Mikrosystemtechnik

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Elektroschrott am 20.12.2012 – Elektromotoren – Recyclingprojekt der Diakonie Freiburg

  • Baden-Württemberg ist Weltmarktführer für Mikrosystemtechnik (18.5.2022)

 

Baden-Württemberg ist Weltmarktführer für Mikrosystemtechnik
Winzige Bauteile sind für die Wirtschaft im Südwesten seit Jahrhunderten von großer Bedeutung. Wo früher Uhren gebaut wurden, werden heute Mikrosysteme entwickelt. Die Industrie organisiert sich im Fachverband Microtec Südwest, der nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause am 18. und 19. Mai im Konzerthaus Freiburg zu einer Konferenz lädt. Über die ständige Präsenz von Mikrosystemen in unserem Alltag sprach Valentin Heneka mit Stefan Finkbeiner, Microtec-Vorstand und Geschäftsführer von Bosch Sensortec.
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BZ: Herr Finkbeiner, wo begegnet uns Mikrosystemtechnik im Alltag?
Finkbeiner: Die meisten Menschen haben Mikrosystemtechnik immer bei sich, nutzen sie jeden Tag und wissen das vielleicht gar nicht: In jedem Smartphone ist eine Menge davon verbaut. Sensoren erkennen Beschleunigung und Druck oder helfen bei der Navigation, Mikrofone transportieren Sprache. Airbag-Sensoren im Auto erkennen harte Aufschläge und elektronische Bremssysteme merken, wenn das Fahrzeug ins Schleudern gerät. Und in der Medizintechnik messen Sensoren den Blutdruck oder erkennen Bewegungsabläufe in der Reha.

BZ: Auch für die Industrie ist Mikrosystemtechnik von Bedeutung.
Finkbeiner: In der Industrie kann sie etwa dafür genutzt werden, um herauszufinden, nach wie vielen Stunden der Arm eines Roboters gewartet werden sollte, weil seine Bewegungen leichte Abweichungen zeigen. Überall gibt es kleinste Bauteile, die dafür sorgen, dass Dinge zuverlässiger und genauer funktionieren. Mikrosystemtechnik ist eine Querschnittstechnologie, die zu einem Lawineneffekt geführt hat und heute auf allen relevanten Märkten vertreten ist.

BZ: Was meinen Sie mit Lawineneffekt?
Finkbeiner: In Smartphones werden Sensoren verbaut, die ursprünglich für Airbags entwickelt wurden. Nehmen wir an, die Sensoren wurden zuvor in 80 Millionen Autos pro Jahr verbaut. Um sie in Smartphones einsetzen zu können, mussten sie weiterentwickelt und kleiner werden. Dann aber wurden sie in 1,5 Milliarden Telefone eingebaut. Dann ging es weiter: Die verkleinerten Sensoren konnten nun auch in einen Winkelschleifer eingebaut werden. Die Sensoren erkennen, wenn der Winkelschleifer herunterfällt, woraufhin er sich sicherheitshalber abschaltet. Entwicklungen einer treibenden Industrie haben sich auch in weiteren Industriezweigen etabliert.

BZ: Welchen Stellenwert hat Mikrosystemtechnik aus Baden-Württemberg in der Welt?
Finkbeiner: Baden-Württemberg ist Weltmarktführer für Mikrosystemtechnik. Im Badischen gibt es beispielsweise Sick, TDK-Micronas, Litef oder Endress + Hauser, im Schwabenland Firmen wie Bosch oder Festo. Alles Mittelständler und Tüftler, die die Mikrosystemtechnik maßgeblich vorangebracht haben. Durch die Verbindung zum Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, dem Karlsruhe Institut für Technologie oder den Hochschulen in Furtwangen, Offenburg, Stuttgart oder Aalen hat sich ein hervorragendes Ökosystem entwickelt. Von Forschung und Entwicklung über das Mikrosystemtechnik-Bauteil bis hin zum Endprodukt findet alles hier statt. Das hat Baden-Württemberg stark gemacht und wird auch weiterhin eine der Stärken des Landes sein.

BZ: Hilft uns Mikrosystemtechnik auch im Kampf gegen den Klimawandel? Oder verstärkt sie diesen, weil es immer mehr stromhungrige Geräte gibt?
Finkbeiner: An beidem ist etwas dran. Mikrosysteme können direkt beim Energiesparen helfen. In meinem Büro messen Sensoren die Luftqualität und die Temperatur. Außerdem stellen sie fest, wenn jemand den Raum betritt und wie viele Menschen sich darin aufhalten. Ist niemand da, gibt es keinen Grund zu heizen, zu kühlen oder die Luft auszutauschen.

BZ: Sie stehen dem Fachverband Microtec Südwest vor. Worum geht es auf Ihrer Clusterkonferenz im Konzerthaus Freiburg?
Finkbeiner: Diese Konferenz ist wichtig, um die Industrie nach zweijähriger Corona-Pause überhaupt wieder zusammen zu bringen. Wir wollen einen Austausch schaffen, zwischen denen, die neue Prozesse entwickeln und denen, die sie anwenden. Ein neues Thema wird etwa die Laserlithographie sein, zudem wird es um neue Roboter, Anwendung für das Internet der Dinge und um wissenschaftliche Erkenntnisse zur Zuverlässigkeit von Materialien gehen.

BZ: Dem Fachverband gehören Firmen an, die in Konkurrenz zueinanderstehen. Kommen Sie sich da nicht in die Quere?
Finkbeiner: Die Zusammenarbeit findet im vorwettbewerblichen Umfeld statt. Wenn man Technologien erschließen will, die mit hohen Kosten und langen Entwicklungszeiten verbunden sind, muss man nach Synergien Ausschau halten. Ich habe ja bereits über den Lawineneffekt gesprochen, der sich einstellt, wenn eine Entwicklung nicht nur bei einer Firma, sondern bei 20 Firmen eingesetzt wird. Genau das macht Baden-Württemberg stark.
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Stefan Finkbeiner
Der 56-Jährige ist Physiker und seit 2012 Geschäftsführer der Reutlinger Firma Bosch Sensortec, der für Sensoren und Mikrosystemtechnik zuständigen Tochtergesellschaft von Bosch. Finkbeiner sitzt im Vorstand des Fachverbands Microtec Südwest und lebt bei Reutlingen.
… Alles vom 18.5.2022 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/mikrosystemtechnik-wird-eine-staerke-bleiben–212978344.html