachtung f\u00fchrt Wendt den B\u00fcrger als Gegenspieler der Progressiv-Regressiven ein und errichtet eine Art Gesetzestafel aus zw\u00f6lf Regeln als \u201eSumme aus der Geschichte von Bu\u0308rger\u2011, Macht- und Rechtsverst\u00e4ndnis\u201d, die als Grundlage zur Befriedung der Gesellschaft hilfreich sein k\u00f6nnten. Und zwar (ich spare mir die Anf\u00fchrungsstriche):<\/p>\n<p>1. In einer offenen Gesellschaft l\u00e4sst sich aus der Hautfarbe weder eine generelle Privilegierung noch eine generelle Diskriminierung ableiten.<br \/>\n2. Schuld ist immer individuell und konkret. Niemand muss sich eine Schuld fu\u0308r den Kolonialismus und die Sklaverei einreden lassen. Es gibt keine \u201ewhite guilt\u201d.<br \/>\n3. Niemand kann eine moralischere, h\u00f6herwertige Sicht der Dinge fu\u0308r sich beanspruchen, weil er einer Minderheit angeh\u00f6rt.<br \/>\n4. Wenn sich jemand durch eine legitime Meinungs\u00e4u\u00dferung \u201everletzt\u201d fu\u0308hlt, ist das ein Affekt, aber kein Argument, das jemand ku\u0308mmern mu\u0308sste.<br \/>\n5. Im \u00f6ffentlichen Raum hat niemand Anrecht auf einen \u201esafe space\u201d, also einen Schutzraum vor Kritik und u\u0308berhaupt anderen Meinungen.<br \/>\n6. Institutionelle Machtteilung, Rede und Gegenrede geh\u00f6ren zu allen \u00f6ffentlichen Angelegenheiten. Zweifel geh\u00f6rt zur Wissenschaft.<br \/>\n7. Von keinem Mitarbeiter in einem Unternehmen und einer Institution du\u0308rfen Bekenntnisse verlangt werden, die u\u0308ber das hinausgehen, was Verfassung und allgemeine Gesetze vorsehen.<br \/>\n8. Es ist v\u00f6llig legitim, eine pauschale Anklage gegen den Westen als kolonialistisch, rassistisch und unterdru\u0308ckerisch genauso pauschal als anma\u00dfend zuru\u0308ckzuweisen.<br \/>\n9. Wer die Existenz einer \u201ewei\u00dfen Schuld\u201d und einer kollektiven westlichen Schuld fu\u0308r die Vergangenheit behauptet, sollte umgehend mit der Frage konfrontiert werden, was ihn dazu legitimiert.<br \/>\n10. Weder der Staat mit seinen Ressourcen noch u\u0308berwiegend staatlich finanzierte Organisationen haben sich am \u00f6ffentlichen Meinungsstreit zu beteiligen.<br \/>\n11. Der Staat und seine Repr\u00e4sentanten befinden sich gegenu\u0308ber den Bu\u0308rgern in einer dienenden Position. Sie sind den Bu\u0308rgern verantwortlich, nicht umgekehrt.<br \/>\n12. Erwachsene sind keine Erziehungsobjekte. Auch die beste Absicht rechtfertigt keinen \u00dcbergriff auf die Souver\u00e4nit\u00e4t des Bu\u0308rgers.<\/p>\n<p>Im Schlusskapitel entwirft Wendt eine Art Neuen Westf\u00e4lischen Frieden, der die Spaltung der Gesellschaft zwar nicht \u00fcberwinden, aber ertr\u00e4glich machen soll, so wie sich 1648 Protestanten und Katholiken ja nicht zur \u00d6kumene versammelten, sondern die K\u00e4mpfe einstellten. \u201eIm Grunde br\u00e4uchten die Regressiv-Progressiven nur einen Schritt zu unternehmen \u2013 sie mu\u0308ssen den Kulturkrieg einstellen\u201d, schreibt er. Die Woken h\u00e4tten den gr\u00f6\u00dferen Schritt zu tun, da sie momentan am Dr\u00fccker s\u00e4\u00dfen, doch sie sollten sich vor Augen f\u00fchren, dass sie au\u00dfer Abrissarbeiten nichts anzubieten h\u00e4tten und der Peak of Wokeness wom\u00f6glich schon vor\u00fcber sei.<\/p>\n<p>\u201eDeshalb noch einmal zur Erinnerung, was Kulturkrieg bedeutet: Ganze gesellschaftliche Gruppen als Erb\u00e4rmliche, als Abgedriftete, als Unbedeutende zu etikettieren \u2013 das ist Kulturkrieg. Vortr\u00e4ge und Veranstaltungen, die sich im legalen Rahmen bewegen, aus politischen Gru\u0308nden zu verhindern \u2013 das ist Kulturkrieg. Staatlich finanzierte Meldestellen fu\u0308r strafrechtlich nicht relevante Meinungen einzurichten \u2013 das ist Kulturkrieg. Der Mehrheitsgesellschaft einzureden, sie sei kollektiv rassistisch und tru\u0308ge eine Erbschuld fu\u0308r die Vergangenheit \u2013 das ist Kulturkrieg. Druck auf Universit\u00e4ten, Verlage, Medien auszuu\u0308ben mit dem Ziel, die Forschung zu g\u00e4ngeln und das Erscheinen bestimmter Texte zu verhindern \u2013 das ist Kulturkrieg. Jeden, der etwas gegen diese Kulturkrieger vorbringt, zum Gesellschaftsfeind, zum Demokratiefeind, zum Faschisten zu stempeln \u2013 das ist Kulturkrieg. All diese Dinge geschehen. Alles, was die Regressiv-Progressiven ihrerseits zur Befriedung beitragen mu\u0308ssten, w\u00e4re, sie in Zukunft zu unterlassen.\u201d<\/p>\n<p>Nicht der Pendelausschlag in eine S\u00e4uberung von rechts, sondern die Entgiftung der \u00f6ffentlichen Atmosph\u00e4re sei das Ziel. Wem sei Kompromissvorschlag zu nachgiebig gegenu\u0308ber Leuten erscheine, die sich selbst meist keine Ru\u0308cksicht bei ihren Kampfmethoden auferlegten, dem empfiehlt Wendt eine Meditation u\u0308ber Ciceros Satz: \u201eDer ungerechteste Frieden ist immer noch besser als der gerechteste Krieg.\u201d Ein auf Dauer gestellter Kulturkrieg \u201ek\u00f6nnte am Ende das vernichten, was in der Gesellschaft alle dringend brauchen \u2013 die Stabilit\u00e4t. In einem Sieg auf einem Tru\u0308mmerhaufen liegt wenig Wert. Das gilt fu\u0308r jede Seite.\u201d<br \/>\n.. Alles vom 12.3.2024 von Michael Klonovsky bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.klonovsky.de\/2024\/03\/12-maerz-2024\/\">https:\/\/www.klonovsky.de\/2024\/03\/12-maerz-2024\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Matthias Matussek rezensiert: Wendt gegen Woke: Wohlgesinnt auf dem Sonnendeck<\/strong><br \/>\nL\u00e4ngst geht es im politischen Diskurs nicht mehr um links oder rechts. Nun herrscht vielmehr Kampf zwischen den selbsternannten \u201eErwachten\u201c und dem vermeintlich unaufgekl\u00e4rten P\u00f6bel \u2013 jedenfalls laut Alexander Wendt, der in seinem neuesten Buch die Bewegung der Woken seziert. Matthias Matussek rezensiert.