{"id":112989,"date":"2023-06-18T21:06:38","date_gmt":"2023-06-18T19:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=112989"},"modified":"2025-06-17T22:16:42","modified_gmt":"2025-06-17T20:16:42","slug":"17juni1953","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/17juni1953\/","title":{"rendered":"17Juni1953"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Global\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/\">Global<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Deutschland\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/\">Deutschland<\/a>\u00a0 &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/\">Nation<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalfeiertag\/\">Nationalfeiertag<\/a> &gt;17Juni1953<\/p>\n<div id=\"attachment_110433\" style=\"width: 628px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BVerfG-adler-pan220302.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-110433\" class=\"size-full wp-image-110433\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BVerfG-adler-pan220302.jpg\" alt=\"\" width=\"618\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BVerfG-adler-pan220302.jpg 618w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/BVerfG-adler-pan220302-180x88.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-110433\" class=\"wp-caption-text\">Bundesadler als Logo des BVerfG alt (mit Z\u00e4hnen und Krallen) und neu (ohne alles)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): <span style=\"text-decoration: underline;\">Klicken<\/span> oder scrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/17-juni-1953-und-17-juni-2025\/\">17. Juni 1953 und 17. Juni 2025<\/a> (17.6.2925)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/9-11-ist-kein-nationalfeiertag\/\">9.11. \u2013 ist kein Nationalfeiertag<\/a>\u00a0(9.11.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/17-juni-1953-volksaufstand-ddr\/\">17. Juni 1953 Volksaufstand DDR<\/a>\u00a0(17.6.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/volk\/\">Wir sind das Volk\u201c: Nie wieder 17. Juni! Nie wieder 9. November 1989!<\/a>\u00a0(16.1.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/3-10-feiertag-ohne-feierlaune\/\">3.10. \u2013 Feiertag ohne Feierlaune<\/a>\u00a0(4.10.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/innenpolitik-vs-aussenpolitik\/\">Innenpolitik vs Aussenpolitik<\/a> (24.6.2023)<\/li>\n<li>Hubertus Knabe zum 17. Juni 1953: \u201eDas gro\u00dfe Schweigen\u201c (22.6.2023)<\/li>\n<li>17. Juni 2023 in der deutschen Erinnerungspolitik (18..6.2023)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nation\/national\/\">national<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/volk\/\">Volk<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hubertus Knabe zum 17. Juni 1953: \u201eDas gro\u00dfe Schweigen\u201c<\/strong><br \/>\nInterview: Der 70. Jahrestag ist vorbei \u2013 der Volksaufstand gegen die SED fast schon wieder vergessen. Dabei z\u00e4hlt er zu den \u201egro\u00dfen revolution\u00e4ren Erhebungen der deutschen Geschichte\u201c, mahnt der DDR-Experte Hubertus Knabe in seinem nun wieder erschienenen Standardwerk \u201e17. Juni 1953\u201c<br \/>\nMoritz Schwarz<\/p>\n<p>Herr Dr. Knabe, ger\u00e4t der \u201edeutsche Aufstand\u201c, wie Sie ihn nennen, vom 17. Juni 1953 in Vergessenheit?<br \/>\nHubertus Knabe: Ich f\u00fcrchte, ja. Dieser 70. Jahrestag war wahrscheinlich das letzte Mal, da\u00df sich Medien und Politik mit den Ereignissen breiter befa\u00dft haben. Vielleicht findet der 75. Jahrestag noch einmal gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit, aber das Unwissen nimmt von Jahr zu Jahr zu.<\/p>\n<p>Zum 75ten d\u00fcrften die meisten Zeitzeugen tot sein.<br \/>\nKnabe: Das ist leider jetzt schon ein Problem.<\/p>\n<p>In der Neuausgabe Ihres Buchs schreiben Sie, \u201eerst 2003 erinnerten sich viele pl\u00f6tzlich wieder der dramatischen Ereignisse\u201c. War der Grund nur der 50. Jahrestag oder steckte dahinter vielleicht mehr?<br \/>\nKnabe: Der 50. Jahrestag fand in der Tat gro\u00dfe Aufmerksamkeit \u2013 die jedoch genauso pl\u00f6tzlich endete, wie sie begann. Viele Journalisten entdeckten damals die Geschichte ihres eigenen Landes neu. Im Westen hatte das Gedenken an den Aufstand zunehmend als eine Art \u201eRelikt des Kalten Krieges\u201c gegolten. Im Osten war er jahrzehntelang verschwiegen oder als \u201efaschistischer Putschversuch\u201c verteufelt worden. Nach der Friedlichen Revolution 1989 erschien er vielen dann auf einmal als deren fr\u00fcher Vorl\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Die Deutschen haben damals den 17. Juni \u201eneu entdeckt\u201c?<br \/>\nKnabe: Zweifellos. Die breite Berichterstattung war vermutlich auch eine Gegenbewegung zur \u201eOstalgie\u201c-Welle, die die Medien davor beherrschte.<\/p>\n<p>Mit \u201eTage des Sturms\u201c gab es erstmals sogar einen Spielfilm zum Thema, mit Starbesetzung und einem Drehbuch aus der Feder des Schriftstellers Erich Loest.<br \/>\nKnabe: Besser war allerdings der Film \u201eZwei Tage Hoffnung\u201c. Selbst Erich Loest kritisierte, was der MDR aus seinem Drehbuch gemacht hatte. Aber diese Fernsehfilme trugen nat\u00fcrlich erheblich dazu bei, da\u00df der Aufstand pl\u00f6tzlich in aller Munde war.<\/p>\n<p>Aber da\u00df er bald danach wieder vergessen war, deutet doch auf ein mediales Strohfeuer hin.