{"id":106712,"date":"2022-11-29T19:42:04","date_gmt":"2022-11-29T18:42:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=106712"},"modified":"2026-01-11T19:01:27","modified_gmt":"2026-01-11T18:01:27","slug":"krisenpolitik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/krisenpolitik\/","title":{"rendered":"Krisenpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Home &gt;<a title=\"Selbsthilfe\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/\">Selbsthilfe<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/\">Krise<\/a>\u00a0 &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gruen-links\/\">Gruen-Links<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/politik\/\">Politik<\/a> &gt;Krisenpolitik<\/p>\n<div id=\"attachment_106684\" style=\"width: 554px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/maske-schleuse-pan221127.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-106684\" class=\"size-full wp-image-106684\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/maske-schleuse-pan221127.jpg\" alt=\"\" width=\"544\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/maske-schleuse-pan221127.jpg 544w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/maske-schleuse-pan221127-180x110.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 544px) 100vw, 544px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-106684\" class=\"wp-caption-text\">Die letzte Angst vor der letzten Gefahr im Herbst 2022<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/krieg\/kriegswirtschaft\/\">Erich Vad warnt vor Kriegswirtschaft: \u201eSoll damit von innenpolitischen Problemen abgelenkt werden?\u201c<\/a>\u00a0(11.1.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/china-russland-usa-eu-und-d\/\">China Russland USA EU und D<\/a>\u00a0(8.1.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/merz-russische-angriffe-erwidern\/\">Offener Brief von Jeffrey Sachs zum Ukrainekrieg an Merz<\/a>\u00a0(17.12.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/interessen-osten-westbindung\/\">Interessen: Osten, Westbindung<\/a>\u00a0(18.11.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/russland\/russland-bashing\/\">Die Russen bald \u201ewieder\u201c vor dem Brandenburger Tor?<\/a>\u00a0(23.11.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/deutschland2024\/\">Juli Zeh: Dreiklang Apokalypse, Ausnahmezustand, Alternativlosigkeit<\/a>\u00a0(23.6.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/consent-of-the-governed\/vertrauen\/\">Vertrauenskrise: Politik, Medien, WEF<\/a>\u00a0(27.1.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/notlage\/\">Notstand\/Notlage \u2013 die Regierung verursacht, ruft aus und rettet<\/a>\u00a0(26.11.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/demo-verbot-wegen-sicherheit\/\">Demo-Verbot wegen Sicherheit?<\/a>\u00a0(22.10.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/zentralisierung-durch-krisen\/\">Zentralisierung durch Krisen<\/a>\u00a0(10.2.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/ampel\/\">Ampel: Politik der Verarmung<\/a>\u00a0(1.1.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/freiheit-fuer-geld\/\">Die Deutschen tauschten Freiheit f\u00fcr Geld<\/a>\u00a0(23.12.20022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gruen-links\/politik-bullerbue\/\">Gr\u00fcne Zukunft: In Bullerb\u00fc gehen die Lichter aus<\/a>\u00a0(20.12.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/nebelkerzen-zwecks-ablenkung\/\">Nebelkerzen zwecks Ablenkung<\/a>\u00a0(30.11.2022)<\/li>\n<li>Fritz S\u00f6llner: Krise als Mittel zur Macht (25.11.