Deutschland-Russland

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Demo-Antwort zu „Es gibt keine roten Linien“ von Olaf Scholz in Freiburg 1/2022

 

 

Maaßen: Nicht Putin zwingt dieses Land in die Knie
„Die Deutschen müssen zuerst einmal begreifen, daß es nicht Putin oder irgendein Virus ist, die dieses Land und seine Bewohner in die Knie zwingen. Es ist die deutsche Politik in Berlin selbst, die uns diesen schweren Schaden zufügt. Um nicht das Opferlamm zu werden, steht es also jedem Bürger laut Grundgesetz frei, auf die Straße zu gehen und friedlich zu demonstrieren. Das ist der Weg.“
Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, in der „Südthüringer Rundschau“ am 2. November 2022

 

Reitschuster zu Putin: „Ich unterscheide zwischen Verständnis und Verstehen“
… ich habe 16 Jahre in Russland gelebt und sowohl den Zusammenbruch eines Systems erlebt als auch die Demontage von Demokratie.

Ich unterscheide zwischen Verständnis und Verstehen. Natürlich muß man versuchen, Putin zu verstehen und was der Westen falsch gemacht hat: Leider zu viel. Wenn Sie solche Töne von mir jetzt überraschen: Ich folge eben keiner Ideologie und will auch niemanden belehren. Wobei ich gestehe, dass mir früher diese Sünde auch nicht fremd war.
Was Putin angeht, so ist meine kritische Haltung zu ihm bekannt. Dennoch meine ich nicht, wie viele Kollegen, dass Russland am deutschen oder westlichen Wesen genesen muss. Und ich sehe auch, dass etliches, was Putin tut, auch eine Reaktion auf genau diese Haltung ist.
… Alles vom 23.10.2022 bitte lesen auf
https://reitschuster.de/post/ich-fuerchte-einen-dramatischen-politischen-zerfall

 

Ein Bild: Frieren für Frieden – Waffen für Ukraine – Testen gegen Corona
Am 29.8.2022 vor der TU Berlin an der Strasse des 17.Juni in Berlin-Charlottenburg: Der Schriftzug „Erfrieren für den Frieden gegen Putin“, die Flaggen der Ukraine an einem öffentlichen Gebäude und eine „Kostenloser Bürgertest“-Station zu Corona. Das Bild von David Berger ist weder Satire noch Photoshop-Bildbearbeitung, sondern Realität – ein Schnappschuß, der nachdenklich macht.

Deutschland im August 2022: Frieren für Frieden – Waffen für Ukraine – Testen gegen Corona

Kann man für den Frieden frieren bzw. gegen Putin frieren. Und dazu noch „erfrieren“, somit also ein Aufruf zum Suizid? Verbirgt sich im Hinblick auf die immensen Waffenlieferungen (auch Panzer) an die Ukraine hinter „Erfrieren für den Frieden“ nicht in gar ein „Erfrieren für den Sieg“? Wobei die Ukraine in der europaweiten Rankung der Korruption auf Platz 2 steht – direkt hinter Russland. Wer evaluiert den Einsatz der Gelder und Waffen in solch korruptes Umfeld? Niemand.

Mit der Beflaggung öffentlicher Gebäude wird die Ukraine zur deutschen Staatsraison erklärt. Das trifft bislang nur für Israel zu – und dies nur verbal, nicht aber über die Nationalflagge. Wurde die deutsche Bevölkerung als Souverän dieses Staates zu diesem grundlegenden Schritt jemals befragt? Nein.

