{"id":104122,"date":"2022-09-03T20:47:22","date_gmt":"2022-09-03T18:47:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/?page_id=104122"},"modified":"2026-06-20T08:26:58","modified_gmt":"2026-06-20T06:26:58","slug":"digitalfreiheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/digitalisierung\/digitalfreiheit\/","title":{"rendered":"Digitalfreiheit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\">Home<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Kultur\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/\">Kultur<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Arbeit\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/selbsthilfe\/soziales\/arbeit\/\">Arbeit<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Medien\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/medien\/\">Medien<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Internet\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/kultur\/internet\/\">Internet<\/a>\u00a0&gt;<a title=\"Zukunft\" href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/\">Zukunft<\/a> &gt;<a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/digitalisierung\/\">Digitalisierung<\/a> &gt;Digitalfreiheit<\/p>\n<div id=\"attachment_98694\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/schafe-vogesen-pan20220131.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98694\" class=\"size-full wp-image-98694\" src=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/schafe-vogesen-pan20220131.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/schafe-vogesen-pan20220131.jpg 640w, https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/schafe-vogesen-pan20220131-180x106.jpg 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-98694\" class=\"wp-caption-text\">Blick vom Dreisamtal nach Westen \u00fcber Freiburg bis zu den schneebedeckten Vogesen 2\/2022<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><em>Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/globalisierung\/bigtech\/\">Aya Jaff: Insiderin der Tech-Welt warnt vor Digitalzukunft<\/a>\u00a0(19.6.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/teilhabe-analog-und-digital\/\">Teilhabe: analog und digital<\/a> (24.1.2026)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/bargeld-ja-digitaler-euro-nein\/\">Bargeld ja \u2013 Digitale Euro nein<\/a>\u00a0(2.11.2025)<\/li>\n<li>Orwellianismus \u00e0 la Suisse: E-ID &#8211; Das Recht auf analoges Leben verteidigen (30.9.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/finanzsystem\/bitcoin\/\">Marc Friedrich: Die gr\u00f6\u00dfte Revolution aller Zeiten \u2013 Bitcoin<\/a>\u00a0(10.1.2025)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/digitalisierung\/analog\/\">Recht auf analoges Leben bzw. digital-freies Leben<\/a>\u00a0(4.11.2023)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/finanzsystem\/bargeld\/\">Vorteil von Bargeld contra Digitalgeld<\/a> (8.12.2022)<\/li>\n<li>Digitalfreiheit &#8211; Leben im Analogen (2.9.2022)<\/li>\n<li><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/digitalisierung\/analog\/\">analog<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/finanzsystem\/bitcoin\/\">Bitcoin<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/global\/finanzsystem\/digitalgeld\/\">Digitalgeld<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Orwellianismus \u00e0 la Suisse: E-ID &#8211; Das Recht auf analoges Leben verteidigen<\/strong><br \/>\n<strong>Will die Schweiz frei bleiben \u2013 oder doch lieber als putzige Demokratiesimulation im Museum enden?