{"id":106534,"date":"2022-11-22T20:22:14","date_gmt":"2022-11-22T19:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=106534"},"modified":"2025-09-10T19:25:06","modified_gmt":"2025-09-10T17:25:06","slug":"demokratie-mehrheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-mehrheit\/","title":{"rendered":"Demokratie-Mehrheit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Engagement\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/\">Engagement<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Demokratie\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/\">Demokratie<\/a> &gt;Demokratie-Mehrheit<\/p>\n<div id=\"attachment_105574\" style=\"width: 573px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bundestag-betonsperre-pan2210.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105574\" class=\"size-full wp-image-105574\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bundestag-betonsperre-pan2210.jpg\" alt=\"\" width=\"563\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bundestag-betonsperre-pan2210.jpg 563w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bundestag-betonsperre-pan2210-180x100.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-105574\" class=\"wp-caption-text\">Der Bundestag schirmt sich mit Betonsperren gegen\u00fcber dem Wahlvolk als Souver\u00e4n ab &#8211; Oktober 2022<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/democracy-first\/\">Demokratie ist die beste Staatsform!<\/a><\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: Bitte<span style=\"text-decoration: underline;\"> anklicken<\/span> oder runterscrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/bundespraesident\/\">Wahl 2027: Wie w\u00e4re es mit einem Bundespr\u00e4sidenten f\u00fcr die B\u00fcrger?<\/a>\u00a0(8.9.2025)<\/li>\n<li>Eliten pfl\u00fcgen den Mehrheitswillen im Namen von Minderheiten unter (5.3.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/freiheit\/freiheitlicher-staat\/\">Lothar Fritze: Der freiheitliche Staat und seine Zerst\u00f6rer<\/a> (22.11.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/wahlen2025\/\">Parteienforscher warnt vor \u201cemotionalisierter Anti-Rechts-Kampagne\u201d<\/a>\u00a0(22.11.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/septemberwahlen-klarheit\/\">Septemberwahlen: Klarheit?<\/a>\u00a0(10.8.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/gegen-rechts\/\">Gegen rechts\u201c \u2013 Entt\u00e4uschung?<\/a>\u00a0(12.2.2024)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/der-buerger-hat-keine-wahl-mehr\/\">Der B\u00fcrger hat keine Wahl mehr<\/a>\u00a0(16.8.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/direkte-demokratie-waehlerwille\/\">Direkte Demokratie: W\u00e4hlerwille<\/a>\u00a0(21.1.2023)<\/li>\n<li>Lothar Fritze: Machtmi\u00dfbrauch: Parlaments- ungleich Volksmehrheit (18.11.2022)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/verfassung\/fdgo\/\">Die Prinzipien bzw. Werte der FDGO<\/a>\u00a0(1.1.2020)<\/li>\n<li><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eliten pfl\u00fcgen den Mehrheitswillen im Namen von Minderheiten unter<\/strong><br \/>\n<strong>Demokratie des Volkes oder der Eliten<\/strong><br \/>\n<strong>Der Fuchs im H\u00fchnerstall<\/strong><br \/>\nEs gibt grundlegend verschiedene Vorstellungen von \u201aDemokratie\u2018. Ich beispielsweise verstehe darunter, dass jeder m\u00fcndige B\u00fcrger eine Stimme hat und der Wille der Mehrheit den Kurs bestimmt. Aufgabe der Politik ist es, den Mehrheitswillen umzusetzen. Das ist das klassische angels\u00e4chsische Prinzip. Das \u201aeurop\u00e4ische\u2018 Modell dagegen legt weit gr\u00f6\u00dferen Wert auf Konsens und den Schutz von Minderheiten. Es sieht das Volk als eine volatile Masse, die durch \u201aaufgekl\u00e4rte Eliten\u2018 auf Kurs gehalten werden muss. Sonst l\u00e4uft das Volk st\u00e4ndig Gefahr, seinen niederen Instinkten zu gehorchen und falsch zu w\u00e4hlen. Diese Art Demokratieverst\u00e4ndnis d\u00fcrfte bei den meisten deutschen Parteipolitikern und EU-Funktion\u00e4ren vorherrschen. Es unterscheidet sich nicht wesentlich von den Prinzipien des \u201aDemokratischen Zentralismus\u2018, die Wladimir Iljitsch Lenin entwickelt hat, und neigt stark zu zentralistischen Hierarchien.