Zweisprachig D-F im Elsass

Es soll chic werden, Deutsch zu lernen. So vehement wie der Präsident des Generalrates in Colmar hat bislang noch kein elsässischer Politiker zum Thema Zweisprachigkeit Stellung bezogen. Charles Buttner fordert, alle Schülerinnen und Schüler in der Grenzregion auf Deutsch und Französisch zu unterrichten. Der elsässische Dialekt und die deutsche Hochsprache sind auf dem Rückzug, die Zahl der Grenzgänger ist massiv gesunken.  
Bärbel Nückles: Monsieur Buttner, seit Jahren kritisieren Elternverbände im Elsass, dass die staatliche Schulbehörde nur zögerlich zweisprachige Klassen genehmigt. Warum sollte sie nun ihre Meinung ändern?
Buttner: Frankreich ist leider zentralistisch organisiert. Aber auch in unserem Land muss man endlich verstehen, dass die Entscheidungen zu drängenden Problemen vor Ort fallen müssen. Das Budget unserer Schulbehörde ist begrenzt. Deshalb müssen wir eine Lösung finden, wie wir das System ändern, ohne die Kosten wesentlich zu erhöhen. Ich bin überzeugt, alles wird einfacher, wenn wir statt zwei parallelen Systemen wie jetzt ein einziges, das zweisprachige, haben. Die größte Hürde ist es, dass wir Lehrer finden müssen, die nicht Deutsch als Fremdsprache, sondern Sachfächer auf Deutsch unterrichten können.
Bärbel Nückles: Dass Sie nicht genügend zweisprachige Lehrer haben, war bisher schon ein Hindernis. Woher wollen sie jetzt noch mehr herbekommen?
Buttner: Ideal wäre es, wenn wir mit einer Gemeinde oder einem Kreis in Südbaden gemeinsam ein zweisprachiges Schulprojekt mit einem Austausch der Pädagogen auf die Beine stellen könnten.
Bärbel Nückles: Und was sagen Sie den Eltern, die gegen eine Zwangseinführung sind?
Buttner: Wir müssen sie davon überzeugen, dass Kinder andere Sprachen wie einen Schwamm aufsaugen. Dass es eine echte Chance für ihre Kinder ist, wenn sie sehr früh eine weitere Sprache lernen. Wir müssen erreichen, dass es chic ist, Deutsch zu lernen oder sogar mehrsprachig zu sein. Denn wir wollen Englisch ja nicht aus der Schule verdrängen. Klar ist, dass wir unser Ziel nur erreichen, wenn wir die Eltern auf unserer Seite haben.
Bärbel Nückles: Nach 20 Jahren Erfahrung mit zweisprachigen Klassen, braucht es da noch eine Probephase, wie Sie es vorschlagen? Warum noch mehr Zeit verlieren?
Buttner: So etwas kann man nicht über Nacht einführen. Dafür müssen wir noch zu viel Überzeugungsarbeit leisten.
4.5.2013, Bärbel Nückles im Interview mit Charles Buttner

Charles Buttner, geboren 1949, ist Lehrer und leitet in Colmar ein Gymnasium. Seit 2004 ist er Präsident des Generalrates. Der Politiker der konservativen UPM erhält demnächst das Bundesverdienstkreuz.
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