The Länd: Baden-Württemberg

Vor über 20 Jahren gab sich Baden-Württemberg den Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Dem selbstironischen Spruch gelang es, den Schwaben doch etwas Humor zuzutrauen. Nun folgt die 21 Mio Euro teure Werbekampagne, die Schwaben und Badener als Heimat von „The Länd“ ausweist.
Das Staatsministerium in Stuttgart erklärt das „Ländle“ klammheimlich zum „The Länd“ – und alle Untertan von Ministerpräsident Kretschmann klatschen gehorsam? Warum diese Verhunzung der Sprache? Als Zeichen von Verblödung, Kulturverlust oder gar Selbsthass? Hätte man da nicht wenigstens kostensparend den alten Slogan einfach ergänzen können zu „Wie können alles. Außer Hochdeutsch und Englisch!“?
29.10.2021

Warum „THE LÄND“ nicht gut ankommt
Die seltsamen Schilder sind Teil einer Imagekampagne des Landes: Slogan und Kosten stoßen auf Kritik. … Nach RNZ-Recherchen wurden die Schilder vom baden-württembergischen Staatsministerium aufgehängt und sind Teil einer neuen Imagekampagne des Bundeslandes, die am Freitag offiziell mit einer Veranstaltung in Stuttgart gestartet wird. Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass entsprechende Schilder im ganzen Land aufgehängt wurden – an Bahnhöfen, Bushaltestellen, belebten Plätzen und eben an Ortsschildern. Sie seien Teil der Kampagne und sollen für Aufmerksamkeit sorgen.
… Alles vom 27.10.2021 bitte lesen auf
https://www.rnz.de/nachrichten/region_artikel,-region-heidelberg-staatsministerium-hing-heimlich-the-lAend-schilder-im-ganzen-land-auf-_arid,760708.html
https://www.rnz.de/politik/suedwest_artikel,-suedwest-was-das-laendle-die-kampagne-the-laend-kostet-_arid,761302.html
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Baden-Württemberg will jetzt „The Länd“ sein
Die Landesregierung stellt eine neue Imagekampagne vor. Aber nicht immer ist ein neuer Slogan auch eine gute Idee. …
Dass Imagekampagnen auf positive Resonanz stoßen, ist jedoch selten. Oft werden sie gar nicht wahrgenommen oder sogar als peinlich empfunden. Sachsen-Anhalt zum Beispiel hat es mal mit großen Schildern an Autobahnen versucht, auf denen es sich als „Land der Frühaufsteher“ bezeichnete. Der Spruch ging nach hinten los, weil sich viele Menschen in Sachsen-Anhalt nur deshalb sehr früh den Wecker stellten, weil es zu Hause nicht genug Jobs gab und sie in andere Bundesländer pendeln mussten. Geräuschlos eingestellt wurde auch eine Kampagne, mit der Niedersachsen einst warb: „Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken.“ Ebenfalls in der Versenkung verschwand ein Slogan, mit dem die Hauptstadt Sinnfragen aufwarf: „Be Berlin.“
… Alles vom 29.10.2021 bitte lesen auf
https://www.sueddeutsche.de/politik/baden-wuerttemberg-hochdeutsch-laend-1.5451420
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„The Länd“ – Ministerpräsident Kretschmann findet neue Imagekampagne „genial“
Nun soll aus dem international unaussprechlichen Baden-Württemberg zumindest für Marketing-Zwecke „The Länd“ werden. Der Südwest-Staat will sich damit als Hightech-Standort genauso profilieren wie als Region mit hoher Lebensqualität. „Es hat, glaube ich, keine 30 Sekunden gedauert, bis mir klar war: Das ist es, das passt“, frohlockt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei der Präsentation am Neckar. „,The Länd‘ versteht nun wirklich jeder, ist selbstbewusst und lässt ein wenig Selbstironie aufblitzen.“ …
Der Regierungschef bewertet die neue Kampagne als „genial“. Die alte sei das ebenfalls, aber international nicht verwendbar gewesen. Der Begriff „Ländle“ wiederum, der ja auch immer im Raum stehe, werde in seiner Bescheidenheit der Bedeutung Baden-Württembergs nicht gerecht. „Mit Bescheidenheit kommt man in der Welt nicht weiter“, so Kretschmann.
… Alles vom 30.10.2021 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/the-laend-ministerpraesident-kretschmann-findet-neue-imagekampagne-genial–206048606.html

»Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler«
Einfach nur genial. »Nach 22 Jahren legt Baden-Württemberg eine neue Imagekampagne auf, die weltweit verwendbar sein soll« und verwendet dabei die deutsche Sprache und einen Umlaut. Da werden die Fachkräfte in Scharen zu uns strömen und die Auftraggeber aus aller Herren Länder. Klarer Verstoß gegen diese Binsenweisheit aus der Werbung: »Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler«
30.10.2021, A.B.
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Baden-Württembergs „The Länd“-Kampagne ist ungeheuer provinziell
Man versteht es nicht. Auf den riesigen Tafeln – zum Beispiel am Freiburger Hauptbahnhof – steht nichts weiter als „The Länd“. Schwarz auf aggressiv-gelbem Grund. Gelb: Früher wäre einem da zunächst die F.D.P. eingefallen, es war zu der Zeit, als die Partei durch die Punkte hinter den Lettern einen Distinktionsgewinn erzielen wollte – und der Pullunder des Vorsitzenden zitronengelb in die Kameras strahlte. Das ist nun lange vorbei. Schwarz und Gelb: Für eingeschworene Westfalen kämen da auch noch die Vereinsfarben des Traditionsclubs Borussia Dortmund in Frage. Aber erstens sind wir nicht in NRW – und zweitens gibt es auf diesen aalglatten Flächen keinen Raum für heiter Geringeltes. Nein: Staatstragend stehen diese Wände in der Gegend, flächendeckend, wie man hört, in Stuttgart, der Hauptstadt der Kampagne.