<\/strong><br \/>\nLange hatte man den Eindruck, die Welt spinnt \u2013 nur die Schweiz h\u00e4lt halbwegs dagegen. Doch der Ruf als gallisches, eidgen\u00f6ssisches Dorf inmitten eines Meeres von EU- und Globalismuswahnsinn ist l\u00e4ngst dahin. Das Schweizer Image ist in Gefahr \u2013und zwar selbstgew\u00e4hlt.<br \/>\nDazu z\u00e4hlen vor allem zwei Elemente: die Einf\u00fchrung der E-ID auf denkbar knappeste Weise und die zunehmende Ideologisierung in allen Bereichen, die auch vor der Schweiz nicht Halt macht.<br \/>\nWas bedeuten beide in Kombination f\u00fcr die Zukunft? Das Problem in der Schweiz ist seit jeher, dass es kaum mehr einen demokratischen Verteidigungsimpuls gibt. Die Erwartung, dass alles so bleibt wie bisher und man es letztlich besser macht als andere, ist immer noch gro\u00df. Doch in der Schweiz spielt sich das Gleiche ab wie in allen anderen sogenannten Demokratien: Letztlich geht es darum, eine bestimmte Agenda durchzupeitschen. Ob das zwei Monate dauert, zwei Jahre oder zwei Jahrzehnte, ist egal. Hauptsache, am Ende stimmt das Ergebnis. Die direkte Demokratie \u00e4ndert daran nichts, tr\u00e4gt der Schweiz aber immerhin noch ein paar Punkte als sympathischste aller Demokratiesimulationen ein.<br \/>\nSo auch bei der E-ID. Sie war vor Jahren schon an der Urne gescheitert.<br \/>\n&#8230; Alles vom 30.9.2025 von Milosz Matuschek bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freischwebende-intelligenz.org\/p\/orwellianismus-a-la-suisse\">https:\/\/www.freischwebende-intelligenz.org\/p\/orwellianismus-a-la-suisse<\/a><br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>E-ID: Raus aus dem digitalen Menschenpark!<\/strong><br \/>\n<strong>Ihre digitalen Papiere, bitte!? Warum wir das Recht auf analoges Leben verteidigen m\u00fcssen.<\/strong><br \/>\nIch lebe in der Schweiz und m\u00f6chte mich \u00fcber die anstehende Abstimmung zur e-ID informieren. Also gehe ich zum Zeitungskiosk und sage: \u201eBitte einmal die NZZ.\u201c \u2013 \u201eKann ich zuerst Ihren Ausweis sehen?\u201c fragt der Verk\u00e4ufer.<br \/>\nIst es wirklich schon so weit? Muss ich mich ausweisen, um eine Zeitung zu kaufen? Noch nicht \u2013 zumindest nicht im Print. Das Beispiel ist fiktiv. Online jedoch ist es Realit\u00e4t. Will ich den Artikel \u00fcber die e-ID lesen, in dem mir die NZZ das digitale Paradies verspricht, muss ich Cookies akzeptieren. Dahinter stehen hunderte Werbetreibende und Datenfirmen weltweit, von den USA bis Israel. Sie wollen wissen, wann ich mich einlogge, von welcher IP-Adresse, vielleicht wie sich meine Maus bewegt. Sie ziehen R\u00fcckschl\u00fcsse: Welchen Tagesrhythmus hat dieser Mensch? Welche Inhalte klickt er? So entsteht ein Bewegungs- und Pers\u00f6nlichkeitsprofil \u2013 das Datengold, hinter dem heute alle her sind. Am Ende landet es bei Konzernen wie Palantir oder bei Regierungen, die alles auslesen k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8230;<br \/>\n\u201eBig Brother is watching you\u201c von Orwell ist l\u00e4ngst \u00fcberholt. Heute gilt: \u201eBig Brother is everywhere\u201d. Er ist da, auch im Schlaf und kann theoretisch Puls, Herzschlag, Schlafqualit\u00e4t live beobachten; er extrahiert, kombiniert und fusioniert Daten.