Nationalstaat

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Endlich Schnee am 15.1.2021 in Freiburg: Linde im Dreisamtal

 

„Zu den Besonderheiten Europas gehört seine historisch gewachsene nationale Vielfalt. Wer die Nationen und die Nationalstaaten abschaffen will, zerstört Europa und fördert den Nationalismus.“
Der Historiker Heinrich August Winkler am 23.10.2017 (s.u.)
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150 Jahre Nationalstaatlichkeit in Deutschland
Nation ist kein Auslaufmodell
von Karlheinz Weißmann
Am 18. Januar 2021 jährte sich die Gründung des Deutschen Reiches zum 150. Mal. Ein vom Politikwissenschaftler Tilman Mayer herausgegebener Sammelband widmet sich dieser Nationalstaatlichkeit, die sich im Vergleich zu einer „Weltrepublik“ oder den „Vereinigten Staaten von Europa“ sowohl durch demokratische Legitimität als auch durch gesteigerte Effizienz auszeichnet.

Der Nationalstaat wurde häufig totgesagt. Aber er ist ein zähes Luder. Zuletzt hat sich das im Rahmen der Pandemie gezeigt, als plötzlich von „Masken-“ oder „Impfstoffnationalismus“ die Rede war und Erwägungen darüber angestellt wurden, ob die EU überhaupt geeignet sei, derartige Krisen zu bewältigen, oder ob doch nur der Nationalstaat Sicherheit und Versorgung seiner Bürger gewährleiste. Eine besondere historische Dimension nimmt die Frage nach der Nationalstaatlichkeit für die Deutschen an, da ihr moderner Nationalstaat gerade 150 Jahre alt wurde. Die Reichsgründung als Ausgangspunkt einer bis in die Gegenwart reichenden Entwicklung zu betrachten, ist allerdings aus der Mode gekommen. Schon deshalb greift man interessiert zu einem Buch, das diese Linie zieht.
Da es sich um einen Sammelband handelt, darf man keine einhelligen Positionen erwarten, aber etwas wie eine Generaltendenz gibt doch die Einführung des Herausgebers Tilman Mayer vor: „Lebenslüge – ‘kein Zurück zum Nationalstaat klassischer Prägung’“. Mayer bezieht sich damit auf eine Äußerung Helmut Kohls, der im Zuge der Wiedervereinigung eben das behauptet hatte: daß es „kein Zurück zum Nationalstaat klassischer Prägung“ gebe.
Wenn Mayer diese Formel eine „Lebenslüge“ nennt, meint er allerdings eine Selbsttäuschung, der sich im Grunde alle führenden Politiker der Nachkriegszeit ergeben haben. Sie hofften nicht nur, daß sich mit einem entsprechenden Mantra das Neuaufflammen des radikalen Nationalismus verhindern lasse, sondern auch, daß die Deutschen wie alle Welt durch den Fortschritt der Dinge von ihrer nationalen Existenz erlöst würden.
Warum es dazu nicht gekommen ist und auch in Zukunft nicht kommen wird, erläutert Henning Ottmann in seinem Beitrag, der sich vor allem mit den Alternativen zum Nationalstaat – Weltrepublik und Vereinigte Staaten von Europa – beschäftigt und schließt, daß weder im einen noch im anderen Fall mit demokratischer Legitimität oder gesteigerter Effizienz zu rechnen sei. Eher scheine das Gegenteil wahrscheinlich, was eindeutig für den Nationalstaat als Optimum politischer Organisation spreche.