<br \/>\n.<br \/>\nMit Alexander Wendts gerade erschienener Tiefenbohrung \u201eVerachtung nach unten\u201c gibt es f\u00fcr den Rezensenten ein handwerkliches Problem: Wie soll man ein Buch angemessen vorstellen, in dem man jeden zweiten Absatz unterstrichen hat?<br \/>\nWohl selten ist Antonio Gramscis Begriff der \u201eKulturhegemonie\u201c, die sich in politische und materielle Macht \u00fcbersetzt hat, so genau und gleichzeitig essayistisch federnd unter die Lupe genommen und auf die aktuellen Bedingungen hin untersucht worden. Ich behaupte, da\u00df dieses Buch zum kultursoziologischen Standardwerk unserer sp\u00e4t- wenn nicht postdemokratischen Epoche avancieren wird.<br \/>\nEs ist reich an Details, ohne den gro\u00dfen Bogen zu verlieren. Es greift aus in anthropologische, historische und religionssoziologische Zonen. Es wird gespeist von einem enormen Quellenstudium, unter dem sich nicht wenige B\u00fccher befinden, die bisher nicht in den deutschen Sprachraum vorgedrungen sind. Vor allem aber schildert es in bester Reportermanier Begegnungen mit denen, die den Autor in seinen \u00dcberlegungen durch den Gegenwartsdschungel einer komplett fraktionierten Gesellschaft f\u00fchren, ob es der Immigrant ist oder der Schwei\u00dfer aus Dresden, der CEO eines Hedgefonds oder die Wokeness-Beauftragte eines Gro\u00dfkonzerns.<\/p>\n<p>Viele Arbeiter f\u00fchlen sich von den Linken vernachl\u00e4ssigt<br \/>\nDer Titel \u201eVerachtung nach unten\u201c k\u00f6nnte nicht besser gew\u00e4hlt sein. Wendt entdeckt in dem Kulturkampf, den eine tonangebende Clique von \u201eErwachten\u201c, die ein ganzes System, eine Ordnung aus Gewohnheiten und Lebensvertrautheiten zertr\u00fcmmern wollen, um es fernen rosigen Horizonten entgegenzuf\u00fchren, die blasierte Herablassung einer linksgr\u00fcnen Oberschicht gegen diejenigen, die an Bew\u00e4hrtem festhalten wollen, bevor sie sich auf existenzbedrohende Abenteuer einzulassen gedenken.<\/p>\n<p>Diese trifft der Bannstrahl der Verachtung. Kostprobe Wendt: \u201eWenn jemand die Wendung \u2018Verkrustungen aufbrechen\u2019 benutzt, dann meint er so gut wie nie seine eigenen. In den wenigsten F\u00e4llen fragt er die anderen, deren Verkrustungen er beseitigen will, nach ihrer Sicht \u2013 ungef\u00e4hr so wenig, wie ein Suppenkoch ein Gespr\u00e4ch mit der Schildkr\u00f6te f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt, wenn er sich daranmacht, ihr den Panzer einzuschlagen.\u201c Tats\u00e4chlich gelingt es Wendt, die bessergestellten Kulturmarxisten in ihre eigenen Aporien zu verwickeln. Ihren Strategien nach soll das Bewu\u00dftsein das Sein bestimmen, statt umgekehrt, wie es die Klassiker vorgeben.<\/p>\n<p>Wendt bietet dagegen den Schwei\u00dfer (tags\u00fcber) und Schriftsteller (nachts) Wolfram Ackner aus Dresden auf, der sich eine Zeitlang in linke WGs verirrt hatte: \u201eIch habe noch nie so ein Kastensystem erlebt wie in der linken Szene.\u201c Ackner geh\u00f6rt trotz seiner Lebensleistung, eine Existenz und eine Familie mit drei T\u00f6chtern gegr\u00fcndet zu haben, zu den Ungeh\u00f6rten, zu den Unsichtbaren. Adam Soboczinky in der Zeit zu diesem Milieu der Arbeiterklasse: Solche Leute seien \u201eunsichtbar\u201c, niemand zeige ihren Alltag, \u201esie sind nicht arm, sie sind nur unbedeutend und out\u201c. Ihr Schicksal ist vergleichbar mit dem der Arbeiter im 19. Jahrhundert, bevor es die Gewerkschaften gab.<\/p>\n<p>Nicht mehr das sozio\u00f6konomische, sondern das kulturelle Kapital entscheidet<br \/>\nDenn auch ihre angestammte politische Repr\u00e4sentanz, die Sozialdemokratie oder die Linke, haben sich l\u00e4ngst dem Wokismus angeschlossen, also der Religion der \u201eErwachten\u201c, f\u00fcr die der Kampf um die Rechte von Transpersonen und anderen sich marginalisiert f\u00fchlenden Gruppen, etwa der Hunderttausenden von immigrantischen \u201eKlimafl\u00fcchtlinge\u201c zur Hauptsache geworden ist. Diese Sozis scheinen sich zu sch\u00e4men f\u00fcr die r\u00fcckst\u00e4ndigen Ackners dieser Welt. Denn Ackner ist trotz seiner Leistungen in ihren Augen nichts. Entscheidend ist das, was Wendt das \u201ekulturelle Kapital\u201c nennt, \u00fcber welches Ackner, der Unsichtbare, nicht verf\u00fcgt.<br \/>\nDie neue Bruchlinie in der Gesellschaft verl\u00e4uft nicht mehr zwischen links und rechts, die in fr\u00fcheren Zeiten immerhin Streit und Diskussionen erm\u00f6glichte. Nein: \u201eDer Gegensatz zwischen innen und moralisch oben auf der einen und unten und drau\u00dfen auf der anderen Seite gliedert heute fast alle westlichen L\u00e4nder.\u201c Und mit \u201edrau\u00dfen\u201c mu\u00df man sich per definitionem nicht weiter besch\u00e4ftigen.<br \/>\nDa\u00df dieses Gesch\u00e4ft des Ausblendens in Deutschland besonders gr\u00fcndlich besorgt wird, sollte nicht \u00fcberraschen, denn wir sind gern Perfektionisten, ins Gute wie ins B\u00f6se. J\u00fcngster Beleg: Eine Zeitungskampagne regierungsnaher Presse-Erzeugnisse wie Die Zeit, S\u00fcddeutsche Zeitung und Tagesspiegel unter dem Hashtag \u201eZusammenland\u201c, wobei klar wird, wer in diesem imagin\u00e4ren Land nichts zu suchen hat: n\u00e4mlich diejenigen, die drau\u00dfen sind, weil sie keine \u201eWeltoffenheit\u201c aufbringen, welches selbstverst\u00e4ndlich das Codewort f\u00fcr offene Grenzen ist.<\/p>\n<p>Wokeness bedeutet die R\u00fcckkehr in die Vormoderne<br \/>\nRelativ fr\u00fch in seinem Werk f\u00fchrt Wendt f\u00fcr die Kaste der moralisierenden Diskursherrscher den Begriff der \u201eWohlgesinnten\u201c ein, da sie ja, in aller r\u00fcden und r\u00fcdesten Form, nur das Wohl der Allgemeinheit im Auge zu haben behaupten. Und er erinnert an die Wurzel des Wortes, es ist der griechischen Mythologie entlehnt. Die Wohlgesinnten sind Eumeniden bzw. Erinnyen, die Racheg\u00f6ttinnen aus der Orestie des Dichters Aischylos, n\u00e4mlich Alekto, die besessen Verfolgende, sodann Megaira, die neidisch Zornige, und schlie\u00dflich Tisiphone, die ewig Vergeltende.