<br \/>\nDie Menschenw\u00fcrde-Garantie besagt, dass der Mensch nicht zum Objekt gemacht werden darf. Im Digitalkapitalismus jedoch ist der Mensch vor allem ein Datentr\u00e4ger \u2013 ein wandelndes Bergwerk, aus dem peu \u00e0 peu das Gold gesch\u00fcrft wird. Privatheit ist der Boden, auf dem Menschenw\u00fcrde wurzelt. Freie Entfaltung ist nur im unbeobachteten, nur uns geh\u00f6rigen Raum, m\u00f6glich. Wer sich bei allem beobachtet f\u00fchlen muss, dem wird das Recht auf Authentizit\u00e4t genommen. Dann sind wir im Menschenpark angekommen, im Streichelzoo f\u00fcr Humanoide, wo Regierungen und Datenkotzerne (sic!) wie Palantir dem digital eingez\u00e4unten Menschen ein wenig beim Leben zuschauen.<\/p>\n<p>Heute zahle ich bereits mit Daten, wenn ich einen Artikel lesen will. Was sp\u00e4ter damit geschieht, wei\u00df niemand.<\/p>\n<p>Was, wenn ich mich k\u00fcnftig nur noch per eID einloggen kann? Die gesetzliche M\u00f6glichkeit f\u00fcr diesen Quasi-Zwang ist im Gesetz bereits gelegt, Art. 25. Die Freiwilligkeitspflicht gilt nur f\u00fcr \u00f6ffentliche Stellen. Schon einmal hat die Schweiz die digitale Identit\u00e4t abgelehnt. Nun kommt das Vorhaben erneut vors Volk. Wieder sollen die B\u00fcrger entscheiden, ob sie sich an die digitale Leine legen lassen wollen.<\/p>\n<p>Das Versprechen: Alles wird einfacher, sch\u00f6ner, magischer. Angeblich ist alles open source, dezentral und datensparsam \u2013 freiwillig nat\u00fcrlich. Die Realit\u00e4t: Kontrollpunkte entstehen, Misstrauen w\u00e4chst. Um die e-ID zu erhalten, muss man sich bei der Bundespolizei Fedpol registrieren und die ID mit dem Handy verkn\u00fcpfen, das zu einer Art Schl\u00fcssel f\u00fcr den digitalen und wohl auch analogen Raum wird. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Medienh\u00e4user, Webshops und Mobilfunkanbieter aus der \u201eFreiwilligkeit\u201c eine Pflicht machen.<\/p>\n<p>Aus scheinbarer Freiwilligkeit wurde und wird schnell Zwang. Niemand muss die eID nutzen. Aber niemand muss dann Zugang zu einem Service erhalten, der nur noch \u00fcber die e-ID funktioniert. Zuerst profitieren die Unternehmen, angelockt von Datenbergen. Der Staat aber sitzt am l\u00e4ngeren Hebel: Er beobachtet, greift ab, kontrolliert. Am Ende machen beide \u2013 Staat und Wirtschaft \u2013 die Daten des B\u00fcrgers zur Beute.<br \/>\n&#8230; Alles vom 8.9.2025 von Milosz Matuschek bitte lesen auf<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freischwebende-intelligenz.org\/p\/e-id-raus-aus-dem-digitalen-menschenpark\">https:\/\/www.freischwebende-intelligenz.org\/p\/e-id-raus-aus-dem-digitalen-menschenpark<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Digitalfreiheit &#8211; Leben im Analogen<\/strong><br \/>\n<strong>\u00dcberlegungen zu einem Grundrecht auf Digitalfreiheit<\/strong><br \/>\nNicht so harmlos, wie ihr denkt<br \/>\nvon Dietmar Mehrens<br \/>\nErinnern Sie sich an HAL 9000? HAL, das war in Stanley Kubricks vision\u00e4rem Weltraumepos \u201e2001: Odyssee im Weltraum\u201c von 1968 der Bordcomputer eines Raumschiffs, der gegen den Willen des menschlichen Kommandanten die Kontrolle \u00fcbernimmt. Kubrick nahm damit vorweg, was sich in j\u00fcngst zur\u00fcckliegender Zeit deutlicher als zuvor abzeichnet: die Schattenseiten der Digitalisierung.