<br \/>\nKnabe: Leider ja. W\u00e4hrend etwa in Ungarn bis heute die allermeisten den Volksaufstand von 1956 kennen d\u00fcrften, wei\u00df ein gro\u00dfer Teil der Deutschen nicht mehr, was 1953 in der DDR geschah \u2013 vor allem in der j\u00fcngeren Generation.<\/p>\n<p>Warum ist das so?<br \/>\nKnabe: In einer brutalen Diktatur f\u00fcr freie Wahlen auf die Stra\u00dfe zu gehen, ist etwas ganz Besonderes. Der 17. Juni geh\u00f6rt deshalb in die Reihe der gro\u00dfen demokratischen Erhebungen in Deutschland. Als er 2003 wiederentdeckt wurde, nahm auch das Wissen dar\u00fcber pl\u00f6tzlich rapide zu. Der Anteil derjenigen, die wu\u00dften, was am 17. Juni geschah, stieg binnen weniger Wochen von 52 auf 68 Prozent, bei den unter Drei\u00dfigj\u00e4hrigen sogar von 20 auf 50 Prozent.<\/p>\n<p>\u201eKaum war der Jahrestag vorbei, senkte sich erneut der Mantel des Schweigens\u201c, schreiben Sie in Ihrem Buch \u201e17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand\u201c.<br \/>\nKnabe: Genau \u2013 und das, obwohl nach 2003 noch viele neue Erkenntnisse hinzukamen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel?<br \/>\nKnabe: Zum Beispiel wurde die Behauptung der SED widerlegt, westdeutsche Geheimdienste h\u00e4tten den Aufstand initiiert. In Wirklichkeit war die \u201eOrganisation Gehlen\u201c, der Vorl\u00e4ufer des Bundesnachrichtendienstes, genauso \u00fcberrascht wie die SED. Sie verd\u00e4chtigte sogar die Sowjets, dahinterzustecken. Auch die Regionalforschung zum 17. Juni erlebte 2003 einen Schub. Doch dies stie\u00df auf kein besonderes Interesse mehr. Bereits 2005 hielten ein Drittel der deutschen Sch\u00fcler den Volksaufstand f\u00fcr einen \u201eantisozialistischen Putschversuch\u201c.<\/p>\n<p>Und zum 60. Jahrestag?<br \/>\nKnabe: 2013 gab es nochmal eine hochrangig besetzte Gedenkveranstaltung in Berlin. Das war aber auch schon alles. Danach setzte wieder das gro\u00dfe Schweigen ein.<\/p>\n<p>Hat Sie das \u00fcberrascht?<br \/>\nKnabe: Ehrlich gesagt, nein. Was mich \u00fcberraschte, war eher das enorme Interesse 2003. Denn es stand im Gegensatz zur Gleichg\u00fcltigkeit, das in Deutschland sonst gegen\u00fcber dem Widerstand und der Verfolgung in der DDR zu beobachten ist.<\/p>\n<p>Wurde dar\u00fcber nach dem Ende der DDR nicht immer wieder berichtet?<br \/>\nKnabe: Der Zusammenbruch der SED-Diktatur 1989 l\u00f6ste in der Tat eine breite Berichterstattung \u00fcber die kommunistischen Verbrechen aus \u2013 nach jahrelanger Sch\u00f6nf\u00e4rberei zuvor. Bald wurde diese aber von Berichten \u00fcberlagert, da\u00df die Ostdeutschen angeblich vor allem unter den Folgen der Wiedervereinigung litten. Die Bundesregierung will dazu jetzt in Halle sogar ein riesiges Zentrum bauen.<\/p>\n<p>Die Politik beteuert doch bei jeder Gelegenheit, demokratische Lehren aus der Geschichte gezogen zu haben.<br \/>\nKnabe: Davon merkt man leider wenig. Viele Politiker interessieren sich einfach nicht f\u00fcr die DDR. An Gedenktagen gibt es ein paar Schaufensterreden, aber das war\u2019s. Der aktuelle Antrag der Ampel-Regierung ist ein Beispiel daf\u00fcr: Irgendwelche Ma\u00dfnahmen, wie man die Erinnerung an den 17. Juni wieder st\u00e4rken k\u00f6nnte, finden sich nicht darin.<\/p>\n<p>Sie schreiben, der 17. Juni h\u00e4tte \u201eeine elementare Kraft, die fasziniert\u201c. Worin liegt diese?<br \/>\nKnabe: Geschichte betrachten wir meist vom Ende her. So sehen wir im 17. Juni vor allem das Scheitern. Erz\u00e4hlt man Geschichte aber von ihrem Anfang her \u2013 also so, wie sie die Zeitgenossen erlebt haben \u2013, dann war der Aufstand ein gro\u00dfer Tag der Befreiung. Das SED-Regime brach wie ein Kartenhaus zusammen. Die Parteispitze mu\u00dfte ins sowjetische Hauptquartier evakuiert werden, der DDR-Regierungssitz wurde gest\u00fcrmt. In zahlreichen St\u00e4dten wurden die Parteizentralen besetzt, vielerorts auch Gef\u00e4ngnisse, Polizeireviere und Stasi-Dienststellen. H\u00e4tten nicht sowjetische Panzer und Soldaten interveniert, w\u00e4re die SED-Diktatur schon 1953 zu Ende gewesen.<\/p>\n<p>Aber in Berlin kam die Niederlage schon nach wenigen Stunden.<br \/>\nKnabe: Berlin war eher ein Ausnahmefall. Weil der Potsdamer Platz im Sichtfeld westlicher Journalisten lag, wird der Aufstand bis heute vor allem mit Bildern von dort identifiziert. Das verzerrt den Blick, denn in Berlin rollten sowjetische Panzer schon zwischen 10 und 11 Uhr in die Innenstadt. Um 12 Uhr eroberten die Sowjets den Regierungssitz zur\u00fcck, danach r\u00e4umten sie den Potsdamer Platz, wo es um 12.40 Uhr den ersten Toten gab. Um 13 Uhr wurde schlie\u00dflich der Ausnahmezustand verh\u00e4ngt. In anderen St\u00e4dten jedoch zog sich der Aufstand viel l\u00e4nger hin. In Halle fand noch um 18 Uhr eine gro\u00dfe Kundgebung statt, erst danach griffen sowjetische Truppen ein. In G\u00f6rlitz war es \u00e4hnlich. Die Erhebung konnte sich deshalb dort viel weiter entwickeln. Die Aufst\u00e4ndischen \u00fcbernahmen das Rathaus, setzten den B\u00fcrgermeister ab und erteilten erste Anweisungen. Innerhalb von Stunden erreichten sie das, wof\u00fcr die B\u00fcrgerbewegungen 1989 Monate brauchte: die Entmachtung der SED.<\/p>\n<p>Um so mehr stellt sich die Frage, warum ein solch wuchtiges Ereignis aus historischer Identit\u00e4t und kollektivem Bewu\u00dftsein der Deutschen verschwunden ist?