<br \/>\nDie Crux des Mehrheitsprinzips besteht darin, dass es leicht Minderheiten unterpfl\u00fcgt. Daher braucht es einen starken rechtsstaatlichen Rahmen, der deren Schutz gew\u00e4hrleistet. Doch der Hund sollte mit dem Schwanz wedeln, nicht umgekehrt. Wenn Elitenprojekte den Willen der Mehrheit st\u00e4ndig im Namen von Minderheiten ignorieren, verkommen sie zwangsl\u00e4ufig zu Diktaturen, unabh\u00e4ngig davon, mit was f\u00fcr Zielen sie sich so schm\u00fccken. In der Zuwanderungsfrage, beim Verbot von Verbrenner-Motoren, dem sogenannten Gleichstellungsgesetz oder Lieferkettennachweis verletzten die Vorgaben der F\u00fchrung ganz erheblich die Interessen der Mehrheit. Sie lassen sich nur durch immer mehr Druck durchsetzen. Doch Br\u00fcssel entwickelt da erschreckend viel Ehrgeiz.<br \/>\n&#8230; Alles vom 5.3.2025 von Christoph Ernst bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/vera-lengsfeld.de\/2025\/03\/05\/der-fuchs-im-huehnerstall\/\">https:\/\/vera-lengsfeld.de\/2025\/03\/05\/der-fuchs-im-huehnerstall\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lothar Fritze: Machtmi\u00dfbrauch &#8211; Parlaments- ungleich Volksmehrheit<\/strong><br \/>\nIst es demokratietheoretisch legitim, wenn das Parlament ein Gesetz erl\u00e4\u00dft, das Einwanderungsquoten vorschreibt?<br \/>\nvon Lothar Fritze<\/p>\n<p>Man stelle sich vor, das Parlament eines gro\u00dfen europ\u00e4ischen Landes verabschiedete ein Gesetz, wonach sich der Staat bereit erkl\u00e4rt, jedes Jahr eine Anzahl von Zuwanderern aus Afrika in H\u00f6he von, sagen wir, f\u00fcnf oder zehn oder auch zwanzig Prozent des j\u00e4hrlichen afrikanischen Geburten\u00fcberschusses aufzunehmen. Laut UN-Bev\u00f6lkerungsprognose wird die Einwohnerzahl Afrikas von 1,25 Milliarden im Jahr 2017 auf 1,7 Milliarden im Jahr 2030 und 2,5 Milliarden im Jahr 2050 steigen. Man nehme weiterhin an, der daf\u00fcr zust\u00e4ndige Amtstr\u00e4ger \u2013 in Deutschland w\u00e4re dies der Bundespr\u00e4sident \u2013 unterschriebe dieses Gesetz und es tr\u00e4te in Kraft.<br \/>\nEin Gesetz dieses Inhalts k\u00f6nnte regelkonform, also legal zustande gekommen sein. Sollten wir es aber \u2013 demokratietheoretisch gedacht \u2013 auch f\u00fcr legitim halten?<br \/>\nDemokratische Staaten legitimieren sich durch Zustimmung. Sie gelten dann als legitimiert, wenn eine Mehrheit oder eine qualifizierte Mehrheit der Staatsb\u00fcrger (etwa eine Zweidrittelmehrheit) die konstitutiven verfassungsrechtlichen Grunds\u00e4tze, einschlie\u00dflich der Regeln der Gesetzgebung und der politischen Entscheidungsfindung anerkennt \u2013 und zwar entweder durch ausdr\u00fcckliche Willensbekundung oder durch aktive staatsb\u00fcrgerliche Beteiligung. Die Legitimit\u00e4t von Demokratien scheint daher ausschlie\u00dflich auf einer Zustimmung zu den Regeln der Entscheidungsfindung zu beruhen und nicht auf einer Zustimmung zu den Entscheidungen selbst \u2013 sofern diese regelkonform getroffen wurden. In einem funktionierenden demokratischen Staat, so nimmt man an, sorgt die Akzeptanz der Verfahren der Entscheidungsfindung auch f\u00fcr die Akzeptanz der so zustandegekommenen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Diese Argumentation gilt zweifellos f\u00fcr den \u201eRoutinebetrieb\u201c des politischen Gesch\u00e4fts, in dem es darum geht, das staatlich verfa\u00dfte Gemeinwesen mit seinen demokratischen Institutionen zu