<br \/>\nIm Juli wurde der Vorsto\u00df von Bundesinnenministerin Nancy Faeser zu einer Grundgesetz\u00e4nderung bekannt: Das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll eine Zentralstelle werden, um die Verantwortung f\u00fcr Cybersicherheit von den L\u00e4ndern auf den Bund zu \u00fcbertragen. Hintergrund des Vorschlags sind mehrere Cyberattacken auf Kliniken und staatliche Stellen. Doch das Ph\u00e4nomen der universellen Digitalisierung ist viel grunds\u00e4tzlicher auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Was im Schafspelz des Fortschritts und einer willkommenen Optimierung daherkommt, ist in Wahrheit ein gefr\u00e4\u00dfiger Wolf, der einer immer grotesker wirkenden Entm\u00fcndigung des Individuums den Weg freibei\u00dft.<\/p>\n<p>Dabei irritiert vor allem, da\u00df \u201eKlimasch\u00fctzer\u201c die Digitalisierung, einen Hauptfaktor des von ihnen angeprangerten desastr\u00f6sen Konsumismus, nur marginal anfeinden. Schon vor zehn Jahren h\u00e4tte eigentlich ein Aufschrei durch die Republik gehen m\u00fcssen, zumindest in dem Teil der Gesellschaft, in dem Naturfreunde, Ressourcenschoner und \u00d6kobewegte die \u00f6ffentliche Meinung beherrschen. Bei der Abschaltung des analogen Satellitenfernsehens entstand binnen k\u00fcrzester Zeit ein Riesenhaufen Elektroschrott. Das TV-Theater wiederholte sich kurz darauf mit dem Ende des Fernsehens via DVB-T: Alle Empfangsger\u00e4te, wenige Jahre zuvor noch als Revolution im Antennenfernsehen gepriesen, waren von heute auf morgen unbrauchbar.<\/p>\n<p>Die Elektroschrottwelle war der Vorbote dessen, was wir jetzt in der Generation Smartphone in potenzierter Form erneut erleben: da\u00df einem ungefragt eine neue Technologie als definitives Nonplusultra \u00fcbergest\u00fclpt wird, deren Vorteile sich zwar nicht jedem sogleich erschlie\u00dfen; aber das wird er schon lernen. Lernen m\u00fcssen. Wegen des \u00fcppigen Werbeetats der gro\u00dfen Technologie-F\u00fcrsten, allen voran der \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen des von der Politik bereitwillig herbeischwadronierten Digitalzeitalters, und effizienter Lobbyarbeit bei den mit ihnen verb\u00fcndeten Entscheidungstr\u00e4gern bleibt dem B\u00fcrger keine Wahl. Ihm droht der Ausschlu\u00df, wie insbesondere die Corona-Krise erwiesen hat: Ausschlu\u00df bei Beh\u00f6rden, die Termine nur online vergeben, bei Krankenversicherern, deren Filialen wegen Infektionsgefahr geschlossen blieben, bei Banken und Postfilialen, die den direkten Kundenkontakt im l\u00e4ndlichen Raum wegrationalisieren. Ausschlu\u00df sogar im Supermarkt, wo es neuerdings viele Rabatte nur bei Nutzung einer Smartphone-Applikation gibt, oder aus dem Schwimmbad, wie ein Rentner aus Ravensburg gegen\u00fcber den ARD-\u201eTagesthemen\u201c beklagte: Ohne App und Internet gehe da nichts. Schon warnen Experten von Sozialverb\u00e4nden und Seniorenr\u00e4ten vor digitaler Diskriminierung, vor einer Spaltung der Gesellschaft, bei der vor allem \u00c4ltere und \u00c4rmere auf der Strecke bleiben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nehmen auch immer mehr Rentner gern ein Smartphone in die Hand. Irgendwas passiert ja schlie\u00dflich immer, wenn man mit dem Finger in diese oder jene Richtung wischt, irgendwas antippt oder irgendwo klickt. Aber kaum jemand