<br \/>\nKnabe: In der DDR war der 17. Juni 36 Jahre lang extrem tabuisiert. Selbst die B\u00fcrgerrechtler der achtziger Jahre wollten nichts damit zu tun haben. Im Westen wurde der Tag zwar \u2013 auf Initiative der SPD \u2013 noch 1953 zum einzigen bundesgesetzlichen Feiertag erkl\u00e4rt. Doch bereits Ende der sechziger Jahre wollte man ihn wieder abschaffen, und seit 1968 gab es keine Gedenkstunde im Bundestag mehr. Als sich Bundeskanzler Willy Brandt dann 1970 mit dem DDR-Ministerratsvorsitzenden Willi Stoph in Erfurt traf, sprach niemand mehr davon, da\u00df Stoph, 1953 Innenminister, f\u00fcr die Verhaftung Tausender Aufst\u00e4ndischer verantwortlich gewesen war. Helmut Kohl f\u00fchrte die Gedenkstunde 1983 zwar wieder ein, doch die Gr\u00fcnen boykottierten sie. Woher sollte also das Bewu\u00dftsein kommen!<\/p>\n<p>Der 17. Juni verkam bekanntlich zum Badetag \u2013 oft wird angef\u00fchrt, weil die Westdeutschen nicht Teilnehmer, sondern nur Zaung\u00e4ste waren.<br \/>\nKnabe: In den f\u00fcnfziger und fr\u00fchen sechziger Jahren gab es im Westen noch eine gro\u00dfe Anteilnahme an den Geschehnissen. 1963 erhob der Bundespr\u00e4sident den Feiertag zus\u00e4tzlich zum \u201eNationalen Gedenktag des deutschen Volkes\u201c. Doch der Linksruck infolge der Studentenbewegung ver\u00e4nderte auch die Einstellung zur DDR. Hatten sich Studenten der Freien Universit\u00e4t Berlin zuvor als Fluchthelfer engagiert, demonstrierten sie jetzt mit Bildern von Marx, Mao Ts\u00ea-tung und Ho Ch\u00ed Minh.<br \/>\n.<br \/>\nNach wie vor ist der 17. Juni offiziell \u201eNationaler Gedenktag des deutschen Volkes\u201c \u2013 was aber quasi kein Deutscher mehr wei\u00df.<br \/>\nKnabe: Weil er im Alltag keine Rolle spielt. Als der Feiertag 1990 abgeschafft wurde, gab es weder im Westen noch im Osten Protest dagegen. Es war ja auch irgendwie seltsam gewesen, einen Aufstand gegen Walter Ulbricht, Willi Stoph und Erich Honecker zu feiern, mit denen man zur selben Zeit freundschaftliche Bande kn\u00fcpfte.<\/p>\n<p>Die Entspannungspolitik erkl\u00e4rt, warum die Politik, nicht aber, warum das Volk sich nicht mehr mit dem 17. Juni identifizierte.<br \/>\nKnabe: \u201eDas Volk\u201c ist vielleicht etwas hochgegriffen, treffender ist wohl: die meinungsbildenden Eliten. Daf\u00fcr gab es verschiedene Gr\u00fcnde: Die verst\u00e4rkte Aufarbeitung des Nationalsozialismus lie\u00df die DDR vielen irgendwie harmlos erscheinen. Einflu\u00dfreiche Intellektuelle erkl\u00e4rten, die Teilung Deutschlands sei die Strafe f\u00fcr Krieg und Holocaust. Die Renaissance des Marxismus schuf eine gewisse ideologische Verbundenheit mit den DDR-Machthabern. Olaf Scholz zum Beispiel f\u00fchlte sich als Vizechef der Jusos deutlich mehr zu diesen Leuten hingezogen als zur Nato und zu den USA \u2013 obwohl diese damals auch seine Freiheit sicherten.<\/p>\n<p>Welche Rolle spielte dabei, da\u00df der 17. Juni auch ein \u2013 vielleicht mi\u00dfliebiger \u2013 nationaler Aufstand war, f\u00fcr die Einheit und Freiheit Deutschlands?<br \/>\nKnabe: Das gebrochene Verh\u00e4ltnis zur eigenen Nation spielte sicher eine Rolle, warum viele 68er von dem Aufstand in der DDR nichts wissen wollten. In den Forderungskatalogen vom 17. Juni findet sich die Wiedervereinigung allerdings nur vereinzelt. Aber Zeitzeugen berichten einhellig von Rufen nach der deutschen Einheit, sogar nach Abschaffung der Oder-Nei\u00dfe-Grenze und vom Singen des Deutschlandliedes. In Berlin zog man mit schwarzrotgoldenen Flaggen durchs Brandenburger Tor, von dem die rote Fahne heruntergerissen und durch die deutsche ersetzt wurde.<\/p>\n<p>Knabe: Das war aber nicht unbedingt ein Ausweis nationaler Gesinnung. Denn die DDR und die Bundesrepublik verwendeten damals noch ein und dieselbe Fahne. Das Staatswappen der DDR mit Hammer, Zirkel und \u00c4hrenkranz kam erst 1959 dazu. Nach vier Jahren Teilung war es allerdings naheliegend, da\u00df freie Wahlen bald wieder zu einem einheitlichen Staat f\u00fchren w\u00fcrden.<br \/>\nEben, f\u00fcr die Aufst\u00e4ndischen war die deutsche Einheit selbstverst\u00e4ndlich und \u201elogische\u201c Folge ihrer politischen Forderungen \u2013 womit das Nationale doch ein Kernelement des 17. Juni war.<\/p>\n<p>Knabe: Nicht unbedingt. Die Wiederherstellung der deutschen Einheit forderten damals fast alle politischen Kr\u00e4fte, auch und gerade die SED. Die Frage war, unter welchen Bedingungen. Die Sowjets wollten erst eine gesamtdeutsche Regierung bilden und dann Wahlen durchf\u00fchren, die West-Alliierten bestanden auf der umgekehrten Reihenfolge. Ohne die Zustimmung der vier Alliierten war eine Wiedervereinigung jedoch undenkbar, denn Deutschland war ein besetztes Land. Tatsache ist: Der Aufstand begann mit sozialen Forderungen, n\u00e4mlich der R\u00fccknahme der Arbeitsnormenerh\u00f6hung. Daraus entstanden bald politische Forderungen, vor allem R\u00fccktritt der Regierung, Freilassung der politischen Gefangenen und freie Wahlen. Die anderen Punkte, die Sie genannt haben, wurden nur punktuell fl\u00e4chendeckend erhoben. So richtete sich der Zorn der Demonstranten in Berlin gegen die Kontrollstellen, die die DDR an der Sektorengrenze aufgebaut hatte. In G\u00f6rlitz forderte man, die Anerkennung der Oder-Nei\u00dfe-Grenze zur\u00fcckzunehmen, weil die Stadt seitdem in einen deutschen und eine polnischen Teil geteilt war. In grenznahen Gebieten ging es um die \u00d6ffnung der seit 1952 verschlossenen innerdeutschen Grenze. Daraus, wie in der Bundesrepublik geschehen, einen \u201eTag der deutschen Einheit\u201c zu machen, verschiebt im nachhinein etwas die Akzente.