<\/p>\n<p>In den Wohlgesinnten unserer Tage, ganz besonders in den K\u00e4mpfen an den Universit\u00e4ten um die reine woke Lehre, sind alle drei als Ph\u00e4notypen leicht auszumachen. Und Wendt f\u00fchrt sie vor in unz\u00e4hligen Beispielen \u00fcber Verfemungen, Veranstaltungs- und Lehrverbote, Karrierest\u00fcrze, anonyme Beschuldigungen, Flugbl\u00e4tter, Schmierereien, und alle zeigen das Bild eines B\u00fcrgerkriegs, in dem alle Abweichungen von linken Diskursvorgaben geahndet werden mit der schicksalhaften Unbarmherzigkeit von griechischen Trag\u00f6dien.<br \/>\nSie zeigen die Zersplitterung einer B\u00fcrgergesellschaft in Clans und St\u00e4mme, also in vormoderne Zeiten, wof\u00fcr Wendt den Begriff \u201eprogressiv-regressiv\u201c anbietet: Sie verkaufen unter progressiv wirkendem Anstrich die R\u00fcckkehr zu vormodernem Tribalismus und magischem Denken, etwa dem, da\u00df eine ge\u00e4nderte grammatische Bezeichnung den realen Wechsel des menschlichen Geschlechts bedeutet.<\/p>\n<p>Ein falsches Zitat und schon wird man gecancelt<br \/>\nNicht der wei\u00dfe Lagerarbeiter ist nach dieser Lehre in der Gesellschaft marginalisiert, sondern Menschen mit dunkler Hautfarbe, Transsexuelle, Muslime. Doch der Sturz in die Lautlosigkeit kann durchaus auch Angeh\u00f6rige der meinungsgebenden kulturellen Oberschicht treffen, so etwa Professor Michael Meyen vom Institut f\u00fcr Kommunikationswissenschaften in M\u00fcnchen, den Wendt besucht. Er ist einer, der zum Paria wurde, weil er auf seinem Blog die Meinungskonformit\u00e4t der Presse, besonders der S\u00fcddeutschen, beklagte und einen Gastbeitrag zulie\u00df, der den \u201eumstrittenen\u201c Blogger Ken Jebsen zitierte.<\/p>\n<p>Das Blatt rief nach dem Verfassungsschutz. Kollegen wandten sich von ihm ab. Er verlor universit\u00e4re Funktionen. So schnell ist das konsensbesessene Juste milieu der Akademiker bereit, einen der ihren den Hunden zum Fra\u00df vorzuwerfen, wenn er tats\u00e4chlich ernst nimmt, was eine Wissenschaftsinstitution doch erst ausmacht: den Austausch von Argumenten, den intellektuellen Streit. \u00c4hnliches passierte dem Osteuropa-Historiker J\u00f6rg Baberowski (Berlin) oder dem zuletzt in Rostock lehrenden Altertumsforscher Egon Flaig.<\/p>\n<p>Anpassungsdruck schafft Feudalismus in woke<br \/>\nAber solche F\u00e4lle sind mittlerweile Legion, und Wendt zitiert die haarstr\u00e4ubendsten Beispiele aus den USA, aus Frankreich, aus England. Gegenw\u00e4rtig allerdings ist in Deutschland unter der rotgr\u00fcnen Innenministerin Nancy Faeser eine Ausweitung der Kampfzone zu beobachten \u2013 sie greift auch kleine Fische ab: Erst k\u00fcrzlich wurde einer K\u00f6lner Stadtangestellten nach 40 Dienstjahren fristlos gek\u00fcndigt, weil sie einen Vortrag des Identit\u00e4ren Martin Sellner besucht hatte. Inzwischen klagt die Frau gegen ihren Rauswurf.<\/p>\n<p>Die \u201eErwachten\u201c, die \u201eWohlgesinnten\u201c der kulturellen Eliten, nehmen gern die Rolle der moralisch \u00dcberlegenen an, sie halten sich f\u00fcr kl\u00fcger, f\u00fcr \u00e4sthetisch gebildeter, sie sind erwacht zum \u201ebesseren Leben\u201c. Hier erkennt Wendt eine religionssoziologische R\u00fcckkopplung, wenn er schreibt: \u201eIn dieser Selbstwahrnehmung kehrt ganz nebenbei die alte calvinistische Idee der Gnadenwahl in weltlicher Form zur\u00fcck, die eine h\u00f6here Begr\u00fcndung f\u00fcr den eigenen materiellen Wohlstand liefert: Wir verdienen ihn, weil wir zu den moralisch Besseren geh\u00f6ren.\u201c<br \/>\nIn der Sinnproduktion herrscht eine feudale Klassengesellschaft: Oben auf dem Sonnendeck die Senderleiter und Chefredakteure, Hochschulprofessoren, Kirchenf\u00fcrsten. Darunter Redakteure, Bedienstete, Dozenten, NGO-Mitarbeiter. Die unterste Klasse bilden diejenigen in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen, darunter Journalisten mit Zeitvertr\u00e4gen, Autoren, die von st\u00e4ndig geringeren Zeilenhonoraren leben m\u00fcssen. Das erzeugt einen Anpassungsdruck, auch sie m\u00f6chten nach oben, sie m\u00f6chten ins Sorgenfreie, und selbstverst\u00e4ndlich h\u00fcten sie sich davor, unangenehm aufzufallen, etwa mit einer unbedachten \u00c4u\u00dferung zur Gendersprache oder Massenimmigration. Dieses System ist mittlerweile sch\u00fcttelfest und selbsterhaltend, es erzeugt Konforme und Opportunisten \u2013 womit die oft gestellte Frage nach dem Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust der Medien beantwortet w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ostdeutsche und Bauern als Pr\u00fcgelknaben<br \/>\nDie Verachtung der tonangebenden Kreise f\u00fcr die dort unten tritt zunehmend ungenierter auf. J\u00fcngst kommentierte der S\u00fcdwestrundfunk-Grande Rainald Becker die Bauernproteste mit den Worten: \u201eTraktorfahren macht offenbar dumm.\u201c Es ist der Klassenkampf der linken Gutverdiener gegen die rechten Schlechtverdiener, wenn ein \u201eerwachter\u201c Tagesthemen-Kommentator fleht: \u201eMacht Fleisch, Autofahren und Fliegen so verdammt teuer, da\u00df wir davon runterkommen!\u201c<br \/>\nEine besondere Verachtung trifft die transformationsm\u00fcderen Menschen im Osten des Landes, die gleichzeitig die hellh\u00f6rigeren sind f\u00fcr T\u00f6ne, die an die Tage der Diktatur erinnern. Sie werden nach Herzenslust von den \u201eWohlgesinnten\u201c verh\u00f6hnt, etwa wenn der einstige Spiegel-Mann Hasnain Kazim spottet: \u201eH\u00f6re, ich soll Ostdeutsche \u2018ernst nehmen\u2019. Ihr kamt 1990 mit \u2019nem Trabi angeknattert und w\u00e4hlt heute AfD \u2013 wie soll ich euch ernst nehmen?