wei\u00df, was sich da im Hintergrund tut. Es gibt zwar eine Regel zu Cookies, durch die den Nutzern seitens der Webseitenbetreiber die Gelegenheit einger\u00e4umt wird, erst ihr Einverst\u00e4ndnis mit der Datensammelwut zu Werbezwecken zu erkl\u00e4ren. Doch die meisten klicken unkritisch auf \u201eAlle akzeptieren\u201c, damit sie schnell weiterkommen. Geduld ist bei Internetnutzern keine verbreitete Tugend. Die Bereitwilligkeit, mit der fast alle sich ihre privaten Daten abmelken lassen wie brave Milchk\u00fche, macht schaudern, die Aussichtslosigkeit des Protests dagegen verzagen. Das Digitalzeitalter gleicht einer riesigen Tsunamiwelle, die alles mitrei\u00dft, was sich ihr in den Weg stellt.<\/p>\n<p>Fatal erinnert der Triumphzug der neuen, digitalen Feudalherren an die gro\u00dfen Gesellschaftstransformationsversuche des 20. Jahrhunderts, an die Massenmanipulationsm\u00f6glichkeiten der Machthaber, die K\u00e4lberbl\u00f6dheit der Mitmarschierer und die Hysterie, in der all das schlie\u00dflich gipfelte. In ihrer reinsten Form sitzen die Digital-Stalinisten von heute in China, wo das Individuum traditionell wenig gilt. Inzwischen l\u00e4uft im Konfuzius-Kommunismus praktisch jeder Bezahlvorgang \u00fcber Alipay oder Wechatpay. Ein Sozialpunktesystem (JF 20\/19) belohnt Konformisten mit Verg\u00fcnstigungen und belegt Nonkonformisten mit Sanktionen.<\/p>\n<p>In einem Vorzeigedorf, von dem der ARD-\u201eWeltspiegel\u201c berichtete, werden an Haust\u00fcren Tugendplaketten befestigt. Sie zeigen den Punktestand der Bewohner in vier bewerteten Disziplinen an. Rote KP-Sterne geben \u00f6ffentlich Auskunft \u00fcber die Gesetzestreue und den Zustand von Haus und Garten. Welche Segnungen den B\u00fcrger mit der Corona-Warn-App erwarten, die auch bei uns als Quantensprung in der Pandemiebek\u00e4mpfung angepriesen wurde, mu\u00dfte die chinesische Anw\u00e4ltin Wang Yu erfahren. Als sie zu einer Protestkundgebung reisen wollte, stand ihre Corona-Ampel auf einmal auf Gelb. Das schr\u00e4nkte ihre Bewegungsfreiheit massiv ein. Der QR-Code der App mu\u00df f\u00fcr die \u00d6PNV-Nutzung gescannt werden, und ohne gr\u00fcnen Code geht nichts: die Gesundheits-App als Konformismus-App. Wer nicht linientreu ist, mu\u00df zu Hause bleiben.<\/p>\n<p>Mit der digitalen W\u00e4hrung, dem digitalen F\u00fchrerschein, der digitalen Steuererkl\u00e4rung, Bus- und Bahnfahrpl\u00e4nen, die es \u2013 um Papier zu sparen \u2013 nur noch \u201eper App\u201c oder \u201eQR-Code\u201c gibt, ist auch hierzulande der \u00dcberwachungsstaat m\u00f6glich. Wenigstens aber ein Angriff auf das Recht des B\u00fcrgers, sein Leben nach eigenen Grunds\u00e4tzen zu f\u00fchren. Begleitet ist der Aufstieg des illiberalen \u201eApp\u201c-okratismus von leiser Ironie: Ausgerechnet die Liberalen machten die Digitalisierung zum Motto zweier Wahlk\u00e4mpfe und k\u00f6nnten so zum Totengr\u00e4ber ihrer eigenen Werte werden.