Den Schritt zum deutschen Fall macht Christian Hillgruber, der die völkerrechtliche Kontinuität von der Reichsgründung 1871 bis zum Einigungsvertrag 1990 nachzeichnet. Die folgenden Beiträge von Hanns Jürgen Küsters, Eckhard Jesse, Eberhard Diepgen und Wolfram Pyta, die verschiedene symbolische Aspekte des Nationalstaates behandeln, bieten zwar in der Regel (wenngleich nicht immer) solide Information, aber keine neuen Einsichten. Anders verhält es sich mit dem Aufsatz von Werner Plumpe, der ein sehr eindrucksvolles Bild der „Veränderungsdynamik“ des Kaiserreichs auf den Feldern der Wirtschaft, der Infrastruktur, des Schul- und Hochschulwesens zeichnet und mit der hübschen Paradoxie endet, daß die erhalten gebliebenen „Quartiere der großen Städte die bevorzugen Wohnorte jener Intelligenz“ seien, „die üblicherweise an dieser Zeit kaum ein gutes Haar läßt“.
Daß viel von der Bewertung deutscher Nationalstaatlichkeit abhängt, wenn man das Werk Bismarcks zum Bezugspunkt wählt und dessen Stellung innerhalb des europäischen Systems analysiert, macht gleich eine ganze Gruppe von Beiträgen deutlich, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Etwas verkürzend könnte man sagen, daß Ulrich Schlie in diesem Zusammenhang die klassische These von der „halbhegemonialen Stellung“ des Reiches vertritt.
Flankiert wird sein Aufsatz von den Erwägungen Brendan Simms zur Geopolitik Deutschlands. Nach Simms war Deutschland „für etwa vierhundert Jahre zu schwach“ und: „Für etwa achtzig Jahre nach seiner Vereinigung war Deutschland zu stark und bedrohte entweder den Weltfrieden oder schien es doch zu tun.“ Bemerkenswerterweise wird dieser verbreiteten Deutung von Hans-Christof Kraus mit Nachdruck widersprochen. Entscheidend ist aus seiner Sicht, daß die Vorstellung, Deutschland habe durch sein schieres Vorhandensein das europäische Gleichgewicht bedroht, auf einer verzerrten Perspektive beruhe: „Das Deutsche Kaiserreich scheiterte nicht an seiner Größe, nicht daran, daß es ‘Halbhegemon’ war oder vor 1914 europäischer Hegemon werden wollte.“ Diese Feststellung gelte trotz seiner Bevölkerungszahl, seiner militärischen Stärke und seiner ökonomischen Potenz. Denn um von einer „halbhegemonialen“ oder „hegemonialen“ Stellung sprechen zu können, hätte das Reich über ganz andere Ressourcen verfügen müssen, die ihm aber nicht zur Verfügung standen.

Das schien sich in der Frühphase des Ersten Weltkriegs und dann noch einmal nach 1938 – zwischen dem „Anschluß“ Österreichs und dem Sieg über Frankreich – zu ändern. Aber relativ rasch wurde das Fehlen einer ausreichenden Basis deutlich, die notwendig gewesen wäre, um tatsächlich zur Vormacht des Kontinents aufzusteigen. Die militärischen Niederlagen von 1918 wie 1945 hatten deshalb eine gewisse innere Logik.
Allerdings bleibt Kraus nicht bei dieser Bilanz stehen. In einem für den Historiker außergewöhnlich temperamentvollen Schluß kommt er auf die Gegenwart zu sprechen. Die sieht er vor allem von Realitätsverlust geprägt, wenn einerseits über die neue „Hegemonie“ der „Mittelmacht“ Deutschland schwadroniert und gleichzeitig das dauernde Übergewicht der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ignoriert werde. Das Ungesunde der Situation besteht nach Kraus darin, sich über die Tatsachen keine Rechenschaft zu geben und – ob mit guter oder böser Absicht – den politischen Wirklichkeitssinn zu schwächen.
Leider muß man feststellen, daß in den letzten Aufsätzen – von Rainer Marcowitz über die deutsch-französischen Beziehungen, von Ulrich Lappenküper über Versailles als Erinnerungsort und von Michael Gehler über die europäische Integration – diese Erkenntnis kaum beherzigt wurde. Inhaltlich und in bezug auf die vorgenommenen Bewertungen sind sie konventionell im schlechteren Sinn des Wortes. Ein Manko, das für Sammelbände aber eher typisch und in diesem Fall hinnehmbar ist, angesichts der Qualität, die dem Leser sonst geboten wird.
… Alles vom 2.4.2021 bitte lesen in der JF 14/21, Seite 25
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Tilman Mayer (Hrsg:): 150 Jahre Nationalstaatlichkeit in Deutschland.
Essays, Reflexionen, Kontroversen.
Nomos Verlag, Baden-Baden 2021, broschiert, 338 Seiten, 49 Euro

 

 