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/meinungsfreiheit\/meinungsstreit\/\">Meinungsstreit: Voraussetzung f\u00fcr die Gemeinschaft der Freien<\/a>\u00a0(25.11.2022)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/freiheit-fuer-geld\/\">Freiheit-fuer-Geld<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/notlage\/\">Notlage<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gruen-links\/politik-bullerbue\/\">Politik-Bullerb\u00fc<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/politik\/politik-illusionen\/\">Politik-Illusionen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/business\/volkswirtschaft\/verarmung\/\">Verarmung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/consent-of-the-governed\/vertrauen\/\">Vertrauen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Krisenpolitik: Der Brandstifter bietet sich als Feuerl\u00f6scher an und stellt die B\u00fcrger durch Hilfszahlungen ruhig<br \/>\n<\/strong>.<br \/>\n&#8222;In der Coronakrise will man um jeden Preis Leben retten und opfert daf\u00fcr die Freiheit.<br \/>\nIn Ukrainekrieg will man um jeden Preis die Freiheit retten und opfert daf\u00fcr Leben.<br \/>\nIn beiden Krisen gilt als moralisches Verhalten, Andersmeinenden die Moral abzusprechen&#8220;<br \/>\nUlrike Gu\u00e9rot 2\/2023<\/p>\n<p>=============================================================<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fritz S\u00f6llner: Krise als Mittel zur Macht<\/strong><br \/>\n<strong>\u201eOhne Skrupel instrumentalisiert\u201c<\/strong><br \/>\n<em>Interview: Was steckt hinter den Krisen, die uns seit Jahren in Atem halten? Der <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/zentralisierung-durch-krisen\/\">\u00d6konom Fritz S\u00f6llner<\/a> warnt in seinem neuen Buch \u201eKrise als Mittel zur Macht\u201c vor einer versteckten Agenda, die die Politik im Schutze der st\u00e4ndigen Ausnahmesituationen verfolge<\/em><br \/>\n<em>von Moritz Schwarz<\/em><\/p>\n<p>Herr Professor S\u00f6llner, sind Sie ein Verschw\u00f6rungstheoretiker?<br \/>\nFritz S\u00f6llner: Wie kommen Sie darauf?<\/p>\n<p>Manchen kommt dieser Verdacht, wenn sie auf einem Buchtitel vielsagend eine Marionette abgebildet sehen.<br \/>\nS\u00f6llner: Ich finde die Umschlaggestaltung meines Buches keineswegs unzutreffend, wenn auch vielleicht ein wenig \u00fcberspitzt. Denn das Buch zeigt in der Tat ein gewisses Ma\u00df an Manipulation in unserer Gesellschaft auf.<\/p>\n<p>Inwiefern?<br \/>\nS\u00f6llner: Zum Beispiel k\u00f6nnte man als einen solchen Marionettenfaden, mit dem wir B\u00fcrger in eine gew\u00fcnschte Richtung gesteuert werden sollen, die Berichterstattung eines gro\u00dfen Teils der Medien betrachten. Diese versuchen mittels einseitiger Darstellung, tendenzi\u00f6ser Kommentierung, Auslassungen und Unterschlagung kritischer Stimmen gewisse Themen in bestimmte Bahnen zu lenken.<\/p>\n<p>Zum Beispiel?<br \/>\nS\u00f6llner: Nehmen Sie die Corona-Krise, in der es vielen Medien keineswegs darum ging, den vern\u00fcnftigsten Weg aus der Pandemie zu finden, sondern offensichtlich darum, die Ma\u00dfnahmen der Regierung zu flankieren. Sonst h\u00e4tte etwa der Umstand, da\u00df Schweden ohne Lockdown ausgekommen ist, von ihnen weit st\u00e4rker reflektiert und unsere Lockdown-Politik kritischer hinterfragt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das beweist aber noch nicht, da\u00df die \u201eKrise als Mittel zur Macht\u201c, so der Titel Ihres Buches, genutzt wird.<br \/>\nS\u00f6llner: Richtig, aber das ergibt sich aus der Analyse der Politik der Bundesregierung in den verschiedenen Krisen der letzten Jahre. Was dabei n\u00e4mlich auff\u00e4llt, ist, da\u00df sie stets gescheitert ist. Wobei ich \u201eErfolg\u201c definiert habe als 1.) kurzfristig: Bew\u00e4ltigung der Krisenfolgen und 2.) langfristig: Beseitigung der Krisenursachen. Doch in keinem Fall hat die Regierungspolitik das erreicht.<\/p>\n<p>Und was schlie\u00dfen Sie daraus?