<\/p>\n<p>Vor dem technokratischen Totalitarismus warnen Filme fast so lange, wie es das Medium gibt \u2013 von Fritz Langs \u201eMetropolis\u201c (1927) \u00fcber die Orwell-Adaption \u201eBrazil\u201c (1985) bis hin zur Fernsehserie \u201eDer Report der Magd\u201c nach Margaret Atwoods dystopischem Roman. Am Anfang steht immer die totale Macht einer Minderheit. Die Tech-Giganten Apple, Amazon, Facebook und Co. gelten vielen als westliche Oligarchen. Die Covid-Krise hat die schon vorher Superreichen noch reicher gemacht. Google beispielsweise konnte 2021 seine Werbeums\u00e4tze auf mehr als 183 Milliarden Euro steigern. Den Preis zahlt das Klima: Eine Sekunde mit einer Million Google-Suchanfragen entspricht mit 300 Kilowattstunden dem Quartalsstromverbrauch eines Single-Haushalts, 30 Minuten Netflix-Unterhaltung dem CO2-Wert von sechs Kilometern Autofahren. Das Videostreamen habe im Jahr 2018 weltweit mit 200 Milliarden Kilowattstunden soviel Strom verbraucht wie Polen, Italien und Deutschland zusammen, rechnete das Energieunternehmen Eon im M\u00e4rz 2019 vor und r\u00e4t auf seinen Webseiten bereits, \u201elieber wieder h\u00e4ufiger das TV-Ger\u00e4t live\u201c einzuschalten oder DVDs zu nutzen.<\/p>\n<p>Anders gesagt sind die Gro\u00dfrechner, die die Tech-Giganten betreiben, um mehr und immer noch mehr Daten speichern und um die ganze Welt schicken zu k\u00f6nnen, die hungrigsten Stromfresser des Universums und das Wort \u201estreamen\u201c die dreisteste Framing-L\u00fcge seit der Erfindung der \u201ereproduktiven Rechte\u201c. Es klingt nach Amazonas, nach einem gro\u00dfen Flu\u00df, der im Gr\u00fcn des Urwalds ruhig und gelassen vor sich hin str\u00f6mt. In Wahrheit ist das \u201eStreamen\u201c nicht gr\u00fcner als eine Asphaltw\u00fcste. Seit auch im Land der B\u00fcndnisgr\u00fcnen Kiefernw\u00e4lder und andere gr\u00fcne Lungen Windkraftparks und E-Auto-Fertigungshallen weichen m\u00fcssen, d\u00fcrfte selbst dem mit der l\u00e4ngsten Leitung klar geworden sein, da\u00df Naturschutz und neue Technologien sich nicht besser miteinander vertragen als Tom und Jerry. Trotzdem wird man in n\u00e4chster Zukunft weder Laptops und Smartphones in Mengen durch die Fenster von Jugendlichen auf die Stra\u00dfe fliegen sehen, damit sie dort bei der n\u00e4chsten \u201eFridays for Future\u201c-Demo konsequent plattgetreten werden, noch sogenannte Influencerinnen wegen ihres desolaten CO2-Fu\u00dfabdrucks zu hassenswerten \u201eYoutubioten\u201c erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Kurios ist, da\u00df die Digitalisierung linke und rechte Ideale gleicherma\u00dfen bedroht, sowohl das Klima als auch die Freiheit. S\u00e4en Tech-Giganten deshalb so viel Zwietracht zwischen den politischen Lagern?<\/p>\n<p>Der Kerngedanke der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist der Schutz des B\u00fcrgers vor staatlicher Willk\u00fcr. Diesen Geist des Grundgesetzes sollten verantwortungsvolle politische Kr\u00e4fte, die die Gefahr erkannt haben, die von einer z\u00fcgellosen Digitalisierung ausgeht, jetzt entschieden in Erinnerung rufen und auf Ma\u00dfnahmen dr\u00e4ngen, die das Technokratie-Monster einhegen.<\/p>\n<p>\u00dcberlegungen zu einem Grundrecht auf Digitalfreiheit \u2013 die Freiheit des B\u00fcrgers, nicht durch den Staat zur Nutzung digitaler Dienste gen\u00f6tigt zu werden \u2013 d\u00fcrften daher zielf\u00fchrender sein als das Herumdoktern an Symptomen, wie es die Innenministerin tut. Wurde der Durchmarsch der Digitalisierer, der seitens der sonst so wachen Zivilgesellschaft \u00fcberraschend wenig Widerspruch erfuhr, nicht etwas zu leichtfertig hingenommen? \u00dcberlegungen, die, analog zur Koexistenz von Bar- und Buchgeld, darauf zielen, parallel zur Digitalisierung eine nicht-digitale