stabilisieren, Voraussetzungen f\u00fcr die Reproduktion der gesellschaftlichen Existenzgrundlagen zu schaffen und den Staatsb\u00fcrgern ein m\u00f6glichst selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Sicherheit zu erm\u00f6glichen. Gilt sie aber auch f\u00fcr den Fall, da\u00df eine politische Elite in der Verfolgung einer eigenen, wom\u00f6glich verborgen gehaltenen und von breiten Massen nicht geteilten Agenda die Schalthebel der Macht nutzt, um das Land, wie in unserem Gedankenexperiment angedeutet, in seinen ethnischen und kulturellen Best\u00e4nden fundamental umzugestalten? Ist diese Argumentation auch dann \u00fcberzeugend, wenn sich eine politische Klasse, so soll hier hypothetisch unterstellt werden, von der im Volk verbreiteten Art zu denken und zu leben gel\u00f6st hat und ihre Zukunftsvorstellungen auch gegen einen verbreiteten Widerwillen durchzusetzen versucht? Oder anders gefragt: Kann die Gestaltungsmacht einer Parlamentsmehrheit \u2013 abgesehen von verfassungsrechtlichen Sicherungen, die die individuellen Grundrechte in ihrem Wesenskern gew\u00e4hrleisten \u2013 tats\u00e4chlich in dem Sinne unbeschr\u00e4nkt sein, da\u00df es nur auf ein regelkonformes Zustandekommen einer Entscheidung ankommt und sich Legitimit\u00e4t g\u00e4nzlich unabh\u00e4ngig davon einstellt, was eigentlich entschieden wurde?<\/p>\n<p>Demokratische Herrschaftssysteme legitimieren sich durch Willensbekundungen der wahlberechtigten Staatsb\u00fcrger. Insofern geht in einer Demokratie alle Staatsgewalt vom Volke aus. Sie wird in Wahlen und Abstimmungen sowie vermittelst staatlicher Institutionen ausge\u00fcbt. Die Gestaltungsmacht des Souver\u00e4ns wird dabei von auf Zeit gew\u00e4hlten Volksvertretern wahrgenommen. Die Macht der Repr\u00e4sentanten des Volkes ist daher nur geliehene Macht, und von dieser Macht einen legitimen Gebrauch zu machen kann nicht bedeuten, den Willen eines gro\u00dfen Teiles des Volkes zu brechen. Die Geltung dieses Grundsatzes eines legitimen Machtgebrauchs ist unabh\u00e4ngig davon, da\u00df in Demokratien mi\u00dfliebige Regierungen abgew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen und die Folgen getroffener Entscheidungen unter Umst\u00e4nden weitgehend reversibel sind.<\/p>\n<p>Demokratische Politiker und Parteien haben die Aufgabe, den politisch noch nicht ausformulierten (vorpolitischen) Mehrheitswillen des Volkes in erreichbare Ziele zu \u00fcbersetzen. Sie haben keinen Auftrag, eigene Ideen von gesellschaftlichem oder moralischem Fortschritt zu verfolgen und die ihrer Umsetzung dienenden Ma\u00dfnahmen dem Wahlvolk zu oktroyieren. Sie haben auch kein Mandat, die gesamte Bev\u00f6lkerung zu zwingen, an sozialen Experimenten mit schwer kalkulierbarem Ausgang teilzunehmen.<\/p>\n<p>Ein repr\u00e4sentativ-demokratisches Herrschaftsmodell, das der Parlamentsmehrheit und der Regierung das Recht einr\u00e4umte, nicht nur in vergleichsweise untergeordneten Sachfragen, in denen die jeweils aktuellen Mehrheitsmeinungen ohnehin fragil und wechselhaft sein m\u00f6gen, sondern in Grundfragen des Lebens und Zusammenlebens ganz eigenen Vorstellungen zu folgen und dabei das im Volk verwurzelte Denken sowie die kulturellen \u00dcblichkeiten, die das gelebte Leben pr\u00e4gen, zu ignorieren, w\u00e4re f\u00fcr keinen Souver\u00e4n zustimmungsf\u00e4hig. Denn in bezug auf die elementaren Angelegenheiten des Lebens haben die meisten Menschen gefestigte, best\u00e4ndige und durchaus begr\u00fcndbare \u00dcberzeugungen, die zu mi\u00dfachten oder auch nur aus einer selbstherrlichen Attit\u00fcde heraus geringzusch\u00e4tzen kein Recht demokratisch gew\u00e4hlter Volksvertreter sein kann.