<br \/>\nS\u00f6llner: Wenn die eigentlichen Ziele jedesmal so deutlich verfehlt wurden, stellt sich doch die Frage, ob es vielleicht weniger um die angeblichen Ziele, sondern um die mit der Krisenpolitik verbundenen \u201eNebenwirkungen\u201c gegangen ist.<\/p>\n<p>Und?<br \/>\nS\u00f6llner: Zwei Effekte haben sich fast immer eingestellt: Erstens eine Verringerung der Rechte und Freiheiten der B\u00fcrger; zweitens eine Zunahme der Macht des Staates \u2013 und zwar vor allem auf Ebene der EU.<\/p>\n<p>Und wie funktionierte das?<br \/>\nS\u00f6llner: Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt, und auch hier lie\u00dfen sich wieder zwei eindeutige Muster finden: Erstens wurde stets nach dem Motto \u201eKoste es, was es wolle!\u201c vorgegangen; Abw\u00e4gungen zwischen Kosten und Nutzen wurden nicht vorgenommen. Das zeigte sich besonders deutlich in der Corona-Krise, als das Virus um jeden Preis, auch um den Preis gewaltiger volkswirtschaftlicher Sch\u00e4den und nie dagewesener Freiheitseinschr\u00e4nkungen bek\u00e4mpft wurde \u2013 weitere Beispiele sind die Klimakrise und aktuell der Ukrainekrieg. Zweitens wurde auch keine R\u00fccksicht mehr auf den Rechtsstaat genommen; man setzte sich \u00fcber Vertr\u00e4ge, ja selbst Gesetze hinweg. Bezeichnend daf\u00fcr ist etwa der Satz Angela Merkels aus dem Jahr 2018, als sie sagte, man werde Recht und Gesetz einhalten, \u201ewo immer das notwendig ist\u201c. Im ersten Moment h\u00f6rt sich das fast rechtstreu an, aber bitte vergegenw\u00e4rtigen Sie sich, was diese \u00c4u\u00dferung tats\u00e4chlich besagt! Eine andere \u00c4u\u00dferung, die diese Haltung zum Ausdruck bringt, stammt von Christine Lagarde, heute EZB-Pr\u00e4sidentin, die in ihrer Zeit als franz\u00f6sische Finanzministerin ihre Mi\u00dfachtung f\u00fcr den Rechtsstaat mit dem folgenden Satz offen zur Schau stellte: \u201eWeil wir die Eurozone retten wollten \u2026 haben wir alle Regeln gebrochen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn das so offen gesagt wurde, wieso kamen die Verantwortlichen dann damit durch?<\/p>\n<p>S\u00f6llner: Unter dem Eindruck einer Krise sieht ein Rechtsbruch f\u00fcr die B\u00fcrger nicht mehr wie ein Rechtsbruch aus, sondern wie eine Rettungsma\u00dfnahme und wird daher viel eher akzeptiert. Au\u00dferdem konnte sich die Regierung jedesmal auf die Unterst\u00fctzung der etablierten Medien verlassen. Und das, obwohl \u2013 oder gerade weil? \u2013 das, was den B\u00fcrgern als zwingend notwendig verkauft wurde, nicht nur keineswegs zwingend, sondern hinsichtlich der Bek\u00e4mpfung der eigentlichen Krise sogar weitgehend nutzlos war. Neben den schon genannten Beispielen mu\u00df man hier vor allem die \u201eEuro-Rettung\u201c anf\u00fchren, welche die Ursache der Krise n\u00e4mlich nicht beseitigt, sondern im Gegenteil diese Krise k\u00fcnstlich bis heute verl\u00e4ngert hat.<\/p>\n<p>Sie meinen, das war beabsichtigt?<br \/>\nS\u00f6llner: Nein, aber die Nutzlosigkeit der Ma\u00dfnahmen wurde in Kauf genommen, um die Krisensituation zur Erreichung anderer politischer Ziele zu nutzen: Zum einen, wie schon angedeutet, f\u00fcr den Transfer nationalstaatlicher Kompetenzen nach Br\u00fcssel, was fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu einem EU-Staat f\u00fchren mu\u00df. Zum anderen, um die B\u00fcrger immer mehr in Abh\u00e4ngigkeit vom Staat zu bringen, was gleichzeitig bedeutet, sie auch immer mehr bevormunden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ihr Fazit lautet also?