Im deutschen Schulbuch wird das 2. Reich lächerlich gemacht
Vor 150 Jahren wurde unser Volk sich politisch bewußt und somit zur Deutschen Nation! Der Schmied der Reichsgründung, Reichskanzler Otto von Bismarck, ist bedauerlicherweise nicht mehr im kollektiven Gedächtnis verankert. Kein Wunder, in Schulbüchern wird das zweite Reich lächerlich gemacht. In Politik und Medien wird unsere Geburtsstunde stiefmütterlich abgetan.
Keine Huldigung und Feierstunde.
Eine Schande!
Identität stiftend für den Zeitgeist sind Gender-Schwachsinn, „Willkommenskultur“ und Lobhuldigung von sexuellen Minderheiten. Doch an der Merkelschen Politik kann das deutsche Volk und die Welt nicht genesen! Dafür aber an den vielen positiven Errungenschaften der damaligen Kaiserzeit.
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Blicken wir feierlich, wertschätzend und mit Stolz auf die 700 Bismarckdenkmäler landauf, landab. Sie sind uns Zeugnisse von Deutschlands Größe in Einigkeit, Recht und Freiheit!
Markus Krauss, Leingarten, 22.1.2021,

 

 

Vor 150 Jahren: Bismarck schafft die Einheit der Nation
Ohne Patriotismus funktioniert ein Land nicht
von Dr. Manfred Schwarz
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Vor 150 Jahren, am 18. Januar 1871, gelang es Fürst Otto von Bismarck, das deutsche Kaiserreich zu gründen. Vielen – besonders links positionierten – Menschen heute gilt dieses Deutschland von damals als Ausgeburt des Chauvinismus und als Vorstufe des Nationalsozialismus. Sehr viele andere meinen, Bismarck sei der ganz große Wurf gelungen: nämlich die „Einheit der Nation“ und die „Gründung eines der modernsten Staaten der Welt“ (Dieter Stein).

Vom patriotischen Willy Brandt zum anti-patriotischen Frank-Walter Steinmeier
Das heutige Deutschland tut sich sehr schwer, der Gründung des Deutschen Reiches vor 150 Jahren angemessen zu gedenken. Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) würdigte 1971 den Reichskanzler noch als einen „der größten Staatsmänner unseres Volkes“. Und die heute hier Herrschenden? Bei fast allen herrscht dröhnenden Schweigen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ein heutiger Sozialdemokrat, verstieg sich – ganz auf der Höhe des „progressiven Zeitgeist“ – zu einer besonders steilen These: „Nach einer nationalen Feier der Reichsgründung verlangt, so mein Eindruck, heute niemand.“ Steinmeier, scheint es, schämt sich eher der Reichsgründung von 1871. Das heutige Staatsoberhaupt meint sogar, „zum guten Teil“ habe der Nationalsozialismus seine „Wurzeln auch im Kaiserreich“ gehabt. So denkt die heutige „politische Elite“.
BVG: Die BR Deutschland ist „rechtsidentisch“ mit dem Bismarckreich
Vor allem dem damaligen preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck ist es zu danken, dass der deutsche Nationalstaat gegründet wurde. Aus staatsrechtlicher Sicht ist die heutige Bundesrepublik Deutschland mit dem Bismarckreich „rechtsidentisch“, wie es das Bundesverfassungsgericht höchstrichterlich schon mehrmals festgesellt hat. Insofern ist es hoch befremdlich, wenn revolutionäre Geister heute – nicht zuletzt aus den Reihen der linksextremistischen „Antifa“ – Bismarck-Denkmaler provozierend beschmutzen oder gar gleich ganz schleifen wollen. In Hamburg-Eimsbüttel haben linke Aktivisten sogar die „Bismarckstraße“ umbenannt. Ausgerechnet „Black-Lives-Matter-Straße“ soll der neue Name lauten.