<\/p>\n<p>Der 17. Juni-Teilnehmer Wolfgang Liebehenschel sagte j\u00fcngst im Interview mit dieser Zeitung, er sehe heute \u201ewiederkehren, wogegen wir uns damals erhoben haben &#8230; den Zug, dem Volk vorzuschreiben, was es zu denken hat und jene, die nicht mitziehen, auszugrenzen\u201c. Hat er recht?<br \/>\nKnabe: Teils, teils. Die Situation ist heute eine grunds\u00e4tzlich andere. Wir leben nicht in einer Diktatur, wo man f\u00fcr einen Witz ins Gef\u00e4ngnis kommt. Aber die Ausgrenzung abweichender Meinungen hat zugenommen. Dar\u00fcber wird bei meinen Veranstaltungen besonders im Osten geklagt. Auch die Ideologisierung von Politik erinnert dort viele an fr\u00fcher. Die Methode, Kritik als rechtsradikal zu stigmatisieren, kommt vielen ebenfalls bekannt vor. Auch die SED bezeichnete den Aufstand jahrzehntelang als \u201efaschistischen Putschversuch\u201c. In Ostdeutschland reagiert man auf solche Tendenzen sensibler als im Westen.<\/p>\n<p>Sie gelten als einer der profiliertesten Experten f\u00fcr die DDR-Diktatur. Wie bewerten Sie die Entwicklung?<br \/>\nKnabe: Ich w\u00fcrde sagen, wir haben aus der Geschichte wenig gelernt \u2013 obwohl wir gerne das Gegenteil behaupten.<br \/>\n&#8230; Alles vom 22.6.2023 bitte lesen in der JF 26\/33, Seite 3<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.junge-freiheit.de\">https:\/\/www.junge-freiheit.de<\/a><\/p>\n<p><em>Dr. Hubertus Knabe, war Mitgr\u00fcnder und von 2000 bis 2018 Direktor der Gedenkst\u00e4tte Berlin-Hohensch\u00f6nhausen zur Erinnerung an die SED-Verbrechen. Heute lehrt der 1959 im westf\u00e4lischen Unna geborene Historiker als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg. Er schreibt als Gastautor f\u00fcr diverse Bl\u00e4tter wie NZZ, FAZ, Welt, Focus oder Cicero und ist Autor zahlreicher B\u00fccher, darunter \u201eDie T\u00e4ter sind unter uns. \u00dcber das Sch\u00f6nreden der DDR\u201c (2007), \u201eHoneckers Erben. Die Wahrheit \u00fcber die Linke\u201c (2010), \u201eNazis in der DDR. Die Legende vom antifaschistischen Staat\u201c (2020). Seine als \u201egro\u00dfe, packende Erz\u00e4hlung\u201c (FAZ) und \u201eStandardwerk\u201c (Tagesspiegel) gelobte Studie \u201e17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand\u201c (2003) ist nun in aktualisierter Neuauflage wieder erschienen.<\/em><\/p>\n<p>Kommentar:<br \/>\nWie so viele Gedenktage und Meilensteine unserer deutschen Geschichte ist der 17.Juni weitgehend aus dem Ged\u00e4chtnis verschwunden. Die Altparteien haben kaum etwas getan, um den Geist der mutigen M\u00e4nner und Frauen in Mitteldeutschland am Leben zu erhalten, die vor 70 Jahren unter Einsatz ihres Lebens und vom Westen im Stich gelassen, gegen den SED Unrechtsstaat auf die Stra\u00dfe gingen. 1,5 Millionen Menschen in 700 Orten standen nicht nur gegen erh\u00f6hte Arbeitsnormen auf \u2013 nein auch f\u00fcr Freiheit, Selbstbestimmung sowie gegen die russische Besatzung! Der Volksaufstand konnte nur durch sowjetische Panzer gestoppt werden. Hunderte Deutsche verloren ihr Leben, und rund 15.000 Festnahmen folgten.<br \/>\nDer 17. Juni 1953 war die geistige Wurzel f\u00fcr das, was letzendlich am 9. November 1989 in einer friedlichen Revolution zur Teilwiedervereinigung sich erf\u00fcllte! Der 17.Juni ist ein sinnvollerer Nationalfeiertag als der konstruierte 3.Oktober 1990 (Unterzeichnung des Einigungsvertrag). &#8230; M.K.<br \/>\nEnde Kommentar<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>17. Juni 2023 in der deutschen Erinnerungspolitik<\/strong><br \/>\nvon <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/denker-drewermann-klonovsky\/\">Michael Klonovsky<\/a><\/p>\n<p><em>Heute m\u00f6chte ich dar\u00fcber sprechen, warum der 17. Juni in der offiziellen deutschen Erinnerungspolitik praktisch keine Rolle mehr spielt (und auch im Westen schon lange vor der Wiedervereinigung nicht mehr spielte). Im \u00dcbrigen gilt diese Feststellung auch f\u00fcr den 9. November 1989, und zwar aus demselben Grund.<\/em><br \/>\nLassen Sie sich nicht t\u00e4uschen von dem bisschen Ged\u00f6ns, das der Bundestag zum 70. Jahrestag des Aufstandes veranstaltet hat, und den salbungsvollen Worten, die Herr Steinmeier in der Feierstunde am Freitag im Bundestag sagte. Der 17. Juni ist und bleibt f\u00fcr die sogenannten Eliten dieses Landes ein Tag zum Vergessen. Nichts ist ihnen unangenehmer und peinlicher als ein Volk, das sich lautstark artikuliert.<br \/>\nNat\u00fcrlich vereinnahmte der Bundespr\u00e4sident die Aufst\u00e4ndischen von vor 70 Jahren als \u201eVork\u00e4mpfer unserer heutigen Demokratie\u201d. Die Worte \u201eunser\u201c oder \u201ewir\u201c verwandeln sich allerdings in ein wenig einladendes Gehege, wenn ein Linker sie ausspricht. Steinmeier ist Mitglied einer sozialistischen Partei. <em><strong>Die einzige logische Konsequenz, die aus dem 17. Juni zu ziehen ist \u2013 Nie wieder Sozialismus! \u2013<\/strong><\/em>, werden Sie von ihm niemals h\u00f6ren. F\u00fcr diesen Mann endet \u201eunsere Demokratie\u201c, wenn sie keine linken Mehrheiten hervorbringt.