Zum dritten Punkt des o.a. Bildes: In den meisten EU-Ländern wurde Corona offiziell für beendet erklärt – klammheimlich wie in Österreich oder mit Präsidentenrede wie in Frankreich. In GBR sind die Verantwortlichen für Lockdown, Zwangsimpfung und Ausgrenzung schon so weit, sich für ihre Irrtümer zu entschuldigen. Und in Deutschland? Hier herrscht weiter das Corona-Regiment.
1.9.2022

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Motto an TU Berlin: „Erfrieren für den Frieden gegen Putin“
Ich muss gestehen, dass es mir inzwischen nicht mehr ganz klar ist, ob der Satz ironisch gemeint ist oder ernst.
In einem Land, das sich unter dem Motto „Kampf für Demokratie“ gegen einen Schnupfen und „gegen rechts“ in Windeseile eine die Menschenrechte als Privilegien betrachtende, totalitäre, kriegstreibende Demokratur verwandelt, ist es praktisch kaum noch möglich zwischen Satire und Realität zu unterscheiden.
… Alles vom 31.8.2022 bitte lesen auf
https://philosophia-perennis.com/2022/08/31/motto-an-th-berlin-erfrieren-fuer-den-frieden-gegen-putin/

Einige Kommentare:
Sollte es ernst gemeint sein,
was ja angesichts Robert Nefs Einschätzung (https://www.robert-nefs.ch ) „Eine große Mehrheit von Menschen ist fast grenzenlos bereit, sich fremdbestimmen zu lassen, wenn eine Bedrohung gouvernemental und medial eindrücklich genug vermittelt wird.“ nicht ausgeschlossen werden kann, so fällt mir darauf spontan ein:
„Hör dir an, was ein Prophet zu sagen hat, und wenn er von Opfern spricht, lauf, so schnell du kannst. Denn dein Verstand sagt dir, dass es, wo geopfert wird, jemanden gibt, der die Opfergaben einsammelt. Wo gedient wird, gibt es jemanden, dem gedient wird. Wer von Opfern spricht, spricht von Sklaven und Herren – und will der Herr sein.“ – Ayn Rand.
Zumindest kann man ja davon ausgehen, dass unsere Regierung uns Opfer für den „Kampf gegen den bösen Putin und für die Demokratie“ in der Ukraine, den „Kampf gegen die Klimaerwärmung“ sowie den „Kampf gegen das Corona Virus“ auferlegt. Sind zwar alles imaginäre Feinde, die Opfer sind jedoch real.
31.8.2022, Ern

Natürlich ist das Satire.
An einer TU werden keine Geschwätzwissenschaftem gelehrt. Die MINT-Leute – das betrifft fast ausnahmslos alle Studenten und Lehrbeauftragte in den technischen Disziplinen – sind bodenständige Menschen mit gesundem Menschenverstand und Weitblick. Nicht vergleichbar mit dem, was sich an Universitäten herumtreibt.
Natürlich ist das Satire.
31.8.2022, F.V.

Nicht für Frieden frieren, sondern für den Sieg
anzubringen: Es soll ja nicht für den Frieden, sondern für den Sieg gefroren werden. Diejenigen, die von uns zu frieren verlangen, wollen keinen Frieden, sie wollen einen Krieg der noch Jahre dauern kann (Baerbock).
31.8.2022, E.K.
Ende Kommentare

 

Warum Rußland den Krieg in der Ukraine nicht verlieren kann, aber ein Sieg Rußlands Niedergang nicht aufhalten wird
Ohne strategische Klugheit
Erich Weede

Im Westen hört man häufig die Forderung, die Ukraine müsse den Krieg gegen Rußland gewinnen. Es wäre schön, wenn der Angreifer Putin den Krieg verlöre, wenn alle anderen, die vielleicht mit Angriffsgedanken spielen, daraus lernen würden, daß Angriffe gegen benachbarte Staaten nur das Vorspiel zur eigenen Niederlage sind. Aber leben wir in einer Welt, in der die Tugend siegt, das Völkerrecht bald herrschen wird und am Ende sogar das Militär langsam überflüssig wird? Das scheint niemand zu glauben. Sonst würden die Amerikaner nicht ihre beachtlichen Rüstungsanstrengungen weiter verstärken, Schweden und Finnen nicht der Nato beitreten wollen und selbst das halb-pazifistische Deutschland nicht hundert Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr bereitstellen, obwohl zumindest die regierenden Sozialdemokraten und Grünen das Geld viel lieber für Sozialleistungen ausgäben.