Lange Zeit: Ein Riesen-Aufschwung
Das Kaiserreich – besonders unter Otto von Bismarck – konnte nach seiner Gründung einen weltweit einzigartigen Aufschwung verzeichnen. Wirtschaftlich, technisch, wissenschaftlich, kulturell und militärisch erlebte die konstitutionelle Monarchie damals über Jahrzehnte eine Blüte, die wohl selbst die Gründungsväter des Reiches anfänglich kaum für möglich gehalten hätten. Die deutsche Sprache war eine Weltsprache, die meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen weltweit wurden auf Deutsch gedruckt. Die deutsche Sozialgesetzgebung war lange international ein Vorbild. Der Reichstag hat im Verlauf der Geschichte bis 1918 immer mehr an Macht und Einfluss gewonnen. Bis zum 1. Weltkrieg konnte das Parlament als ein echter Gegenspieler und Kontrolleur der Exekutive angesehen werden. Grundlage des parlamentarischen Selbstverständnis war die nationale Identität.
Die heutige Mehrheit im Bundestag – gebildet durch die Koalitionsfraktionen – ist dagegen ein lupenreines Stützorgan der Bundesregierung, das nicht kontrolliert, sondern mit allen Mitteln und stets versucht, der Regierung fast unterwürfig zur Seite zu stehen und alle Angriffe resolut abzuwehren, die von der Opposition kommen. Sofern eine echte Opposition überhaupt noch vorhanden ist.

Fehlentwicklungen hat es auch in anderen Staaten gegeben
Natürlich gab es auch im Kaiserreich – insbesondere nach dem Rücktritt Otto von Bismarcks im Jahr 1890 – große Fehlentwicklungen. Aber die hat es in anderen europäischen Ländern auch gegeben. Der Professor für Neueste Geschichte Rainer F. Schmidt stellt dazu fest: „Selbst der viel geschmähte Kolonialismus lag im Trend der Zeit“. Alle führenden Nationen damals „griffen nach Übersee aus und huldigten einem missionarischen Rassenstolz“. Frankreich habe „das Zwanzigfache, England das Neunzigfache an Kolonien im Vergleich zum Mutterland“ besessen. Ähnliches galt für Russland, Holland und Belgien.
Der Beginn des Weltkrieges von 1914 war der Anfang vom Ende dieses Kaiserreiches. Die immer wieder aufgestellte Behauptung, das Deutsche Reich habe diesen Krieg initiiert, ist freilich ein Märchen.
Auch angesehene Historiker aus dem Ausland – wie Christopher Clark – sagen heute: Der Weltkrieg ist durch die schweren Auseinandersetzungen zwischen Serben und Österreichern vom Zaun gebrochen worden. Die damaligen Weltmächte – und zwar alle -, die in Europa den Ton angaben, sind blind in den Weltkrieg hinein gestolpert. Die Regierungen wurden dilettantisch geführt. Die hohe diplomatische Kunst eines von Bismarck war auch in Deutschland längst in Vergessenheit geraten.

Nationale Identität: Grundlage für ein Parlament
Nach der Weimarer Republik folgte die unselige Diktatur der Nationalsozialisten. Am Ende des verheerenden 2. Weltkriegs, den das NS-Reich verschuldete, war Deutschland total zusammen gebrochen.
Im Nachkriegs-Deutschland galt es zumindest im damaligen Westdeutschland, einen neuen – einen demokratischen – Staat aufzubauen. In jenen Jahren nach dem Weltkrieg war völlig unstrittig, dass sich die neue Bundesrepublik Deutschland „in einer staatlichen Kontinuität sah“ (Dieter Stein). Dieses historisch fundierte Staatsdenken wurde auch dadurch deutlich, dass die Gründungsväter der Bundesrepublik als politische Symbole zum Beispiel den „schwarzen Adler“ und das „Eiserne Kreuz“ wählten.
Auch für diese Zeit gilt das, was die Historikern Hedwig Richter (“Demokratie – eine deutsche Affäre“) formuliert hat: Ohne nationale Identität wäre ein damals mächtiger Bundestag gar nicht erst entstanden.
Die Vorstellung, die heute in den meisten Medien des Mainstreams sorgfältig gepflegt wird, heutzutage befänden sich die Bürger hierzulande in einer „postnationalen“ Phase, wird auch durch die neuesten Entwicklungen in Europa und Deutschland deutlich widerlegt. Natürlich war es richtig, nach den beiden Weltkriegen in Europa eine dichte politische, kulturelle und wirtschaftliche Kooperation aufzubauen.

