{"id":111832,"date":"2023-04-17T21:17:53","date_gmt":"2023-04-17T19:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=111832"},"modified":"2024-11-03T20:11:01","modified_gmt":"2024-11-03T19:11:01","slug":"atommuell","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/atommuell\/","title":{"rendered":"Atomm\u00fcll"},"content":{"rendered":"<p>Home &gt;<a title=\"Energie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/\">Energie<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"AKW\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/\">AKW<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/kernkraft\/\">Kernkraft<\/a> &gt;Atomm\u00fcll<\/p>\n<div id=\"attachment_105159\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schwarzwald-stubenwasen-pan220926.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105159\" class=\"size-full wp-image-105159\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schwarzwald-stubenwasen-pan220926.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"344\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schwarzwald-stubenwasen-pan220926.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schwarzwald-stubenwasen-pan220926-180x97.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-105159\" class=\"wp-caption-text\">Im Schwarzwald am St\u00fcbenwasen im Herbst 2022<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/kernkraft\/\">Klaus-Dieter Humpich, Manfred Haferburg: Atomenergie \u2013 jetzt aber richtig<\/a>\u00a0(3.11.2024)<\/li>\n<li>Haferburg&#8217;s Kernkraft-Countdown (16.4.2023)<\/li>\n<li>Atomm\u00fcll in Strom verwandeln: iMagine (14.4.2023)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/dichter\/literatur\/buch\/rezensionen\/\">Rezensionen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Haferburg&#8217;s Kernkraft-Countdown<\/strong><br \/>\n<strong>Nachruf auf einen Freund<\/strong><br \/>\n&#8230; Ein 40-j\u00e4hriger Kreuzzug der Ignoranz und Verantwortungslosigkeit hat \u00fcber die Erkenntnisse der Aufkl\u00e4rung triumphiert. Noch wissen die Kreuzz\u00fcgler nicht, was f\u00fcr einen Pyrrhussieg sie errungen haben. Doch ab jetzt wird Strom noch knapper und noch teurer werden. Arbeitspl\u00e4tze und Wertsch\u00f6pfung werden noch schneller ins Ausland abwandern. Und der Vorgang ist irreversibel. Er wird sich in immer schnellerer Abfolge auf anderen Gebieten wiederholen. Der Feind Kernenergie ist weg, der n\u00e4chste Feind ist schon in Sicht \u2013 das Auto. Dann kommt die Heizung, dann kommt die Urlaubsreise und dann kommt der Grillabend. Irgendwann werden die Leute f\u00fcrs Ausatmen bezahlen sollen, ein pers\u00f6nliches CO2-Budget ist schon im Gespr\u00e4ch: \u201eIhr werdet nichts besitzen und gl\u00fccklich sein\u201c.<br \/>\nAm Ende hockt ein Volk von veganen Kiffern in zugeteilten kalten Buden und wundert sich, wo der einstige Wohlstand und die einstige Freiheit geblieben sind.<br \/>\nNichts \u00fcber die mutwillige Zerst\u00f6rung einer wunderbar n\u00fctzlichen Technologie der Stromversorgung in Deutschland soll in Vergessenheit geraten \u2013 nicht die geisterfahrenden politischen T\u00e4ter, nicht ihre gekauften Helfershelfer aus der Wissenschaft, nicht die willf\u00e4hrigen B\u00fcchsenspanner der Medien, nicht die ideologisierten Lehrer, die den ihnen anvertrauten Kindern Atom-Angst einjagten. Und leider auch nicht diejenigen Irregeleiteten, die mit den Maschinenst\u00fcrmern sympathisiert haben, weil sie es nicht besser wissen konnten oder wollten.