<\/p>\n<p>Bundestagspr\u00e4sidentin B\u00e4rbel Bas, ebenfalls SPD, bezeichnete den Tag als \u201eein Schl\u00fcsselereignis\u201d der deutschen Geschichte: \u201eWas 1953 mit brachialer Gewalt unterdr\u00fcckt wurde, fand 1989 eine sp\u00e4te Vollendung \u2013 in der friedlichen Revolution.\u201d Das stimmt. Der 17. Juni 1953 geh\u00f6rt zum 9. November 1989 wie die andere Seite der Medaille. Zwischen den beiden Ereignissen existiert gleichsam eine unterirdische historische Wasserader. <em><strong>Der 9. November 1989 \u2013 pr\u00e4ziser gesagt: die Ereignisse, die seit dem 7. Oktober zu ihm f\u00fchrten \u2013 l\u00f6ste das Freiheitsversprechen des 17. Juni ein<\/strong><\/em>. Erich Mielke hat das geahnt. \u201eIst morgen der 17. Juni?\u201c, fragte er in einer Lagebesprechung im August 1989, in den sp\u00e4ten Tagen des vorletzten Lebensjahres der DDR.<\/p>\n<p>So omnipr\u00e4sent der 17. Juni als stete Drohung zu H\u00e4upten des Regimes schwebte, so nichtexistent war dieses Datum in der DDR-\u00d6ffentlichkeit. Im Geschichtsunterricht hatte der 17. Juni nicht stattgefunden. Kein Wort war je \u00fcber diesen Tag gefallen. Offiziell war damals n\u00e4mlich \u00fcberhaupt nichts geschehen. Schon sich als Sch\u00fcler nach diesem Datum zu erkundigen, h\u00e4tte bedeutet, dass der Frager eingestand, seine Information aus obskuren Quellen zu beziehen, dass er ihnen zudem Glauben schenkte und der DDR-Geschichtsschreibung misstraute, denn wenn die schwieg, konnte ja nichts Erw\u00e4hnenswertes passiert sein. H\u00e4tte der Frager noch die Impertinenz besessen, den im Westen kursierenden Terminus \u201eVolksaufstand\u201c zu benutzen, w\u00e4re er erledigt gewesen. Denn \u2013 das Ph\u00e4nomen \u201ekognitive Dissonanz\u201c gab es bereits in der DDR \u2013 es waren vom Westen bezahlte Saboteure, Rowdys und Asoziale, die damals, als offiziell nichts passiert war, in Berlin und anderswo randaliert h\u00e4tten, bis die Rote Armee dem Spuk ein Ende bereitete.<\/p>\n<p>Zur \u00dcberraschung eines wiedervereinigten DDRlers mit unterentwickelter Sympathie f\u00fcr den Sozialismus war der 17. Juni auch in der westdeutschen \u00d6ffentlichkeit mehr oder weniger inexistent. Es gab zwar die \u201eStra\u00dfe des 17. Juni\u201c auf der anderen Seite des Brandenburger Tores, aber dort stand ein sowjetisches Ehrenmal mit zwei Panzern jenes Typs, der damals bei der Niederschlagung des Aufstandes eingesetzt worden war. Mit Hilfe solcher Panzer war zuvor angeblich Deutschland \u201ebefreit\u201c, also die Pest mit der Cholera therapiert worden \u2013 die verkorkste deutsche Geschichte en miniature.<\/p>\n<p>Zum Feiertag der deutschen Einheit wurde bekanntlich der Termin eines blutleeren Verwaltungsaktes gew\u00e4hlt. Auch im Kohlschen Biedermeier hielten die Politiker sich und ihre Taten f\u00fcr bedeutender als das Volk. Die beiden emotionaleren und bedeutungsvolleren Daten, eben der 17. Juni und der 9. November, waren der Bundesregierung bereits damals nicht geheuer, und den Wortf\u00fchrern des Landes ohnehin nicht. Bei den meisten Linken auf beiden Seiten der Mauer, die heute wieder vereint sind, wurde der 17. Juni verdr\u00e4ngt, kleingeredet, ignoriert.<\/p>\n<p>Der Schriftsteller Patrick S\u00fcskind schrieb am 16. September 1990 im Spiegel \u2013 und er sei hier lediglich als prominentes Pars pro toto zitiert \u2013 Folgendes:<br \/>\n\u201eFreilich hatte man uns in der Schule beigebracht, da\u00df die Teilung Deutschlands nicht von Dauer sei, da\u00df die Pr\u00e4ambel des Grundgesetzes jeden bundesdeutschen Politiker verpflichtete, auf ihre \u00dcberwindung hinzuarbeiten, da\u00df die Bundesrepublik und ihre Hauptstadt Bonn nur ein Provisorium darstellten. Aber das haben wir schon damals nicht geglaubt und glaubten es mit den Jahren immer weniger. Man lebt nicht jahrzehntelang in einem Provisorium \u2013 schon gar nicht in einem so pr\u00e4chtig gedeihenden, schon gar nicht als junger Mensch \u2013, und wenn in den Sonntagsansprachen von \u201aunseren Br\u00fcdern und Schwestern in der Zone\u2018 die Rede war oder man uns nach dem Bau der Berliner Mauer aufforderte, zum Zeichen der nationalen Solidarit\u00e4t n\u00e4chtens ein Adventslichtlein ins Fenster zu stellen, so kam uns das ebenso l\u00e4cherlich und verlogen vor, als w\u00fcrde man von uns Heranwachsenden im Ernst verlangen, einen Stiefel in den Kamin zu stellen, damit der Nikolaus uns Schokolade hineinw\u00fcrfe. Nein, die Einheit der Nation, das Nationale \u00fcberhaupt war unsere Sache nicht. Wir hielten es f\u00fcr eine vollkommen \u00fcberholte und von der Geschichte widerlegte Idee aus dem 19. Jahrhundert, auf die man getrost verzichten konnte. Ob die Deutschen in zwei, drei, vier oder einem Dutzend Staaten lebten, war uns schnuppe. Am 17. Juni gingen wir segeln.\u201c<br \/>\nAm 17. Juni gingen wir segeln \u2013 das war die Einstellung einer Generation, die nicht mehr an die deutsche Nation glaubte und auch nicht daran, dass Recht und Freiheit den Nationalstaat zur Voraussetzung haben k\u00f6nnten.<br \/>\nIm Gegenteil: Sie hatten \u201eAngst vor Deutschland\u201c. So lautete der Titel eines Sammelbandes, in dem der eben zitierte Text von S\u00fc\u00dfkind erschien. Es handelte sich um eine im Bewusstsein der Teilung aufgewachsene Generation, der die Landsleute hinter der Mauer schlechterdings gleichg\u00fcltig waren. Zumindest die intellektuellen Wortf\u00fchrer dieser Generation \u2013 S\u00fcskind sagte es in seinen weiteren Ausf\u00fchrungen \u2013 wollten nicht l\u00e4nger Deutsche sein, sondern Europ\u00e4er, Kosmopoliten, \u201eAnywheres\u201c. Der Osten war ihnen unbekannt, allenfalls peinlich, in jedem Fall aber: egal.