Man kann sich verschiedene Kriegsverläufe oder Szenarien vorstellen und dann deren Wahrscheinlichkeiten abschätzen. Das Wunschszenario des Westens ist der Sieg der Ukraine. Der kann mehr oder weniger deutlich sein. In der Minimalvariante treiben die Ukrainer die Russen in die Stellungen zurück, die sie am 23. Februar 2022 hielten. In der mittleren Variante des ukrainischen Sieges werden die Russen auch aus den Teilen des Donbass vertrieben, die pro-russische Rebellen seit 2014 erobert hatten. In der Maximalvariante des ukrainischen Sieges müssen die Russen auch die Krim aufgeben, die sie schon 2014 der Ukraine abgenommen hatten. Alle drei Varianten wären Demütigungen Putins und Rußlands, auch wenn sie sich im Ausmaß der Demütigung unterscheiden.

Denkbar ist immer auch ein Sieg Rußlands im konventionellen Krieg. Zwar haben sich die russischen Streitkräfte bisher unerwartet schlecht und die ukrainischen Streitkräfte in Anbetracht ihrer Unterlegenheit an Zahl der Soldaten und Ausrüstung unerwartet gut geschlagen, aber das Kriegsglück kann sich ändern. Kriegsverläufe sind schwer vorhersehbar. Auch hier kann man sich minimale, mittlere und maximale Varianten des russischen Sieges vorstellen. Bei der minimalen Variante fällt nur der ganze Donbass in russische Hand, aber Putin gibt die im Juni 2022 noch von ihm besetzte Landbrücke zur Krim wieder auf, vielleicht gegen andere ukrainische Zugeständnisse. Bei der mittleren Variante bekommt Putin den ganzen Donbass und die Landbrücke zur Krim. Bei der maximalen Variante des russischen Sieges fällt die gesamte Ukraine unter russische Kontrolle.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, um die Wahrscheinlichkeiten der Siegesszenarien abzuschätzen. Man könnte die Streitkräfte beider Seiten, deren Kampfbereitschaft und Fähigkeiten, den Einfluß der westlichen Waffenlieferungen und der Sanktionen auf die russische Wirtschaft und denkbare Kampfverläufe analysieren. Das werde ich nicht tun, weil es hier nicht um die Abschätzung der mutmaßlichen Dauer und der Opfer des Krieges geht, sondern nur darum, wer letztlich die Oberhand haben wird. Das hängt meines Erachtens allein von der Tatsache ab, daß die Russische Föderation über ein reichhaltiges Arsenal an Nuklearwaffen verfügt, die Ukraine aber nicht. Nur das amerikanische Arsenal dürfte von der Menge und Vielfalt der einsetzbaren Kernwaffen mit dem russischen vergleichbar sein. Amerikaner und Russen haben gute Gründe, die gegenseitige Vernichtung im Atomkrieg zu fürchten. Deshalb haben die Amerikaner den Russen bisher auch nicht damit gedroht, ihre Nuklearwaffen zum Schutz der Ukrainer gegen Rußland einzusetzen.

Wenn der Kriegsverlauf für Moskau so ungünstig würde, daß ein konventioneller russischer Sieg in weite Ferne rückte, daß das Halten der Landbrücke zur Krim und des Donezbeckens in Gefahr geriete oder gar die russische Kontrolle der Krim, dann kann der Kreml – ich verwende diesen Ausdruck, weil es auf das russische Potential und nicht die Person Putin ankommt – Nuklearwaffen (oder auch andere Massenvernichtungsmittel) einsetzen, um den Ukrainern und dem Westen zu signalisieren, daß er eine konventionelle Niederlage nicht hinnehmen wird.