<br \/>\nAlle bisher im Rahmen des Kernkraft-Countdown von Manfred Haferburg erschienenen Beitr\u00e4ge stellen wir heute als PDF-Brosch\u00fcre hier ins Netz <a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/images\/uploads\/Countdown_Kernkraft_Broschuere_2304.pdf\">https:\/\/www.achgut.com\/images\/uploads\/Countdown_Kernkraft_Broschuere_2304.pdf<\/a><br \/>\n, mit wundersch\u00f6nen Illustrationen von Archi Bechlenberg. Sie k\u00f6nnen sich diese Dokumenation ab sofort kostenlos herunterladen, ausdrucken und Ihren Enkeln dereinst vorlesen, welcher Wahnsinn in diesem Land anno 2023 grassierte.<br \/>\nEs gibt den geneigten Lesern aber auch die M\u00f6glichkeit, es auszudrucken und zur Abmahnung an Politiker, Journalisten, Mietwissenschaftler, Einpeitscher oder Beamte aus ihrem Wahlkreis, ihrer Nachbarschaft oder ihrer Partei zu senden, die eigentlich ihre Interessen vertreten sollten und die ihre Aufgabe so schm\u00e4hlich vernachl\u00e4ssigt haben.<br \/>\nDer Wind wird sich bald drehen. Sollen sie sich ruhig ein bisschen f\u00fcrchten.<br \/>\n&#8230; Alles vom 16.4.2023 von Manfred Haferburg bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/nachruf_auf_einen_freund\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/nachruf_auf_einen_freund<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Atomm\u00fcll in Strom verwandeln: iMagine<\/strong><br \/>\n<strong>\u201eStrom f\u00fcr dreihundert Jahre\u201c<\/strong><br \/>\nAtomausstieg: Weil er hierzulande nicht mehr forschen durfte, ging der Kerntechnikexperte Bruno Merk nach Liverpool. Dort entwickelt er nun mit \u201eiMagine\u201c ein neues Verfahren, das Deutschlands Energiekrise l\u00f6sen k\u00f6nnte<br \/>\nvon Moritz Schwarz<\/p>\n<p>Herr Professor Merk, bisher war uns Atomm\u00fcll ein Fluch, nun wollen Sie ihn einfach in Strom verwandeln. Haben Sie den Stein der Weisen gefunden?<br \/>\nBruno Merk: Nein, aber einfach mal nachgerechnet: Der Energiegehalt der etwa 16.000 Tonnen hochradioaktiven Brennelementabfalls aus dem Betrieb aller deutschen Kernkraftwerke bis heute k\u00f6nnte Deutschland f\u00fcr fast dreihundert Jahre mit Strom versorgen.<\/p>\n<p>Und wie spinnen Sie das Stroh zu Gold?<br \/>\nMerk: Eigentlich ist das Prinzip geschlossener Brennstoffkreislauf nicht neu. Nun geht es darum, es f\u00fcr die Anwendung zu optimieren. Bisher waren die Verfahren sehr teuer und komplex, jetzt aber wollen wir das Gegenteil daraus machen, n\u00e4mlich, ganz in englischer Tradition, ein gutes Gesch\u00e4ft!<\/p>\n<p>Spannen Sie uns nicht l\u00e4nger auf die Folter, wie funktioniert das?<br \/>\nMerk: Wir erbr\u00fcten aus ausgedienten Brennelementen neues Plutonium, und zwar so viel, wie unser Reaktor verbrennt, so da\u00df ein Gleichgewicht entsteht.<\/p>\n<p>Ein Perpetuum mobile?<br \/>\nMerk: Nein, aber wir haben ja reichlich alte Brennelemente. Damit gibt es keine Plutoniumwirtschaft, und es besteht auch keine Gefahr, da\u00df waffenf\u00e4higes Material abgetrennt wird und in falsche H\u00e4nde gelangen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bisher beschie\u00dft man zum Beispiel Uran mit Neutronen und l\u00f6st so die Kernspaltung aus. Dabei wird W\u00e4rme frei, die Wasser zum Sieden bringt, dessen Dampf eine Turbine antreibt, die den Strom erzeugt. Und jetzt?<br \/>\nMerk: Bleibt das auch grunds\u00e4tzlich so. Wir l\u00f6sen alte Brennst\u00e4be in einem Salz auf und geben die Masse in den Reaktor, wo sie erneut gespalten wird, dabei entsteht W\u00e4rme. \u00dcbrig bleiben nur noch Spaltprodukte, aber kein spaltbares Material mehr, womit ein Problem des hochradioaktiven Abfalls gel\u00f6st ist.<\/p>\n<p>Sie sagen, das Prinzip sei \u201eeigentlich nicht neu\u201c, was ist dann das Besondere an Ihrem Projekt \u201eiMagine\u201c?