Kulturrevolution

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Nordsee bei Ebbe am Strand von Büsum in Dithmarschen am 1.8.2010 gegen Abend

Nordsee bei Ebbe am Strand von Büsum in Dithmarschen am 1.8.2010 gegen Abend

 

 

David Engels: Was tun?
Aufrecht fallen
Europa: Der Althistoriker David Engels erklärt, wie man seine Ehre in unwürdigen Zeiten bewahrt
Michael K. Hageböck
Der von Oswald Spengler prognostizierte „Untergang des Abendlandes“ (1918/22) ist für den habilitierten Althistoriker David Engels zur Tatsache geworden, wie er in seiner Studie „Auf dem Weg ins Imperium?“ (2014) durch einen Vergleich der Zerfalls-Indikatoren des Römischen Reichs mit entsprechenden Parametern der Europäischen Union belegt. In „Renovatio Europae“ (2019) entwarf Engels Strategien, um den Schmerz des Untergangs politisch abzumildern. In seinem aktuellen Buch „Was tun?“ gibt er 24 Hinweise, wie ein „Leben mit dem Niedergang Europas“ erträglich gestaltet werden kann, auch wenn „der Zusammenbruch unaufhaltsam ist – also jener Moment, den wir heute erreicht haben“. Eine Hoffnung sieht der Autor allenfalls darin, „die lebendige Essenz unserer abendländischen Kultur für bessere Zeiten konservieren“ zu können.
Zufluchtsorte und Perspektivwechsel
Obwohl sich David Engels von Berufs wegen mit den großen historischen Linien beschäftigt, wendet er sich in seinem jüngsten Werk den kleinen Dingen zu, und so verwundert es nicht, daß er sich auf den Roman „Was tun?“ (1863) von Nikolai Tschernyschewski bezieht, statt das gleichnamige Pamphlet von Wladimir Lenin (1902) zu erwähnen, in dessen Gesinnung die Verunstaltung unserer Zivilisation betrieben wurde, nämlich „Arbeitslosigkeit, Delokalisierung, Werteverlust, Deindustrialisierung, Vergreisung, Familienzerfall, Masseneinwanderung, niedrige Geburtenrate, Scheitern des Bildungssystems, Staatsschulden, Kriminalität.“
„Was tun?“ benennt Zufluchtsorte (wie das Leben auf dem Land, das eigene Anwesen, wirtschaftlich autarke Bereiche), schlägt Perspektivenwechsel vor (Hinwendung zur Schöpfung, Neuentdeckung des Schönen, Wertschätzung des Handwerks), wirbt für Familiengründung sowie für Verantwortung im Alltag, mahnt den Ungehorsam gegenüber falschen Idealen an, fordert auf, sich das Abendland in geistiger Weise zurückzuerobern: „Nicht jeder ist für die Politik oder die Publizistik geschaffen. Daher können der tägliche Kampf am Arbeitsplatz, die Pflege der eigenen Familie, die Verwirklichung des Schönen, die regelmäßige Rückbesinnung auf Traditionen und Transzendenz oder der Austausch im Freundeskreis gar nicht stark genug wertgeschätzt werden.“
David Engels besticht durch klares Denken, präzise Ausdrucksweise und unzählige Beispiele: Die sogenannte Sozialgesetzgebung sei „schon heute ein Mechanismus zur Umverteilung des Vermögens von jenen, die arbeiten, auf jene, welche die ‘richtige’ Haltung zeigen“. Engels mahnt zu mehr Verantwortung mit Geld: „Lassen wir nur das auf der Bank, was wir zur Deckung des täglichen Bedarfs benötigen … Werden wir zu unserem eigenen Handwerker … Denken wir daran, daß wir nicht genug reich sind, um uns etwas anderes leisten zu können als Güter höchster Qualität, denn nur Schwerreiche können es sich erlauben, ihr Geld beliebig durch minderwertige Einkäufe zu verschwenden.“ Versuchen wir, „vom kurzfristigen auf das langfristige Denken umzusteigen“. Bemühen wir uns, uns „den Bedürfissen der Natur ebenso wie der Wirklichkeit der Jahreszeiten und des Bodens anzunähern“. Verteidigen wir die „Rolle der Mutter in der frühkindlichen Erziehung, helfen wir ihr freiwillig ausgeübtes Recht zu verteidigen und zu stärken, sich so sehr wie möglich um ihre Kinder zu kümmern.“
David Engels beklagt den Zustand des permanenten Aktivismus: „Das Leben des abendländischen Menschen ist zum Alptraum einer ewigen Hetzjagd geworden, von dem er nur gelegentlich aufwacht, etwa während des Urlaubs, im Krankenhaus oder, wenn es bereits zu spät ist, auf dem Totenbett.“ Der Europäer müsse Bücher wieder als „wichtigste spirituelle und intellektuelle Nahrung“ entdecken, sich Zeit zur Muße nehmen und auch zum Gebet. Michel Houellebecq schrieb über Engels Buch: „Als ich ‘Was tun?’ las, ist mir der seltsame, sogar unpassende Gedanke gekommen, daß Nietzsche, wenn er heute lebte, vielleicht der erste wäre, der eine Erneuerung des Katholizismus wünschen würde. Während er damals hartnäckig das Christentum als eine ‘Religion der Schwachen’ bekämpfte, würde er heute einsehen, daß die ganze Kraft Europas in jener ‘Religion der Schwachen’ begründet war, und daß Europa ohne sie verloren ist.“
Bereits mit der Gliederung seines Buches in 24 Kapitel gibt David Engels einen Hinweis darauf, daß sein Denken in der griechisch-römischen Antike wurzelt – sowohl die „Ilias“ als auch die „Odyssee“ umfassen 24 Gesänge – und sein Glauben in der biblischen Offenbarung (12 Stämme Israels und 12 Apostel). Dem germanischen Siedlungsraum, von dem aus das Evangelium in die ganze Welt getragen wurde, scheint die Stunde geschlagen zu haben. 24 Stunden sind abgelaufen, das Abendland ist in Nacht gehüllt. Möge das Vademecum von David Engels uns als Öllampe dienen, sei es, um das Dunkel dieser Zeit zu überstehen – sei es, um in der rechten Weise vor den „Bräutigam“ zu treten, wie das Evangelium den Herrn der Geschichte nennt.
… Alles vom 8.10.2020 von Michael K. Hageböck bitte lesen in der JF 42720, Seite 14