<br \/>\n.<br \/>\nDiesem Ph\u00e4nomen der nationalen Entsolidarisierung folgte sp\u00e4ter, in unseren Tagen, aber im identischen Milieu, die soziale Entsolidarisierung. Die gr\u00fcne, linke, woke Schickeria in den besseren Stadtteilen interessiert sich keine Sekunde f\u00fcr ihre Landsleute in den prek\u00e4ren Gegenden, die den Hauptsto\u00df der von ihnen herbeigeschriebenen und \u2011politisierten Massenmigration auffangen m\u00fcssen. Das scheint auf den ersten Blick nichts mit dem 17. Juni zu tun zu haben, auf den zweiten aber schon. Ich komme noch darauf.<\/p>\n<p>Die deutsche Teilung war die Strafe f\u00fcr Auschwitz, statuierte der Schriftsteller G\u00fcnter Grass, dem lange entfallen war, welchem milit\u00e4rischen Orden er einst selbst angeh\u00f6rt hatte; vielleicht tr\u00e4nten ihm auch die Augen beim H\u00e4uten seiner autobiographischen Zwiebel zu sehr, bis er endlich bei der letzten Schicht angekommen war. Das Pech der Ost- bzw. historisch gesehen Mitteldeutschen bestand darin, dass sie, anders als Grass und S\u00fcskind, diese Strafe unter der sowjetischen Knute ganz allein erdulden mussten. Als die Nachricht vom Mauerfall den Bundestag erreichte, erhoben sich die meisten Abgeordneten und sangen die Nationalhymne. Die gr\u00fcnen Sieger der Geschichte blieben sitzen \u2013 und sicherlich auch Grass daheim vor seinem T\u00e4tervolksempf\u00e4nger. Dass die Demonstranten \u201eWir sind das Volk!\u201c und sp\u00e4ter \u201eWir sind ein Volk!\u201c riefen, klang in den Ohren der Gr\u00fcnen wie ein Geisterchor aus der Vergangenheit, die bekanntlich f\u00fcr den Progressisten immer etwas Schlimmes ist. Ein Zombie ging um und auf die Stra\u00dfe: das deutsche Volk.<\/p>\n<p>Der aktuelle gr\u00fcne Wirtschaftsminister und eigentliche Chef der Partei \u2013 sofern man einer Tentakel des globalistischen Kraken irgendeine Chefrolle zusprechen mag \u2013 fand \u201eVaterlandsliebe stets zum Kotzen\u201c und \u201ewusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und wei\u00df es bis heute nicht\u201c. Man hat es an seinem verkniffenen Benehmen bei der Feierstunde im Bundestag wieder studieren k\u00f6nnen, wie unangenehm ihm die Nationalhymne ist. Wenigstens hat er nicht gezittert.<br \/>\n\u201eVolksverr\u00e4ter\u201c, erkl\u00e4rte Habeck bei anderer Gelegenheit, \u201eist ein Nazibegriff. Es gibt kein Volk, und es gibt deswegen auch keinen Verrat am Volk.\u201c Zumindest wenn es um Deutsche geht, also Nazibegriffsverwender. <em><strong>Das ukrainische Volk darf seine Heimat verteidigen. Das tibetische Volk darf sich gegen seine Sinisierung wehren.<\/strong><\/em> Zwar werden wegen \u201eVolksverhetzung\u201c im besten Deutschland aller Zeiten immer mehr Hausdurchsuchungen veranstaltet und Anklagen erhoben, seit die Gr\u00fcnen ihre Leute in Polizei und Justiz untergebracht haben, aber ein deutsches Volk im Sinne einer ethnisch-kulturellen Abstammungsgemeinschaft und immer noch gr\u00f6\u00dften Teils des Staatsvolkes darf es nicht geben. Dann gibt es nat\u00fcrlich auch keinen Volksaufstand.<br \/>\n.<br \/>\nWer vom 9. November geschockt war, ist es nachtr\u00e4glich auch vom 17. Juni. An beiden historischen Tagen erhoben sich Menschen gegen die sozialistische Tyrannei. Sie standen auf gegen staatliche Bevormundung, Gesinnungsterror, politische Verfolgung, Unfreiheit und die jeder sozialistischen Herrschaft wie der Donner dem Blitz folgende Verelendung.<\/p>\n<p>Ist Ihnen aufgefallen, meine Damen und Herren, dass in vielen Medienberichten zu den Jahrestagen von Mauerbau und Mauerfall praktisch nicht mehr erw\u00e4hnt wurde, wer eigentlich diese Mauer gebaut hatte und zu welchem Zweck? Und warum so viele DDR-B\u00fcrger ihren Staat verlassen wollten? Haben Sie irgendwo gelesen, dass die Menschen vor dem Sozialismus davongelaufen sind? Ist irgendwo beklagt worden, dass die direkte Nachfolgerin der Mauerbauerpartei heute im Bundestag sitzt, in L\u00e4nderparlamenten mitregiert und in Th\u00fcringen sogar den Ministerpr\u00e4sidenten stellt? Dass sie in den sogenannten neuen Bundesl\u00e4ndern als Koalitionspartner der CDU im Gespr\u00e4ch ist? Im Gegenteil. <em><strong>Das neue \u201eNarrativ\u201c lautet, dass 1989 die Menschen in der DDR f\u00fcr Weltoffenheit und gegen die Abschottung ihres Landes durch Grenzen auf die Stra\u00dfe gingen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Auf vergleichbare Weise wird man versuchen, aus dem 17. Juni 1953 f\u00fcr die Geschichtsb\u00fccher einen Tag zu machen, an dem die Ostdeutschen erstmals nach einer bunten weltoffenen Gesellschaft mit feministischer Au\u00dfenpolitik verlangten. Die Deutschlandfahnen, die die Demonstranten trugen, wird man als Vorl\u00e4ufer der Regenbogen- und Europafahnen beschreiben, ihr Verlangen nach freien Wahlen als Vorstufe der freien Wahl seines Geschlechts. Und man wird daran erinnern, dass wom\u00f6glich auch queere Menschen Steine auf Panzer warfen und weiblich gelesene Personen Flugbl\u00e4tter verteilten.