Obwohl es plausibel ist, daß der Kreml zunächst taktische Atomwaffen gegen militärische Ziele in der Westukraine einsetzen würde, kommt es weniger auf die Details an, sondern auf die damit signalisierte Eskalationsbereitschaft des Kremls. Plausibelstes Ziel der nuklearen Eskalation wäre es, die Ukrainer an den Verhandlungstisch und zu einem für Rußland günstigen Waffenstillstand oder Frieden zu zwingen. Wenn der Westen danach weiter schwere Waffen an die Ukrainer liefert, könnte der Kreml den Einsatz von Atomwaffen in der Westukraine ausweiten.

Mit dem Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine wären wir dem großen Atomkrieg, der Vernichtung Europas und vielleicht eines großen Teils der Menschheit, nähergerückt. Weil man im Kreml die Kontrolle von zumindest Teilen der Ukraine für eine existentielle Frage hält, im Westen aber nicht, ist ein russischer Erst­einsatz von Atomwaffen in der Ukraine viel leichter vorstellbar als eine nukleare Vergeltung des Westens in diesem Falle. Das ist klar, weil der Westen vor dem 24. Februar immer die Nicht-Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato betont hat und seitdem zwar Waffen liefert und mit Sanktionen gegen Rußland vorgeht, aber nicht Kriegspartei sein will.

Man mag mit Recht beklagen, daß Putin mit dem Angriff auf die Ukraine einen ersten Schritt Richtung Atomkrieg getan hat. Mit dem denkbaren Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine hätte er einen zweiten und großen Schritt in diese Richtung gemacht. Aber für die USA oder den Westen wäre es sicher nicht klug, nun auf demselben Weg voranzuschreiten. Deshalb wäre das plausibelste Ende dieses Szenarios, daß der Kreml mit dem Einsatz von Nuklearwaffen in der Ukraine so etwas Ähnliches wie einen russischen Sieg erreicht, also mindestens Landgewinn im Donbass und wohl auch die Landbrücke zur Krim. Wenn der Westen das verhindern wollte, dann bliebe nur die Bereitschaft zum großen Krieg, also das Risiko des Untergangs Europas und vielleicht der Menschheit.

Was folgt aus dieser pessimistischen Analyse? Weder die Tapferkeit der ukrainischen Verteidiger noch westliche Waffenlieferungen, noch zum Wirtschaftskrieg eskalierende Sanktionen des Westens gegen Rußland können die russische Eskalationsdominanz neutralisieren. Dadurch kann nur der Krieg verlängert und die Zahl der Opfer vergrößert werden. Eine aussichtslose Lage (der Ukraine) wird nicht durch Wunschdenken bewältigt. Illusionen können aber den Atomkrieg vorbereiten. Die naive Begeisterung über ukrainische Siege in Europa kontrastiert mit ausgewogenen Analysen mancher prominenter Amerikaner wie Allison, Kissinger oder Mearsheimer, die sich im Gegensatz zu den meisten Europäern und fast allen Deutschen schon lange mit strategischen Fragen beschäftigen.

Wenn man den Krieg in der Ukraine im Zusammenhang mit der weltpolischen Rivalität zwischen der aufsteigenden Weltmacht China und der etablierten Weltmacht USA sieht, dann wird dieser Krieg den Niedergang Rußlands einleiten, fast unabhängig davon, ob Rußland sich nur Teile der Ukraine einverleibt oder das ganze Land. Falls Rußland tatsächlich Atomwaffen einsetzen wird, um sich in der Ukraine durchzusetzen, dann wird es für die westliche Welt auf lange Zeit zum Paria, dann werden die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen Rußland noch lange Zeit nach dem Krieg bestehenbleiben. Trotz der kurzfristig ausbleibenden Erfolge westlicher Sanktionen dabei, die militärischen Optionen Rußlands in der Ukraine zu reduzieren, werden die langfristigen Folgen des Wirtschaftskrieges für Moskau negativ sein. Rußlands ohnehin niedrige Wachstumsrate wird eher sinken als steigen. Der stark rückläufige Handel mit dem Westen wird Rußland dazu zwingen, seine Volkswirtschaft nach China hin auszurichten, Chinas Lieferant von Rohstoffen zu werden.