<\/p>\n<p>Kritik am \u00dcberkommenen, an \u00fcberlebten Traditionen et cetera ist selbstverst\u00e4ndlich erlaubt, nur m\u00fcssen sich neue Ideen in \u00f6ffentlichen Diskussionen argumentativ durchsetzen; sie d\u00fcrfen der Mehrheit nicht von einer gesellschaftlich dominierenden und sich subjektiv als Avantgarde f\u00fchlenden Minderheit oktroyiert werden. Ein politisches System, das es erlaubte, den W\u00e4hlerwillen selbst in seiner elementaren vorpolitischen Form \u2013 n\u00e4mlich insofern dieser allgemein-menschliche Grundbed\u00fcrfnisse sowie das Interesse am Fortbestand der gewohnten Lebensweise und tradierten Kultur zum Ausdruck bringt \u2013 zu brechen, eine \u201eDemokratie\u201c, eine \u201eVolksherrschaft\u201c, zu nennen, w\u00e4re ein Widerspruch in sich. Zwar ist die repr\u00e4sentative Demokratie auch ein System der Kompensation der Inkompetenz und der Unwilligkeit des Durchschnittsw\u00e4hlers, im Interesse der Allgemeinheit zu votieren. Dies gilt allerdings nur f\u00fcr Fragen, in denen es auf Wissen ankommt und das Interesse eines Einzelnen von dem der Allgemeinheit abweicht. Es gilt nicht f\u00fcr jene elementaren Fragen, bei denen in Gemeinschaften gro\u00dfer ethnischer und kultureller Homogenit\u00e4t weitgehende Einigkeit besteht; es gilt nicht in bezug auf Entscheidungen, bei denen Realit\u00e4tssinn, praktische Erfahrungen, Illusionslosigkeit und gemeiner Menschenverstand gefragt sind.<\/p>\n<p>Damit ergibt sich folgendes Ergebnis: Fundamentale Umgestaltungen elementarer Lebenszusammenh\u00e4nge, die den Interessen gro\u00dfer Teile des Volkes zuwiderlaufen und daher in einem informierten und aufgekl\u00e4rten, also nicht durch die Propaganda \u201egleichgeschalteter\u201c Medien indoktrinierten, Wahlvolk keine qualifizierte Mehrheit f\u00e4nden, sind selbst im Falle einer regelkonformen Entscheidungsfindung mit dem Gedanken der Volksherrschaft nicht vereinbar. (Wer gleichwohl glaubt, da\u00df gesellschaftliche Umgestaltungen dieser Art \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 w\u00fcnschbar oder erforderlich sein k\u00f6nnen und in solchen F\u00e4llen auch durchgesetzt werden sollten, sollte sich zu einem seiner Meinung nach daf\u00fcr geeigneten nicht-demokratischen Herrschaftsmodell bekennen.) Zwar beruht die Legitimit\u00e4t der Demokratie (auch) auf einem Konsens \u00fcber die grundlegenden Institutionen und die Regeln der Entscheidungsfindung, trotzdem kann es gew\u00e4hlten Politikern nicht erlaubt sein, beliebig einschneidende Ma\u00dfnahmen ohne ausdr\u00fcckliche Erm\u00e4chtigung durch den Souver\u00e4n zu ergreifen \u2013 etwa die ethnische und kulturelle Zusammensetzung des Staatsvolkes in beliebigen Ausma\u00dfen zu ver\u00e4ndern oder tradierte und kulturpr\u00e4gende Lebensformen nach eigenem Belieben umzukrempeln \u2013 und damit den Repr\u00e4sentationsgedanken ad absurdum zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Menschen streben nicht nur nach Befriedigung kultur\u00adinvarianter Grundbed\u00fcrfnisse. F\u00fcr sie ist ebenso die Art zu leben wichtig, die Lebensform. Menschliches Leben ist gepr\u00e4gt von historisch gewachsenen Beziehungsgeflechten. Die Anma\u00dfung einer Minderheit, \u201egesellschaftlichen Fort-schritt\u201c nach eigenem Gutd\u00fcnken und \u00fcber die K\u00f6pfe der Menschen hinweg in die Wege leiten zu k\u00f6nnen, gepaart mit einer machtversessenen Selbstherrlichkeit, f\u00f6rdert die Spaltung der Gesellschaft und untergr\u00e4bt Bedingungen, die ein demokratisches Gemeinwesen auszeichnen und allererst erm\u00f6glichen. Fundamentale Richtungsentscheidungen, Entscheidungen, die zu grundlegenden Eingriffen in die etablierte Lebensform, die Kultur und Sprache f\u00fchren, kann kein Volk an auf Zeit gew\u00e4hlte Repr\u00e4sentanten delegieren, ohne seine Souver\u00e4nit\u00e4t preiszugeben \u2013 ohne sich von der Idee der demokratischen Selbstbestimmung zu verabschieden.