David Engels: Was tun? Leben mit dem Niedergang Europas. Renovanem-Verlag,
Bad Schmiedeberg 2020, gebunden, 248 Seiten, 16 Euro.
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Linksextreme Kulturrevolution unter der Parole des „Antikolonialismus“
Ich muss heute eine dringende Leseempfehlung aussprechen. In der soeben erschienenen Ausgabe von Tichys Einblick
https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/tichys-einblick-09-2020-fuenf-jahre-grenzoeffnung-die-ungeschoente-bilanz/
gibt es ein Interview mit dem Historiker Egon Flaig zum womöglich wichtigsten politischen Thema unserer Zeit, der linksextremen Kulturrevolution unter der Parole des „Antikolonialismus“. (Wenn ich sage, wichtigstes Thema unserer Zeit, gilt das nicht für Russen, Chinesen, Inder, die anderen Ostasiaten und die meisten Südamerikaner.) Der Rostocker Emeritus ruft geschichtliche Tatsachen in Erinnerung, die heute, in Zeiten von antikolonialistischer „Fake History“ und eines bestürzenden historischen Unwissens, ja Nichtwissenwollens bei nahezu sämtlichen politischen Akteuren, praktisch auswendig gelernt und der verhetzten Öffentlichkeit als empirisches Mantra bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorgetragen werden sollte.
Nämlich dass:
– die Sklaverei seit 5000 oder mehr Jahren existiert und ausnahmslos jede Hochkultur sie praktizierte;
– die Versklavung der Schwarzafrikaner, die oft mit der Auslöschung ganzer Ethnien verbunden war („Versklavungskriege sind tendenziell Genozide“), an Ort und Stelle zunächst von kriegerischen schwarzen Sklavenjägerethnien betrieben wurde;
– danach vor allem muslimische Sklavenhändler die „lebende Ware“ abnahmen und übers Meer verschifften;
– erst dann die weißen Sklavenhalter in Erscheinung traten (und nur die Portugiesen kurzzeitig versuchten, selber Sklaven zu erbeuten);
– folglich eine Entschädigungszahlung an die Nachfahren der Versklavten insbesondere von den Nachkommen der wichtigsten Versklaver erstattet werden müsste („Demnach müssten vor allem Ethnien in Mali, im Tschad, im Sudan, aber auch in Ghana, Nordnigeria und Benin unvorstellbare Summen an die Nachfahren ihrer Opfer zahlen“);
– zugleich und nochmals folglich undifferenzierte Entschädigungszahlungen zu großen Teilen den Nachkommen von Versklavern zugute kämen;
– solche Forderungen an muslimische Länder merkwürdigerweise nie gestellt werden, obwohl die islamische Welt das größte und langlebigste sklavistische System der Erde war;
– die Emirate von Tripolis, Tunis und Algier bis weit ins 19. Jahrhundert Schiffe ausschickten, um christliche Sklaven zu erbeuten, sowohl zur See wie an den südeuropäischen Küsten;
– die USA bis zu einem Fünftel ihres Bundeshaushaltes als Tribut an die Barbaresken zahlten, um ihre Handelsschiffe zu schützen, bis Thomas Jefferson die Sache zu bunt (sic!) wurde;
– der Kolonialismus der Europäer seinen Anfang mit der Bekämpfung der Versklavungspiraterie nahm;
– der Westen zwar selbstredend seinen Teil der Schuld trage, aber eben auch nur im Westen eine Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei entstand;
– der Westen mithin verantwortlich dafür ist, dass die heute noch existierenden Formen von Sklaverei als Verbrechen gelten, obwohl sich die linke Öffentlichkeit herzlich wenig für diese vor allem in Südostasien und im Vorderen Orient gehaltenen Sklaven interessiert, weil sie nicht dazu taugen, den Westen anzuklagen;
– die heutigen Afroamerikaner seit 1865 Nachfahren von freien Menschen sind.
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Um die Lage zusammenzufassen: Während diejenigen Völker, die die Sklaverei abgeschafft und die Idee ihrer Unrechtmäßigkeit überhaupt erst hervorgebracht haben, viele Generationen später an die Nachkommen sowohl von schwarzen Sklaven als auch von schwarzen Versklavern Entschädigung zahlen sollen, spielen weder das muslimische Sklaverei-Imperium noch die geschätzten 40 Millionen Menschen, die bis heute unter sklavenähnlichen Bedingungen leben, in der öffentlichen Wahrnehmung eine Rolle. Kaufen, lesen, verbreiten!
… Alles vom 10.8.2020 von Michael Klonovsky bitte lesen auf
https://michael-klonovsky.de/acta-diurna
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Egon Flaig: Kulturrevolution – Geschichte des Westens als Fake History
„Wir sind Zeugen einer kulturellen Revolution. Diese wird getragen von ganz unterschiedlichen Stömungen. Es handelt sich überwiegend um folgende:
Erstens die letzten Trümmer der ehemaligen Linken; diese vertreten heute allesamt ultrarechte Positionen, nämlich Sonderrechte für sogenannte Minderheiten ohne rücksicht auf die Verfassung demokratischer Staaten , auf die Artikel 1 bis 4 der Menschenrechte und auf die rechtliche Gleichheit in demokratischen Republiken.
Zum anderen die sogenannten Opfergruppen, die unter dem Schlagwirt der „Anerkennung“ verlangen, daß ihre Ansprüche in besonderem Maße beachtet werden und dass niemand das Recht hat, ihre Interpretation der vergangenheit zu kritisieren. Damit hat die schlimmste Fake History in den öffentlichen Raum Einzug gehalten.
Zum dritten hat die postkoloniale ideologie an der Universitäten und in den Medien die moralische Hegemoniegwonnen; sie hat ein groteskes Bild von der europäischen Geschichte durchgesetzt, voller Fake Histor. Ihre Vertreter denunzieren jede Fachwissenschaft, die streng unterscheidet zwischen Gedächtnispolitik und wahrheitsorientierter Historie. Daher bekämpft die postkoloniale Ideologie jedwede fachdisziplinäre Methodik – und das zerstört die kulturwissenschaftlichen Fakultären an den Universitäten.
Viertens haben Gerichte und Behörden eine Politik der Antidiskriminierung mitgetragen, die maßgebliche Rechtsprinzipien über ord wirft, um sogenannten Diskriminierten besondere Rechte gegenüber alln anderen Bürgern zu verschaffen und vor allem die Meinungsfreiheit entschieden einzuschränken. Mit der Preisgabe des menschenrechtlichen Universalismus, mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit, mit einer aus Fake History bestehenden Memorialpolitik und mit der schleichenden Aufweichung von verfassungsmäßigen Regeln ist eine Situation entstanden, in der die westlichen Republiken außerstande sind, ihre politische Substanz und ihre kardinalen Gedächtnisorte zu bewahren. Wir erleben den Sieg des radikalen Theoretikers Frantz Fanon über Kalr Marx als auch über John Stuard Mill.“
Egon Flaig in „Wir erleben eine Kulturrevolution“ Tichys Einblick 9/20, Seite 36-37.
Frantz Fanon hat in seinem Buch „Les damnés de la terre“ bzw. „Die Verdammten dieser Erde“ (Paris, 1960) die Ideologie zur heute von Links-Grün propagierten „Fake History“ begründet: Der Reichtum Europas verdanke sich primär der Ausbeutung der Kolonien. Dieser Reichtum müsse nun wieder rücktransferier werden. Europa hat zu bezahlen.

Der Selbsthass des Westens auf die eigene Kultur bedroht diese mehr als der Scharia-Islam, meint Egon Flaig: „Die Autoaggression ist weitaus stärker, weil sie aus dem Inneren unserer Kultur kommt. Die „inneren Barbaren“ sind immer gefährlicher, weil sie keine feindliche Übernahme von außen betreiben, sondern antreten unter Bannern des radikalen Neubeginns.“
9.8.2020

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