Ohne Patriotismus funktioniert ein Land nicht
Aber wer heute sagt, eine angebliche „europäische Identität“ könne die „nationale Identität“ ersetzen, ist weit weg von den gesellschaftlichen Realitäten. Die Hilflosigkeit der riesigen, aufgeblähten Europäischen Union – mit inzwischen 27 Ländern – angesichts der nicht enden wollenden Massenzuwanderung aus dem Ausland spricht zum Beispiel Bände.
Dass jetzt die Europäische Kommission im Zeichen der Corona-Krise nicht einmal in der Lage ist, auch nur annähernd die Menge von Impfmitteln zur Verfügung zu stellen, die die EU-Führung selbst als notwendig erachtete, unterstreicht nochmals die Ohnmächtigkeit des EU-Monstrums.
Staaten wie die politisch autonomen USA, Großbritannien und sogar das kleine Israel zeigen, wie auf der Basis eines funktionierenden Nationalstaates die Riesen-Probleme erfolgreich in Angriff genommen werden können, die den zentralistisch geführten EU-Riesen wiederum ins Wanken bringen.

In schweren Zeiten hofft niemand auf die EU
Im Zeichen einer großen Krise setzen die Menschen in Europa ihre Hoffnung nicht auf die offensichtlich unfähigen Apparatschiks im Brüsseler Zentral-Apparat. Instinktiv spüren die Bürger hierzulande, dass sie in schweren Zeiten verloren sind, wenn sie auf effektive Hilfe der fernen und unfähigen EU-Bürokratie hoffen. Zur Verantwortung ziehen können die Menschen in Europa, das nicht zu verwechseln ist mit der EU, ohnehin nur ihre nationalen Regierungen.
Gerade in der Zeit existenzbedrohlicher Krisen zeigt sich, dass ein Land ohne nationale Identität – und ohne einen gesunden Patriotismus – auf Dauer gar nicht funktionieren kann. Dabei ist Patriotismus, der in den USA, Großbritannien, Russland oder Frankreich ganz selbstverständlich ist, etwas ganz anderes als der gefährliche Nationalismus, der das eigene Land höher stellt als andere Staaten.
Ein Patriot identifiziert sich mit seinem eigenen Nationalstaat und will auch etwas tun für seine Nation. Ein demokratischer Patriot ist bereit, anderen Ländern, die in Not geraten sind, zu helfen. Dabei dürfen allerdings die Grundinteressen der eigenen Nation nicht untergraben werden.
… Alles vom 18.1.2021 von Manfred Schwarz bitte lesen auf
https://reitschuster.de/post/vor-150-jahren-bismarck-schafft-die-einheit-der-nation/
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Dr. Manfred Schwarz (Politologe): Zivillehrer an der Hamburger Landespolizeischule, dann etliche Jahre Berufsschullehrer und Dozent in der staatlichen Lehrerfortbildung (Bereich: Politik); jeweils acht Jahre Medienreferent in der Hamburger Senatsverwaltung und (nebenamtlich) Vizepräsident des nationalen Radsportverbandes BDR (verantwortlich für die bundesweite Medienarbeit / Herausgeber einer Internet-Radsportzeitung). CDU-Mitglied, sechs Jahre Mitglied des Hamburger CDU-Landesvorstands. Heute Autor für verschiedene Internetportale mit den Schwerpunkt-Themen Politik und Medien

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Nationalstaat 1971-2021: Hurra, wir haben Geburtstag!
Vor 150 Jahren gelang Otto von Bismarck der große Wurf: die Einheit der Nation und Gründung eines der modernsten Staaten der Welt Schwerpunkt der Ausgabe
Dieter Stein
Woran liegt es nur, daß wir uns so schwertun, würdig der Gründung des Deutschen Reiches vor 150 Jahren zu gedenken? Warum gibt es keine Sondersitzung des Bundestages, keine Sondermarke der Post? Andererseits: Denkt nicht ein im Jahr 2000 geborener Deutscher, wenn er von der Proklamation des Kaisers am 18. Januar 1871 in Versailles hört: Sind das Grüße aus der Gruft einer längst – und verdient? – untergegangenen Ordnung?
Das Bewußtsein muß offenbar erst mühsam wieder wachgerufen werden, daß durch den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck nicht irgendein längst verdämmertes Reich, sondern im Kern der moderne deutsche Nationalstaat gegründet wurde. Dies drückt sich für manchen überraschend in der Tatsache aus, daß die Bundesrepublik nicht etwa nur entfernt verwandt, sondern sogar mit dem Bismarckreich „rechts­identisch“ ist. Dies sah sich das Bundesverfassungsgericht gezwungen, mehrere Male festzustellen. Das heißt: Wir kommen nicht aus unserer Haut. Unser Staat ist nicht wie ein Ufo im Jahr 1949 gelandet – er ist schon seit 150 Jahren da.