<\/p>\n<p>\u201eHunderttausende hatten im Juni 1953 den Mut, der SED-Diktatur die Stirn zu bieten. Sie riskierten ihr Leben\u201d, erkl\u00e4rte Steinmeier. Wof\u00fcr? Daf\u00fcr, dass ihre Kinder und Enkel einmal gendern und endlich ihre heteronormativen Geschlechterrollen ablegen k\u00f6nnen? Daf\u00fcr, dass ihre Kinder und Enkel einmal das Weltklima retten und einen \u00f6kosozialistischen Ma\u00dfnahmestaat errichten d\u00fcrfen? Daf\u00fcr, dass ihre Kinder und Enkel sich, von kritischen Wei\u00dfseinsforschenden belehrt, als wei\u00dfe Rassisten begreifen lernen, die in einem viel smarteren Gesinnungsstaat als der DDR wegen eines falschen Wortes oder falscher Parteimitgliedschaft ihren Job verlieren k\u00f6nnen, aber in einem Siedlungsgebiet ohne Grenzen leben d\u00fcrfen, wo \u201eAlman\u201c, \u201eJude\u201c und \u201eKartoffel\u201c beliebte Kosenamen auf den Schulh\u00f6fen sind? Na wof\u00fcr denn sonst!<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Steinmeier kam drei Jahre nach der Niederschlagung des Aufstandes zur Welt und studierte Ende der 1970er in Gie\u00dfen Rechts- und Politikwissenschaften. W\u00e4hrend seiner Studienzeit geh\u00f6rte er zur Redaktion der linken Quartalszeitschrift Demokratie und Recht, die vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, als der noch die Verfassung und nicht die Regierung sch\u00fctzte. Die Zeitschrift erschien im Pahl-Rugenstein-Verlag, der von der DDR finanziert wurde, was seinem Programm durchaus anzumerken war. Als der Herr Pahl-Rugensteinmeier anfing, sich Gedanken \u00fcber \u201eunsere\u201c Demokratie zu machen, waren also jene Genossen mit im Spiel, die den 17. Juni niedergeschlagen hatten. Der aktuelle Bundeskanzler war als Juso ja auch ein gern gesehener Gast in der DDR. Wie gesagt, von solchen Leuten werden Sie die Worte \u201eNie wieder Sozialismus!\u201c niemals h\u00f6ren. Und von den gr\u00fcnen \u00d6kosozialisten erst recht nicht.<\/p>\n<p>Was aber war der 17. Juni?<br \/>\nEin Volksaufstand, sagt man heute so dahin. Das ist nicht ganz richtig. Das Volk stand nicht auf. Es waren ein paar hunderttausend Arbeiter, die im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat aufstanden. Sie forderten freie Wahlen und Freilassung der politischen Gefangenen; Ausgangspunkt der Unruhen waren allerdings Preiserh\u00f6hungen im Einzelhandel und eine ma\u00dflose Steigerung der Arbeitsnormen. Die \u00d6ffnung der Archive habe ergeben, schreibt der Historiker Hubertus Knabe, dass es \u201eganz normale B\u00fcrger waren\u201c, die vor 70 Jahren auf die Stra\u00dfe gingen.<br \/>\n1989 verhielt es sich nicht anders. \u201eWir sind das Volk!\u201c war der Ruf einer Minderheit. Der Otto-Normal-Deutsche veranstaltet keine Aufst\u00e4nde \u2013 er ist ja kein Franzose. Er wartet daheim hinter der Gardine und schaut, was passiert. Einem Aufstand schlie\u00dft er sich erst an, wenn er praktisch offiziell genehmigt ist.<\/p>\n<p>\u201eDie SED war schon am 17. Juni mit ihrem Latein am Ende\u201c, erkl\u00e4rten die Ostberliner Historiker Armin Mitter und Stefan Wolle \u2013 sie geh\u00f6rten zu den ersten, die SED- und Stasi-Akten auswerten konnten \u2013 in einem Interview am 17. Juni 1990. Nach der Niederschlagung des Aufstands begann der Aufbau des DDR-Sozialismus durch den Ausbau der Staatssicherheit. Die Stasi versuchte, \u201enazistische Kr\u00e4fte\u201c als Verantwortliche f\u00fcr die Sch\u00fcrung der Unruhen ausfindig zu machen. Tats\u00e4chlich hatten die Gewerkschaften die Streiks und Demonstration organisiert. Nach dem 17. Juni wurden sie gleichgeschaltet.<br \/>\nDa die Stasi sich vergeblich um den Nachweis bem\u00fcht hatte, es habe sich um einen faschistischen Putsch gehandelt, hat es die SED-F\u00fchrung sp\u00e4ter einfach behauptet. Viele prominente Intellektuelle und Schriftsteller der DDR \u00fcbernahmen, oft wider besseres Wissen, diese offizielle Darstellung, Bertolt Brecht etwa, Stefan Heym, Stephan Hermlin, Robert Havemann, Erich Loest. \u201eF\u00fcr Faschisten darf es keine Gnade geben\u201c, schrieb Brecht im Neuen Deutschland. Und wenn die Versorgung mit \u201eFaschisten\u201c zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst, m\u00fcssen sie eben herbeiphantasiert werden.<br \/>\nZwei der genannten Autoren, Havemann und Loest, hat schnell die Nemesis ereilt, Havemann wurde von der Stasi jahrelang unter Hausarrest gestellt, Loest ging 1957 wegen \u201ekonterrevolution\u00e4rer Gruppenbildung\u201c f\u00fcr sieben Jahre ins Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nWas DDR-Intellektuelle 1953 \u00fcber die angeblichen faschistischen Provokateure vortrugen, die nur ihre B\u00fcrgerrechte einforderten, \u00e4hnelt im Sprachduktus und Diffamierungsfuror verbl\u00fcffend dem, was deutsche \u00d6ffentlichkeitsarbeiter heute \u00fcber die Rechtspopulisten sagen. Heute darf ein ehemaliger Stasi-Spitzel wie Anetta Kahane an der Spitze einer Stiftung und im Kuratorium eines sogenannten Instituts, gef\u00f6rdert mit Steuermillionen, der rechten Opposition unterstellen, einen faschistischen Umsturz anzustreben und deren Verbot fordern.<\/p>\n<p>Ich wiederhole: <em><strong>1953 und 1989 erhoben sich Menschen f\u00fcr ihre Freiheit, f\u00fcr die deutsche Einheit und gegen den Sozialismus.