\u201c Der Chefredakteur der Saarbr\u00fccker Zeitung schrieb ebenfalls nach einem Wahlergebnis im Osten, das ihm mi\u00dffiel: \u201eWas bilden sich die Ossis eigentlich ein?\u201c<\/p>\n<p>Wendt hofft auf ein Ende der Kulturk\u00e4mpfe<br \/>\nSeine gro\u00dfangelegte und in jeder Beziehung gro\u00dfartige Studie l\u00e4\u00dft Alexander Wendt in \u00dcberlegungen dar\u00fcber m\u00fcnden, ob sich die offenkundigen Idiotien und Gaunereien woker Exzesse \u2013 etwa die haarstr\u00e4ubenden Hamas-Demonstrationen an amerikanischen Unis, in deutschen Innenst\u00e4dten \u2013 mit der Zeit erledigen werden, da ihre Absurdit\u00e4ten immer offenkundiger zutage treten. Er glaubt, da\u00df es f\u00fcr eine Weile ein Parallel-Laufen gibt, wie nach dem westf\u00e4lischen Religionsfrieden am Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges, eine Ermattungsphase, in der die K\u00e4mpfe aus purer Erm\u00fcdung ruhen.<br \/>\nIch f\u00fcr meinen Teil halte das f\u00fcr allzu optimistisch. Denn ich glaube, da\u00df diejenigen, die sich f\u00fcr die Erw\u00e4hlten, die Erwachten, die Wohlgesinnten halten, um ihre Machtpositionen mit der allergr\u00f6\u00dften Chuzpe und demokratieverachtender Entschlossenheit k\u00e4mpfen werden, denn sie verteidigen ja nicht nur ihre Privilegien \u2013 sie w\u00e4hnen sich zudem auf der guten Seite der Geschichte.<br \/>\n&#8230; Alles vom 3.3.2024 von Matthias Matussek bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2024\/wendt-gegen-woke-wohlgesinnt-auf-dem-sonnendeck\/\">https:\/\/jungefreiheit.de\/kultur\/literatur\/2024\/wendt-gegen-woke-wohlgesinnt-auf-dem-sonnendeck\/<\/a> oder<br \/>\nJunge Freiheit ,10\/24, Seite 13<br \/>\n.<br \/>\nKommentare:<br \/>\n\u201eIch f\u00fcr meinen Teil halte das f\u00fcr allzu optimistisch. \u2026 sie w\u00e4hnen sich zudem auf der guten Seite der Geschichte.\u201c<br \/>\nUnd nicht nur w\u00e4hnen sie sich auf der guten Seite. Sondern vor allem: es sind Sozialisten. Und die ruhen nicht, bis sie alles nicht-sozialistische ausgemerzt haben. Egal, ob es braune, rote oder gr\u00fcne Sozialisten sind.<br \/>\nIch w\u00e4hne mich auch auf der guten Seite. Aber mir k\u00e4me nicht in den Sinn, von anderen zu verlangen, so zu denken oder zu handeln wie ich. Ich bin kein Sozialist, sondern ein Anh\u00e4nger individueller Freiheit in einem schlanken, nationalstaatlichen, den Menschen dienenden \u00dcberbau und sozialer Marktwirtschaft. Rad<br \/>\n.<br \/>\nDer \u00dcbertriebene und extreme Wokismus hat seinen Ursprung bei den evangelikalen Moralpredigern in den USA. Wenn ich mir so manches Outfit von gewissen SPD \u2013 und Gr\u00fcnweibern ansehe, erinnert mich das sehr an die evangelikale Sekte der Amischen. Diese leben auch heute noch nach Steinzeit-Regeln. Nie<br \/>\nEnde Kommentar<br \/>\n.<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>Wolfgang R\u00f6hl rezensiert Alexander Wendt: Ist Peak Woke schon erreicht?<br \/>\n<\/strong>von Wolfgang R\u00f6hl<br \/>\n<em>Zeitgeist-Buster Alexander Wendt (Foto oben) untersucht, wie es zum Aufstieg der Moralbourgeoisie und ihrer Glaubenss\u00e4tze kommen konnte. Und ob der Scheitel der Erwecktenschwemme mittlerweile \u00fcberschritten ist.<\/em><\/p>\n<p>Wer als heute \u00e4lterer Mensch in Jugendjahren einer ordentlichen Dosis Marx ausgesetzt war \u2013 dem Hauspropheten der Linken war ja ab den sp\u00e4ten 1960ern f\u00fcr lange Jahre kaum zu entkommen \u2013, der h\u00e4tte alles M\u00f6gliche angenommen. Als Juso oder DKP ist zum Beispiel, dass der Klassenkampf bestimmt kommen w\u00fcrde, blo\u00df etwas sp\u00e4ter als von Marx angedacht. Wer eher konservativ oder liberal tickte, war sich ziemlich sicher, dass VW-K\u00e4fer, Reihenh\u00e4uschen und rheinischer Kapitalismus die Marx\u2019schen Visionen l\u00e4ngst obsolet gemacht hatten.<br \/>\nAber niemand, wirklich kein Schwein, h\u00e4tte sich tr\u00e4umen lassen, dass es mal einen Klassenkampf geben w\u00fcrde, der von oben nach unten gef\u00fchrt wird. Dass eine privilegierte Klasse aus zumeist urbanen Milieus \u2013 die mittlerweile zweite Generation der durch die Institutionen Marschierenden \u2013 aus ihren krisensicheren, gutdotierten Stellungen heraus dem Rest der Gesellschaft den Stinkefinger zeigen w\u00fcrde.<br \/>\nFriede dem Zentrum, Krieg der Peripherie \u2013 auf diese Formel bringt der Autor Alexander Wendt die Strategie der Wohlgesinnten, welche die Schaltstellen der Sinnproduktion besetzt haben, um die da unten Mores zu lehren. Eine Moralbourgeoisie, angef\u00fchrt von Senderf\u00fcrsten, Kirchenf\u00fcrsten und Stiftungsgr\u00f6\u00dfen auf dem Sonnendeck, die sich bei mancherlei Unterschiedlichkeit der Interessen in einem Punkt einig ist: in der profunden Verachtung nach unten.<br \/>\nScharfgestellte Beschreibungen und punktgenaue Wortsch\u00f6pfungen<br \/>\nAlexander Wendt (oben im Bild), das stellt sein neues Buch mit dem gleichnamigen Titel schon nach ein paar Seiten unter Beweis, ist ein Meister scharfgestellter Beschreibungen und punktgenauer Wortsch\u00f6pfungen. Die laufende \u00dcbernahme der Diskurshoheit durch eine moralische Hirtenklasse bei deren gleichzeitigem Versuch, nicht genehme Meinungen in einen schalltoten Raum der Gesellschaft zu sperren, benennt er mit Enzensbergerischer Eleganz, die auf Schm\u00e4hungen oder Tiraden verzichten kann. Weil eine Kaskade von Einf\u00e4llen durch die Kapitel l\u00e4uft, die keines Schaumes vorm Mund bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ja verdammt, sagt sich der Leser, genau das ist es, was die Profiteure des \u00f6kologisch-industriellen Komplexes, die Unk\u00fcndbaren im Staats- und Staatsfunkdienst, die Sch\u00f6nf\u00e4rber in den Wirtschafts- und Kulturkammern eint: der latente Glaube an die \u201ealte Idee der Gnadenwahl der Calvinisten\u201c (Wendt). Wir verdienen, was wir mehr verdienen, weil wir einfach bessere, fortschrittlichere, nachhaltigere Menschen sind! Und das E-Lastenrad vom holl\u00e4ndischen Designer f\u00fcr 6.000 Euro, das vor dem schneewei\u00dfen Gr\u00fcnderzeithaus in Hamburgs Isestra\u00dfe den Gehsteig verstellt, ist unser Gesinnungsbonus.