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Mohnfeld bei Freiburg am 17.Juni 2020

  • Arche-Noah-Äcker und Emmer-Äcker (7.7.2021)

Arche-Noah-Äcker und Emmer-Äcker
Für die Vielfalt heimischer Arten soll wieder mehr Platz geschaffen werden
Der Landschaftserhaltungsverband sucht Teilnehmer für das Projekt „Arche-Noah-Äcker“. Ziel ist es, heimische, standorttypische Arten wieder mehr auf den Äckern anzusiedeln.
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Es blüht allerorten, wenn man die Böschungen am Kaiserstuhl oder auf die Ränder der Ackerflächen des Markgräflerlandes schaut. Zumeist aber sieht man rot, nämlich Klatschmohn, eine der dominanten Pflanzen in den von den Landwirten ausgesäten Blühmischungen. Deutlich unscheinbarer und inzwischen kaum mehr vertreten sind heimische, standorttypische Arten wie das winzige Ackerstiefmütterchen oder der lila-leuchtende Frauenspiegel. Dem möchte der Landschaftserhaltungsverband (LEV) mit sogenannten „Arche-Noah-Äckern“ entgegenwirken.
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Reinhold Treiber, Geschäftsführer des LEV, und Landwirt Thomas Tritschler lauschen in einem Feld nahe Neuenburg und legen dabei den Kopf in den Nacken. Über ihnen steht eine Lerche in der Luft, und das für den Vogel typische Tirilieren ist zu hören. „Früher gab es das über vielen Äckern“, erinnert sich Tritschler. Heute dagegen sei es still. Der Acker, in dem die beiden Männer stehen, sieht selbst für den Laien deutlich anders aus, als alle anderen drum herum. Die einzelnen Hhttp://pseudogetalme des Emmer, der hier im ersten Jahr angebaut wird, stehen weit auseinander. Dazwischen ist Platz für allerlei Pflänzchen. Reinhold Treiber kennt jedes davon. Selbst das winzige Ackerstiefmütterchen, Heimat des Kleinen Perlmutterfalters, eines höchst seltenen Schmetterlings, dessen Raupen sich ausschließlich von eben jener Pflanze ernähren, findet er im Emmer. Die Felder nebenan hingegen erinnern an einen grünen Flokatiteppich – eng an eng steht gleichförmig Halm an Halm sonst nichts.
Derzeit läuft im Oberrheingebiet zwischen Breisach und Schliengen eine Untersuchung von LEV und Landratsamt zum Thema heimische Ackerwildkräuter, berichtet Reinhold Treiber. „Die Ergebnisse sind ernüchternd. Die Pflanzen sind praktisch ausgestorben“, lautet die bittere Bilanz des Biologen. In der Jungsteinzeit, vor zirka 7000 Jahren, seien die typischen Ackerwildkräuter mit Saatgut aus Syrien in den Breisgau gekommen. „Über die Jahrtausende entwickelte sich eine unglaubliche Vielfalt“, schwärmt Reinhold Treiber. Durch die moderne Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden, speziellen Maschinen und eine intensive Ackerbewirtschaftung, seien die Äcker in wenigen Jahrzehnten „komplett rein“ geworden.

Dem soll nun gleich mit mehreren Projekten entgegengewirkt werden. Zusammen mit Jägern und Landwirten bemühe man sich mit der „Allianz für das Niederwild“, zusammenhängende Lebensräume für Rebhuhn, Feldhase und Fasan zu schaffen. Rund 16 Hektar Ackerfläche sollen als Biotop-Verbund so umgestaltet werden, dass die Tiere wieder genügend Rückzugsräume finden.

Mindereinnahmen werden dem „Arche-Noah-Bauern“ausgeglichen
Um Biotop-Verbünde ginge es auch bei den „Arche-Noah-Äckern“. Mit 2,6 Hektar ist Thomas Tritschler im ersten Jahr mit im Boot. Auf Tritschlers Acker bei Hartheim wurde im November 2020 zunächst eine Mischung standorttypischer Wildkräuter eingesät. Gut ein halbes Jahr später gleicht die Fläche einem lebenden Naturkundemuseum. Alle erdenklichen Ur-Pflanzen finden sich hier. Im zweiten Jahr werde, wie beim Emmer-Acker bei Neuenburg, die eigentliche Bewirtschaftung gestartet und Getreidesamen ausgebracht. „Idealerweise Wintergetreide, wie eben Emmer, Winterweizen oder Dinkel“, so Treiber. Durch die extensive Anbauweise muss Thomas Tritschler jedoch auf einen Gutteil der Ernte und damit auf bares Geld verzichten.
Um dies auszugleichen, bekommt der „Arche-Noah-Bauer“ einen Ausgleich aus dem Topf der Landschaftspflegerichtlinie. Eine weitere Möglichkeit für Landwirte, die sich für das Projekt interessieren, sei die produktionsintegrierte Kompensation (PiK), so Treiber. PiK bietet die Möglichkeit, gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu fördern und so Kompensationsflächen, die etwa für Bauvorhaben nachgewiesen werden müssen, weiterhin landwirtschaftlich zu nutzen. Mindererträge oder höhere Aufwendungen durch Bewirtschaftungsauflagen, die die naturschutzfachliche Wertigkeit der Fläche erhöhen, werden vom Eingriffsverursacher finanziell ausgeglichen.

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„Wir möchten die Artenvielfalt zurück vor die Haustür bringen und gemeinsam mit den Landwirten Trittsteine in der Landschaft schaffen“, fasst Treiber das Ziel eines Biotop-Verbundes am südlichen Oberrhein zusammen.
… Alles vom 7.7.2021 von Julius Streckmeister bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/fuer-die-vielfalt-heimischer-arten-soll-wieder-mehr-platz-geschaffen-werden–203205220.html
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Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald e. V.
(Geschäftsstelle des Landschaftserhaltungsverbands in der Außenstelle des Landratsamts)
Europaplatz 1, 79206 Breisach
https://www.breisgau-hochschwarzwald.de/pb/267365.html

Reinhold Treiber, Geschäftsführer
reinhold.treiber@lkbh.de
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