<br \/>\nMerk: Fr\u00fcher hat man die Wiederaufbereitung als einen Vorgang betrachtet, der vor der Energiegewinnung zwingend ist. Bei iMagine dagegen wird der abgebrannte Brennstoff direkt wiederverwendet. iMagine folgt also einem ganz anderen Prinzip. Bisher blieb bei der Wiederaufbereitung immer vermischter hochradioaktiver Abfall \u00fcbrig, f\u00fcr den ein Endlager gefunden werden mu\u00df. Abgesehen vom Problem der Langzeitsicherheit ist das auch sehr teuer. Denken Sie an den 2017 eingerichteten Endlagerfonds. Das Besondere ist, da\u00df wir davon weg wollen, also statt M\u00fclldeponie der siebziger Jahre Wiederverwertung mit deutlich verbesserter Sortierung und statt Staatsgeld zu verbrauchen, damit Geld verdienen werden.<\/p>\n<p>Also ist iMagine eine Methode, kein neuer Reaktortyp?<br \/>\nMerk: Ja, das Prinzip des Fl\u00fcssigsalzreaktors ist bekannt. Neu ist die Entwicklung eines Verfahrens, das mit dem herk\u00f6mmlichen \u201eLeben\u201c eines Brennstoffs \u2013 Abbau im Bergwerk, Aufbereitung, Verwendung, Entsorgung \u2013 bricht: Bergbau und Aufbereitung entfallen, und die Entsorgung wird reduziert, weil wir stattdessen Abfall verbrauchen und nur ein kleiner Rest f\u00fcr lange Zeit gelagert werden mu\u00df. Ansonsten entstehen Stoffe, die nicht radioaktiv sind oder schnell zerfallen und dann als Rohstoff genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df ist dieser \u201ekleine Rest\u201c?<br \/>\nMerk: Etwa ein Zehntel eines Zwanzigstels der bisherigen Abfallmenge.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren statt 16.000 nur noch etwa 80 Tonnen.<br \/>\nMerk: F\u00fcr die ein bedeutend kleineres Endlager ausreicht, falls sich nicht auch noch f\u00fcr sie eine Verwertungsl\u00f6sung findet. Der Punkt, auf den ich hinauswill: wir sind in Deutschland mit dem Endlager-Denken auf einen falschen Weg geraten!<\/p>\n<p>Wie meinen Sie das?<br \/>\nMerk: Es ist diese Logik, die wahrscheinlich zum Ende der Kernkraft in Deutschland beigetragen hat: Neuerdings \u00fcbernimmt der Staat die Endlagerung, aber es gibt derzeit wenig Anreiz und Forschung, das Problem anders l\u00f6sen. Die Endlagerherausforderung wird in der Gesellschaft als gro\u00dfes Problem gesehen. Damit ist die Kernkraft unpopul\u00e4r geworden. Was die Erosion des gesellschaftlichen Konsenses bef\u00f6rdert hat, der die Kernenergie lange trug. Hier in England wird das Problem dagegen nicht in erster Linie als Last, sondern als Anreiz betrachtet, eine L\u00f6sung zu finden \u2013 und somit zum Motor f\u00fcr Innovation! Wir m\u00fcssen weg von der Art, wie man bei Einf\u00fchrung der Kernenergie in den f\u00fcnfziger und sechziger Jahren gedacht hat, und die in Deutschland fatalerweise bis heute beibehalten wurde. Hin zu einem neuen Verst\u00e4ndnis von Kernkraft, als einer maximal nachhaltigen Technologie, was bedeutet: optimale Energieausbeute bei minimalem M\u00fcll.<\/p>\n<p>Ist aus den in Salz gel\u00f6sten Resten denn so viel Energie herauszuholen wie zuvor aus den frischen Brennst\u00e4ben?<\/p>\n<p>Merk: Prinzipiell ist die Energiemenge zwanzigmal gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Und wie steht es mit der Sicherheit, w\u00e4re nicht ein zweites Tschernobyl oder Fukushima m\u00f6glich?