{"id":111140,"date":"2023-03-25T17:44:57","date_gmt":"2023-03-25T16:44:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=111140"},"modified":"2023-04-03T10:18:47","modified_gmt":"2023-04-03T08:18:47","slug":"afterwissenschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/afterwissenschaft\/","title":{"rendered":"Afterwissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Home &gt;<a title=\"Bildung\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/\">Bildung<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Hochschulen-Freiheit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/hochschulen-freiheit\/\">Hochschulen-Freiheit<\/a>\u00a0&gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/\">Wissenschaft<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bildung\/wissenschaft\/wissenschaft-staat\/\">Wissenschaft-Staat<\/a>\u00a0 &gt;Afterwissenschaft<\/p>\n<div id=\"attachment_110891\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/windsbraut-gutmann-staufen-pan230318.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-110891\" class=\"size-full wp-image-110891\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/windsbraut-gutmann-staufen-pan230318.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/windsbraut-gutmann-staufen-pan230318.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/windsbraut-gutmann-staufen-pan230318-180x102.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-110891\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Die Windsbraut&#8220; von Franz Gutmann in Staufen bei Freiburg<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/verschwoerung-statt-diskussion\/\">Verschw\u00f6rung statt Diskussion<\/a>\u00a0(3.4.2023)<\/li>\n<li>Die Afterwissenschaft der Max-Planck-Gesellschaft (25.3.2023)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Afterwissenschaft der Max-Planck-Gesellschaft<\/strong><br \/>\n<em>Es gab eine Zeit, da meinte die Partikel \u201eafter\u201c in der deutschen Sprache alles, was schlechter als etwas anderes ist. Und so gab es einmal nicht nur den After, sondern auch die \u201eAfterwissenschaft\u201c als sch\u00f6nes Wort f\u00fcr eine Scheinwissenschaft. Davon gibt es heute mehr denn je.<\/em><br \/>\n&#8230;<br \/>\nKein Wunder also, dass Ulf Poschardt, der Chefredakteur der Zeitung \u201eDie Welt\u201c, Anfang M\u00e4rz in einem Meinungsartikel (hinter der Bezahlschranke) <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/plus244160641\/Ulf-Poschardt-Die-Wissenschaft-und-wie-sie-sich-selbst-in-Verruf-brachte.html\">https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/plus244160641\/Ulf-Poschardt-Die-Wissenschaft-und-wie-sie-sich-selbst-in-Verruf-brachte.html<\/a>\u00a0mit dieser Art von Wissenschaft ins Gericht ging und ihren ganz offen zur Schau getragenen politischen Aktivismus kritisierte, samt allem, was dazugeh\u00f6rt: das (nicht nur) von Christian Drosten praktizierte \u201eEindreschen\u201c auf wissenschaftlich andersdenkende Experten; die als wissenschaftliche Expertise camouflierte Bef\u00fcrwortung freiheitsverachtender Ma\u00dfnahmen; nicht zu vergessen den in der Klimabewegung festzustellenden \u201eKuddelmuddel aus Linksradikalismus, Antikapitalismus und Wissenschaftsaktivismus\u201c. Und Poschardt schlie\u00dft: \u201eDie aktivistischen Wissenschaftler haben in der \u00d6ffentlichkeit die Wissenschaft in Verruf gebracht.\u201c Und: Das blinde Vertrauen in die Wissenschaft sei \u201eimmer schon falsch\u201c gewesen &#8230;<br \/>\nUnd was macht die MPG? Sie schickt zwei Wochen sp\u00e4ter ihren Frontmann Patrick Cramer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/<\/a>Patrick_Cramer vor, einen Chemiker und Biologen, der seit Beginn diesen Jahres als Pr\u00e4sident der MPG amtieren darf, um in der \u201eWelt\u201c \u00f6ffentlich zu verlautbaren (ebenfalls hinter der Bezahlschranke) <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/plus244349121\/Forschung-und-Aktivismus-Nein-die-Wissenschaft-ist-nicht-in-Verruf-geraten.html\">https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/plus244349121\/Forschung-und-Aktivismus-Nein-die-Wissenschaft-ist-nicht-in-Verruf-geraten.html<\/a> , dass die Wissenschaft keineswegs in Verruf geraten sei. Und warum nicht? Weil, schreibt Cramer, nicht nur 62 Prozent der Deutschen der Wissenschaft vertrauen, sondern die Wissenschaft in Zeiten der Pandemie auch bewiesen habe, dass das Vertrauen in sie gerechtfertigt sei.<br \/>\n&#8230;..<br \/>\nMachen wir an dieser Stelle einen Bruch und springen wir 200 Jahre in der Zeit zur\u00fcck. Damals schrieb Hegel in der Vorrede zu seinen Grundlinien der Philosophie des Rechts, dass es der Wissenschaft um das \u201eErgr\u00fcnden des Vern\u00fcnftigen\u201c gehe, und zwar als ein \u201eErfassen des Gegenw\u00e4rtigen und Wirklichen\u201c. Und dann fallen jene S\u00e4tze, f\u00fcr die Hegel bis heute ber\u00fcchtigt ist: \u201eWas vern\u00fcnftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vern\u00fcnftig.