<br \/>\nWie Deutschland in eine Woke-Lage geraten konnte, in der die Twitteria (auch so ein h\u00fcbsches Wendt-Wort) sich nicht scheut, die da auf der Stra\u00dfe mit dem faschistoiden Wort vom \u201eBlinddarm der Gesellschaft\u201c zu belegen, also als etwas, das wegkann, zeichnet das Buch in sieben Kapiteln nach.<br \/>\nLangen Raum nimmt der Abschnitt \u00fcber die USA als Kinderstube der woken Blasen ein. Aus ihren Universit\u00e4ten wurden einst die Achtundsechziger ideologisch aufmunitioniert. Hier wurde 2016 schlie\u00dflich der Terminus vom \u201eKorb der J\u00e4mmerlichen\u201c gepr\u00e4gt, mit dem Hillary Clinton bei einer New Yorker Wahlkampfspenden-Gala vor LGBT-Publikum so ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Amerikaner in die Tonne trat.<\/p>\n<p>Der Klassenkampf der Gesinnungsw\u00e4chter zielt nicht auf die Eliten<br \/>\nDie J\u00e4mmerlichen, das sind seither f\u00fcr viele Linke der USA jene Mitb\u00fcrger, die Verbrennerautos, Steaks und das Recht auf Waffenbesitz sch\u00e4tzen, aber nicht sehr auf illegale Migranten, veganes Futter oder politisch-korrektes Geschwafel (\u201eAbleism\u201c) stehen. Da alles, was an Bl\u00f6dsinn in den USA ausgekocht wird, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00fcber den Teich schwappt, kann man gar nicht scharf genug nach dr\u00fcben schauen. \u201eEine Verteidigung des Pl\u00fcnderns\u201c, wie sie Galionsfiguren des Radical chic dort formulieren, h\u00e4tte auch hierzulande Partisanen. Doch der Blick in die USA lohnt auch, weil es dort mittlerweile im woken Geb\u00e4lk hoffnungsversprechend zu knistern beginnt. Davon sp\u00e4ter.<br \/>\nNovit\u00e4t in der Geschichte der Bundesrepublik: Eine Phalanx aus Staatsfunkanstalten und gro\u00dfen Teilen der privaten Medien sieht ihre Aufgabe nicht mehr darin, die B\u00fcrger vor \u00dcbergriffen des Staates zu sch\u00fctzen. Sondern darin, den Staat vor seinen B\u00fcrgern in Schutz zu nehmen. Die beim Aufmucken gegen verheerende Lockdowns oder \u00f6kologisch verbr\u00e4mte Bauernlegerei sogleich zu Seuchenleugnern oder zum Mistgabel-Mob ernannt werden. Und wer daf\u00fcr ist, dass hunderttausende von illegal Reingeschneiten das Land verlassen, wie das Gesetz es will, auch wenn die Illegalen es nicht wollen, gilt als wiedergeborener Wanneekonferenzteilnehmer.<br \/>\nUnd die gute alte Klassenfrage? Ist derweil weitgehend unter die R\u00e4der gekommen. Nein, der Kapitalismus muss definitiv keine Angst haben vor den Wokies. Der Klassenkampf der Gesinnungsw\u00e4chter zielt auf die Erb\u00e4rmlichen, nicht auf die Eliten. Was in den Milieus der Ton-Angeber z\u00e4hlt, sind Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft vulgo Stamm. Demnach ist ein wei\u00dfer deutscher Lagerist mit 2.000 Euro im Monat immer noch \u201eprivilegiert\u201c gegen\u00fcber einer schwarzen Frau mit Migrahu, die als \u201eTatort\u201c-Darstellerin ein Vielfaches verdient.<\/p>\n<p>Druck im Inneren des akademischen und publizistischen Prekariats<br \/>\nDie \u201eewigen Niederrei\u00dfer\u201c (Wendt) kennen keine Klassenschranken mehr. Sie f\u00fcrchten sich auch nicht vor Degrowth aka wirtschaftlichem Niedergang. Es handelt sich ja \u00fcberwiegend nicht um Schwei\u00dfer wie den Achse-Mitarbeiter Wolfram Ackner, der im Buch zu Wort kommt. F\u00fcr Menschen mit staatlicher Jobgarantie oder erlesenen T\u00e4tigkeiten kann es gar nicht gr\u00fcn und geschrumpft genug werden. \u201eDas Auto einfach mal stehen lassen\u201c r\u00e4t eine Schreibkraft der FATAZ Elektromobilisten zwecks Pflege des Akkus und des Planeten. Wer unbedingt zur Arbeit muss, benutzt einfach das Zweitauto, nicht wahr. Woke leben ist nichts f\u00fcr Knauser.<br \/>\nWendt tritt bei der Betrachtung von Verh\u00e4ltnissen gern ein wenig zur\u00fcck, der besseren \u00dcbersicht wegen. Etwaige Zusammenh\u00e4nge im Wimmelbild der Ereignisse sind f\u00fcr den langj\u00e4hrigen Focus-Redakteur, seit 2020 bei Tichys Einblick t\u00e4tig, manchmal erkennbar. Eigentlich versucht seine Analyse, in welche er eine Reihe von Reportagen und Interviews eingebaut hat (etwa mit dem Initiator der gescheiterten linken \u201eAufstehen\u201c-Bewegung Bernd Stegemann), die L\u00f6sung eines R\u00e4tsels. Was h\u00e4lt die vielgliedrige Allianz des Woketums zusammen? Wie kommt es, dass Leute mit einem Fimmel f\u00fcr die Existenz von 87 unterschiedlichen Geschlechtern zugleich die massenhafte Einwanderung von Menschen beklatschen, in deren Herkunftsl\u00e4ndern man Schwule oder Transen an den Baukran h\u00e4ngt?<\/p>\n<p>Die Uniformit\u00e4t der ver\u00f6ffentlichten Meinung, fast hundertprozentig auf Vordermann gebracht bei den Berichten \u00fcber die j\u00fcngste inszenierte Protestwelle (\u201eRemigations-Konferenz\u201c), woher r\u00fchrt sie? \u201eHomogenisierung ohne zentrale Anweisungen\u201c nennt Wendt, allen Aluh\u00fcten abgeneigt, das Ph\u00e4nomen. Gerade im Inneren des akademischen und des publizistischen Prekariats, schreibt der Medienkenner, herrschen enormer Druck und Ungleichheit:<br \/>\n\u201eJe schlechter die Chancen auf den verhei\u00dfenen Aufstieg, von dem die Aspiranten selbst- versta\u0308ndlich annehmen, dass er ihnen zusteht, je kleiner die Zahl der privilegierten Posten, desto heftiger der Eifer, sich selbst als besonders wachsam, rein und zuverla\u0308ssig zu beweisen. Und desto heftiger das Bestreben, Feinde ausfindig zu machen und niederzuka\u0308mpfen. Auch wenn die meisten von ihnen Carl Schmitts Schriften nicht kennen, verinnerlichen sie aus Eigeninteresse einen seiner Sa\u0308tze: ,Sichert Euch rechtzeitig die Position des Ankla\u0308gers!