Grundversorgung sicherzustellen, k\u00f6nnten auch mit Blick auf die Cybersicherheit, um die die Ministerin sich sorgt, ratsam sein. Die \u201eZukunftskoalition\u201c hat zwar \u2013 mit etwas Nachhilfe durch den Kriegsausbruch im Osten \u2013 verstanden, da\u00df die Digitalisierung Deutschland verwundbarer macht. Aber im Hinblick auf B\u00fcrgerrechte ist auf jeden Fall noch mehr \u201eZeitenwende\u201c m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&#8230; Alles vom 2.9.2022 von Dietmar Mehrens bitte lesen in der JF 36\/22, Seit 18<br \/>\n.<br \/>\n<em>Dr. Dietmar Mehrens, Jahrgang 1967, ist promovierter Literaturwissenschaftler. Er lehrte zwischen 2003 und 2016 deutsche Sprache und Literatur an zwei verschiedenen Universit\u00e4ten in der VR China sowie an der Kim-Il-sung-Universit\u00e4t in Pj\u00f6ngjang. Von 2005 bis 2008 war er Moderator und Redakteur des von ihm konzipierten Kino-Ratgebers film-o-meter, ausgestrahlt auf Bibel.TV. Heute ist er als Dozent, Publizist und Herausgeber t\u00e4tig.<\/em><\/p>\n<p>.<br \/>\nKommentar:<br \/>\nDieser Aufsatz verdient die Schulnote 1+. Besonders der Vorschlag, ein Grundrecht auf Digitalfreiheit einzuf\u00fchren, ist eine gl\u00e4nzende Idee.<br \/>\nEin schleichender Zwang zur Digitalisierung l\u00e4uft schon seit Jahren. In TV-Nachrichten ist fast t\u00e4glich zu h\u00f6ren: \u201eMehr zu diesem Thema erfahren Sie unter www&#8230;.\u201c usw. Banken und Sparkassen bel\u00e4stigen ihre Kunden st\u00e4ndig mit Propaganda f\u00fcr \u201eonline banking\u201c. Angeblich w\u00fcrde durch die Digitalisierung Papier gespart und so die W\u00e4lder geschont. So werden nicht nur \u00e4ltere, sondern vor allem auch \u00e4rmere Leute, die sich keinen Computer leisten k\u00f6nnen, diskriminiert.<br \/>\nTrefflich entlarvt der Autor auch die Heuchelei der \u201eKlimaretter\u201c, f\u00fcr die die stromfressende Digitalisierung kein Thema ist. Der Bau von Windr\u00e4dern gef\u00e4hrdet (auch) die W\u00e4lder, w\u00e4hrend Papier wiederverwertet werden kann. Die Vorteile der Digitalisierung sind zwar unbestritten, doch ein Zwang hierzu steht im Widerspruch zu Freiheit und Demokratie.<br \/>\n15.9.2022, G\u00fcnter Foerster, Bielefeld, JF 38,22, Seite 23<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Home\u00a0&gt;Kultur\u00a0&gt;Arbeit\u00a0&gt;Medien\u00a0&gt;Internet\u00a0&gt;Zukunft &gt;Digitalisierung &gt;Digitalfreiheit Listenauswahl eines Beitrags: Bitte anklicken oder runterscrollen Aya Jaff: Insiderin der Tech-Welt warnt vor Digitalzukunft\u00a0(19.6.2026) Teilhabe: analog und digital (24.1.2026) Bargeld ja \u2013 Digitale Euro nein\u00a0(2.11.2025) Orwellianismus \u00e0 la Suisse: E-ID &#8211; Das Recht auf analoges Leben &hellip; <a href=\"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/engagement\/zukunft\/digitalisierung\/digitalfreiheit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":58729,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-104122","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104122"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":150568,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/104122\/revisions\/150568"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/58729"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.freiburg-schwarzwald.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}