Weil China gegenwärtig über ungefähr die zehnfache Bevölkerung und Wirtschaftskraft Rußlands verfügt, ist kaum vermeidbar, daß Rußland im Laufe der Zeit Chinas Juniorpartner wird. Noch verhindert Moskaus riesige nukleare Überlegenheit über Peking – bei den einsatzfähigen Nuklearwaffen könnte das Verhältnis 10 zu 1 zugunsten Rußlands sein –, daß Rußland zum Satelliten Chinas wird. Aber die kommunistische Volksrepublik wird beim beginnenden Wettrüsten gegen die USA nebenbei auch das militärische Kräfteverhältnis zu Rußland korrigieren.
China hat das wirtschaftliche Kräfteverhältnis gegenüber Rußland in der Vergangenheit ständig verbessert. Ende der 1970er Jahre, vor Beginn der Reformen in Chinas Volkswirtschaft, war das Verhältnis der Wirtschaftskraft noch 1 zu 4 zugunsten der Sowjetunion. Weil Rußland nach Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft ungefähr die Hälfte des ehemaligen Sowjetimperiums darstellt, könnte man auch hypothetisch von 2 zu 1 zugunsten Rußlands damals ausgehen. Eine Veränderung von 2 zu 1 zugunsten Rußlands auf 10 zu 1 zugunsten Chinas deutet die unterschiedliche Dynamik beider Wirtschaftsräume an.

Rußland wird also Mühe haben, auch nur seine gegenwärtige Position relativ zu China zu halten. Zwar bekommt China wegen des Ergrauens der Bevölkerung große demographische Probleme, aber die hat Rußland auch, so daß man diesen Faktor bei der Betrachtung des Kräfteverhältnisses zwischen beiden Staaten vernachlässigen kann. Wenn Rußland durch den Ukraine-Krieg und den vorstellbaren Einsatz von Nuklearwaffen dort die Option zu einer stärkeren Westorientierung verliert, dann wird Rußland Chinas Juniorpartner werden, dann ist der langfristige Sieger des Krieges in der Ukraine das unbeteiligte China. Seine Einflußsphäre wird künftig bis zum ehemaligen Königsberg und Sankt Petersburg reichen. Verglichen damit ist das Schicksal der Ukraine von geopolitisch untergeordneter Bedeutung.

Gegenwärtig rivalisiert der Westen in der Ukraine mit Rußland – durch Waffenlieferungen und Wirtschaftshilfe für die Ukraine und Sanktionen gegen Rußland – und global mit China. Die westliche Politik impliziert, Rußland und China in ein Bündnis zu zwingen. Das ist das Gegenteil von strategischer Klugheit.
… Alles vom 5.8.2022 von Erich Weede bitte lesen in der JF 32/22, Seite 18
https://www.junge-freiheit.de

Prof. em. Dr. Erich Weede, Jahrgang 1942, Dipl.-Psychologe und Politikwissenschaftler, lehrte Soziologie an den Universitäten Köln und Bonn. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Friedrich-A.-von-Hayek-Gesellschaft.

 

 

Selenskyj: Leben in der Eindimensionalität
Die Zusammenarbeit mit Russland, dem von deutschen Soldaten millionenfach geschändeten Nachbarn, wurde zur neuen deutschen Staatsräson. Aus Rivalen wurden Partner, aus Partnern wurden Freunde, so schien es zumindest.