<\/strong><\/em> Sozialisten m\u00f6gen keine Freiheiten f\u00fcr die anderen, sie wollen nicht, dass B\u00fcrger auf die Stra\u00dfe gehen f\u00fcr ihre Rechte. Das versuchen sie zu verhindern. Und am meisten st\u00f6rt sie, dass es ein Volk gibt, dass es einen Souver\u00e4n gibt, der auf seine Rechte pocht. Sie wollen das Volk in \u201eMenschen da drau\u00dfen im Land\u201c verwandeln, wie das Verh\u00e4ngnis im Hosenanzug formulierte. Sie wollen, dass m\u00f6glichst viele disparate Gruppen existieren, die sie gegeneinander ausspielen und so besser beherrschen k\u00f6nnen. Deswegen ernennen \u2013 oder importieren \u2013 sie unentwegt immer neue unterdr\u00fcckte Minderheiten, als deren Anw\u00e4lte sie sich ausgeben, um die Mehrheitsgesellschaft moralisch unter Druck zu setzen und via Umverteilung zu enteignen.<br \/>\n.<br \/>\nDeswegen redet heute \u00fcbrigens auch kein Offizieller mehr von Integration. Divide et impera, das hei\u00dft: Desintegration ist erw\u00fcnscht. <em><strong>Ausl\u00e4nder, die sich wirklich integrieren, k\u00f6nnten schon in der n\u00e4chsten Generation auf die verr\u00fcckte Idee kommen, Deutsche zu sein und \u201eWir sind das Volk!\u201c zu rufen,<\/strong><\/em> blo\u00df weil sie mit der Regierung unzufrieden sind. Ich sage das hier explizit, damit die Leser und Lauscher in der Haldenwang-Combo mir nicht unterstellen k\u00f6nnen, ich bes\u00e4\u00dfe ein \u201ev\u00f6lkisches Volksverst\u00e4ndnis\u201d.<\/p>\n<p>Die Wiedergeburt der deutschen Nation, die sie f\u00fcr tot, zumindest f\u00fcr historisch \u00fcberholt hielten, haben die Linken speziell den Ossis nicht verziehen. Deshalb erkl\u00e4ren sie die Bundesl\u00e4nder im Osten summarisch zu unaufgekl\u00e4rten Gebieten, ja zu Schandflecken, in denen dumpfe, vielfaltsfeindliche Hinterw\u00e4ldler siedeln. In Th\u00fcringen, wo seit Dezember 2014 die SED regiert \u2013 die Linke ist nicht der Nachfolger der SED, sie ist rechtsidentisch mit der Mauerpartei \u2013, droht heute angeblich die Gefahr von rechts. Th\u00fcringens herrschende Neo-SEDler k\u00fcndigen ein \u201eLandesprogramm gegen Neonazismus und f\u00fcr Demokratie\u201c an. Genauso klangen ihre politischen Vorg\u00e4nger anno 1953. Die Warnung vor einem aufkommenden Faschismus ist das konstante Begleitger\u00e4usch der Errichtung eines sozialistischen Staates. Mit einer gewissen polemischen \u00dcberspitzung l\u00e4sst sich sagen: Teile der heutigen Bundesregierung stehen im Nachhinein eher auf der Seite von Ulbrichts SED als auf jener der Volksaufst\u00e4ndischen. Die Sicht von Mielke und Krenz auf die Demonstranten von 1953 und 1989 d\u00fcrfte jedenfalls gewisse \u00dcberschneidungen mit jener von Habeck und Trittin aufweisen.<\/p>\n<p>Man kann die Politik der momentanen Koalition, aber auch schon der Merkel-Kabinette und der Regierung Schr\u00f6der-Fischer \u2013 Schr\u00f6fisch, wie ein Freund die Chim\u00e4re taufte \u2013 geschichtssymbolisch in zwei Parolen zusammenfassen: Nie wieder 17. Juni! Nie wieder 9. November 1989!<br \/>\nNie wieder sollen Menschen in Deutschland mit dem Ruf \u201eWir sind das Volk!\u201c gegen eine autorit\u00e4re Linksregierung auf die Stra\u00dfe gehen.<\/p>\n<p>Brecht, der Feigling \u2013 Feigheit ist das erste aller Menschenrechte, aber h\u00e4ttest du geschwiegen, w\u00e4rest du ein Dichter geblieben \u2013, Brecht sendete nach der Niederschlagung des Aufstands \u00f6ffentliche Ergebenheitsadressen an die SED-Oberen. F\u00fcr sich privat notierte er in seinem sp\u00e4ter ber\u00fchmt gewordenen Gedicht \u201eDie L\u00f6sung\u201c die Frage der Epoche:<br \/>\n\u201eW\u00e4re es da<br \/>\nNicht doch einfacher, die Regierung<br \/>\nL\u00f6ste das Volk auf und<br \/>\nW\u00e4hlte ein anderes?\u201c<\/p>\n<p>Als die rotgr\u00fcne Koalition Schr\u00f6der-Fischer an die Macht kam, begann die Suche mit dem Souver\u00e4n unzufriedener deutscher Regierungen nach einem anderen Volk. Sie sind, wie jeder begreift, der sich auf deutschen Stra\u00dfen und in deutschen Schulen umsieht, inzwischen weit gekommen. Eine hegelsche List der Vernunft besteht freilich darin, dass viele dieser Anderen heute die Opposition w\u00e4hlen. Und es werden immer mehr.<br \/>\n\u201eIst morgen der 17. Juni?\u201c, grauste es Erich Mielke, den alten Menschenfreund. Es w\u00fcrde mich nicht im Mindesten st\u00f6ren, wenn diese Sorge auch \u00fcber der aktuellen Bundesregierung und allen sozialistischen Nachfolgeregierungen schwebte.<br \/>\n***<br \/>\nDas war die Rede, die ich hielt<br \/>\nBei der Stiftung D. Erasmus.<br \/>\nEs hei\u00dft, Frau G\u00f6ring-Eckardt zart<br \/>\nErlitt drob einen Spasmus.<br \/>\n.<br \/>\n&#8230; Alles vom 17.6.2023 von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/klonovsky\/\">Michael Klonovsky<\/a> bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.klonovsky.de\/2023\/06\/17-juni-2023\/\">https:\/\/www.klonovsky.de\/2023\/06\/17-juni-2023\/<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Anmerkung: Die fett unterlegten Textstellen wurden nachtr\u00e4glich eingef\u00fcgt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Demokratie\u00a0&gt;Global\u00a0&gt;Deutschland\u00a0 &gt;Nation &gt;Nationalfeiertag &gt;17Juni1953 &nbsp; Listenauswahl eines Beitrags (Artikel\/Datum, Seite\/Inhalt): Klicken oder scrollen 17. Juni 1953 und 17. Juni 2025 (17.6.2925) 9.11. \u2013 ist kein Nationalfeiertag\u00a0(9.11.2024) 17. Juni 1953 Volksaufstand DDR\u00a0(17.6.2024) Wir sind das Volk\u201c: Nie wieder 17. Juni! 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