<br \/>\nS\u00f6llner: In der Regel wurden die jeweiligen Krisen von der Bundesregierung weniger effektiv bek\u00e4mpft als vielmehr instrumentalisiert, um auf dem Weg zu einem EU-Zentralstaat voranzukommen. F\u00fcr diesen soll offenbar das franz\u00f6sische Modell der \u201ePlanification\u201c als Vorbild dienen. Dieses ist in unserem Nachbarland nach den Zweiten Weltkrieg als die staatliche Planung der franz\u00f6sischen Volkswirtschaft entstanden \u2013 und bezeichnet heute eine Politik, mittels der B\u00fcrger und Unternehmen durch Vorgaben des franz\u00f6sischen Staates reguliert werden. Es ist klar, da\u00df ein solches Vorbild f\u00fcr eine bestimmte Art von Politikern sehr attraktiv ist, n\u00e4mlich solche, die sich im Besitz einer h\u00f6heren Wahrheit glauben und deswegen nicht den Willen der W\u00e4hler realisieren, sondern diese erziehen und bevormunden wollen.<\/p>\n<p>Sie unterstellen, da\u00df die Krisen bewu\u00dft mi\u00dfbraucht worden sind. K\u00f6nnte es aber nicht sein, da\u00df es zu den von Ihnen beobachteten Effekten deshalb \u2013 und damit ohne Vorsatz \u2013 gekommen ist, weil unsere Politiker aufgrund ihrer Nachkriegspr\u00e4gung eben nur noch im EU-Rahmen denken \u201ek\u00f6nnen\u201c?<br \/>\nS\u00f6llner: Ich glaube, da untersch\u00e4tzen Sie die Politik. Und auch hier gibt es offene Worte f\u00fchrender Politiker, die zeigen, da\u00df man die Krise bewu\u00dft ausnutzt. Das Paradebeispiel daf\u00fcr ist etwa eine \u00c4u\u00dferung des damaligen Bundestagspr\u00e4sidenten Wolfgang Sch\u00e4uble, der 2020 der Neuen Westf\u00e4lischen sagte: \u201eDie Corona-Krise ist eine gro\u00dfe Chance. Der Widerstand gegen Ver\u00e4nderungen wird in der Krise geringer. Die Wirtschafts- und Finanz-union, die wir politisch bisher nicht zustande gebracht haben, k\u00f6nnen wir jetzt hinbekommen.\u201c Ein anderes Beispiel ist die Aussage des sp\u00e4teren EU-Kommissionspr\u00e4sidenten Jean-Claude Juncker, der 1999, allerdings nicht in Zusammenhang mit einer Krise, die Vorgehensweise zum Ausbau der EU offenbarte: \u201eWir beschlie\u00dfen etwas, stellen es dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es kein gro\u00dfes Geschrei gibt, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter \u2013 Schritt f\u00fcr Schritt, bis es kein Zur\u00fcck mehr gibt!\u201c<\/p>\n<p>Angesichts solcher Zitate kann man sich allerdings schon fragen, ob die Krisen nicht doch mit Absicht herbeigef\u00fchrt worden sind, um sie dann zu nutzen.<br \/>\nS\u00f6llner: Auf diesen Gedanken k\u00f6nnte man schon kommen, aber daf\u00fcr habe ich keine Belege gefunden. Allerdings k\u00f6nnen einige Krisen als zumindest zum Teil hausgemacht bezeichnet werden, wie etwa die Euro-Krise oder die Asylkrise in Folge der Grenz\u00f6ffnung im Jahr 2015. So mu\u00dfte die Einf\u00fchrung des Euro \u2013 realistisch betrachtet \u2013 fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu einer Krise f\u00fchren, weil eine W\u00e4hrung f\u00fcr so unterschiedliche Volkswirtschaften, wie wir sie in Europa haben, nicht genug Flexibilit\u00e4t bieten kann. Man hat diese Krise also, wenn vielleicht nicht absichtlich herbeigef\u00fchrt, immerhin wissentlich in Kauf genommen und sp\u00e4ter ohne gro\u00dfe Skrupel instrumentalisiert.<\/p>\n<p>Welche Krisen haben Sie denn genau untersucht?<br \/>\nS\u00f6llner: In nehme mir in meinem Buch die Finanz-, die Euro-, die Fl\u00fcchtlings-, die Klima- sowie die Corona-Krise vor, am Rande auch die Ukrainekrise. Die Finanzkrise ab 2007 stellt insofern einen Sonderfall dar, als es bei ihr keine Rechtsbr\u00fcche gegeben hat, wohl aber auch eine Instrumentalisierung zugunsten einer Zentralisierung der EU \u2013 n\u00e4mlich in Gestalt der Schaffung des Europ\u00e4ischen Finanzaufsichtssystems. Eklatant waren die Rechtsbr\u00fcche dagegen in der direkt auf diese folgenden Euro-Krise, die damit zu einer Art Muster f\u00fcr die folgenden Krisen werden sollte: n\u00e4mlich die seit 2015 andauernde Migrationskrise mit ihrer \u201eHerrschaft des Unrechts\u201c sowie ab 2020 die Corona-Krise, welche wiederum als Inspiration f\u00fcr die Klimakrise dient. Letzteres belegt zum Beispiel, was Bundesgesundheitsminister Lauterbach verk\u00fcndet hat: \u201eWir ben\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels, die analog zu den Einschr\u00e4nkungen der pers\u00f6nlichen Freiheit in der Pandemie-Bek\u00e4mpfung sind.