\u2018\u201c<\/p>\n<p>Die Erwachten sto\u00dfen jetzt hier und da auf Gegenwehr<br \/>\nDie permanente Disruption, Lieblingssport der Aufgewachten, ist allerdings das Letzte, was sich die Unerleuchteten w\u00fcnschen. Tats\u00e4chlich ist Stabilit\u00e4t ein Sehnsuchtsort der meisten Menschen, die Umbr\u00fcchen und Unsicherheiten \u00fcber lange Zeiten ausgesetzt waren. Gesetze und Regeln des Zusammenlebens, die eben nicht \u201et\u00e4glich neu ausgehandelt werden m\u00fcssen\u201c (worauf sich eine Vize-SPD-Vorsitzende mal \u00f6ffentlich freute), das wird nicht zuf\u00e4llig besonders in Ostdeutschland gesch\u00e4tzt. Und nicht nur dort. Am Anfang des Buches schreibt der Autor \u00fcber Begegnungen mit Migranten in einer Siedlung am Rande von Lissabon. \u00dcberraschung: Was sich die meisten vom Migrationsziel erhoffen, weil es in ihren Herkunftsl\u00e4ndern Mangelware ist: Stabilit\u00e4t, Rechtssicherheit.<br \/>\nDas Interessanteste in \u201eVerachtung nach unten\u201c ist f\u00fcr mich das achte Kapitel, betitelt \u201eProvisorischer Frieden \u2013 ein Entwurf\u201c. Es macht Vorschl\u00e4ge, wie der \u201eKulturkrieg zwischen B\u00fcrgergesellschaft und ihren Feinden geordnet beendet\u201c werden k\u00f6nnte. So, wie auch der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg wegen Ersch\u00f6pfung der Parteien endete, von denen keine mehr einen Sieg erhoffen durfte. Wendt pl\u00e4diert f\u00fcr eine \u201eEntgiftung\u201c, warnt vor rechten S\u00e4uberungsphantasien.<\/p>\n<p>Sein 12-Punkte-Programm, darunter die Anerkennung eigentlich selbstverst\u00e4ndlichen Verhaltens (\u201eInstitutionelle Machtteilung, Rede und Gegenrede geho\u0308ren zu allen o\u0308ffentlichen Angelegenheiten. Zweifel geho\u0308rt zur Wissenschaft.\u201c) w\u00e4re selbstredend vollkommen chancenlos, w\u00fcrden sich nicht Zeichen mehren, dass der H\u00f6hepunkt der Wokeness-Welle erreicht oder bereits \u00fcberschritten ist. Jedenfalls sto\u00dfen die Erwachten jetzt hier und da auf Gegenwehr. Den Sinnproduzenten, noch vor einem Jahr oder so von baldigem Endsieg \u00fcberzeugt, schwimmen Felle weg.<\/p>\n<p>Ist der Gipfel des Beknackten endlich erreicht?<br \/>\nIn den USA wurde das Proleten-Bier Budweiser massenhaft boykottiert, als es eine auf Audrey Hepburn gestylte Transgender-Influencerin als Werbemaskottchen w\u00e4hlte. Dass die Harvard-Pr\u00e4sidentin Claudine Gay, zwar unf\u00e4hig, aber schwarz, wegen antisemitischer Vorf\u00e4lle auf dem Campus und Plagiaten in ihren eigenen akademischen Arbeiten zur\u00fccktreten musste, war alles andere als selbstverst\u00e4ndlich gewesen, als Ende vergangenen Jahres die ersten Vorw\u00fcrfe aufkamen. Und dass an der durchweg stramm progressiv regierten Westk\u00fcste, wo St\u00e4dte wie San Francisco oder Portland in Kriminalit\u00e4t und Drogensumpf versinken, radikale Kommunalpolitiker abgew\u00e4hlt werden, setzte ebenfalls Zeichen. Der US-Autor Michael Shellenberger h\u00e4lt sie f\u00fcr ein Signal, dass in einigen R\u00e4umen \u201ePeak Woke\u201c erreicht sei. Allerdings noch nicht in ganz Amerika, geschweige denn in Europa:<br \/>\n\u201eDer Aufstieg dieser Ideologie war ein langer Prozess u\u0308ber viele Jahre. Und wenn das der Wendepunkt war, dann wird sich auch ihr Abstieg u\u0308ber viele Jahre hinziehen. Sie wird nicht schnell und plo\u0308tzlich verschwinden.\u201c<br \/>\nUnd Deutschland? Dass die Litanei vom b\u00f6sen wei\u00dfen alten Mann, dass der identit\u00e4re Wahn autochthoner Tribalisten, dass die Verherrlichung des edlen Wilden auf dem Gummiboot, dass die Sprachverkasperung (XY m\u00f6chte partout nicht als Mann \u201egelesen\u201c werden), dass also diese ganze wildbeknackte Mischung ihren Gipfel bereits erreicht hat: too good to be true. Peak Woke ist ja eine h\u00fcbsche, dem Jargon der Ressourcen-Kassandras angelehnte Sprachblume. Die freilich ein Geschm\u00e4ckle aufweist. Hatte nicht auch der Club of Rome anno 1972 einen Peak verk\u00fcndet, n\u00e4mlich Peak Oil? Die F\u00f6rderung von Erd\u00f6l w\u00fcrde von nun an immer mehr zur\u00fcckgehen, 1992 w\u00e4re der letzte Tropfen verfeuert. Bekanntlich stellte sich das als Bullshit heraus.<\/p>\n<p>Gr\u00fcner wird\u2019s nicht mehr<br \/>\nImmerhin, die neue Priesterklasse ger\u00e4t schon mal in die Defensive. Vom Ende der gr\u00fcnen Komfortzone k\u00fcnden allerlei hocherschrockene St\u00fccke in Zeit oder Stern. Wie es denn blo\u00df angehen k\u00f6nne, dass den Gr\u00fcnen so viel \u201eHass\u201c entgegenschlage! Dass sich junge M\u00e4nner zunehmend nach Steuerbord wenden (w\u00e4hrend junge Frauen unbeirrt gen Backbord tendieren), meldete j\u00fcngst die NZZ unter Berufung auf die Financial Times und schockierte damit einen gro\u00dfen Teil der Presszunft.<\/p>\n<p>\u201eDie Zukunft ist offen, auch f\u00fcr ein neues b\u00fcrgerliches Zeitalter\u201c, schreibt Wendt am Ende seiner luziden Betrachtung. Und er erz\u00e4hlt ausf\u00fchrlich, was im November 1819 auf Hawaii geschah. Da lie\u00df der Sohn des verstorbenen K\u00f6nigs bei einem Fest in seinem Palast Schweinefleisch zu jenen Tischen bringen, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr Frauen reserviert waren. Zu denen setzte er sich zum gemeinsamen Mahl, brach damit gleich zwei Tabus der \u00fcberkommenen kapu-Ordnung. Nach der war Schweinefleisch f\u00fcr Frauen streng verboten. Und M\u00e4nner durften nicht mit Frauen essen.