\u201c Tats\u00e4chlich ein \u00e4u\u00dferst missverst\u00e4ndlicher Satz, aber in Wahrheit ein \u00e4u\u00dferst klarer. Vernunft und damit Wirklichkeit ist n\u00e4mlich f\u00fcr Hegel nicht das, was irgendwer aus irgendwelchen Gr\u00fcnden f\u00fcr wahr halten mag und anderen Menschen als Wahrheit aufn\u00f6tigen will.<\/p>\n<p>Vernunft und Wirklichkeit stellen sich vielmehr erst ein, wenn wir uns bewusst machen, dass wir die Wirklichkeit, wie sie ist, immer nur in unseren Begriffen und also in unserer Sprache erfassen k\u00f6nnen und dass dieses begriffliche Erfassen immer nur in Gemeinschaft mit anderen Menschen m\u00f6glich ist. Vernunft und Wirklichkeit sind also nichts Festes au\u00dfer uns, auf das wir nur mit dem Finger zeigen m\u00fcssten, und schon sehen wir es; Vernunft ist vielmehr eine Gemeinschaftsaufgabe, eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und mit den Meinungen anderer Menschen \u00fcber ebendiese Wirklichkeit.<br \/>\nDas ist eine grundlegende Erkenntnis, und es ist eine Erkenntnis, die die Philosophie (der alte Name f\u00fcr das, was wir heute \u201eWissenschaft\u201c nennen) von Beginn an \u2013 seit Sokrates, Platon und Aristoteles \u2013 begleitet hat und \u00fcberhaupt erst zur Philosophie und Wissenschaft macht.<br \/>\nBlicken wir von diesem philosophisch-wissenschaftlichen Gipfelkamm auf die Wissenschaftswelt \u00e0 la Cramer, Drosten und Mai Thi Ngyuen Kim, sehen wir, dass hier Wissenschaft zu einem einfachen Unternehmen zwecks Generierung von Erkenntnissen und Fakten wird, ohne dass wir erfahren w\u00fcrden, wie man sich das nun konkret vorzustellen habe. Stattdessen ist stets nur die Rede von \u201eder Wissenschaft\u201c im Singular, die, wenn sie voranschreitet, einen \u201eKonsens\u201c erzeugt, der als solcher dem Publikum \u00fcber die Medien nur noch mitgeteilt werden muss.<br \/>\nEbendas h\u00e4tte von Sokrates bis Hegel als Gipfel der Unvernunft gegolten. Denn Unvernunft ist es, eine \u201eWissenschaft\u201c zu imaginieren, die aus besonders begabten Menschen besteht, die irgendwelche \u201eErkenntnisse\u201c haben und irgendwo \u201eFakten\u201c sehen, ohne dass man sie fragen d\u00fcrfte, aus welchen Gr\u00fcnden sie wo was und wie lange sehen. Vor allem dann aber darf man nicht fragen, wenn man dort, wo Cramer, Drosten und Ngyuen Kim Fakten sehen, ein dickes Fragezeichen sieht. Das w\u00e4re f\u00fcr Cramer und seine Freunde nicht der Beginn eines fruchtbaren Austauschs \u00fcber die Wirklichkeit und damit der Beginn einer vern\u00fcnftigen Auseinandersetzung; es w\u00e4re vielmehr der Schritt aus dem wissenschaftlichen Konsens heraus und damit ein Schritt ins weite Feld von Fake-News und Desinformation.<br \/>\nFalls man es hier in der Diktion von Hegel sagen darf: Cramer und Konsorten denken Wissenschaft nicht als Vermittlung der Begriffe mit der Wirklichkeit und mit den Meinungen der Menschen. Sie haben mit der Wissenschaft vielmehr immer schon fertig, weil sie \u2013 und sie alleine als Experten \u2013 wissen, was ein Faktum ist und eine Erkenntnis. Und deshalb kennen sie auch keinen lebendigen Wissenschaftsprozess, in dem es in der vern\u00fcnftigen Auseinandersetzung um Wirklichkeit und Wahrheit unter Wissenschaftlern hoch hergeht. Sie kennen vielmehr blo\u00df die p\u00e4dagogische Notwendigkeit, das von ihnen alleine erkannte und zum Konsens geronnene Faktum durch die Medien dem einfachen Volk mitzuteilen und das Volk dadurch im Prozess des Erkenntnisgewinns \u201emitzunehmen\u201c. F\u00fcr den, der es anders sieht als Wissenschaftler und als Laien, kennt Cramer nur die Rolle des devoten Schweigers.<\/p>\n<p>Wenn Sie nun wissen wollen, was genau \u201eAfterwissenschaft\u201c ist \u2013 genau das.<br \/>\n&#8230; Alles vom 25.3.2023 von Uwe Jochum bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/die_afterwissenschaft_der_Max_Planck_Gesellschaft\">https:\/\/www.achgut.com\/artikel\/die_afterwissenschaft_der_Max_Planck_Gesellschaft<\/a><br \/>\n.<br \/>\n<em>Uwe Jochum, geb. 1959, studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg und promovierte an der Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf. Seit 1988 arbeitet er als wissenschaftlicher Bibliothekar. Zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen zur Bibliotheks- und Mediengeschichte, zuletzt \u00bbGeschichte der abendl\u00e4ndischen Bibliotheken\u00ab (2. Aufl., 2012).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Bildung\u00a0&gt;Hochschulen-Freiheit\u00a0&gt;Wissenschaft &gt;Wissenschaft-Staat\u00a0 &gt;Afterwissenschaft Verschw\u00f6rung statt Diskussion\u00a0(3.4.2023) Die Afterwissenschaft der Max-Planck-Gesellschaft (25.3.2023) &nbsp; Die Afterwissenschaft der Max-Planck-Gesellschaft Es gab eine Zeit, da meinte die Partikel \u201eafter\u201c in der deutschen Sprache alles, was schlechter als etwas anderes ist. 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