Doch plötzlich gelten die Erfolge der deutschen Ostpolitik – als da wären die internationale Rüstungskontrolle, die Stärkung der Menschenrechte, die deutsch-deutsche Annäherung und schließlich die gewaltfreie Wiedervereinigung – nicht mehr als Erfolge, sondern als Vorbereitung zum Verrat. Auch die wirtschaftlichen Austauschbeziehungen – einst zum „beiderseitigen Vorteil“ verabredet, wie man damals sagte – stehen nun im fahlen Lichte da.
Sie haben eben auch Putins Kriegskasse gefüllt. Sie haben, der Terminus vom beiderseitigen Vorteil enthüllt es, ihm und uns zeitgleich genutzt. Anders, aber das nur nebenbei, lassen sich in einer liberalen Wirtschaftsordnung keine Geschäfte machen.
Diese nunmehr im Blitzlicht des Krieges vorgenommene Nachbelichtung der jüngeren deutsch-russischen Geschichte speist den Furor des Wolodymyr Selenskyj. Seine Weltsicht – das ist der tiefere Sinn der Pilgerfahrten – soll nun auch die unsrige werden. Wir sollen nicht nur mit ihm in den Krieg ziehen, was wir längst tun und trotz aller Risiken auch tun müssen. Wir sollen mit Hurra in den Krieg ziehen, wogegen sich eine kleiner werdende Koalition der Unwilligen noch sperrt.

Denn hier genau liegt der Unterschied. Unterstützt der Westen den Freiheitskampf der Ukrainer – was seine Pflicht ist – oder erklärt er Russland den Krieg, was eine große Torheit wäre? Will er Putins Armee zurückdrängen oder will er ihn selbst erledigen? Will er den begrenzten oder den totalen Krieg? Suspendiert er seine Beziehungen zum Aggressor oder suspendiert er mit einem Federstrich auch die Idee einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland?
… Alles vom 10.5.2022 in Pioneer Briefing bitte lesen auf
https://www.news.gaborsteinhart.com

 

Künstle’s Sicht: Deutsch-russische Beziehungen im Zeitraffer
– Vor 100 Jahren in Rapallo: Chuzpe der Verlierer des 1. WK
– Mehr Kooperation und Verträge als Zwietracht und Krieg
– Eine Katastrophe, würde alles wegen der Ukraine zerstört
von Albrecht Künstle

So schlecht wie das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland derzeit ist, war es zuletzt 1941 beim Überfall Hitlerdeutschlands auf Sowjet-Russland. Bundeskanzler Scholz warf am 8. Mai Putin Geschichtsfälschung vor, weil er behauptet, Russland wolle die Ukraine von Faschisten befreien, die es wohl in jedem Land gibt, auch in Kiew und Moskau. Aber es ist einer der wenigen Punkte, bei denen Scholz recht hat. Putins Truppen sind nicht wegen ein paar Tausend Nazis in die Ukraine einmarschiert, genauso wenig wie die Alliierten Hitlerdeutschland von Nazis befreien wollten Es geht um mehr, was hier jedoch nicht vertieft werden soll. Mit diesem Artikel soll die jüngere deutsch-russische Geschichte in Erinnerung gerufen werden – eine Positive!

Es war vor ziemlich genau 100 Jahren, als sich am 16. April im norditalienischen Rapallo die beiden Verlierer des Ersten Weltkrieges, Deutsche und Russen, trafen, während in Genua eine Wirtschaftskonferenz der Siegermächte stattfand. In Genua ging es um Reparationszahlungen des Deutschen Reiches im Rahmen des Versailler Vertrages, dem der Friede von Brest-Littowsk vorausging. Und da trafen sich nur 25 km entfernt eine Handvoll „Verlierer“ und vereinbarten in Rapallo, gegenseitig auf Reparationszahlungen zu verzichten. Sowie um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen einer Meistbegünstigungsklausel und mehr. Hier der Vertragstext. Dieses war „Der erste Streich“ einer gedeihlichen Verständigung.

Nur vier Jahre später am 24. April 1926 gab es dann sogar einen Freundschaftsvertrag, der für beide Seiten vorteilhaft war. Deutschland war durch den Versailler Vertrag geknechtet, obwohl es nicht der Verursacher des Ersten Weltkrieges war. Hier der Vertragstext. Diesem Vertrag ging 1925 ein Handelsvertrag voraus. Deutsche Firmen bauten z.B. riesige Bagger für Sowjetrussland, das uns Rohstoffe lieferte. Mein Vater fuhr in meinem Geburtsort Ringsheim im Erzbergwerk einen „Russenbagger“, in dessen Schaufel schon damals ein Auto Platz gehabt hätte.