\u201c<\/p>\n<p>Inwiefern aber hat etwa die Asylkrise zu einer Zunahme an EU-Zentralisierung und zum Abbau der Rechte und der Selbst\u00e4ndigkeit der B\u00fcrger gef\u00fchrt?<br \/>\nS\u00f6llner: In der Tat ist in der Asylkrise beides vergleichsweise schwach ausgepr\u00e4gt \u2013 hier haben wir es vor allem mit der Brechung von Recht zu tun. Der Zentralisierung leistet \u201elediglich\u201c die Schaffung der Europ\u00e4ischen Asylagentur im Jahr 2022 Vorschub, sowie indirekt der Umstand, da\u00df eine durch den erheblichen Einwandererzustrom kulturell immer heterogener werdende Bev\u00f6lkerung nat\u00fcrlich immer weniger Widerstand gegen eine EU-Zentralisierung leistet. Wobei man nicht vergessen darf, da\u00df die eigentlichen demographischen, \u00f6konomischen und sozialstaatlichen Auswirkungen der Asylkrise noch gar nicht eingetreten sind, sondern sich erst in Jahren und Jahrzehnten vollumf\u00e4nglich entfalten werden. Wie ich das in meinem 2019 ver\u00f6ffentlichten Buch \u201eSystem statt Chaos. Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine rationale Migrationspolitik\u201c ausf\u00fchrlich darstelle.<\/p>\n<p>Was ist mit den aktuellen Krisen, also dem Krieg in der Ukraine, der Inflation und der Energiekrise?<br \/>\nS\u00f6llner: Auch da kann man eine Instrumentalisierung feststellen. Erstens werden auch diese Krisen erneut ausgenutzt, um den Einflu\u00df und die Kompetenzen von Br\u00fcssel zu erweitern. Zweitens kann man mit ihnen eigenes Versagen bem\u00e4nteln. Denn die Inflation geht zum Gro\u00dfteil nicht auf den Krieg, sondern auf die desastr\u00f6se Geldpolitik der EZB in den letzten zw\u00f6lf Jahren zur\u00fcck. Und die Energiekrise ist nicht allein die Schuld Putins, sondern auch und vor allem das Ergebnis der verfehlten Energiepolitik der letzten zwanzig Jahre.<\/p>\n<p>Da w\u00fcrden einige widersprechen und zudem daran erinnern, da\u00df es ja noch weitere Faktoren gibt. F\u00fcr die Inflation etwa die Lockdown-Politik und die daraus entstandenen globalen Lieferkettenprobleme.<br \/>\nS\u00f6llner: Wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, da\u00df infolge der EZB-Geldpolitik die Menge des Zentralbankgeldes von 2010 bis 2021 um 392 Prozent gestiegen ist, unser reales Bruttoinlandsprodukt aber nur um 16 Prozent, dann sieht man, was f\u00fcr ein gewaltiges geldpolitisches Ungleichgewicht da produziert worden ist \u2013 das sich zwangsl\u00e4ufig irgendwann in Inflation niederschlagen mu\u00df. Da sind der Krieg oder die Lockdownpolitik eher Anla\u00df als Ursache. Das sieht man auch an der Schweiz, die ja mit den gleichen exogenen Schocks \u2013 Corona, Krieg \u2013 zu k\u00e4mpfen hat wie die Eurozone und dennoch eine wesentlich geringere Inflation erlebt.<\/p>\n<p>Nach Ihrer Analyse strebt die Politik also auf einen EU-Staat zu, den sie am B\u00fcrger vorbei zu erreichen hofft, indem sie die Dynamik von Krisen nutzt. Im letzten Teil Ihres Buches kommen Sie aber zu dem Schlu\u00df, da\u00df wir, wenn die Entwicklung so weitergeht, in einem neuen Totalitarismus landen. Was aber hat denn das eine mit dem anderen zu tun?