<br \/>\nEs erfolgte kein Aufstand der Priesterkaste, kein Aufruhr im Volk. Im Gegenteil. Da war ein gro\u00dfes Aufatmen \u00fcber den Bruch mit dem hochkomplizierten kapu-System, das ungez\u00e4hlte sinnfreie Regeln aufgestellt hatte, auf deren \u00dcbertretung die Todesstrafe stand. Alle Frauen a\u00dfen an diesem Tag Schweinefleisch. Anschlie\u00dfend brannte das Volk die Tempel nieder. \u201eInnerhalb k\u00fcrzester Zeit entglitt den Priestern ihre Machtbasis, n\u00e4mlich der Glaube, nur kapu sei in der Lage, die Gesellschaft zusammenzuhalten\u201c, schreibt Wendt.<br \/>\nAllein f\u00fcr diese wunderbare, poetische Ermutigung lohnt es sich, sein Buch zu lesen.<br \/>\n&#8230; Alles vom 3.3.2024 von Wolfgang R\u00f6hl bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ist_peak_woke_schon_erreicht\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/ist_peak_woke_schon_erreicht<\/a><\/p>\n<p><em>Alexander Wendt: Verachtung nach unten. Lau Verlag, Reinbek, 26,00 Euro.<\/em><br \/>\n<em>Wolfgang R\u00f6hl, geboren 1947 in Stade, studierte Literatur, Romanistik und Anglistik. Ab 1968 Journalist f\u00fcr unterschiedliche Publikationen, unter anderem 30 Jahre Redakteur und Reporter beim \u201eStern\u201d. Intensive Reiset\u00e4tigkeit mit Schwerpunkt S\u00fcdostasien und Lateinamerika. Autor mehrerer Krimis.<\/em><br \/>\n.<br \/>\nEinige Kommentare:<br \/>\nIch denke, die Herrschaft von Woko Haram ist l\u00e4ngst nicht zu Ende, sie wird eher schlimmer. Hier geht es ja nicht um ideologische Trends oder Positionen im Meinungsaustausch &#8211; hier geht es um Aus\u00fcbung von Herrschaft Und hier legt der woke Wahnsinn eine Schippe Macht nach der anderen drauf. Gegen links-gr\u00fcne Macht in Parlamenten und Regierungen kann man grunds\u00e4tzlich nichts sagen, Demokratie, selbst schuld &#8211; sie wird aber zementiert und gesteigert durch Medienmacht und Vorfeldorganisationen (NGO\u2018s, Gewerkschaften , Kirchen) plus Geld vom Steuerzahler (das Opfer bezahlt seinen Peiniger) und von netten, v\u00f6llig unbedenklichen und selbstlosen Philanthropen nebst Stiftungen C.Sch<br \/>\n.<br \/>\nAuch wenn der Inhalt des Kommentars von @Werner Arning kaum ertr\u00e4glich ist: Ich f\u00fcrchte, er schildert die Realit\u00e4t so wie sie ist. Wer sich keine Illusionen machen will tut gut daran, dar\u00fcber nachzudenken. Mir f\u00e4llt jedenfalls kein Gegenargument ein. Das Zusammengehen von linker Ideologie und Gro\u00dfkapitalismus, diese unselige Kombination, f\u00fchrt wahrscheinlich in eine Katastrophe. K.O.<br \/>\n.<br \/>\nAll die Ketten und Knebel, die \u201edem Sagbaren\u201c angelegt und in den Mund gestopft worden sind, sind ja nicht zuf\u00e4llig so eng geschn\u00fcrt worden. Vermutlich geht es gar nicht um all die neuen, woken Spielregeln des Lebens, sondern es geht um das Fesseln der Vernunft. Es ist die Vernunft, die get\u00f6tet werden soll. Denn die Vernunft steht jeglicher Selbstsch\u00e4digung Selbstzerst\u00f6rung im Wege. Der Vernunft sollen in Wirklichkeit die Fesseln angelegt werden. Niemand soll sich mehr trauen, sich auf sie zu berufen. Niemand soll sich mehr erdreisten, sie zum Zeugnis zu rufen. Eingesch\u00fcchtert soll jeder der Vernunft abschw\u00f6ren. Denn die Beseitigung der Vernunft bedeutet erst die Erlangung der Macht, Dinge durchsetzen zu k\u00f6nnen, die jeder, der bei Vernunft ist, nicht w\u00fcnschen kann. Wer also die Vernunft mit einem Bann belegt, sie zu einem Tabu erkl\u00e4rt, der ist frei, der setzt seine Agenda durch und hei\u00dfe sie beispielsweise Krieg oder Armut oder Unfreiheit oder Unglaube. Es gibt keine Grenzen mehr. Die Entwicklung von Individualit\u00e4t, zu welcher Vernunft gebraucht wird, wird schlichtweg verhindert. Es handelt sich um eine Form von Herrschaft \u00fcber den Menschen. Mir scheint, dass es den klugen Erfindern der Wokeness um diese Herrschaft geht. Man schl\u00e4gt zwei Fliegen mit einer Klappe. Man hat die Linken und deren Protestpotential \u201ein die Tasche\u201c gesteckt, bindet sie, indem man vorgeblich \u201eihre Werte\u201c durchsetzt, in Wirklichkeit jedoch quasi konterrevolution\u00e4r, gro\u00dfkapitalistische Ziele verfolgt und durchsetzt. Der B\u00fcrger wird moralisch einwandfrei bis an den Rand der Klippe gef\u00fchrt, von der er sich, wiederum moralisch einwandfrei und mit eigener Zustimmung, \u201ehinunterst\u00fcrzen l\u00e4sst\u201c. Und eifrig finanziert der B\u00fcrger zuvor seinen eigenen Untergang. Werner Arning<br \/>\n.<br \/>\nNein, eine R\u00fcckkehr der B\u00fcrgerlichkeit wird es in Deutschland nicht mehr geben &#8211; weil es uns an B\u00fcrgern gebricht! Die letzten wei\u00dfen M\u00e4nner und Frauen sterben aus und es gibt kaum noch Nachfolger, die die Fackel des j\u00fcdisch-christlichen Abendlandes und der Aufkl\u00e4rung weitertragen k\u00f6nnten. Das Werk der Kultur-Zersetzung und -Zerst\u00f6rung der RotGr\u00fcnen Khmer wird total sein, denn es wird nicht enden, wenn Peak Woke \u00fcberschritten sein wird. Denn danach, nach der Phase des enthusiasmierten Wokeismus folgt unweigerlich die Phase des Woke Totalitarismus und der Repression. Die Werkzeuge dazu werden gerade geschmiedet. Nur zwei alternative Disruptionen k\u00f6nnten dem Fortschreiten des Wokeismus den Weg versperren: der Dritte Weltkrieg oder die Revolution der Mohammedaner und die Einf\u00fchrung der Scharia. A.Sch<br \/>\n.