Auch auf militärischem Gebiet gab es (vor Hitler) eine Kooperation. Das Deutsche Reich durfte gemäß dem Versailler Diktat kein richtiges Militär haben, hatte aber gute Piloten. Russland hatte gute Flugzeugbauer, aber keine richtigen Flieger. So kam es, dass deutsche Piloten in Russland auf dortigen Flugzeugen voneinander lernten. Hitler war noch nicht so gefährlich, dass dies zum damaligen Zeitpunkt ein Problem gewesen wäre. Das war „der dritte Streich“ zwischen den beiden Völkern.

Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 war der Gau. Es war ein Vertrag zu Lasten Dritter – Polens; hier der Vertragstext. Von Hitler war aus seinem „Mein Kampf“ bekannt, dass er „Lebensraum im Osten“ suchte. Was in Stalins Kopf zu diesem Vertrag vorging, bleibt ein Rätsel. Historiker meinen, er wollte damit Zeit gewinnen, um den angekündigten Angriff auf Russland zu verzögern. Doch schon zwei Jahre später ging es Russland an den Kragen, nachdem Polen und die erst im Rapallo-Jahr 1922 gegründete Ukrainische SSR überrannt waren. 1939 warf sich übrigens die Ukraine per Volksabstimmung der UdSSR an den Hals. Mehr dazu.

Die UdSSR war 1945 eine der vier Siegermächte, verlor aber im Zweiten Weltkrieg am meisten – mehr als Deutschland. Trotzdem gestand sie ihrem Besatzungsgebiet sehr früh Vereinigungsfreiheiten zu, z.B. die Bildung von Gewerkschaften. Aber die Russen waren schon in der Nachkriegszeit „Schmuddelkinder“ und wurden von den Westmächten ins Abseits gestellt. Churchill soll gesagt haben, „Wir haben das falsche Schwein (Deutschland) geschlachtet“.

Aus der Nachkriegsschwäche heraus versuchten die Russen die Teilung Deutschlands aufzuhalten mit dessen Integration in ein Westbündnis und der Gefahr, dass ganz Deutschland ein Instrument des Kalten Krieges gegen den Osten würde. Vergebens. Als die drei westlichen Besatzungszonen zur BRD zusammengeschlossen wurden, erlaubten die Sowjets ein halbes Jahr später die Gründung der DDR. Als die NATO gegründet wurden, schloss sich der Osten ebenfalls ein halbes Jahr später zum Warschauer Pakt zusammen. Dann unternahm Stalin mit seiner sogenannten Stalinnote einen letzten Versuch für eine gesamtdeutsche Republik.

„Am 10. März 1952 übermittelte die UdSSR den Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und der USA eine Note, in der sie die Initiative der DDR zum Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland unterstützte und die Vorbereitung eines gemeinsamen Entwurfs anregte, der anschließend auf einer internationalen Konferenz vorzulegen war. Die März-Note richtete sich allerdings nur der Form nach an die westlichen Regierungen. Ihr eigentlicher Adressat war die deutsche, vor allem die westdeutsche Öffentlichkeit. Das kam zum einen darin zum Ausdruck, dass die Überlegungen von Anfang an zur sofortigen Publikation bestimmt waren: Von der diplomatischen Initiative versprach sich die sowjetische Seite ‚mobilisierende Wirkungen‘ und ‚mächtigen Impulse‘ beim Ringen um das deutsche Volk“,

meint diese Zusammenfassung abwertend – als ob das nicht ein ehrenwertes Ziel gewesen wäre. Grothewohl blieb vor 70 Jahren nichts anderes übrig, als am 14.03.1952 eine Regierungserklärung abzugeben, die das Ende DDR bedeutet hätte. Doch die Offerte wurde von Adenauer abgelehnt, dem ersten BRD-Kanzler, der von den USA observiert wurde und seine politische Konkurrenz in Deutschland observieren ließ. Aber aufgeschoben war nicht aufgehoben.