<br \/>\nMerk: Der Kern von iMagine kann nicht mehr schmelzen, er ist schon fl\u00fcssig. Damit ist keine Reaktivit\u00e4tsreserve mehr notwendig, denn Material kann immer zugespeist werden, das vermeidet ein Szenario wie in Tschernobyl. Stellen Sie sich einen traditionellen Reaktor wie einen Kohleofen vor, Sie sch\u00fctten am Morgen Kohle rein und die vergl\u00fcht langsam, weil die Luftzufuhr kontrolliert wird. iMagine ist dagegen wie ein \u00d6lofen, in den Brennstoff kontinuierlich nachgef\u00fchrt wird. Einen Fall wie in Fukushima wird man dagegen nie v\u00f6llig ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, denn nach jeder Kernspaltung halten Nachzerfallsprozesse an, obwohl man den Reaktor heruntergefahren hat. Doch das ist ein beherrschbares Problem und das w\u00e4re es auch in Fukushima gewesen, w\u00e4re es dort nicht wegen veralteter Sicherheitstechnik durch den Tsunami zum totalen Stromausfall gekommen. In einem anderen Kernkraftwerk, n\u00e4her am Epizentrum, gab es dank modernerer Sicherheitstechnik keine Probleme.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, ein Unfall ist weiterhin m\u00f6glich, w\u00e4re aber viel unwahrscheinlicher?<br \/>\nMerk: Ja, und nicht nur das, er h\u00e4tte auch weniger dramatische Folgen. Denn ein Fl\u00fcssigsalzreaktor ist ein druckloses System, womit Antriebskr\u00e4fte wie in Fukushima nicht mehr vorhanden sind. Damit ist das Szenario, das wir bisher als den \u201eGr\u00f6\u00dften anzunehmenden Unfall\u201c definiert haben \u2013 der Abri\u00df der Hauptk\u00fchlmittelleitung mit dem Verlust des K\u00fchlmittels \u2013 bei dieser Technologie ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Bei unseren letzten drei Atomkraftwerken, die nun vor der Abschaltung stehen, w\u00e4re ein GAU jedoch grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich. Ist die Entscheidung also richtig?<br \/>\nMerk: Seit etwa drei\u00dfig Jahren laufen diese Anlagen nahezu st\u00f6rungsfrei, eigentlich spricht nichts gegen ihren Weiterbetrieb. Was mich \u00e4rgert, ist aber vor allem, da\u00df von interessierter Seite behauptet wird, Kernenergie w\u00e4re nicht sinnvoll, weil es viel zu lange dauert, einen Reaktor zu bauen. Doch tats\u00e4chlich k\u00f6nnte sie durch den Weiterbetrieb in Maximum einem Jahr vier Gigawatt Energie liefern! Die Behauptung ist also in diesem Fall unwahr, und zudem sollte man sich einmal die Frage stellen, ob man es mit dem Klimaschutz nun ernst meint oder nicht: Denn die Anlagen abzuschalten hei\u00dft, pro Jahr vier Gigawatt mehr an Kohle zu verbrennen!<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnten die M\u00f6glichkeiten Ihres iMagine-Projekts f\u00fcr die deutsche Energiewende bedeuten?<br \/>\nMerk: Wir haben ausgerechnet, wie Gro\u00dfbritannen seinen kompletten Energiebedarf mit Erneuerbaren decken k\u00f6nnte. Herausgekommen ist eine eher, sagen wir \u201eunsch\u00f6ne\u201c Zahl: n\u00e4mlich circa 2.500 Stunden Unterdeckung pro Jahr, wenn alle konventionelle Stromproduktion durch Wind ersetzt w\u00fcrde \u2013 das hei\u00dft, nicht am St\u00fcck, aber zusammengenommen g\u00e4be es mehr als drei Monate im Jahr zu wenig Strom im Netz.<\/p>\n<p>Wie lautet also Ihr Rat in Bezug auf Deutschland?<br \/>\nMerk: Eine Neuaufstellung der Kernenergie in Gro\u00dfbritannen k\u00f6nnte diese Defizite vermeiden und eine stabile Versorgung sichern. Die Situation in Deutschland ist \u00e4hnlich, aber die bessere Einbindung ins europ\u00e4ische Verbundnetz bringt Vorteile.<\/p>\n<p>Vorausgesetzt iMagine erf\u00fcllt Ihre Versprechen, warum dann nicht in Zukunft ganz darauf umstellen?<br \/>\nMerk: Weil man gem\u00e4\u00df der sogenannten Diversit\u00e4tsregel einen Mix aus Energiequellen haben sollte, um nicht von einer v\u00f6llig abh\u00e4ngig zu sein.<\/p>\n<p>Nichts gegen einen Anteil an Erneuerbaren, doch wozu im gro\u00dfen Stil in Technologien investieren, die unzuverl\u00e4ssig sind und daher weitere Investitionen in ein Ersatzsystem erfordern?<br \/>\nMerk: Weil immer unerwartete Probleme auftreten werden. Schauen Sie nach Frankreich, wo derzeit wegen Korrosion viele Kernkraftanlagen zugleich nicht betriebsbereit sind. In den neunziger Jahren galten drei\u00dfig Prozent Kernkraft, je drei\u00dfig Prozent Braun- und Steinkohle und zehn Prozent Gas als sicherer Mix. Aus der Kohle wollen wir raus, also sollte man einen neuen Mix aus komplement\u00e4ren Quellen kombinieren.<\/p>\n<p>Welchen Anteil sollte die Kernkraft daran haben \u2013 wie fr\u00fcher drei\u00dfig Prozent?<br \/>\nMerk: Das kommt darauf an, ob Sie sich als nationales System oder als Teil eines europ\u00e4ischen Netzes begreifen.<\/p>\n<p>Inwiefern?<br \/>\nMerk: Nehmen Sie das Netz hier in Gro\u00dfbritannien, das weitgehend auf sich allein gestellt ist \u2013 da brauchen Sie mehr Sicherheit. Deutschland dagegen kann im Bedarfsfall viel leichter drohende Unterdeckung durch Einkauf im Ausland ausgleichen, es sichert sich ja auch best\u00e4ndig Reservekapazit\u00e4ten im Ausland. Der Mix richtet sich also nach der Lage, in der ich bin, nach den Anspr\u00fcchen, die ich habe, und nat\u00fcrlich auch danach, wie zuverl\u00e4ssig meine Netzpartner sind. Allerdings w\u00fcrde ich eine Grenze bei f\u00fcnfzig Prozent ziehen, gr\u00f6\u00dfer sollte der Anteil an bedingt zuverl\u00e4ssigen, sogenannten fluktuierenden Energiequellen sicherheitshalber nicht sein. Jenseits dessen ist es eine politische Entscheidung: dem einen Land mag Versorgungssicherheit wichtiger sein, dem anderen Kosteng\u00fcnstigkeit und einem dritten vielleicht \u00f6kologische oder geostrategische Aspekte. Als Wissenschaftler kann ich da nur Optionen anbieten, nicht aber die Entscheidungen treffen, das ist die Aufgabe der Politiker.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich als Fachmann nicht in den politischen Teil des Energiemixes einmischen wollen, welchen Anteil an Kernkraft w\u00fcrden Sie als B\u00fcrger bef\u00fcrworten?<br \/>\nMerk: Vielleicht zwischen vierzig und sechzig Prozent, das m\u00fc\u00dfte man nochmal durchrechnen. Vor allem aber bin ich daf\u00fcr, da\u00df die Politik den B\u00fcrgern reinen Wein einschenkt, damit diese wissen, was bei der Entscheidung, die getroffen wird, tats\u00e4chlich auf sie zukommt.<\/p>\n<p>Immer mehr Deutsche merken genau das bei der urspr\u00fcnglich \u201enur eine Kugel Eis\u201c teuren Energiewende erst jetzt. Wann w\u00e4re Ihre Technologie einsatzf\u00e4hig?<br \/>\nMerk: Das kommt darauf an, wieviel Geld Sie zu investieren bereit sind. Bei ausreichender Finanzierung k\u00f6nnte die erste Demonstratoranlage in zehn Jahren stehen und das erste regul\u00e4re Kraftwerk in etwa f\u00fcnfzehn Jahren. Doch ich f\u00fcrchte, wir k\u00f6nnten die erste Anlage nicht bei uns, sondern in Ru\u00dfland sehen. Denn dort wurden unl\u00e4ngst f\u00fcr die Entwicklung des geschlossenen Brennstoffkreislaufes 20 Milliarden Euro genehmigt! Eine Summe, bei der ich, als ich davon h\u00f6rte, weiche Knie bekommen habe!<\/p>\n<p>Warum entwickeln Sie Ihre mutma\u00dfliche Supertechnologie in Gro\u00dfbritannien und nicht in Ihrer Heimat?<br \/>\nMerk: Ich habe in der deutschen P&amp;T-Studie der Acatech wirklich alles gegeben, um deutlich zu machen, was auch unter Ausstiegsbedingungen machbar w\u00e4re, doch zu h\u00f6ren bekommen: \u201eGlauben Sie nicht, da\u00df Sie daf\u00fcr Gelder bekommen.\u201c iMagine entstand, nachdem ich bereits in Gro\u00dfbritannien war.<\/p>\n<p>Was ging schief?