<\/p>\n<p>In einem freiheitlichen Staat kommt es daher nicht nur auf die Regelkonformit\u00e4t des Zustandekommens von Entscheidungen an. Es gibt Entscheidungen, die aufgrund ihres Potentials, das gesamte Leben und Zusammenleben zu ver\u00e4ndern, nicht ohne Zustimmung des Volkes getroffen werden sollten. Kein Konsens \u00fcber Verfahren der Repr\u00e4sentation kann legitime Entscheidungen garantieren, der es gew\u00e4hlten Repr\u00e4sentanten und damit einer (staatlich gesponserten) politischen Kaste erm\u00f6glicht, eine ganz eigene Agenda politisch durchzusetzen, die den erkennbaren Pr\u00e4ferenzen der Bev\u00f6lkerungsmehrheit, ja auch nur einer qualifizierten Minderheit widerspricht, also letztlich den Willen des Volkes bricht.<br \/>\nGemessen an diesen \u00dcberlegungen nimmt sich die in Deutschland dominierende Elite Rechte heraus, die ihr nicht zustehen. Man wei\u00df, da\u00df manche Weichenstellungen, die das Land auf neue Schienen setzen und die Gesellschaft ohne Not in eine g\u00e4nzlich andere Zukunft f\u00fchren, in einer Volksabstimmung nicht goutiert w\u00fcrden \u2013 und trotzdem werden sie vorgenommen. Themen, von deren \u00f6ffentlicher Diskussion sich die herrschende politische Klasse keine Vorteile verspricht, werden aus Wahlk\u00e4mpfen bewu\u00dft herausgehalten; die Artikulation unliebsamer Meinungen wird behindert und Vertreter solcher Meinungen werden durch Stigmatisierung, Ver\u00e4chtlichmachung und Ausgrenzung bestraft.<br \/>\nIm Ergebnis wird die rationale Urteilsbildung der W\u00e4hlerschaft behindert, deren Willensbildung manipuliert, und Wahlentscheidungen werden in unzul\u00e4ssiger Weise beeinflu\u00dft. Ein demokratischer Staat, in dem s\u00e4mtliche relevanten Institutionen intakt sein m\u00f6gen, h\u00f6rte auf, eine Demokratie im Sinne einer Volksherrschaft zu sein, wenn die gew\u00e4hlten Volksvertreter ihre Macht nutzten, um ohne ausdr\u00fcckliche Zustimmung einer qualifizierten Mehrheit die Zusammensetzung des Demos, also der verfassungsgebenden Gewalt, signifikant zu ver\u00e4ndern \u2013 und damit nicht zuletzt auch auf zuk\u00fcnftige Wahlen Einflu\u00df zu nehmen. Ein derart folgenreicher Eingriff entmachtete den Souver\u00e4n, dem die Repr\u00e4sentanten ihre geliehene Macht verdanken und w\u00e4re mit der Souver\u00e4nit\u00e4t des Volkes unvereinbar.<br \/>\n&#8230; Alles vom 18.11.2022 von <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/staat\/\">Lothar Fritze<\/a> bitte lesen in der JF 47\/22, Seite 18<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. phil. habil. <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/totalitarismus\/\">Lothar Fritze<\/a>, Jahrgang 1954, Philosoph und Politikwissenschaftler, 1993 bis 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut f\u00fcr Totalitarismusforschung an der TU Dresden, lehrte als au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor an der TU Chemnitz. Wichtige Buchver\u00f6ffentlichung: \u201eAngriff auf den freiheitlichen Staat\u201c, Basilisken-Presse, Marburg an der Lahn 2020.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Engagement\u00a0&gt;Zukunft\u00a0&gt;Demokratie &gt;Demokratie-Mehrheit &nbsp; Demokratie ist die beste Staatsform! Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen Wahl 2027: Wie w\u00e4re es mit einem Bundespr\u00e4sidenten f\u00fcr die B\u00fcrger?\u00a0(8.9.2025) Eliten pfl\u00fcgen den Mehrheitswillen im Namen von Minderheiten unter (5.3.2025) Lothar Fritze: Der freiheitliche &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/demokratie\/demokratie-mehrheit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":21084,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-106534","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106534"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":138906,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/106534\/revisions\/138906"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}