1989 war es dann soweit. Gorbatschow – Sohn einer ukrainischen Mutter – wollte das Gebilde DDR nicht gegen den Widerstand seiner Bevölkerung am Leben halten und gab das Land zur Vereinigung frei. Am 12. September 1990 durften sich die zwei deutschen Staaten von den vier Siegermächten mit dem 2 plus 4 Vertrag dank der Russen wieder vereinigen. Was nicht auf allen Seiten Freude auslöste. Auf britischer Seite soll es geheißen haben, „Deutschland haben wir so gern, dass wir am liebsten zwei davon haben“. Auch Mitterand war äußerst kritisch. Doch elf Jahre später legte Putin mit seiner Rede im Bundestag vom 25. September 2001 nach und spielte Deutschland sogar den Ball zu, eine wichtige Rolle in einem Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok zu spielen. Stehender Applaus, aber das wars dann auch. Zumindest seine Rede konnte die USA nicht verhindern.

So erfolglos Putin in Deutschland war, so erfolglos war er auch in der Ukraine. Er musste zuschauen, wie ethnische Russen in der überwiegend russisch sprechenden Ukraine mehr und mehr ausgebotet wurden, bis es 2014 zum Maidan-Knall kam. Damit hatten wir Deutschen nichts zu tun, die USA umso mehr. Es kam zum Krieg in Gebieten der Ostukraine, weshalb es unter der Moderation Deutschlands und Frankreichs am 12. Februar zu einem Abkommen Minsk II kam. Doch es wurde von der Ukraine torpediert, weil in ihm auch russische Interessen berücksichtigt waren. Es ist ein Wesenselement von Übereinkommen, dass sie mindestens zweiseitiger Natur sind.

Fazit: Es wäre mehr als tragisch, würde das überwiegend positive Neben- und Miteinander von Deutschland und Russland wegen des Ukrainekrieges nun sein Ende finden. Sogar die Kultur war zu großen Teilen eine gemeinsame, beide hatten z.B. große Komponisten. Am 1. Februar 1992 besuchten wir zum Abschluss einer Sibirienreise (bis Wladiwostok) ein Konzert in St. Petersburg. Intoniert wurde neben Berlioz auch Schubert. Sogar während der deutschen Belagerung 1941/42 gönnte man sich dort solche Konzerte. Und bei uns standen und stehen russische Klassiker hoch im Kurs. Warum jedoch tun wir uns mit der Kultur der Ukraine denn so schwer?

Auch Selenskyj war ein Kulturschaffender und hat nicht nur ein militärisches Pokerface. Vor seiner Präsidentschaft gab er seinem Volk viel zu lachen und war sehr beliebt, wie diese sechs Minuten bzw. Sex-Minuten zeigen. Die Frage sei aber erlaubt, ob er mit Filmen und solcher Art Comedy so viele Steuern in die Staatskasse brachte, wie er in seiner Präsidentschaft aus ihr herausholte. Er verfügt nach drei Jahren Amtszeit über ein stolzes Vermögen, aber er soll dem Vernehmen nach noch kein Dollarmilliardär sein.

Doch dürfte es sich kaum um legal erworbenen Reichtum handeln – so wenig wie bei Putin. Wobei dieser schon länger an der Macht ist und über ein entsprechendes Vermögen verfügt. Auch die kleine Statur ist den beiden Präsidenten gemeinsam. Psychologen meinen, das wäre das eigentliche Problem, auch Hitler sei klein gewesen. Was nicht zutrifft, denn er entsprach der damaligen deutschen Durchschnittsgröße. Aber interessant, dass Selenskyj und Putin beide nur 1,70 m messen. Sie sollten sich also bestens verstehen, da kleine Männer gerne ihre gefühlte Minderwertigkeit mit Machtansprüchen zu kompensieren versuchen.
… Alles vom 11.5.2022 von Albrecht Künstle bitte lesen auf
https://die-andere-sicht.de/2022/05/11/kuenstles-sicht-deutsch-russische-beziehungen-im-zeitraffer/