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht mithin, ob sie will oder nicht, auf den Schultern des Eisernen Kanzlers. Insofern ist es rührend, wenn linke Bilderstürmer jüngst wieder das Schleifen von Denkmälern des Architekten des deutschen Einheitsstaates fordern, den der sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt 1971 noch als „einen der größten Staatsmänner unseres Volkes“ würdigte. Mit rund 700 Denkmalen ist Bismarck nebenbei der mit Abstand meistgeehrte Deutsche.

Die Verlegenheit, mit der das offizielle Deutschland dem Jubiläum seiner staatlichen Gründung vor 150 Jahren begegnet, hat mit den Niederlagen in den Weltkriegen und vor allem dem moralischen Bankrott unter der Hitler-Diktatur zu tun. Der totale Zusammenbruch vom 8. Mai 1945 warf die Frage auf, ob „Die deutsche Katastrophe“, wie der Historiker Friedrich Meinecke eine 1946 veröffentlichte Abhandlung nannte, nicht in diesem 18. Januar 1871 und seiner Vorgeschichte ihren Ursprung hat. Es war dennoch unstrittig, daß sich die Bundesrepublik in einer staatlichen Kontinuität sah. Dies kommt in ihren nationalen Symbolen (Adler und Eisernes Kreuz) sinnbildlich zum Ausdruck.

Zum eigentlichen geschichtspolitischen Bruch kam es erst mit der radikalen Umdeutung der deutschen Geschichte im Gefolge der 68er-Kulturrevolution, die auf die grundsätzliche Absage an eine Nationalgeschichte, an den historischen Sinn einer Nation als Wert überhaupt hinausläuft. Indessen arbeiten Historiker die Bedeutung des Nationalstaates und der Leistung Bismarcks neu heraus. Hedwig Richter („Demokratie – eine deutsche Affäre“) brachte gerade auf den Punkt, wie die Nation „Identität, Zugehörigkeit, in gewisser Weise Geborgenheit“ schenke: „Ohne nationale Identität wäre das Parlament nicht praktikabel gewesen.“
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Die napoleonische Besetzung Europas hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die Modernisierung deutscher Länder erzwungen. Die preußischen Reformen, die Befreiungskriege 1813/14 waren die Geburtsstunde der Nationalbewegung in Deutschland. Der Ruf nach Einheit wurde immer lauter. Doch wem sollte der Wurf gelingen? Der patriotische Dichter Heinrich Heine hatte zu Recht die unpolitische deutsche Weltflucht ätzend kritisiert: Die von Nationalromantikern besungene „deutsche Seele“ sei stolz auf ihren Flug „in nächtlichen Träumen“. Während den Franzosen und Russen das Land gehöre, den Briten das Meer, besäßen die Deutschen „im Luftreich des Traums die Herrschaft unbestritten“. Mit Bismarck nahm Deutschland endlich staatliche Gestalt an und wurde zum historischen Subjekt.
Im Angesicht der Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtland, der größten Backsteinbrücke der Welt, läßt sich erahnen, in welche ungeheure Beschleunigung Deutschland und Europa durch die Entfesselung der Dampfkraft Anfang des 19. Jahrhunderts eingetreten war. Das im Auftrag der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn-Compagnie 1851 fertiggestellte, mit 98 Bögen fast 600 Meter überspannende atemberaubende Bauwerk, das die Strecke von Leipzig zum bayerischen Hof schließen half, symbolisiert, mit welchem rasanten Tempo die Distanzen im noch zersplitterten Deutschland schrumpfen sollten.
Die Eisenbahn, die Telegrafie und die bald einsetzende Elektrifizierung ließen die industrielle Entwicklung auf dem Kontinent schier explodieren. Es war zwingend, daß diese technisch-ökonomische Revolution zu einer größeren staatlichen Einheit führen mußte und der Zustand beendet wurde, daß das zersplitterte Deutschland Turnierplatz und Spielball der Großmächte blieb.
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Das Deutsche Reich wurde einer der modernsten Staaten der Welt. So sehr Bismarck ursprünglich ein erzkonservativer Junker war: Er hatte erkannt, daß die herkömmlichen Strukturen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung nicht mehr gewachsen waren und nach dem Fehlschlag der demokratischen Nationalbewegung 1848/49 Preußen die Initiative übernehmen mußte, das auf der Hand liegende zu organisieren: die unter den Bedingungen der Zeit realpolitisch machbare Staatlichkeit der deutschen Nation.
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Die Vorstellung, wir befänden uns nun heute in einer postnationalen Epoche, widerlegt die aktuelle Lage. So sehr die europäische Kooperation eine richtige Lehre aus zwei Weltkriegen ist, kann von einer die nationale ersetzenden europäischen Identität keine Rede sein.
Es gibt keine echte Alternative zum Erfolgsmodell der Nation als Garant des Rechts- und Sozialstaates und der Demokratie.
Ernstfälle wie die Asylkrise seit 2015 und die Corona-Krise zeigen, wie die politischen Akteure auf den Nationalstaat zurückgeworfen werden. Zur Verantwortung ziehen schließlich die Bürger nicht eine anonyme Brüsseler Bürokratie, sondern nach wie vor ihre nationalen Regierungen.
… Alles vom 15.1.2021 von Dieter Stein bitte lesen in der JF 3/21, Seite 1
https://www.junge-freiheit.de

