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Tele-Blick vom Brosihof bei St.Märgen nach Südwesten über Schweighöfe und Spirzen zu Dreisamtal, Rheintal und Vogesen am 19.12.2007

 

 

 

Mahnmal bei Schirmeck: Erinnerung an die Toten des Zweiten Weltkriegs
Schwieriges Erinnern
Die Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs ist noch immer nicht abgeschlossen – das gilt auch für das Elsass und das benachbarte Département Moselle. Seit 2005 gibt es in Schirmeck in den Vogesen ein Museum, das Mémorial de l’Alsace Moselle, das die wechselvolle Geschichte der Grenzregion und die Zeit der deutschen Annexion der Öffentlichkeit erklärt. Was noch immer fehlt, ist ein Mahnmal für die Toten des Zweiten Weltkriegs – und ein Ort des Erinnerns an die 100.000 Elsässer und 30.000 Mosellaner, die zwangsweise zur deutschen Wehrmacht oder zur Waffen-SS eingezogen wurden.
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2017 gab es einen ersten Versuch, diese Erinnerungslücke zu schließen. Auf einer Mauer, die unterhalb des Mémorial in Schirmeck vorgesehen war, sollten die Namen von 42.000 Kriegsopfern eingraviert werden. Doch der Plan scheiterte, weil die Namen jüdischer Elsässer, die Opfer von Verfolgung geworden waren, neben den Namen von Wehrmachtssoldaten gestanden hätten. Kritiker meinten: Bei den Soldaten aus dem Elsass und der Moselle handelte es sich potenziell um Täter; jeder von ihnen habe ein Kriegsverbrecher sein können. Die Region Grand Est zog damals unter ihrem ersten Präsidenten Philippe Richert das Vorhaben zurück.
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„Die Soldaten aus dem Elsass und der Moselle kämpften nicht aus freien Stücken für die deutschen Streitkräfte“, sagt der Rechtshistoriker Jean-Laurent Vonau. Dass ab August 1942 zwangsrekrutierte Elsässer und Mosellaner unter Strafandrohung in die Wehrmacht eingezogen wurden, dass 500 Männer sich widersetzten und hingerichtet wurden, so Vonau, sei eine historische Tatsache. Leider sei das in Frankreich kaum bekannt.
Wozu dies führt, erklärt Vonau an einem Beispiel aus dem vergangenen Sommer. Im französischen Fernsehen liefen die Bilder der Tour de France. Im Live-Kommentar bezeichnete ein bekannter Moderator die elsässischen Soldaten als Freiwillige in der Wehrmacht – eine Behauptung, die unwidersprochen blieb.
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Immer wieder werde das Schicksal der Zwangsrekrutierten verunglimpft, beklagt Vonau. So werde verhindert, sagt der Historiker, dass die Betroffenen als Opfer wahrgenommen würden – und das, was ihnen und ihren Familien angetan wurde, als Unrecht. Vonau, der mehrere Bücher zur elsässischen Geschichte in der Zeit der Annexion veröffentlicht hat, sagt: „Dabei hat man sie zum Verrat gezwungen und ihrem Gewissen und ihrer Identität als Franzosen Gewalt angetan.“
„Stehen wir als Kollektiv ein für das, was geschehen ist und gehen gemeinsam voran“, sagt der amtierende Regionspräsident Jean Rottner. Alle Interessengruppen seien angehört worden. Einen Architekten gelte es noch zu finden, gebaut werden soll im kommenden Jahr in Schirmeck, unterhalb des Mémorial de l’Alsace-Moselle. Das neue Konzept sieht nun ein Gebäude vor, in dem Projektionen und interaktive Elemente zu jedem genannten Namen die jeweilige Geschichte abrufbar machen. Vor allem aber will man die verschiedenen Gruppen –
Zwangsrekrutierte,
aus rassistischen Motiven Ermordete,
zivile Opfer und
Résistance-Kämpfer –
nicht vermischen. Sie sollen voneinander getrennt präsentiert werden. „Die Namen der Opfer stehen auch diesmal im Zentrum“, betont die Leiterin der historischen Begleitkommission Frédérique Neau-Dufour. „Durch eine bessere Kenntnis der Fakten“, betont sie, wolle man „einen gewissen Frieden der Erinnerungen erreichen“.
Aber können Fakten Frieden schaffen? Auf der Gedenkmauer hatten nicht alle Namen gefallener Soldaten aufgelistet werden sollen.
Für den Ehrenplatz waren nur jene vorgesehen, deren Akte nach Kriegsende von der französischen Justiz durchleuchtet worden war. „Die Familien konnten ein solches Verfahren beantragen“, erklärt Jean-Laurent Vonau. 32.000 Tote bestanden diese Prüfung, beglaubigt durch den Eintrag in den Sterbedokumenten „mort pour la France“, für Frankreich gefallen. Es war ein Versuch, die Scham und das Unrecht zu beseitigen.
… Alles vom 10..22021 von Bärbel Nückles bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/elsass-x2x/schwieriges-erinnern–199975006.html
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Kommentare:
Völkerrechtlich hatten die Elsässer und Lothringer
tatsächlich nichts in der Wehrmacht verloren. Es kam dann anders, wie so oft in der Geschichte der Elsässer seit Ludwig XIV. Mein Vater sagte immer, er sei in keiner beider Armeen freiwillig gewesen, weder in der französischen, noch in der deutschen. Er wurde in beide Armeen hineingezwungen. Auch bei den Franzosen hieß es nicht: Wenn du kommen willst, kannst du kommen; und wenn nicht, bleibst du zu Hause. Er musste kommen.
Deutsch war ihm übrigens geläufiger als Französisch. Und so nebenbei: Er kam als deutscher Staatsbürger zur Welt. Die französische Staatsbürgerschaft haben seine Eltern, die kein Französisch sprachen, nach 1918 nie beantragt. Das wurden sie „malgré ihnen“. Im heutigen Elsass wird vieles über die eigene Geschichte systematisch ausgeblendet. Man sollte endlich die Geschichte des Elsass, das übrigens zwischen den beiden Weltkriegen eine äußerst starke (antifranzösische) Autonomistenbewegung hatte, versachlichen.
13.22021, M.H.

Schicksal der Malgré-Elles bleibt oft im Hintergrund
Mit der Graphic Novel „Die Reise des Marcel Grob“ hat der französische Radiojournalist Philipp Collin die Geschichte seines Großonkels eindrücklich aufgearbeitet, der, wie so viele, bereits mit 17 Jahren in die Waffen-SS gezwungen wurde. Die Geschichte der Malgré-Nous fügte unseren elsässischen Nachbarn nach dem Krieg weiteres Leid zu, da sie in Frankreich bis zu einer Rede von Sarkozy 2010 als Verräter an der französischen Sache und Kollaborateure galten und Deutschland 40 Jahre mit Entschädigungszahlungen wartete.
Zur Geschichte gehört auch, dass die 33. SS-Waffen-Grenadier-Division Charlemagne ausschließlich aus Franzosen bestand, die sich freiwillig verpflichtet hatten. In der SS-Panzerdivison „Das Reich“, die 642 Einwohner der französischen Ortschaft Oradour-sur-Glane umbrachten, waren 14 Elsässer – davon 13 Zwangsverpflichtete, die 1953 in einem Prozess vor einem französischen Militärgericht mehrjährige Gefängnisstrafen erhielten – eine Woche später erließ die Nationalversammlung, auf elsässische Proteste hin und gegen den Willen der ermordeten Angehörigen, ein Amnestiegesetz. Der Elsässer, der sich freiwillig verpflichtet hatte, wurde zum Tode verurteilt.
Im Hintergrund bleibt das Schicksal der 15 000 Malgré-Elles, den elsässischen, lothringischen Frauen, die zum Reichsarbeitsdienst und zum Dienst in der Wehrmacht verpflichtet wurden. 5800 Überlebende erhielten 2008 eine Entschädigungssumme von 800 Euro. Das Historial auf dem Hartmannswillerkopf wurde zur deutsch-französischen Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs. Wäre ein Mahnmal für die elsässisch-lothringischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs nicht auch ein französisch-deutsches Anliegen?
24.2.2021, Hubert Matt-Willmatt, Freiburg, BZ
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Viele kamen in sowjetische Gefangenschaft
Ich möchte dem Artikel anfügen, dass in einem Park am Ortseingang von Ribeauvillé ein schlichtes Denkmal an die „Malgré-Nous“, die mehr als 100 000 in die deutsche Kriegsmacht zwangsrekrutierten Elsässer, Lothringer und Luxemburger, erinnert. Etwa 18 000 von ihnen waren in das sowjetische Kriegsgefangenenlager in Tambow 420 Kilometer südöstlich von Moskau eingewiesen worden. Mindestens 6000 von ihnen kamen dort ums Leben. Sie alle hatten in der Regel an der deutschen Ostfront zu kämpfen, nicht an der Westfront – das Reichskriegsministerium hatte wohl nicht ohne Grund ein Überlaufen zum Gegner befürchtet.
Dieses Lager war speziell für elsässische, lothringische und luxemburger Kriegsgefangene errichtet worden. Ungeachtet dessen, dass die allermeisten von ihnen geraume Zeit nach 1940, als Deutschland Frankreich überfallen und das Elsass und Lothringen an sich gerissen hatte, zwangsrekrutiert worden waren und deshalb mit Ende des Zweiten Weltkriegs ihre ursprünglich französische Staatsangehörigkeit geltend machen konnten, wurden sie von der sowjetischen Staatsregierung wie deutsche Kriegsgefangene behandelt, ohne den Militäreinsatz des Einzelnen zu untersuchen und seine seinerzeitige Zwangsrekrutierung zu würdigen. Die letzten Kriegsgefangenen dieses Lagers kamen erst 1955, zehn Jahre nach Kriegsende, frei.
Ende der 1980er Jahre erhielt Frankreich von der Sowjetunion eine Liste der Namen von 1141 im Lager gestorbenen elsässischen Kriegsgefangenen.
24.2.2021, Walter Heizmann, Kenzingen

Sie wurden als Nazi-Kollaborateure verdächtigt
Ihr Artikel hat das Thema gut dargestellt. Ergänzend möchte ich ein Buch erwähnen: „Der vergessene Soldat“ (Erstauflage 1967, 2016 neu erschienen). Der Elsässer und bekannte Comic-Zeichner Guy Saier zeichnet ein mir unvorstellbar düsteres Bild einer ganz dunklen Zeit.
Wir können uns heute gar nicht mehr vorstellen, was den 16- bis 25-Jährigen damals passiert ist. Sie, die „Malgré-Nous“ („Wider unseren Willen“), wurden zwangseingezogen und alle an die Ostfront geschickt, damit sie nicht überlaufen konnten – und nach dem Krieg als Nazi-Kollaborateure verdächtigt. Wie überall gab es unter den Elsässern eine Minderheit von fanatischen Nazi-Anhängern, die in KZ, SS-Divisionen und Sondereinsatzkommandos grauenhafte Verbrechen begingen.
24.2.2021, Georg Hille, Freiburg
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Weltkriegsdenkmal Hartmannswillerkopf saniert

Zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges binationale Projekte geplant.
An diesem trüben Tag herrscht Stille auf dem Hartmannswillerkopf. Nur Gilbert Wagners Schritte knirschen im Kies. Sonst gibt es hier keine Seele, lediglich die Gebeine der Toten in der Krypta sechs Meter unter der Erde. „Im Volksmund haben sie ihn Menschenfresser genannt, den Berg“, sagt Wagner, als er den Schlüssel kratzend ins Schloss steckt und das Tor zur Krypta öffnet.
Wenn es eines Tages vielleicht doch mal wieder Sommer wird, und der Blick bei klarer Sicht zu Füßen der 956 Meter hohen Bergkuppe die ganze Rheinebene fasst, dann werden die Besucher wieder auf den südlichen Vogesenausläufer strömen. 60 Prozent der 250 000 Besucher, die über das Jahr den Weg zum Mahnmal auf dem Hartmannswillerkopf finden, kommen aus Deutschland. „Dort gibt es eben keine Schlachtfelder aus dem Ersten Weltkrieg, die man besichtigen könnte“, erklärt Wagner. Er ist der Präsident der örtlichen Abteilung des Nationalkomitees des Hartmannswillerkopfes und verantwortlich für Pflege und Führungen.

90 Kilometer Schützengräben lassen sich besichtigen. Wagners Führungen können bis zu einem ganzen Tag dauern, so viel hat er zu erzählen. Als er sich vor mehr als 30 Jahren für den Ersten Weltkrieg zu interessieren begann, traf er noch auf Veteranen, und das Drama des Krieges ließ ihn nicht mehr los. 25 000 Mann starben in den Grabenkämpfen auf dem Hartmannswillerkopf.
Das Mahnmal mit dem Ehrensarg hoch oben und die unterirdische Krypta, in der die Gebeine deutscher und französischer Soldaten unter einem monumentalen Bronzeschild ruhen, zählen heute zu den vier denkmalgeschützten historischen Schauplätzen des Ersten Weltkrieges in Frankreich. „Die Geschichte dieses Krieges und das Bauwerk am Hartmannswillerkopf an die künftigen Generationen weiterzugeben“, sagt Jean Klinkert, der Direktor des Tourismusverbandes im Südelsass, „ist für uns eine moralische Verpflichtung.“ Es gehe um nichts weniger als ein deutsch-französisches Gedenken. „Wer wird sonst noch in 50 oder 100 Jahren wissen“, fragt er, „was die Männer hier oben erlebt haben?“ Inzwischen wurde die bis 1932 von Robert Danis erbaute Anlage grundsaniert. Wasser war von oben eingedrungen. Die Erinnerungsstätte musste vor dem Zerfall gerettet werden. Heute schimmert der helle Stein wieder, der die unterirdische Kathedrale von oben umschließt.

Doch die Sanierung war erst der Anfang. Wenn sich im kommenden Jahr der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt, wollen Deutschland und Frankreich gemeinsam an die Kriegsereignisse erinnern. Deshalb soll noch in diesem Jahr ein kommentierter, 4,5 Kilometer langer Rundweg hinter Mahnmal und Soldatenfriedhof entstehen. Bis zu den Hauptfeierlichkeiten, die für den Herbst 2015 geplant sind, will Klinkert zudem ein Museum bauen. Nicht allein das Kriegsgeschehen werde im Zentrum stehen, sagt Klinkert. „Die Besucher sollen verstehen, welche Umstände zum Kriegsausbruch geführt haben und wie das Leben am Oberrhein zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat.“
Bis es so weit ist, werden die deutschen Toten allerdings nicht erwähnt. „Es muss aber deutlich werden“, fordert Martin Lunitz, Landesgeschäftsführer Baden-Württemberg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Konstanz, „dass es sich um eine deutsch-französische Erinnerungsstätte handelt.“ Über die Zusammenarbeit lässt er grundsätzlich nichts kommen. Dennoch sorgt er sich: „Die Zeit läuft uns langsam davon.“ Angesichts der deutschen Beteiligung an der Sanierung in Höhe von 350 000 Euro förderte die Europäische Kommission das Vorhaben mit der Hälfte der Sanierungskosten von 1,9 Millionen Euro. Lunitz weiß, wie zeitraubend Planungen und Genehmigungen sein können, erst recht, wenn die Finanzierung noch nicht steht. „Wir hoffen wirklich, dass beide Projekte bis 2015 fertig sind“, sagt er. Selbst die Finanzierung des Museums – es soll fünf Millionen Euro kosten – hängt noch von Sponsoren ab. Allerdings müsste die Aufmerksamkeit, die der Erste Weltkrieg in Frankreich genießt, alle Beteiligten optimistisch stimmen. „La Grande Guerre“, den Großen Krieg, nennen die Franzosen den aus ihrer Sicht letzten Bürgerkrieg des 20. Jahrhunderts.

So erklärt sich Klinkert auch die zahlreichen Reaktionen auf einen Aufruf für Veranstaltungsvorschläge zum Weltkriegsjubiläum. Allein aus dem Elsass haben mehr als 80 Gruppen oder Kommunen eine Veranstaltung angekündigt. Als der Volksbund für dieses Frühjahr die 40 damaligen Garnisonsstädte in Baden-Württemberg zu einer Tagung einladen wollte, um das Jubiläum vorzubereiten, sagten gerade mal acht zu. „In der breiten Öffentlichkeit“, ist sich Lunitz sicher, „wird der Erste Weltkrieg in Deutschland von den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust überlagert.“
22.5.2013, Bärbel Nückles

https://www.kaiserstuhl.eu/Umgebung/Elsass/hartmannswillerkopf-elsass.htm https://www.tourisme-alsace.com/de/240001398-Le-Hartmannswillerkopf-ou-Viel-Armand.html
https://mal-raus.blogspot.de/2012/11/hartmannswillerkopf.html

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