<br \/>\nS\u00f6llner: Leider haben heute Ideologie und Gesinnungsethik die Herrschaft in der deutschen Politik. Es geht nicht mehr, wie in den Jahrzehnten nach dem Krieg, um kontroverse Sachfragen, sondern um die Durchsetzung einer Gleichheitsideologie, die eine neue vereinheitlichte Gesellschaft schaffen will. Deren Vertreter sehen sich im Besitz einer h\u00f6heren Moral, weshalb sie auch keinen Respekt vor demokratischen Institutionen und Regeln haben. Diese werden, wie zum Beispiel das Grundgesetz, einfach uminterpretiert und in ihrem Sinne instrumentalisiert. Der ehemalige Pr\u00e4sident des Bundesverfassungsgerichts Hans-J\u00fcrgen Papier etwa hat daher auch gewarnt: \u201eDer Kern unserer Verfassung ist die Freiheit. Das m\u00fcssen wir uns immer wieder vergegenw\u00e4rtigen. Das bedeutet auch, da\u00df Gesetze nicht prim\u00e4r dazu da sind, uns etwas zu garantieren, sondern dazu \u2026 ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit zu erm\u00f6glichen \u2026 (Doch) unsere Freiheitsrechte, das wertvollste Gut der Verfassung, werden von der Politik zusehends in Frage gestellt.\u201c<\/p>\n<p>Gut, aber was hat das wiederum mit dem Thema Krisenpolitik zu tun?<br \/>\nS\u00f6llner: Sehr viel, denn diese spielt eine zentrale Rolle bei der Verwirklichung dieser ideologischen Ziele. Inzwischen wird nicht mehr nur versucht, im Windschatten von Krisen einen europ\u00e4ischen Zentralstaat zu schaffen, sondern auch immer mehr die Gesellschaft der Gleichheitsideologie zu unterwerfen \u2013 und die Mechanismen sind die gleichen: In Krisen akzeptieren die Menschen Ma\u00dfnahmen und Neuerungen, die sie sonst ablehnen w\u00fcrden. Zudem gew\u00f6hnen sich die Leute durch die Krisenpolitik an staatliche Eingriffe, die so zur Dauereinrichtung werden k\u00f6nnen \u2013 wenn es der Gleichheitsideologie nur gelingt, immer neue Krisen zu finden oder auch zu erfinden.<\/p>\n<p>Gibt es einen Ausweg?<br \/>\nS\u00f6llner: Ich meine ja, und zwar wenn es uns gelingt, ein aufgekl\u00e4rtes und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/gesellschaft\/buergerrechte\/\">selbstbewu\u00dftes B\u00fcrgertum<\/a> zu reaktivieren. Dazu geh\u00f6rt auch die Revitalisierung b\u00fcrgerlicher Institutionen wie <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/nationalstolz\/\">Nationalstolz<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/deutschland\/nationalstaat\/\">Nationalstaat<\/a>. Damit besch\u00e4ftige ich mich am Ende meines Buches und zeige auf, wie dies gelingen kann.<br \/>\n&#8230; Alles vom 25.11.2022 von Fritz S\u00f6llner bitte lesen in der JF 48\/22, Seite 3<br \/>\n.<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Fritz S\u00f6llner, geboren 1963 in Kronach, ist Leiter des Fachgebiets Finanzwissenschaft an der TU Ilmenau. Zuvor lehrte er an der Universit\u00e4t Bayreuth und war John F. Kennedy-Fellow in Harvard. 2019 erschien sein Buch \u201eSystem statt Chaos. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine rationale Migrationspolitik\u201c und aktuell \u201eKrise als Mittel zur Macht\u201c mit einem Vorwort von Thilo Sarrazin.<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/zentralisierung-durch-krisen\/\">Zentralisierung durch Krisen<\/a>\u00a0(10.2.2023)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home &gt;Selbsthilfe &gt;Krise\u00a0 &gt;Gruen-Links &gt;Politik &gt;Krisenpolitik Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen Erich Vad warnt vor Kriegswirtschaft: \u201eSoll damit von innenpolitischen Problemen abgelenkt werden?\u201c\u00a0(11.1.2026) China Russland USA EU und D\u00a0(8.1.2026) Offener Brief von Jeffrey Sachs zum Ukrainekrieg an Merz\u00a0(17.12.2025) &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/krise\/krisenpolitik\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":1138,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-106712","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106712","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106712"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106712\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":144005,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106712\/revisions\/144005"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1138"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106712"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}