<br \/>\nMerk: Die Wahrheit ist, es war in Deutschland nicht gewollt. Mir wurde damals gesagt, P&amp;T, also die technologische Weiterverwertung des M\u00fclls, sei unter den Bedingungen des Atomausstiegs nicht machbar. Ich entgegnete, man solle uns erstmal zwei Jahre forschen lassen, dann k\u00f6nne man sehen, was geht und was nicht. Aber bitte nicht der Wissenschaft von vornherein absprechen, da\u00df sie die Probleme l\u00f6sen kann! Schlie\u00dflich ist sie das m\u00e4chtigste Instrument, um den Herausforderungen der Zukunft Herr zu werden. Doch das hilft alles nichts, wenn der politische Wille ein anderer ist, wenn gar nicht gewollt ist, da\u00df solche L\u00f6sungen untersucht werden.<\/p>\n<p>Warum nicht? Weil Ihr eventueller Erfolg dem Atomausstieg etliche Argumente genommen h\u00e4tte?<br \/>\nMerk: Sicher. 2011 ist ja nur der Ausstieg aus der Stromproduktion durch Kernenergie beschlossen worden, nicht auch der aus der Kernenergieforschung. Doch gab es Leute, die favorisierten \u2013 auch wenn das so nicht gesagt wurde \u2013, da\u00df wir auch aus der Forschung aussteigen, dann haben wir die Kernkraft auch f\u00fcr die Zukunft erledigt! So stand ich damals also vor der Entscheidung, entweder von der Kernenergie in das Forschungsmanagement zu wechseln oder in ein Land zu gehen, wo man mich forschen l\u00e4\u00dft. Daraufhin haben wir vor sieben Jahren Deutschland verlassen.<\/p>\n<p>Warum ist das in Deutschland so?<br \/>\nMerk: Tja, warum bekommen in Deutschland Leute in der Nuklearbranche Drohbriefe \u2013 nicht ich, aber Bekannte \u2013, in denen vielsagend steht, man wisse wo die Kinder zur Schule gehen &#8230;? Allerdings w\u00fcrde ich hier nicht von \u201eDeutschland\u201c sprechen, denn schon in den neuen Bundesl\u00e4ndern sind die Menschen beim Thema Kernkraft viel entspannter. Vermutlich, weil viele noch eine Zeit der Versorgungsknappheit miterlebt haben. Doch auch in den alten Bundesl\u00e4ndern sind nicht alle ideologisch. Tats\u00e4chlich ist das nach meiner Beobachtung sogar nur eine kleine Minderheit. Die aber ist sehr, sehr laut und hat, auch dank einer eigenen Partei, die aus ihr hervorgegangen ist, inzwischen viel Einflu\u00df.<br \/>\n&#8230; Alles vom 14.4.2023 bitte lesen in der JF 16-34, Seite 3<br \/>\n.<br \/>\n<em>Prof. Dr. Bruno Merk, der 1970 in Dietmannsried\/Allg\u00e4u geborene Maschinenbauingenieur lehrt und forscht an der Universit\u00e4t Liverpool mit dem Schwerpunkt Nukleartechnik, gef\u00f6rdert von der Royal Academy of Engineering. Zudem beriet er als leitender Wissenschaftler f\u00fcr Nuklearabfall und innovative Reaktoren der Helmholtz-Gesellschaft die Bundesregierung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Energie\u00a0&gt;AKW &gt;Kernkraft &gt;Atomm\u00fcll Klaus-Dieter Humpich, Manfred Haferburg: Atomenergie \u2013 jetzt aber richtig\u00a0(3.11.2024) Haferburg&#8217;s Kernkraft-Countdown (16.4.2023) Atomm\u00fcll in Strom verwandeln: iMagine (14.4.2023) Rezensionen &nbsp; Haferburg&#8217;s Kernkraft-Countdown Nachruf auf einen Freund &#8230; Ein 40-j\u00e4hriger Kreuzzug der Ignoranz und Verantwortungslosigkeit hat \u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/energie\/akw\/atommuell\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":1508,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-111832","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/111832","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=111832"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/111832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127947,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/111832\/revisions\/127947"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=111832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}