<br \/>\nGibt Alexander Wendt in seinem Buch eine (m\u00f6gliche) Antwort auf die Frage: \u00bbWie kommt es, dass Leute mit einem Fimmel f\u00fcr die Existenz von 87 unterschiedlichen Geschlechtern zugleich die massenhafte Einwanderung von Menschen beklatschen, in deren Herkunftsl\u00e4ndern man Schwule oder Transen an den Baukran h\u00e4ngt?\u00ab Das w\u00fcrde ich n\u00e4mlich ganz furchtbar gern erkl\u00e4rt bekommen! &#8211; &#8211; Herr Wendt ist Aluh\u00fcten abgeneigt, wie ich lese, und stellt eine \u201eHomogenisierung ohne zentrale Anweisungen\u201c fest. Okay, das kann man so sehen. Was aber, wenn die \u201ezentralen Anweisungen\u201c gar nicht als solche wahrgenommen werden, weil sie durch subtile Gehirnw\u00e4sche (Propaganda und innerer und \u00e4u\u00dferer Konkurrenzdruck) wahrgenommen werden? Als inzwischen erfahrene \u201eVerschw\u00f6rungstheoretikerin\u201c (Kriminalistin) mit beachtlicher Aufkl\u00e4rungsrate bin ich \u00fcberzeugt, dass die zentralen Anweisungen aus dem un\u00fcberschaubaren Gewirk von durch \u201ePhilanthropen\u201c und Steuerzahlern (meist unfreiwillig) finanzierten NGOs mit ihren professionellen PsyOp-PR-Abteilungen (\u201eStiftungen\u201c) ausgegeben werden. Das Bestreben, Feinde auszumachen, um sie niederzumachen, kann ja nur daher r\u00fchren, dass jemand einen anderen oder etwas anderes als Feind definiert hat und einem dieses Feindbild ins Hirn eingeblasen hat. Man erfindet sich seine Feinde doch nicht so einfach ohne Anlass, wenn einem keiner etwas B\u00f6ses angetan hat!? I.G.<br \/>\n.<br \/>\nToller Artikel, Gratuliere. Europa h\u00e4tte ein Friedensprojekt und wirtschaftliches Vorbild f\u00fcr die ganze Welt werden k\u00f6nnen. Gemeinsam mit Russland noch viel st\u00e4rker als die USA. Aber es wurde leider von ihren Eliten verkauft und verraten. Mich erinnert das Ganze an die gro\u00dfartigen Chancen die Deutschland als Hor der Wissenschaft mit&#8230; P.Z.<br \/>\n.<br \/>\nKlar befinden wir uns ungef\u00e4hr auf dem \u201cPeak woke\u201d. Nur, aller Erfahrung nach, wird es keinen allm\u00e4hlichen Abstieg geben, es wird einfach aufh\u00f6ren. Von heute auf morgen. Ausschlaggebend wird das Ende der Klimaideologie sein. Auch diese wird einfach aufh\u00f6ren. \u201cCorona\u201d hat es doch auch gezeigt. Problematisch f\u00fcr uns ist nur dass Deutschland, als strukturell stockkonservatives Land, wie immer v\u00f6llig versp\u00e4tet das Schlusslicht sein wird. C..<br \/>\n.<br \/>\nIch stimme dem Autor weitgehend zu, meine aber beobachten zu k\u00f6nnen, dass der Absturz von Ideologien und Regimen schneller erfolgt als ihr Aufstieg. O.B.<br \/>\n.<br \/>\nEines der zentralen Probleme des, in diesem Fall fuer Sch\u2019land unbegruendeten, Optimismus ist die Passivit\u00e4t oder der kindliche Glaube, \u201cdas wird ( quasi von allein) schon wieder\u201d. Bei genauer Betrachtung gruendet sich der Optimismus genau auf das, was man dem Feind zu Recht vorwirft, auf Narrative, jedenfalls nicht auf Fakten. Es gibt nicht den geringsten Ansatz fuer die Annahme, der laufende Prozess koennte ein mehr oder weniger abruptes Ende finden, von einer Wende ganz zu schweigen, weder politisch, noch systemisch und institutionell oder personell. Die Behandlung der einzigen Partei, die dafuer politisch stuende, ist bekannt. Inzwischen werden dank staatlicher, die CDU inklusive, verbaler \u201cVorleistung\u201d die Verwandten von Funktion\u00e4ren angegangen, was hier, vordergr\u00fcndig merkw\u00fcrdig, sehr wenig thematisiert wird. Der \u201cWiderstand\u201d der Liberalkonservativen haelt sich jedenfalls in Grenzen, die Heuchelei leider nicht. Warum die Transformatoren ihr Tun beenden sollten, wird hier auch nie thematisiert. Die \u201cAngst\u201d vor der Liberalkonservativen duerfte es nicht sein. Da wird von einem Transformationsgesetz nach dem anderen berichtet, vom Niedergang an allen Ecken, und dann soll von irgendwo ein Lichtlein herkommen, das ohnehin aktuell nur bei der sogen Neuen Rechten brennt. Woanders glimmt da gar nichts. Dass die Taeter zu Allem bereit und in der Lage sind, scheint immer noch verdr\u00e4ngt zu werden. R.N.<br \/>\n.<br \/>\nBei uns ist das nicht so einfach wie in USA. Da sind die Lehrst\u00fchle f\u00fcr Gender&#8220;Science\u201d privat finanziert, das sind Spielwiesen f\u00fcr Milliard\u00e4re. Bei uns sind das alles Beamte, die ihr eigenes Curriculum formulieren ( das frei erfunden ist) und die sich lebenslang im Staatsbetrieb verlustieren. W\u00e4hrend die Amis dem Mist einfach den Stecker ziehen k\u00f6nnen, m\u00fcssen die bei uns aussterben, was eher so 30+ Jahre dauert. J.L.<br \/>\nEnde Kommentare<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Deutsche Kultur\u00a0&gt;Aufkl\u00e4rung\u00a0&gt;Kulturrevolution &gt;Kulturverlust &gt;Verachtung Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen Moral, Verachtung, Brandmauer: \u201eEine Perversion unserer Werte\u201c \u2013 Michael Andrick im Gespr\u00e4ch\u00a0(4.1.2026) Horrormensch statt Christkind\u00a0(27.12.2025) Generation Verantwortungslosigkeit\u00a0(30.11.2024) Vance-Buch: Kontaktschuld\u00a0 Marketing-Trick\u00a0(29.7.2024) Ohne Sinnproduzenten k\u00f6nnen die Peripheren leben &#8211; umgekehrt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/kulturverlust\/verachtung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":81438,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-121494","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/121494","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121494"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/121494\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143712,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/121494\/revisions\/143712"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/81438"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}