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Heinrich August Winkler: Europas falsche Freunde
Zu den Besonderheiten Europas gehört seine historisch gewachsene nationale Vielfalt. Wer die Nationalstaaten abschaffen will, zerstört die Gemeinschaft und fördert den Nationalismus.
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Ist Walter Hallstein, der erste Präsident der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in den Jahren 1958 bis 1967, wirklich der Vordenker der europäischen Sezessionisten, als der er neuerdings von einigen Autoren porträtiert wird? Drei mehr oder weniger gleichlautende Äußerungen werden ihm zugeschrieben.
Erstens: „Die Abschaffung der Nation ist die europäische Idee.“
Zweitens: „Das Ziel des europäischen Einigungsprozesses ist die Überwindung der Nationalstaaten.“
Drittens: „Ziel ist und bleibt die Überwindung der Nation und die Organisation eines nachnationalen Europa.“ In den Reden und Schriften Walter Hallsteins sind diese Aussagen nicht zu finden. … Solange es keine belastbaren Belege für die Hallstein zugeschriebenen Zitate gibt, müssen diese als apokryph, das heißt als unecht, gelten.

Für die Freunde der Europäischen Republik spielt es offenbar keine Rolle, ob die Völker Europas die Auflösung der Nationalstaaten und deren Ersetzung durch Regionen überhaupt wollen. In den meisten Staaten der Europäischen Union gibt es zurzeit nicht die geringsten Anzeichen für einen erstarkenden Sezessionismus. Ihre Bürger empfinden unbeschadet aller regionalen Besonderheiten die Zugehörigkeit zu ihrer Nation als selbstverständlich, und im Nationalstaat sehen sie den einzig verlässlichen Hüter von Rechtsstaat, Sozialstaat und Demokratie.

Die Abschaffung der Nationen und Nationalstaaten aber lag nicht in der Absicht der Wegbereiter der Europäischen Union und auch nicht in der von Walter Hallstein, dem Verfechter eines bundesstaatlich verfassten Europas. Sie waren sich bewusst, dass die Wurzeln der meisten europäischen Nationen bis tief ins Mittelalter zurückreichen und die der älteren Nationalstaaten ebenfalls. Sie hatten recht: Zu den Besonderheiten Europas gehört seine historisch gewachsene nationale Vielfalt. Wer die Nationen und die Nationalstaaten abschaffen will, zerstört Europa und fördert den Nationalismus.
… Alles von Heinrich August Winkler vom 23.10.2017 bitte lesen auf
https://www.spiegel.de/spiegel/heinrich-august-winkler-ueber-robert-menasse-europas-falsche-freunde-a-1174045.html

Heinrich August Winkler:
„Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika“