Baumbesetzer FR-Dietenbach

Ich unten am Mooswaldboden und sie ganz oben im Baumhaus – beim Gespräch bringen die Baumbesetzer gut klingende Argumente: Wald bindet CO2, Erderwärmung, Klima, Weltrettung, Grün statt Beton, keine Fällung über 100 Jahre alter Eichen, Bodenversiegelung, Umweltschutz, …
Auf meine Frage, warum sie die Baumhäuser nicht früher zu dem Zeitpunkt errichtet hätten, als die Konflikte zwischen Wohnbebauung im neuen Stadtteil FR-Dietenbach und Naturschutz offen diskutiert und dann per Bürgerentscheid und Gemeinderatsbeschluß beschlossen wurden, kam die Antwort, daß sie damals nicht so viel Aufmerksamkeitprot erreicht hätten.
Meine sicher provokante Frage „Ihr sitzt hier bequem in luftiger Höhe in Baumhäusern, während am Tuniberg und Kaiserstuhl kaum jemand bereit ist, auf die Bäume zu klettern, um die reifen Kirschen zu ernten“ wurde strikt abgewiesen: „Unsere Aktion ist doch viel grundsätzlicher. Es geht schließlich um die Bekämpfung des Klimawandels„.

                     
Langmattwäldchen zwischen Rieselfeld und Mundenhof

Beim Weggehen kam mir der Gedanke, ob ich die jungen Leute hoch oben in den Wipfeln des Langmattwäldchens vielleicht insgeheim doch beneide: Chillen im schattigen Baumhaus, immer was zu tun, im Fokus der Medien, spannendes Warten auf den Oberbürgermeister, Event statt Langeweile.
Infos der Baumbesetzer: https://dieti.blackblogs.org/
14.6.2021
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Nachhaltigkeit ist komplizierter als die Frage, ob Bäume stehen bleiben können
Nach Hambi, Danni und Garni hat Freiburg nun seinen Dieti: Eine kleine Gruppe will das Klima schützen, indem sie Bäume besetzt, die für die Straßenbahntrasse in den geplanten Stadtteil Dietenbach weichen sollen. Bei den Aktionen im Hambacher Forst, im Dannenröder Forst und in den Garnholter Büschen wendete sich der Protest gegen Abholzung für Braunkohleabbau und Autobahnen. In Freiburg aber geht es um den Bau von Wohnungen, die bezahlbar sein und in einem klimaneutralen Stadtteil entstehen sollen. So jedenfalls die politische Vorgabe. Und dafür braucht es die Stadtbahn. Natürlich ist es immer besser, Bäume stehen zu lassen.
Aber Nachhaltigkeit ist etwas komplizierter und hat überdies eine soziale Komponente, die gerne übersehen wird. Die Frage, wie und wo Wohnraum entsteht, ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale.
Zur Toleranz im politischen Streit um den richtigen Weg gehört es auch, einen Bürgerentscheid zu akzeptieren. Denn all die Argumente pro und contra eines neuen Stadtteils waren monatelang diskutiert worden. Vermutlich haben das die jungen Leute schlicht nicht mitbekommen. Sogar in der Wahl des Namens ihrer Aktion liegen sie daneben. Sie besetzen das Langmattwäldchen. Wenn schon, dann muss auf den Schildern eigentlich „Langi“ stehen.
… Alles vom 10.6.2021 von Uwe Mauch bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/nachhaltigkeit-ist-komplizierter-als-die-frage-ob-baeume-stehen-bleiben-koennen

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