Zugleich global und provinziell
Wer nicht weiß, wer das Ländle einmal gewesen ist, hat womöglich Schwierigkeiten, „The Länd“ zuzuordnen – zumal der international Reisende, jener nicht mit einem Asylsuchenden zu vergleichende Besucher, der, so wird es aus dem für kontrollierte Einwanderung zuständigen Ministerium kolportiert, in spezieller Weise angesprochen werden soll. Aber kennt er überhaupt den Umlaut „ä“? „The Länd“ klingt ja zugleich ungeheuer global und ungeheuer provinziell: Und da sind wir tatsächlich mitten in Baden-Württemberg gelandet, mehr in Württemberg als in Baden, zugegeben, wo die schwäbischen Stubenhocker und pietistischen Eigenseelenbeschauer seit je mit weltsichtumwälzenden Erkenntnissen und weltverändernden Erfindungen aufwarten konnten – man denke an den Stuttgarter Philosophen Hegel einerseits und an den Bad Cannstatter Tüftler Gottlieb Daimler, der freilich mit dem Badener Carl Benz fusionierte, andererseits.
Zweiundzwanzig Jahre ist es her, da punktete das südwestdeutsche Bundesland mit dem selbstironischen Spruch „Wir können alles, außer Hochdeutsch“. Der Slogan machte Karriere – und leider keine Schule. Alles, was danach kam an föderalen Anstrengungen, den eigenen Beritt werbekampagnenmäßig ins vorteilhafte Licht zu rücken, verdient eher das Prädikat „peinlich“. Beispiel Niedersachsen: „Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken.“ Alles klar? Vielleicht beim Nachfolgeslogan „Niedersachsen. Klar“. Beispiel Sachsen-Anhalt: „Land der Frühaufsteher“ – weil alle anderswo arbeiten müssen. Ein klassisches Eigentor. Beispiel Berlin: „be Berlin“ – aus dem egozentrischen Anglizismus ist seit dem vergangenen Jahr ein solidarisches „Wir sind ein Berlin“ geworden.
Keine Spur mehr von Selbstironie
Dagegen klingt „The Länd“ geradezu martialisch. Die feine Prise Selbstironie der alten Imagekampagne ist weg, statt liebenswürdiger selbstreflexiver Bescheidenheit herrscht wilhelminische Großmannssucht. Wie sagte es der „Länd“-Propagandist Winfried Kretschmann, den liebevoll Landesvater zu nennen man sich nun nicht mehr traut: „Mit Bescheidenheit kommt man in der Welt nicht weiter.“ Und, klare Ansage: „Man darf das, was man hat, nicht verstecken.“
Mehr zum Thema: Ministerpräsident Kretschmann findet neue Imagekampagne „genial“
Und was hat man in Ba-Wü, dem „Länd“? Einen Waldschrat zum Beispiel, der mit Rauschebart durch den frühmorgendlichen Tann stapft mit einem (worüber nur?) staunenden Kindertrupp im Schlepptau – während die Stimme aus dem Off des Werbeclips vom Märchenstichwort „Tannenspitzen“ elegant zum Technologiestichwort „Spitzenbetriebe“ überleitet. Ja, da waren Sprachkreative am Werk. Beim Stichwort „Haute Cuisine“ wird weniger kreativ eine (offenbar unvermeidliche) Laugenbrezel ins Bild gereicht – das passt zum sprichwörtlichen schwäbischen Geiz, der in dieser Weltläufigkeitssimulation allerdings weiter keinen Platz hat. Dafür wird dem staunenden Werbespotbetrachter mitgeteilt, dass die Universitäten im Länd „Unikate“ seien. Häh? Wer dachten bisher, ein Unikat gebe es nur einmal auf der Welt; also zum Beispiel ein Gemälde von Van Gogh. Aber Universitäten? Und beim Stichwort „Existenzgründer“ hält die Kamera auf ein sich für schwäbische Verhältnisse erstaunlich wild küssendes junges Paar.
Schon luschtig. Oder luschdig. Aber solche Regionalismen dürfen einem Auge in Auge beziehungsweise Ohr in Ohr mit dem „allerschönsten T-Shirt-Englisch“ (Peter Waibel, Geschäftsführer der verantwortlichen Agentur Jung von Matt Neckar, einer Tochtergesellschaft des großräumig agierenden Hamburger Unternehmens) nicht mehr über die Lippen kommen. Denglischen statt alemannisch schwätze ist jetzt angesagt. Im „Fän“- Shop der Homepage wird es diesbezüglich recht hemmungslos. Da gibt es „The Täsch“, den „Länd Hoodie“, den „Mini Jumpsuit“ (zu Deutsch: Babystrampler) mit aufgeprägtem Landeswappen (wer will so was seinem unschuldigen Nachwuchs überziehen?) den „Länd Pen“ und den „Ländyard“.
Den Bird schießt dabei das „Länd Woodie“ ab: ein Vesperbrett in den Umrissen unseres Bundeslandes „aus echter geölter Schwarzwälder Weißtanne aus zertifiziertem Anbau“. Genial, wie der Länd-Präsident Krätschmann – pardon, man kommt aus dem „ä“ gar nicht mehr raus – findet. Die Kampagne muss jetzt nur noch unter die Leute. Das Wildplakatieren, voll subversiv annonciert als „Guerilla-Werbeaktion“, kam ja zum Beispiel in Neckargemünd nicht so gut. Dreimal sieben Millionen Euro sind für die mentale „Neuerfindung“ des Ländles im Landeshaushalt zunächst veranschlagt. Wie wäre es statt dessen mit besserer Politik? Mit buntem Sein statt gelbschwarzem Schein? Vielleicht wird ja alles besser, wenn sich gut ausgebildete Menschen von „Länd“ ins Land locken lassen. Zweifel sind angebracht. Die sind ja nicht blöd.
… Alles vom 4.11.2021 von Bettina Schulte bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/baden-wuerttembergs-the-laend-kampagne-ist-ungeheuer-provinziell–206197058.html

Kommentare:
Thänk you, Bettina, für den wunderbaren Bericht
über die neue Werbekampagne für Baden-Württemberg. Bi 21 Millione Euro fir „The Länd“ bin ich mit minnem Dialekt=Latein am Änd.
13.11.2021, T.B.

Unfassbar…. unsere Steuergelder so zu verschwenden
Mal ganz ehrlich: Wir kämpfen mit Corona, Klimawandel und deutlich zunehmender sozialer Ungerechtigkeit. Und da weiß die grüne Landesregierung nichts besseres als Geld für so eine lächerliche Werbekampagne hinauszuschleudern.
Unfassbar…. unsere Steuergelder so zu verschwenden. Kommt das Geld etwa aus der nicht zweckgebundenen CO2 Umlage, die wir zahlen müssen?
6.11.2021, C.K.
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